SB451 .F5 Altdeutsche Gartenflora. Untersiicliungen über die Nutzpflanzen des deutschen Mittelalters, ihre Wanderung und ihre Vorgeschichte im klassischen Altertum Prof. Dr. K. v. Fischer-Benzon Kiel und Leipzig V^erlag von Lipsiiis & Tischer. 18 9 4. Verlag von Ljpsjus & TJscher in Kiel und Leipz ig. Ergebnisse der in dem atlantischen Ocean von Mitte Juli bis Anfang November 1889 ausgeführten Pianl(ton- Expedition der Humboldt-Stiftung. Auf Grund von gemeinschaftlichen Untersuchungen einer Reihe von Fach- Forschern herausgegeben von Victor Hensen, Professor der Physiologie iu Kiel, in 5 Quart bänden mit über 300 Tafeln. Erschienen sind bereits: Bd. I A. Reisebesclireibun};. Von Dr. 0. Krüiiiinel nebst Einleitung von Dr. Hensen und Vorberichten von Drr. Dalil, Apsteiu, Lohuiann, Borgert, Schutt und Brandt. 380 Seiten. 4». Mit 100 Figuren im Text, sowie 5 Karten, 2 Tafeln und einer Photogravüre. Preis kart. Mk. 30. Eleg. gebunden Mk. 32. Bd. I C. Oeopliysikaliscbe Beobaclitungen. Yen Dr. Krünimel. 120 S. 40. Mit 2 Karten. Preis brosch. Mk. 10. Bd. II Ea. A. Die Tbaliacea. Systematische Bearbeitung. Von M. P. A. Trau- stedt. 1« Seiten. 40. Mit 1 Tafel. Preis brosch. Mk. 2. Bd. II Ga. « Halobaliden. Von Prof. Dr. Fr. Dahl und ,.i Halacarinen. Von Dr. Lolimann. 9ß S. 4». Mit 11 Fig. im Text, sowie mit 13 Taf. Preis brosch. Mk. IH. Bd. n Gb. Decapoden und Scbizopoden der Plankton -Expe- dition. Von Dr. Arnold Ortniann. 120 S. 4». Mit 7 Tafeln, 3 Karten und einer Figur im Text. Preis brosch. Mk. 14. Bd. II Kc. Die craspedoten Medusen d. PIankton-£xpedition. Von Dr. Otto Maas. 107 S. 4". Mit 6 Tafeln, 2 Karten u. 3 Fig. im Text. Preis brosch. Mk. 14. Bd. II Kd. Die Akalephen. Von Dr. E. Yanhöffen. 28 Seiten. 4«. Mit 4 Tafeln und einer Karte. Preis brosch. Mk. 8. Bd. IV Mg. Die Bakterien des Hleeres nach den Untersuchungen der Plankton -Expedition unter gleichzeitiger Berücksichtigung einiger älterer und neuerer Untersuchungen von Prof. Dr. Bernhard Fischer. 83 S. 4". Mit 3 Figuren im Text und 1 Karte. Preis brosch. Mk. 6. Abonneuten, welche sich zur Abnahme des ganzen Werkes verpflichten, haben Ansprach auf einen um 10 X erniässigten Snbscriptionspreis. Die Namen der Subscribenten soUeu bei Ausgabe des Schlussheftes verölTentlicht werden. P^ Ausführliche Prospekte über das gross angelegte Werk stehen gratis und franko zur Verfügung. Die Plankton-Expedition und Haeckels I Analytischo Plankton - Studien. Darwinismus. y^^ p^.^,^^ j^^ j,^.^^^ Schutt. Von Prof. V. Hensen. I „. , i,, , ^ , t., , , n 1 Ueber einige Aufgaben ur.d Ziele der beschreibendeu 1 Ziele U. Methoden der Plankton-Forschung. NatiirwisBenechafteu. Mit 2 Steiudrucktafelii. Preis Mk. 3. Diese erste z. Z, eiuem grösseren Leserkreise dar- gebotene Veröffentlichung dürfte als Entgegnung auf die Haeckel'sche Schrift „Plank ton- Studien", in der er die Expeditimi schon vor der Bekanntgabe ihrer Ergebnisse in Misskredit zu bringen versucht, auch jetzt noch von hohum Interesse sein. Preis Mk. Diese Schrift, in der die genannte Methode, die Planktoufänge nach Maass, Zahl und Vertheilung zu bestimmen, beschrieben wird, ist für Zoologen und Botaniker von gleicher Bedeutung. Das Pflanzenleben der Hochsee. Von Dr. Franz Schutt, Professor an der Universität zu Kiel. 76 Seiten. 4" mit 35 Textabbiklungen und einer Karte. Preis kart. Mk. 7. Altdeutsche Garteriflora. Untersucliungen über die Nutzpflanzen des deutschen Mittelalters, ihre Wanderung und ihre Vorgeschichte im klassischen Altertum Prof. Dr. R. y. rischer-Beiizon LIBRARY NEW YORK BOT AN IC AI, QAKOßti, Kiel und Leipzig Verlag von Lipsius & Tischer. | 18 9 4. FS- t)ruck von A. Hopfer in Burg b. M. LIBRARY NEW YORK BOT AN IC AL QARDEN. Ernst H. F. Meyer geb. zu Hannover, den 1. Januar 1791 l^est. zu Königsberg i. Pr., den 7. August 1858 und Victor Helm geb. zu Dorx^at, den 8. Oktober 1813 o-est. zu Berlin, den 21. März 1890 zum Gedächtnis. lljin reges Interesse an der gesamten Geschichte der Botanik im Zusammenhange mit der allgemeinen Kulturge- schichte, das war es, wie Ernst Meyer selbst sagt, was die Hauptrichtung seiner wissenschaftlichen Thätigkeit bestimmte. In der That sind seine Arbeiten über Geschichte der Botanik zahlreicher und zugleich bedeutender als seine systematischen. Seine Geschichte der Botanik, an deren Vollendung ihn leider sein früher Tod hinderte, ist ein schönes Denkmal seines Geistes und seiner Gelehrsamkeit. Mit Eifer hat er sich in die Schriften der verschiedenen Autoren vertieft und besondere Sorgfalt hat er darauf verwendet, ihren Lebensgang darzustellen. Dadurch schafft er uns nicht nur ein Bild von den einzelnen Persönlich- keiten, sondern auch von ihrer Zeit. Mit ausgesprochener Vorliebe verweilt er bei den botanischen Schriftstellern des deutschen Mittelalters. Er war es, der zuerst die Bedeutung der heiligen Hildegard und des Albertus Magnus, seines erklärten Lieblings, nicht nur für die Geschichte der Botanik überhaupt, sondern namentlich auch für die Geschichte und Wanderung unserer Nutzpflanzen erkannte. So arbeitete er an demselben Zweige des Wissens wie Victor Hehn, der indes, im Gegen- satze zu ihm, nicht von den Botanikern der früheren Jahr- hunderte ausging, vielmehr die einzelnen Pflanzen zum Mittel- punkte seiner Darstellung machte und ihre Wanderung an der Hand der Alten verfolgte. Mcht nur der Dank, den ich selbst den beiden genannten Männern für die aus ihren Werken geschöpfte Anregung und Belehrung schulde, hat mich veranlasst mein Buch ihrem An- denken zu widmen, mich bewog ebensosehr die Verehrung und Hochachtung, die wir alle diesen echt deutschen Forschern schuldig sind. Vorwort. IVarl der Grosse erliess im Jahre 812 eine Yerurdiniiig über die Verwaltung seiner Besitztümer, das „Capitulare de villis." Das siebzigste und letzte Kapitel dieser Verordnung ist dem Gartenbau gewidmet und zählt die Pflanzen auf, die der Kaiser in seinen Gärten gebaut wissen wollte. Mit Recht hat man diesem Pflanzenverzeichnisse eine grosse Bedeutung für die Geschichte des Gartenbaues beigelegt, denn die darin genannten Gemüse- und Obstarten werden fast alle auch heute noch gebaut. Deshalb sind Historiker, Landwirte und Botaniker bemüht gewesen, die lateinischen Namen dieses Verzeichnisses zu deuten und zu enträtseln. Aber je nach den botanischen Kenntnissen der Deuter und nach den benutzten Hülfsmitteln waren diese Bemühungen von verschie- denem Erfolge, und über den Sinn mancher Namen wurde eine Einigung überhaupt nicht erzielt. Eine langjährige Beschäftigung mit den Bauerngärten meiner Heimat hat mich dazu geführt, die Pflanzennanien des Capitulare aufs Neue aufmerksam zu prüfen, namentlich dadurch, dass ich die betreffende Pflanze zeitlich möglichst weit rückwärts und vorwärts verfolgte. Was aber anfänglich nur Mittel war, wurde schliesslich Zweck: die Unter- suchung wurde auf unsere alten Nutzpflanzen überhaupt ausgedehnt, und ihre Wanderung aus dem Südosten und Süden nach Norden wurde tliunlichst bis auf die Gegenwart verfolgt. Auf die Weise ist mein Bucli zu dem Titel „Altdeutsche Gartenflora" gekommen. Auf absolute Vollständigkeit macht die folgende Arbeit keinen Anspruch; doch hoffe ich, dass Pflanzen von einiger Wichtigkeit nicht ausgelassen sein werden. Der Raum, der den einzelnen Pflanzen ein- geräumt worden ist, ist sehr verschieden ; die Schwierigkeit, welche die Untersuchung darbot, oder das Interesse, das ich selbst an dem behan- delten Gegenstande nahm, haben hierbei den Ausschlag gegeben. In manchen Punkten weiche ich von meinen Vorgängern ab ; da ich aber auf — VII - ihren Schultern stehe, und da ich Hülfsmittel benutzen konnte, die jenen zum Teil nicht bekannt waren, so habe ich es unterlassen, meine ab- weichende Ansicht jedesmal ausdrücklich hervorzuheben. Wiederholungen haben sich ebensowenig vermeiden lassen wie Verweisungen von einer Stelle auf die andere ; hoffentlich empfindet der Leser eine Wiederholung gelegentlich als Bequemlichkeit. Hülfe und Rat sind mir in reichem Masse zu Teil geworden, in botanischen und pflanzengeographischen Fragen von Dr. med. Eenst H.- L. Kkause, bei sprachlichen Schwierigkeiten von den Professoren Dr. A. FuNCK und Dr. P. Cauek, sowie von Oberlehrer Dr. E. Beuhn, meinen früheren Collegen. Eine Reihe wertvoller Angaben über Gemüse und Gemüsebau lieferte mir Herr Handelsgärtner Ande. Böttohee, Inhaber der Firma Job. Eckardt in Kiel. Ihnen allen sei hiermit herzlicher Dank ausgesprochen ! Aber damit sind noch nicht alle genannt, die zum Gelingen meiner Arbeit beigetragen haben. Meinem Herrn Verleger schulde ich Dank einmal dafür, dass er mir gestattet hat die Ergebnisse fortgesetzter Untersuchung während des Druckes in den Text einzufügen, und zweitens für die hübsche Ausstattung, die er meinem Buche gegeben hat. Bei der peinlichen Arbeit der Korrektur hat mir Dr. A. Funck unermüdlich beigestanden. Endlich ist es mir eine angenehme Pflicht an dieser Stelle auszusprechen, dass die Mühe des Korrigierens durch das aus- gezeichnete Setzerpersonal der Hopfer'schen Druckerei in ungewöhnlichem Grade vermindert worden ist. Kiel, Ostern 1894. R. V. Fischer-Benzon. Iii]ialtsül)ersic]it. Seite Eiuleitung:. Allgemeines, Hülfsmittel und Quellen l 1. Frühere Deutungsversuche 7 2. Die botanischen, medicobotanischen und landwirtschaftlichen Schriften des Altertums 8 antike Wandgemälde 13 3. Die Pflanzenglossare 14 4. Botanische Schriften des deutschen Mittelalters 17 5. Die Kräuterbücher des 16. Jahrhunderts ■ ... 20 6. Die pflanzlichen Arzneimittelnamen der alten Apotheken und Pharmakopoen 21 7. Die volkstümlichen Pflanzennamen im heutigen Griechenland und Italien 22 8. Schriften, die sich mit der Geschichte der Nutzpflanzen beschäftigen . . 23 9. Untersuchung des Bestandes an Nutz- und Zierpflanzen in alten Gärten . 24 Verzeichnis der gebrauchten Abkürzungen • 27 Unsere Nutzpflanzen 29 I.Zierpflanzen .. • 33 Die Lilie • 33 Rosen 34 Narcissen 37 Die Hyacinthe 38 Veilchen, Levkoje, Goldlack und Viole 39 Goldblume und Vexiernelke ■ . . 42 Schwertlilie und Gladiolus 43 Lorbeer, Myrte und Buchsbaum 47 2. Heilpflanzen 49 Kalmus 49 Drachenwurz, Esdragon, Schlangenwurz 51 Koloquinte und Zaunrübe • 54 Haselwurz und Osterluzei 56 Springkraut und Wunderbaura 58 Klette, Pestwurz und Grindlattich 59 Schöllkraut, Schwalbenwurz 61 Mutterkraut und Nieswurz 62 Alant 63 Eibisch 63 Mohn 64 Laserkraut, Ammi und Liebstöckel 65 Diptam und Ptaute 67 Minze, Frauenminze und Rainfarn 69 — IX — Seite Eberraute uud Heiligeiipflanze (Cypresse) 74 Wermut und Beifuss 75 Odermennig und Betonika 76 Andorn und Ballota 77 Eisenkraut 78 Hauslauch und Johanniskraut 79 Sadebaum und Wachhokler 80 Meerzwiebel 81 Griechisch Heu 81 Technisch verwertbare Pflanzen 82 Färberröte, Waid, Wau und Safflor 82 Seifenkraut und andere Waschmittel 84 Flachs ; Leinenappretur 85 Hanf und Nessel 87 Pflanzen des Gemüsegartens 89 Kürbis, Gurke und Melone 89 Erbsen und Bohnen • 95 Kicher und Linse 101 Kresse, Brunnenkresse und Pfefterkraut 102 Salat, Endivie, Cichorie und Ringelblume 104 Rauke, Senf und Portulak 107 Kohl und Rüben .... • 108 Kohl 108 Steckrübe und Rübe 112 Rettich und Radies 113 Meerrettich , 114 Mohrrübe, Pastinak und Zuckerwurzel 116 Sellerie, Petersilie und schwarzes Gemüse 119 Artischocke und Weberkarde 121 Weisswurzel und Schwarzwurzel 122 Spargel • 124 Kerbel und Myrrhenkerbel 126 Spinatpflanzen 127 Gartenmelde, Malve 127 Mangolt, Amarant 129 Spinat 130 Erdbeerspinat 130 Kreuzkümmel, Kümmel und Schwarzkümmel 131 Fenchel, Dill, Anis und Koriander 132 Würzpflanzen aus der Familie der Labiaten 133 Salbei 133 Muskatellersalbei, Basilikum 134 Bohnenkraut, Thymian, Majoran 135 Lavendel, Rosmarin 186 Melisse und Ysop • 137 Zwiebeln und Lauch 137 Schalotte 138 Sommerzwiebel 139 Winterzwiebel 140 Schnittlauch, Porree 141 Knoblauch 142 Nachtschatten 143 — X — Seite 5. Obstbäume 144 Apfel, Birne uud Quitte 144 Speierling und Mispel 147 Kirsche und Pflaume 148 Pfirsich und Aprikose 154 Maulbeere und Feige 156 Der Weinstock 157 Mandel, Kastanie, Walnuss und Haselnuss 158 Pinie 161 H. Bemerkungen über unsere Getreidcarten 162 Anhang I 171 1. Aus den „Hermeneumata" des Corpus Glossariorum Latinorum, Bd. 3, Leipzig 1892 173 A. De floribus, über Blumen 174 B. De oleribus, über Gemüse 175 2. Zwei Inventare Kaiserlicher Gärten aus dem Jahr 812 181 3. Kapitel 70 des „Capitulare de villis (vel curtis) imperialibus" 183 4. Entwurf zu einem Klostergarten aus dem 9. Jahrhundert 184 5. Der „Hortulus" des "VValafridus Strabus, Inhaltsübersicht 187 6. Glossae Theotiscae 188 Anhang' II. Die Pflanzennamen in der „Physica" der heiligen Hildegard . . . 191 Nachtrag zu S. 95 221 Register 225 J Einleitung. AUgemeines, Hülfsmittel und QueHen. Es gab eine Zeit, wo die Mode auf das Aussehen der Gärten nur einen sehr geringen Einfluss hatte, und diese Zeit liegt gar nicht so sehr weit hinter uns, vielleicht 40 oder 50 Jahre. ') Damals unterschieden sich die Gärten der Städter im allgemeinen nur wenig von denen der Bauern; der Städter baute vielleicht einige Gemüserassen mehr und hatte in seinem Blumengarten auch wohl einige Zierpflanzen stehen, die man auf dem Lande vergebens suchte. Die Wanderung der Pflanzen ging früher eben nur langsam von statten. Der Verbreitungsmittelpunkt für neue Nutzpflanzen jeder Art war auf dem Lande der Pastorengarten; aber bevor eine neue Pflanze ihren Weg aus der Stadt dorthin nahm, konnte immerhin einige Zeit vergehen, und bevor der Bauer den neuen Gast in seinen eigenen Garten aufnahm, musste er sich auch durch eigene Anschauung von dessen guten Eigenschaften überzeugt haben. Heute, wo es auch Gärtnereien in Dörfern giebt, verbreiten die Gartenpflanzen sich sehr viel rascher, und die grosse Übereinstimmung, die unsere Bauerngärten früher zeigten,-) ist jetzt in der Nähe grösserer Städte und wichtigerer Verkehrsstrassen nicht mehr vorhanden. Zierpflanzen mit prunkenden Blüten haben die alten bescheideneren verdrängt; auch glaubt der Bauer nicht mehr an die Kraft der alten Heilpflanzen und *) Vollkommen unbeeinflusst durch die Mode waren unsere Grärten in den vorangehenden Jahrhunderten auch nicht: man denke nur an den Tulpenschwindel in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Indessen wurden den Gärten früher in einem Jahrhundert kaum so viele neue Pflanzen zugeführt, wie jetzt in einem Jahrzehnt. -) A. Kkrner, Die Flora der Bauerngärten etc. ; Verhandl. d. zool.-bot. Vereins in Wien, Bd. 5, 1855, S. 788; Göppert, Über Geschichte der Gärten, insbesondere in Schlesien ; 42. Jahresbericht und Abliandlungeu der schlesischen Gesellschaft für vater- ländische Kultur für das Jahr 1864, Breslau 1865, S. 176-185. V. FiSCHER-BeNZUN, altd. Gartenflora. l _ 2 — wirft sie über den Zaun. So wirken verschiedene Ursachen , um die Physiognomie des Bauerugartens vollständig umzugestalten. Da man seit" etwa einem Jahrhundert angefangen hat, sich genauer um Heimatland und Verbreitung der einzelnen Pflanzen zu kümmern, so ist es meistens nicht sehr schwierig, diejenigen Pflanzen auszusondern, die während der letzten Jahrhunderte in unsere Gärten eingedrungen sind, und dadurch ein Bild von deren ursprünglichem Aussehen zu ge- winnen. Nehmen wir eine solche Aussonderung vor, so ergiebt sich, dass die Gärten in ganz Deutschland, in Deutsch-Österreich, und zwar bis in die entferntesten Gebirgsthäler hinein, in den östlichen und westlichen Grenzländern, in Dänemark, Norwegen und Schweden dieselbe Physiog- nomie zeigen : sie sind arm an eigentlichen Zierpflanzen, reich an Nutz- pflanzen der mannigfaltigsten Art, denn ausser denjenigen Pflanzen, die zur Speise und zur Würze der Speise dienen, begegnen uns auch solche, die als Heilmittel etc. benutzt werden. Betrachten wir die Namen dieser Pflanzen etwas genauer, so erfahren wir, dass sie fast sämtlich entweder direkt, höchstens mit geringfügigen Änderungen, aus dem Lateinischen entnommen sind, oder dass der lateinische Name im Munde des Volkes so lange verändert und umgemodelt worden ist, bis er bequem zu sprechen war. Namen der ersten Art sind Rose aus rosa, Lilie aus lilium, Raute aus Tuta, Salbei aus salvla, etc. ; Namen der zweiten Art : Eberraute aus abrotamDu, Liebstöckel aus lihisticmn, Rettich aus ixtdix etc. Ausnahmen sind Bohne für faha, Dill für anethum etc. Unsere Bauerngärten liefern uns ein möglichst getreues Bild von dem Zustande der ersten Gärten, die auf deutschem Boden gegründet wurden ; ihre Entstehung reicht bis ins Ende des achten oder bis in den Anfang des neunten Jahrhunderts zurück. Die Übereinstimmung, welche sie in ihren Pflanzen und diese wieder in ihren Namen zeigen, macht es wahrscheinlich, dass unsere Gartenpflanzen von einem und demselben Mittelpunkt ausgegangen sind und ihre Verbreitung einer und derselben treibenden Kraft verdanken. Der Umstand nun, dass die Pflanzen der Bauerngärten sich fast vollständig im 70. Kapitel von Karls des Grossen „Capitulare de villis'^ ^) wiederfinden, führte zu der Annahme, dass die Gärten des grossen Kaisers der Verbreitungsmittelpunkt gewesen seien, und dass das hervorragende Ansehen, welches er genoss, die Ausbreitung dieser Pflanzen begünstigt habe. Für Südwestdeutscliland oder einen Teil davon mag das richtig sein, aber darüber hinaus wird Karls Ein- fluss kaum gereicht haben, dazu verfiel das Reich zu früh unter seinen Nachfolgern ; auch hat man zu bedenken, dass das „Capitulare de villis'' nur zwei Jahre vor seinem Tode erlassen wurde. Wenn man aber, wie ^) Das „Capitulare de villis" stammt aus dem Jahre 812 und enthält Verord- nungen über die Verwaltung der Hofgüter (Capitulare hiess eine in Kapitel geteilte Verordnung) ; das 70. Kapitel ist nebst Übersetzung abgedruckt in Anhang I, 3. ganz neuerdings von GAREIS ^) gezeigt worden ist, wahrscheinlich Nord- frankreich als das Geltungsgebiet des Capitulare zu betrachten hat, so kann diese Kaiserliche Verordnung auf den Inhalt unserer Gärten keinen merkbaren Einfluss geübt haben. Es kann wohl kaum zweifelhaft sein, dass der Verfasser und Schreiber des Capitulare ein Mönch war, und zwar ein Benedictiner- mönch. GaREIS macht es sogar wahrscheinlich,-) dass der Benedictiner- mönch Ansegis, der später (823) Abt von St. Wandrille (ehemals Fontenella) wurde und der als besonders geschickt in allem, was zur Landwirtschaft gehört, gerühmt wird, von Karl dem Grossen zu dieser Arbeit herangezogen worden sei. Das mag dahingestellt bleiben, jeden- falls wird Karl der Grosse sich einen fähigen und klugen Mann für die Ausführung seines Willens ausgesucht haben. Man hat sich die Frage vorgelegt, ob der Schreiber des Capitulare eine bestimmte Quelle für das Pflanzenverzeichnis des 70. Kapitels benutzt habe. Die meisten der daselbst angeführten Pflanzen sind nämlich solche, die seit alten Zeiten bei den Römern in Gebrauch waren und sich daher in den Werken von COLUMELLA und PLINIUS verzeichnet finden; das Wort unio, das Zwiebel bedeutet, findet sich bei keinem anderen Schriftsteller, als bei COLUMELLA, hat aber Aufnahme in das Capitulare gefunden. Indessen sind die Namen des Capitulare gegenüber denjenigen, die sich bei den römischen Schriftstellern finden, zum Teil stark verändert, z. B. lacterkla für latliyris, olimtum für olusatrum, adripia für atriplex\ einige altlateinische Namen sind durch neue ersetzt, wie ruhia durch warentia, und verschiedene Pflanzen des Capitulare werden bei den Römern über- haupt nicht erwähnt, jedenfalls nicht deutlich kenntlich gemacht, wie costus, tanazita etc. Die Quelle für das Pflanzenverzeichnis des Capitulare dürfen wir also nicht bei einem Schriftsteller des Altertums suchen ; sein Inhalt weist auf eine spätere Zeit. Ein Werk, das bestimmt zu sein scheint, unsere Kenntnisse auf sehr vielen Gebieten des Wissens zu erweitern, das ,, Corpus Glossariorum Latinorum", enthält in seinem 3. Bande ^) Schriften, die „Hermeneumata Pseudodositheana'', die uns sehr wertvolle Beiträge zur Geschichte unserer Nutzpflanzen liefern, und ausserdem am Schlüsse alte Pflanzenglossare, die sich als ein unschätzbares Hülfsmittel zur Deutung spätlateinischer Pflanzennamen erweisen. Die „Hermeneumata", von den Lateinern 1) Carl Gareis, Bemerkungen zu Kaiser Karls des Grossen Capitulare de villis in „Germanistische Abhandlungen zum LXX. Geburtstage Konrad von Maurers, Göttingen 1893", S. 207—247. ") a. a. 0. 8. 2b6— 238. •^) Corpus Glossariorum Latinorum, Vol. III, Hermeneumata Pseudodositheana, ed. G. GOETZ, Lipsiae 1892, 8 *>. Nach einer Anzeige dieses Bandes von K(arl) K(rum- bacher) in No. 48 des litterarischen Centralblattes vom 26. Nov. 1892 hat man die Entstehung der Hermeneumata Pseudodositheana in die Zeit vom 3. bis 5. Jahr- hundert unserer Zeitrechnung zu verlegen. 1* — 4 — Interpretame?ita genannt, waren praktische Hülfsbücher für Schulen, in denen „die beiden Sprachen", d. h. Lateinisch und Griechisch, gelehrt wurden. Sie enthalten zu dem Ende teils Gespräche, teils systematische Verzeichnisse derjenigen Wörter, die im wissenschaftlichen und praktischen Verkehr notwendig waren. Für unseren Zweck sind von diesen Ver- zeichnissen namentlich diejenigen von Wichtigkeit, die Blumen und Ge- müse enthalten,^) ausserdem diejenigen über Bäume, Landwirtschaft und Feldfrüchte (de legiuninibuxj . Da uns diese Hermeneumata durch die Klöster erhalten worden sind, und da in den Klöstern ganz ähnliche Schriften in lateinischer und deutscher Sprache verfasst wurden, die nur den abweichenden Namen Summariwn oder Abecedarim -) führten , so dürfen wir annehmen, dass die Hermeneumata als Lehrbücher Eingang in die Klosterschulen fanden, aber wir dürfen auch annehmen, dass die in ihnen aufgeführten Gartenpflanzen im Klostergarten Platz und Pflege fanden : sind es doch dieselben Pflanzen , denen wir bei COLUMELLA und PLINIUS als Bürgern römischer Gärten begegnen, dieselben, die wir noch jetzt in unseren Gärten ziehen. Entstellungen haben die Namen in den Pflanzenverzeichnissen der Hermeneumata auch erfahren, nament- lich die griechischen, und diese sind im Laufe der Zeit, wie die alten Pflanzenglossare des Corpus Glossariorum Latinorum beweisen, erheblich grösser geworden, decken sich auch zum Teil mit denen der Namen im Capitulare. Hat also der Mönch, der das Pflanzenverzeichnis des Capi- tulare zusammenstellte, eine schriftliche Quelle benutzt, so könnte diese eines der Hermeneumata oder auch ein älteres Pflanzenglossar gewesen sein; wahrscheinlicher ist es aber, dass er dasjenige aus dem Gedächtnis niederschrieb, was er in seinem Heimatkloster gelernt und gesehen hatte, vielleicht auch selbst hatte bauen helfen. Wenn wir aber in seinem Verzeichnisse Pflanzen antreffen, die bei den Römern im Altertum nicht vorkommen, so hat das seinen Grund darin, dass die Mönche im Ver- kehr mit den Nachbarn des Klosters nicht nur Kenntnisse austeilten, sondern auch aufnahmen. Wir besitzen ein sehr merkwürdiges Dokument aus dem 9. Jahr- hundert, einen Bauriss des Klosters St. Gallen, ■"') der von einem Bene- dictinermönch herrührt; dieser Bauriss ist zwar niemals vollständig zur ^J Ein Verzeichnis von Blumen, sowie die drei ältesten Verzeichnisse von Ge- müsen sind mitjreteilt in Anhang I, 1. -) HüFFMANN VON Fallersleben hat ein von seinem Verfasser selbst snm- marium genanntes Glossar in seinen Althochdeutschen Glossen, Breslau 1826, 4*^, S. 1 — 19, unter dem Titel „Glossae Trevirenses" herausgegeben , einen Abecedarius in seinen „Sumerlaten", Wien 1834, 8", S. 25—43. ^) Bauriss des Klosters St. Gallen aus dem Jahr 820, herausgegeben und er- läutert von Ferdinand Keller. Zürich 1844, 4" (mit 1 lithogr. Tafel). — Die- KAUEK, Über die Gartenanlagen im St, Gallischen Klosterplan vom Jahre 830 (mit einer Tafel); Bericht über die Thätigkeit der St. Gallischen uaturw. Gesellscliaft während des Vereinsjahres 1872—73, St. Galleu 1874, S. 434—446. — 5 — Ausführung gelangt, er zeigt uns aber, wie die Benedictiner selbst sich ein begütertes Kloster vorstellten. Ausser den zahlreichen Gebäuden für Bewohner und Bedienstete des Klosters ist auch neben der Wohnung der Aerzte ein Gärtchen mit 16 verschiedenen Heilpflanzen, und neben der Wohnung des Gärtners ein Gemüsegarten mit 18 Arten von Ge- müsen angegeben, und zwar sind die Namen der betreffenden Pflanzen in die Beete der Gärten hineingeschrieben. Zwischen den Gräbern des Friedhofes befinden sich arabeskenartige Zeichnungen, neben die der Name eines Baumes geschrieben ist; im ganzen werden 15 Obstbäume genannt.^) Die Pflanzennamen scheint der Verfertiger des Baurisses aus dem Gedächtnis niedergeschrieben zu haben , denn einmal sind Heil- und Gemüsei^flanzen nicht strenge auseinandergehalten, und zweitens fehlen manche sehr viel benutzte Pflanzen, wie Eberraute, Bohnen (faba) und Gurken; das Bohnenkraut kommt als Heil- und als Gemüsepflanze vor. und der Mohn wird unter zwei verschiedenen Namen, also zweimal aufgeführt. Dem Baumeister lag eben daran, den leeren Platz der Beete etwas auszufüllen, da wird er eine sehr sorgfältige systematische Son- derung nicht vorgenommen haben. Den Inhalt eines grösseren Kloster- gartens dürfen wir uns zweifellos reicher vorstellen , als er auf dem Bauriss angegeben ist; immerhin bestätigt aber dieser Entwurf dasjenige, was wir oben über die Klostergärten gesagt haben. Wie es in den Gärten Karls des Grossen aussah, wissen wir aus zwei Garteninventaren, die in einem aus dem Jahre 812 stammenden Dokumente, „Beneficiorum fiscorumque regalium describendorum for- mulae",^) mitgeteilt sind. Danach befanden sich in dem Garten von Asnapium 20 Arten Blumen und Gemüse, sowie 8 Arten von Obst- bäumen, in dem von Treola^) 27 Blumen- und Gemüse- und 10 Obst- arten. Der Vergleich dieser Gärten mit den reichhaltigeren Kloster- gärten kann Karl den Grossen veranlasst haben, seinem Capitulare de Villis, das zeitlich den „Beneficiorum fiscorumque regalium describen- dorum formulae" folgt, ^) das 70. Kapitel über die Gartenpflanzen, die er gebaut wissen wollte, anzuhängen. In diesem Kapitel, das keineswegs alle in den Klostergärten gebauten Pflanzen enthielt, werden 73 Kräuter und 16 Arten von Bäumen aufgeführt ; es fehlen darin aber zwei in den Inventaren genannte Heilpflanzen, nämlich Betonika {yittonica Invent. 1, 20, II, 16) und Odermennig {acrimonia Invent. II, 17). ^) Eine Deutung der Pflanzenuamen ist Anhang 1, 4 versucht. ^) Dies Dokument hiess früher kurz „Breviarium" und stellt Formulare dar, nach denen die Beamten des Kaisers über die Krongüter zu berichten hatten; ab- gedruckt ist es bei Pertz, Monumenta Germaniae etc. Bd. 3, Hannover 1835, S. 175 ff — Die beiden Garteninveutare finden sich in unserem Anhang I, 2. ^) Über die Lage von Asnapium und Treola ist nichts bekannt. ■*) M. Gu:ßRARD, Explication du Capitulaire de Villis, in Memoires de l'Institut Imperial de France etc., tome 21, 1, Paris 1857, S. 167. — 6 — Nach dem Gesagten haben wir unsere Bauerngärten als mehr oder minder vollständige Wiederholungen oder Nachbildungen der ehemaligen Klostergärten zu betrachten. Die Ausbreitung des Christentums aber hat es bewirkt, dass die Bauerngärten bis nach Nordeuropa hinauf eine so weitgehende Übereinstimmung zeigen. Denn wenn die Mönche aus- zogen, um ein neues Kloster zu gründen, so nahmen sie in den neuen Klostergarten die Pflanzen des alten mit hinüber und verteilten sie von da aus weiter. Einen direkten Einfluss auf den Inhalt unserer Bauern- gärten können wir also Karl dem Grossen nicht zugestehen, wohl aber einen indirekten, insofern er die Ausbreitung des Christentums mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln förderte. Ursprünglich wurde die folgende Arbeit unternommen, um wo- möglich die zweifelhaften Namen des Capitulare sicherer zu deuten. Die in diesem Aktenstück genannten Pflanzen stellen immerhin die Mehrzahl der von uns noch heute gebauten Obst- und Gemüsearten dar. Da es sich indessen sehr bald herausstellte, dass die Deutung der einzelnen Namen um so mehr an Sicherheit gewinnen musste, je mehr Pflanzen berücksichtigt und auf ihre alten Namen hin untersucht wurden, so wurde das Untersuchungsgebiet wesentlich erweitert und auf die Nutzpflanzen der alten AVeit, soweit sie für Deutschland in Betracht kommen, aus- gedehnt. Für Untersuchungen der vorliegenden Art giebt es eine grosse Zahl von Hülfsmitteln, und unter diesen finden sich sowohl ganz neu entstan- dene, als auch alte, offenbar übersehene. Es wird nötig sein, etwas ein- gehender bei sämtlichen zu verweilen. Wir bringen sie in folgende Abteilungen : 1) Frühere Deutungsversuche. 2) Die botanischen, medicobotanischen und landwirtschaftlichen Schriften des Altertums. Antike Wandgemälde. 3) Die Pflanzenglossare. 4) Botanische Schriften des deutschen Mittelalters. 5) Die Kräuterbücher des 16. Jahrhunderts. 6) Die pflanzlichen Arzneimittelnamen der alten Apotheken und Pharmakopoen. 7) Die volkstümlichen Pflanzennamen im heutigen Griechenland und Italien. 8) Schriften, die sich mit der Geschichte der Nutzpflanzen be- schäftigen. 9) Endlich giebt es noch ein Hülfsmittel: eine sorgfältige Unter- suchung des Bestandes an Nutz- und Zierpflanzen in alten Gärten und in Beschreibungen früherer Gärten. — 7 — 1. Frühere Deutiingsversuclie. Eine vollständige Aufzählung der verschiedenen Abdrücke des Capitulare und der darauf bezüglichen Schriften bis zum Jahre 1855 findet sich bei ERNST MEYER, Geschichte der Botanik, Bd. 3, 1856. S. 398—401. Hier sind nur diejenigen Arbeiten aufgeführt, die im Folgenden wirklich benutzt sind. P. J. BRUNS, ßeyträge zu den deutschen Rechten des Mittelalters etc. Helmstädt 1799, 8^; darin ist S. 1—42 das ganze Capitulare, begleitet von kurzen kritischen Anmerkungen, abgedruckt. Besonders wertvoll sind die von J. FR. A. KINDERLING herrührenden Anmerkungen (S. 359 bis 421), die entschieden zu den gründlichsten und besten Deutungs- versuchen gehören. K. Gr. Anton, Geschichte der teutschen Landwirthschaft von den ältesten Zeiten bis zum Ende des 15. Jahrhunderts. Theil 1, Görlitz 1799, 8''; enthält S. 177—243 eine deutsche Übersetzung des Capitu- lare, die von Erläuterungen begleitet ist; unabhängig von BRUNS und KINDERLING, aber in den Resultaten meistens mit ihnen übereinstimmend. KURT Sprengel, Geschichte der Botanik, Theil 1, Altenburg und Leipzig 1817, 8"; das 70. Kapitel des Capitulare wird in Über- setzung mit kurzen Deutungen unter Anlehnung an BRUNS und ANTON auf S. 196, 197 abgedruckt. F. A. REUSS, Walafridi Strabi Hortulus. Wirceburgi 1834, 8^ In den „Analecta ad antiquitates florae germanicae", die auf den „Hor- tulus" folgen, wird S. 69—72 das 70. Kapitel des Capitulare, begleitet von kurzen Deutungen, abgedruckt; enthält manches eigentümliche und von seinen Vorgängern abweichende. A. KERNER, Die Flora der Bauerngärten in Deutschland. Ein Beitrag zur Geschichte des Gartenbaues, Verhandlungen des zoologisch- botanischen Vereins in Wien, Bd. 5, 1855, S. 787 — 826; enthält auf S. 789 einen Abdruck von Kapitel 70 des Capitulare, und von S. 791 bis 824 sehr eingehende Deutungen; KERNER geht zurück auf THEO- PHRAST, DIOSKORIDES, GALEN, COLUMELLA und PLINIUS, berück- sichtigt die lateinisch-deutschen Pflanzenglossare und die Kräuterbücher des 16. Jahrhunderts. Eine sehr wertvolle Arbeit, die sich zugleich durch anregende Darstellung auszeichnet. ERNST MEYER, Geschichte der Botanik, Bd. 3, Königsberg, 1856, 8^ ein Abdruck von Kapitel 70 des Capitulare (nach PERTZ, Monu- menta Germaniae historica etc., Bd. 3, Hannover 1835, fol., S. 186, 187), findet sich S. 401, 402, darauf bezügliche Deutungen S. 402—409. Einen so kundigen Deuter, wie MEYER einer war, wird man so leicht nicht wiederfinden. Er hatte die botanischen Schriften der Alten sehr gründlich kennen gelernt, ebenso diejenigen der Deutschen aus dem 10., 12., 13. und 16. Jahrhundert, und hatte selbst ein Pflanzenglossar — 8 ~ herausgegeben (siehe weiter unten). Da er auch die erschienenen Schriften über das Capitulare in ungewöhnlichem Umfange kannte, so wird er au Kenntnis der einschlägigen Litteratur von Niemand übertroffen. Es ist ein merkwürdiger Zufall, dass KERNER und MEYER unabhängig von einander fast gleichzeitig an die Deutung der Pflanzennamen des Capitu- lare gingen ; begreiflicherweise stimmen sie in sehr viel Punkten mit- einander überein. MEYER hat noch das Verdienst, auf die in den ersten Kapiteln des Capitulare genannten Pflanzen besonders hingewiesen zu haben, ebenso auf die beiden Garteninventare im sogenannten „Breviarium" Karls des Grossen. Diese Inventare sind nebst dem „Breviarium" ab- gedruckt bei BRUNS S. 55—79 und bei ANTON S. 244—267. M. GUERARD, Explication du Capitulaire de Villis (Memoires de rinstitut Imperial de France, Academie des Inscriptions et Belles-Lettres, Tome 21,1, Paris 1857, p. 165 — 309). Diese sehr eingehende und gründliche Abhandlung beschäftigt sich mit dem ganzen Capitulare und berücksichtigt die deutsche Litteratur vollständig bis BRUNS, ANTON und SPRENGEL; die Arbeiten von KERNER und MEYER sind dem Ver- fasser entgangen. Für die Deutung der Pflanzennamen des 70. Kapitels benutzte der Verfasser ein Manuskript aus dem 9. Jahrhundert, das der Kaiserlichen Bibliothek in Paris angehört ; dieses Manuskript enthält ein altes lateinisches und griechisch-lateinisches Pflanzenglossar, das in seinem Inhalt vielfach übereinstimmt mit den älteren Glossaren, die neuerdings im 3. Bande des Corpus Glossariorum Latinorum, Leipzig 1892, von G. GOETZ veröffentlicht sind. Durch dieses Hülfsmittel ist der Verfasser im Deuten der Pflanzennamen des Capitulare häufig glücklicher gewesen als seine Vorgänger. Den Schluss der Arbeit bildet eine französische Übersetzung des ganzen Capitulare. H. STEINVORTH, Die fränkischen Kaisergärten, die Bauerngärten der Niedersachsen und die Fensterflora derselben. Jahreshefte des natur- wissenschaftlichen Vereins für das Fürstentum Lüneburg, XI, 1888, 1889. Lüneburg 1890, S. 33—66. Auf Seite 37 ist Kapitel 70 des Capitulare nach PERTZ abgedruckt; daran schliesst sich eine Übersetzung, der ausführliche Erläuterungen folgen. 2. Di(^ botanischen, medicobotanischen und landwirtschaftlichen Schriften des Altertums. Unter der grossen Zahl von Schriften dieses Gebietes musste eine Auswahl getroffen werden, denn alle zu berücksichtigen ist unmöglich. Ausgeschlossen sind deshalb diejenigen, die nur oder vorwiegend Pflanzen- namen geben ohne Beschreibung oder ohne Bemerkungen, aus denen sich auf die Bedeutung der gegebenen Pflanzennamen schliessen liesse, wie die Schriften des THEOKRTT, NIKANDER etc. Benutzt wurden: THEOPHRASTI ERESII quae supersunt opera etc.; herausgegeben von J. G. SCHNEIDER, Leipzig 1818 — 1821, 5 Bände 8^ Band 1 ent- hält den griechischen Text, Band 2 die berichtigte lateinische Übersetzung des Theodor Gaza, Band 3 den Commentar zur Geschichte der Pflanzen, Band 4 denjenigen zu den Ursachen der Pflanzen, Band 5 Nachträge, Berichtigungen etc. und einen Index. Benutzt ist im wesentlichen nur die Geschichte der Pflanzen. Der reiche Index dieser Ausgabe und die beigegebene gute lateinische Übersetzung erleichtern dem Nichti^hilologen die Benutzung ganz ausserordentlich. Mit grosser Vorsicht ist zu be- nutzen : K. SPRENGEL, Theophrasts Naturgeschichte der Gewächse. Theil 1 Uebersetzung, Theil 2 Erläuterungen. Altona 1822, 8*^'. Die Übersetzung ist oft ungenau, stellenweise falsch, also ohne Vergleichung mit dem Original garnicht zu gebrauchen ; die Erläuterungen enthalten viel nützliches. Theophrasts Geschichte der Pflanzen ist ein ausserordentlich merkwürdiges Buch. Neben vielen Überlieferungen, die von THEOPHRAST zum Teil schon bezweifelt werden, enthält es selbständige Beobachtungen, z. B. über das Keimen der Samen (8, 2), über die Befruchtung der Dattelpalme (2, 8) etc. etc. Wenn die Geschlechter auf zwei Individuen verteilt sind, wie bei der Dattelpalme, so spricht er von männlichen und weiblichen Pflanzen im heutigen Sinne; ausserdem unterscheidet er Pflan- zen, die sich, wenn auch nur oberflächlich, ähnlich sehen, nach ihrem grösseren oder geringeren Nutzen als männliche und weibliche, wie es bis ins 18. Jahrhundert hinein üblich war. Die Beschreibungen, die er liefert, überraschen uns zuweilen durch die Hervorhebung treffender Züge; will man ihn verstehen, so muss man allerdings unsere heutige Terminologie beiseite lassen und versuchen sich auf seinen Standpunkt, nenne man ihn nun naiv oder kindlich, zu stellen. Das wird uns mo- dernen Menschen freilich sehr schwer, aber bei Kindern, jungen Mädchen und Frauen, die noch nicht durch eine Unmasse auswendig gelernten Wissens ihre Natürlichkeit verloren haben, kann man ähnliche Vergleiche und Beschreibungen hören, wie man sie bei TBEOPHRAST findet. THEOPHRAST lebte vor mehr als 2200 Jahren (v. 371-286 v. Chr.), ein Schüler des ARISTOTELES, dessen Hauptwerk über die Pflanzen uns leider nicht überliefert worden ist, abgesehen von einigen wenigen Bruch- stücken. Es ist deshalb um so mehr zu bedauern, dass THEOPHRASTS AVerke auch bedeutende Verstümmelungen erlitten haben. Von vielen Schriftstellern ist er als Quelle benutzt worden, aber schon Plinius ver- stand ihn nicht mehr ganz. So kam es, dass der immerhin weniger be- deutende DIOSKORIDES ihn schliesslich ganz oder fast ganz verdrängte. In neuerer Zeit jedoch scheint man seine Verdienste mehr anerkennen zu wollen. PEDANII DIOSKORIDIS ANAZARBEI de materia medica libri quin- que; rec. CURTIUS SPRENGEL, Lipsiae 1829 ; (Medicorum Graecorum Opera quae exstant, cur. C. G. KÜHN, Vol. 25). Jede Seite trägt unten — 10 — die lateinische Übersetzung des oben stehenden griechischen Textes. Ein zweiter Band, der dem genannten im Jahre 1830 folgte , enthält von demselben Herausgeber in entsprechender Bearbeitung auf S. 1 — 338 die übrigen Schriften des DiOSKORIDES, von S. 339-675 einen Commentar zur „Materia medica". Schon Theophrast hatte bei verschiedenen Pflanzen ihre medici- nische Verwendbarkeit angegeben, aber im ganzen doch nur so wenig, dass man seine Geschichte der Pflanzen ein botanisches Werk nennen muss. Bei DIOSKORIDES ist es ganz anders, denn er ist in erster Linie Mediciner, und das muss man festhalten, um ihn richtig beurteilen zu können. Jedes Kapitel beginnt mit dem Namen der darin behan- delten Pflanze, darauf folgen meistens Synonymen; ist die angeführte Pflanze bekannt (iröa YvObpi|uog), so fehlt eine Beschreibung, sonst folgt eine solche. Diese Beschreibungen tragen einen ähnlichen Charakter, wie diejenigen des THEOPHRAST, jedoch sind viele von ihnen nach unseren Begriffen bestimmter gehalten, erstrecken sich auch oft über alle Teile der Pflanze; zuweilen werden ähnliche Pflanzen miteinander verglichen, wie das Labkraut (diTapivii, 3,95) und die Färberröte (epuGpobavov, 3, 150), zuweilen auch ein einzelnes, für die Bestimmung entscheidendes Kenn- zeichen angeführt, wie die purpurrote Terminaldolde der Mohrrübe, Daucus Carota L. (crTaqpuXTvo(;, 3, 52). Auf die Beschreibung folgt dann eine Aufzählung der medicinischen Eigenschaften und eine Anleitung zur Benutzung ; bei einzelnen Arzneimitteln , wie beim Opium (4, 65), wird nicht nur angegeben, welche andere Substanzen zu ihrer Ver- fälschung dienen, sondern auch, wie man die verschiedenen Verfälschungen als solche erkennen kann. Erstaunlich ist der Einfluss, den DIOSKORIDES durch seine Materia medica während einer Zeit von mehr als anderthalb Jahrtausenden aus- geübt hat. Seine Beschreibungen galten für so mustergültig, dass Galen etwa lOO Jahre später^) in seiner Arzneimittellehre sich ein für allemal auf DIOSKORIDES bezieht und selbst keine Beschreibungen giebt. DIOSKORIDES blieb die Hauptquelle, aus der später die Mönche ihre botanischen Kenntnisse schöpften. Der grosse lateinische Commentar, den MaTTJOLI der Materia medica widmete (man vergl. weiter unten bei den Kräuterbüchern), liess den Puhm des DIOSKORIDES neu er- strahlen, und wenn wir uns die Kräuterbücher von HIERONYMUS BOCK, TABERNAEMOXTANUS und anderen ansehen, sind sie nicht deutsche Aus- gaben der Materia medica, nur zeitgemäss erweitert und vervollständigt ? und lässt sich nicht auch bei LiNNE der Einfluss des DIOSKORIDES an sehr vielen Stellen nachweisen? DIOSKORIDES war der bedeutendste Medico-Botaniker des Alter- 1) DIOSKORIDES aus Anazarba in Kilikien schrieb t-twa um das Jahr 70 n. Chr. ; Galen aus Pergamon lebte von 131—200 n. Chr. — 11 - tums. Die Verbinclmig zwischen Medicin und Botanik hat sich von seiner Zeit bis weit in dieses Jahrhundert hinein erhalten, ist aber an den Universitäten nunmehr definitiv aufgegeben. Weil DIOSKORIDES über die einfachen Heilmittel (medicamenta simplicia) schrieb, so kann man von ihm auch sagen, dass er die Eeihe derjenigen Mediciner eröffnet. die später die Simplicisten genannt wurden. THEOPHRAST und DIOSKORIDES haben sicher auch die Schriften von Vorgängern und Zeitgenossen benutzt, aber daneben haben sie sehr viel selbst beobachtet und niedergeschrieben. Wir begegnen jedenfalls in der späteren Zeit keinen botanischen Schriften mehr, die in ähnlicher Weise originell wären wie diejenigen dieser beiden Männer, wohl aber treffen wir Compilationen und Sammelwerke besserer und schlechterer Art. Alle Werke hier aufzuführen, die in der folgenden Untersuchung benutzt sind, würde zu weit führen, zwei Sammelwerke mögen aber noch genannt werden. ATHENAEI NAUCRATITAE dipnosophistarum libri XV rec. G.KAIBEL. 3 voll. Lipsiae 1887—90, S*'. Die Abfassung dieses merkwürdigen Werkes, „die schmausenden Gelehrten", fällt in den Anfang des dritten Jahrhunderts unserer Zeit- rechnung. Künstler, Dichter und Gelehrte sind bei einem Römer zu Gast geladen und geben, anknüpfend an die dargereichten Speisen, ihre Gelehrsamkeit zum Besten. Dabei werden Stellen aus etwa 800 Schrift- stellern, von denen sehr viele verloren gegangen sind, wörtlich recitiert. Manche dieser Citate sind für unseren Zweck sehr wertvoll. — Die oben genannte sehr handliche und mit ausgezeichneten Registern versehene Ausgabe gilt heute als die beste ; man muss es aber bedauern, dass dem griechischen Texte nicht eine lateinische Übersetzung hinzugefügt ist, denn es wird nicht lange dauern, bis der Inhalt des griechischen Textes nicht blos den Naturforschern ganz und gar verborgen sein wird. Auf den naturwissenschaftlichen Inhalt hat der Herausgeber keine Rücksicht genommen. C. PLINI SECUNDI naturalis historiae libri XXXVII; rec. J. SILLIG. Hamburgi et Gothae, 8 voll. 1851—1858, 8^ Für unseren Zweck kommen nur in Betracht Band 2 bis 4, die die botanischen Bücher 12 — 27 enthalten, und die Registerbände 7 und 8. Die Silligsche Ausgabe empfiehlt sich zur Benutzung durch ihr ausgezeichnetes Register. — Es ist schwierig, PLINIUS ganz gerecht zu werden, denn seine Naturgeschichte der Pflanzen ist ein vielfach kritik- los zusammengewürfeltes Durcheinander, so dass eine und dieselbe Pflanze oft an zwei verschiedenen Stellen unter zwei verschiedenen Namen vor- kommt. Oft ist seine Quelle leicht zu erkennen, oft ist sie überhaupt unbekannt. Manche seiner Darstellungen tragen den Charakter des wirklich Beobachteten : vielleicht sind sie dies in der That, oder sie sind Berichte von Sklaven, die als Gärtner Dienste thaten. Aber mag man — 12 — seiner Naturgeschichte der Ptianzeu auch noch so viele Mängel nach- sagen, sie ist ein Buch von ausserordentlichem Einfluss gewesen, ein Buch, das ebensoviel benutzt Avurde wie die Materia medica des DlOSKO- RIDES. Dafür lassen sich verschiedene Gründe angeben. Einmal war seine Naturgeschichte der Ptlanzen ebenso wie die Materia medica des DIOSKORIDES eine praktische Botanik, die sich um den Nutzen der Gewächse, namentlich um den medicinischen , kümmerte ; ferner zählte sie weit mehr Ptianzeu auf, als wir bei DIOSKORIDES finden, und endlich war sie lateinisch geschrieben, war also während des Mittelalters allen Gebildeten oder Schriftkundigen verständlich. So kommt es, dass die Pfianzennamen des PLINIÜS in die Pflanzenglossare und in den Gebrauch der Apotheker übergingen; in den Pharmacopöen fand man sie noch vor wenig Jahrzehnten. Will man also lateinische Pflanzen- namen des Mittelalters deuten, so ist es sehr wohl angebracht, bis auf PLINIUS zurückzugehen. Von den landwirtschaftlichen Schriftstellern der Römer, CATO, VARRO, COLUMELLA und PALLADIUS, ist COLUMELLA der weitaus bedeutendste. Er ist ein sorgfältiger Beobachter und Darsteller ; eigent- liche Pflanzenbeschreibungen liefert er nicht, aber oft führt er Bemer- kungen an, die es möglich machen, die behandelte Pflanze zu bestimmen. Seine Werke finden sich zusammen mit denen von CaTO, VARRO und PALLADIUS in Scriptores rei rusticae veteres latini; cur. J. M. GESSNER. Lipsiae 1735; 2 voll. 4^'; eine neue Ausgabe davon besorgte ERNESTI 1773—74. Unter gleichem Titel hat auch J. G. SCHNEIDER die landwirt- schaftlichen Schriften der Römer herausgegeben, Leipzig 1793 — 96, 8"; es ist zu bedauern, dass GESSNER und SCHNEIDER in der Kapitel- Einteilung l)ei COLTIMELLA nicht übereinstimmen. Hier ist auch der Ort, auf einige Bücher aufmerksam zu machen, die sich die Aufgabe gestellt haben, auch denjenigen, die nicht selbst Lateinisch und Griechisch lesen können, die Bekanntschaft mit dem botanischen Wissen der Alten zu vermitteln; dies sind J. BILLERBECK, Flora classic a. Leipzig 1824, 8» Der Verfasser stützt sich im wesentlichen auf SiBTHORP, SPRENGEL und Link. Manche hier vorgetragenen Ansichten sind veraltet; als Quellennachweis ist das Buch aber recht gut zu gebrauchen. H. O. Lenz, Botanik der alten Griechen und Römer, deutsch in Auszügen aus deren Schriften, nebst Anmerkungen. Gotha 1859, 8". Lenz bietet eine sehr vollständige Zusammenstellung der den Alten bekannten Pflanzen und ihrer ökonomischen Anwendung. Sein Buch lässt sich deshalb vortrefflich als Quellennachweis benutzen ; es enthebt uns aber keineswegs der Mühe selbst nachzusehen, denn ein- mal wird man nicht immer so übersetzen, wie LENZ es gethan, und — 13 — zweitens fehlen bei LENZ oft Stücke des Textes, die für die Bestimmung einer Pflanze von entscheidender Wichtigkeit sein können. — Ahnlicher Art, wenn auch keineswegs so vollständig, aber dafür reich an eigenen Beobachtungen, ist C. FRAAS, Synopsis plantarum florae classicae oder : Übersichtliche Darstellung der in den klassischen Schriften der Griechen und Römer vorkommenden Pflanzen, nach autoptischer Untersuchung im Florengebiete entworfen und nach Synonymen geordnet. München 1845, 8". Hierher gehört auch noch B. LANGKAVEL, Botanik der späteren Griechen vom 3. bis 13. Jahr- hundert. Berlin 1866. 8^ Antike Wandgemälde. Ein vortreffliches Mittel, um die Deutung der bei COLUMELLA, PLINIUS und auch bei DiOSKORIDES vorkommenden Pflanzennamen sicherzustellen, würden die antiken Wandgemälde von Pompeji und Born sein. Sie sind aber nur wenigen zugänglich und verkleinerte Repro- duktionen von ihnen scheinen nicht recht verwendbar zu sein. Die Maler dieser Gemälde haben in einzelnen Teilen, nämlich in Blüten und Früchten, die Natur sehr sorgfältig wiedergegeben, aber bei den grünen Blättern ist das keineswegs immer geschehen, vielmehr begegnen wir hier oft einer gewissen Stilisierung und Schablone. Aber auch davon abgesehen ver- lieren die Gemälde bei der Verkleinerung und Reproduktion eine Reihe charakteristischer Züge, so dass sich viele Pflanzen nicht mehr mit Sicherheit erkennen lassen. Das gilt namentlich von den vielen ver- kleinerten Wiedergaben pompejanischer Wandgemälde, deren Massstab ausserordentlich klein ist, weniger aber von den Wandbildern aus der Villa der Livia in Primaporta (Antike Denkmäler, herausgegeben vom Kaiserlich Deutschen Archaeologischen Institut, Bd. 1, Berlin 1891, gr. 4'\ Taf. 11, 24 und 60). Auf der farbigen Tafel 11 erkennt man leicht Granatapfel, Quitte, Lorbeer, den Mohn und die Goldblume (Chry- mntheraum coronarlum L., gelb und weiss); wenn aber die rote Blume in der Mitte als Rose gedeutet wird (Dr. MÖLLER, Die Botanik in den Fresken der Villa der Livia. Mittheilungen des Kaiserlich Deutschen Archaeologischen Instituts , Römische Abtheilung Bd. 5 , Rom 1890, S. 78 ff.), so sträubt sich unser Gefühl dagegen ; indessen niuss man sich sagen, dass nur jemand, der an Ort und Stelle Studien gemacht hat, über die Richtigkeit einer solchen Bestimmung ein Urteil hat. Zuverlässige Nachrichten über die Pflanzen der pompejanischen Wandgemälde und über in Pompeji gefundene Pflanzenreste finden sich in J. F. SCHOUW, Die Erde, die Pflanzen und der Mensch etc. Aus dem Dänischen von H. ZEISE, und zwar S. 39—45 : Die pompejanischen Pflanzen. Eine Schrift, die allein der Deutung dieser Pflanzen gewidmet ist, ist die folgende : — 14 — O. COMES, Illustrazione delle plante rappresentate nei dipinti pompeiani. Napoli 1879, 4*^. Sie enthält eine an sich schätzbare Zusammenstellung ; es ist aber sehr fraglich, ob der Verfasser überall Recht hat. 3. Die Pflanzenglossare. Wer sich mit der Deutung älterer Pflanzennamen beschäftigt, der wird seine Zuflucht sicher auch zu den Pflanzenglossaren nehmen, die den Sprachgebrauch eines bestimmten Zeitraumes darstellen. Aber diese Glossare haben meist sehr wechselnde Geschicke erlebt: ursprünglich von einem Kundigen herrührend, sind sie si^äter durch Abschriften ver- vielfältigt worden, und da kam es denn sehr darauf an, von welcher Art der Abschreiber war. Am besten war immer derjenige, der möglichst sorgfältig nachschrieb ohne sich etwas dabei zu denken ; einem solchen Abschreiber kann es allerdings passieren, dass er die Wörter der einen Columne gegen die der anderen um etwas verschiebt; ein derartiger Fehler ist aber in der Regel leicht bemerkt und verbessert, und um ihn entdecken zu können ist es jedenfalls besser, die Glossare bei der Heraus- gabe nicht alphabetisch strenge zu ordnen. Es hat aber ofi"enbar auch Abschreiber gegeben, die ihre eigene Weisheit in die Abschrift mit hineingebracht haben, und diese auszuscheiden wird nicht immer möglich sein. So kommt es, dass die Glossare neben sehr viel Gutem und Vor- trefflichem auch oft sehr viel Sinnloses und Unbrauchbares enthalten : ihre Benutzung hat deshalb mit viel Sorgfalt zu geschehen. Von den lateinisch - deutschen Pflanzenglossaren sind eine ganze Anzahl benutzt worden, wie man unten unter den gebrauchten Ab- kürzungen nachsehen wolle. Die Zusammenstellungen von LORENZ DiEFENBACH: Glossarium latino-germanicum mediae et infimae aetatis etc. Frankfurt a. M. 1857, 4^, und Novum Glossarium latino-germanicum mediae et infimae aetatis etc., Frankfurt a. M. 1867, 8^, sind vorzugs- weise zur allgemeinen Orientierung benutzt worden ; die grosse Zahl von Pflanzennamen, die hier an einzelnen Stellen zusammengehäuft ist, macht es in der Regel unmöglich, sich für einen bestimmten von ihnen zu entscheiden. Das grosse „Glossarium mediae et infimae latinitatis" etc. von Du Gange, Paris 1840 ff., 4", enthält nur ganz äusserer J entlich wenig Pflanzennameu, so dass man es ohne den geringsten Schaden ganz unberücksichtigt lassen kann. Dagegen ist ein neuerdings erschienenes Werk von ganz hervorragender Wichtigkeit für Untersuchungen über ältere Pflanzennamen, nämlich das oben S. 3 schon genannte Corpus Glossariorum Latinorum, Band 3, Leipzig 1892. Dieser dritte Band bringt ausser den bereits oben erwähnten Hermeneumata auf seinen letzten Seiten griechisch -lateinische Glossare, die Hermeneumata medicohotanica vetmtiora, S. 533 — 633. Es sind dies mit Ausnahme eines rein medicinischen Glossars. S. 596 — 607, lauter — 15 — Pflanzenglossare (Tiere und Mineralien kommen nur selten vor), und zwar sind diese ursprünglich griechisch-lateinisch angelegt gewesen ; sie sind jedoch alle mit lateinischen Buchstaben geschrieben und mit der Zeit haben sich nicht nur unter die griechischen Namen viele lateinische gemischt, sondern unter die lateinischen auch einige wenige deutsche.') Es dauert eine geraume Zeit, bis man sich in diese Glossare hinein- gelesen hat. Zuerst steht man ziemlich ratlos davor : die Schreibweise ist sehr schwankend, die Namen kommen in jedem beliebigen Casus vor, häufig im Dativ oder Ablativ, werden nach mehr als einer Deklination abgewandelt und sind sehr oft bis zu einem hohen Grade entstellt, namentlich die griechischen. Wer vermutet unter „camuri" trotz des daneben geschriebenen „coliculi" (555, 29 ; 619, 56) das griechische Kpü|ußr|? Hier ist wie so oft das „u" ein Stellvertreter von „b", wie „cambri" (537, 13) beweist, und dieses „cambri" ist durch Versetzung des „r" entstanden aus „crambi", das nichts anderes ist als das mit lateinischen Buchstaben geschriebene Kpd|ußri (i-) wurde durch i wieder- gegeben). Die Glosse „zion.i.semperuiuum" erscheint wie ein Ausfluss der frommen Sinnesart des Glossarenschreibers; indessen ist „zion" nur eine gewaltsame Verkürzung des griechischen aeilwov, von dem „semper- vivum" die getreue Übersetzung ist, und bezeichnet unseren Hauslauch, Sem- 2)ervivum tectoriim L. Hat man jedoch gelernt sich mit derartigen Schwierig- keiten abzufinden, so erkennt man, welches mächtige Hülfsmittel diese Glossare bieten. Sie überliefern uns den Sprachgebrauch der Zeit etwa vom 3. bis zum 9. und 10. Jahrhundert und füllen dadurch eine grosse Lücke in der botanischen Litteratur aus; Synonyme, die man bis dahin nur aus den „Libri Dynamidiorum" (vergl, MEYEß, Geschichte der Botanik, Bd. 3, S. 495 ff.) kannte, kommen in diesen Glossaren, ebenso wie in den eigentlichen Hermeneumata vor. Im Folgenden sind diese medicobotanischen Glossare als die Pflanzen- glossare des „Corpus Glossariorum Latinorum" bezeichnet, während die eigentlichen Hermeneumata als Hermeneumata aufgeführt werden. Eine Unterscheidung der einzelnen Glossare ist beim Citieren derselben nicht vorgenommen, die Citate sind jedoch nach dem Alter geordnet. Aus dem 9. Jalirhundert stammen die Handschriften der Glossae Cassinenses, S. 535—542 und eines Glossars des Codex Parisinus Lat. 11218, S. 631 bis 633; aus dem 10. bis 11. Jahrhundert diejenige der Hermeneumata Senensia, S. 542 — 548; aus dem 10. Jahrhundert diejenigen der Herme- neumata Codicis Vaiicani Reginae Christinae 1260. Von den unter dem letzten Titel abgedruckten Glossaren ist das erste, S. 549— 579, das reichhaltigste und beginnt folgendermafsen : Incipiunt hermeneumata . dedecem speciebus medicamentorum . haec sunt deanimalibus terrenis . et marinis . herbis . uel seminibus . lignis . uel lapidibus . floribus . uel 1) Hranca vitis alba (591,31 und sonst); uirgulta . i . uualda (579, 35 und sonst). — 16 — lacrimis . sucibus . atque metallis . degraeco inlatinum translatis; das zweite, S. 579—586, ist weniger reichhaltig; das dritte, S. 586—596, hat eine sehr auffallende Ähnlichkeit mit den Hermeneumata Bernenfia S. 607 — 616, die aus dem 11. Jahrhundert stammen, und mit einem Glossar des Codex Vaticanus 4417 aus dem 10, bis 11. Jahrhundert, S. 616 — 630; das vierte, S. 596 — 607 ist rein medicinisch. Die angeführten Pflanzenglossare zeigen untereinander eine mehr oder weniger hervortretende Übereinstimmung. Da sie teils griechische, teils lateinische Pflanzennamen enthalten, so wird man die Quelle für sie bei verschiedenen Schriftstellern suchen müssen, und man findet sehr bald, dass ausserordentlich viele Namen mit den bei DIOSKORIDES und PLTNIUS angeführten übereinstimmen. Von den bei DIOSKORIDES angeführten Synonymen findet man eine ganze Anzahl, ebenso solche Namen, die nur bei PLINIÜS vorkommen, z. B. pallacuna Plin. 19,6,32, das allerdings entstellt ist, aber eine Zwiebelart bezeichnen soll: pala- colon . i . scalonia 573, 15. Im Laufe der Zeiten sind dann in diese Glossare auch Namen eingedrungen, die bei DIOSKORIDES und PLINIUS nicht vorkommen, z. B. decretium oder decreticmn, das als Synonym von conula auftritt (589,52; 610,64 etc.) und auch in dem von KLEEMATsX herausgegebenen Colmarer Glossar (Decrecium Conele 276) vorkommt. Das eben genannte Colmarer Glossar hängt auch noch aus anderen Gründen mit den Glossaren des Corpus Glossariorum Latinorum zu- sammen; wahrscheinlich wird es mit anderen lateinisch-deutschen Glos- saren ähnlich sein, aber eine dahingehende Untersuchung kann hier füglich unterbleiben. Hier ist vielleicht der Ort, um zwei medicinische oder medicinisch- botanische Wörterijücher anzuführen, von denen das erste aus dem Ende des 13. Jahrhunderts stammt, das zweite aus dem Anfang des 14. Die Zahl der griechischen und arabischen (morgenländischen) Pflanzennamen war bis ins Ungeheure gewachsen, und viele von ihnen waren durch Übersetzen und Abschreiben so entstellt, dass eine Wiederherstellung derselben, damals wenigstens, unmöglich war. Den Versuch aber , den Sinn dieser Namen zu erraten und aus dem überlieferten Sprachgebrauch zu erklären, machten die beiden nachbenannten Lexikographen; eine Deutung durch Zurückgehen auf die Quellen war ihnen durch ihre mangelhafte Kenntnis der griechischen (nach Meyer IV, 160 auch der arabischen) Sprache unmöglich gemacht. Die gedruckten Ausgaben dieser Wörterbücher stammen aus relativ früherer Zeit und sind durch die grosse Zahl der darin vorkommenden Abkürzungen sehr schwer lesbar. Simonis IANUENSIS opusculum cui nomen clavis sanationis sim- plicia medicinalia Latina greca et arabica ordine Alphabetico mirifice elucidans recognitum ac mendis purgatum : et quotationibus Plinii maxime : ac aliorum in marginibus ornatum: et quam diligentius ac correctius id fieri potuit Impressum. — 17 — Dieser Titel ist in Form eines Dreiecks mit nach unten gewendeter Spitze angeordnet; die Spitze bildet ein Kreuz. Das Buch zählt 65 nume- rierte Blätter in Folio. Am Schlüsse steht: Finis Simonis Januensis additis auctoritatibus Plinii locis propriis per Georgium de ferrariis de Uarolengo montisferrati . Artium et me- dicine doctorem. Impressum Venetiis per Gregorium de Gregoriis Anno Domini Mccccc . xiiii . die . xxii mensis Maii. Der Titel des zweiten Werkes lautet: Opus Pandectarum MATTHEI SYLUATICI cum Quotationibus auc- toritatum Ply. Gal. et aliorum in locis suis : nee non cum Simone Januense : ac Tabula. Venetiis per Simonem de-Luere. Xll. Januarii M. D. XI. Enthält 198 numerierte Blätter in Folio. 4. Botanische Scliriften des deutschen Mittelalters. Wir fassen hier den Begriff „botanisch" etwas weit, denn wir be- rücksichtigen auch solche Schriften, in denen sich überhaupt Nachrichten über Pflanzen in grösserer Zahl finden. WALAFRIDI STRABI Hortulus auct. F. A. BEUSS, Wirceburgi 1834, 8^ Der „Hortulus" ist ein Gedicht von 444 Versen (Hexa- metern) und 25 Abschnitten, in dem WALAFRIDUS STRABUS, Abt des Klosters Reichenau, die Pflanzen seines Gartens, 23 an der Zahl, besingt; im Text werden noch 4 Pflanzen erwähnt (über die Pflanzen des Hortulus vergl. man Anhang 1,5). Da WALAFRIDUS STRABUS 849 starb, so darf man annehmen, dass die Pflanzen, die er in seinen Garten setzte, solche waren, die auch in den Gärten Karls des Grossen vorkamen. Nach den Überschriften der einzelnen Abschnitte ist das auch der Fall; obgleich eigentliche Beschreibungen ganz fehlen, so werden gelegentlich doch bei den einzelnen Pflanzen so charakteristische Eigentümlichkeiten hervorgehoben, dass man danach eine sichere Be- stimmung vornehmen kann. Die kleine Schrift hat deshalb ein nicht geringes botanisches Interesse. S. HILDEGARDIS ABBATISSAE Subtilitatum Diversarum Naturarum Creaturarum hbri IX. Patrologiae cursus completus, series latina prior, acc. J. P. MKtNE, Tom. 197. Parisiis 1882, coli. 1117—1352. Die hier genannte Schrift der heiligen HILDEGARD führte in der Strassburger Ausgabe von 1533 den Titel „Physica"; da sie unter diesem Titel bekannter ist, als unter dem neuen, so ist im Folgenden der alte beibehalten worden; von den Büchern dieser Schrift kommen für uns nur das über die Kräuter (Buch 1) und dasjenige über die Bäume (Buch 3) in Betracht. Die heilige HILDEGARD (geb. 1098, gest. 1179) besass freilich ge- lehrte Bildung, denn sie schrieb Latein, aber man sieht es diesem Latein V. Fischer- BeNZON, altd. Gartenflora. 2 — 18 — an, dass ihr das Deutsche geläufiger war : sehr oft wählt sie ein deutsches Wort, um sich deutlicher auszudrücken. Die „Physica" enthält dadurch ausser deutschen Pflanzennamen auch noch eine grosse Anzahl anderer deutscher Wörter, die wissenschaftlich noch nicht verarbeitet zu sein scheinen. Bemerkenswert ist es, dass wir kein Werk kennen, welches der „Physica" zu Grunde gelegen haben kann, denn die heilige HILDE- GARD teilt zwar die Arzeneimittel, wie es seit GALEN üblich war, in warme und kalte, daneben auch, obwohl seltener, in trockene und feuchte, aber ausserdem erinnert kein Wort und keine Wendung an einen be- kannten älteren medicobotanischen Schriftsteller. Sie muss ihre medi- cinischen und botanischen Kenntnisse durch den Umgang mit Kräuter- sammlern und ähnlichen Leuten gewonnen haben, so dass sie nur mittelbar unter dem Einflüsse des Altertums steht. Obgleich die „Physica" ihrem Sinne nach ein medicinisches Werk ist, das die Naturj^rodukte nur in- sofern berücksichtigt, als sie Heilmittel darstellen, und obgleich es an Beschreibungen von Pflanzen etc. ganz fehlt, so stellt sie dennoch, nament- lich wegen der vielen darin gebrauchten deutschen Namen, die in der Strassburger Ausgabe von 1533 vielfach durch lateinische ersetzt sind, die erste Naturgeschichte Deutschlands dar. Bei der grossen Wichtig- keit, welche die „Physica" nicht nur für die Geschichte der deutschen Flora, sondern namentlich auch für die Geschichte des Gartenbaues ^) im 12. Jahrhundert besitzt, schien es geboten, alle in ihr enthaltenen Pflanzennamen einer Deutung zu unterwerfen; das Resultat dieser Unter- suchung ist in Anhang II mitgeteilt. ALBERTI MAGNI ex ordine praedicatorum de Vegetabilibus libri VII, historiae naturalis pars XVIIL Editionem criticam ab ERNESTO MEYERO coeptam absolvit CAROLUS JESSEN. Berolini 1867, 8". ALBERTUS MAGNUS (geb. 1193, gest. 1280) ist nach ARISTOTELES und THEOPHRAST der erste bedeutende botanische Schriftsteller, ein Mann von umfassendem Wissen, der sich zwar auf seine Vorgänger stützte, aber das Überlieferte durch eigene Beobachtungen nach vielen Seiten hin ergänzte und vervollständigte. Sein Werk über die Pflanzen zerfällt in sieben Bücher; von diesen behandeln die ersten fünf die allgemeine Botanik, das sechste die specielle und das siebente die öko- nomische Botanik. Seine Bemerkungen über Physiologie und Ana- tomie der Pflanzen setzen uns an mehr als einer Stelle in Erstaunen, ebenso die vielen sorgfältigen Pflanzenbeschreibungen, die wir um so mehr bewundem müssen, als es ihm an einer streng systematischen Terminologie fehlte. Er hat sich wirklich in die Betrachtung der Natur vertieft; dass die Beobachtung der Natur ihm Freude und Genuss ver- ^) In der zweiten Vision des ersten Buches von „Scivias" (Patrologie, Bd. 197, col. 401, B—D) vergleieht die heilige HiLDKGARD den Menschen mit einem Garten; die Beschreibung dieses Gartens ist aber so allgemein gehalten, dass man daraus keine Schlüsse auf den Garten l)au damaliger Zeit ziehen kann. — 19 — schaffte, sehen wir auch aus den Bemerkungen, die er gelegentlich den Singvögeln widmet (6, 376 und 467). Das 6. Buch, De speciebus quarundam plantarum, zerfällt in zwei Traktate. Der erste handelt von den Bäumen (de arboribus), der zweite von den Kräutern (de herbis specialiter secundum ordinem alphabeti); in beiden sind die Pflanzen alphabetisch geordnet. Das 7. Buch, De mutatione plantae ex silvestritate in domesticationem, handelt in einem ersten Traktat (de quatuor, quae faciunt domesticam plantam) über den Einfluss von Boden, Bodenbearbeitung, Pfropfen etc. auf die Nutz- pflanzen; im zweiten Traktat (de plantis in speciali, quae usibus hominum domesticantur) wird angegeben, wie Feldfrüchte, Gemüsepflanzen und Obstbäume zu pflanzen und zu behandeln seien; der Kultur des Wein- stocks ist das Schlusskapitel gewidmet. In diesem 7. Buch haben wir also eine Darstellung von der Beschaffenheit des Feld- und Gartenbaus im 13. Jahrhundert. Die von ERNST MEYER begonnene, von C. JESSEN vollendete neue Ausgabe der Schrift de Vegetabilibus des ALBERTUS MAGNUS ist sehr bequem und brauchbar. Den im Texte vorkommenden Pflanzennamen sind Deutungen hinzugefügt; einige von diesen wird man für verfehlt halten dürfen. KONRAD VON MEGENBERG, Das Buch der Natur, herausgegeben von FRANZ PFEIFFER. Stuttgart, 1861, 8». Man kann die „Physica" der heiligen HILDEGARD als die erste Naturgeschichte Deutschlands ansehen; in ihren lateinischen Text ist eine grosse Zahl von deutschen Namen aufgenommen. Die Naturgeschichte des ALBERTUS MAGNUS war ganz und gar lateinisch geschrieben. Die «rste deutsche Naturgeschichte in deutscher Sprache ist das oben genannte Buch der Natur von KONRAD VON MEGENBERG (geb. 1309, gest. 1374), aber auch dieses Buch ist nicht rein naturgeschichtlich, sondern es bringt, namentlich bei den Pflanzen, die medicinischen Wirkungen der Naturkörper zur Sprache. Nach KONRAD VON MEGENBERGS eigenem Geständnis stützt er sich auf eine lateinische Schrift. Diese heisst „Liber de natura rerum" und ist verfasst von THOMAS CANTIMPRATENSIS (so genannt nach der ehemaligen Abtei Oantinipre in der Nähe von Cambrai, Dep. du Nord, früher Hennegau), einem Schüler des ALBERTUS MAGNUS. KONRAD hat seine Vorlage aber sehr frei bearbeitet und mit allerlei Zuthaten ver- sehen; dass er in manchen Stücken mit ALBERTUS MAGNUS überein- stimmt, hat seinen Grund darin, dass THOMAS CANTIMPRATENSIS als Schüler von ALBERTUS MAGNUS viel von diesem entnommen haben mag. (Im übrigen wolle man die eingehende Einleitung von FRANZ PFEIFFER vergleichen.) Für unseren Zweck kommen nur das 4. und 5. Kapitel vom Buch der Natur in Betracht; das 4. handelt „von den paumen" und zwar „des 2* — 20 — ersten von gemainen paunien, dar nach von wohlschmeckenden und gar edeln paumen", das 5. „von den kräutern in einer gemain" (im allge- meinen). In beiden Kapiteln ist die Ordnung alphabetisch nach den lateinischen Namen der Grewächse. Diese Zusammenstellung von lateinischen und deutschen Namen ist besonders wertvoll und erleichtert die Deutung in hohem Grade. Manchmal werden auch kurze aber treffende Beschreibungen geliefert. 5. Die Kräuterbüclier des 16. Jahrliunderts. Für das 15. Jahrhundert fehlte es an einer besonderen botanischen Schrift, die hätte benutzt werden können; reichlicher dagegen flössen die Quellen für das 16. Jahrhundert. Zuerst sei der Commentar zum DiOSKORIDES von PETRUS AN- DREAS MATTHIOLUS (latinisiert aus Pierandrea Mattioli) erwähnt, der benutzt wurde nach PETRI ANDREAE MATTHIOLI Medici Caesarei et Ferdinandi Archi- ducis Austriae, Opera quae extant omnia: Hoc est, Commentarii in VI libros Dioscoridis etc. ed. a CASPARO BaUHINO. Francofurti ex offi- cina Nicolai Bassaei 1598 fol. Diese schöne Ausgabe ist besonders bequem zu benutzen, weil von C. Bauhin eine grosse Zahl von Synonymen hinzugefügt ist. Ein Kräuterbuch von MATTIOLI führt den Titel Kreutterbuch Desz Hochgelehrten vnnd weitberühmten Herrn D. PETRI ANDREAE MATTHIOLI, Jetzt wiederumb mit vielen schönen newen Figuren, auch nützlichen Artzeneyen, vnd anderen guten Stücken, zum dritten Mal ausz sonderm Fleisz gemehret, vnnd verfertigt. Durch JOACHIMUM CAMERARIUM, der löblichen Heichsstatt Nürnberg Medicum. Doct. etc. Frankfurt am Mayn 1600. fol. — Nicht die Seiten, sondern die Blätter sind gezählt; jedes Blatt ist durch die Buchstaben A, B, C und D in vier Viertel geteilt. JOACHIMUS CAMERARIUS, Hortus medicus et philosophicus etc. Frankfurt a. Main 1580, kl. 4". Derselbe Band enthält die auf dem Titelblatt auch genannte Sylva Hercynia von JOHANNES THAL, Arzt in Nordhausen, die erste Flora des Harzes. CAMERARIUS geht ziemlich kritisch zu Werke und giebt bei einigen Pflanzen auch die Zeit ihrer Einführung in Deutschland an. HIERONYMUS BOCK, Kreutterbuch. Das Titelblatt des benutzten Exemplares fehlt. Nach der ersten Vorrede ist die Ausgabe von MELCHIOR SEBIZIUS zu Strassburg 1577 besorgt, und zwar nach dem Tode des Verfassers (Bock starb 1554); die zweite Vorrede ist von BOCK selbst und stammt aus dem Jahre 1551. — Die einzelnen Blätter sind gezählt, aber nicht weiter eingeteilt. SEBIZIUS hat den Text von l^OCK ganz unverändert gelassen und seine Zusätze durch Einschliessen zwischen Stern und Kreuz kenntlich — 21 — gemacht. BOCK wurde von seinen lateinisch schreibenden Zeitgenossen Tragus genannt und nannte sich selbst so, wenn er lateinisch schrieb. Sein Kräuterbuch ist reich an eigenen Beobachtungen und liest sich angenehm, denn es finden sich nicht wenige witzige und humoristische Bemerkungen eingestreut. JACOBUS THEODORUS TABERNAEMONTANUS, Neuw vollkomment- lich Kreuterbuch etc.; vermehrte Ausgabe von C. BAUHIN, Frankfurt a. Main 1613, fol. — Enthält 3 Teile; der erste ist für sich paginiert; der zweite und dritte bilden ein Ganzes, das für sich und fortlaufend paginiert ist. 6. Die pflaiizliclien Arzneimittelnamen der alten Apotheken und Pharmakopoen. Wenn wir von denjenigen Droguen absehen, die seit dem 16. Jahr- hundert in Europa eingeführt sind, so lassen sich die Namen der weitaus meisten Arzneimittel bis zu PLINIÜS und DIOSKORIDES zurückverfolgen. Mit bewunderungswürdiger Zähigkeit haben nicht nur Apotheker und Arzte, sondern auch das grosse Laienpublikum an diesen Namen fest- gehalten; durch die Kräuterbücher wurden deutsche Namen eingeführt, und wie sehr diese nebst vielen anderen, aus dem Lateinischen entstellten, ins Publikum gedrungen sind, sieht man aus der folgenden Schrift: J. HOLFERT, Volksthümliche Arzneimittelnamen. Eine Sammlung der im Volksmunde gebräuchlichen Benennungen der Apothekerwaaren. Unter Berücksichtigung sämtlicher Sprachgebiete Deutschlands zu- sammengestellt. Berlin 1892, 8", Diese Sammlung von Arzneimittelnamen ist hervorgegangen aus der Vergleichung und Verarbeitung von Verzeichnissen, die der Ver- fasser seit 1886 aufgestellt und im Verein mit zahlreichen Berufsgenossen vermehrt und ergänzt hat. Jetzt, wo in der deutschen Pharmakopoe die alten Namen durch die modernen botanischen ersetzt werden, war eine Arbeit wie die genannte nötig, um den Verkehr mit dem grossen Publikum aufrecht zu erhalten. Die Sammlung ist offenbar sehr sorg- fältig angelegt und lässt sich, wie an vielen Beispielen erprobt wurde, benutzen, um eine ganze Anzahl von alten Pflanzennamen zu deuten. Als ganz besonders nützlich für solche Deutungen hat sich erwiesen W. L. PETERMANN, Das Pflanzenreich in vollständigen Beschrei- bungen aller wichtigen Gewächse dargestellt etc. und durch naturgetreue Abbildungen erläutert. Zweite Ausgabe, Leipzig 1847. 2 Bände, gross 8 ", einer mit Text, der zweite mit 282 Tafeln. Dieses Buch ist namentlich für den Unterricht von Pharmaceuten geschrieben. Es liefert recht gute Beschreibungen und Abbildungen und führt bei jeder Pflanze die in den Apotheken gebräuchlichen lateinischen Namen an. Da es ein sehr gutes Register besitzt, das auf alle diese Namen auch Rücksicht nimmt, so ist es für jeden, der nicht speciell — 22 — pharmakologische Kenntnisse besitzt, ein sehr schätzenswerter und zu- gleich zuverlässiger Ratgeber. Brauchbar ist ferner T. AV. C. MaRTIUS, Grundriss der Pharmakognosie des Pflanzen- reichs etc. Erlangen 1832. Die Arzneimittel sind alphabetisch nach ihrem Hauptnamen ge- ordnet innerhalb der Gruppen Radix, Cortex, Folia, Herba, Flores etc. Auf die Hauptnamen folgen Synonyme in verschiedenen Sprachen, namentlich lateinische und deutsche. Leider hat das Buch kein Register, man muss also, wenn man es benutzen will, schon ungefähr wissen, was man sucht ; zur Controle bereits ermittelter Namen eignet es sich deshalb am besten. 7. Die volkstümlicheu Pflaiizennameii im lieiitigeii Griecheiilaiid und Italien. Von den alten griechischen und lateinischen Pflanzennamen sind nicht ganz wenige ins Neugriechische und Italienische übergegangen ; sie haben dabei gewisse Änderungen erfahren, aber diese sind durchweg nicht so bedeutend, dass man den ursprünglichen Namen nicht in ihnen erkennen könnte. SiBTHORP hatte auf seinen Reisen in Griechenland (1785 und 1793 — 95) eine grosse Zahl griechischer Vulgärnamen gesammelt, an denen FRAAS in seiner Synopsis plantarum florae classicae Kritik übt, wobei er manche zurückweist oder durch neuere ersetzt. Eine grosse Anzahl neugriechischer Pflanzennamen findet sich in TH. V. HELDREICH', Die Nutzpflanzen Griechenlands. Mit be- sonderer Berücksichtigung der neugriechischen und pelasgischen Vulgär- namen. Athen 1862, 8*^. Über die AVichtigkeit der neugriechischen Vulgäruamen für die Deutung der altgriechischen Pflanzennamen äussert sich V. HELDREICH in der Einleitung S. 5, 6. Er selbst hat solche Namen mit grosser Sorgfalt gesammelt und sie mit Erfolg für die Deutung der Namen bei THEOPHRAST verwertet. Wo in der später folgenden Darstellung neu- griechische Pflanzennamen ohne Zusatz angeführt sind, da stammen sie aus dem genannten Buche V. HELDREICHS. Italienische Pflanzennamen sind im Folgenden aus verschiedenen Quellen entnommen, teils aus MATTIOLIS Commentar zum DlOSKORI])ES, teils aus BERTOLONI, Flora itahca, Bononiae 1833 bis 1854, teils aus 0. COMES, Illustrazione delle plante rappresentate nei dipinti pompeiani. Napoli 1879; zur Controle wurde überdies ein italienisches Lexikon benutzt. Der Vollständigkeit wegen sind auch französische Pflanzennamen hinzugefügt; diese sind vorzugsweise aus ALPH. DE CANDOLLE, Der Ursprung der Culturpflanzen, Leipzig 1884, entlehnt. — 23 — 8. Schriften, die sich mit der Geschichte der Nutzpflanzen beschäftigen. Hier ist an erster Stelle zu nennen VICTOR HEHN, Kulturpflanzen und Hausthiere in ihrem Übergang aus Asien nach Griechenland und Italien sowie in das übrige Europa. Historisch-linguistische Skizzen. .5. Aufl. Berlin 1887. Die Urteile über HEHNS „Kulturpflanzen und Hausthiere" lauten sehr verschieden. Einige sagen, dass dieses Buch für die Naturgeschichte nichts geleistet habe; wer aber so spricht, der hat entweder das Buch nicht gelesen, oder er hat es, trotzdem er es gelesen hat, nicht ver- standen. HEHN war kein Naturforscher von Beruf, auch scheint ihm von Naturforschern kein eingehender Rat erteilt worden zu sein. Es haften deshalb an seinem Buche gewisse Mängel, und zwar, soweit es den botanischen Teil angeht, etwa folgende. HEHN hat es ausser Acht gelassen, dass die Kulturrasse einer Pflanze in ein Gebiet eingeführt werden konnte, wo die wilde Form ihr natürliches Wohngebiet hatte, z. B. beim Feigenbaum, Lorbeer, Buchsbaum etc.; aber auf diese Ver- hältnisse ist man wohl erst neuerdings aufmerksam geworden. An einzelnen Stellen macht es sich deutlich und zum Nachteil des Ergebnisses fühlbar, dass HEHN keine genaue Kenntnis der Arten besass, in die die eine oder andere der von ihm behandelten Gattungen zerfällt. So ist ihm Kürbis ein Begriff, der nicht nur den gewöhnlichen, sondern auch den Flaschenkürbis umfasst, während diese beiden nach heutiger Auffassung verschiedenen Gattungen angehören. Da HEHN Italien aus eigener Anschauung kannte, so musste er auch den Flaschenkürbis kennen ; hätte er gewusst, dass dieser vom gemeinen Kürbis verschieden war, so hätten seine Untersuchungen mit dem Ergebnis abschliessen müssen, dass den Griechen und Eömern nur der Flaschenkürbis bekannt gewesen sein konnte. Endlich scheint bei ihm die Freude am Etymologisieren gelegent- lich etwas weit zu gehen. Dem sei aber wie ihm wolle; wenn ein Buch von dem Umfange wie HEHNS „Kulturpflanzen und Hausthiere" die 5. Auflage^) erlebt, so muss doch etwas darin stecken, und in der Tbat finden wir es bei vielen Gebildeten, nicht blos bei Philologen von Beruf, und können von diesen hören, wie oft es ihnen Anregung und Genuss verschafft hat. Die natur- wissenschaftliche Bedeutung des Buches liegt wesentlich darin, dass HEHN die Naturforscher auf die geschichtliche. Seite ihrer Wissenschaft hingewiesen hat, dass er gezeigt hat, wie das Studium der älteren Litteratur die direkte Naturbeobachtung zu ergänzen imstande ist. AVenn wir gerecht gegen HEHN sein wollen, so müssen wir zugeben, dass sein Buch der Pflanzen- geograiihie der Mittelmeerländer wesentliche Dienste geleistet hat, und ') Die 6. Aufla.ue, besorgt von Schradek und Enölkr, ist im Erscheinen begriffen. — 24 — ebenso müssen wir ihm dankbar sein für die immense Anzahl sorgfältiger Quellennachweise. Wir sind heute so in Spezialuntersuchungen vertieft, dass uns der Überblick über grössere Gebiete leicht abhanden kommt. Bei der sorgfältigen Bemühung, Arten, Formen, Varietäten etc. zu unter- scheiden und aufzuzählen, haben wir die Geschichte der deutschen Flora so ziemlich aus den Augen verloren, und mancher will es nicht einmal glauben, dass die Schriftsteller des Mittelalters oder die Kräuterbücher des 16. Jahrhunderts viel enthalten, was sich für die Pflanzengeographie Deutschlands verwerten lässt. Wie notwendig es ist, ältere Schriften sowie den Inhalt der Archive zu berücksichtigen, wenn es sich um die Verbreitung der deutschen Waldbäume und der sie begleitenden Pflanzen handelt, hat E. H. L. KRAUSE zu wiederholten Malen gezeigt:^) seine Forschungsmethode ist aber mit derjenigen Hi^HNS identisch. ALPHONSE DE CANDOLLE, Der Ursprung der Kulturpflanzen. Übersetzt von E. GOEZE. Leipzig 1884. Ein berühmtes, wie es scheint viel gelesenes, gelegentlich als klassisch bezeichnetes Buch. In der That wird es kaum jemand geben, der das Buch aus der Hand legen könnte ohne Belehrung und Anregung daraus empfangen zu haben. Trotzdem wird man nicht alle Aussprüche und Ansichten des Verfassers für richtig zu halten brauchen. Das hat seinen Grund einmal darin, dass der Verfasser den sprachlichen Forschungsergebnissen von ADOLPHE PiCTET (Les origines des peuples indo - europeens , Paris 1878) ein viel zu grosses Gewicht beigelegt hat. Wie viel oder wie wenig durch blosse Vergleichung von Namen herauskommt, hat kürzlich E. H. L. KRAUSE an dem Beispiel der Birke und Buche gezeigt (Die indogermanischen Namen der Birke und Buche in ihrer Beziehung zur Urgeschichte. Globus, Bd. 62, 1892. No. 10 und 11). Ferner hat ALPH. DE CANDOLLE auf die botanischen Schriften der Alten nicht selten zu wenig Rücksicht genommen, wie sich aus der folgenden Darstellung ergeben wird; im übrigen verfügt er aber über eine sehr ausgebreitete Litteratur- und Pflanzenkenntnis, so dass man in sehr vielen Fällen seinem Urteile wird beipflichten müssen. 9. Untersuchung des Bestandes an Nutz- und Zierpflanzen in alten Gärten. Eine Deutung alter Pflanzennamen, oder aber die Bekräftigung einer Deutung, lässt sich auch dadurch erreichen, dass man die Pflanzen ') Beitrag zur Kenntniss der Verbreitung der Kiefer in Norddeutscliland (Englers Bot. Jahrbücher, Bd. 11, Heft 2, 1889, S. 123-133). Die Heide. Beitiag zur Gresclüclite des Pflanzenwuchses in Nordwesteuropa (Englers Bot. Jahrb , Bd. 14, Heft 5, 1892, S. 517—539). Die natürliche Pflanzendecke Norddeutschlands (Globus, Bd. 61, 1892, No. 6 und 7). Floreukarte von Norddeutschland für das 12. bis 15. Jahrhundert (Petermanns Mitteilungen, 1892, Heft 10, S. 231—235; mit Karte, Taf. 18) und vieles andere. — 25 — alter, durch die moderne Kultur wenig beeinflusster Gärten zusammen- stellt. Auf diesem Gebiete ist noch wenig geschehen, und doch nähert sich schon die Zeit, wo solche Untersuchungen nicht mehr möglich sein werden, denn der Schwann neueindringender Pflanzen verdrängt mehr und mehr die alten. Eine Übersicht über diejenigen Pflanzen, die in Mecklenburg bis in das 3. Decennium dieses Jahrhunderts gebaut wurden, lieferte ERNST BOLL in seiner Geschichte Mecklenburgs etc., Bd. 2, Neubrandenburg 1856, S. 629, 630. Für die Provinz Schleswig-Holstein veröffentlichte der Verfasser ähnliche Zusammenstellungen, sowie zwei ältere Garteninventare.^) Ein Verzeichnis derjenigen Pflanzen, die in den Gärten der Nieder- sachsen bis zum Jahre 1830 etwa gebaut wurden, findet sich bei STEIN VORTH (vergl. oben S. 8) auf S. 51—53. Für die Pflanzen der salzburgischen Gärten vergleiche man L. GLAAB, Über Pflanzen der salzburgischen Bauerngärten und Bauerngärten im allgemeinen. Deutsche botanische Monatsschrift, Jahrg. 10, 1892, S. 155 — 158, Jahrg. 11, 1893, S. 38—41. Eine Trennung zwischen alten und neueingeführten Gartenpflanzen ist in diesem Verzeichnisse nicht gemacht. Über die Gartenpflanzen, welche in der ersten Hälfte des 18. Jahr- hunderts in Mitteldeutschland (Umgebung von Regensburg) gebaut wurden, liefert genaue Auskunft J. AV. WEINMANN, Phytanthozaiconographia, oder eigentliche Vor- stellung etlicher Tausend, sowohl einheimischer als ausländischer, aus allen vier Welttheilen etc. gesammelter Pflanzen, Bäume etc., in Kupfer gestochen von B. Seuter, J. E. Ridinger und J. J. Haid etc. etc. Vier Bände Fol. Regensburg 1737—45. Dies grossartig angelegte Werk enthält 1025 kolorierte Kupfer- tafeln, allerdings von verschiedenem Werte, denn die drei Kupferstecher waren in ihren Leistungen sehr ungleich. Neben vielen Apothekerpflanzen und exotischen Gewächsen finden sich auch unsere gewöhnlichen Garten- pflanzen. Will man untersuchen, welche Fortschritte (oder Rückschritte) in den letzten 150 Jahren in der Zucht von Nelken, Tulpen, Canna etc. etc. gemacht worden sind, so findet man in WEINMANNS Phytanthozai- conographia ein vorzügliches Vergleichsmaterial. Für die Bestimmung der Rassen von Gemüsen und Obstbäumen wurde benutzt ^) Unsere Bauerngärten, Schleswig-Holsteinische Zeitschrift für Obst- und Garten- bau, 1891, No. 1, S. 4—7; Nachtrag dazu in No. 3, S. 19; a])gedruckt in Heimat, Bd. 1, Kiel 1891, S. 166—173; Die Gärten der Insel Rom, Schl.-Holst. Zeitschrift f. Obst- u. Gartenbau, 1893, No. 1, S. 1—3; Unsere Bauerngärten, II (in Verbindung mit H. Eschenburg), Heimat, Bd. 3, Kiel 1893, Heft 2, S. 36-45. — Zwei ältere Dokumente zur Geschichte des Gartenbaus in Schleswig-Holstein, Schriften des uaturw. Ver. f. Schl.-Holst., Bd. 10, Kiel 1893, S. 1-20. — 26 — TH. RÜMPLER, Illustrierte Gemüse- und Obstgärtnerei, Berlin 1879, 8^ In allen Dingen, die sich auf praktischen Obst- und Gemüsebau beziehen, ist RÜMPLERS Buch ein vortrefflicher Ratgeber; die bei den einzelnen Pflanzen angefügten historischen Bemerkungen sind aber sehr oft ganz falsch. Damit könnten Avir die Liste der vorzugsweise benutzten Bücher schliessen. Aber ein Buch, das in keiner der genannten Rubriken sich zwanglos unterbringen Hess, muss noch erwähnt werden, nämlich Ernst H. F. Meyer, Geschichte der Botanik. Studien. 4 Bände, Königsberg 1854 — 57. Leider ist MEYERS Geschichte der Botanik unvollendet geblieben, denn ein fünfter und sechster Band, die die Geschichte der neueren Zeit enthalten sollten, sind nicht erschienen. Trotzdem haben wir alle Ursache, dem Verfasser dankbar zu sein: jedem, der sich mit älteren botanischen Schriftstellern und deren Werken beschäftigen will, ist sein Buch ein zuverlässiger Ratgeber und Führer, den man um so mehr schätzen lernt, je mehr man mit ihm umgeht. Verzeicliiüs der j>ebraiuiiteii Abkfirziingen. Da die folgende Abhandlung ein öfteres Citieren der angeführten Bücher sowie einer Reihe anderer notwendig macht, so erscheint es zweckmässig, wenn nicht notwendig, sich einiger Abkürzungen zu bedienen. Es ist der Versuch gemacht, diese Abkürzungen möglichst so einzurichten, dass der Titel des betreffenden Buches sich leicht daraus erkennen lässt. In solchen Fällen, wo nur ein Werk eines Verfassers existierte oder benutzt wurde, ist allein der Name des Verfassers, ganz oder abgekürzt, zur Verwendung gelangt; hier wird eine besondere Aufzählung wohl nicht nötig sein ; einige Beispiele mögen aber angeführt werden. Athen. = Athenaei Naucratitae dipnosophistae. Diosk. = Dioskoridis m.ateria medica. Lenz = H. 0. Lenz, Botanik der alten Griechen und Römer. Matt. comm. = P. A. Matthioli opera omnia: hoc est, commentarii in VI libros Dioskoridis etc. Matt. Kräutb. = P. A. Matthioli Kreutterbuch durch J. Camerarium. Meyer I, II, III, IV = Ernst H. F. Meyer, Geschichte der Botanik, Bd. 1, 2, 3, 4. Plin. = C. Plini Secundi naturalis historia, etc. Für die häufiger benutzten Glossare sind folgende Abkürzungen benutzt: ahd. Gl. = A. H. Hoffmann (v. Fallersleben), Althochdeutsche Glossen, Breslau 1826, 4^ CGLIII = Corpus Glossariorum Latiiiorum, Vol. III, ed. Georgius Goetz, Lipsiae 1892. Colm. Gloss. = M. Kleemann, Ein mitteldeutsches Pflanzenglossar, aus dem 14. Jahrb., in Zeitschrift für deutsche Philologie, Bd. 9, 1878, S. 197—209. Königsb. Gloss. = Ernst Meyer, vergleichende Erklärung eines bisher noch ungedruckten Pflanzenglossars. Zweiter Bericht über das naturw. Seminar bei der Universität zu Königsberg. Königsberg 1837, 4^ — 28 — Moiie = Botanisches Glossar aus dem Ende des 13. oder Anfang des 14. Jahrb.; Mone, Anzeiger für die Kunde der teutschen Vorzeit, 4. Jahrg.. Karlsruhe 1835, S. 239—250. Suni. = Hoffmann von Eallersleben, Sumerlaten. Mittelhochdeutsche Glossen etc. Wien 1834, 8". Aus der Zeitschrift für deutsches Altertum (ZfdA): Prag. Gl. = Prager Glossen, 11. Jahrh., redigiert von Hoffmann von Fallersleben. ZfdA 3, Leipzig 1843, S. 468—477. Schi. Gl. = Schlettstädter Glossen, 12. Jahrb., redigiert von Wilh. Wackernagel. ZfdA 5, 1845, S. 318—368. Vit. = Vocabularius latino-teutonicus, 11. Jahrb., redigiert von Hoff- mann von Fallersleben. ZfdA 3, S. 368—381. Die älteren Schriften sind nach Buch, Kapitel etc. citiert, nur ATHEXAEUS nach Buch und Seite, das letztere nach der Zählung von CaSAüBONUS. — Wenn ausser der Seite auch noch eine Zeile citiert werden musste, so wurde das Zeichen für Seite (S.) fortgelassen. Unsere Nutzpflanzen. TÜ vuv r||.iepa bevbpa Kai cpurd Kai öirepiuaTa -naibeuOevTa üttö YeiwpYiae; ti- Qaawq irpöc; r\\xäq Soxe* upiv be f)v inöva Tct TU)v dYpioiv TEvri, upeaßüxepa xdiv fjlLi^pujv övra. Plat. Tim. p. 77a- V ergleichen wir die Abbildungen in den Kräuterbüchern des 16. Jahr- hunderts und in WEINMANNS Phytanthozaiconographia mit den Pflanzen, die gegenwärtig in unseren Gärten gezogen werden, so sehen wir deutlich, dass der Gartenbau in Deutschland während der letzten 300 Jahre be- deutende Fortschritte gemacht hat. Mit gleicher Geschwindigkeit wird sich aber der Fortschritt auf diesem Gebiete nicht immer bewegt haben. Über die ersten Anfänge des Gartenbaues in Deutschland wissen wir nur sehr wenig; vor dem 5. Jahrhundert kann davon wohl überhaupt nicht die Rede sein. Die Gärten der Merowingerzeit bestanden aber wahrscheinlich nur aus einem eingehegten Easenplatz mit einigen Obst- bäumen und Bienenstöcken (K. TH. VON INAMA-STERNEGG, Deutsche Wirthschaftsgeschichte bis zum Schluss der Karolingerperiode, Leipzig 1879, S. 172). Erst vom 8. und 9. Jahrhundert an datiert ein regel- rechter Gartenbau in Deutschland, hervorgerufen und beeinflusst durch die Benediktinermönche, die eine grosse Anzahl römischer Kulturpflanzen über die Alpen brachten. Im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung hatte der Gartenbau in Italien auf grosser Höhe gestanden, war aber in der Folgezeit von dieser Höhe allmählich mehr und mehr herabgeglitten. Legen wir uns die Frage vor, ob wir heutigen Tages im Gartenbau ebensoviel oder mehr leisten als die Römer vor 2000 Jahren, so dürfen wir uns sagen, dass wir bei vielen Arten eine bedeutend grössere Anzahl von Kultur- rassen gezüchtet haben als die Römer kannten, während andere Pflanzen heute wie zur Zeit des PLINIUS nur in einer einzigen Form auftreten. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass manche in Deutschland gezüch- tete Kulturrassen das wärmere italienische Klima nicht vertragen können, während wir durch Treibhäuser und Mistbeete imstande sind, im Süden gezogene Rassen weiter zu ziehen. Wenn wir uns nun im Folgenden mit der Verbreitung der Nutz- pflanzen von Griechenland und Italien nach Deutschland beschäftigen wollen, so werden wir uns wohl gelegentlich die Frage stellen dürfen, ob eine bestimmte Pflanze schon den Alten bekannt gewesen ist. Wir werden uns aber sorgfältig davor hüten müssen, alles, was wir an besonderen und eigentümlichen Rassen von Nutzpflanzen besitzen, bei den Alten wiederfinden zu — 32 — wollen; gerade ein solches Bestreben ist die Ursache für so manchen Irrtum gewesen. Da unsere Untersuchung sich auf mehr als 200 Arten erstreckt, so kommt es darauf an, die Aufzählung dieser möglichst übersichtlich zu gestalten. Aber welchen Weg man hierzu auch einschlagen mag, stets zeigt sich die Unmöglichkeit, das Zusammengehörige auch wirklich nebeneinander zu stellen, mag man nun systematisch oder alphabetisch oder sonstwie verfahren. Da aber doch eine Entscheidung getroffen werden musste, so sind Grupjjen gebildet, in die sich eine ganze Zahl von Pflanzen leidlich natürlich einreihen lässt. Führte die Untersuchung aber nebenher auf Pflanzen, die dieser Gruppe nicht eigentlich angehören, so sind sie dennoch hier stehen geblieben, um die Darstellung nicht gewaltsam zu zerreissen; das Aufsuchen einer bestimmten Pflanze muss doch jedesmal oder meistens durch das Register erfolgen. Die gewählten Gruppen sind folgende: 1. Zierpflanzen. 2. Heilpflanzen. 3. Technisch verwertbare Pflanzen. 4. Pflanzen des Küchengartens. 5. Obstbäume. 6. Bemerkungen über die Getreidearten. Am zahlreichsten sind die Pflanzen des Küchengartens vertreten ; deshalb sind unter diesen wieder mehrere Unterabteilungen gebildet, zum Teil nach der systematischen Stellung der eingereihten Pflanzen, aber auch in den übrigen Abteilungen sind zuweilen mehrere Pflanzen zu einer kleinen Gru^Dpe vereinigt. Im Folgenden sind die Namen aus dem Capitulare und dem Bre- viarium vorangestellt und fett gedruckt; da sich bei diesen nicht immer entscheiden lässt, wie ihr Nominativ ausgesehen haben mag, so sind sie nach KEKNERS Vorgange in der Form aufgenommen, in der sie im Capitulare stehen ; dann folgt der botanische Name, der in den Fällen, wo Namen aus dem Capitulare etc. fehlen, voransteht. Hieran reihen sich die griechischen Namen bei THEOPHEAST, DIOSKORIDES etc. und die neu- griechischen ; daran die lateinischen bei COLUMELLA, PLINIüS etc., sowie die italienischen und französischen. Man gewinnt dadurch meistens eine bequeme Übersicht. Die deutschen Namen sind in den Text aufgenommen. Was die botanischen Namen betrifft, so ist vielfach auf die älteren von LINNE herrührenden zurückgegangen. Einmal werden diese allen denen, die nicht Botaniker von Beruf oder Neigung sind, bequemer sein als diejenigen, die in den letzten Decennien so viele Linneische Namen verdrängt haben ; zweitens aber sind die Namen LlNNES vielfech Sammel- namen, die mehrere heute abgegrenzte Arten umfassen und deshalb oft den etwas unbestimmten Sinn alter Pflanzennamen besser wiedergeben. 33 1. Zierpflanzen. Unter den Gewächsen, welche die Alten in ihren Gärten zogen, hat es wohl kaum ein einziges gegeben, dem sie nicht besondere Heil- kräfte oder sonst irgend einen praktischen Nutzen zugeschrieben hätten. Zierpflanzen in unserem Sinne waren ihnen im Ganzen fremd. Wie sehr sie es jedoch verstanden, Bäume, Sträucher und blühende Pflanzen jeder Art zum Schmuck des Gartens und des Hauses zu verwenden, das wissen wir aus ihren Schriftstellern und aus antiken Wandgemälden Roms und Pompejis. Die Zahl der in dieser Weise benutzten Pflanzen ist aber immerhin eine verhältnismässig kleine. Die Lilie. Lilium Capitulare 70,1; Invent. 1,1; 11,6; Lilium cancUdum Ij., Lilie, weisse Lilie. Aeipiov Theophr. 6, 8, 1 ; Kpivov ßacTiXiKÖv Diosk. 3, 106 ; neugr. Kpivoq, wie alle lilienartigen Gewächse (Fraas). Candichim lilium Vergil Aen. 6,709, Colum. 9,4,4; album lilium Plin. 21,5,11; it. giglio; fr. lis. Bei den Schriftstellern des Altertums finden wir mehrere Lilien erwähnt. Eine heisst Kpivov (krinon) ; diese hat nach THEOPHRAST thränenartige Tropfen (bdkpuov, 2, 2, 1) und Ausflüsse (öaKpuiLöiitg auppori, 6, 6, 8), die erhärten und zur Fortpflanzung dienen. Gemeint sind hier offenbar Brutzwiebelchen, die in den Blattachseln vorkommen, und zwar bei der Feuerlilie, Lilium bulbiferum L. ; diese selben Brutzwiebelchen machen es möglich, die Feuerlilie dadurch zu vermehren, dass man Stücke des Stengels oder den ganzen Stengel in die Erde legt, wie THEOPHRAST (2, 2, 1) scheinbar nicht ohne Verwunderung und mit dem Bemerken erzählt, dass die Rose sich ebenso vermehren lasse. Eine andere Lilie wird von den Griechen \eipiov (leirion) genannt; aus dem Gebrauch der Adjectiva, die mit leirion zusammengesetzt sind, geht hervor, dass hiermit die weisse Lilie, Lilium candidum L., gemeint ist. Diese scheint hauptsächlich kultiviert worden zu sein, wenigstens bei den Römern, die sie lilium album oder candidum, die weisse Lilie, nennen. PLINIUS schildert den Eindruck, den die weisse Lilie zwischen blühenden Rosen hervorbringt (21, 5, 11); DIOSKORIDES nennt sie die könig- liche Lilie. Die genannten Lilienarten kommen beide in unseren Bauerngärten vor; aber sie sind nicht zur selben Zeit hineingelangt. Denn im Mittel- alter ist immer nur von einer einzigen Lilie die Rede, die stets lilium genannt wird, und in der Symbolik der christlichen Kirche als Sinnbild der jungfräulichen Reinheit und der Unschuld eine grosse Bedeutung hat; V. FiSCHER-ßßNZON, altd. Gartenflora. 3 — 34: — diese kann nach dem, was uns überliefert ist, nur die weisse Lilie sein. WALAFRIDUS STRABUS rühmt in seinem „Hortulus" die blendende AVeisse und den Wohlgeruch der Lilie. Auch ALBERTUS MAGNUS (6, 370 u. 371) beschreibt unter dem Namen lilium die weisse Lilie sehr genau. Wir werden also annehmen dürfen, dass das lilmm im Caj)itulare eben diese Lilie bedeutet. Bei KONRAD VON MEGENBERG (5, 47) wird die weisse Lilie lilig genannt, im 16. Jahrhundert heisst sie Gilgen, weiss Gilgen. Sie ist eine der häufigsten Blumen unserer Bauerngärten und noch heute dienen ihre mit Öl übergossenen Blumenblätter als Mittel gegen Brandwunden. Die Feuerlilie wird im 16. Jahrhundert unter dem Namen Gold- lilie vielfach genannt. Sie muss um diese Zeit oder etwas früher in unsere Gärten gelangt sein. Unter den „Lilien auf dem Felde" (Matth. 6,28: xd Kpiva toö dYpoö) sind Feuerlilien zu verstehen; ÜLFILAS über- setzt Kpiva durch hlomans (nach GRIMMS Wörterbuch unter „Heide"), scheint also überhaupt keine Lilie gekannt zu haben. Rosen- Rosas Capitulare 70,2; Rosa gallica L., Zuckerrose, Essigrose; Rosa centifolia L., Centifolie. P6Ö0V Homer, Anakreon, Herodot; Theophr. 6,6,4-6; 6,8,5; Diosk. 1, 130; neugr. xd xpiavxdqpuXXa xoü yXukoO (Blumen der Zucker- rose); xd xpiavxdqpuXXa (Blumen der Centifolie). Rosa Varro, Vergil; Colum. 9, 4, 4; 10,282; de arboribus 30; Plin. 21, 4, 10; 21, 18, 73; it. rosa comune, rosa d'orto; rosa di cento foglie, rosa a hottoni; fr. rose. Die ersten gefüllten Rosen ^) scheinen bei HERODOT (8, 13b) erwähnt zu werden. Er erzählt, dass in den Gärten des Midas in Macedonien von selbst Rosen wuchsen, die jede sechzig Blätter hatten und an Wohl- geruch die übrigen übertrafen. THEOPHRAST unterscheidet fünf blättrige Rosen, zwölf- und zwanzig- blättrige, ja sogar hundertblättrige, die Hekatontaphyllen (eKaxovxdqpuXXa); die letzteren wuchsen um Philippi, wohin man sie vom Pangäusgebirge verpflanzt hatte. Die fünfblättrigen Rosen dürfen wir wohl der Haupt- sache nach als wilde Rosen oder Heckenrosen deuten, von denen Rosn sempervirens L. im heutigen Griechenland und im Orient die häufigste ist. Die Rosen mit mehr als fünf Blättern, nach unserem Ausdruck gefüllte Rosen, werden wir aber vornehmlich in den Gärten zu suchen haben. ^) Den alten Egyptern war die Rose nicht bekannt, auch nicht den alten He- bräern; wo in den älteren Teilen des alten Testaments (Prophet Hosea, im Hohen Liede) in Luthers Übersetzung das Wort „Rose" vorkommt, da ist es durch Feuer- lilie zu ersetzen (Hehn, S. 202). — 35 — DIOSKORIDES berichtet über die Eosen sehr wenig; bei COLUMELLA finden wir jedoch rote und gelbliche Rosen erwähnt (9, 4, 4 puniceae rosae luteolaeque; 10,287 rosa Sarrano clarior ostro, schimmernder als Sarranischer Purpur). PLINIUS folgt (21,4,10) der Hauptsache nach dem THEOPHRAST; die Rose, die auf dem Pangäusgebirge wächst, hat zahlreiche und kleine Blätter, wird aber dadurch veredelt, dass die An- wohner sie in die Gärten pflanzen, zeichnet sich indessen nicht durch besonderen Geruch aus. Diese Rose wird nach ihm centifolia genannt und findet sich auch in Campanien. In den Hermeneumata des CGL III kommt das Wort centifolium zweimal vor, einmal in den Monacensia unter den Blumen, und zweitens in den Einsidlensia unter den Gemüsen ; ^) ob wir es hier in beiden Fällen mit der Rose zu thun haben, ist doch wohl zweifelhaft, es müsste denn schon im zweiten Falle an eine Benutzung der Rose zu Konfekt, Glyko (yXukö), gedacht werden, wie es im heutigen Griechenland der Fall ist. Später ändert nämlich centifolium seine Bedeutung. In den Pflanzen- glossaren des CGL III bedeuten centifolium und millefolium die, offenbar gefüllte, Blüte des Granatapfels, ebenso wie myriopliyllum in den „Libri Dynamidiorum".-) Dieser eigentümliche Sprachgebrauch ist über das 11. Jahrhundert, wie es scheint, nicht hinausgegangen und vollständig in Vergessenheit geraten. Gefüllte Granatblüten erwähnt übrigens schon THEOPHRAST 1, 13,5. In der Zeit nach Karl dem Grossen sind die Angaben über Rosen zunächst sparsam, werden aber allmählich häufiger. WAJjAFRIDUS STRABUS besingt die Gartenrose im allgemeinen. Die heilige HILDEGARD führt die Rose (rosa) unter den Kräutern auf (1, 22) und rühmt sie als Heilmittel; unter den Bäumen nennt sie die Heckenrose, hyffa (3,52), mit lateinischem Namen trihulus (3, 63), die in den lateinisch-deutschen Glossaren hiefeltra, Jdeffaldra heisst. Sehr viel eingehendere Berück- sichtigung findet die Rose bei ALBERTUS MAGNUS. Unter dem Namen hedegar '^) beschreibt er (6, 42) die Wein- oder Apfelrose (Rosa ruhiginosa L.), die zu dem Geschlecht (genus) der Dornsträucher (spinae) gehört; in ihren Blättern, die namentlich im Frühjahr einen Weingeruch aus- strömen, gleicht sie der Gartenrose (rosarius), ebenso in den Blumen, nur sind diese kleiner. Ferner erwähnt er (6, 43) die Heckenrose (Rosa canina L.), die auch zu den spinae gehört und trihulus genannt wird; ihre Blume ist grösser als die der Weinrose und wird wilde Rose (rosa silvestris) genannt, obgleich sie in Wahrheit nicht von der Natur der ^) Centifolium centifolium 192, 26 ; ^KaxövqpuWov centifolium 265, 58. -) Balaostium . idest flores granate 536,45; balaostium idest ceutufolia 53^,53; balistion idest milfolius 587,61; 608,48; die Blume des wilden Granatapfels hiess ßaXaüaTiov, Diosk. 1,154, balaustium bei Plinius. — Myriopliyllum, quod et balasticon seu centilolium (Dynamidiorum libri duo, cur. A. Mai, S. 443 ; nach Meyer III, S. 498). *) Das Wort bedegar stammt wahrscheinlich aus dem Arabischen. 3» — 36 — Rose ist (sed non est vere de natura rosae). Die eigentliche Rose (rom) hat sehr viele Blumenblätter, oft mehr als 50 oder 60 (6, 212 u. 213); besonders gross wird der Stamm der weissen Rose (Rosa alba L.), der armdick werden kann (6, 212). Rote Gartenrosen werden 6, 213 erwähnt, daneben eine wilde Rose, die nach der gegebenen Beschreibung Rosa arvensis Hudson ist. Mit ganz besonderer Sorgfalt beschreibt ALBER- TUS MAGNUS die Kelchblätter der Rose (6, 214). Bei KONRAD VON MEGrENBERG finden wir hedegar wieder (4A, 8), der auf deutsch hagdorn oder weithagen genannt wird und dessen Blätter und Früchte kleiner sind als diejenigen des rosendorns oder veltdorns (Rosa canina L.). Die Gartenrose wird rosarius und rosenpaum genannt (4 A, 44), ihre Blumen rosa und ros, und von diesen sind die frisch aufgeblühten starkroten (zemäl roten) besser als die bleichen; aus Rosenblättern wird gemacht: rosenlionig (mel rosaceum), zukkerrosät, rosensr/rop, rösenöl, rosenwazzer. Im Vorhergehenden haben wir für eine Anzahl wildwachsender Rosen die botanischen Namen angeführt, von den Gartenrosen ist aber nur eine einzige mit Namen belegt worden , nämlich die weisse Rose (Rosa alba L.). Zu welcher Art oder zu welchen Arten mögen die übrigen gehören? Die Beantwortung wird dadurch erschwert, dass die in Betracht kommenden Rosenarten nicht nur stark variieren, sondern auch zu Bastardbildungen sehr geneigt sind, und ferner dadurch, dass gewisse Rosennamen, wie Centifolie, von verschiedenen Schriftstellern offenbar in sehr verschiedenem Sinne gebraucht werden. Nach W. 0. FOCKE, ^) dem wir uns in allen wesentlichen Punkten anschliessen, ist die Zucker- oder Essigrose, Rosa gallica L., die wichtigste Stammart unserer vor- züglichsten Garten- oder Edelrosen. In der That bietet sie eine grosse Anzahl von Formen dar, ist teils niedrig, teils stark strauchig und hoch, hat mehr oder weniger gefüllte, dunkelrote, hellrote, gescheckte oder fast weissliche Blumen; ausserdem variieren die Blumenblätter auch noch ia der Grösse. Die Zuckerrose wächst wild in Südeuropa und Klein- asien; im heutigen Griechenland wird sie häufig kultiviert und aus ihren Blumenblättern wird ein sehr beliebtes Konfekt oder Glyko (yXuko) be- reitet. Die Centifolie ist vielleicht eine Varietät der Zuckerrose, mit grösserer Wahrscheinlichkeit aber ein Bastard derselben, da sie in Tracht, in Bau und Farbe der Blume recht erheblich von der Zuckerrose ab- weicht. In den Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts und selbst in WEINMANNS Phytanthozaiconographie ist keine Rose abgebildet, die auch nur entfernt derjenigen Centifolie gliche, die früher in unseren Bauern- gärten gebaut wurde. Diese Centifolie, mit ihren nickenden, zart rosen- farbenen Blumen, die sich eigentlich niemals vollständig öffneten, scheint ein ziemlich spätes Produkt der Rosen zuclit zu sein. Die weisse Rose 1) W. 0. FoCKE, Rosaceae, in A. Engler und K. Prantl , Die natürlichen Pflanzcnfamilien, Teil 3, Abteilung 3, Leipzig 1888. — Über die Edelrosen vergl. man S. 47 fi". — 37 — hält man für einen Bastard zwischen der Zuckerrose und der Heckenrose, üosa canina L.; sie ist noch niemals wildwachsend gefunden. Wenn wir uns nun die Frage vorlegen, welche Rose bei den Schriftstellern des Altertums gemeint sein kann, so werden wir wohl an die Zuckerrose {Rosa gallica L.) mit ihren Varietäten denken müssen. Die sechzigblättrige Eose HERODOTS braucht nichts anderes zu sein, denn die gefüllten Rassen der Zuckerrose duften zum Teil stark, jeden- falls stärker als die wilden Rosen. Auch die roten Rosen COLUMELLAS werden kaum etwas anderes sein; wenn er ausserdem eine gelbliche (luteola) Rose anführt, so deutet das vielleicht darauf, dass die Römer schon die in Kleinasien bis Afghanistan vorkommende gelbe Rose, Rosa lutea Miller, kultiviert haben. Die im Capitulare genannte Rose werden wir aber auch wohl als die Zuckerrose deuten müssen, die durch die folgenden Jahrhunderte bis in die Gegenwart hinein eine häufig kultivierte Garten- pflanze war und jetzt ebenso wie die Centifolie den Remontanten oder Hybridrosen weichen muss. Im 16. Jahrhundert werden schon eine grosse Zahl von Rosen kultiviert. So finden wir bei TABERNAEMONTANüS (2, S. 808 ff.) die weisse Rose, die Zuckerrose, Provinzrosen, die der Zuckerrose nahe stehen, Muskatrosen (Rosa moschata Miller), die Pimpernellrose oder Dünenrose (Rosa pimpinellifolia L.), gelbe Rosen und eine unbewehrte, die vielleicht die Zimmtrose (Rosa cinnamomea L.) ist, oder aber eine Monatsrose. Narcissen. Die Blume vdpKiaaoq (narkissos), die von THEOPHRSAT 6, 6, 9 erwähnt wird, muss wegen ihrer späten Blütezeit Narcissus serotinus L, die späte Narcisse, sein. Da sie bei uns nicht gebaut wird, so kommt sie für uns nicht in Betracht, ebensowenig wie die Tazette, Narcissus Tazetta L., die wohl in Töpfen, aber sehr selten im freien Lande gezogen wird. Die Alten verstanden unter dem Namen Narcissus ebenso wie wir mehrere Arten, von denen für uns namentlich die beiden folgenden in Betracht kommen. Narcissus poeticus L., weisse Narcisse, Pfingstlilie. Diese meint DIOSKORIDES 4, 158, wenn er vom väpKxaGoq sagt, dass seine Blume weiss sei und in der Mitte eine safrangelbe, bei einigen auch purpur- farbige Höhlung (koTXov) habe. Auch gehört hierher die zweite Art des narcissus bei PLINIUS (21, 5, 12) mit weisser Blume und purpurnem Kelch. Narcissus Pseudonarcissus L., gelbe Narcisse, Osterlilie, wird bei den Alten nicht deutlich erwähnt, fehlt in Griechenland ganz, kommt in Italien stellenweise häufig vor, und findet sich wie die vorhergehende auf pompejanischen Wandgemälden (COMES, S. 42 und 43). Beide heissen bei den Italienern giracapo und narcisso. In den Pflanzenglossaren kommt das Wort nareisms selten vor; es — 38 — wird durch Zwiebel (bulbus), Waldlilie, wilde Zwiebel etc.^) erklärt, so dass man zweifelhaft werden kann, ob von Narcissen die Rede ist. Albertus Magnus spricht (6, 394) von narässus als einem Kraut, das in Blättern dem Porree ein wenig ähnlich sei; er könnte also sehr wohl eine echte Narcisse meinen. Bei den übrigen Schriftstellern des deutschen Mittelalters wird die Narcisse nicht erwähnt, im 16. Jahrhundert finden wir aber in den Kräuterbüchern eine grosse Zahl von Narcissen unter dem Namen Narcissenrösleiu , Zeitlosen, Hornungsblumen etc. Es ist möglich, dass diese plötzliche Fülle durch die Blumenliebhaberei der Türken beeinflusst ist, wenigstens nennt CamERARIUS (Hortus Medicus 5. 104, 105) zwei Narcissenarten konstantinopolitanisch, und sagt^ dass eine von diesen ihm aus Konstantinopel von einem Freunde geschickt worden sei. Narcissen sind bis auf die Gegenwart beliebte Garten- pflanzen gewesen, fangen nun aber an unmodern zu werden. Die Hyacinthe. Der Hyakinthos (uctKivGoig) der griechischen Dichter ist unser Gladiolus communis L (vergl. unten S. 46); es wird aber bei THEOPHRAST und DIOSKORIDES und auch bei COLUMELLA eine ebenso genannte Pflanze erwähnt, die nach den Beschreibungen und sonstigen Umständen (sie wird bei THEOPHRAST neben Hiqpiov, unserem Gladiolus, erwähnt 6, 8, 1) etwas anderes sein muss. Aus dem , was THEOPHRAST sagt, lässt sich nicht viel entnehmen. DIOSKORIDES giebt 4, 63 eine ziemlich eingehende Beschreibung seines Hyakinthos: er hat Blätter, die denen des Bolbos gleichen, einen Stengel von der Länge einer Spanne, glatt, dünner als ein kleiner Finger, grün; dessen Blüten tragendes Ende ist gebogen (Kojuriv eTnKei|uevr|v KupTi^v seil, e'xei) und voll von rötlichen (oder bläulichen TTopcpupoeiö)]?) Blumen. Der Bolbos (ßoXßog eöihbiuog Diosk. 2, 200) ist eine Traubenhyacinthe , Muscari comosum Miller, deren Zwiebeln, heute noch ßoXßoi genannt, gekocht oder in Essig gelegt von den griechischen Landleuten gegessen werden.-) An diese Traubenhyacinthe dürfen wir also nicht denken. Schwierigkeiten macht der unbestimmte oder unsichere Begriff 7Top(pupoü(g oder purpureus, und die Abschwächung zu Trop(pupoeibr|(; oder purpurascens, denn sie drücken eine Mischfarbe zwischen rot und blau aus, die bald mehr nach der Seite des Roten, bald mehr nach derjenigen des Blauen gehen kann. Aber gerade deswegen könnte die Hyacinthe des DIOSKORIDES unsere Hyacinthe, Hyaclnthus orientalls ') CGLill: narcissus . i . uuluiis (statt bulbus) 570, 4; imrcissus lilius silvaticus 570, 19; narcissus bulbus agrestis 593, 11; — narcisso holtlilie (Königsb. Gloss,). ") In den Hermeneumata des CGL in werden ßo\ßo{ oder hulbi unter den Speisen (de escis) aufgeführt: ßoaXßoi bolbi 14,59; bolboae bulbi 87,48; bolbi bului 184,7; ßoXßou uulbi 314,55; da die Zwiebeln der Küche ihre besonderen Namen haben und unter den Gemüsen aufgeführt sind, so werden hier wohl die Zwiebeln von Muscari comosum gemeint sein, die heute noch in Italien gegessen werden. — 39 — L., sein, deren Heimat man heute sogar in Südeuropa sucht. Das einzige, was man dagegen einwenden könnte, ist der Umstand, dass die Hyacinthe in allen Pflanzenglossaren und bei den botanischen Schriftstellern des deutscheu Mittelalters fehlt, und erst bei den Schriftstellern des 16. Jahr- hunderts wieder erscheint. Aber warum soll es der Hyacinthe nicht haben gehen können, wie es beisi^ielsweise der Narcisse ergangen ist? Die etwas zärtliche Hyacinthe war zunächst kein Gewächs für deutschen Boden, und wo es sich vor allem darum handelte, nutzbringende Pflanzen iu fremdes Erdreich zu verpflanzen, da musste die nur durch Farbe und Geruch erfreuende Hyacinthe vorläufig zurückbleiben. Bei COLUMELLA ist auch an mehreren Stellen von einer Hyacinthe die Rede. Wo im 9. Buche die Pflanzen aufgezählt werden (9, 4, 4), die den Bienen Honig darbieten, wird auch „caelestis numinis hyacinthus" genannt, etwa eine Hyacinthe von blauer Farbe, wenn man „luminis" statt des unverständlichen „numinis" lesen darf? Im zehnten Buche (v. 100) wird verlangt, dass schneeweisse und blaue Hyacinthen gepflanzt werden („nee non vel niveos, vel caeruleos hyacinthos," sc. pangite); die rost- roten Hyacinthen (ferruginei hyacinthi), die v. 305 erwähnt werden, entsprechen wahrscheinlich unserem Gladiolus (vergl. unten S. 46). Haben wir nun den Hyakinthos des DIOSKORIDES als unsere wohlriechende Hyacinthe gedeutet, so liegt eigentlich kein Grund vor, den Hyacmthus des COLUMELLA als etwas anderes zu nehmen. Die Hyacinthe heisst im heutigen Italien diacinto, giacinto, iacinto; denselben Namen führen aber auch noch andere Pflanzen, wie Scilla hifolla L, die sowohl blau wie weiss vorkommen und in Gärten gezogen werden. Ob COLUMELLA statt unserer Hyacinthe etwa Scilla hifolia gemeint hat, lässt sich nicht bestimmt verneinen, aber ebensowenig be- stimmt bejahen. Die Einführung der Hyacinthe nach Deutschland erfolgte von Konstantiuopel aus, wohin sie von den blumenliebenden Türken gebracht worden war. Zunächst verbreitete sie sich langsam. HIERONYMUS BOCK kennt sie überhaupt noch nicht. In MATTIOLTS Kräuterbuch ist Muscari comosum Miller unter dem Namen Hyacinthus abgebildet; der Heraus- geber CAMERARIUS hat aber Abbildungen von Hyacinthus orientalis L. hinzugefügt, und zwar nach Exemplaren, die er dem Peisenden ßauwolf verdankte. Im 17. Jahrhundert gab es schon sehr viele Spielarten, so dass PAUL HERRMANN in seinem Katalog des Leydener Gartens, 1687, mehr als zwei Seiten gebrauchte, um die von ihm gebauten aufzuzählen. Veilchen, Levkoje, Goldlack und Viole. Eine Anzahl Pflanzen mit angenehm duftenden Blumen wurde von den Griechen i'ov (ion), von den Römern viola genannt; die besonderen Arten wurden dann durch hinzugefügte Adjektive kenntlich gemacht, ein Verfahren, das sich bis ins 16. Jahrhundert und später erhalten hat. — 40 — Diese Pflanzen gehören nach unseren Begriffen nicht nur verschiedenen Gattungen, sondern sogar verschiedenen Familien an. Das Veilchen, Märzveilchen, Viola odorata L. MeXav lov Theophr. 6,6,7; 6,8,2; Tov TTOpcpupoöv Diosk. 4,120; wird in Griechenland viel in Gärten kultiviert, namentlich mit gefüllten Blumen, und daselbst mit dem türkischen Namen ineveHeq genannt; wild wächst in Griechenland eine der Viola odorata L. verwandte, aber weniger stark duftende Art, die Viola Thessala Boiss. et Sprun. (v. Heldreich). Nigra viola Verg. Ecl. 10, 39 ; viola purpurea Plin. 21, 6, 14; 21, 19, 76; viola quae ion appellatur et purpurea Plin. 21, 11, 38; it. viola mammola, viola maura, violetta, auch bloss mammola, mammoletta; fr. violette. Bei Homer (Od. 5, 72) wird schon ein Tov erwähnt, das unser Veilchen oder eine nahe verwandte Art sein kann. Die Römer nannten das Veilchen, wenn sie es genau bezeichnen wollten, viola purpurea, was unserem „blauen Veilchen" entspricht, ebenso wie das lov Tropcpupoüv (ion porphyrün) des DiOSKORIDES; THEOPHRAST nennt es dunkles Veilchen, und ähnlich spricht WALAFRIDUS STRABUS (v. 220) von einer viola nigella. Bei der heiligen Hildegard ist 1, 103 von einer viola die Rede, ebenso bei KONRAD VON MEGENBERG (5, 85), wo als deutscher Name viol angegeben wird. Obgleich an beiden Stellen keine Be- schreibung und kein charakteristisches Beiwort gegeben wird, so deutet dennoch an der ersten die frühe Blütezeit, an der zweiten die Anwendung (Veilchensirup) auf das Veilchen; freilich wurde auch vom Goldlack Veilchensirup gemacht. ALBERTUS MAGNUS beschreibt das Veilchen 6,464; an einer andern Stelle (5,117) nennt er es echtes oder wahres A eilchen (viola vera) im Gegensatz zum Goldlack (viola crocea). Das Veilchen heisst im 16. Jahrhundert Viol, Veiel, Mertzenveiel. Es ist bis auf die Gegenwart eine beliebte Zierpflanze geblieben und findet sich in Norddeutschland vielfach als Folge der Kultur verwildert. Levkoje, Matthiola incana R. Br. AeuKÖv lov Theophr. 6, 6, 7 ; XeuKÖiov Theophr. 6, 8, 1, Diosk. 3, 128; neugr. ßioXerra, ebenso wie die Folgende. Pallena viola Verg. Ecl. 2, 47 ; leucoium Colum. 9, 4, 4 ; candidam leucoium Colum. 10, 97 ; viola alba Plin. 21, 6, 14; it. ßor bono, ßor bianco, lencoio bianco und purpureo, viola bianca, violaciocca bianca, pallida und rossa; fr. violier, giroßh. Nach DIOSKORIDES ist das Leukoion (wörtlich „helles Veilchen") seinen Blumen nach verschieden und entweder weiss, oder gelb (luriXivov, quittenfarbig), oder blau (KuavoOv), oder purpurn (TTopqpupoöv) ; PLINIUS unterscheidet purpurne, gelbe und weisse Veilchen, und in einem Glossar dos CGL III werden weisse, rote und blaue Veilchen genannt.^) Als ') Violarum oenera sunt tria . i . alba rosea et celiiia (579, VA). — 41 — Levkojen im heutigen Sinne dürfen wir die weissen Veilchen und das weisse Leuko'ion nehmen; das purpurne und das blaue Veilchen ist unser Veilchen, das gelbe, sowie das gelbe Leukoi'on unser Goldlack. Zweifel- haft bleiben das blaue und purpurne Leukoion bei DIOSKORIDES, während das rote Veilchen des Glossars wohl den Levkojen zuzuzählen ist. Bei den botanischen Schriftstellern des deutschen Mittelalters be- gegnen wir der Levkoje nicht, wohl aber bei denen des 16. Jahrhunderts, von denen sie Leucoium^) und „Welsch Veiel" genannt wird; TaBERNAE- MONTANÜS bemerkt, sie sei kürzlich aus Welschland gekommen. Die Levkoje wird heute in vielen Varietäten und Spielarten gebaut; sehr schöne gefüllte weisse Levkojen kommen schon im März aus Norditalien und Südfrankreich. Goldlack, Cheiranthus Cheiri L. AeuKoiov fiiiXivov Diosk. 3, 128 ; neugr. ßioXexxa (v. Heldreich), xd Kixpiva (Fraas). Viola lutea Plin. 21, 6, 14; it. leucodio, leucoio, leucoio giallo, cheiri, ' viola, violaciocca; fr. violier. Ausser den schon angeführten Stellen, an denen der Goldlack bei den Schriftstellern des Altertums erwähnt wird, giebt es noch eine, wo vom Goldlack die Rede zu sein scheint, nämlich bei COLUMELLA 10,101 : „viola, quae frondens purpurat auro", das Veilchen, welches sich belaubend von Gold glänzt, oder wie wir sagen würden, das Veilchen, dessen Blüten zwischen dem Laube goldig schimmern. ALBERTUS Magnus spricht von einem safrangelben Veilchen (viola crocea 5, 117), das das wahre Veilchen im Geruch nachahmt; hier kann also nur an den Goldlack gedacht werden, der bei der heiligen, Hildegard und bei KONRAD VON MEGENBERG nicht erwähnt zu werden scheint. Im 16. Jahrhundert heisst der Goldlack viola lutea, leucoium luteum und aureum, auf Deutsch geel Veiel, gelb Veiel, gelb Nägelveiel etc. Er wurde mit einfachen und gefüllten Blumen kultiviert und zeigte viele Varietäten in Farbe und Grösse der Blumen. Noch jetzt ist er beliebt, namentlich als Topfpflanze. Auf der Insel Helgoland ist er zusammen mit dem Kohl am felsigen Abhänge unter dem Garten des Gouverneurs verwildert. Nachtviole, Hesperis matronalis L. Die Nachtviole ist in Norddeutschland eine sehr beliebte Zier- pflanze und wird in zwei verschiedenen Formen kultiviert: einmal mit ') Neben Levkoje und Goldlack wurden im 16. Jahrhundert auch noch mehr P&anzen Leucoium genannt, nämlich ausser unserem Schneeglöckchen, Galanthus nivalis L., auch noch solche, die der heutigen Gattung Leucoium angehören. Tabkb- NAEMONTANUS (2, S. 328) nennt Leucoium vernum L. und das Schneeglöckchen beide Leucoium bulbosum, auf deutsch weiss Hornungsblume, Sommerthürlein und Schnee- ti'opfen. — 42 — einfachen lilafarbigen Blumen, und zweitens mit gefüllten weissen, zu- weilen helllila angelaufenen Blumen. Während sie im ersten Falle bis meterhoch wird und ihre Blumen in einer ausgesperrten B,ispe trägt, bleibt sie im zweiten Fall niedrig und ihre Blumen sind meist in eine einfache Traube zusammengedrängt. Gewöhnlich wird sie Viole oder Nachtviole genannt, man hört auf dem Lande aber auch den Namen „Viöl matternäl". Die kresseartig schmeckenden grünen Blätter und die Samen dieser Pflanze wurden früher in den Apotheken als Herha et Semen Hesperidis s. Violae matr-onalis s. damascenae geführt. Im 16. Jahr- hundert heisst die Nachtviole Viola matronalis und auf Deutsch Winter- veiel, Winterviole (TAB.). Der Name viola matronalis findet sich schon bei DIOSKORIDES (3, 128) als Synonym von leucoium, wird allerdings von Manchen für einen Zusatz von späterer Hand gehalten. PLINITTS erwähnt 21, 7, 18 eine Pflanze hesperis, die bei Nacht stärker riecht (hesperis noctu magis ölet). Da unsere Nachtviole diese Eigenschaft in sehr hohem Grade zeigt, da sie in Italien wild wächst und dort heute esperide und viola matronale genannt wird, so kann es nicht zweifelhaft sein, dass die Römer auch diese Zierpflanze gekannt haben ; eine strenge Trennung von der Levkoje werden sie aber kaum vorgenommen haben. Goldblume und Vexiernelke. Die bisher genannten Zierpflanzen zeichneten sich durch ihren Duft aus; wir haben jetzt zwei anzuführen, die nur ihrer Farbe wegen Eingang in die Gärten gefunden haben. Chrysanthemum coronarium L., Goldblume. BoucpGaXjLiov Diosk. 3, 146 ; xP^crdvOefiov Diosk. 4, 58 ; neugr. TZ;iZ;m- ßöXa (Fraas), auf Kreta jLiavxnXiba (v. Heldreich). Buphthalmus Plin. 25, 8, 42 ; it. fior d'oi-o, hamhegelle. Die Nachrichten über die Goldblume fliessen nur spärlich; dass sie aber, wenigstens von den Römern, gebaut worden ist, geht aus der schönen Abbildung auf dem Wandgemälde in der Villa der Livia in Primaporta mit Sicherheit hervor, und zwar werden hier zwei Rassen dargestellt, eine mit gelben und eine mit weisslichen Blüten (Antike Denkmäler, herausgegeben vom Kaiserlich Deutschen Archäol. Institut, Bd. 1, Berlin 1891, Taf. 11). DIOSKORIDES und PLINIUS erzählen, dass ihre jungen Triebe gegessen würden; das geschieht in Griechenland und Italien noch heute. Es ist uns nicht ganz verständlich, wie die Alten die Goldblume haben Ochsenauge (bouphthalmon) nennen können; die Italiener bezeichnen aber heute noch die grosse Wucherblume (Chrysan- themum Leucanthemum L.) mit demselben Namen (ochio di hove). Sehr viele Jahrhunderte ist von der Goldblume nicht die Rede, erst im 16. Jahrhundert begegnen wir ihr in den Kräuterbüchern und zwar unter diesem Namen. Aber im Bestreben, das Chrysanthemum des DIOSKORIDES zu deuten, wurde bald die Saatwucherblume (Chrysanthemum — 43 — segetum L.), bald die echte Goldblume (Chr. coronarium LJ, herangezogen. In Norddeutschland ist die Goldblume eine ziemlich alte Kulturpflanze, aber da ihre Samen jedes Frühjahr neu gesät werden müssen, so sieht man sie auf dem Lande nur in solchen Gärten, die sich einer besonders sorgfältigen Pflege erfreuen. Coronaria tomentosa R. Br. (Ägrostemma coronaria L.), Vexiernelke, Stechnelke. Auxviq Theophr. 6,8,3; Xux^i? (JteqpavujiuaTiKn Diosk. 3,104. Lychiis Plin. 21,4,10; 21,11,39; rosa graeca Plin. 21,4,10; it. coronaria, erha coronaria, lichnide. Die Vexiernelke erscheint ebenso wie die Goldblume nach langem Vergessensein wieder im 16. Jahrhundert. Sie heisst Lychnis coronaria bei MATTIOLI und TABERNAEMONTANUS, rosa Mariana und flos Jovis bei Bock und wird auf deutsch Margenröslein oder Märgenröslein ge- nannt; heute wird sie in weissen und roten Farben gezogen und ist immer noch eine leidlich beliebte Zierpflanze. Schwertlilie und Gladiolus. Oladiolum Capitulare 70,17; Iris germanica L. und I. ßorenüna Jj. Iris, Schwertlilie, Schwertel. "Ipic; Theophr. 4,5,2; Diosk. 1,1; neugr. Kpivo^. Iris Colum. 12,27; 12,28,1; Iris Uly rica Colum. 12,20,5; iris Graeca Colum. 12,51,2; iris Plin. 21,6,19; 21,20,83; chiaggiolo, giglio azznrro, ireos, iride; Iris ßorentina heisst giglio hianco ; fr. glaieul. Nach DIOSKORIDES wurde die von ihm als Iris bezeichnete Pflanze von den Römern auch gladiolus genannt, ebenso wie die von ihm Xiphium (Hiqpiov, 4, 20) und Xyris (Supig, 4, 22) benannten nebenher gladiolus hiessen; von den beiden letzten ist Xiphium unser Siegwurz oder Gladiolus (Gladiolus communis L.) und Xyris eine nicht ganz sicher bestimmte, aber in Italien wildwachsende Irisart. Die Verwirrung wird durch die allen angeführten Pflanzen gemeinsamen schwertförmigen Blätter herbeigeführt, die die Ursache für die Namen Gladiolus (kleines Schwert) und Schwertel sind. Der Name Iris ist bei den angeführten Schriftstellern vieldeutig, denn er umfasst alle ihnen bekannten Arten, von den wilden bis zu den in Gärten angepflanzten ; von diesen ist iris illyrica wahrscheinlich unsere Iris germanica L., vielleicht auch Iris ßorentina L., deren nach Veilclien duftende Wurzel nach PLTNIUS (21, 20, 83) damals den zahnenden Kin- dern ebenso um den Hals gehängt wurde, wie es noch heute gescliieht. Aus den Glossaren des CGL III geht nun hervor, dass in späterer Zeit ins durch gladiolus und gladiola verdrängt wurde, denn es wird iris (und seine Formen) ^) fast jedesmal durch eines von diesen Worten übersetzt. ') Hyrius . gladiolo 546, 65; hyrius . i . gladiolus 583,32; i^ladiolus irius 591,25; 612,41; ireus gladiolo 632,23; xiris . i . gladiolus 579,44. — ius . illirica . idest — 44 — Iris illyrica heisst einmal lilium celinum, einmal liliuin purpureum, also blaue Lilie, unsere Iris germanica L., im übrigen, wie auch das einfache iris, gladiolus hortensis ; wegen ihrer Heilkräfte werden die Irisarten auch Solidago und Solidago minor genannt.') WALAFRIDUS STRABUS hat eines der Gedichte in seinem Hortulus Gladiola überschrieben, und REUSS hat diese Gladiola als Gladiolus com- munis L. gedeutet, aber mit Unrecht. Zunächst nennt WALAFRIDUS die Farbe der Blume blau oder dunkelblau und spricht dann allerdings vom Hyacinthus und von dem auf seinen Blumenblättern aufgezeichneten Namen oder Buchstaben.^) Der letztere Umstand hat wahrscheinlich REUSS zu seiner Deutung ver- anlasst, denn der Hyacinthus (uotKivOoq) der griechischen Dichter ist unser gewöhnlicher Gladiolus (Gladiolus communis L.), der auf den drei unteren Perigonzipfeln je einen gelblich weissen Streifen trägt. Diese drei Streifen wurden von den Alten als AI gelesen und sollten den griechischen Klageruf darstellen : der Jüngling Hyacinthus war von Apollo beim Discuswerfen erschlagen worden, und aus seinem Blute sprosste die nach ihm benannte Blume hervor. Dieser Hyacinthus ist aber nicht dunkelblau wie das Veilchen, sondern rot. Wir stehen hier also vor einem Widerspruche. Sehen wir uns zunächst den Schluss des Gedichtes an, so erfahren wir, dass die Wurzel der gladiola als Mittel gegen Blasenleiden benutzt wird und dass sie den Tuchwalkern dient, um Leinenzeug zu stärken und mit Wohlgeruch zu versehen. Nun müsste gladiola nach damaligem Sprachgebrauch Iris germanica L. sein; dazu würde die blaue Farbe stimmen, ebenso die Anwendung in der Medizin und Technik (über die letztere wolle man unten unter Flachs vergleichen), aber dagegen scheinbar die Buchstaben auf den Blumenblättern. Indessen trägt Iris germanica auf den äusseren Perigonzipfeln je einen von fädlichen Hervorragungen gebildeten gelben Streifen, Bart genannt, und einem dichterisch angelegten Gemüt kann es nicht schwer fallen, diese drei Streifen als A I zu lesen. So wird es auch WALAFRIDUS STRABUS gemacht haben, denn unseren Gladiolus hat er wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen. Bei der heiligen HILDEGARD steht in der Strassburger Ausgabe gladiola, in der neusten Ausgabe (1, 118) swertula; auch hier geht aus lilium . celinum 539, 52 ; iris illirica . idest lilium purpureum 539, 66 ; irisilirica gladiolus hortensis 591,36; 612,63; gladiolus ortensis . i . yrius 564,68; eine iris alricae wird auch als gladiolus bezeiclinet 562, 29 ; 565 68. ^) Iris illirica idest soldagine 540,5; 547,9; solagominor irius 595, 30; gladiolo radix idest solago minor 612, 19. -) „Tu mihi purpurei progignis floris honorem, Prima aestate gerens violae jucunda nigellac Munera, vel qualis mensa sub ApoUinis alta Investis pueri pro morte recens Hyacinthus Exiit et regis signavit vertioe nomen." — 45 — der Anwendung als Heilmittel hervor, dass eine Iris gemeint ist. AL- BERTUS Magnus (6,355) unterscheidet zwei Arten gladiolus; die eine Art wächst an trockenen Orten und hat eine blaue Blume (florem iacinc- tinum), ist also Iris germanica L., die andere wächst im Wasser und hat eine ähnliche Blume wie die vorhergehende, aber gelb (croceusj, wird von ALBERTUS auch gladiolus aquosus genannt und ist daher Iris Pseudacorus L. Die Pflanze, welche ALBEBTUS MACtNUS (6, 473—475) unter dem Namen yreos beschreibt, scheint Iris ßorentina L. zu sein; was er über die Blume sagt (compositus est ex albo et citrino et coelesti et purpureo, et propter hanc varietatem vocatur yreos), stimmt zwar nicht, wohl aber das über die Wurzel angeführte, und vielleicht hat er nur diese aus eigener Anschauung gekannt. Zu damaliger Zeit wurde ühiigens Iris ßorentina mit 7/reos bezeichnet, denn MATTHAEUS SYLÜATICUS sagt, dass yreos eine weisse Blume habe. Konrad von MEGENBERG nennt gladiolus auf deutsch slatev- kraut, nach der Gestalt der Blätter auch swertlinch oder swertelkraut und unterscheidet wie ALBERTUS MAGNUS zwei Arten. Die eine wächst an trocknen Orten und hat blaue Blumen (pluomen in ahis jächandes varb), die andere hat gelbe Blumen und wächst an nassen Stellen; das Kraut der letzteren heisst auch carectum. Andere Irisarten kennt er nicht. Im 16. Jahrhundert ist die Zahl der kultivierten Irisarten sehr gestiegen. Sie führen jetzt den lateinischen Namen Iris, dem nach Farbe, Vaterland etc. noch ein oder mehrere Adjektive hinzugefügt werden ; der deutsche Name ist Veyelwurtz, Himmelschwertel, Schwertel, auch Gilgen und Lügen. Iris germanica L. wird „blaw Schwertel" oder „blaw Gilgen" genannt. Nach dem Gesagten werden wir mit KERNER annehmen müssen, das der Gladiolus des Capitulare eine Irisart gewesen ist; welche es war, bleibt zweifelhaft, doch wird man in erster Linie an Iris germanica L. denken dürfen, die noch heute mit ihren schönen blauen Blumen den Schmuck so vieler Gärten ausmacht. Iris ßorentina L., die ebenso wie Iris sambucina L. nach Süden zu in den Gärten häufiger wird, wurde wohl nicht immer genau von Iris germanica geschieden; sie könnte also auch mit gemeint gewesen sein. Der Vollständigkeit wegen möge hier unsere gemeine Iris oder Wasser-Schwertlilie, Iris Pseudacorus L. , erwähnt werden, obgleich sie keine eigentliche Zierpflanze, sondern eine Arzneipflanze ist oder war; ihre Wurzel wurde in den Apotheken als Radix Pseudacori s. Acori pa- lustris s. adulterini geführt. Sie wächst ebenso wie in Deutschland auch in Italien wild und ist lange Zeit, bis ins 16. Jahrhundert hinein, statt des echten Kalmus benutzt worden, wie von HIERONYMUS BOCK, C. BAUHIN und anderen ausdrücklich bezeugt wird. Dadurch ist eine Verwirrung unter den Namen entstanden, durch die wir selbst heute — 46 — noch nur mühsam durchfinden. Wahrscheinlich ist Iris Pseiulacorus L. unter dorn acoron (otKopov) des DIOSKORIDES (1, 2) zu verstehen, vielleicht auch unter dem acoron des PLINIUS (15, 13, 100); heute heisst sie in Italien iride gialla, acoro falso, acoro adulterino. In den Glossaren des CGL III wird acorus einmal übersetzt durch die von DIOSKORIDES an- gegebenen Synonyme : aphrodisia, venerea, piper apium, Namen , die sich zum Teil auch in den lateinisch-deutschen Glossaren finden; zweitens durch gladiolus paludensis, Sumpfschwertel , und dem entsprechend über- tragen die lateinisch-deutschen Glossare acorus durch Schwertel und gelbe Schwertel.') Wenn man die Glossare allein zu Rate zieht, so kann man eigentlich nicht zweifelhaft sein, dass acorus nur die Wasser-Schwertlilie bedeutet. Im 16. Jahrhundert heisst sie gelbe Sumj^firis (Iris paludosa lutea), gelbe wilde Iris (Iris silvestris lutea), Pseudoiris und Pseudoacoruvi, daneben Wasserschwertel, AVasserlilie, geel Schwertel etc. Das Wort gladiolus,^) das bis ins 14. Jahrhundert und wahrschein- lich darüber hinaus Irisarten bezeichnet hatte, wechselt nunmehr seine Bedeutung: die Irisarten werden Iris genannt und Gladiolus bedeutet fortan Gladiolus communis L., Siegwurz, Gladiolus. Ziqpiov Theophr. 6,8,1; cpdcJTavov Theoi^hr. 7,12,3; 7, 13, lu. 4; gicpiov, cpdcTYavov Diosk. 4, 20 ; udKivBo«; der griechischen Dichter ; neugr. ö-naGöxopTOv. Xiphion, pliasganion Plin. 25, 1 1, 89 ; hyacinthus ferrugineus Colum. 10,305; hyacinthus Plin. 21,11,38; 21,26,97; it. gladiolo, gigliarello. Es wurde schon oben S. 44 die Sage erwähnt, wonach aus dem Blute des Hyacinthus eine Blume hervorsprosste, die den Namen Hyacinthe erhielt und auf ihren Blättern die Buchstaben AI trug. Diese beiden Buchstaben, die den griechischen Klageruf darstellen, wurden auch als 1) CGL III : afrodesia" acoro 550, 53 ; 552, 3 ; beneria . i . acoro 553, 64 ; piper apiu . agoro 573,64; agoro gladiolus paludensis 586,111,21; 616,21; agoro . id est radicis lisa aqualis 543,45; kann das unser "Wasserliesch sein? Ein mittelnieder- deutsches Glossar (Jahrbuch d. Ver. f. niederdeutsche Sprachforschung, XVII, S. 81—84) übersetzt gladiolus durch lisc. — Accorus swertele, affrodissa sverdele (Königsb. Gloss.); acorus suerdule, affrodisia swerdele (Colm. Gloss.); accorus gelswerdele (Mone); acorus geilswertele (Sum. 51,o:0- ^) Wie vieldeutig das Wort Gladiolus war, geht daraus hervor, dass Gladiolus palustris ausser für Iris Pseudacorus L. auch noch für Sparganium ramosum Hudson, den Igelkolben und Butomus umbellatus L., Wasserliesch oder Was'^erveilchen, ge- braucht wurde; bei diesen beiden war die schwertlörmige Form der Blätter die Ur- sache für die Benennung, die allerdings beim Wasserliesch, das bei den alten Botanikern meist juncus floridus (Blunienbiuse) heisst, nicht mehr sehr zutreHend ist. Caeolus Clusius bezeichnet in seinen Curae posteriores (Antverpiae 1611 S. 40) Lobelia Dortmanna L., eine Pflanze der seichten Süsswasserseen, als Gladiolus lacustris Dortmanni ; in diesem Falle haben die Blätter nicht melir den Grund für die Be- nennung abgegeben, sondern die Blumen, die eine oberflächliche Ähnlichkeit mit denen des Gladiolus oder der Siegwurz haben. — 47 — Anfangsbuchstaben von Ajax (griechisch Maq) genommen; so spricht COLUMELLA (10, 174—175) von Blumen, die aus dem Blute des Ajax hervorspriessen (flores qui sanguine surgunt Aeacii) und meint damit unseren Gladiolus. DiOSKOßlDES beschreibt den Gladiolus unter dem Namen Xiphion (giqpiov) so genau, dass man über die Pflanze, die er meint, nicht im Zweifel sein kann. Als Standort giebt er Saatfelder an, auf denen er noch jetzt in Italien häufig gefunden wird; in Griechenland kommt er nur sehr selten vor. Das Synonym segetoUs, das DiOSKOßlDES für Xiphion anführt, ist ihm lange Zeit als Name geblieben.^) Von den Alten wurde dem Gladiolus eine ganze Eeihe von Heilwirkungen zu- geschrieben, aber trotzdem scheint er jahrhundertelang ganz und gar in Vergessenheit geraten zu sein, denn in den lateinisch-deutschen Pflanzen- glossaren, bei der heiligen HILDEGARD, bei ALBERTUS MAONUS und KONRAD VON MEGENBERO kommt er nicht vor, ja er fehlt sogar bei HIERONYMUS BOCK. Sonst wird er in den Kräuterbüchern des 16. Jahr- hunderts erwähnt und auch gerühmt. Seine Wiederaufnahme unter die Zauber- und Heilmittel verdankt der Gladiolus im wesentlichen der netzigen Hüllhaut seiner "Wurzelknollen. Beim Allermannsharnisch (Allium Victoriaiis L.), der den Alten nicht bekannt gewesen zu sein scheint und auch in den Pflanzenglossaren fehlt, sind die Zwiebeln in mehrere netzföi^mige Schalen gehüllt; der ganze Wurzelstock mit Zwiebeln und Häuten stand in dem Rufe, Geister ab- zuhalten, Zauber zu bannen und denjenigen, der ihn trug, unverwundbar zu machen, und hiess Victoriaiis longa oder Victoriaiis mas. Die viel kleinere Wurzel des Gladiolus, die dementsprechend weniger kräftig ge- wesen sein mag, wurde Victorialis rotunda oder femina genannt. An die Heil- und Zauberwirkungen des Gladiolus denkt man heute nicht mehr, aber man schätzt ihn als Zierpflanze und als solche ist er bis Norddeutschland und weiter hinauf vorgedrungen. Gegenwärtig findet man ihn nur noch in Bauerngärten : die Hybriden von Gladiolus flori- hundus, psittacinus etc. haben ihn ganz in den Schatten gestellt. Lorbeer, Myrte und Buchsbaum. Lauros Capitulare 70, 85 ; Laurus nohilis L., Lorbeer. Adqpvri Homer Od. 9,183; Hesiod Op. et dies, v. 435; Theophr. 4, 5, 3 u. 4; 5, 8, 3 ; Diosk. 1, 106; neugr. ßair|d und ödqpvn. Laurus der Römer; it. alloi^o und lauro; fr. laurier. HEHN (S. 3 87) vermuthet, dass der Lorbeer aus Asien nach Europa gekommen sei. Wenn aber, wie er selbst anführt, HESIOD die "Vorschrift giebt, einen Balken am Pfluge aus Lorbeerholz zu machen, ') CGLiii: gladioloregetali (statt segetali) . i . sifion 564,28; sigitale . i gladiolus 568, 65. — 48 — der Lorbeer also im 9. Jahrhundert v. Chr. in Böotien am Helikon „schon nicht ungewöhnlich" gewesen sein muss, so ist eigentlich kein rechter Grund einzusehen, weshalb man dem Lorbeer das Heimatrecht auf der Balkanhalbinsel nicht zusprechen soll. Auch war in der latinischen Ebene der Lorbeer nach THEOPHRAST (5, 8, 3), also mindestens 300 Jahre V. Chr., schon häufig ; man wird daher das natürliche Wohngebiet des Lorbeers etwas weiter nach Westen ausdehnen dürfen, als HEBEN es ge- than hat. Der Lorbeer hat in Deutschland keinen festen Fuss fassen können: die Winter sind ihm zu kalt, so dass er im Freien kein Gedeihen findet. Von jeher sind seine Blätter und Beeren ein geschätztes Arznei- mittel gewesen und auch in der Küche als Würze an mancherlei Speisen benutzt worden. Ausserdem fristet er ia Kübeln mit grausam zurecht- gestutzter Krone ein kümmerliches Dasein ; in dieser unnatürlichen Form schmückt er die Säle bei ernsten und heiteren Festen. PLINITJS führt (15, 30, 39) einen tinus auf, „den einige für wilden Lorbeer, andere für ein eigenes Genus halten" ; es ist dies Viburnum Tinus L., ein Strauch, der in Italien, Südfrankreich, Spanien und Nord- afrika wild wächst und unter dem Namen Laurustinus in Deutschland ein beliebtes Topfgewächs ist. Als solches möge hier angeschlossen werden Myrtus communis L., die Myrte. IViupcTiVTi der Griechen; neugr. jaupxrid oder laupcrivr). Myrtus der Römer, it. mirto, mortella, mortellina; fr. myrte. Dieser immergrüne Strauch gehört den Mittelmeerländern an und wurde schon sehr früh, ebenso wie der Lorbeer, bei religiösen Hand- lungen gebraucht; wie der Lorbeer dem Apollo, so war die Myrte der Aphrodite geweiht. Als Brautkranz wird die Myrte heute noch gebraucht und deswegen namentlich in Töpfen gezogen; man findet sie vor den Fenstern der ärmlichsten Wohnungen. Ausserdem stand sie als Heil- mittel in Ansehen. Bei der heiligen HILDEGARD (3, 42) wird ein mirtelbaum genannt; da dieser auch beim Bierbrauen gebraucht wird, ^) so wird vermutlich dieselbe Pflanze gemeint sein, die ALBERTUS MAGNUS (6,138) unter dem Namen mirtus beschreibt, KONEAD VON MEGENBERG unter den Namen myrtus und mirtelpaiim. Diese kommt nach ALBERTUS am Meeres- gestade gegen Dänemark hin (versus Daniam) massenhaft vor, konser- viert das, wozu sie gethan wird, wie der Hopfen (conservans ea, quibus commiscetur sicut humulus), und muss nach der Beschreibung der Gagel (Myrica Gale L.) sem. HENRIK HARPP:STRENG, Dansk Lägebog, Kopenliagen 1826, S. 120, hat auch eine Pflanze mirtus und führt als ^) „Et si quis cerviseam parare voluerit, folia et fructus ipsius arboris cum cervisea coquat, et sana erit, et bibentem non laedit". — 49 — deren dänischen Namen Fors an ; Pors ist aber der dänische Trivialname für Myrica Gale (Ledum palustre L. fehlt in Dänemark) und diese Pflanze wurde früher in Dänemark und in Norddeutschland wie in Norwegen zum Bierbranen benutzt. Dieser Gebrauch muss also auch bis nach Westdeutschland verbreitet gewesen sein, (Man vergl. Anhang II unter mirtelbaum.^ Buxus sempervirens L., ßuchsbaum. TTuSog Theophr. 3, 15,5; neugr. TiuHdpi. Buxus Plin. 16,16,28; 16,40,76 u. sonst vielfach ; it. hosso,busso; fr. huis. Der Buchsbaum scheint bei den Alten nicht als Heilpflanze be- trachtet worden zu sein, wie es bei uns später geschehen ist; deshalb wird er auch von DiOSKOßlDES nicht erwähnt. Bei H03IER (IL 24, T. 269), bei VERGIL, OVID und COLÜMELLA wird das Holz des Buchs- baums als Nutzholz erwähnt, ebenso bei PLINIUS. MaRTIAL und auch spätere Schriftsteller sprechen von beschnittenem Buchsbaum (tonsile buxetum etc.). Als Zierstrauch ist er seit alten Zeiten auch bei uns benutzt worden, namentlich als Einfassung von Gartenbeeten. Zu solchen Einfassungen dient die niedrige Varietät (Buxus suffruticosa Lam.), die sich übrigens auch gefallen lassen muss, durch Beschneiden in die wunderlichsten Formen gezwungen zu werden; im Hochsommer nimmt sie unter den Strahlen der Mittagssonne einen etwas unangenehmen Ge- ruch an, der sich aber nicht vergleichen lässt mit dem widerlichen Geruch oder Gestank, den die schmalblättrige höhere Varietät (Buxus arborescens Lam.) auch in kalter Jahreszeit verbreitet. Von diesem Geruch spricht schon THEOPHRAST (3, 15, 5). 2. Heilpflanzen. Der Kalmus. Acorus Calamus L., Kalmus, Ackerwurz. Kd\ajU0(; Theophr. 9, 7, 1 ; KdXaiuog dpuujuaTiKO? Diosk. 1, 17 ; fehlt in Griechenland. Calamus odoratus Plin. 12, 22,48; vielleicht auch acoron Plin. 25, 13,100; it. acoro, acoro vero, calamo aromatico; fr. acore. Nach THEOPHRAST wächst der Kalmus jenseit des Libanos, nach DIOSKORIDES in Indien ; ähnlich äussert sich PLINIUS. Die Alten werden den Kalmus also wesentlich nur als Drogue gekannt haben. Sicher V. Fischer -BenZON, altd. Gartenflora. 4 — 50 — kannten ihn ALBERTUS MAGNUS (6, 77) und KONRAD VON MEGEN- BERG (4B, 11) nur als solche, und beide geben Indien als sein Heimat- land an. Es wurde oben S. 46 schon erwähnt, dass der echte Kalmus in den Glossaren nicht vorkomme, sondern dass das dort vorkommende Wort acorus als Iris Pseudacorus L. gedeutet werden müsse. Wenn wir nun die Angaben bei den Schriftstellern des 16. Jahrhunderts etwas genauer ansehen, so finden wir, dass der Kalmus erst nach der Mitte dieses Jahrhunderts nach Deutschland gekommen sein kann. MATTIOLI beschreibt in seinem Commentar S. 20 den Kalmus unter dem Namen Acorus: „er hat einen glatten Stengel, aus dem kleine Zweige hervorkommen, an deren Spitze (wie der Arzt Wilhelm Quakel- been gesehen zu haben versicherte) zapfenartige Bildungen entstehen, die ich bis dahin nicht gesehen habe, ähnlich den Kätzchen der Hasel- nuss oder dem langen Pfeffer".^) (Wilhelm Quakelbeen, der Arzt beim kaiserlichen Gesandten Busbecq in Constantinopel war, hatte den Kalmus von da an MATTIOLI gesandt; die übersandten Exemplare waren in Nicomedien gesammelt worden.) Der Kalmus scheint also damals auch nicht in Italien vorgekommen zu sein, denn sonst müsste MATTIOLI doch seine Blüte gesehen haben. HIERONYMUS BOCK sagt in seinem Kräuterbuch fol. 448: „im Teutschen land hab ich den Calmus nicht mögen grün sehen", und CAMERARIUS berichtet (Hortus medicus S. 5), dass der „acorum Dios- koridis sive Calamus aromaticus ofßcinarum" vor einigen Jahren in unsere Gärten gebracht worden sei und selbst sehr strenge Kältegrade er- tragen könne. Wir besitzen aber noch genauere Angaben über die Zeit, zu der der Kalmus in Deutschland eingeführt wurde. CAROLUS ClUSIUS be- merkt in seiner „Rariorum Plantarum Historia", Antwerpen 1601, S. 230, dass er 1574 zum ersten Male die lebende Pflanze des echten Kalmus gesehen habe ; diese sei ihm von Constantinopel aas durch Busbecq und andere Herren gesandt und dann von ihm in seinem Garten gezogen worden.^) Er berichtet ferner, dass er den echten Kalmus zum ersten Male im „Appendix ad Hispanicarum Plantarum Observationes" be- schrieben und abgebildet habe; die dort hinzugefügte Abbildung sei aber ohne Blüte (nucamentum) gewesen, denn die Pflanze habe damals, 1576, noch nicht geblüht. Von 1577 an aber blühte sie, und nun setzte er neben die frühere Abbild un;;c ohne Blüte eine solche mit derselben 1) „Gaule est laevi, e quo ramuli prodeunt, in quorum cacurainibus, (vt Guilel- mus Quacelbenus se vidisse affirmabat) nucamenta quaedam exoriuntur, mihi hactenus non visa, nucis Ponticae iulis, aut longo piperi similia." 2) „Anno septuagesimo quarto supra niillesimum et quingentesimum, mihi pri- mum conspecta est Viennae Ausfriae Icgitimi Acori planta virens, quam deinde in hortulis alui, munere illustrium virorum . . . Busbecq etc." — 51 — (S. 231). Endlich erwähnt CLUSIUS auch das Vorkommen des echten Kalmus bei Wilna und östlich davon und fügt hinzu, dass die Pflanze dort von den Einwohnern Tartarsky genannt würde, weil die Tartaren ihnen den Gebrauch derselben übermittelt hätten. Durch diese Angabe wird es wahrscheinlich, dass der Kalmus in Südrussland (Krim) im Gebiete des Pontus wild wächst, und das oben angeführte acoron des PLINIUS könnte also doch den Kalmus bedeuten. Der Kalmus hat sich seit dem 16. Jahrhundert über Norddeutsch- land und darüber hinaus verbreitet und kommt an manchen Orten in solchen Massen in Flussläufen und Sümpfen vor, dass man ihn für eine inländische Pflanze halten könnte. Der Umstand aber, dass er niemals reife Früchte trägt, zeigt deutlich, dass wir seine Heimat in wärmeren und also südlicheren Gegenden zu suchen haben. Drachen wnrz, Dragon, Schlangen würz. Dragantea oder dragontea Capitulare 70, 18. Dieser Name hat zwei verschiedene Deutungen erfahren. Einmal soll er Artemisia Dracunculus L. bedeuten, nach KiNDERLING, SPRENGEL, KERNER, MEYER und LANGKAVEL; zweitens wird er von REUSS als Arum Dracunculus L. gedeutet, und dieser Deutung scheint sich ANTON anzuschliessen, wenn er das Wort dragontea nach einem alten Glossar mit „Schlangenwurz" übersetzt. Wir wollen beide Deutungen prüfen. Artemisia Dracunculus L. Dragon, Esdragon. Tharchün der Araber (Avicenna, Ehases und noch früher); rapxöv Simeon Seth (Syntagma de alimentorum facultatibus etc. ed. B. Lang- kavel, Leipzig 1868, S. 107). Hortensis dracunculus, draconcellus Matt. Comm. S. 446, 447 ; draco hortensis Camerarius (Hortus medicus S. 56); dragoncello, dragone der Italiener nach MaTTIOLI, drago nach BRASAVOLA;^) esdragon der Franzosen. Vergleicht man die verschiedenen Namen dieser Pflanze mit ein- ander, so sieht man, dass sie sich allesamt auf das Wort Tharchün zurückführen lassen. Der Orientale Simeon Seth schrieb das arabische Wort mit griechischen Buchstaben xapxov (tarchon) ; es kommt aber auch die Form xpaxov vor, wie LANGKAVEL angiebt. Der erste abendländische Schriftsteller, bei dem das Wort vorkommt, und zwar „tarcon" ge- schrieben, ist der Italiener SIMON JANUENSIS oder GENUENSIS, Ende des 13. Jahrhunderts (Clavis sanationis, Venetiis 1514, fol. 60). Da lag denn für den Italiener die Angleichung drago oder dragone sehr nahe, und dies Wort ist dann mit geringen Veränderungen in die modernen Sprachen übergegangen. Bei MATTIOLI kommt noch kein deutscher 1) Anton Musa Beasavola, Examen omnium simpl. medicam. S. 366 (nach DiEKBACH, Flora Apiciana, Heidelberg 1631, S. 63). 4* — 52 — Name vor; TABERNAEMONTANUS hat als solchen „Drakonkraut", also keinen eigentlich deutschen Namen, wenigstens keinen, den sich der Yolksmund zurecht gemacht hätte, wie Liebstöckl aus lihisticum etc. Vielleicht darf man schon aus diesem Umstand scliliessen, dass die Pflanze noch nicht so sehr lange in Deutscliland eingeführt war. Für diese An- schauung sprechen aber auch noch andere Grründe, Zunächst kommt in den Glossaren des CGL III kein einziges Wort vor , welches sich auf tarchon beziehen Hesse, ebensowenig in den lateinisch-deutschen Pflanzen- glossaren ; denn das Wort dragant, das LANGKA VEL hierherziehen möchte, bedeutet Gummi (ALBERTUS MAGNUS, 6, 94). Ferner wird der Dra- gon in Griechenland nicht gezogen, denn er fehlt bei FRAAS und HELD- REICH; er scheint also den Weg von Kleinasien nach Europa gemacht zu haben, ohne Griechenland zu berühren. Sollten nicht die Kreuzfahrer das Kraut aus Kleinasien mitgebracht haben? Soweit bis jetzt bekannt, spricht kein Umstand dagegen. Aus den unklaren Worten bei PLINIUS (24, 16, 93) kann man nichts schliessen; aber es liegt auch kein Grund vor, an eine Identität von tarchon und dem TtupeGpov (pyrethron) des DIOSKORIDES (3, 78) zu glauben, wie SIMON JANUENSIS und BRASA- VOLA thun: die Beschreibung bei DIOSKORIDES passt in keinem ein- zigen Stück. Ebensowenig darf man annehmen, dass das pyrethrum bei APICIUS (de re coquinaria libri decem; ed. Lister, Amstelodami 1709; 2,2 und 4,5) unser Küchenkraut Dragon sei; hier fehlt jede Beschrei- bung, und wenn DiERBACH (Flora Apiciana, Heidelberg 1831, S. 63) Wert auf den Zusatz minimum legt, den das pyretlirum an der ersten der angeführten Stellen erhält (er deutet ihn auf die kleinen Blütenköpfe des Dragon), so geht aus dem Zusatz modicum an der zweiten Stelle hervor, dass diese Worte die Quantität bezeichnen sollen : sehr wenig (eine Messerspitze) und massig viel oder etwas. — Der Dragon kann also nicht unter dragantea des Capitulare verstanden sein. Wir wenden uns deshalb der zweiten Deutung zu, die wir gleich insofern modificieren, als wir ausser der schon oben genannten auch noch andere Arten der Gattung Arum hinzunehmen. Arum Dracunculus L., A. itallcum L., A. macxdatum L., Drachenwurz, Schlangenwurz. Das Wort dragantea, dragontea, dracontea etc. wird in den Glossaren des CGL III erklärt durch colubrina, corcodrillion, herha varia ut serpens (ein Kraut, bunt wie eine Schlange) und durch eine Fülle anderer Namen, von denen noch einige angeführt werden mögen : auricula asinina (Esels- ohr), proserpinale, asclepias, affrissa, dorcliadion, pitonion, (pythonion) ^) etc. Die lateinisch- deutschen Glossare fügen noch den lateinischen Namen serpentina hinzu und verzeichnen als deutsche Namen drakenwort, naderwort, ') Asclepias dragontea 550, 57; afrissa dragontea 550, 59; colubrina . i . dracontea 5.57,62; corcodrillion dracontea 557,63; dragontea proserpinale 559,41; oricula asinina . i . dracontea 570, 48; dragantea erba uariaut serpens 589, 38. — 53 — slangwrz (Schlangenwurz). Nun wird bei THEOPHRAST (7, 12, 2) eine Arumart wegen ihres bunten Stengels bpöKOVTiov (drakontion, etwa unserem Dracbenwurz entsprechend) genannt, und diese hält man für identisch mit einer der beiden Arten von bpaKOVTid bei DIOSKORIDES (2, 193 und 194), von denen jedenfalls eine Arum Dracunculiis L.^) bedeutet. Diese Pflanze heisst noch jetzt in Griechenland öpaKOVTid, in Italien dragontea, dragonzio, serpentaria; sie war von Alters her ihrer Heil- und Zauberkräfte wegen berühmt, namentlich als Heilmittel bei Schlangen- bissen und als Schutzmittel gegen solche und ist lange officiell gewesen (Radix Dracunculi seu Serpentariae majoris). Möglicherweise hat der Schreiber des Capitulare an diese Pflanze gedacht, die noch hin und wieder in Gärten gebaut wird, aber wegen ihrer grossen Empfindlichkeit gegen Kälte in Deutschland niemals sehr grosse Verbreitung gefunden hat. Aber ebensowohl ist es möglich, dass man schon zu Karls des Grossen Zeiten mit Arum Dramnculus L. schlechte Erfahrungen gemacht hatte, und dass deshalb unter dragantea diejenige Pflanze zu verstehen ist , die bei ALBERTUS MAGNUS (6, 290) hasilicus, "-) dracontea oder serpentaria genannt wird und der dieselben Kräfte zugeschrieben werden, wie dem Arum Bracunculus L. Da von dieser Pflanze gesagt wird, sie habe eine gelbe Blume (florem autem habet croceum), so muss sie Arum italicum L. sein, denn dieses hat einen gelben Blütenkolben. Diese Arumart ist früher in Deutschland verbreitet gewesen. In Eostock steht sie, nach Mitteilung von E. H. L. KRAUSE, am ehemaligen Festungswall in unmittelbarer Nähe des Gartens, der vor Zeiten dem Nonnenkloster zum heiligen Kreuz gehörte, und zwar steht sie hier unter A7mm maculatum L., wird also wohl mit diesem aus dem Garten hinaus- geworfen sein. Der ältere REICHENBACH giebt sie von Beurtheim bei Carlsruhe, und vom Kaiserstuhl im Breisgau an (Mösslers Handbuch der Gewächskunde, 3. Aufl., Altona 1833—34, S. 1748). Wahrscheinlich kommt sie auch anderswo vor und wird, namentlich da sie später blüht als Arum macidatum L., wohl übersehen sein; es ist aber auch keines- wegs ausgeschlossen, dass da, wo Arum italicum fehlte, Arum maculatum genommen wurde. — Erwähnt mag noch werden, dass die Knollen der Arumarten im Altertum gegessen wurden und noch jetzt an manchen Orten gegessen werden. Die im Capitulare dragantea genannte Pflanze muss also eine Arumart gewesen sein, aber welche gemeint ist, lässt sich nicht mit absoluter Ge- ^) Die Pflanze heisst bei Plinius (24, 16, 93) dracunculiis. 2) Da mehrere Codices basiliscus schreiben, so scheint dieses "Wort das rich- tigere zu sein, es passt zwanglos in die Reihe dracontea, serpentaria, colubrina etc. Bei Langkavel (S. 119) finden sich sehr viele Namen, die sich aus den Glossaren des CGL III bedeutend vermehren Hessen. Im Colmarer Glossar scheint aschepa (74) verschrieben zu sein für asclepias, columharia und columbina (241, 242) für colubrina, das übrigens im CGL m, 622, 18 auch columbrina geschrieben wird. — 54 — wissheit ermitteln. In der Provinz Schleswig-Holstein werden Arumarten in Gärten überhaupt nicht mehr gezogen ; Arum maculatum L. kommt aber an vielen Stellen vor (Schlossgarten von Glücksburg, Schleswig, Gelting, Husum etc.), die auf eine frühere Kultur mit Sicherheit schliessen lassen. Noch eine Pflanze ist hier anzuführen, die mit den Arumarten in den volkstümlichen Namen übereinstimmt, nämlich Polygonum Bistorta L., eine Knöterichart; sie heisst im mittelalter- lichen Latein Bistorta, Serpentaria, Coluhrina, italienisch bistorta und serpen- tina, französisch historte, und wird bei den Vätern der Pflanzenkunde Natterwurz, Schlangenwurz etc. genannt. Diese harmlose Pflanze ver- dankt ihren Namen nicht ihrem gefleckten Stengel, wie Armn TJracun- culus L., sondern ihrer Wurzel (Rhizom), die bis fingerdick wird und sich im Erdboden hin- und herwindet, äusserlich braun und inwendig fleischrot ist. Als adstringierendes Mittel ist sie früher viel in unseren Apotheken gebraucht (Radix Bistortae s. Coluhrinae s. Serpentariae vulgaris rubrae) und deshalb auch mehrfach angebaut worden und verwildert. Jetzt kommt sie gelegentlich in Gärten als Zierpflanze vor. Übrigens gehört sie der deutschen Flora an und findet sich sowohl auf Bergwiesen als auf moorigen Wiesen und Waldplätzen der Ebene. Koloquinte und Zaunrübe. Coloquentidas Capitulare 70, 20. Citrullus Colocynthis Schrader, Koloquinte. KoXoKuv0i(; Diosk. 4, 175 ; neugr. x] TriKpaYTOupid. Colocynthis ^) Plin. 20, 3, 8 ; it. coloquintida ; fr. coloquinte. DlOSKORIDES führt verschiedene Synonymen für KoXoKuvGiq (kolo- kynthis) an: Ziegenkürbis (KoXoKuvOa aiyÖ!;), bittre Gurke (criKua TriKpd), alexandriuischer Kürbis (KoXÖKUvBa äXeHavöpivn) ; nach ihm nannten die Römer die Koloquinte Cucurbita silvatica, also „wilder Kürbis".^) Yen diesen Namen hat sich der zweite, bittre Gurke, im Griechischen erhalten; es ist aber das Wort dYxoiJpia (anguria) an die Stelle von (JiKua (sikya) getreten. Die römische Bezeichnung „wilder Kürbis" blieb im Latei- nischen erhalten."') *) Wahrscheiulich ist die Pflanze, die Plinius 20, 3, 7 Cucurbita silvestris nennt, nichts anderes als die Koloquinte, obgleich er beide von einander zu unterscheiden sucht; aber seine Unterscheidung ist gekünstelt: die Koloquinte soll voll von Samen sein, die Cucurbita silvestris, die er „inanis" nennt, aber nicht ; mit „inanis" übersetzt er jedoch das Wort oo^xtpäq, das vielmehr „schwammig, locker" bedeutet und vortreff- lich auf den Inhalt der Koloquinte passt. 2) Wildwachsende Pflanzen werden im Lateinischen durch die Adjektive sil- vaticus, Silvester, agrestis und erraticus bezeichnet, gebaute oder zahme durch hortensis, hortulanus und domesticus ; im Griechischen wird wild durch otYpio«;, zahm durch fiiuepoi; und Kriiraioq gegeben. ') In den Glossaren des CGL iii finden wir: coloquintida idest Cucurbita agrestes 537, 12; coloquintide cocurbita saluatica 631, 57; coloquintida agria . i . cocur- — 55 — Dass dem Schreiber des Capitulare die Koloquinte als Drogue bekannt gewesen ist, kann kaum bezweifelt werden; wahrscheinlich hat er den Wunsch gehabt, diese früher viel gebrauchte Arzneipflanze auch in Deutschland zu ziehen ; da die in den Handel kommenden Koloquinten reich an Kernen zu sein pflegen, so konnte ein solcher Versuch leicht gemacht werden. Aber es ist unzweifelhaft, dass der Versuch, eine Wüstenpflanze nach Deutschland zu versetzen, mehr oder minder miss- glücken musste. Merkwürdig ist nur, dass man noch im 16. Jahrhundert die Koloquinte zu bauen versuchte, allerdings mit wenig Erfolg (Came- rarius, Hortus medicus, S. 45); noch später hat man dann eine kleine Kürbisart als Koloquinte gebaut (PETERMAJ^N, Das Pflanzenreich, Leipzig 1847, S. 438). Gegenwärtig findet man sie in deutschen Gärten überhaupt nicht mehr. Der Name „wilder Kürbis" wurde aber noch einer zweiten Pflanze beigelegt, deren Wurzel in ihren Wirkungen der Koloquinte ziemlich gleich kam, nämlich der Zaunrübe mit ihren verschiedenen Arten. ^) Für uns kommt Bryonia cretica L., die bei den Neugriechen nach FRAAS noch heute wilder Kürbis (d'Ypict KoXoKuGid) genannt wird, nicht in Be- tracht, sondern nur Bryonia alba L. und B. dioica Jacquin, Zaunrübe. Die erste von diesen, die weisse Zaunrübe, trägt schwarze Beeren und wurde deshalb im Altertum schwarze Bebe genannt: d|LiTre\o^ lueXaiva Diosk. 4, 182, vitis nigra Plin. 23, 1, 17; die zweite, die rote Beeren hat, hiess im Altertum weisse Bebe: d|UTTe\o(j XeuKV) Diosk. 4, 181, vitis alba Plin. 23, 1, 16; diese Namen sind teilweise stark entstellt in die Glossare des CGLIII übergegangen.-) In Italien wächst namentlich Bryonia dioica und wird dort ausser brionia noch vite bianca, vite salvatica und zucca salvatica (wilder Kürbis) genannt. In den Glossaren des CGLIII kommt schon ein althochdeutscher Name vor, nämlich hranca,-^) der sich auch in den von HOFFMANN herausgegebenen althochdeutschen Glossen findet. Andere deutsche Namen aus früherer Zeit sind hdegeberen (Colm. Gloss. 143) und hilgebern (Mone 241, 18). bita siluestris 559, 2 ; dem entspricht das „wilda churpitza" der altdeutschen Glossare. Auch als Pepo ist die Koloquinte bezeichnet worden : pepon agro (statt tt^ttuiv (XTpiot;) idest coloquintida CGL iii, 542, 7. ') CGL ni : brionia . cucurbite agrestis 543, 57 ; brionia . i . Cucurbita siluatica 553,20; brionia idest Cucurbita 617,36; ferner 608,34 und 631,27, wo die brionia beidemale Cucurbita agrestis genannt wird. ^) Ampelus leo coagrias uites alba agrestes 631, 13; ampelus melina acria ums nigra agrestes 631, 14; ampilos . milane . idest uites nigra 536,5; ampiololeuce . idest brionia 536,6; ampelus leuco . uitis alba 542, 18 (unten) etc. etc. *) Hranca uitis alba 591, 31 und 625, 1; uitis alba . i . hranca 596,29; hancra idest uitis alba 612,58; — hranca vitisalba ahd. Gl. 22,19. — 56 — Da die Wurzeln der beiden genannten Arten der Zaunrübe gleiche Wirkung haben, so wurden sie früher nicht weiter von einander unter- schieden und beide wurden in den Apotheken als Radix Bryoniae oder weisse Zaunrübe gefükrt. Bei älteren Angaben lässt sich also nicht immer feststellen, welche der beiden Arten gemeint ist. Bei der heiligen HILDEGARD (1, 43) heisst die Zaunrübe brionia und stichwurtz, bei ALBERTUS MAGNUS (6, 245) viticella; da er nur sagt, dass der Weinstock (vitis) sich von viticella nach Farbe und Grösse der Trauben unterscheide (differt autem a viticella secundum colorem et quantitatem uvarum viticellae), so lässt sich nicht bestimmen, welche Art er meint; seine vitis alba ist nach der Beschreibung unser Teufelszwirn, Clematis vitalba L. Im 16. Jahrhundert heisst unsere Bryonia alba wegen ihrer Beeren Bryonia nigra oder Bryonia baccis nigris, unsere Bryonia dioica aber Bryonia alba und Vitis alba; an deutschen Namen kommen ausser Zaunrübe noch vor Stickwurz, Schmerwurzel, Hundskürbis etc. etc. Das Vorkommen der Zaunrübe in Norddeutschland ist durchaus an die Nähe von Städten und Gehöften gebunden, so dass man über ihren fremden Ursprung nicht zweifelhaft sein kann. Haselwurz und Osterluzei. Vulgigina Capitulare 70, 49; Asarum europaeum L., Haselwurz. "Acrapov Diosk. 1, 9, fehlt im heutigen Griechenland. Asaron Plin. 21,6,16; it. asaro, baccara, asara baccara, cariofillata ftalvatica, nardo salvatico, spigo salvatico; fr. asaret, cabaret, nard sauvage. Die Beschreibung, welche DIOSKORIDES von seinem asaron giebt, lässt unsere Haselwurz mit Sicherheit erkennen; als Synonyme führt er an : vdpbo(; axpiot (wilde Narde), das damit gleichbedeutende nardus rusticus, ferner das römische perpressa und endlich bacchar (ßdxxap). Bei PLINIUS liegt die Sache nicht so einfach. Er will baccar (21,6, 16), für das er das Synonym nardus rusticus anführt, von asaron trennen ; an einer anderen Stelle (21, 19, 77) identificiert er baccar mit perpressa. Die Verwirrung scheint herbeigeführt zu sein durch die Pflanze baccharis (ßoKxapK;), die bei DIOSKORIDES (3, 44) als wohlriechende Kranzpflanze aufgeführt, aber so eigentümlich beschrieben wird, dass man sie bis jetzt nicht hat deuten können.^) Trotz dieser Verwirrung kann es nicht zweifelhaft sein, dass die Römer die Haselwurz gekannt haben. In den Glossaren des CGLIII erscheint die Haselwurz unter dem Namen vulgago, der dem offenbar verschriebenen vulgigina (statt vulgagina) des Capitulare zugrunde liegt, und heisst ausserdem baccara und nardus 1) Bertoloni meint, Flora italica, 2, 403, dass die bei Vergil Ecl. 4, 19 und 7, 27 erwähnte Pflanze baccaris unser Alpenveilch<3u, Cyclamen europaeum L., sein könne, das in der Gegend von Brescia noch heute baccara heisse und zu den be- liebtesten Kranzpflanzen gehöre. — 57 — rusticus; ^) in den lateinisch-deutschen Glossaren finden sich die Namen asaricm, haccara , asara baccara, garioßlus agrestis neben verschiedenen Formen von Haselwurz.^) Bei der heiligen HILDEGARD finden wir haselwurtz (1, 48) und asarum (1,212). ALBERTUS MAGNUS beschreibt die Haselwurz unter dem Namen ungula cahallina (Pferdehuf) sehr genau und giebt an, dass sie gewöhn- lich herha leporis (etwa Hasengras) genannt werde ; bei KONRAD VON MEGENBERG fehlt sie. Im 16. Jahrhundert heisst sie gewöhnlich J.sa?n/m und Haselwurz. Die Haselwurz war vor Einführung der Ipecacuanha das wichtigste Brechmittel und unsere Apotheken haben lange Zeit Radix Asari s. Nardi rusticani s. Vulgaginis geführt. In den mitteleuropäischen Gebirgswäldern ist sie zwar heimisch, aber in die Ebenen ist sie künstlich verpflanzt und alle ihre Standorte auf der cimbrischen Halbinsel und den dänischen Inseln sind durch Auswildern aus Gärten entstanden. Gebaut wird sie heute nicht mehr. Aristolochia Clematitis L., Aristolochia, Osterluzei. 'ApidToXoxia Theophr. 9,13,3; 9,14,1 und sonst; Diosk. 3,4. Aristolochia Plin. 25, 8, 54; it. aristolochia; fr. aristoloche. Die Alten unterschieden verschiedene Arten von Aristolochia, eine runde oder weibliche, eine lange oder männliche, und eine dritte, die clematitis genannt wurde. Da es in Südeuropa ziemlich viele Arten von Aristolochia giebt, so ist es nicht ganz sicher, welche Art jedesmal ge- meint ist; jedenfalls scheint man in Griechenland andere Arten mit diesen Namen gemeint zu haben als in Italien. Die Aristolochia war ein berühmtes Heilmittel; deshalb begegnen wir ihr auch im Mittelalter wieder. Bei der heiligen HILDEGARD finden wir aristologia (1, 126) und aristologia longa (1, 111 u. 167) erwähnt; die letztere könnte Aristolochia longa L. sein, deren Kultur sich ziemlich lange in Apothekergärten erhalten hat; ausserdem kommt aber auch noch hiwerwurtz vor (1, 146), das unserer heutigen Aristolochia Clematitis L. entspricht. ALBERTUS MAGNUS unterscheidet nach dem Vorgange von DIOSKORIDES drei Arten von aristologia (6, 277—278), ebenso KONRAD VON MEGENBERG (5, 4), der als deutschen Namen hobwurz anführt. Ausser den schon genannten biwerwurtz oder byiverwurtz, das im 16. Jahrhundert als Biberwurtz vorkommt, findet sich der mittelhoch- deutsche Name holworz (Sum. 52, 19 u. 20), der sich gleichfalls erhalten hat, zuweilen aber auch auf den hohlwurzeligen Lerchensporn, Corydalis Cava L., angewendet worden ist. ^) Asaro . bulgagine 542,22; asaro uulgagine 631,16; nardorustico . i . bac- cara 570,20. ^) Assarab acaca (statt asara baccara) hasselewort, borlbotz (Königsb. Gloss.); im Colmarer Glossar: asarum haselworth 73; baccara haselworth 104; asara bacra haselworth 78; gariofilus agrestis haselworth 354. — 58 — Von den verschiedenen Aristolochiaarten hat sich in Norddeutsch- land nur Aristolochia Clematitis L. gehalten, die an verschiedenen Stellen verwildert ist und sich offenbar ganz acclimatisiert hat. Springkraut und Wnnderbaum. Lacteridas Capitulare 70, 71; Euphorbia Lailiyris L., Kreuzblättrige Wolfsmilch, Pillenkraut, Springkraut. Aaeupiq Diosk. 4, 164; fehlt in Griechenland. Lathyris Plin. 27, 11, 71; it. cacapuzza, cataptuzia; fr. catapuce, Spurge. Diese Pflanze war früher in den Gärten sehr verbreitet. Jetzt zieht man sie nur noch selten, aber an vielen Orten kommt sie ver- wildert vor. Die Namen Springwurz, Springkraut etc. verdankt sie dem Umstände, dass die Früchte bei voller Reife aufspringen und die Samen fortschnellen. Eine andere Reihe lateinischer und deutscher Namen erhielt sie wegen ihrer stark abführenden Eigenschaften.^) In der alten Medicin hiess sie Cataputia minor (von dem griechischen KaraTTÖTiov, das etwas, was verschluckt wird, bedeutet, und also Pillen, Pulver und Trank sein kann); ausserdem führt sie in den Glossaren des CGL III noch verschiedene Namen, wie coctus nidus, septegrania ^) etc. Als Tithymalus und Tithymalus major wird sie später aufgeführt. Frühzeitig erkannte man ihre gefährlichen Eigenschaften; deshalb kam sie mehr und mehr in Vergessenheit und an ihre Stelle trat der weniger gefährliche "Wunder- baum, der Cataputia major genannt wurde. Ricinus communis L., Wunderbaum, Ricinus. KpOTUJV Theophr. 1,10,1; kiki und KpoTuuv Diosk. 4,161; neugr. kiki. Cid, croton, ricinus Plin. 15,7,7; 16, 23,35; 23,4,41; it. ricino; fr. ricin. Der Wunderbaum, aus dem tropischen Afrika oder Asien stammend, ist in Egypten seit uralten Zeiten kultiviert worden, und zwar wegen ^) In den Glossaren des CGL iii heisst sie purgaturia und purgaturia dulcis 668, 20; 573, 35; 592, 2; 613, 32; ferner citochacim 577, 44, citochacun 621, 68, wozu die aus anderen Glossaren bekannten Namen citocatia und citocotia stimmen. — ViNCENTiuS Bkllovacenois, der allerdings das Unglück hat, dem harmlosen Kohl das unterzu- schieben, was für das Springkraut bestimmt war, sagt in seinem Speculum naturale 11; 33: „Brassica est oleris genus que et citocacia vocatur. Dicta est autem citocacia eo quod ventrem depurgat quam vulgus corrupte citocociam vocant." ^) Coctus nidus lacteridas 557, 25; 621,45; laterico septegranica 592, 16; septe- grania lacteria 595, 3 ; lacteria idest septem grana 613,42; lacteria, lactiria, latiria (Xa9up{(;) aber werden mit lacterida identificiert 540, 41 ; 567, 20 etc. Vielleicht rührt der Name septem grana etc. aus einer lateinischen Übersetzung des Dioskorides her, der angiebt, man solle sieben oder acht Samen dv KaxaTroTlLU nehmen; der Reichtum der Pflanze an Milchsaft (lac) ist wahrscheinlich die Ursache, dass aus lathyris all- mählich lactiris wurde; dass dieses Wort mit seiner Genitivendung, also lactiridos, achliesslich nach der ersten Declination abgewandelt wurde, darf nicht Wunder nehmen, da ähnliche Gewaltthätigkeiten sehr viel vorkommen. — 59 — seines Öles, das als Brennöl benutzt wurde. HERODOT (2, 94), nennt ihn (TiWiKuTTpiov und führt als egyptischen Namen kiki an. Die Be- reitung des Öles wird bei DIOSKORIDES (1, 38) sehr genau beschrieben, auch bei PLINIUS (23, 4, 41). Der griechische Name Kpoxaiv (krotou) und der lateinische ricinus, die beide zugleich die Holzteke oder den Holzbock (Ixodes Ricinus L.) bedeuten, sollen der Pflanze deshalb gegeben sein, weil ihre reifen Samen einem solchen voll Blut gesogenen Tier sehr ähnlich sehen. Nach PLINIUS fehlt es zunächst fast vollständig an Nachrichten über den "Wunderbaum, denn auch in den Pflanzenglossaren kommt er wenig oder garnicht vor.^) Erst bei ALBERTUS MAGNUS wird er wieder erwähnt (6, 20) und zwar als arbor mirahilis; ebenso nennt ihn KONRAD VON MEGENBERGr (4A,4), der als deutschen Namen wunderleich paum hinzufügt, in seiner Beschreibung aber sehr genau mit derjenigen bei Albertus Magnus übereinstimmt. Im 16. Jahrhundert heisst er Ricinus, Cataputia major und Palma Christi, auf deutsch ausser Wunderbaum noch Zeckenkörner, türkischer Hanf etc. Die Apotheken führten seine Samen als Semen Ricini s. Cataputiae majoris, das daraus gewonnene Ol als Oleum Ricini s. Castoris s. Palmae Christi. Früher wurde der Wunderbaum seiner Samen wegen auch in Deutschland gezogen; jetzt dient er wohl nur noch als Zierpflanze. Klette, Pestwurz und Grindlattich. Parduna Capitulare 70, 28. Die frühere Lesart war hardana und es ist wohl möglich, dass Parduna aus Bardana oder aus dem auch vorkommenden Bardona ent- stellt ist. In den Glossaren des CGL III kommt Bardana nicht vor, aber an zwei Stellen (594, 5, 10. Jahrh. ; 615, 63, 11. Jahrh.) wird das ähn- liche parada mit lapacium identificiert. Nun bedeutet Bardana unsere Klette, und diese ist von jeher mit Pflanzen verwechselt worden, die sich durch mehr oder weniger ähnliche, namentlich durch grosse Blätter aus- zeichnen, wie Huflattich- und Ampferarten. Es ist daher nicht möglich mit Bestimmtheit anzugeben, welche Pflanze im Capitulare gemeint ist. Klette, Arctium Lappa L. "ApKeiov Diosk. 4,105; neugr. TrXaTed, TrXaTuiuavTuXiba ; kommt in Griechenland sehr selten und nur in Hochgebirgsschluchten vor (Fraas). Persolata, arcion Plin. 25, 9, 66 ; it. bardana, lappa, lappa maggiore; fr. glouteron, bardane. Der vorangestellte Linneische Name bezeichnet nach heutiger Auf- fassung mehrere Arten von Kletten (Lappa officinalis Allioni, L. tomen- tosa Lam. und L. minor DC.) und ist gerade deshalb gewählt worden, ^) CGL III: Crotones . i . ericini 556,40; ricinus croconia 594,49; ricinus idest crotonia 628,36. — 60 — denn im täglichen Leben unterscheidet man nicht so strenge. DIOSKO- KIDES führt verschiedene Synonyme für d'pKeiov {arcion Plin.) an: TTpocTuuTTig, TTpcaiJuTTiov (beides Diminutive von ttpöctujttov, Maske), dTrapivri, XaTTira ^) und das römische personacea, das etwa maskenartig bedeuten würde.-) In den verschiedenen Glossaren kommt die Klette unter sehr ver- schiedenen Namen vor. An lateinischen finden sich: bardana, bardo, bardona,^) lappa (auch bei ALBERTUS MAGNUS 6, 376), personatia; an deutschen: dette (cletta bei der heiligen HILDEGARD 1,98), chlette, clive, letteche, grosz leteche, breitleteche. Die Klettenarten, die durch den grössten Teil von Europa ver- breitet sind, gelten seit uralten Zeiten als Heilmittel ; die Wurzeln und jungen Triebe sollen auch gegessen werden, Pestilenz würz, Pestwurz. Petasites officinalis Mönch. (Tussilago Petasites L.) TTeTaö'iTTi(^ Diosk. 4,106; it. petasite, tossüagine maggiore; fr. petasite. Die jugendlichen Blätter der Petasitesarten sind schon frühzeitig mit denen des Huflattichs, Tussilago Farfara L., verwechselt worden. Dieser wird genannt Brixiov Diosk. 3, 116; neugr. xciMO^£^Kri. Chamaeleuce, farfugium Plin. 24, 15, 85; bechion, tussilago Plin. 26,6, 16 (quidam eandem (sc. tussilaginem) esse arcion putant); it. farfara, ugna di cavallo, ugna d'asino; fr. tussilage, pas d^äne. Huflatich, roszliuf und liuf kommen in den Glossaren auch als Deutung von bardana vor, werden aber mit sehr viel mehr Recht auf die Pest- wurz und den Huflattich bezogen, ebenso wie grosz leteche. Der Huf- lattich ist eine gemeine und als Ackerunkraut gefürchtete Pflanze und wurde deshalb sicher nie gebaut, sondern nur gesammelt. Die Pestwurz hat aber hier im Norden so eigentümliche Standorte, dass man annehmen muss, sie sei eingeführt und gebaut worden: sie findet sich in der Nähe ^) Lappa bedeutet, wie Klette bei uns, nicht nur die ganze Pflanze, sondern auch den einzelnen Blütenkopf, der sich mittels seiner Haken an Kleider, Haare etc. anhängt. Er ist dann auf solche Pflanzen übertragen, die mit Haken versehene Früchte oder Blüten tragen. Das Lab- oder Klebkraut (Galium aparine L.), äirapivri DiOSKOEIDES (3, 94), wird Lappa genannt (lappa quae in frumentis est oder crescit CGL III 535,37; 549,45); wegen der Anhänglichkeit seiner Früchte an menschliche Kleider heisst es auch qpiXdvGpujfTO^ (philanthropos). *) Man sieht zuweilen, dass Kinder ein grosses grünes Blatt als Maske vor das Gesicht halten, nachdem für die Augen, für Nase und Mund Löcher hineingemacht sind; da derartige Spiele oder Gebräuche sehr alt zu sein pflegen, so könnten die Namen Prosopis und personata etc. einem solchen Gebrauch ihren Ursprung ver- danken. ^) Bei DiEPENBACH, Novum Glossarium etc. ist angegeben: bardona cletes vel burres; im Dänischen heisst die Klette Burre. — In den Glossaren des CGL in werden lappa und personatia vielfach mit drauoca identificiert z. B. 592,80; 594,2; das Wort drauoca scheint sonst nicht vorzukommen. — 61 — ehemaliger Klöster und dazu gehöriger Höfe, von wo aus sie sich dann, wie in den Eibmarschen, weiter verbreitet hat. Ehemals war sie ein sehr hoch geschätztes Arzneimittel. Die heilige HILDEGARD nennt sie Huflatta major (1, 210). — Endlich ist noch eine Pflanze namhaft zu machen,^) die unter den Synonymen von Bardana etc. mit verstanden sein kann, nämlich Arten von Rumex, Ampfer, (XdTiaOov Theophr. 7, 2, 7, Diosk. 2,140; lapatJwn und rumex Plin. 20,21,85) und zwar gross- blättrige Arten, wie Rumex obtusifoUus L., stumpf blättriger Ampfer. Auf diesen beziehen sich lapat/mm, und namentlich das deutsche Grind- lattich. Die Wurzel dieses Ampfers wurde in den Apotheken als Grind- wurzel, Radix Lapathi acuti s. Oxylapathi, geführt und als Mittel gegen chronische Hautausschläge, Kopfgrind, Schorf etc. gebraucht. Es würde deshalb nicht richtig sein, wenn man Oxylapathum immer mit Sauerampfer übersetzen wollte. Die heilige HILDEGARD nennt Rumex obtusifoUus L. menua, (1,102), ALBERTUS MAGNUS lappatium (6,377); die grintwurtz der heiligen HILDEGARD (1, 138) ist aber unser Schöllkraut, da als ihr Schöllkraut, Schwalbenwurz. Chelidonium, majtis L., Schöllkraut. XeXiööviov iJiifa Diosk. 2, 211. Chelidonia Plin. 25,8,50; 25,12,91, it. celidonia, chelidonia mag- giore; fr. chelidoine. Die Pflanze trägt nach DiOSKORIDES den Namen Chelidonium (von XeXibujv, die Schwalbe) , weil sie bei Ankunft der Schwalben aus der Erde hervorbreche und bei deren Weggang dahinwelke, oder auch des- halb, weil eine blindgewordene junge Schwalbe von der Schwalb enmutter durch dieses Kraut wieder sehend gemacht werde; PLINIUS erzählt sogar, dass junge Schwalben, denen die Augen ausgestochen sind, durch dieses Kraut ihr Sehvermögen wiedergewinnen. Der Glaube an diese weitgehende Heilkraft hat sich bis ins 16. Jahrhundert und drüber hinaus erhalten und der Pflanze auch im Deutschen den Namen Schwalbenwurz ein- getragen; sonst hiess sie gewöhnlich Schellwurz oder Schellkraut, ganz früh und bei der heiligen HILDEGARD (1, 138) auch grintwurtz; aber ihr lateinischer Name blieb Chelidonia major und chelidonium magnum. Nicht nur als Mittel gegen Augenleiden, sondern auch noch gegen eine grosse Zahl von anderen Gebrechen stand das Schöllkraut in Ansehen; ') Um die Verwechselung der Namen zur Anschauung zu bringen, seien hier einige derselben angeführt. Sumerlaten: lappa, letteche vel clette 11,12; lapatium hufleticha 22,55; lapatium pleteche 40,60; bardana groz letheche 54,62; — Colm. Glossar: bardana hoflodecke 96; lapacium scorflodecke 412; perj^sonantia grotelodeke Bti8. — Mone: bardana schorfladeke vel uof ladeke vel huf; — Diefenbach Glossarium: bardana gryntlattich, huflatich, grote ladiken; personatia grosz kletten, krotenbleter, huflatig vel roszhuf etc. etc. — 62 — TABERNAEMOXTANUS braucht mehr als vier und eine halbe Folioseite, um alle Heilwirkungen desselben aufzurechnen. Hier im Norden Deutsch- lands deutet das ausschliessliche Vorkommen der Pflanze an Garten- wällen und Dorfstrassen auf eine frühere Kultur. DiOSKOßlDES unterscheidet noch ein kleines Chelidonium (xeXi- böviov TÖ laiKpov, 2, 212), das bei PLINIUS (25, 8, 50) chelidonia minor genannt wird. Es ist dies unsere Feigwurz (Ranunculus Ficaria L.), auch Scharbockskraut genannt, ehemals ein bekanntes Heilmittel und als solches in den Apotheken Chelidonium minus genannt. Die Blätter sind auch als Salat gegessen worden. — Die in den Blattachseln sich ent- wickelnden Brutknöllchen, die kleinen Weizenkörnern gleichen, bleiben nach dem Absterben der Stengel und Blätter auf dem Erdboden liegen ; bei DIOSKORTDES heisst die Pflanze deshalb auch wilder Weizen (irupö? dypiog), bei uns ist gelegentlich von „Weizenregen" geredet worden. Mutterkraut und Nieswurz. Febrefugiam Capitulare 70,46; Chrysanthemum Parthenium Persoon (Matricaria Parthenium L.), Mutterkraut, Mater, Bertram, römische Kamille. TTapGeviov Diosk. 3, 145 ; neugr. dcTTrpoKxi (Fraas). ■ Parthenium Plin 21,30,104; it. matricale, matricaria, iJartenio; fr. m,atricaire. Die Deutung des Namens febrefugiam ist mit einigen Schwierig- keiten verbunden, denn es giebt viele Pflanzen, die als Fiebermittel ge- golten haben. So wird artemisia einmal als fehrefugia gedeutet (CGLIII, 543, 44) ; auch das Tausendgüldenkraut (Erythraea Centaurium Persoon), Erdgalle (fei terrae) und Aurine genannt, im späteren Latein auch noch Centaurium minus (od. Centauria 7ninor) und Hellehorites, wurde als febri- fugia bezeichnet und heisst noch heute in Italien caccia febbre und erba da febbre; es war in der That ein Fiebermittel und ist es stellenweise heute noch, aber es lässt sich nicht nachweisen, dass es jemals gebaut wurde, vielmehr scheint es nur gesammelt worden zu sein. Weitaus die meisten Glossare deuten febrefugia durch matrona, metere, matre,'^) also durch Chrysanthemum Parthenium Persoon, das noch heute die Namen Mutterkraut und Mater trägt und schon von der heiligen HILDEGARD (1, 116) metra genannt wurde. Das Mutterkraut findet sich in Norddeutscliland vielfach in Gartenzäunen verwildert, wird aber auch noch gebaut. Es stammt aus Südeuropa. — In den Apotheken führte es die Namen Matricaria oder Parthenium. Kerner (S. 8(i8) hat febrefugiam als Helleborus viridis L., die grüne Nieswurz, deuten wollen; er hielt nämlich Parduna (vergl. S. 59) ^) CGLiii; febrefugia . i . matrona 563,56; matrona febrefugia 592,58 und sonst; — Febrifuga Matre Colm. Gloss. 326; febrifuga, metere Sum. 57,5. — 63 — für eine Verdrehung von Partlienium und deshalb für gleichbedeutend mit Mutterkraut. Von der Annahme ausgehend, dass zwei Pflanzen wie Mutterkraut und grüne Nieswurz, die in den Bauerngärten so häufig sind, auch im Capitulare genannt sein müssten, hat er dann fehrefugiam als gleichbedeutend mit Hellehorus viridis genommen, weil fehrefugia und e/eborites gleichbedeutend im Helmstädter Glossar genannt werden. Nach den älteren Glossaren aber ist eine solche Deutung nicht zulässig, denn es wird elehorites (statt helleborites) ^) allerdings vereinzelt mit fehrefugia, meist aber mit centauria minor identificiert, und dieses wieder mit fei terrae, lauter Namen für das Tausendgüldenkraut. Ein eigentliches Fiebermittel scheint die grüne Nieswurz auch nicht gewesen zu sein, wohl aber sonst ein sehr geschätztes Arzneimittel. Sie ist vielfach mit der schwarzen Nieswurz (Hellehorus niger L.) oder Christrose ver- wechselt worden, ja sie wurde sogar als „schwarze Gartennieswurz mit grünen Blumen" (Hellehorus niger hortensis flore viridi) bezeichnet (WEIN- MANN. Phytanthozaiconographia Tab. 569). Alant. Inula Helenimn L., wahrer oder ächter Alant. 'EXeviov Diosk. 1, 27. Inula Colum. 10,118; 11,3,35; 12,46; Plin. 19,5,29; it. eleyiio, enula camijana; fr. aunee. Der Alant hat seine eigentliche Heimat in der südlichen Hälfte Europas. In Norddeutschland wurde §r früher viel kultiviert und findet sich jetzt in Grasgärten und auf Wiesen verwildert. Die Römer benutzten den Alant nicht nur als Arzneimittel, son- dern auch als Genussmittel: die Wurzel wurde mit verschiedenen Sub- stanzen für die Küche eingemacht. COLUMELLA braucht ein ganzes Kapitel (12, 46), um verschiedene Methoden des Einmachens darzustellen. Ahnliches ist auch in Deutschland geschehen, meistens hat man den Alant aber als Arzneimittel benutzt. In den Apotheken führt er die Namen Enula, Enula campana (schon DIOSKORIDES führt als Synonym f|vou\a Kajuirdva auf) und Helenium. Eibisch. Mismalvas Capitulare 70,50; Invent. 11,19; Althaea ofßcinalis Li., Althee, Eibisch. A\0aia, ißiö"KO(; Diosk. 3,153; (^aXüxriS ecrriv ttypiag eiöog) ; neugr. fioXoxa (v. Heldreich), vepo|uoXöxa, d. h. Wassermalve, (Fraas). Althaea, plistolochia Plin. 20,21,84; hihiscus, moloche agria, TrXeiCTTO- Xoxei'ct Plin 20, 4, 14; it. altea, ihisco, hismalva, huonvisco; fr. guimauve, altMe. *) CGLiii: eleborites . centauria minora 546,11; eleboritis centauria minor 560,61; felterrae centauria 590,59. — centauria minor, ertgalle Sum. 56,47. — 64 — Die ganze Pflanze, namentlich aber die schleimige Wurzel, hat seit alten Zeiten als heilkräftig gegolten. Sie kommt in ganz Europa mit Ausnahme des Ostens und Nordens vor und liebt namentlich feuchte, salzige Stellen. Hier in der Provinz findet sie sich mehrfach an Buchten und Seen der Ostseeküste ; im Innern des Landes ist sie stellenweise in Folge früherer Kultur verwildert. Die Beliebtheit der Pflanze findet ihren Ausdruck in der grossen Zahl von Namen, mit denen sie zu verschiedenen Zeiten genannt wurde. In den Glossaren des CGL III heisst sie altea, euiscus, ihiscus und uismalva (548,30; 580,2 etc.), bei ALBERTUS MAGNUS (6,285) altea, bismalva und malvaviscus, bei KONRAD VON MEGENBERG (5, 10) alcea und bis- malva; alle diese Namen haben sich erhalten. Bismalva ist offenbar aus uismalva, dem das französische guimauve entspricht, hervorgegangen ; es ist deshalb wahrscheinlich, dass das mismalvas im Capitulare ein Schreib- fehler ist. An deutschen Namen sind anzuführen : yhischa (heilige HILDEGARD 1, 141), weizpapel (KONRAD VON MEGENBERG 5, 10), ywesche (Colm. Gloss. 22, 319, 399), ibesche (Sum. 55, 6), grote pepele (statt popele Königsb. Gloss.), Eibisch und Althee. Mohn. Papaver Capitulare 70,47; Papaver somniferum L. M^KiJuv Homer. 11.8,306; Theophr. 9,8,2; miKuuv ii|uepo<; Diosk. 4, 65; neugr. xö dq)iujvi, TTairapouva. Fajmver Verg. Georgic. 1, 78 u. 212; 4, 545; Colum. 10, 104 u. 314; 11,3,42; Plin. 19,8,53; it. papavero\ fr. pavot. Der Mohn ist eine uralte Kulturpflanze, deren Heimat das südliche Europa ist. Ursprünglich wurde er seines Samens wegen gebaut, nach dessen Farbe man weissen und dunklen Mohn unterschied; bei diesen beiden Rassen sind die Blumenblätter auch entsprechend heller und dunkler gefärbt. Die Alten kannten aber auch schon die schmerz- stillenden und sonstigen Wirkungen des Mohnsaftes (ött6(j), und sie verstanden es, ihn rein zu gewinnen und seine Verfälschungen mit Gummi (KÖ)Li)ai), dem Safte von Glaucium corniculatum Curtis (yXöukiov Diosk. 3, 90), und demjenigen vom wilden Salat (Lactuca Scariola L., OpiöaH otYpia Diosk. 2, 165) zu erkennen. Die wilden Mohnarten, Klatschrosen, waren den Alten teilweise bekannt, aber sie wurden ebensowenig strenge geschieden wie es jetzt geschieht. Papaver Rhoeas L. ist das larjKUJV pomc, des DIOSKORIDES (3,44); Papaver Argemone L. ist das poidg des THEOPHRAST (9,12,4) und dpTeiLiuJvn des DIOSKORIDES (2, 208). PLINIUS spricht von einem wilden Mohn, papaver erraticum, den die Griechen rhoeas nennen (19, 8, 53; 20, 19, 77). In Griechenland heissen die wilden Mohnarten mit Einschluss von Papaver duhium L. jetzt Trairapoüva, in Italien papavero salvatico, papavero erratico und rosolaceio. — 65 — Der althochdeutsche Name des Mohns ist mago'^) (ahd. Gl. 7, 13) in den Sumerlaten findet sich man (58, 32) und magesamo (63, 23) als Übersetzung von papaver, aber auch veltmage (23, 27), so dass man für den zahmen und den wilden Mohn nur eine Bezeichnung gehabt zu haben scheint. Die heilige HILDEGARD kennt nur papaver (1,96); Albertus Magnus unterscheidet papaver hortense et campestre (6,419) und nennt den letzteren, den Feldmohn, ein Unkraut des Hafers (zizania avenae); beim Gartenmohn erwähnt er die Varietäten mit weissem und dunklem Samen, ebenso wie KONRAD VON MEGENBERG, der den Mohn mägenhraut nennt (5, 61). Im 16. Jahrhundert wird der Mohn viel gebaut und unter anderem auch Ölmagen genannt. In Deutschland findet der Mohn kaum noch seiner medicinischeu Eigenschaften wegen Anbau und Pflege, denn das Opium wird aus süd- licheren Gegenden importiert. Mohnsamen wird aber in manchen Gegenden in Backwerk und an Speisen genossen, auch wird ein wohlschmeckendes Öl daraus gewonnen. In Mittel- und Süddeutschland sieht man Mohn- felder; in Norddeutschland findet man den Mohn wohl nur in Gärten. Laserkraut, Ammi und Liebstöckel. Silum Capitulare 70, 23. Siler moidamim Cra,ntz (Laserpüium siler Ij.), Laserkraut; it. seseli, sermontano, sUeos, silermontano ; fr. sesäif Das Wort silum hat sehr verschiedene Deutungen erfahren und es ist wahrscheinlich, dass unter diesem oder einem ähnlich klingenden Namen mehrere Pflanzen in Gebrauch waren, wie die Seseliarten des DIOSKORIDES (3, 53—55) und das sU des PLINIUS (20, 5, 18). In den Glossaren des CGL III wird Silus mehrfach durch Sisileus erklärt, und dieses wieder durch Silus montanus.-) Da nun unsere Apotheken unter dem Namen Semen Sileris montani s. Seseleos die Samen der in der Über- schrift genannten Pflanze führten, so erscheint es jedenfalls nicht un- wahrscheinlich, dass unter dem silum des Capitulare das Laserkraut gemeint gewesen ist. Das Fehlen der Pflanze in den Gärten kann als Gegenbeweis nicht angesehen werden, denn das Capitulare drückt zu- nächst nur Wünsche aus, schildert aber nicht vorhandene Zustände. Die Samen des Laserkrauts, das auf den Gebirgen des südlichen Europas wächst, stehen bei den Gebirgsbewohnern als Heilmittel noch in demselben Ansehen, das sie früher allgemein genossen. ^J In den Glossaren des CGL m findet man folgende Zusammenstellungen: codiou (für Kuubuov) mahunus 589, 20; michonus (für [uriKUJv) mahunus 592, 68; 625,45; codiou idest ma unus 610,37; miconus idest manus 614,41; papaver idest ma hunus 616,5; das Wort mahunus erfuhr noch weitere Veränderungen, denn machones (Sum. 40,79), das durch magesame übersetzt wird, darf man wohl als Umformung von mahunus ansehen. 2) Silus . i . sisileus 576,72; siseleos sile 632,52; sisileos . i . silos montanus 586,4; ähnlich 595, 7. V. Fischer- BeNZON, altd. Gartenflora. 5 — 66 — ALBERTUS MAGNUS (6, 448) und KONRAD VON MEGENBERG (5, 72) führen beide das Laserkraut unter dem Namen süer montanum auf, dem KONRAD VON MEGENBERG den deutschen Namen gaizvenichel hinzufügt. Im 16. Jahrhundert hiess es Sesel, Zirmet und Silermontan. Ameum Capitulare 70, 22; Ptychotis coptica DC. (Ämmi copticum L.), koptische Haardolde, Ammi. "A)Li)ui Diosk. 3,63 (evioi xai toüto aieiomKÖv, oi öe ßacriXiKÖv kujuivov KuXoücriv). Ammi Plin. 20, 15, 58. DIOSKORIDES sagt, dass das ammi ebenso wie cuminum äthiopisch genannt worden sei, ja dass einige es direkt ßamXiKÖv ku|uivov , könig- liches cuminum, ebenso wie das cuminum selbst genannt hätten. Dieselbe Sache findet sich bei PLINIUS und ist von ihm oder von DIOSKORIDES aus in die Glossare des CGL III übergegangen.^) Es hat also in alten Zeiten eine Verwechselung zwischen Ammi und dem Kreuzkümmel stattgefunden. Die Samen von der, aus den südöstlichen Mittelmeer- ländern stammenden , koptischen Haardolde wurden früher in den Apotheken als Semen Amineos veri s. cretici geführt, Dass die Pflanze selbst früher in Deutschland gebaut wurde, geht aus dem Kräuterbuch des T ABERN AEMONT ANUS hervor, der 1, 299 eine Abbildung bringt, unter dem Namen Ammium Alexandrinum; er bemerkt, dass dieses Ammium alle Jahr erneuert werden müsse aus frischem Samen, „sintemal es ein recht Sommergewächs ist, das gar keinen Frost leiden kann". Die Schwierigkeit des Anbaus wird denn auch die Ursache dafür gewesen sein, dass dies Gewächs allmählich ganz aus den Gärten verschwunden ist. In den Apotheken wurden die Samen des grossen Ammi, Ammi niajus L., (it. ammi, comino nostrale), als gemeine Ammeisamen, Semen Ammeos vulgaris, geführt. Da das grosse Ammi schon in Südeuropa vorkommt und härter ist als die Haardolde, so wäre es immerhin möglich, dass mit dem aineum des Capitulare Ammi inajus gemeint sein könnte. Leuisticum Capitulare 70, 33; Uhesticum Invent 1,7; livesticum Invent II, 3. Ligusticum, Levisticiim L. [Levisticum officinale Koch), Lieb- stöckel. AiYuaiiKÖv Diosk. 3,81? ^) Baselice . i . amaeos 554,45; 618,75; cuminum aethiopicum . i . ameos 558, 62, ähnlich 622, 49. — Unter den vielen Deutungen, die das CGL in bringt, seien noch die folgenden erwähnt. Ameus wird als semen nuclei gedeutet 535,16; 544,25; die nuclei sind aber arpoßiXia 15,44; 88,7; 186,11; 256,14, also Tannenzapfen, und da diese unter den Näschereien des Nachtisches genannt werden, werden wir darunter Pinienzapfen zu verstehen haben, also unter den amei Pignolen oder Piniennüsse. Ferner wird ameus als pes milvinus gedeutet 549,46; 535,38, Fuss des Falken oder der Gabelweihe; dieser Name kommt verschiedenen Pflanzen zu, unter anderen dem Plantago coronopus L. Auch findet sich die wenig sagende Bemerkung, dass ameus ein Kraut sei, dessen Samen denjenigen des Sellerie glichen (ameus idest erba semen eius similat apii semen 607, 5) etc. — 67 — Ligusticum Colum, 12,57,5; Plin. 19,8,50; 20,15,60; 20,17,73; it. levistico, ligusüco; fr. ligusticum. Bei COLUMELLA findet sich nur der Name ligusticum; etwas mehr finden wir bei PLINIUS, aber das was er sagt, stimmt ziemlich genau überein mit demjenigen was DIOSKORIDES mitteilt, und bei diesem passt die gegebene Beschreibung nicht auf Ligusticum Levisticum L. PLINIUS giebt keine Beschreibung; nach ihm wird die Pflanze auch jjanax'^) ge- nannt, nach DIOSKOEIDES -navaKeq. Wir sind also jedenfalls im Un- klaren darüber, was die Alten unter ligusticum verstanden, um so mehr, weil sie diese Pflanze assen, was uns etwas wunderbar vorkommen würde. Indessen kann es nicht zweifelhaft sein, dass mit dem leuisticum des Capitulare die Pflanze gemeint ist, die jetzt im Volksmunde Liebstöckel heisst; denn dies Wort ist ebenso wie die älteren Formen lubesteche, luhistechel, levestock etc. nichts anderes als eine Angleichung an levisticum oder libesticum, und Liebstöckel (Ligusticum Levisticum L.) war früher eine sehr geschätzte Heilpflanze. Schon WALAFßlDUS STRABUS besingt lihysticum in seinem Hor- tulus. Die heilige HILDEGARD (1, 139) hat neben dem lateinischen Namen levisticum den deutschen lubestuckel; ALBERTUS MAGNUS erwähnt livisticum gelegentlich bei der Vergleichung von Pflanzen (6, 349 und 414), widmet ihm aber keinen besonderen Abschnitt, ein Verfahren, das er bei sehr bekannten Pflanzen anzuwenden pflegt. Im Laufe der Zeit hat die Pflanze viel von ihrem Werte verloren und spielt gegenwärtig nur noch eine Rolle in der Volksmedicin. Früher ist sie hier in der Provinz viel kultiviert, jetzt findet sie sich nur noch selten; an einigen Stellen ist sie ausgewildert. Diptam und Raute. Diptamnum Capitulare 70, 38. Zwei Pflanzen haben seit langer Zeit den Namen Diptamnus oder richtiger Dictamnus geführt: der Diptamdosten, Origanum Dictamnus L., und der gemeine Diptam, Dictamnus albus L.; nur der erste war den Alten bekannt und seine Eigenschaften scheinen in späterer Zeit vielfach auf den zweiten übertragen worden zu sein. Origanum Dictamnus L., Diptam dosten, kretischer Diptam. ^) In den meisten Glossaren des CGL lil wird die Wurzel von Levisticum ■panacus regius genannt. Es scheint, dass dieser Name, der sich bei keinem älteren Schriftsteller findet, durch falsches Abschreiben entstanden ist. Das letzte der mit- geteilten Glossare, dessen Handschrift aus dem 9. Jahrhundert stammt, hat panacos rizos libertici radicis 632,46; daneben finden wir: pancugirius 548,39, 9. Jahrh., panicus rigius 585, 22, 10. Jahrh., panicus regius 593, 49, 10. Jahrh. und panacus reius 615,33, 11. Jahrh., und zwar als griechisch dem lateinischen levistici radices gegenübergestellt; schon die erste von den hier mitgeteilten Glossen ist verschrieben und müsste heissen: irdvaKoq ^iZac, libestici radices. 5* — 68 — AiKTttiLivov Theophr. 9,16,1; öiKTa)Livo^ Diosk. 3,34. Dictamnum Vergil Aen. 1, 412; dictamnus Plin. 25, 8, 52; 26, 14, 87; it. dittamo cretico. Der Diptamdosten, dessen Heimat der Orient ist, kommt in Europa nur auf der Insel Kreta wild vor, wo er atoinaTÖxopTov genannt wird. In Italien wird er angebaut und auch in Töpfen gezogen. Nach Meinung der Alten brachten die wilden Ziegen, wenn sie angeschossen waren, den Pfeil dadurch zum Ausfallen aus der Wunde, dass sie Diptamdosten frassen; deshalb wurde dies Kraut zu einem Wundmittel gemacht, und mit Eisen geschlagene Wunden sollten leicht heilen, wenn Diptam- saft hineingeträufelt Avurde und wenn der Verwundete diesen Saft trank. Später wurde die Wirkung der Pflanze noch dahin vergrössert, dass sie überhaupt Geschosse (belli tela) aus dem Körper herausschleuderte, und weil sie eine oberflächliche Ähnlichkeit mit Polei besass, so erhielt sie den Namen poleium Martis (Vinc. Bellovacensis, Speculum naturale 10, 66). Es ist nun sehr wohl möglich, dass der Schreiber des Capitulare den Diptamdosten in Italien kennen gelernt hatte ; dann musste er auch den Wunsch haben, ein so ausgezeichnetes Wundmittel in Deutschland aus dem Garten holen zu können. Ob der Anbau dieses Gewächses von Erfolg begleitet war, ist mindestens zweifelhaft, denn TABERNAE- MONTANUS kennt es garnicht und HIERONYMUS BOCK, der es Dittam nennt, hat es erst kürzlich kennen gelernt, da er (fol. 10, vers.) sagt: „Er ist aber nun mehr als ein frembder gast ausz Greta vnd Venedig zu uns kommen, denselbigen Dictam haben Herr Jörg Ollinger von Nürnberg, vnd D. Conrad Geszner von Zürich, denen ich höchlich danck sage, mir zugeschickt." Der gewöhnliche Name in Deutschland wurde Dictamnus creticus. Der Dictamnus, welcher in den Glossaren des CGL III erwähnt wird, scheint der Diptamdosten zu sein, wenigstens teil- weise, denn als Synonyme werden poleium Martis und Hasenohr (leporis auricida) angeführt, ausserdem auch das Wort didimus (öiöujaog).^) Im 9. Jahrhundert wird aber auch schon Diptamnus mit wiziourz übersetzt (vergl. Glossae Theotiscae im Anhang 1,6); hierbei wird man wohl an die weisse Wurzel von Dictam,nus albus L., Diptam, denken müssen, die als Radix Dictamnl s. Diptamni s. Fraxinellae officinell war. Wenn die heilige HILDEGARD 1, 115 von dictamnus oder dictampnus ') Dictamnu leoboris auricula siue benedicta 632, 2 ; dictamnum leporis auricula 545,21; didimus auricula leporis 560,37; leporis auricula idest didimus 613,53; j)oliomartis didimus 598,62; poleium martis idest didamus 615,58 etc. etc. — Im (Jolmarer Glossar wird didymus durch Hasenohr übersetzt (dydimia hasenore 283); in Norddeutschland wird Stachys germanica L. viel in Gärten gebaut und Hasenohren genannt; da diese Pflanze eine oberflächliche Ähnlichkeit mit dem Diptamdosten hat, so ist es immerhin möglich, dass sie mit ihm verwechselt worden oder übei'haupt sein Stellvertreter geworden ist. — 69 — spricht, so wird das wohl auch der weisse Diptam sein, der in den Ehein- gegenden von der südlichen Hälfte der Rheinprovinz an wächst. Bei ALBERTUS MAGNUS finden wir dijitamnus angeführt (6, 327) , bei KONRAD VON MEGENBERG diptamus mit dem deutschen Namen pfeffer- kraut (5, 34) ; beide rühmen ihrer Pflanze die Eigenschaften nach, die sonst dem Diptamdosten zugeschrieben werden, aber da beide sie als sehr gemein bezeichnen (communis satis ALB. MAGNUS, gar gemain KONR. V. MEGENBERG), so ist es fraglich, welche Pflanze sie meinen, und ob sie diejenige, von der sie sprechen, überhaupt gesehen haben. Im 16. Jahrhundert führt der Diptam neben dem von LINNB an- genommenen Namen Dictammis albus auch noch den Namen Fraxinella. Rutam Capitulare 70, 6 ; Invent I, 5 ; Ruta graveolens L., Raute, Gartenraute, Weinraute. TT)^Y«vov Theophr. 7, 6, 1 ; irriYavov KtiTieuTÖv Diosk. 3, 45 ; neugr. miYotvov (selten gebaut). Ruta Colum. 6, 4, 2 ; 11, 3, 38; 12, 7, 5 ; Plin. 19, 8, 45 und sonst viel ; it. ruta ; fr. rue. Die Raute hat allezeit in grossem Ansehen gestanden als Arznei- mittel und als Mittel gegen G-ift und Schlangen; TABERNAEMONTANUS braucht acht und eine halbe Folioseite, um alle Heilwirkungen der Raute zu beschreiben. Während sie im südlichen Deutschland häufig ist, findet sie sich in norddeutschen Gärten nur vereinzelt. In ihrer Anwendung als Riechsträusschen wird sie in Norddeutschland durch die Eberraute (Artemisia Ahrotamun L.) vertreten. Minze, Frauenminze und Rainfarn. Die Arten der Gattung Mentha, Minze, sind ganz ausserordentlich veränderlich: bald sind sie stark, bald wenig behaart oder ganz kahl; neben Abänderungen mit breiten Blättern kommen solche mit schmalen vor, und wenn die gewöhnlicheren Formen schlichte Blätter haben, so giebt es auch nahezu bei allen solche mit krausen. Dazu kommt, dass Bastard- bildung bei den Menthaarten etwas sehr gewöhnliches ist, und hierdurch wird dann der Formenreichtum noch um ein Bedeutendes vermehrt. Es hat lange gedauert , bis man in dies Formengewirre Einsicht ge- wonnen hat. Während noch vor etwas über 60 Jahren von Specialisten weit über 20 Arten unterschieden wurden, ist man jetzt geneigt, nur noch etwa vier oder fünf anzunehmen : Mentha rotundifolia L. , die als westliche Pflanze für uns kaum in Betracht kommt, sich aber in Nord- und Mittelitalien wildwachsend findet, M. silvestris L., wilde Minze, M, aquatica L., Bachminze, M. arvensis L., Ackerminze, und M. pulegium L., Polei oder Poleiminze. Abänderungen von Mentha silvestris und M. aqua- tica wurden als M. crispa L., Krauseminze, gebaut ; schmalblättrige und besonders gewürzhafte Formen führten den Namen Mentha pi2)erita L., Pfefferminze. — 70 — Die grosse Veränderlichkeit der Menthaarteu war schon den Alten aufgefallen. Wenn THEOPHRAST sagt (2,4,1):') „das Sisym- brion scheint sich in Mintha zu verwandeln, wenn es nicht durch Pflege zurückgehalten wird, deshalb pflanzt man es oft um," so kann dieser Äusserung die Beobachtung zu Grunde liegen, dass die Krauseminze sich in die gewöhnliche Bachminze verwandelt hat, eine Beobachtung, die man auch heute noch machen kann. Jedenfalls bedeutet Sisymbrion an dieser Stelle eine Kulturpflanze, und da die Krauseminze diesen Namen später führte, so kann sie auch hier gemeint sein. Die Römer glaubten, dass man wilde Minze in zahme verwandeln könne, wenn man die wilde mit der Spitze nach unten in die Erde stecke (COLUM. 11, 3,37; PLIN. 19,8,47). Wenn wir jetzt noch Mühe haben die verschiedenen Arten der Minze auseinanderzuhalten, so dürfen wir uns nicht wundern, wenn es den Alten noch schwieriger wurde. Dazu kam , dass Pflanzen mit duftenden Blättern, namentlich wenn diese in der Form mit denen von Mentha Ähnlichkeit hatten, oder wenn sie grau waren, früher als Minze angesprochen wurden und gegenwärtig noch werden. Solche Pflanzen sind Nepeta cataria L., das Katzenkraut oder die Katzenminze, die mit der wilden Minze verwechselt wurde, Tanacetum Balsamita L., Frauen- minze, die nicht einmal zu den Labiaten, sondern zu den Compo^siten gehört, aber nichtsdestoweniger in der verschiedensten Weise als Minze, zuweilen auch als Salbei, bezeichnet wurde und wird, und andere mehr. Wenn also im Folgenden versucht wird die Namen des Capitulare, die sich auf Mentha und ähnliche Pflanzen beziehen, zu deuten, so mag noch einmal bemerkt werden, dass die hier versuchten Deutungen auf absolute Richtigkeit keinen Anspruch erheben wollen. Sisimbriiim Capitulare 70, 41 ; mentam Capitulare 70, 42 ; Invent. I, 3; Invent II, 2. Mentha aquatica L., Bachminze, mit den Rassen Krause- minze und Pfefferminze. XicTuiaßpiov und )Liiv6a Theophr. 2,4,1; dicru^ßpiov Diosk. 2, 154; fibuocriiiog n^epoq Diosk. 3, 36 oder riöuocTjuoq KtiTraToq 2, 154; neugr. ö fibuocTiaog and öud(T|U0(g. Menta Colum. 11,3,37; sisimbrium Plin. 19,10,57; menta Plin. 19,8,47 und sonst; it. menta aquatica, mentastro d'aqua; sisembro dotne- stico, halsamita, menta crespa; menta romana, menta peperina; fr. m^entlie; menthe frisSe, menthe crepiie; menthe poivree. Dass Sisymbrion bei THEOPHRAST eine Kulturpflanze bedeutet, ist schon oben gesagt; dann ist Mintha bei ihm eine wilde Art, etwa die Bachmiuze, deren eine Rasse, die Pfefferminze, noch heute viel in Griechenland kultiviert wird. Die 7nenta bei COLUMELLA , die einen ^) Tu)v bi äWuuv (sc. cpuxüüv) tö re öiaüiußpiov eic, |uiv6av boKd f^eraßoiWeiv, ^dv \xr\ Kax^xiTCii Tf| Gepaireia* bi6 Kai |aeTaq)UTeüouaiv iroWäKK;. — 71 — sumpfigen Boden verlangt und deshalb an eine Quelle gepflanzt wird, 11, 3, 37 ^) muss ebenfalls die Bachminze oder eine ihrer Kulturrassen sein. "Was DiOSKORIDES unter sisymbrion versteht, ist nicht ganz klar ; es wächst an unbebauten Orten, gleicht der Gartenminze, ist aber breit- blättriger und wohlriechender und wird zu Kränzen benutzt ; '•^) als Syno- nyme führt er an : Kranz der Aphrodite ('AqppoöiTri(g areqpavoc;), Pflanze der Venus (epßa ßevepea), wilden Quendel (epiTuWoq a-fpiO(g) und das unverständliche usteralis. Das griechische herpyllos , dem das römische serpyllum entspricht, kann Thymian bedeuten, aber auch die Poleiminze. Beide Pflanzen sind aber zu klein, um mit der Gartenminze verglichen werden zu können. Möglich wäre es, dass DiOSKORIDES mit Sisymbrion die wilde Minze, Mentha silvestris L., meint ; aber ebenso wahrscheinlich ist es, dass er die wilde Bachminze gemeint hat, namentlich weil er die Brunnenkresse als zweites Sisymbrion aufführt (2, 155) und weil er nachher bei mentastrum (seinem fiöuogjuov d'Ypiov, 3, 36) bemerkt, dass es an den Blättern behaarter und in allen Stücken grösser sei als si- symbrion. ^) Das griechische lr]buoq^oq wird in den Glossaren des CGL III stets mit menta oder menta nigra übersetzt. Menta nigra, soviel wie „dunkle MiQze", passt vortrefflich auf die Pfefferminze, die in der That un- gewöhnlich dunkel aussieht. In den Hermeneumata des CGL III er- scheinen menta und nepeta unter den Gemüsen. Jedenfalls sind die Menthaarten seit langer Zeit gebaut worden und ihre Anwendung war eine sehr mannichfaltige. WALAFRIDUS STRABUS spricht von den zahlreichen Formen, Farben und Kräften der Minze. Die heilige HILDE- GARD unterscheidet hachnyntza (l, 75) und ausserdem eine rnyntza major und minor, von denen wir die eine wohl als Gartenminze oder Krause- minze, die kleinere als Ackerminze deuten dürfen. ALBERTUS MAGNUS und KONRAD VON MEGENBERG unterscheiden nicht viele besondere Arten, machen aber beide die Bachminze namhaft und rühmen die Heil- kräfte der Menthaarten im allgemeinen. In den lateinisch-deutschen Pflanzenglossaren und in den Kräuter- büchern des 16. Jahr hunders begegnen wir einer grossen Zahl von Mentha- Arten und -Rassen, aber auch einer ziemlich weitgehenden Namen- verwirrung. Mit halsamum und balsamita werden im Garten gezogene Minzen bezeichnet, die auch die Namen Balsam und krauser Balsam führen, also wahrscheinlich unsere Pfefferminze und Krauseminze sind; diese führen in der Medicin den Namen Mentha piperita und M. crispa. Die Bachminze wurde Balsamum palustre und Mentha aquatica genannt. ^) Menta dulcem desiderat uliginem; quam ob causam juxta fontem meuse Martio recte ponitur. ■-) XiaüiLißpiov ^v x^pc^oK qpüexai, ^oikc hi r\hvi6o[.\.uj KirrraiLu, TrXaxuqpuWÖTepov h^ Kai euuubdarepov, axeqpavuufaaxiKÖv. ^) Tö hi (XYpiov ribuoaf.iov, ö 'Puj|LiaToi .uev9döxpou^ KaXoöaiv, yivexai baaüxepov Toiq cpOWoic; Kai -rrdvxri .ueTCov aiöujußpiou. — 72 — Mentastrum Capitulare 70,43; Invent. 1.14; 11,15. Mentha sil- vestris L., Waldminze, wilde Minze. 'HöiJO(J|Liov d'Ypiov Diosk. 3, 36. Mentastrum Plin. 20,14,52;^) it. 7nenta salvatica, mentastio, men- tastro, inentone: fr. menthastre. "Was in Italien „wilde Minze" genannt werden konnte, braucht es bei uns nicht zu sein. In der That kommt die Mentha silvestris mit ihren Formen hier im Norden immer nur in der Nähe menschlicher Wohnungen vor, so dass man sie als Gartenflüchtling bezeichnen muss; in Gärten wird sie nicht mehr gebaut. Früher scheint sie ebenso häufig wie Mentha aquatica kultiviert worden zu sein. Da es auch von der Waldminze krausblättrige Formen giebt, und da sie ebenso wie die Bachminze feuchte Standorte liebt , so darf man sich nicht wundern, wenn sie die meisten Namen mit der Bachminze teilt. Nur Balsam oder Balsamita scheint sie nicht genannt worden zu sein, während wilde Minze und Eossminze ihr allein angehören. Bei der heiligen HILDEGARD heisst sie rossemyntza und romische myntza (1, 78), in der Medicin Mentha equina und Mentha vomana. Piiledium Capitulare 70, 29. Mentha Pulegium L., Polei, Flöhkraut. rXiixujv Diosk. 3, 30 ; neugr. yXucpövi oder ßpo)aribuda|ao. l\deium, indegium der Römer; it. poleggio, polezzo; fr. chasse-puce. Das p?<7efZ«M?w des Capitulare ist verschrieben für pulegium. Der Polei stand früher in einem ausserordentlich hohen Ansehen. Von den Römern wurde er gegessen; bei APICIUS CAELIUS wird er vielfach erwähnt und in den Hermeneumata des CGL III kommt er unter den Gemüsen vor. In Deutschland ist er früher ausser als Arzneimittel auch als Mittel gegen die Tiere gebraucht worden, die ihm seinen zweiten deutschen Namen verschafft haben. Früher muss er gebaut worden sein (Augsburger Statuten von 1276, bei K, W. Volz, Beiträge zur Kultur- geschichte, Leipzig 1852, S, 201), aber gegenwärtig findet man ihn nicht mehr in Gärten, Neptam Capitulare 70, 45, Inveut. II, 11. Nepeta Cataria L. Katzenminze. KaXa)iiiveri Diosk. 3, 37, zweite oder dritte Art. Nepeta Colum. 7, 5, 18, 12, 7, 1; Plin. 19, 7, 37; 19, 8, 47; it. cataria, gattarla, menta de'gatti, ^) Mentastrum bedeutet ebenso wie Mentha silvestris „wilde Minze" ; das Suffix „aster" soll ursprünglich eine Entartung ausdrücken, z. B. criticaster, bei Pflanzen hat es aber die Bedeutung „wild", z. B. oleaster, wilder Ölbaum; piraster, wilder Birnbaum; pinaster, die Kiefer, im Gegensatz zu pinus oder pinus hortorum, die Pinie. — COLUMKLI.A spricht von einem silvestre mentastrum (11, 3, 37), das von den Brachäckern (de novalibus) gesammelt wird; dies kann wohl nur die Ackerminze, Mentha arvensis L., sein. — 73 — Eine früher viel gebrauchte Arzneipflanze, deren Namen in den Her- meneumata des CGLIII auch unter den Gemüsen vorkommt.^) Sie teilt einzelne Namen, wie Weissminze, mit den eigentlichen Minzearten. Hier in der Provinz kommt sie in Gärten kaum noch vor, findet sich aber ziemlich häufig in Dörfern und in der Nähe von Gehöften am Wege und in Zäunen, so dass man auf eine bedeutendere Kultur in früheren Zeiten schliessen darf. Costum Capitulare 70, 4; Invent. I, 2, II, 1. Tanacetum Balsamita L. Frauenminze. Neugriechisch : kocttoc^ und KÖöiac,. Spätlateinisch: costus Jiortorum, costus hortensis; balsamita; menilia graeca sive saracenica, mentha corymhifera, salvia romana; herba divae Mariae. Italienisch: erba costa, erba costina, erba amara, erba buona, erba della Madonna, erba santa, erba Santa Maria, Maria santa; menhta greca; salvia romana. Französisch: menthe de Notre-Dame, coq des jardins, herbe au coq, grand coq. Schon von KINDERLING wurde costus als Frauenminze gedeutet, und die späteren Bearbeiter des Capitulare haben diese Deutung fest- gehalten; sie wird richtig sein, da die Frauenminze in Griechenland, wo sie Kulturpflanze ist und als Gewürz benutzt wird, noch heute den Namen costus führt, der sich auch im Italienischen erhalten hat. Ursprünglich bedeutet der Name ein aus Ostindien stammendes Gewürz (die Wurzel von Costus speciosus Smith); auf eine Gartenpflanze scheint er nicht viel vor dem 9. Jahrhundert angewandt worden zu sein.-) In den Pflanzenglossaren begegnet man ihm sehr selten,^) was in seltsamem Kontrast zu der ehemaligen Beliebtheit der Pflanze steht. Während sie früher in Gärten viel gebaut wurde, fängt sie jetzt allmählich an zu verschwinden; in abgelegenen Gegenden findet man sie etwas häufiger. Die deutschen Namen sind : unser Frawen Müntz, welsche Minthe ; Papenplatte; bredn Sophie (im Gegensatz zum Salbei: smalln Sophie).*) *J MivGe nepete 16,42; minthen nepita 88, 65 ; minthi nepeta 186,15; Ya^a|uivTa nepeta 317,34; die Zusammenstellung mit calamintha findet sich auch in den Glos- saren des CGLiii: calamites . idest nepita 537,10; calamantis . i . nepta 555, 26 etc. — Da nun in den lateinisch-deutschen Glossaren nepeta durch verschiedene Namen ge- deutet wird, z. B. durch steinminze Sum. 58, 5, durch minza Sum. 68, 15 etc. etc., so ist es ziemlich sicher, dass früher unter nepeta verschiedene Pflanzen verstanden wurden; hierher gehören wahrscheinlich Calamintha officinalis Mönch, die noch jetzt in Gärten gebaut und als Gewürz benutzt wird, und Calamintha Nepeta Clairville. 2) In dem letzten Glossar des CGLm, dessen Handschrift aus dem 9. Jahr- hundert stammt, steht damasoma costo ortenso 631, 59. Walafridus Strabus spricht V. 281 im Gedicht über sclarea von hortensis costus. *) Colm. Gloss.: costi we(l)scheminthe 233; Mone: costus kost 194 (ähnlich in den Sumerlaten); custos ortorum papenplat 211. *) Da die Frauenminze in Italien heimisch ist, so ist es kaum zu verstehen, dass DiOSKORiDES sie nicht erwähnt oder nicht deutlich bezeichnet hat. Sie könnte — 74 — Tauazitam Capitulare 70, 44, Invent. I, 13 ; tanezatum Invent. II, 8, Tanacetum vulgare L., Rainfarn, Wurmkraut. Italienisch: atanasia, tanaceto, daneto; fr. tanaisie. Der Name Tanacetum stammt aus späterer Zeit und ist vor dem 9. Jahrhundert wohl kaum nachweisbar. In einem Glossar des CGLIII, dessen Handschrift aus dem 10. Jahrhundert stammt, findet sich tana- cipan artemisia tagantis (578, 27). Das erste "Wort kann verschrieben sein für tanacetum. Aber auch hiervon abgesehen, würde man eine Pflanze von so starkem Geruch, wie der Rainfarn ihn hat, unter den A rtemisiaarten der Alten suchen dürfen, wie es beispielsweise von TABERNAEMONTANüS geschehen ist. In den Glossaren findet man als deutschen Namen reynevane oder reinevane, so dass der jetzt gebräuchliche Name Rainfarn durch falsche Etymologie gebildet zu sein scheint; jedoch steht im Colmarer Glossar Reyneuar (722). Da der Rainfarn in Norditalien und ganz Deutsch- land wild wächst, so war ein Bedürfnis ihn anzubauen eigentlich nicht vorhanden. Die zum Anbau empfohlene Pflanze wird also wohl die Abart mit krausen Blättern sein, die einen viel stärkeren Duft hat als die wildwachsende und gegenwärtig noch in Bauerngärten ziemlich häufig vorkommt. Bei dieser Abart sind die Blätter so fein zerteilt, dass sie recht wohl unter dem millefolium des Mittelalters mit einbegriffen sein kann; da nun amhrosia und millefolium als gleichbedeutend einander gegenüber- gestellt werden (CGL III 536,13; 550,8), so ist es möglich, dass die amhrosia, welche WALAFEIDUS STRABUS besingt, die krausblätterige Abart des Reinfarns ist. Eberraute und Heiligenpflanze (Cypresse). Abrotanum Capitulare 70, 7, Invent. II, 7. Artemisia Ahrotanum L. Eberreis. Eberraute, Stabwurz. 'AßpÖTOvov Theophr. 6, 1, 1 ; dßpöxovov appev Diosk. 3, 26 ; neugr. TTiKpöBavog (Fraas). Ahrotonum Colum. ; habrotonum nias Plin. 21,21,92 und mehrfach; ') it. abrotano, abrotano mascJdo, abrotono ; fr. aurone, abrotone. Eine seit alten Zeiten sehr geschätzte Heilpflanze, die sich auch einer grossen Zahl von Namen erfreut. Man unterschied vom Altertum in seinem aiöOiußpiov, 2,154, mit enthalten sein, oder es überhaupt bedeuten, und Mattioli hat auch kein Bedenken getragen (Commentar, S. 527) das Sisymbrion doppelt zu deuten, als Bachminze und als Frauenminze. Das von Dioskorides an- gegebene Synonym ^pßa ßev^pea könnte, wie so manches andere, aus dem Dienste der Venus in den der Jungfrau Maria übergegangen sein und dabei die Umwandlung in erba Santa Maria erfahren haben. ^) Das Habrotanum, welches PliniüS 19, 10, 34 erwähnt, kann, weil es goldgelb blüht, nicht hierher gehören; ob zu tanacetum? — 75 — bis ins vorige Jahrhundert zwei Arten, die man männlich und weiblich nannte. Die hier genannte ist die männliche ; die weibliche folgt unten. Verwechselungen zwischen beiden und mit anderen Arten von Artemisia haben vielfach stattgefunden, so dass es nicht wohl möglich ist, die von DIOSKORIDES angeführten Synonymen auf die männliche oder weibliche Art allein zu beziehen. Der Grad ihrer Beliebtheit wird vielleicht durch heradeum ausgedrückt. Sisymhrium wird sie auch genannt; ausser als Heilmittel ist sie noch als Ersatz für Weihrauch benutzt worden. ^) Bei der heihgen HILDEGARD (1, 106) heisst die Eberraute stagwuris und ahrotanum, im 16. Jahrhundert Stab würz und Gertwurz. Die deutschen Namen Eberraute und Eberreis sind dadurch ent- standen, dass man mittel- und niederdeutsche Angleichungen an Ahro- tanum (auerute, euerute, euerritte etc.) ins Hochdeutsche übersetzt hat. — Eine häufige Pflanze unserer Bauerngärten. Santolina Chamaecyparissus L., Heiligenpflanze, Cypresse. 'AßpoTOVov OfiXu Diosk. 3, 26. Habrotonum feinina Plin. 21, 21, 92 ; it. abrotano femmina, cancqnclda, cupressina, crespolina, santolina, vermicolare; fr. santoline, petit cypres. Die spätlateinischen Namen dieser Pflanze sind Centonia, Centonica und Santonica. Im Königsberger Glossar heisst sie deutsch vintcrut, bei Mone wrincrut, im Colm. Glossar Woremworth. Von diesen Namen hat sich keiner erhalten, vielmehr wird die Pflanze schon im 16. Jahrhundert „Cypresz" genannt. Früher als Heilmittel viel benutzt, findet sie jetzt nur noch Anwendung als Zierpflanze; namentlich dient sie als Gräber- schmuck, und z-war bis nach Jütland hinein, wo sie dann allerdings während des Winters ins Zimmer genommen werden muss. Wermut und Beifuss. Artemisia Ahsinthium L., Wermut, Absinth. 'AqjivGiov Diosk. 3, 23 ; in Griechenland nicht bekannt, aber ver- treten durch Artemisia arborescens L. Apsinthium Plin. 27,6, 28; it. assenzio, assenzio romano; fr. absinthe. Unter dem Namen absinthium wurden bei den Alten mehrere Arten unserer Gattung Artemisia benutzt; bei uns ist der Name an der auch Wermut genannten Pflanze hängen geblieben. Der Wermut war als Heilmittel seit alten Zeiten berühmt; er fehlt zwar im Capitulare, wird aber von WALAFßlDUS STRABUS unter dem Namen Absinthium be- sungen. Bei der heiligen HILDEGARD (1, 109) heisst er loermuda, bei KONRAD VON MEGENBERG (5, 1) wermuot. Im 16. Jahrhundert führt der Wermut dieselben Namen. Wie hoch man ihn als Heilmittel schätzte, geht unter anderem daraus hervor, dass TABERNAEMONTANUS ihm über 14 Folioseiten widmete. 1) CGLiil: eraclea idest sisimbrius vel abrotanus 611,41; — dentrolibanus abrotanus 589,44; ähnlich 545,27 und 610,50. — 76 — Ärtemisia vulgaris L., Beifuss. 'Apxeiuiffia Diosk. 3, 117. Ärtemisia Plin. 26,15,89; it. amarella, ärtemisia, matricala; fr. armoise. Der Name ärtemisia ist bei DiOSKORIDES und PLINIUS vieldeutig und umfasst mehrere Pflanzen von ähnlichem Aussehen, denen man eine ganze Reihe von besonderen Kräften zuschrieb. In den Glossaren des CGL III kommt ärtemisia sehr viel vor und zwar mit sehr verschiedenen Deutungen, die zur Genüge beweisen, dass man keine einzelne bestimmte Pflanze vor Augen hatte ; ein besonders eigentümlicher Name ist mater Jierbarum (569,48; 607,18); da dieser im Colmarer Glossar (500) mit hifoth. übersetzt wird, so kommt er der von uns jetzt Beifuss genannten Pflanze zu. PLINIUS berichtet (26, 15, 82), dass ein Wanderer, der ärtemisia und elelisphacus (Salbei) angebunden trage, wie gesagt werde, keine Müdigkeit oder Abgespanntheit fühle. ^) Dieser Glaube hat sich lange erhalten und zwar an unseren Beifuss geknüpft, so dass wir an- nehmen dürfen, PLINIUS habe eben diesen gemeint. ALBERTUS MAG- NUS erzählt ohne Vorbehalt (6, 286), dass ärtemisia, getragen und an die Schenkel gebunden, die Müdigkeit der Reisenden aufhebe.^) KONEAI) VON MEGENBEKG ist schon nicht mehr so gläubig; er sagt von ärtemisia, die er auf deutsch peipoz nennt: „ez sprechent auch die maister, wer ez an diu pain pind, ez benem den wegraisern ir niüed. daz versuoch, wan ich gelaub sein nicht, ez wser dann bezaubert." Der ältere deutsche Name des Beifusses ist biboz, den auch die heilige HlLDEGRAD benutzt (1, 107); in den Sumerlaten steht einmal hi/uz (65, 1). Unser „Beifuss" ist wohl nichts anderes als eine An- gleichung an biboz, wobei die eben erwähnte Benutzung der Pflanze bewusst oder unbewusst mitgespielt haben kann. Der Beifuss ist eine in ganz Deutschland ziemlich häufig wild wachsende Pflanze ; ob frühere Kultur auf ihre Verbreitung Einfluss gehabt hat, lässt sich jetzt nicht mehr entscheiden. Übrigens wird der Beifuss in manchen Gegenden, namentlich im Osten, als Küchenkraut benutzt. Odermennig und Betonika. Acrimonia Invent. II, 17; Agrimonia Eupatoria \j., Odermennig. EuTTaxuupiov Diosk. 4, 41 ; neugr. (povöxopiov (Praas). Eupatoria, Plin. 25, 6, 29; it. acrimonia, agrimonia, eupatorio; fr. aigremoine. Der Odermennig war früher ein geschätztes Mittel gegen Leiden der Leber und der Unterleibsorgane überhaupt. In den Apotheken ') „Artemisiam et elelispliacum adligatos qui habeat viator iiegatur lassitudinem sentire." '^) „Portata etiam et alligata cruribus, toUit lassitudinem itineraiitium." — 77 — führte er deshalb neben Agrimonia und Eupatorium oeterum den Namen Lappula hepatica, der sich stellenweise im Deutschen als Leberklette erhalten hat. Den Namen Lappula verdankt er den hakig gekrümmten Borsten seiner Früchte, die sich mittels dieser Borsten ebenso anhängen wie Kletten; da die Früchte abwärts gebogen sind, so heisst er auch sehr viel Lappa inversa. Lappa incisa wird er im Colmarer Glossar (440) genannt, wahrscheinlich wegen der zusammengesetzten Blätter. In den Glossaren des CGL III bedeutet eupatorium, das früher die ganze Pflanze bezeichnete, nur nocli die Wurzel,^) und die ganze Pflanze heisst hier wie später bei der heiligen HILDEGARD (1, 114) und ALBERTUS MAGNUS (6, 283) agrimonia. Die deutschen Namen Ackermennig und Odermennig sind wohl nur Entstellungen aus Agrimonia, das selbst aus Argemone entstanden zu sein scheint. Vittonicam Invent. I, 20; 11,16; Betonica officinalix L., Betonika, Betonie. KecTTpog Diosk. 4, 1. Vettonica (dicitur in Gallia, in Italia autem serratula, a Gry.ecis cestros etc.) Plin. 25,8,46; it. hetonica, bertonica, brettonica, vettonica. In den Glossaren des CGL III heisst die Pflanze neben betonica auch uetonica und uittonica, und wird daselbst mit Keö"Tpoq identificiert, wahrscheinlich nach PLINIUS, Sie muss früher ein sehr beliebtes und viel besprochenes Heilmittel (auch Zaubermittel) gewesen sein, denn ihr Name ist zum Teil stark entstellt. Bei der heiligen HILDEGARD heisst sie pandonia,^^) deutsch bathenia (I, 128); andere Namen, die in anderen Kapiteln vorkommen, wie bathemam (1, 37), bathemen und bachenia (3, 5), sind wohl verschrieben oder verlesen. ALBERTUS MAGNUS nennt sie betonica (6, 289), ebenso KONRAD VON MEGENBERG (5, 12), der den deutschen Namen jmtönig hinzufügt. Die Betonica ist in Deutschland wie in Norditalien häufig und wildwachsend. Wegen ihrer medicinischen Eigenschaften wurde sie früher nicht nur gesammelt, sondern auch vielfach kultiviert. Andorn und Ballota. Marrubium vulgare L., Andorn. TTpdcTiov Theophr. 6,2,5; Diosk. 3,109; neugr. ö"Ku\öxopTOV. Marrubium Goivim. 6,4,2; 6,12.5; 10,356, Plin. 20, 22, 89; it. marrubio, marrobio, mentastio; fr. marrube. Der älteste deutsche Name der Pflanze ist andorn, von dem auch die Form andron vorkommt (bei der heiligen HILDEGARD I, 33 ; man vergleiche andron im Anhang II) ; ein anderer deutscher, aber seltener ^) Ipaturium . radices argemonio 547, 7; hispaturio . i . radix agrimoniae 583,33; •eopaturio radicis agrimina 632, 14 ; ipaturio radicis argimoniae 632, 24 etc. '^) Der Name pandonia kommt auch im CGLni vor: pandonia . i . uittonica 573, 49. — 78 — Xame ist Gottesvergessen. Im Lateinischen laufen marrubiiun und prassium nebeneinander her, wie bei ALBERTUS MAGNUS 6, 389 und bei CONRAD VON MEGrENBERG 5, 51, der die sonst kaum noch vorkommenden deut- schen Namen marohel und sigminz hat. Die Pflanze war ehemals als Heilpflanze sehr geschätzt. Da ihre Heimat in Südeuropa und Süddeutschland ist, so Avird ihr sprungweises Vorkommen in Norddeutschlaud an Dorfstrassen und auf Schutthaufen auf früheren Anbau zurückzuführen sein. Von dem Andorn, der marrubium alhim genannt wurde, unterschied schon DIOSKORIDES, ebenso wie später ALBERTUS MAGNUS 6, 389 und andere, die Ballota {Ballota nigra L.) als marruhium nigrum, eine Be- zeichnung, die sich in den Apotheken bis auf die Gegenwart erhalten hat. Die Ballota wird von PLINIUS (27, 8, 30) ballote genannt; er hat offenbar das Unglück, die griechischen "Wörter irpacriov und Trpdcrov mit- einander zu verwechseln, denn sonst würde er nicht von porrum nigrum, schwarzem Porree, haben reden können. DIOSKORIDES (3, 107) nennt seine ßaWiuTri auch schwarzen oder grossen Andorn (|iie\av r] jueya irpa- criov); er beschreibt die Pflanze recht gut und sagt unter anderem, dass ihre Blätter mit denen der Melisse (Melissa ofßcinalis L.) Ähnlichkeit haben, weshalb einige sie auch Melisse nennen, Eisenkraut. Verbena ofßcinalis L., Eisenkraut, Eisenhart. TTepKJTepeuuv üiTTiocg Diosk. 4,61; neugr. ö'Taupoxoprov und d'Ypia Xa)Lidvbpua (Fraas). Hierabotane, peristereon, verbenaca Plin. 25, 9, 59; it. verbena; fr. verveine. Bei den Römern werden verschiedene Pflanzen, die bei feierlichen Gelegenheiten benutzt wurden, verbena (und sagmen) genannt (vergl. LENZ, Botanik der alten Griechen und Eömer S. 191, 192). Unser Eisenkraut ist in Griechenland noch gegenwärtig eine Glückspflanze und soll es auch noch in Süddeutschland sein (Fraas). Bei den Alten stand es in grossem Ansehen und wurde heilige Pflanze (iepd ßoxdvri, herba sacra) genannt. Dieses Ansehen hat es lange behalten. Bei der heiligen HILDEGARD heisst es verbena und ysena (1, 154); in den Sumerlaten finden wir isinchlete (24, 9), isenarre (40, 54), isere (59, 1) und endlich iiserenbart und isenbart (66, 40) ; der letzte Name ist vielleicht ein Druck- oder Lesefehler, denn für gewöhnlich findet man isenhart. Als Heilpflanze fand das Eisenkraut früher vielfache Verwendung, doch ist es jetzt ganz in Vergessenheit geraten. In Norddeutschland kommt es nur zerstreut und zwar in Dorfstrassen vor, was auf eine frühere Kultur schliessen lässt. Die Pflanze, die ALBERTUS MAGNUS (6,471) verbena nennt, ist nicht das Eisenkraut, ebensowenig wie verbena und eisenkraut bei CONRAD VON MEGENBERG (5, 83); an beiden Orten werden zwei Arten unter- — 79 — schieden, die eine mit safrangelben, die andere mit blauen Blumen. Der Herausgeber des ALBERTUS MAGNUS vermutet, dass Anagallis arvensis L. gemeint sein könnte, aber schwerlich mit Recht. Hauslauch und Johanneskraut. Jovis Ibarbani Capitulare 70, 73; Semperviv^tm tectorum L., Haus- lauch, Hauswurz. 'AeiZiuuov Theophr. 1,10,4; 7,15,2; deiZ:uuov tö laeya Diosk. 4,88. Aizoiim, sednm Plin. 18, 17,45; 25, 13, 101; it. semprevivo maggiore; fr. jouharhe. Es kann nicht zweifelhaft sein, dass die Alten unseren Hauslauch gekannt haben, denn sie beschreiben ihn unter den Namen deiZlujov (immerlebend = sempervivum) und sedum sehr genau, und zwar als grosses sedum, während das kleine unserem Mauerpfeffer {Sedum acte L.) vor- zugsweise entspricht. In den Schriften der Alten wird auch angegeben, dass der Hauslauch auf Dächern wachse oder in Töpfen gezogen auf Dächer gestellt werde; die Angabe, dass die Pflanze den Blitz vom Gebäude abhalten solle, findet sich nicht, wohl aber wird sie als Mittel gegen Brandwunden und sonst als Arzneimittel gerühmt; auch wird behauptet, dass Getreide nnd Sämereien, die mit dem Saft von Haus- lauch befeuchtet worden wären, gegen Ungeziefer geschützt seien. Als Mittel gegen Brandwunden ist der Hauslauch auch später noch geschätzt worden, aber das grösste Ansehen genoss er doch deshalb, weil man glaubte, er schütze ein Gebäude, auf dessen Dach er wüchse, gegen das Einschlagen des Blitzes. Dieser Glaube hat dem Hauslauch eine ausserordentliche Verbreitung verschafft, so dass er sich früher fast auf jedem Bauernhause fand. ALBERTUS MAGNUS scheint der Sache schon nicht mehr ganz zu trauen, denn er sagt, „diejenigen, welche sich mit Hexerei abgeben, behaupten, er verjage den Blitz : und deshalb wird er auf Dächern gepflanzt" (6, 288)^); neuerdings hat der Hauslauch die Konkurrenz des Blitzableiters nicht mehr ertragen können, und deshalb sieht man ihn nur noch selten. Bei der heiligen HILDEGARD finden wir huszwurtz (1,42) und den lateinischen Namen semperviva (1, 203), bei KONRAD VON MEGENBERG hauswurz und harba Jovis (5, 14). Hauswurz heisst die Pflanze auch im 16. Jahrhundert. Aus der Familie des Crassulaceen ist noch eine Pflanze anzuführen, die früher viel kultiviert wurde, heute aber nur noch selten in Gärten vorkommt, das ist Sedum Telepidum L., Johanneskraut, Fetthenne. TTiXe9iov Diosk. 2, 117. Telepldon Plin, 27, 13, 110; it. fava grassa; fr. grassette. ^) „Qui autem incantationi student, dicunt ipsam (sc. barbam Jovis) fugare fulmen tonitrui: et ideo in tectis plantatur." — 80 — DIOSKORIDES und PLINIÜS geben beide an, dass das telephion in Blatt und Stengel dem Portulak gliche, und rühmen es als Wuud- mittel etc. In den Glossaren scheint es ganz zu fehlen, sein Gebrauch muss deshalb lange in Vergessenheit geraten sein. Zuerst begegnen wir ihm wieder bei ALBERTUS MAGNUS (6,402), wo es die Namen orpinum und crassida trägt; „wenn man es um die Zeit der Sommer- sonnenwende pflückt, so bleibt es lange Zeit frisch, wenn man es in der Luft aufhängt, ohne dass es aus der Erde Nahrung zieht, und wenn es an der einen Seite vertrocknet ist, so wird es frisch an der anderen, sobald es gepflanzt wird".') Ähnlich drückt sich KONRAD VON MEGENBERG aus (5, 57), der den beiden genannten lateinischen Namen den deutschen krässelkraut hinzufügt. Noch heute wird hier in der Provinz die Pflanze um Johanni gepflückt (Johanueskraut) und auf dem Lande in die Ritzen zwischen Zimmerdecke und Balken geschoben; langes Grünbleiben be- deutet langes Leben für denjenigen, der es an die Zimmerdecke ge- steckt hat. Im 16. Jahrhundert wird das Johanneskraut allgemein als Wund- mittel benutzt und deshalb auch Wundkraut genannt ; in den Apotheken führt man Wurzel und Kraut als Radix et Herha Telephii s. Crassulae majoris s. Fabariae. LiNNES Sedum Telephium umfasst nach heutigen Begriffen eine Reihe von Arten, unter denen das rotblühende Sedum purpureum Link besonders bemerkenswert ist; dieses findet sich an Wegrändern in der Nähe von Städten, Dörfern und einzelnen Gehöften, woraus man auf eine frühere Kultur schliessen darf. Sadebaum und Wachholder. Savinam Capitulare 70, 34; Invent. 1, 10; II, 12; Juniperus Sabina L., Sadebaum. Bpdeu Diosk. 1, 104. Herba sabiua Plin. 24,11,61; it. sabina, savina; fr. sabine. Der Sadebaum besitzt ausserordentlich giftige Eigenschaften, so dass sein Anbau schon mehrfach durch Verordnungen untersagt wurde. Diese Eigenschaften waren auch schon DIOSKORIDES bekannt und waren später keineswegs vergessen, wie die Benennung atiron (drripöq, schädlich, verderblich) in den Vokabularen bezeugt.-) Nichtsdestoweniger muss man aber annehmen, dass der Schreiber des Capitulare von diesen Eigenschaften nichts gewusst habe, vielmehr wird er an die Anwendungen gedacht haben, die der Bauer in Süd- und Mitteldeutschland (denn in die Bauemgärten Norddeutschlands ist der Sadebaum nicht gelangt) 1) „Q,uae circa augem solis collecta, diu erigitur suspensa in aere sine terrae nutrimento; et sicca in parte una, convalescit in altera, si plantetur." -) Atiron . idest sabina . foliaiuniperi UGLiii, 53.'), 51; atiron Seuenbom Colm. Gloss. 85. — 81 — noch jetzt von ihm macht: mit dem Absud der Zweige Averden die Würmer bei Pferden vertrieben und mit den getrockneten und pulveri- sierten Blättern werden alte Geschwüre geheilt. Die letztgenannte Anwendung ist übrigens in der wissenschaftlichen Medicin nicht unbekannt. Die zahlreichen deutschen Namen des Sadebaums sind alle aus sahina oder savina entstellt : savenhom, savinbom, seuenböm. Bei der heiligen HILDEGARD (3, 21) heisst er syhenhawn, bei ALBERTUS MAGNUS und KONRAD VON MEGENBERG wird er überhaupt nicht erwähnt. Gelegentlich scheint der aus Südeuropa stammende Sadebaum mit dem bei uns heimischen Wachholder {Juniperus communis L.) verwechselt zu sein, wie aus der ersten der unten angeführten Glossen hervor- geht. Yom Wachholder benutzte man namentlich die Beeren, die zum Räuchern etc. benutzt wurden. Diese heissen Baccae Juniperi, in Hand- schriften des 9. Jahrhundert hacas giniperi und hagas geniperi ^), wie denn der Wachholder noch jetzt in Italien ginepro heisst. Aus diesen alten Formen stammt das holländische „Genever" und wahrscheinlich auch das dänische „Jenbär", das dann mit Beere (bär) garnichts zu thun hat. Meerzwiebel. Squillam Capitulare 70, 16 ; Scilla maritima L., Meerzwiebel. iKiWa Theophr. 1, 6, 7 ; 2, 5, 5, Diosk. 2, 202; neugr. (TKuXoKpo|U|uuöi. Scilla (scylla) Colum. 5, 10, 16 ; 6, 12, 5 ; 12, 33 u. 34, Plin. 19, 5, 30 und sonst vielfach ; it. Scilla, squilla, cipolla marina\ fr. scille. Die Meerzwiebel wächst an den sandigen Küsten des Mittelmeeres und des atlantischen Oceans (Portugal) ; sie lässt sich deshalb in Deutsch- land nur schwierig im Freien ziehen, und kommt hier im Norden kaum noch als Topfpflanze vor. THEOPHRAST schreibt der Zwiebel einen Einfluss auf das Gedeihen von Stecklingen des Feigenbaumes, COLUMELLA einen solchen auf das Wachsen des Granatapfelbaumes zu. Ausserdem war die Meerzwiebel als Arzneimittel bis in die Gegenwart hoch geschätzt. Neuerdings wird sie als Mäusegift empfohlen; als solches kennt sie schon ALBERTUS MAGNUS (6,431), der erzählt, die squilla werde auch cepa muris (Mäusezwiebel) genannt, weil sie die Mäuse tödte. KONRADYON MEGENBERG (5, 77) nennt sie mäuszwivel. Griechisch. Heu. Fenigrecum Capitulare 70, 3 ; Trigomlla Foenum graecum L., Bocks- hornklee, Griechisch Heu.-) 1) CGLill: sabina . foliaiuniperi 535, 51 ; arcitidon (entstellt aus apKeuOoq) . idest giniperu . idest bacas giniperi 535,21; arciheut idest bagas geniperi 631,8. 2) Den Namen „Griechisch Heu" hat die Pflanze wegen ihres starken Cumarin- geruchs erhalten, den sie mit dem Ruchgras, "Waldmeister etc. teilt; dieser Name ist zuweilen eigentümlich verdreht worden, z. B. fenogrecum crischowe Sum. 57, 3. — V. EiSCHER-BeNZON, altd. Gartenflora. 6 — 82 — BouKepag Theophr. 8,8,5; Tr]Kic, Diosk. 2,124; neugr. TfjXu. Foenum graecum Colum. 2,11,1; 11,2,71 u. 76; Plin. 18.16,39; 24, 19, 120; it. ßeno greco; fr. fenu grec. DIOSKORIDES bezeugt uns, dass rfiXiq von den Römern foemim grecum, griechisches Heu, genannt werde, und führt unter den Synonymen ausser ßouKepuu(g (ochsenhörnig) auch noch aiY6Kepuu(j (ziegenhörnig) an; die den beiden letzteren Namen entsprechenden Worte buceras (Ochsen- liorn) und aegoceras (Bockshorn) finden sich bei PLINIUS (24, 19, 120). Bei den römischen Landleuten führte die Pflanze nach COLUMELLA den Namen siliqua (Schote); PLINIUS nennt sie auch silicia. Im Altertum sowohl wie im Mittelalter galt der Bockshornklee für ausserordentlich heilkräftig und wurde deshalb viel gebaut. Jetzt hat er seine Bedeutung fast ganz verloren und verschwindet mehr und mehr aus den Gärten. Bis Hannover und Mecklenburg ist er nach Norden vorgedrungen gewesen und im niederdeutschen Volksmunde hiess er „fine Gretje" (Angleichung an foenum graecum). 3. Technisch verwertbare Pflanzen. Färberröte, Waid, Wan und Safflor. Wareiitiam Capitulare 43 und 70, 65. Ruhia tinctoi^mn L., Färber- röte, Krapp. 'EpuBpobavov Diosk. 3, 150 : neugr. piZidpi. Ruhia Plin. 19,3,17; 24, 11,56; it. rohhia; fr. garance. Die Färberröte, die in Südeuropa heimisch ist, wurde schon von den Alten gebaut und zum Färben von Wolle und Leder benutzt. In Deutschland ist ihr Anbau wohl nie von grosser Ausdehnung gewesen. Der französische Name garance stammt aus dem spätlateinischen barentia, uuarentia, uuarantia,^) das auch zur Bezeichnung der Färberröte im Capitulare dient. Im Deutschen führte die Pflanze den Namen Röte oder Rode (niederdeutsch) ; das Colmarer Glossar unterscheidet Rubea raaior Rode (623) und Rubea minor der kledere (624); das letztere ist unser .Klebkraut (Gal'mm Aparine L.). „Siebengezeit" wird von einigen als gleichbedeutend mit Foenum graecum gebraucht. Hier liegt ein Irrtum vor, denn Siebengezeit ist der Volksname für Melilotus caeruleus Lam. ^) CGLm: barentia . i . rubia 554,34; 618,62; uuarentia . i . rubia 579,30; erizodrano rubia siue uarancia 632, 12. — 83 — Waisdo Capitulare 43 ; Isatis tinctoria L., Waid. 'l(TdTig Diosk. 2, 215. Vitrum Caesar Bellum Gall. 5, 14; glastum Plin. 22, 1, 2; it. guado, glado; fr. guede. Den verschiedenen modernen Namen des Waid liegt wohl das spätlateinische uuasdus zu Grunde,^) das neben isatis im Mittelalter vor- kommt. Ausser zum Blaufärben wurde der Waid auch noch als Heil- mittel benutzt. Bei der heiligen HILDEGARD (1, 208) heisst er weyt. ALBERTUS MAGNUS hat (6,430) eine Farbepflanze sandix,-) ebenso KONRAD VON MEGENBERG (5,71), der als deutschen Namen waitkraut angiebt. Die Beschreibung könnte bei beiden auf den Waid passen, nur stimmt die rote Wurzel, die der Färberröte angehört, nicht dazu. Indessen wird in den Glossaren sandix mit weit und imitwurz übersetzt."^) Die sandix genannte Pflanze scheint früher viel gebaut worden zu sein, wenigstens sagt KONRAD VON MEGENBERG von ihr: „des krautes ist in Dürgen viel umb Erfurt". Man wird diese Pflanze wohl als Waid deuten dürfen. In Folge früheren Anbaues ist der Waid in Norddeutschland an manchen Stellen verwildert. Gegenwärtig findet man ihn selten gebaut, da Indigo und die Anilinfarben ihn aus seiner Stellung verdrängt haben. Reseda luteola L., Wau. Lutum Vergil Ecl. 4,44; Vitruv, de arch. 7,14,2; Plin. 33,5,26 (herba quam lutum appellant); it. erha gialla, erba guada, guaidone, luteola; fr. gaude. Eine genaue Beschreibung der Pflanze, welche die Römer lut^im nannten, besitzen wir nicht, wir wissen aber von VERGIL, dass sie gelb färbte (er nennt sie croceum lutum), und von VITRUV, dass man ein schönes Grün erhielt, wenn man etwas blau gefärbtes mit der gelben Farbe des lutxim tränkte. Da die genannten Eigenschaften dem in Italien wachsenden Wau zukommen, und da man unter den dort wachsenden Pflanzen eine andere nicht kennt, die ebenso färbte, so hat man lutum als Wau gedeutet. In den Pflanzenglossaren scheint der Wau ganz zu fehlen, aber im 13. Jahrhundert finden wir ihn bei ALBERTUS MAGNUS (6, 352), der ihn unter dem Namen gauda sehr sorgfältig beschreibt und ihm ganz ähnliche Eigenschaften beilegt wie ViTRUV: blaues Zeug wird durch Wau grün gefärbt und weisses gelb ; als Medicament ist er aber nicht tauglich oder nicht versucht (utilitas autem ejus ad medicamina aut nuUa est, aut inexperta). 1) Isatis . i . uuas dus unde tingunt persum CGL iii, 583, 48 ; persus be- deutet blau. ") Plinius (35, 6, 12 u. 23) versteht unter sanclyx eine rote Mineralfarbe, wahr- scheinlich Mennige ; bei Vergil, Ecl. 4, 45, wird auch sandyx erwähnt. *) Weit-Sandix ahd. Gl. 25, 10; sandix, weitwurz Sum. 63,56. — 84 — Von HIERONYMUS BOCK wird der Wau Orant oder Sterckkraiit genannt, von TABERNAEMONTANUS und anderen auch Streichkraut. Früher ist er ziemlich viel gebaut worden ; jetzt findet man ihn in Nord- deutschland vielfach verwildert und eingebürgert. Carthamus tinctorius L., Safflor. KvnKoq Theophr. 6,4, 3; kviko(; Diosk. 4,187. Cnecos Plin. 21,15,53; it. cartamo, zafrone; fr. carthame, sajre, Safran hdtard. Stammt aus Egypten. Die Samen dienten früher als Arznei. Die getrockneten Blumen enthalten einen gelben und, in geringerer Menge, einen roten Farbstoff (spanisches Rot, zu roter Schminke verarbeitet); sie dienten vrielfach zur Verfälschung des teuren und jetzt aus der Mode gekommenen Safrans. ALBERTUS MAGNUS nennt den Safflor crocm (6,297) und weiss ihm nicht viel Gutes nachzusagen; den Safran nennt er crocus hortensis. Seifenkraut und andere Waschmittel. Saponaria offic'malis L., Seifenkraut. Das Seifenkraut kommt hier im Norden nur in unmittelbarer Nähe menschlicher Wohnungen, namentlich in Gartenzäunen, und fast nur mit gefüllten Blumen vor: es ist offenbar eine verwilderte Pflanze. Die Blätter und ganz besonders die Wurzel enthalten Seifenstoff, Saponin, in grösserer Menge ; deshalb wurde die Wurzel früher viel zum Waschen gebraucht. Jetzt, wo die Pflanze durch die billigen Seifenpreise ausser Kurs gesetzt ist, wird die Wurzel nur noch zum Waschen hellgefarbter Wollstoffe angewandt, aber offenbar selten. Der Name saponaria, der bei ALBERTUS MAGNUS (2, 110) ge- nannt wird, scheint in den Pflanzenglossaren nur sehr selten vorzukommen ; den Römern war er unbekannt. Das Struthion des THEOPHRAST (ö"Tpou9iov, 6,8,3), das eine schöne aber gdtuchlose Blume hat, könnte unser Seifenkraut sein, da diese Pflanze im heutigen Griechenland KaXo- 0"Tpou9i (etwa „schönes Struthion") und cranouvöxopTOV (Seifenkraut) heisst. Das Wort Struthion bezeichnet aber bei THEOPHRAST mehrere und von einander verschiedene Pflanzen. PLINIUS identificiert (19, 3, 18) die römischen Bezeichnungen radicula und lierha lanaria (COLUMELLA lässt die Wolle der tarentinischen Schafe vor der Schur mit radix Lanaria waschen, 11, 2, 35) mit dem griechischen struthion, verlegt die Heimat der Pflanze nach Asien, und schildert sie als gut aussehend, geruchlos, dornig und mit flaumig behaartem Stengel (grata adspectu, verum sine odore, spinosa et caule lanuginis). Er könnte Gypsophila Struthium L. meinen, deren Wurzel als levantische, egyptische oder spanische Seifen- wurzel in den Handel kommt; ihr Stamm ist jedenfalls so rauh, dass er ihn als „spinosus" bezeichnen könnte, und ihre Wurzel ist reich an — 85 — Saponin. Auch noch andere Gypsophilaarten mit saponinhaltigen Wur- zehi können von den Römern als herha lanaria bezeichnet worden sein, z. B. Gypsoflxila fastigiata L., und die in Süditalien und auf Sicilien vor- kommende Gypsophila Arrostii Gussone, die noch heute von den Italienern radicetta und erha lanaria genannt wird. Übrigens kommt unser Seifen- kraut in Italien nicht selten vor und wird dort saponaria genannt; die Wurzel benutzt man auch dort zum Waschen. ALBERTUS MAGNUS beschreibt (6, 396) unter dem Namen nigella unsere Kornrade, Agrostemma Githago L., sehr genau und bemerkt zum Schluss von ihr: „Tuchbereiter erzählen auch, dass ihr Mehl Wollenzeug sehr weiss und rein wasche, ebenso wie die Pflanze, die horith genannt wird.« 1) Bei KONRAD VON MEGENBERG, der dieselbe Pflanze nigella und roteu kornpluom nennt, findet sich nahezu die gleiche Bemerkung: „ez sprechent auch etleich wollenweber, daz ez daz wullein tuoch gar weiz rainig" ; nur ist hier nicht vom Mehl der Kornrade die Rede. Beide Autoren kennen augenscheinlich diese Anwendung der Kornrade nicht aus eigener Anschauung und berichten, wenn das, was sie sagen , über- haupt richtig ist, über eine damals schon in Vergessenheit geratene Technik. Flachs und Leinenappretur. Liimm Capitulare 43 u. 62 ; Linum usitatissimum L., Flachs, Lein. Aivov der Griechen ; neugr. tö Xivdpi ; der Same heisst Xivapcairopog. Linum der Römer ; it. Uno ; fr. Un, der gehechelte Flachs ßlasse. Die Untersuchung über die Heimat des Flachses ist noch nicht als völlig abgeschlossen zu betrachten. HEHN kommt durch Prüfung der Angaben, welche sich bei den Schriftstellern des Altertums finden, zu dem Resultat, dass die Flachskultur aus Egypten und dem baby- lonischen Reich stamme. Damit ist aber die Frage nach der eigent- lichen Heimat des Flachses noch nicht beantwortet, wenn es auch wahr- scheinlich ist, dass der Flachs aus der Mittelmeerregion oder aus dem gemässigten Westasien stammt. Er hat sich eben an alle Klimate ge- wöhnt: im gemässigten ist er Sommerpflanze, im heissen Winterpflanze. Dass der Flachs über Italien nach Deutschland gekommen ist, ist sicher; da aber die Flachskultur in den nordeuropäischen Ländern sehr alt ist, älter als das Eindringen römischer Kultur, so muss er seinen Weg hierher durch andere Länder, vielleicht durch das heutige Ungarn oder Russland genommen haben. Gebaut wurde er hauptsächlich seiner Fasern wegen, an manchen Orten aber auch wegen seiner Samen. Lein- samen liefert ein sehr brauchbares Ol, das auch an Speisen Verwendung findet, und wird ausserdem vielfach in der Medicin benutzt. ^) „Fullones etiam quidam tradunt quod farina ejus lavat laneos albissime et mundissime, sicut herba, quae vocatur borith;-' die Pflanze horith wird von C. Jessen als Salsola frnticosa L. gedeutet. — 86 — An dieser Stelle mag noch eine technische Frage kurz erörtert werden. WALAFRIDUS STRABüS sagt bei der Besprechung der blauen Schwertlilie (Iris geo-'manica L.) in den letzten Zeilen des Gedichtes, dass der Tuchbereiter mit ihrer Hülfe bewirke, dass das Leinen steif werde und Wohlgeruch annehme.^) Hier dient die Wurzel der Schwertlilie, denn an andere Teile der Pflanze kann man füglich nicht denken, dazu, dem Leinen Appretur zu verleihen; da diese Wurzel nach Veilchen duftet, so ergiebt sich der Duft nebenher. Wir werden durch diese Stelle an eine gänzlich in Vergessenheit geratene Technik erinnert: niemand denkt heute noch daran, mit dem in der Iriswurzel enthaltenen Pflauzenschleim dem Leinengewebe Steife und Glanz zu verleihen; dass diese Technik aber verbreiteter war, bezeugt die Glosse : irius follonicatoria (CGL III, 546,69); irius ist soviel wie Iris, nnd follonicatoria kommt Yon. fullonicare, einem Verbum, das die Tätigkeit der Tuchbereiter (fullones) bezeichnete.-) Gepulverte Iriswurzel, namentlich die von der Iris ßorentina stammende Veilchenwurzel, wird noch heute zum Waschen von seidenen Bändern benutzt; vielleicht hat man diesen Gebrauch als Rest der eben genannten Technik zu betrachten. Das lateinische Wort candor stimmt seinem Sinne nach mit dem heutigen „AiDj)retur" überein, das nicht nur Glanz, sondern schönes Aussehen überhaupt, und bei Leinen auch noch Weisse bedeutet. Dem gebleichten Leinen wird gegenwärtig die Appretur durch Dextrin erteilt. Die Römer verstanden auch die Kunst, das Leinen mit candor zu ver- sehen (HUGO Blümner, Technologie und Terminologie der Gewerbe und Künste bei Griechen und Römern, Bd. 1, Leipzig 1875, S. 185), auch benutzten sie dazu nach PLINIUS ^) Pflanzen, und zwar eine Art von Mohn (papaver). PLINIUS war nicht so strenge in der Unter- scheidung von Gattungen und Arten, wie wir es heute zu sein versuchen. ') „Pignore fullo tuo lini candentia texta Efficit ut rigeant dulcesque imitentur odores." -) Man vergl. A. Funck, Glossographische Studien, im Archiv für lateinische Lexikographie, Bd. VIII, S. 376. ") 19,1,4 am Schluss: „Est et inter papavera genus quoddam quo candorem lintea praecipuum trahunt". — 20, 19, 79 spricht Plinius von einer wihlen Mohnart, die heraclion oder aphron genannt wird und von der er sagt: „ex hoc lina splendorem trahunt aestate". Er meint hier offenbar die |ur|KUJV 'HpaK\eia Theophr. 9,12,5, die identisch mit der iurjKUJv äqppihbrii; bei Dioskokides (4, 67) zu sein scheint. Welche Pflanzenart mit diesen Namen gemeint sein mag, ist bis jetzt nicht zu entscheiden gewesen, vielleicht hat man es auch zu Dioskorides' Zeit nicht mehr gewusst. Theophrast sagt von ihr, sie habe ein Blatt wie das Seifenkraut, womit man die Leinwand wäscht (xö |u^v qpüWov l^ovoa oiov axpovQöc,, tb xd ö96via XeuKaivouoiv) ; Plinius hat das ganz missverstanden (er übersetzt axpouBöi; durch passer, Sperling, was an und für sich möglich ist, aber an dieser Stelle nicht gemeint sein kann) und sein Ausspruch „ex hoc lina splendorem trahunt aestate" ist garnicht auf den hera- kleischen Mohn zu beziehen, sondern auf das Seifenkraut. — 87 — Seine Mohnart braucht deshalb garnicht der heutigen Gattung Papauer anzugehören, sondern nur eine äussere Ähnlichkeit mit ihr zu haben, und da lenken sich denn unwillkürlich die Gedanken auf die gross- blumigen Anemonen, wie Afiemone coronaria L., die in Italien vorkommen, und deren rotblühende Formen an die Klatschrose (Papaver Rhoeas L.) erinnern, PLINIUS selbst, der diese Anemone awemone corowar^'a nennt (21, 23, 94), giebt zu, dass diejenige mit roter Blume (quae phoenicium florem habet), die zugleich die häufigste sei, mit den wilden Mohnarten ver- wechselt werde, nämlich mit argemone und rhoeas. Ihm selbst kann diese Verwechselung trotzdem passiert sein, denn viele Pflanzen, über die er schreibt, hat er offenbar nie gesehen und gelegentlich hat er seine Vorlage überhaupt nicht verstanden. Die genannte Anemonenart besitzt eine knollige, fleischige Wurzel, und diese enthält, nach einer von hülfsbereiter Hand vorgenommenen Analyse, grosse Mengen von Pflanzenschleim und Stärkemehl, würde sich also zum Appretieren sehr wohl eignen. Deshalb erscheint es nicht zu kühn, wenn man diese Anemone als das „quoddam genus inter papavera" bei PLINIUS anspricht. Hanf und Nessel. Canava Capitulare 62 ; canahis im Breviarium; Cannahis sativa L., Hanf. KdvvaßK; Herodot 4, 73, 74 u. 75; Diosk. 3,155; neugr. Kavvdßi. Cannahis der Römer, auch cannahus; it. canape, canapa; fr. chanvre. Dass der Hanf eine asiatische und keine europäische Pflanze ist, darüber sind sich alle einig; aber während einige seine Heimat nach dem gemässigten Mittelasien und Sibirien verlegen, suchen andere sie in Indien. Über die Art und Weise, wie der Hanf sich verbreitet hat, weiss man nicht sehr viel. Während die erste Nachricht über ihn bei römischen Schriftstellern sich etwa 100 Jahre vor Chr. findet, nämhch beim Satiriker LUCILIUS (HEHN S. 158), wird andererseits bei ATHENÄUS erzählt (5, 206 f ), dass König Hiero II. von Syrakus den Hanf für sein Prachtschiff vom Flusse Rhodanus (Rhone) in GaUien habe kommen lassen. Im dritten Jahrhundert vor Chr. wurde also im heutigen Süd- frankreich Hanf gebaut, während es um diese Zeit an Nachrichten über einen derartigen Bau für Italien fehlt. Da wird es denn wenigstens wahrscheinlich, dass der Hanf seinen Weg nach Gallien nördlich von den Alpen genommen habe. Dass der Hanf eine zweihäusige Pflanze ist, wurde verhältnis- mässig früh bemerkt,^) aber auch hier fand, wie früher fast überall, eine Verwechselung statt: die kleinere männliche Pflanze wurde, eben Aveil sie klein und weniger zu verwerten war, die weibliche, „femella", genannt, die grössere weibliche aber männlich, „masculus", und beide Namen haben ^) CGLiil: canape . i . agre genera sunt duo masculus et femina quae est efficax 587, 73 ; 608, 68. — 88 — sicli in manchen Gegenden Deutschlands als Fimmel und Maschel oder Masch in demselben Sinne erhalten, wie sie früher gebraucht wurden. Sonderbarer Weise führt der Hanf in alten Pflanzenglossaren ^) sehr viel die Namen agrius und agre, die „wild" bedeuten.") Deutsche Namen des Hanfs sind haneph, hanif, henp, hemp, kempenkrut (im Holländischen Kemp). Die grosse Brennnessel (Urtica dioica L.), die auf feuchten Wald- plätzen, an Wällen und auf wüsten Stellen wächst, dient noch jetzt Völkerschaften an der Grenze Asiens und Europas zur Bereitung von Garn und Zeug (HEHN, S. 481, 482). Auch in Deutschland ist sie früher in gleicher Weise benutzt worden. ALBERTUS MAGNUS führt (6, 462) noch die Nessel als Gespinnstpflanze an und schreibt dem aus Nesselfaser bereiteten Zeuge Eigenschaften zu, die dem aus Flachs oder Hanf hergestellten nicht zukommen. Den Römern war eine solche Technik unbekannt, wohl aber kannten sie, wie auch die Griechen, die Nessel als Gemüse- und Arzneipflanze. In Italien ist die grosse Nessel, die daselbst ortica genannt wird, häufig, in Griechenland selten. Die Pillen- nessel {Urtica pilulifera L.) ist in Griechenland die häufigste, in Nord- italien seltener, bei uns in Deutschland zuweilen verwildert und manch- mal bis nach Norddeutschland verschleppt. Wenn von essbaren Nesseln die Rede ist, so sind die genannten beiden vorzugsweise gemeint. Bei den Griechen heissen sie otKaXucpri, dKaXi'icpn und KVi'bii, neugr. Kvibri und bei Athen TcrouKviöa; bei den Römern werden sie urtica genannt. Die jungen Frühjahrstriebe der Nesseln wurden gegen Brustleiden empfohlen, dienten aber ganz besonders als Gemüse, wie noch jetzt in Ungarn und dem östlichen Deutschland; nach Westen hin ist dieser Gebrauch seltener. Die Triebe werden abgebrüht, wie schon THEOPHRAST (7, 7, 2) empfiehlt, und dann wie Spinat behandelt. ALBERTUS MAGNUS spricht (6, 642) von einer griechischen Nessel, Urtica graeca, KONRAD VON MEGENBERG (5, 82) von einer kriechiseh nezzel, die klein an Stamm und Blättern ist, aber viel stärker brennt als die grosse. Es ist dies die kleine Brennnessel {Urtica iirens L.), die ein sehr lästiges Gartenunkraut ist, aber sich auch an Schuttplätzen ansiedelt. Bei der heiligen HILDEGARD heisst sie eytcr neszel, was so ') CGLiii: agrio canapin 631,21; agrius . canape .543,4; agre . i . canape 552, 44. — Ccjlni. Gloss. u . . iou (d. h. agrioii) haneph 17. ") Sollte dies daher kommen können, dass der Hanf auf wüsten Plätzen gesät wurde, ähnlich wie früher der Flachs in Mecklenburg, der sich mit den Rändern der Dorfstrassen und Wege begnügen musste? (Vergl. E. H. L. Kkause, Pflanzen- geographische Übersicht der Flora von Mecklenburg, im Archiv d. Ver. d. Freunde d. Ntg. in Mecklenburg, Bd. 38, Güstrow 1884, S. 124). Im Grossen ist er in Deutsch- land überhaupt selten gebaut worden, wohl aber fand und findet man in den Gärten von Fischern und Landleuten ein grösseres mit Hanf bestandenes Beet, das die häus- lichen Bedürfnisse an Hanffaser befriedigen konnte. — so- viel wie Feuer- oder Brennnessel bedeutet, bei den Schriftstellern des 16. Jahrhunderts Eiter- oder Heiternessel. Wenn ALBERTUS MAGNUS sie „griechisch" nennt, so könnte dies andeuten, dass er sie für fremd in Deutschland hält. Wahrscheinlich ist sie aus Südeuropa nach Deutsch- land gebracht. 4. Pflanzen des Gemüsegartens. Kürbis, Gurke und Melone. CucurMtas Capitulare 70, 10; Cucurbita lagenariaJj. , Flaschenkürbis. KoXoKuvxn Theophr. 1,11,3; 7,1,3; 7,4,6; KoXoKuvGa Diosk. 2, 161.; neugr. vepoKoXoKuGid (d. h. Wasserkürbis). Cucurbita Colum. 10,381—388; 11, 3,49 u. 50; Plin. 19,5,24; it. zucca, zucca lunga, zucca da vino, zucca da pesce; fr. gourde, cougourde, calebasse. Bei den griechischen Schriftstellern der vorchristlichen Zeit er- fahren wir über die Pflanze, die ebenso wie ihre Frucht KoXoKuvTn (kolokynte) genannt wurde, nur sehr wenig: die kolokynte war roh nicht essbar, wohl aber gekocht oder gebraten (Phainias bei Athen. 2, 68d); es gab nur eine Art, aber innerhalb dieser waren die einen besser, die anderen schlechter (Theophr. 7, 4, 6). Ausserdem hatte sich die Sage erhalten, dass die kolokynte aus Indien stamme (Athen. 2, 59). Die römische Cucurbita hält man für identisch mit der griechischen kolokynte. In der That findet sich keine Angabe, aus der man auf das Gegenteil schliessen könnte. DIOSKORIDES bringt nur den Namen KoXoKuvöa ohne Beschreibung; wäre die von ihm gemeinte Pflanze etwas anderes gewesen als die römische Cucurbita, so würde er es bestimmt zum Ausdruck gebracht haben. Vom dritten Jahrhundert an finden wir die beiden Namen als identisch gegenübergestellt (CGL III, 16, 22; 185,38; 265, 38 etc. etc.); wir wollen sie als solche nehmen und mit Kürbis bezeichnen, und demnächst untersuchen, ob sich aus den über- lieferten Angaben die Art bestimmen lässt. COLUMELLA beschreibt (10, 381—388), wie man dem Kürbis ver- schiedene Formen geben könne, je nachdem der Same aus der Mitte oder aus den Enden der Frucht genommen werde; nimmt man z. B. den Samen mitten aus dem Bauche, so erhält man eine Frucht, die — 90 — geräumige Flaschen (lagena) zum Aufbewahren von Pech, Honig, Wasser und Wein liefert, die auch sogar zum Schwimmunterricht der Knaben benutzt wird.^) Ziemlich dasselbe sagt COLUMELLA 11, 3, 49, und fügt hier hinzu, dass die langen und dünnen Früchte zum Essen am besten seien. PLINIUS stimmt in seinen Mitteilungen (19, 5, 24) ziemlich genau mit denjenigen COLUMELLAS überein; er sagt, dass man den Kürbis zwingen kann, beliebige Formen anzunehmen, wenn man die junge Frucht in ein Gefäss von der verlangten Form hineinsteckt; dass der Kürbis sich auf verschiedene Art als Gemüse benutzen lässt und dass er vor einiger Zeit in den Bädern an die Stelle der thönernen Gefässe getreten sei, während er schon früher statt der Thongefässe zur Aufbewahrung des Weines benutzt wurde.-) Nach dem hier Angeführten kann der Kürbis der Römer und Griechen nur unser Flaschenkürbis gewesen sein, denn kein anderer Kürbis hat eine erhärtende Schale, die sich zu Gefässen verarbeiten lässt. Das Einzige, was sich gegen diese Auffassung geltend machen liesse, ist eine Bemerkung bei PLINIUS (19, 5, 24): „Kräfte, um ohne Stütze zu stehen, sind nicht vorhanden, die Geschwindigkeit (des Wachs- tums) ist gross, mit leichtem Schatten Gewölbe und Laubengänge be- deckend. Daher diese beiden Hauptgeschlechter, der Gewölbekürbis und der plebejische, insofern er am Boden kriecht." ^) Indessen wird kaum jemand nach den hier gegebenen Unterschieden auch nur Rassen, ge- schweige denn Arten unterscheiden wollen. Wir würden schon jetzt kein Bedenken tragen den Kürbis des Capitulare als Flaschenkürbis anzusprechen, aber ehe wir uns definitiv entscheiden, wollen wir untersuchen, ob nach Karl dem Grossen von anderen Kürbisarten die Rede ist. Die erste ausführliche ÜSTachricht über den Kürbis finden wir bei WALAFRIDUS STRABUS. Er sagt am Schlüsse seines ,, Cucurbita" überschriebenen Gedichtes etwa Folgendes: „Setzt man den Kürbis den Sonnenstrahlen aus und schneidet ihn nach erlangter Reife ab, so lassen sich aus ihm dauerhafte Gefässe anfertigen, wenn man das Fruchtfleisch herausnimmt und die Wände mit einem Schabeisen vorsichtig abkratzt; bisweilen fasst ein solches Gefäss einen gewaltigen Sextarius (Schoppen), ja ein noch grösseres Maass kann es ') „Venire leges medio, sobolem dabit illa capacem Naryciae picis, aut Actaei mellis Hymetti, aut habilem lymphis hamulam, Bacehove lagoenam; tum pueros eadem fluviis innare docebit." 2) „Nuper in balneorum usum venera urceorum vice, iampridem vero etiam cadorum ad vina condenda." ') „Vires sine adminiculo standi non sunt, velocitas pernix, levi umbra camaras ac pergulas operiens. Inde liaec prima duo genera, camararium et plebeium quo humi repit." — 91 — aufnelimeii, eine Amphora (48 Sextarien), und wenn mau es verpicht, so bewahrt es den Wein lange unverdorben".^) .Die heilige HILDEGARD spricht von kurbesa, lateinisch Cucurbita (1, 87), ohne eine Beschreibung zu liefern, aber ALBERTUS MAGNUS sagt (6, 312): „Der Kürbis bringt seine Samen (grana sui germinis) in einem grossen Gefässe hervor, das, wenn es reif ist, die Mitte hält zwischen gebranntem Thon und Holz (medium est inter testam et lignum), obgleich der Kürbis selbst nichts Holziges (nihil ligneitatis) in Stamm und Blättern hat"; und weiterhin (6, 314), wo von der Gurke die Rede ist, bemerkt er: „Die Gurke hat eine gelbe Blume und der Kürbis eine weisse" (et florem habet croceum, et Cucurbita album). KONßAD VON MEGENBERG erwähnt nur den hlrbi: oder Cucurbita, ohne eine Be- schreibung zu liefern. Was aus der Zeit nach Karl dem Grossen über den Kürbis gesagt wird, lässt sich also auch nur auf den Flaschenkürbis beziehen. Von besonderer Wichtigkeit sind die Bemerkungen des ALBERTUS MAGNUS; denn da er in Italien gewesen war, so hätte er bei der Aufmerksam- keit, die er den Pflanzen widmete, es sicher erwähnt, wenn er andere Arten als den Flaschenkürbis gesehen hätte. Wir müssen daher REUSS recht geben, der die Cucurbita des Capitulare als Flaschenkürbis ge- deutet hat. HEHN, der den Flaschenkürbis vom gemeinen Kürbis nicht unter- schied, sondern beide für eine Art gehalten haben muss, spricht immer nur vom Kürbis, nimmt also au, dass man im Altertum nur einen Kürbis kannte. Nach dem oben Gesagten kann dies nur der Flaschenkürbis gewesen sein, als dessen Heimat man heute die Tropen ansieht; die griechische Sage von seinem indischen Ursprung ist also mehr als Sage. In Egypten ist er seit uralten Zeiten gebaut worden und wird es heute noch; man findet ihn auf egyptischen Wandgemälden dargestellt (ÜNGER, die Pflanzen des alten Egyptens, Sitzungsber. d. math.-natw. Classe d. Akad. d. W. in Wien, 1860, Bd. 38, S. 125) und ebenso auf pompejani- schen (Comes, S. 21,22).-) ') „Si vero aestivi sinitur spiramina solis cum genitrice pati, et matura falce recidi, idem foetus in assiduos formarier usus vasorum poterit, vasto dum viscera ventre egerimus, facüi radentes ilia torno, nonnunquam hoc ingens sextarius abditur alvo, clauditur aut potior mensurae portio plenae amphora, quae piceo linitur dum glutine, servat incorrupta diu geuerosi dona Lyaei." '-) COMBS will (S. 22) auch Cucurbita Pepo L. auf pompejanischen AVand- gemälden erkannt haben. Es erscheint aber mindestens zweifelhaft, ob die genannte Art sich allein an ihren Früchten erkennen lässt; die Früchte des Flaschenkürbis sind nämlich von so erstaunlich wechselnder Form und Grösse, dass die von Comes — 92 — WITTMACK ist zu dem Resultat gelangt, dass unser gemeiner Kürbis, Qicurbita Pepo L., aus Amerika stammt (Die Heimat der Bohnen und Kürbisse, Berichte d, Deutschen Botan. Gesellschaft, Bd. 6, 1888, S. 374 — 380); dazu wüi-de das Ergebnis unserer Untersuchungen stimmen. Aber wir besitzen auch noch ein direktes Zeugnis dafür, dass Cucurbita Pepo L. aus Amerika zu uns gebracht ist. In seinem Commentar zum DIOSKORIDES, S. 393, sagt MaTTIOLI, nachdem er den Flaschen- kürbis beschrieben und auch angegeben hat, dass er weisse Blumen habe^): „Es giebt auch verschiedene andere, Italien fremde, Kürbisarten, welche sich weit in den Winter hinein frisch aufbewahren lassen. Man sagt, sie seien aus Westindien nach Italien gekommen : deshalb werden sie mehrfach indische genannt. Sie kommen aber schon lange auf italieni- schem Boden vor." Darauf folgt eine Aufzählung des ungeheuren Eormenreichtums und die Angabe, dass die Blumen dieser Kürbisse gelb seien. Zu Anfang des 16. Jahrhunderts mag wohl der gemeine Kürbis nach Italien gekommen sein; MATTIOLI konnte also schon von den „ältesten Leuten" über den Anbau dieser Kürbisart gehört haben. In den Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts finden wir neben dem Flaschenkürbis, welcher Kürbs , auch wohl Flaschen Kürbs (TAB.) ge- nannt wird, auch schon verschiedene Rassen des gemeinen Kürbis ab- gebildet. Diese heissen meistens Indianischer Kürbs, Cucurbita indica; HIERONYMUS BOCK (fol. 297, vers.) nennt sie Indianisch öpffel oder Zuccomarin; er bemerkt, sie seien erst seit kurzer Zeit nach Deutsch- land aus fremden Landen über das Meer gekommen, und das italienische Wort „Zuccomarin" zeigt uns, welchen Weg die Pflanze von Amerika aus genommen hat. Der gemeine Kürbis hat nach und nach, wenigstens in Norddeutschland, den Flaschenkürbis ganz verdrängt. Cucumeres Capitulare 70, 8; Cucimiis satkms L., Gurke. ZiKuo? Theoi^hr. 7,4,6; o'ikvc, %ep0(g Diosk. 2,162; neugr. rd a-fTOupia (die Früchte). Cucuinü der Römer; it. cocomero, cetriolo; fr. coiicombre. Schon THEOPHRAST erwähnt drei verschiedene Rassen der Gurke, und ebenso finden wir bei den römischen Schriftstellern mehrere genannt. Während des Mittelalters scheint die Kultur der Gurke zurückgegangen zu sein, denn bei der heiligen HILDEGARD und bei KONRAD VON genannten Abbildungen sich vielleicht zwanglos auf diese beziehen lassen. Comes identificiert Cucurbita lagenaria mit Cucurbita Pliniüs, Cucurbita Pepo mit KoXoKÜvTr) Theophrast; Gründe dafür giebt er nicht an; er irrt aber sicher, wenn er die Cucurbita bei Cülumella 11,3,48 für Cucurbita Pepo L. hält, denn daselbst wird weiter unten 11,3,49 von den Kürbissen gesagt: „nam sunt ad usum vasorum satis idoneae, cum exaruerint", was offenbar nicht vom gemeinen Kürbis gilt. ^) „Sunt et alia Cucurbitarum varia genera Italiae peregrina, quae diu per hyemem recentos asservari possunt. Ferunt has ab occidentalibus Indiis in Italiam venisse: unde Indicae a pluribus vocitantur. Sed iam diu Italico solo proveniunt." — 93 — MEGENBEßG- wird sie nicht erwähnt, wohl aber bei ALBERTUS MAGNUS (6,314), der sie cucumer nennt. In den Glossaren kommt sie selten vor, wird lateinisch cucumer und deutsch erdapJiü (Sum. 56, 21), erthappl (Königsb. G-loss.) und ertappel (Mone, Colm. Gloss.) genannt, scheint aber gelegentlich mit Kürbis verwechselt worden zu sein (kurbiz - Cucurbita vel cucumer ahd. Gl. 7, 21), auch mit der Melone. Im 16. Jahrhundert erscheint die Gurke wieder als beliebte und häufige Gemüsepflanze. Pepones Capitulare 70, 9 ; Cucumis Melo L., Melone. TTeTTuuv Diosk. 2, 163; neugr. rd Treirövia (die Früchte). Melopepo Plin. 19,5,23; it. popone; fr. melon. Ob das Wort TreTTUuv (pepon) bei den vorchristlichen griechischen Schriftstellern sich schon auf unsere Melone bezieht, lässt sich nicht mit vollständiger Sicherheit entscheiden; es ist ein Adjektivum, das reif bedeutet, und das bald allein gebraucht, bald mit (Tiku^ (Gurke) ver- bunden wurde. Beachtet man aber, dass im Mittelalter noch Gurke, Kürbis und Melone mit einander verwechselt wurden, und dass die Melonen im heutigen Griechenland Treirövia (peponia) genannt werden, so ist jedenfalls die Möglichkeit vorhanden, dass auch die Griechen des Altertums die Melone gekannt haben; dagegen spricht freilich der Um- stand, dass nirgendwo von ihrem Dufte die Rede ist. Von einer gurkenähnlichen Frucht mit Duft spricht zuerst PLINIUS 19, 5, 23, wo er erzählt, dass in Campanien eine Gurke entstanden sei vom Aussehen einer Quitte (mali cotonei effigie); diese sei durch Aus- saat fortgepflanzt und melopepo genannt werden, bewunderungswürdig durch Form, Farbe und Duft. Diese Worte passen zwanglos auf die Melone, deren Namen überdies von melopepo herzuleiten ist; aus dem langen Worte melopepo (lariXoTreTTUJV = Quitten-pepo) wurde im Volks- munde melo, und daraus unser Melone. An ein spontanes Entstehen der merkwürdigen Frucht werden wir heute nicht mehr glauben, aber bei den weitverzweigten Verbindungen des damaligen römischen Reiches war die Einfuhr von Samen aus Südasien, dem Heimatlande der Melone, leicht möglich; dass der Bericht über ihr erstes Auftreten in Italien den Charakter der Fabel trägt, ist nicht weiter wunderbar. Dass übrigens die Römer die Melone kannten, wird dadurch zur Gewissheit erhoben, dass unter den auf einem antiken Mosaik des Vatikans dargestellten Früchten sich auch eine Melone befindet (Alph. de Candolle, S. 327); auch will COMES (S. 20) die Hälfte einer Melone auf einem pompejani- schen Wandgemälde erkannt haben. Ehe wir weiter gehen, wollen wir uns noch einen Augenblick mit der Frucht beschäftigen, die PLINIUS pepo nennt (19. 5, 23, zu Anfang); hier berichtet PLINIUS über die Gurken: „sie wachsen in jeder Form, zu der sie gezwungen werden, in Italien grün und sehr klein, in den Provinzen sehr gross und wachsfarben oder dunkel (quam maxumi et — 94 — cerini aut nigri). BeKebt sind die reichtragenden (copiosissimi) Afrikas, die kolossalen (grandissimi) Moesiens. Wenn sie sich durch Grösse auszeichnen, werden sie pepones genannt". Die Frucht, von der PLINIUS hier spricht, kennt er offenbar selbst nicht sehr genau, aber aus dem was er sagt, folgt immerhin, dass sie Ähnlichkeiten mit der Gurke und der Melone hatte: er spricht ja von ihr als einer Art oder Rasse der Gurke und wenn die Melone melopepo genannt wurde, so kann das doch nur deshalb geschehen sein, weil sie in gewissen Eigentümlichkeiten mit der pepo genannten Frucht übereinstimmte. Deshalb wird man wohl die pepo des PLINIUS als Wassermelone, Citrullus vulgaris Schrader, deuten dürfen; diese dem intertropischen Afrika angehörige Pflanze ist seit uralten Zeiten Kulturpflanze in Egypten gewesen, ist es heute im ganzen Orient, in Griechenland, in Serbien und Bulgarien (Moesien), in Südrussland und Ungarn; aber während sie in den nördlicheren Ländern auch auf dem Tische der Reichen erscheint, ist sie weiter nach Süden Nahrungs- und Genussmittel der Armen und Ärmsten, wird aber von den Reichen verschmäht. Ähnlich konnte es zu PLINIUS' Zeiten ge- wesen sein: der vornehme Römer hatte von der Wassermelone gehört, von ihrem Heimatlande Afrika, von ihrer Verbreitung, aber er selbst hatte sie vielleicht nur gesehen ; denn wenn er sie gegessen hätte, würde er doch wohl ihre dunklen Kerne oder ihr rotes Fruchtfleisch erwähnt haben. Aber freilich findet sich eine Angabe dieser besonders hervor- ragenden Kennzeichen der Wassermelone erst im 16. Jahrhundert (Matt., Tab. etc.) Andererseits würde es geradezu unbegreiflich sein, wenn die Römer die Wassermelone nicht sollten gekannt haben, denn dazu waren ihre Verbindungen mit Egypten viel zu zahlreich. Wir deuten also von den bei PLINIUS erwähnten Cucurbitaceen die Cucurbita als Flaschenkürbis, cucumis als Gurke, pepo als Wassermelone und melopepo als Melone, halten es aber für möglich, dass unter diesen Benennungen damals, ebenso wie in späterer Zeit, manche Ver- wechselungen vorgekommen sind; es ist deshalb nicht immer möglich mit Bestimmtheit zu sagen, welche Pflanze an irgend einer bestimmten Stelle unter cucumis, pepo etc. zu verstehen ist. Das pepo des Capitulare dürfte aber unsere Melone sein. In den ersten Jahrlmnderten unserer Zeitrechnung war die Melone in Italien und den Nachbarländern bekannt. In den Hermeneumata des CGLIII wird unter den Gemüsen pepo mehrfach erwähnt und teilweise durch melo übersetzt, während melopepo nur selten vorkommt;') hier scheint also pepo die Melone selbst zu bedeuten. In den Glossaren des CGLIII werden melo und pepo identificiert, aber auch pepo und cucumis,-) das letztere vielleicht nach PLINIUS. 1) TTeTTOJv pepo 16,24; 88,47; 317,49; 359,45 etc.; irdiriuv melo 265,40; ire-rrovei; melones 480,32; laeX-oireirov melopepo 317,50. -) Melonis .i. pepenus 592,74; meleonis idest pepouis 614,47; 626,51; pepo- nus cucumeris 594,12; 609,39; 616,3. — 95 — In den lateinisch-deutschen Glossaren werden pepo und tnelo als gleichbedeutend behandelt und übersetzt mit jyfedemo, phedema, pedeme, bibenna, zuweilen auch durch erdapfel, ^) das freilich besser auf die Melone als auf die Gurke passt, aber möglicherweise doch eine Verwechselung der beiden Früchte andeutet. Bei der heiligen HILDEGARD fehlt pepo in der neuen Ausgabe, in der Strassburger wurde es im 56. Kapitel des zweiten Buches abgehandelt, und es ist nicht recht verständlich, weshalb es nicht auch in die neue Ausgabe mit hinübergenommen ist. ALBERTUS MAGNUS widmet den Cucurbitaceen einen verhältnismässig grossen Abschnitt. Die melones, welche auch pepones genannt werden, sind in Blättern und Blumen beinahe so wie die Gurke (6,314); gewöhnlich ist pepo von gelber Farbe und von unebener Oberfläche, gleichsam als wäre er regelmässig aus scheibenförmigen Halbkreisen zusammengesetzt (quasi sit Ordinate compositus ex semicirculis rotundis 6, 315) ; er enthält sehr viele Samen regellos (inordinate), die in einer gewissen Flüssigkeit schwimmen, im Gegensatz zum Kürbis, bei dem sie in einer trockenen Substanz sitzen (6,313); nach diesen Worten kann man wohl nicht sweifeln, dass von der Melone die Rede ist. ALBERTUS MAGNUS spricht noch von einer ähnlichen Frucht, citrulus; während er die Melone an verschie- denen Stellen beiläufig abhandelt, widmet er dem cürulus einen beson- deren Abschnitt (6, 315), beschreibt ihn aber ganz ausserordentlich kurz, denn er sagt nur, der cürulus ist ein pepo von grüner, ebener Binde (citrulus autem est pepo viridis plani corticis). KONRAD VON MEGENBERG behandelt citrulus und Melone in demselben Abschnitt (5,22): „citrullus haizet ein erdapfel und ist nahent gestalt sam die Pfedem, die ze latein pejyones haizent;" aber der Erdapfel ist grün und die Melone ist gelb. Es ist möglich, dass der citrullus bei ihm und AL- BERTUS MAGNUS nur eine kurzfrüchtige Basse der Gurke ist, ebenso wie bei MaTTIOLI (comm. S. 395). Man vergleiche den Nachtrag. Melonen werden in den Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts melo, pepo und melopep>o, auf deutsch Melone und Pfebe genannt, aber oft werden kleine Kürbisformen zu den Melonen gezogen. Die Wassermelone führt den Namen citridlus und CitruUen (TAB., BOCK), auch anguria und Angurien (MATT. comm. und Kräutb.) ; da ihre dunklen Kerne erwähnt werden, so kann man nicht zweifelhaft sein, dass sie hier gemeint ist. Erbsen und Bohnen. Pisos Mauriscos Capitulare 70, 68. Pisum arvense L., Graue Erbse, preussische Erbse, Felderbse. TTia6(; Theophr. 8,1,4; 8,3,1; 8,5,3; neugr. xd mleWm. ^) Pfedemo-pepo ahd. Gl. 7,22; pepo, pfedeme Sum. 22,34; pepoues pedeme, melones pedemen Königsb. Gloss. ; pepo, phedema vel erdapfel Sum. 12,66; pepones. 'erdeapfel Sum. 41,3; melon, bibenna Sum. 63,2. — 96 — Pisum Colum. und Plin. ; it. j^Jse^Zo, ruhigllo, ruhllli (die Samen); fr. pois, pois gris, hisaille. Die Nachrichten über das ^1811711 der Alten fliessen sehr spärlich. COLUMELLA sagt (2, 10, 19), dass cicercula der Erbse ähnlich sei. Cicer- cula ist aber unser Lathyrus sativiis L., Saat -Platterbse, die auf den griechischen Gebirgen unter dem Namen \a9o0pi, in Italien unter den Namen cicerchia, cicercula, cece nero noch jetzt gebaut wird ; ihre Samen sind grünbräunlich, gross, kantig, unregelmässig viereckig oder kurz- pyramidenförmig. Auch PLINIUS berichtet nur, dass die Erbse un- ebene und eckige Samen habe (18, 12, 32). ^) Nimmt man hierzu, dass THEOPHRAST die Erbse nicht unter den Hülsenfrüchten anführt, die auch weisse Samen haben (8, 5, 1), ^) so wird man nicht fehl gehen, wenn man die Erbse der Alten als graue Erbse oder Felderbse (Pisum arvense L.) bezeichnet ; denn die Samen der Pelderbse sind dunkeKarbig, uneben und eckig. Hierzu stimmt es, wenn in den Glossaren des CGL [II die Kichererbse, deren Samen gleichfalls eckig sind, weisse Erbse ge- nannt wird.^) Wenn nun in dem sogenannten Breviarium Karls des Grossen (Pertz, Monumenta etc. Bd. 3, S. 178) neben Spelt, Gerste, Weizen, Eoggen, Hafer und Bohnen (faba) auch pisos namhaft gemacht werden, so wird man hierbei nur an die Felderbse denken können. Im Capitulare selbst ist 7.U pisus das Adjektivum Mauriscus gestellt; REUSS übersetzt „Mohren- erbsen", was dem Wortlaute genau entspricht. Vielleicht soll es garnichts anderes heissen als „braune Erbsen". Noch heute wird eine Spielart der Felderbse gebaut, deren Samen gross, runzelig, eckig und lebhaft ^) „Est et cicercula minuti ciceris, iuaequalis, aogulosi, veluti pisum." -) „'EttI iräai (sc. toTi; öairpion;) bd xd \euKd Y^UKÜrepa* koI yäp ö öpoßoi; Kai q)aKÖ(; Kai ^p^ßivöoq Kai KÜa|uo? Kai 0naa|nov • Ioti fäp Kai ariaa|uov A,euKÖv"; das heisst etwa: „bei allen Hülsenfrüchten sind die weissen (hellen) die süsseren; nämlich so- wohl Erwe, als Linse, Kicber, Buf bohne und Sesamon ; denn es giebt auch weisses Sesamon." Unter öpoßoq ist Ervnm Ervilia L. zu verstehen, das noch heute in Griechen- land unter den Namen |)ößi, öpößi, |)oßibia häufig gebaut wird; in Italien heisst die Pflanze ervo, orobo etc.; ihre Samen sind hellfleischfarbig bis ledergelb. Die Linse (cpaKÖc;) hat gelblichweisse, gelbe, grünliche und fast schwarze Samen; über die Kicher vergleiche man unten S. 101; bei der Buf bohne oder Saubohne (vergl. unten S. 100) sind die Samen der grossfrüchtigen Grartenrasse hellfarbig bis fast weiss, diejenigen der kk'infrüchtigen Rasse, der Pferdebohne, bräunlich bis dunkelbraun. — Das Sesamum ist nach unseren Begriffen keine Hülsenfrucht; es stellt eine besondere Familie, die Sesamaceen, dar, die der Familie der Scrophulariaceen oder Personaten nahe steht. Sesamum Orientale L. ist eine im Orient vielfach kultivierte Pflanze, deren weisse Samen ein vortrefl'liches Öl liefern, das schon den Babyloniern bekannt war; das ebenso benutzte Sesamum indicum L. hat schwarze Samen. Bei den Neu- griechen heisst Sesamum Orientale xö ön<^ö|^i oder Goucfä|ui, dessen Samenkorn xö xaxivi; aus dem mit Honig versetzten Mehl der Samenkörner wird der xa^ß«? bereitet, eine im ganzen Orient sehr beliebte und gewöhnliche Nahrung während der Fasten- zeit (V. Heldbeich). ^) Cicer pisalbus 589, 35 ; cicer idest pis albus 609, 62. — 97 — braun sind, die „Kapuzinererbse"; eine solche beschreibt schon BOCK (Kräuterbuch fol. 219) unter dem Namen Fäselen^) : „die zeittigen faseln seind nit ganz rund, sonder geprefzt mit ecken, ganz Kestenbraun, gröffer und vollkommlicher dann Erweissen geschlecht, zeittigen mit den Er- weissen". Eine ähnliche oder dieselbe Spielart wird unter den „2?isos Mauriscos" zu verstehen sein. Von der weissen Erbse ist zum ersten Male zu Anfang des 14. Jahrhunderts die Rede und zwar bei PETRUS DE CRESCENTIIS, lib. 3, cap. 20 : „Pisum est robilia alba et grossa". (Nach Meyer IV, S. 154). ALPH. DE CANDOLLE hat die Frage, ob die Grartenerbse {Flsum sativum L.) und die Pelderbse (P. arvense L.) zwei Arten ausmachen oder beide derselben Art angehören, unentschieden gelassen (Kultur- pflanzen, S. 411 — 415). Seine Annahme, dass die Griechen zu THEO- PHRASTS Zeiten die Gartenerbse gekannt hätten, ist nach dem oben Gesagten offenbar unrichtig. Es handelt sich für uns also im wesentlichen darum, zu entscheiden, ob die Gartenerbse aus der Felderbse durch Kultur hervorgegangen sein kann. Die einzigen Unterschiede, die zwischen diesen beiden Erbsenarten angegeben werden, sind folgende : die Garten- erbse hat weisse Blumen und kugebge, glatte Samen ; die Felderbse hat farbige Blumen mit bleichvioletter Fahne und purpurnen Flügeln, und kantig-eingedrückte Samen. Unter den weissblühenden Gartenerbsen hat aber die sogenannte Markerbse kantig-eingedrückte Samen. Die ange- gegebenen Unterscheidungsmerkmale sind also nicht stichhaltig. Man überzeugt sich auch leicht, dass unter den Rassen der Gartenerbse ebenso grosse Verschiedenheiten in der Ausbildung der Früchte und Samen vorkommen -), wie zwischen den Früchten und Samen der Garten- erbse und der Felderbse. Wir tragen daher kein Bedenken, unsere Gartenerbse als eine Kulturform der Felderbse zu bezeichnen. Dies ist schon 1855 von BENTHAM geschehen ; =^) 1860 hat ALEFELD die- selbe Ansicht ausgesprochen ; *) ob, wie ALEFELD meint, Felderbse und Gartenerbse beide von dem am Nordrand des Mittelmeeres und am Caspi-See wildwachsenden Pisum elatius Steven (bei M. Bib.) abstammen, muss hier unerörtert bleiben. ^) Bock bat also den Namen phaseolus auf eine Erbsenart übertragen. ■-) Chakles Dakwin, Das Variiren der Thiere und Pflanzen im Zustande der Domestication. Übers, v. J. Victor Carus. Bd. 1, Stuttgart 1868, S. 408—413. Es wurde Darwin mitgeteilt (S. 408), dass Andrew Knight die Felderbse mit einer bekannten Clartenvarietät der preussischen Erbse gekreuzt habe und dass die Nach- kommen dieser Kreuzung dem Anschein nach vollkommen fruchtbar gewesen seien; dieser Versuch kann, da die beiden genannten Erbsenrassen beide zu Pisum arvense gehören, die Einheit von Pisum arvense und P. sativum nicht beweisen. ") Horticult. Journ. vol. IX, 1855, S. 141 (nach Daewin, a. a. 0. S. 408, Anm. 78). ^) Über Pisum. Botanische Zeitung, Jahrg. 18, 1860, S. 204. V. Fischer -BeNZON, altd. Gartenflora. 7 — 98 — . Fasioluin Capitiilare 70, 11. Dolichos melanopldhalmus DC. AöXixooru 1891, S. 82.) -) ,,Q,uare age quod sequitur, parvo discrimine sulci spargantur caecis nasturcia dira colubris". — 103 — nämlich damasonium oder damassonium. In den Glossaren ^) des CGL TU wird es durch nasturtium oder nasturtium hortulanum erklärt, und zwar in denselben Glossaren, in denen nasturtium durch crissonus oder crissonus hortensis gedeutet wird. Auch in den lateinisch -deutschen Glossaren wird damasonium durch Kresse übersetzt. Es ist zweifelhaft, ob dama- sonium von nasturtium verschieden ist ; möglich wäre es, und dann könnte es die Brunnenkresse sein, die in den lateinisch-deutschen Glossaren auch den Namen nasturcium oder den durch Verdrehung daraus entstandenen Namen ostrucium führt.-) Verwechselung der Kressenpflanzen kam früher ebenso häufig vor, wie jetzt. Nasturtium officinale R. Br. (Sisyrnhrium Nasturtium L.), Brunnen- kresse. Iicufißpiov exepov Diosk. 2, 155; neugr. rö vepoKdpba)Liov. Sisimhrium Plin. 19, 8, 55 ? ; it. agretto, crescione, nasturzio acquatico, sisembro, sisembro aquatico ; fr. nasturce, cresson d'eau, cresson de fontaine. Die von DlÜSKORIDES gemachten Angaben lassen die Identität seines sisyrnhrium alterum mit der Brunnenkresse nicht zweifelhaft er- scheinen; er hat sogar beobachtet, dass die ersten Blätter der jungen Pflanze rund und ungeteilt sind. Er giebt an, dass die Pflanze auch den Namen cardamine führe, weil sie den Geschmack der Kresse (Kdpba- ]xov) habe, dass sie eine Wasserpflanze sei, roh gegessen werde etc. Die heilige HILDEGARD erwähnt die Brunnenkresse unter dem Namen hurn- crasse (1,73); ALBERTUS MAGNUS spricht von ihr unter dem Namen nasturcium aquaticum in seinem Buche de animalibus; bei KONRAD VON MEGENBERG fehlt sie. Bei den Botanikern des 16. Jahrhunderts findet man gute Abbildungen von der Brunnenkresse. HIERONYMUS BOCK (Tragus) bemerkt in seinem Kräuterbuch (Strassburg 1577, fol. 31): ..Brunnenkresz nennet man Nasturtium aquaticum, etliche Agriocardamon und Agreste Nasturtium." Die beiden letzten Namen bedeuten wilde Kresse. Ursprünglich wird die Brunnenkresse mehr Heilmittel als Ge- nussmittel gewesen sein; ihre Kultur im Grossen stammt erst aus dem 17. Jahrhundert. Nach V. HELDREICH wird sie in Athen erst seit wenig Jahren als Salat gegessen. — Gelegentlich wird die Brunnen- kresse Siuch senecium imd .^gne^'/o genannt (MATTIOLI, Commentar, S. 380; Colm. Gloss. 653 etc.). Noch eine Kressenpflanze ist hier namhaft zu machen: Lepidium latifolium L., Pfefferkraut. Aemöiov Diosk, 2, 205. ■ 1) Damasonius nasturgius 589,37; daniassonius idest nasturcias ortolanus 610,47; 622,73; nastorcius . i . crisonus 570,37; nasturcius siue crissonus ortensis 581,34; 592,8; nasturcius idest crison demesticus 614,56; 626,66. — Damosionum Kerse Colm. Gloss 271. -) Colm. Gloss.: Narstucium Waterkerse 501; ostruzium Brüukerze 542 ; Königs- berger Gloss.: ostrucium brunnekerse. — 104 — Lepidium Colum. 11,3,41; Plin. 19.8.51; it. pipevlte, inperello : fr. passerage oder grand passerage. Plinius bezeichnet die Pflanze als ausländisch (peregriniini) ; die grosse Empfindlichkeit gegen Kcälte, die Columella ihr zuschreibt, spricht auch dafür, dass sie vor nicht langer Zeit eingeführt wurde. In Griechen- land wird sie zur Zeit nicht kultiviert, findet sich aber nach Fraas in allen Meeresniederuugen häufig. ^) Bei der heiligen HILDEGARD heisst sie peferkrut (1, 38), bei den Botanikern des 16. Jahrhunderts Pfeffer- kraut. Lepidium latifolinm und Pijyeritis. Sie muss damals viel mehr ge- baut sein als jetzt, wo sie allmählich in Vergessenheit gerät. Ebenso wie in Grriechenland kommt das Pfefferkraut auch bei uns an salzhaltigen Stellen, namentlich am Meeresstrande vor; an einigen Stellen hält es sich lange, an anderen verschwindet es rasch ; wenn es irgendwo eingeschleppt ist, pflegt es nur kurze Zeit zu bleiben. Salat, Endivie, Cichorie und Ringelblume. Lactucas, Capitulare, 70, 24; Lactuca Scariola Li. var. sativa, Salat. OpibaKivii Theophr. 7, 4. 5 ; GpibaE liiuepog Diosk. 2,164; neugr. tö fiapouXi und rd |uapoij\ia. Lactuca der Römer, Colum. 11,3, 26 u. 27 ; 10, 180 ff.; Plin. 19,8, 38 und sonst vielfach; it. lattuga, lattuca; fr. laitue. Die griechischen Schriftsteller nennen den Salat bald 0piöaKiv>i, bald BpiöaE, die Römer kennen nur den einen Namen lactuca, der ins Italienische und Französische übergegangen ist und sich auch in unserem Lattich wiederfindet. THEOPHRAST unterschied schon 3 oder 4 Rassen, aber sehr viel mehr finden wir bei COLUMELLA; er kennt solche von brauner und gleichsam purpurroter oder auch grüner Farbe und mit krausem Blatt, den Cäcilianischen Salat, solche mit bleichen, kammförmig eingeschnittenen und dicken Blättern aus Kappadocien, ferner solche mit weissen und sehr krausen Blättern aus der Provinz Baetica , endlich rötlich-weissen Salat mit glatten, sehr zarten Blättern von Cypern, aber unseren Kopfsalat scheint er nicht zu kennen, ebensowenig wie ihn die Griechen früher gekannt haben. In Athen, wo der Koj^fsalat jetzt viel gebaut Avird, heisst er deutscher Salat, yepiaaviKii (jaXdra. Die Römer machten den Salat ein, wie COLUMELLA ausführlich beschreibt (12,9), und zwar mit Essig und Salzlake; zwischen den Salat packten sie Schichten von grünen Gartenbohnen (faseoli, die man ver- gleichen wolle) und würzten das Ganze mit Dill, Fenchel, Raute und gehacktem Porree. In ähnlicher Weise wurden Endivien eingemacht, aber beides geschah im Frühling, um frischen Salat während der Sommer- monate zu haben. ^) Nach FnA.v-s (S. 121) wird das PfV-fferkraut von deu Neuüriechen ci-fP'« Xcixava genannt; hier muss ein Irrtum vorliegen, denn ctYpia Xdxava heissen nach v. Held- RETCH (S. 75) alle essbaren wilden Kräuter. — 105 — Im Mittelalter wird der Salat lactuca genannt; die heilige HILDE- (iAHD nennt ihn ausserdem latich (1, 90, vergl. Anhang II), KONRAD VOX MEGENBERG (5, 46) lactukenkraut DIOSKORIDES und ALBERTUS MACx>sUS (6,364) glaubten, dass der gekochte Salat nahrhafter sei als der rohe. Heute wird er wohl meistens roh mit Essig und Ol gegessen, und zwar um so häufiger, je weiter man nach Süden kommt. Die Mittelmeerländer und der mittlere Teil von Westasien bilden die Heimat des Salats; ob Mitteleuropa mit dazugerechnet werden darf, bleibt zweifelhaft. lutubas Capitulare 70, 37; Cichorium Endivia L., Endivie, Scariol, Escariol. Zepic; li^epoq Diosk. 2, 159; neugr. xd dvTiöia (v. Heldreich), fiiaepa paöiKia (Fraas). Inhjhm Colum. 10, v. 111 ; 11, 3, 27; intuhus Plin. 19, 8, 39; 20, 8, 29; it. endivia, scariola; fr. endive, scarole, scariole, chicoree frisSe. Die Endivie trägt stellenweise den Namen Escariol noch heute (Th. Rümpler, Illustrirte Gemüse- und Obstgärtnerei, S. 196). MatTIOLI nennt sie zahme Scariol und Gartenscariol (Kräuterbuch, fol. 150 A). Derselbe Name hat sich im Französischen und Italienischen erhalten, scheint aber weniger gebräuchlich zu sein. TABERNAEMONTANUS hat als Synonym für eine kleinere Spielart der Endivie den lateinischen Namen Scariola (Kräuterbuch, 1, S. 492, F) und behauptet, er werde fälsch- lich der Gänsedistel {SoncliuH asper L.) beigelegt. Der Name Scariola, Escariola stammt aus früher Zeit, und ist wohl nichts anderes als ein Diminutivum vom lateinischen Adjectivum escarius, das etwas zur Speise Gehöriges oder Essbares bedeutet, dann aber, da es mit dem griechischen TpuuHi^oq identificiert wird, etwas das roh essbar ist, also ein Salatkraut überhaupt,^) — Die Apotheken führten früher Blätter und Samen der Endivie als Herha et Semina Endiviae s. Scariosae. Der Name indivia kommt schon in den Hermeneumata Einsid- lensia des CGL III vor.-) Entstanden ist er aus intyha, intiba, wie schon TABERNAEMONTANUS bemerkt. Bei den Schriftstellern des 16. Jahr- hunderts gilt Endivia im allgemeinen als gleichbedeutend mit Intyhvs. ALBERTUS Magnus (6, 331) kennt nur endivia, nicht intybus. Ob THEOPHRAST die Endivie gekannt hat, ist zweifelhaft. Den Römern war sie aber bekannt und ebenso dem DIOSKORIDES. Dieser unterschied bei der Endivie, die er breitblättriger und wohlschmeckender *) CGL III: escaria xpdjSi^a 359,71; epujEi,ua escariole 16,37; troxima scaria 88,60; 185,63; — TpoSi|ua acetaria 317,22; acetaria ist mit unserem Salat gleich- bedeutend: es bezeichnet Kräuter, die roh oder gekocht mit Essig etc. verspeist werden. — rpüEiiuGi; hat auch die Endivie allein bedeutet (Geoponica 12, 28). -) CGL III: IvTußov intyba, indivia 265,65. — 106 — als die Cichorie nennt, zwei Rassen: die eine ist dem Salat ähnlich und breitblättrig, die andere schmalblättrig und bitterlich; ganz ähnliche Spielarten unterscheiden wir auch heute noch, wo die Endivienkultur wieder mehr in Aufnahme kommt. ALPH. DE CANDOLLE hält die Endivie für einen Abkömmling des in den Mittelmeerländern häufig waclisenden Cichorium pumilum Jacquin (C. divaricatum Schousboe).-") Solseqiiium Capitulare 70, 21; sohequia Invent II, 14; Cichorixim hityhiis L. Cichorie, Wegwarte. Kixujpiov Theophr. 7, 11,3; crepig axpia, Kixtijpiov Diosk. 2,159. Cichorium Plin. 20, 8, 30; intubus erraticus 21, 15, 52; it. cicorea, cicoria, radicchio; fr. chicoree, barbe de capucin. Die Beschreibung, die THEOPHRAST von KixuJpiov liefert, lässt kaum einen Zweifel daran aufkommen, dass unsere Cichorie gemeint ist, deren Heimat die Mittelmeerländer und das westliche mittlere Asien sind. Der gewöhnliche Name, den die Cichorie bei den lateinischen Schriftstellern, von PLINIUS an gerechnet, führt, ist „wilde Endivie" (intuhus erraticus, agrestis, silvatieus). Zu diesen gesellen sich aber in späterer Zeit noch andere, wie solsequium oder solsequia, Sonnenwirbel Csunnewirbel, heilige HILDEGARD 1, 60), dem das aus dem Griechischen entnommene eliotropium (i^XiOTpÖTnov) entspricht, und sponsa soUs,^) Sonnen- braut, lauter Namen, die sich auf die Lichtempfindlichkeit der Blumen beziehen; diese schliessen sich bei trübem und regnerischem Wetter, öffnen sich aber wieder unter den Strahlen der Sonne. Da auch andere Pflanzen wegen ähnlicher Eigenschaften dieselben Namen erhalten haben, so ist daraus vielfach Verwirrung entstanden. Ursprünglich war die Cichorie wohl nur Heilmittel, doch scheint sie schon im Altertum gegessen, wenn auch nicht sonderlich geschätzt worden zu sein.'') Im vorigen Jahrhundert fing man an die Wurzel als Kaffeesurrogat zu benutzen, und jetzt dienen die Blätter oft als Salat. Als ältere deutsche Namen kommen hintlope, hintlofte, hintloifte vor.'*) Calendula ofßcinalis L., Pingelblume; it. calta, fior rancio; fr. souci. Die Ringelblume hat mit der Cichorie eine ganze Reihe von Namen gemeinsam, die aber aus späterer Zeit zu stammen scheinen und vielleicht erst seit ALBERTUS MAGNIts gebräuchlich sind. Dieser sagt ') Diese PHanze, die nach v. Heldukkii in Griechenland die gemeine Cicliorie vertritt, wird von den jetzigen Griechen xä ^abiKia genannt. ^) CGLiii: eliotropium intuba agrestis siue solsequia uel sponsa solis 560,62; cocorion idest intuVja agreste .038,5; eliotropu . idest intubo salvaticum 538,44; cicorion idest solsequia 609,45 etc. — At-kkrtus Magnus sagt 6,321, dass cicorea auch sponsa solis genannt werde. ') HoKAZ, Od. 1,31: „. . . . me pascunt olivae, me cicorea levesque malvae." '') Cicorea, hintloifte Sum. 55,68; cicorea, hintlophte Sum. 56,29; cicorea hint- lo])e Königsb. Glosj.: intuba hintlope CoJm. Gloss. 407. — 107 — von der Pflanze, die er sjjonsa solis oder solsequium nennt (6, 451), dass sie „dicke, aber nicht grosse Blätter habe und eine citronengelbe Blume, die sich beim Untergang der Sonne schliesse und bei ihrem Aufgange öffne" ;^) hier kann man nicht an die Cichorie denken, sondern nur an die Ringelblume, die in den lateinisch-deutschen Glossaren des 13. und der folgenden Jahrhunderte solseqida, solsequium minus, sponsa solis und eliotropinm neben Calendula genannt wird.-) Bei der heiligen HILDEGARD (1,122) kommt der Name ringula vor, der sich mit geringen Änderungen bis auf die Gegenwart erhalten hat. Gegenwärtig sind im nördlichen Deutschland die Namen Totenblume, Morgen- und Abendrot, ausser Ringelblume, Ringelrose in Gebrauch. Früher wurden der Ringelblume Heilkräfte zugeschrieben und diese sind vielleicht zuerst die Ursache ihres Anbaus gewesen. Jetzt dient sie nur noch als Zierpflanze, gelegentlich auch als Gräberschmuck. Auf der nordfriesischen Insel Rom erreicht diese aus Südeuropa stammende Pflanze eine auffallende Grösse und Schönheit. Rauke, Senf und Portulak. Eriica alba Capitulare 70,26; Eruca sativa Lam., Rokka, Rauke. EuZiuu^ov Theophr. 1, 1, 6; Diosk. 2, 169, neugr. rj pÖKa oder poÜKa, TÖ. aZ;ou|LidTa. Enica Colum. 10, 108, 109 u. 372 ; Pliii. 19, 8, 44; 20, 13, 49 und S)0nst; it. eruca, rucola, ruclietta; fr. roquette. Die Rauke kommt mehr und mehr in Vergessenheit. Früher er- streckte sich ihr Anbau bis hier hinauf, jetzt begegnet man ihr eigent- lich nicht mehr. Aber in ihrer Heimat, dem südlichen Europa, wird sie noch vielfach roh als Salat und als Zusatz zu solchem genossen. Als solcher stand sie ehemals in grossem Ansehen, denn die Eigen- schaften, die ihr COLUMELLA an den angeführten Stellen beilegt und die ihr von fast allen älteren Schriftstellern zuerteilt werden, waren nach Meinung der Alten denen des gewöhnlichen Salats gerade entgegen- gesetzt ; durch Zusatz von Rauke machte man also den Salat unschädlich. Dieselben Eigenschaften, welche der Rauke nachgerühmt wurden, kamen auch der Kresse und dem Senf zu. \) „Sponsa solis sive solsequium est herba Habens folia spissa, sed non magna, riorem citrin um, qui claudit se sola occidente, et aperit Oriente." -) Zu den älteren lateinischen Namen der Ringelblume gehören auch aureola und ai'cola, die in Folgenden mit berücksichtigt sind. Sumerlaten: arcola ringele 54,19, Calendula ringele 55,30, sponsa solis ringele 58,51; Colmarer Glossar: arcola ringele 69, aureola ringele 89, elitropium ringele 296, solseqium minus ringele 689 (solsequium majus hintlope 688), sponsa solis ringele vel hintlope 709; Königsberger Glossar: solsequia ringele, aureola ringhelen, Calendula und kalendula ringele. — Verschiedentlich ist die Caltha der Römer (Colum. 10,97, „flaventia lumina calthae"; Plin. 21,6,15) mit Calendula identificiert worden; die Sache mag richtig sein, da die Ringelblume noch heute in Italien calta genannt wird. — 108 — Sinape Capitulare 44 und 70, 39 ; Sinapis nigra L. (Brassica nigra Koch) und S. alba L., schwarzer und weisser Senf. NdTTU Theophr. 7, 13; aiviim ii vottu Diosk. 2, 183; \o.}Ji\\)dvr\ Diosk 2, 142 (weisser Senf) ; neugr. tö crivaTri (schwarzer Senf) , sehi Same 6 (TivaTTÖcTTropo«;, und v) Xaipdva (weisser Senf). Sinapis Colum. 10,122; sinapi Colum. 11,3,29; 12,55; Plin. 19, 8,54; 20,22.87; it. senapa, senape; der weisse : rapicello salvatico, ruchet- tone, senapa bianca; fr. sSneve. Möglicherweise ist im Capitulare mit siiiajye an der ersten Stelle der schwarze, an der zweiten der weisse Senf gemeint. Beide Senfarten werden noch heute in Griechenland in Küchengärten gebaut, und ihr zartes Kraut wird als Spinat oder gekochter Salat im Winter viel ge- gessen (V. HELDREICH); des Samens wegen wird der schwarze Senf auch im Grossen gebaut und dabei verwildert er bisweilen ; häufig wild- wachsend ist der weisse. Da dieser von den Neugriechen Xaipava (lapsana) genannt wird, so ist es sehr wohl möglich, dass DiOSKORIDES mit seinem wilden Gemüse Xa^n^dvn den weissen Senf gemeint hat. Die heilige HILDEGARD unterscheidet zwischen senf herba (1, 93), dem Senfkraut, das auf dem Felde und in Weinbergen wächst und ge- gessen wird, und sinape (1, 94), dem Senfsamen. ALBERTUS MAGNUS nennt den Senf, sinapis, ein bekanntes Gemüse (6, 446) ; es giebt einen wilden und einen Gartensenf (et est silvestris et hortulana) ; Blätter und Wurzeln des wilden werden gegessen. KONRAD VON MEGENBERG (5, 79) rühmt dagegen Blätter und Wurzeln vom Gartensenf, haimisch senif. Die Erwähnung der Wurzeln könnte Zweifel erwecken; indessen war der Name sinapis von altersher so bekannt, dass hier eine Verwechse- lung kaum vorkommen konnte. Im 16. Jahrhundert kennt man den Aveissen Senf, wie es scheint, nicht mehr als Gemüse. Portnlaca oleracea L., Portulak. 'Avbpdxvri Diosk. 2,150; neugr. n "Aucnpiöa oder n dvbpdxXa. Porcillaca Plin. 13,22,40; 20,20,81; it. portulaca, procacclda, p>or- cellana; fr. pourpier. PLINIUS identificiert seine p)orcillaca mit andrachne, sonst könnte man zweifelhaft sein, was er meint, denn er giebt keine Beschreibung; vielleicht ist das italienische porcellana aus porcillaca entstanden. Die älteren deutschen Namen sind Burtzel, Purzella, Borgel. Bis vor Kurzem war der Portulak als Zuthat zu Salaten und Fleischsuppen sehr beliebt; jetzt sieht man ihn ausserordentlich selten. Kohl und Rüben. Caulos Capitulare 70,57; canles Invent. 1,18; caulas Invent. 2,20; Brassica oleracea L. Kohl. 'Pdcpavo.; Theophr. 7,4,4; KpdMßn n %epoq Diosk. 2, 146 ; neugr. rd XdX"va. eigentlich Gemüse überhaupt, bedeutet Kopfkolil oder Weisskraut. — 109 — Brassica Cato, de re rustica, 156, 157; Colum. 11,3,23 u. 24; 10,128 bis 139; caulis Cohim. 12, 7, 5 ; 10, 369 ; olus caulisque, brassica Plin. 19, 8, 41 ; hrassica Plin. 20, 9, 33, 34 ii. 35 und sonst vielfach ; it. cavolo ; Ir. ehoii. Wenn wir die jetzt bei uns gebauten Kohlrassen mit denjenigen vergleichen, welche wir beispielsweise bei TabERNAEMONTANUS ab- gebildet finden, so dürfen wir uns sagen, dass die Gemüsezucht bei uns in den letzten 300 Jahren grosse Portschritte gemacht hat. Der Kopf- kohl, den TABERNAEMONTANUS abbildet, hat mit dem jetzigen glatt- blättrigen, der ein Gewicht von 20 Kilo erreichen kann, nicht viel mehr als den Namen gemeinsam, und ähnlich geht es mit vielen anderen Eassen auch. Wir werden vielleicht erwarten dürfen, dass die Kohlrassen des Altertums hinter den von TABERNAEMONTANUS beschriebenen noch zurückgeblieben sind. THEOPHRAST unterscheidet den krausblättrigen, den glattblättrigen und den wilden Kohl ; zu seiner Zeit ist dem Kohl aber nicht viel Auf- merksamkeit zugewandt worden. PLMlüS wirft denn auch den Griechen vor, dass sie den Kohl nicht genügend respektiert hätten; im heutigen Griechenland ist es aber noch nicht viel anders. Das Vaterland der jetzt so zahlreichen Kohlrassen ist Italien. CatO kannte nur drei: den glatten Kohl, der gross (grandis) und breitblättrig war und einen grossen Stengel oder Stamm (Strunk, caulis) hatte; den krausen, der „apiacon-', d. h. petersilienähnlich, genannt wurde, und endlich den „weich" (lenis) ge- nannten, zart mit kleinem Stamm, der der schärfste (acerrima) von allen sein soll. COLUMELLA zählt im 10. Buch 14 Namen ohne Beschreibung auf, man kann also keine von diesen mit unseren Kohlrassen identificieren. Besser sind wir bei PLINIUS daran (19, 8, 41), wenn er auch nicht immer ganz genau zu verstehen ist. Vom Kohl wurden die Blätter und der Stengel oder Strunk ge- gessen; der letztere (caulis) treibt Sprossen (cauliculi), und einer von diesen, nämlich derjenige, der blühen will, heisst cpna (KU)aa). Die Cyraa erscheint im Frühjahr und ist normalerweise der Endtrieb ; die cauliculi können zu jeder Jahreszeit erscheinen. Übrigens wird ein besonders zarter Strunk von PLINIUS auch caidiculus genannt (beim Tritianischen Kohl). Es kam beim Kohlbau darauf an, dass die Pflanzen nicht zu früh die Cyma entwickelten (in cymani prosilire Colum. 11,3,24); wir sprechen in solchem Falle von „durchschiessen" oder im täglichen Leben auch wohl von „in Saat schiessen". PLINIUS drückt sich etwas ver- wickelter aus: „die zweite Saat des Kohls hat bald nach dem Frühlings- aequinoctium zu geschehen, und die dadurch gewonnene Pflanze ist ganz am Ende des Frülilings (extremo vere) auszupflanzen, damit sie nicht eher mit der Cyma als mit dem Stengel fortwuchere" (ne prius cyma quam caule pariat). Die wichtigsten von PLINIUS beschriebenen Kohlrassen sollen nun kurz erwähnt werden. - 110 — Der Tritianische Kohl. Man erhält einen Stengelkohl (caulis), der durch Geschmack und Grösse sich auszeichnet, wenn man den Stengel der jungen Pflanze niederlegt und mit Erde bedeckt, und damit fortfährt, so dass immer nur die äusserste Spitze (cacumen) aus der Erde hervor- sieht. — Ein ähnlicher Kohl wird heute nicht gebaut; der dicke und zarte Stengel des Blumenkohls mag wohl etwas ähnliches bieten. — Bemerkensw^ert bleibt es. dass gerade diese eine nicht mehr kultivierte Rasse , der Stengelkohl , den Namen für den allgemeinen Begriff ab- gegeben hat, denn Kohl, cavolo und cliou sind weiter nichts als ein ver- ändertes caulis. Cum an er Kohl mit niedrigen Blättern und ausgebreiteter Krone ^) (sessili folio, capite patulum). — Man muss sich hier einen Kohl mit niedrigem Stengel vorstellen, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Cumaner ein Vorläufer des Wirsing- oder Savoyenkohls ist (it. verzo, d. h. grüner Kohl, cavolo verzotto, cavolo dl Milano: fr, chou de Savoie, cJtou de Milan, in Athen y^PMCVIKOi Xdxava). Ariel seh er Kohl, zeichnet sich nicht durch besondere Höhe aus. und hat um so mehr Blätter, je dünner diese sind; man hält ihn für den nützlichsten, weil er fast unter jedem Blatt besondere Sprossen hervor- treibt (sub Omnibus paene foliis fruticat cauliculis peculiaribus). ~ Könnte der Vorläufer des Rosenkohls sein, der allerdings erst ziemlich spät wieder in Kultur genommen zu sein scheint; es fehlt hier jedoch noch an eingehenden Untersuchungen. Pompe janischer Kohl ist schlanker; sein Stengel ist oberhalb der Wurzel dünn, verdickt sich aber zwischen den Blättern (caule ab radice tenui, intra folia crassescit). — Dieser entspricht genau dem, was man jetzt Markkohl nennt (RÜMPLER, S. 108); er ist als der Vorläufer des Kohlrabis zu betrachten, der im Capitulare 70, 56 Kavacaiilos genannt wird, im Invent 1, 19 ravac(ndes-), und der in Norddeutschland meist Kohl- rabi über der Erde und Oberkohlrabi heisst (it. cavolo i\vpa; fr. cJiou rave). Bruttisch er Kohl hat besonders grosse Blätter, einen dünnen Stengel und einen scharfen Geschmack ; die Blätter des Sabellischen Kohles sind bewunderungswürdig kraus, so dass ihre Dicke den Stengel ') Wenu mau über die von Plixrs beschriebeneu Kohlrassen ius Reine kommen will, so muss man sich über die Bedeutung des von ihm gebrauchten Wortes Caput klar sein. „Kopf", in dem Sinne, wie wir dies Wort beim Kohl j^ebrauchen, kann es nicht heissen; dagegen spricht das capite patulwn neben sessili folio beim Cumaner Kohl, das captite pracgrandes, folio innumeri etc. beim Lacuturrischen, und namentlich auch der Umstand, dass bei dem Tritianischen Kohl ein fusslanges Caput vorkommt (vergl. unter Lacuturrischer Kohl). Aus den angeführten Stellen folgt vielmehr, dass unter caput der ganze beblätterte Teil des Stengels zu verstehen sei; im Folgenden ist caput deshalb durch Krone übersetzt. ^) Der Name raua caulis, Rübe des Stengels oder Kohls, findet sich auch ein- mal im CGLiii: Kambri (d. h. Kpd|aßr|) . i . brasica hoc est raua caulis (583, 5H; 10, Jahrh.); später sagte man caulorapa oder cauli rapa. — 111 — dünn macht (usque in admiratioiiem crispa sunt folia quorum crassitiido caulem ipsum extenuet) ; diesen Kohl hält man für den schmackhaftesten (dulcissimum) von allen. — Diesen Beschreibungen entsprechen Rassen unseres Blattkohls oder Krauskohls, hier im Norden grüner Kohl ge- nannt, etwas weiter südlich „brauner Kohl". Die Lacuturrischen Kohlrassen haben eine überaus grosse Krone und zahlreiche Blätter, einige sind zur Rundung gezogen, andere so, dass sie sich breit ausdehnen und fleischig sind (Lacuturres (sc. caules) capite praegrandes, folio innumeri, alii in orbem correcti, alii in latitudinem torosi); und nach dem Tritiani sehen Kohl, bei dem man bisweilen eine fusslauge Krone sieht, hat keiner eine grössere Krone als der Lacu- turrische, und keiner eine spätere Cyma (nee plus ullis capitis post Tritianum cui pedale aliquando conspicitur et cyma nullis serior). Das Verbum corrigere, welches PLINIUS hier braucht, (alii in orbem correcti), deutet den vom Züchter auf die Pflanze ausgeübten Einfluss, vielleicht auch Zwang an; man muss sich, wie es scheint, vorstellen, dass die Blätter zusammengebunden waren, um zart und dünn zu bleiben; waren sie sich selbst überlassen, so breiteten sie sich aus und wurden fleischig. Einen Kohl, der unserem Kopfkohl genau entspricht, scheinen die Römer also nicht gekannt zu haben, denn wenn es der Fall gewesen wäre, so müsste man gerade diesen am leichtesten aus der Beschreibung erkennen können. Auch ist es kaum denkbar, dass der Kopfkohl nicht Veranlassung zu der einen oder anderen witzigen Bemerkung gegeben haben sollte. Übrigens ist das italienische Klima dem Bau des Kopf- kohls nicht günstig. Nach PLINIUS sind die Nachrichten über den Kohl zunächst nicht sehr reichlich. APICIUS kennt nur cymae und coliculi. In den Hermeneumata und Glossaren des CGL III kommen die cauliculi oder coliculi mehrfach vor; daneben werden Brassica, canlis und Kpd|ußri erwähnt, einmal wird krauser Kohl genannt (brasica . i . caulis crispus 580, 35, 10. Jahrb.). Die heilige HILDEGARD (1, 84) nennt Me et iveydenkole et kochkole und kappus; das letzte Wort, aus caput abgeleitet, ist der Vorläufer des späteren und noch jetzt gebräuchlichen Wortes Kappes und bedeutet Kopfkohl (it. capuccio; fr. chou pomm^, chou cabus). Dieser wird, wie es scheint, hier zum ersten Male erwähnt. Caputium findet sich bei ALBERTUS MAGNUS (7, 90), der im übrigen den Kohl caulis nennt (6, 304; 7, 137) und nicht hrassica. Die lateinisch-deutschen Glossare haben hrassica und caulis und übersetzen es vielfach mit Römischer Kohl, ferner mit Kraut, Weisskraut, Kappeskraut, Kumpstkohl, brauner Kohl, krauser Kohl. Im 16. Jahrhundert begegnen wir dann einer grossen Zahl von Kohlrassen, Kohl oder Köhlkraut. Auch Blumenkohl wird hier erwähnt. MATTIOLI nennt ihn in seinem Commentar (S. 367) Rrassica cauliflora , im Kräuterbuch (fol. 140 c) Blumenköl , it. caulifiori und lateinisch Brassica Cypria; der beste soll nach ihm von Genua — 112 — kommen. Bei TABERXAEMONTANUS (2, S. 117) heisst er Blumen-Köhl, Brassica proUfera ßorida. Der" Blumenkohl scheint also in Italien, jeden- falls in Süclenropa, zuerst gezüchtet worden zu sein, Rotkohl kommt schon bei der heiligen HILDEGARD vor (rubeae caules 1, 84). scheint aber sonst nicht viel erwähnt zu werden. Bei Moue findet sich die Zusammenstellung brassica wltcol vel rosinko; wenn wir bei dem letzten Wort ein „1" am Schluss ergänzen, so bedeutet es Botkohl. Wo haben wir das Heimatland des Kohls zu sucheu? Er wird von der dänischen Insel Lolland angegeben, ferner hat mau ihn auf Helgoland, und an den Küsten West- und Südeuropas gefunden. Nun hat sich vor einigen Jahren herausgestellt, dass die auf Lolland ge- fundene Pflanze gar kein Kohl ist, sondern die Steckrübe, Brassica Napus L.; diese wird aber Niemand für ursprünglich wild halten (HJALMAR KIAERSKOU, Er Brassica oleracea L. nogensinde funden vildtvoxende i Danmark? Botanisk Tidsskrift, Bd. 17, Kjöbenhavn 1890, S. 178). Der Kohl aber auf Helgoland am Ostrande der Insel befindet sich unmittelbar unter den Gärten der Einwohner; da er hier zu- sammen mit dem Goldlack (Cheiranthus C/ieiri L.) und der Tulpe vor- kommt, so kann man eigentlich nicht daran zweifeln, dass er ein blosser Gartenflüchtling ist. Wie es an den übrigen angeführten Orten steht, lässt sich aus der Ferne nicht beurteilen, aber man ist heutigen Tages geneigt, das Vaterland des Kohls nicht mehr in Westeuropa zu suchen. Dann würde man wohl an die Mittelmeerländer denken müssen ; sichere Angaben lassen sich aber zur Zeit darüber nicht machen. Indessen weist der Umstand, dass der Kohl, ebenso wie der Mangolt, schon früh römischer Kohl heisst, auf eine südliche Heimat. Napos Capitulare 44; Brassica Napus L., Steckrübe, Kohlrübe, Kohlrabi (unter der Erde), Wruke (Mecklenburg und Pommern); als Ölfrucht Raps ; Brassica Rapa L., Rübe, weisse Rübe ; als Ölfrucht Rübsen. Bouvidg Diosk. 2, 136; neugr. rd YouXid, werden selten gebaut, die ölgebende Rasse von dieser und der folgenden überhaupt nicht (v. Heldreich). foYTuXi? Theophr. 7,4,3; yoTTuXn iFCpoq Diosk. 2,134; neugr. r| paißaiq. Napus und rapum oder rapa Colum. 2,10,23; 11, 3,16 und 59 und 62: 12,54; napus V\m. 18,13,35; 20,4,11; mpmn Plin, 18,3,33 Schlusszeile und 34 und 35; 20, 3, 9; it. buniada, rapaccione, cavolo navone; navone, rapa; fr. chon navet, rutahaga; navet, rave. Ganz genau lässt es sich nicht mehr entscheiden, welche Rüben die Griechen und Römer mit den angeführten Namen bezeichnet haben ; an manchen Stellen hat es sogar den Anschein, als ob sie nur eine Art gekannt hätten, deren Rassen dann mit den verschiedenen Namen be- — 113 - nanut gewesen sein müssen. Aber selbst beute sind Verwecbsekmgen zwischen den beiden ßübenarten nicht ausgeschlossen. Im CGL III wird im allgemeinen YOTTu^n mit rajm, und ßouvid(; mit napus übersetzt ; aber einmal ward rapa als napus major bezeichnet (539, 25) und einmal werden rapia und napus als gleichbedeutend genannt (575, 33). Die heilige HILDEGARD kennt nur ruha (1, 88). ALBERTUS MAGNUS unterscheidet napo (6,390) und rapa (6,424); die erste ist lang, die zweite kugelig und rötlich (aliquantulum rubea): hier scheint also eine Verwechselung vorzuliegen, denn die eigentliche Rübe (rapa) kann wohl gelblich werden, aber nicht rötlich. TABERNAEMONTANUS kennt nicht die Steckrübe, sondern nur die eigentliche Hübe, die er Rapum nennt; nach der Form unterscheidet er lange, runde etc. Rüben oder Nappen, ferner Stoppfei- rüben, und sagt von ihnen allen : „ihre Blätter seyn rauch und scharpff, gleich dem Rettich". Durch diese Bemerkung schliesst er die Steckrübe aus, die entweder nur auf den Adern der Blattunterseite einzelne Borsten trägt oder ganz kahl ist. In HIERONYMUS BOCKS Kräuterbuch kommt der Name Steckrübe vor, der hier möglicherweise richtig angewandt ist. In MATTIOLIS Kräuterbuch scheint die eine Rübe (rapum), „lang und rund, eines Arms dick, und braunrot" die Steckrübe zu sein, aber das was er Steckrübe nennt (fol. 128 C) ist eine Rübe mit langer Wurzel. — Heute werden beide Rübenarten auf dem Felde und im Garten gezogen und dienen teils als Wurzelgemüse, teils als Viehfutter. Über die Heimat der Rübenarten ist man nicht genau unterrichtet, doch ist man geneigt Südeuropa dafür zu nehmen. Radlces Capitulare 44 und 70, 61 ; Raphcmus sativus L., Rettich. Paqpaviq Theophr. 7,2,5; 7,4,2; Diosk. 2,137; neugr. tö pairavi und xä pairdvia. Radix Colum. 11, 3, 18; quae Assyrio semine venit 10, 114; Sijriaca 11, 3, 16 und 59; raphanus Colum. 11, 3,47 und 59 u. 62; Plin. 19, 5,26; 20,4,13; it. radice, rafano, ramoraccio, ramolaccio; fr. raifort. Der Rettich scheint bei den Griechen sehr geschätzt gewesen zu sein, da sie verschiedene Spielarten von ihm bauten (THEOPHR. 7, 4, 2). Bei COLUMELLA kann man zweifelhaft sein, ob raphanus und radix bei ihm wirklich dasselbe bedeuten. Die heilige HILDEGARD (1, 89) und ALBERTUS MAGNUS (6,423) kennen beide den Rettich, die erstere nennt ihn retich, der letztere radix. Im 16. Jahrhundert begegnen wir dem Rettich in fast allen Kräuterbüchern und gegenwärtig wird er in Mittel- und namentlich in Süddeutschland massenhaft gebaut. In Nord- deutschland ist er bis dahin nicht sehr verbreitet gewesen, seine Be- nutzung hat aber in den letzten Jahren zugenommen. — Als Heimat des Rettichs betrachtet man das gemässigte Westasien. Bei den Schriftstellern des Altertums finden wir keine Angaben, aus denen man sicher schliessen könnte, dass Radieschen damals bekannt V.. Fischer- Be''ZON, altd. Gartenflora. 8 — 114 — gewesen wären. Auch bei den Botanikern des 1 fi. Jahrhunderts und noch später kommen Radies nicht vor; nur eine Bemerkung in MATTIOLIS Kräuterbuch (fol. 129 D) Hesse sich vielleicht dahin deuten: ,.Noch ein ander Geschlecht desz Rättichs hat man in Welschlandt, vnnd ist sehr gebräuchlich in Salaten, wechst Fingersdick oder grösser, biszweilen Armslang, ist lieblicher, zarter und mürber zu essen, denn der gemeine Rättich." Armlange Radies sind allerdings für unsere Vorstellung etwas wunderbar; immerhin könnten die genannten zarten Rettiche die Vor- läufer unserer Radieschen sein. Denn wenn das Bestreben der Gärtner auch im allgemeinen darauf gerichtet ist möglichst grosse Wurzeln zu züchten, wie bei den Steckrüben, Sellerie etc., so kommt es bei den Radies gerade darauf an, kleine und zarte Wurzeln hervorzubringen; tingerlange Radies sieht man übrigens auch heute bei uns. In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts kannte man bei Regensburg nur die langen Radieschen, die sich vom Rettich nicht viel unterschieden (WEIX- MANX, Phytanthozaiconographie Bd. 4, Regensburg 1745, Tafel 860). CocJdearia Arinoracia L., Meerrettich. Ob dasjenige, was COLUMELLA und PLINIUS armoracia neinien, wirklich unser Meerrettich ist, ist mehr als zweifelhaft. DIOSKORIDES identificiert seinen wilden Rettich (paqpavi^ axpia 2, 138) mit der römischen armoracia; nach der Beschreibung aber, die er liefert, kann er unmöglich an den Meerrettich gedacht haben, sondern viel eher an den Hederich, Raphanus Raphanistrum L., oder auch an eine wilde oder verwilderte Kohl- oder Senfart. Dazu würde es stimmen, wenn COLUMELLA (12,9,3) sagt, dass die cyma armoraciorum, also der Trieb von armoracia, welcher blühen will, eingemacht wird, ähnlich wie Salat, Endivien etc. Im CGL III, wo der Rettich radiw oder radiär liortulana und pdqpavog (raphanus) genannt wird, steht einmal (16, 28) pacpavibeq armoratia, wahr- scheinlich nach DIOSKORIDES; an anderen Stellen wird armoracia mit lapmna identificiert (536,18; 567,10), das wir als weissen Senf gedeutet haben; einmal (575, 44) steht radistria . i . armoracia, woraus nichts weiter zu entnehmen ist. Aus den Angaben im CGL III kann man also auch nicht mit Sicherheit scliliessen, dass der Meerrettich gemeint ist. Bei der heiligen HILDEGARD (1,119) finden wir merrich, merrcc/i, merredich und mirred/tch, als lateinischen Namen raphanum. ALBERTUS Magnus (6, 425) beschreibt den Meerrettich unter dem Namen rajjJtanns, so dass die Pflanze gut erkennbar ist; nur irrt er sich, wenn er sagt, dass die Blume gelb (croceus) sei. Wenden wir uns nun zu den lateinisch- deutschen Glossaren, so finden wir, dass raphanus oder raphanum übersetzt wird durch merratich, mirredich (ahd. Gl. 7,17 und 23,12), merretich (Sum. 17,74; 23, 3d etc. etc.), meriratich, merredik (Mone 520); zu diesen Namen gesellt sich in späterer Zeit, wie es scheint nicht viel vor dem 12. Jahrhundert, das slavische chrene, ehren, Kren, das lateinisch auch — 115 — rahlgudium (radigudiwn) genannt wird. In einem aus dem 15. Jahr- hundert stammenden Glossar (Mone, Anzeiger für die Kunde der teutschen Vorzeit, Bd. 8, 1839, S. 103 — 104) wird raplianus major, Rätich, unter- schieden von raphamis minor, Khren. Zu dem hier angeführten Sprach- gebrauch stimmt es, wenn bei den Botanikern des 16. Jahrhunderts der Meerrettich Eaphanus genannt wird. MATTIOLI nennt ihn Raphamis rusti- canus sive vulgaris, deutsch Gren (Comment.), und Eaphanus rusticus s. major, deutsch Kreen, Merrättich (Kräuterbuch); CAMERARIUS sagt Raphanus rusticus: vulgo Armorada; TABERNAEMONTANüS schreibt Meer- rettich und übersetzt Raj)hanus marinus; HIERONYMUS BOCK hat nur Merrhetich. Der Name Raphanus rusticanus hat sich in unseren Apo- theken bis auf die Gegenwart neben Armorada erhalten. Welche Bedeutung hat denn armorada in den lateinisch-deutschen Glossaren? Hier laufen 3 oder 4 Namenreihen nebeneinander her. Zu- nächst wollen wir armoratio tnenva und armoratia manua (Sum. 21, 21 ; 60,28) ausschliessen ; menua ist ein alter '^ame yon Rumex ohtusifolius 'L: Es bleiben dann : 1) Hederich, hddenrub , heidenrettich , zuweilen armoriaca genannt; entweder ist dies unser Hederich, Raphanus Raphanistrum L., oder ein anderes Ackerunkraut, wie der Ackersenf, Sinapis arvensis L. 2) Bevenelle, hihenella, jetzt Pimpernell und Biberneil genannt. Es ist dies Pimpinella Saxifraga L., eine Pflanze, die früher mehr als jetzt in den Apotheken benutzt wurde. 3) Meerrettich und Kren. Diese beiden Deutungen von armorada treten am spätesten auf, wie es scheint nicht vor dem 16. Jahrhundert. In der „Heimat" (Bd. 3, Kiel 1893, S. 44) sind die plattdeutschen Namen des Meerrettichs : Marrak, Maressig, Maredig, Marretig, als An- gleichungen an Armoracia aufgefasst,^) die ihrerseits wieder als Meerrettich verhochdeutscht worden seien. Das könnte möglich sein; aber die Namen Merradich, Merretich etc. kommen schon vor dem 12. Jahrhundert vor, können also noch älter sein, und würden in unserem Hochdeutsch „Meer- rettich" geschrieben werden müssen oder wenigstens können, denn das kurze „e" der ersten Silbe widerspricht nicht der Ableitung von Meer (cfr. Herzog von Heer, Kluge, Etymologisches Wörterbuch). Die Deutung Mährrettich (Pferderettich) ist sprachlich unmöglich; sie stammt auch erst aus diesem Jahrhundert oder frühestens aus dem Ende des vorigen. Wie kommt die Pflanze zu dem Namen Meerrettich? Weil sie in der Nähe des Meeres besonders gut gedeiht? Es wäre immerhin mög- lich, aber sie könnte auch wohl ursprünglich eine Küstenpflanze Italiens und Griechenlands gewesen sein, wie sie denn jetzt noch die Küsten des Schwarzen Meeres bewohnt. Dann wäre am Ende doch die wilde Abart ') Vertrl. Hehm, S. 405. 8* — 116 — von rap/ianus bei PLINIUS (19, 5, 26), „die die Anwohner des Pontus armon nennen, andere die weisse (leucen), die Römer armoracia, und die an Blättern reicher ist als an Körper" (fronde copiosius quam corpore), unser Meerrettich ? Was PLINIUS sagt, spricht nicht dagegen ; es könnte sogar sowohl in armoracia wie in armon ein Wort stecken, das Meer bedeutet: aber zu Vermutungen neue Vermutungen hinzuzufügen bringt uns nicht weiter. Man sieht heute das östliche Europa und das angrenzende ge- mässigte Asien als die Heimat des Meerrettichs an. MATTIOLI sagt von ihm in seinem Commentar, dass er auf Wiesen, Grasplätzen und an Wegrändern wild wachse, aber diese Standorte sind verdächtig; im Kräuterbuch giebt er an, er werde in Italien rap/ianus montanus genannt, „dafz er von sich selbst in Gebirgen wechset". Auch BERTOLONI be- trachtet ihn als inländisch für Italien, wo er nach ihm die Namen rafano volgare und rafano rusticano führt ; trotzdem bleibt sein Indigenat dort zweifelhaft. Im heutigen Griechenland kommt er nicht vor und wird auch nur äusserst selten gebaut. — Frankreich hat den Meerrettich von Osten her erhalten, wie die Namen cran, cranson (aus Kren), mou- tarde des Allemands, moutarde des capucins, m^rSdic etc. beweisen; der französische Name raifort ist nicht besonders charakteristisch : er be- deutet eine starke Wurzel und gilt auch für den Rettich selbst. Mohrrübe, Pastinak und Zuckerwurzel. Carvitas ^) Capitulare 70,52; Daums Carota L., Möhre, Mohr- rübe, gelbe Rübe, gelbe Wurzel, Karotte. ZTaqpuXivog «TPiog Theophr. 9,15,5; Diosk. 3,52; 6 Kiiireuröq (Tra- cpuXivo(; Diosk. .3,52; KapuuTÖv ^) Diphilos bei Athen. 9, 371 de; neugr. baqpKi und KapÖTta (die kultivierten Formen). Agrestis pastinaca et ejusdem nominis edomita, quam Graeci (JtacpuXivov cocant, Colum. 9, 4, 5 ; pastinaca agrestis Plin. 19, 5, 27 ; it. carota salvatica, dauco marino, pasticciona, j'xistinaca, carota; fr. carotte. Die Möhre und die Pastinakwurzel sind früher viel miteinander verwechselt worden und werden es bei den Italienern noch jetzt. Dass DIOSKOKIDES unter OTacpoXTvoi^ (staphylinos) die Möhre versteht, ist unzweifelhaft, denn er sagt, dass in der Mitte der weissblumigen Dolde sich etwas purpurfarbiges, einem Pilze ähnliches befinde: dasjenige, was wir die Terminaldolde nennen, die bei anderen Umbelliferen, wenigstens in dieser Weise, nicht vorkommt. Als Synonymen führt DiOSKORIDES ') Ausser carvitas kommt die Lesart carrucas vor (hei Reuss, Walafkidi Strabi Hortulus etc., S. 71); carvitas ist entstellt wohl aus cariota : caroita, carvita (cfr.CGLiii, 537,7.5; 556,74; 620, ö6.) -) Der neueste Herausgeber des Athenaeus, tx. Kaihki., liest an dieser Stelle KOpTÖV. — 117 — unter anderen karota (Kapöxa) an, das die Römer gebrauchen, und j^cisti- naka (TracTTivoiKa). Nach der angeführten Stelle bei ATHENAEUS be- zeichneten die Griechen die grosse Kulturform von (JracpuXivoq mit Ka- puuTÖv, so dass THEOPHRAST mit (TTa(pu\Tvo(; d'Ypioq wohl die wilde Möhre meint. Da COLUMELLA die zahme und PLINIUS die wilde fas.tinaca mit dem griechischen staphylimis identificieren , so wird, wie DIOSKORIDES angiebt, die pastinaca der Römer unsere Möhre sein. Staphi/linus, daucics, carota und pastinaca werden auch in den Hermeneu- mata des CGLIII als gleichbedeutend genannt.^) Albertus Magnus erwähnt die Mohrrübe unter dem Namen damus (6,328); er hat auch die rote Terminaldolde beobachtet, wie es scheint selbständig, denn seine Beschreibung weicht von derjenigen des DIOSKORIDES ab : „et habet florem coronalem, in cujus medio est flos alius puniceus valde parvus." Im späteren Latein wird das Wort daiicus häufiger, aber es wird nicht nur als gleichbedeutend mit j^^^^i^^aca gebraucht, sondern auch für den Samen von Fenchel und Anis;"'^) die Verbindung daucus creticus'^) ist ins Deutsche als Crecemorensäth übergegangen (Colra. Gloss. 269), aber nicht mehr gebräuchlich. Altere deutsche Namen sind: morach, moi'e, rnöhre. Pastinacas Capitulare 70, 53. Pastinaca sativa L,, Pastinak; nieder- deutsch Pasternak, Balsternak, Moorwötteln (Moorwurzeln). 'EXacpößoOKov Diosk. 3,73; (Tio-apov Diosk. 2,139? Süer Colum. und Plin. ? ; elaphoboscon Plin. 22, 22, 37 ; it. elafo- bosco, pastinaca, pastricciani; fr. panais, pastenade. Die von DIOSKORIDES gegebene Beschreibung und der Umstand, dass die Italiener die Pastinakwurzel noch heute elafobosco nennen, machen es wahrscheinlich, dass DIOSKORIDES mit eXacpößocTKOv wirklich Pastinaca sativa gemeint hat. Man könnte geneigt sein carvitas und pastinacas des Capitulare für gleichbedeutend zu halten; dagegen spricht aber der häufige Gebrauch der Pastinakwurzel in früheren Jahrhunderten, der schon zu Karls des Grossen Zeit seinen Anfang genommen haben kann. Eine Folge der häufigen Kultur in früherer Zeit ist das massen- hafte Vorkommen der Pastinakwurzel in verwildertem Zustande an "Wegrändern und in der Nähe von Gehöften. In Griechenland kennt man sie nicht; in Italien kommt sie selten vor, ebenso hier im Norden, wo sie fast nur noch in den Marschgegenden gebaut wird. Man wendet ihr jedoch neuerdings wieder mehr Aufmerksamkeit zu. ') Kapuuxa pastinaca, bauKOi; pastinaca, aTaqpu\ivo(; pastinaca 317,41,42,43; öTacpuXivoi pastinacae . cariotae 430, 41. 2) CGLiii: dauco . feniculi semen 545,23; daucu . anisi semen 545, PO; cfr. S. 632, Aum. ; — dauco cretico pastenacae semen 589,41; 610,49. ^) Iij der alten Medicin führte Athamanta cretensis L. den Namen Daucus creticus. — 118 — Ob COLUMELLA mit siser die Pastinakwurzel gemeint hat, bleibt zweifelhaft, da er nirgends eine Beschreibung liefert; da er aber mer zweimal unmittelbar neben pastinaca nennt (11, 3, 14 und 35), einmal neben rodit, rapa und napzis (11,3,18), so wird man wohl ein rübeu- artiges Gewächs darunter vermuten dürfen, also vielleicht Pastinaca sativa L. Ähnlich steht es mit dem siser bei PLINIUS, Er unterscheidet ein siser erraticum, d. h. ein wildes, vom sativum, dem gebauten (20, 5, 17), was wohl auf Pastinaca passt, aber nicht auf die Zuckerwurzel (Sium SisarinnL.), wie schon SPRENGEL ausgeführt hat (DiOSKOßlDES, Materia medica, Bd. 2, Leipzig 1830, S. 462). An der genannten Stelle führt PLINIUS an, dass niemand drei Wurzeln von siser nacheinander essen könne, was auch nicht auf die Zuckerwurzel passt. AVenn PLINIUS angiebt (19, 5, 28), dass Tiberius sich siser von der Burg Gelduba am Rhein habe kommen lassen, so könnte das ebensoAvohl auf Pastinak wie auf die Zuckerwurzel passen, und beweist eben nur, dass manche Gemüse in einem kühleren Klima besser gedeihen als in einem heissen. Auf den Umstand, dass PLINIUS neben siser auch noch elaphohoscon nennt (22, 22, 37) und so beschreibt, dass man Pastinaca erkennen kann, darf man nicht viel Ge- wicht legen, denn er hat seine Collectaneen keineswegs immer sorgfältig verarbeitet. Ebenso könnte DIOSKORIDES übersehen haben, dass er die Pastinakwurzel schon einmal als ö'idapov (2, 139) genannt hat. Die hier versuchte Deutung von siser Avird vielleicht bestätigt durch zwei Glossen im CGLlI: siser eibo(g cnacpuXivou 185, 11 und (TxacpuXivou eibo^ siser 436, 56, d. h. siser ist eine Art von staphyliyius; dieser wird aber, wie wir es oben gethan haben, mit pastinaca identificiert (142,48; 436,55), bedeutet also unsere Mohrrübe. Es kann also siser eine besondere Rasse der Mohr- rübe sein, aber ebensowohl eine der Mohrrübe ähnliche Wurzel wie die Pastiuakwurzel. Sium Sisaron L., Zuckerwurzel. Italienisch: sisaro; fr. chervis, girole. Wenn die Alten die Zuckerwurzel vvii-klich gekannt hätten, so würden sie es kaum unterlassen haben, auf die zahlreichen fleischigen Wurzeln aufmerksam zu machen, die diese Pflanze trägt, während die Möhre sowohl wie der Pastinak nur eine einzige solche Wurzel hervor- bringt. MATTIOLI sagt auch (Commentar S. 351), dass Siser in Italien nicht gebaut werde, und dass ihm „diesz Gewächs erstlich ausz Burgundia zukommen sei" (Kräuterbuch fol. 131 A). Im 16. Jahrhundert war die Zuckerwurzel im südlichen, namentlich im südwestlichen Deutschland häufig und führte eine grosse Zahl von Namen. HiERONYMUS BOCK nennt sie Zam Garten Rapuntzel , Gierlein oder Gerlein , MATTIOLI im Kräuterbuch Gritzelmih'lein ; bei TABERNAEMONTANUS führt sie ausser den genannten noch die folgenden Namen: Geyerlein, Girgele, — 119 — Görlein, Klingelrüblein, Klingelmöhren und Zuckerwurtzel , und wird nach ihm von „den Kreutlern" Servüla, Servülum und Chervillum genannt. ChervUlum sieht wie ein entstelltes Cerefolium aus, und in der That wird Cerefolinm althochdeutsch cherullla genannt (Schi. Gl. 258); dieses cher- villa, oder das lateinische chervillum, kann sehr wohl das Stammwort für das französische cherois sein, ebenso wie Girlein oder Görlein dasjenige für girole. Die Franzosen müssten dann die Zuckerwurzel von Deutsch- land aus erhalten haben, was DU PRADEL (nach RÜMPLER, 111. Gemüse- und Obstgärtnerei, Berlin 1879, S. 166) in seinem Thiatre cV agriculture bestätigt. Nach ALPH. de CAN DOLLE ist das Vaterland der Zuckerwurzel im altaischen Sibirien und im nördlichen Persien zu suchen, jedoch wird von anderer Seite auch China und das östliche Asien genannt. Die Pflanze scheint ihren Weg zu uns über Russland genommen zu haben, denn in Griechenland kommt sie garnicht vor; in Italien wird sie wenig gebaut und führt hier den Namen sisaro. Wenn die Italiener die Zuckerwurzel aus Deutschland erhalten haben, so kann hierin der Grund für diese Namengebung liegen: man hat in ihr nachträglich das siser des Tiberius zu erkennen geglaubt. Sellerie, Petersilie und schwarzes Gemüse. Apiiim Capitulare 70, 3 2^; Invent. I, 6; 11,4. Ajnum graveolens L., Sellerie, Epi^ich. XeXivov Theophr. 1,6,6; 7, 6, 3 ; eXeiocreXivov (Sumpfsellerie oder wilder Sellerie) Theophr. 7, 6, 3; Diosk. 3,68; neugr. creXivov. Ajnum 1) Colum. 11, 3, 33; 10, 166 und 371; Plin. 19, 8,37; 19,8,46; 20, 1 1 , 44 etc. ; it. sedano, selleri, apio, apio grande; fr. celei'i. Im heutigen Griechenland wird der Sellerie deXivov (selinon) ge- nannt; es ist daher wahrscheinlich, dass schon im Altertum mit dem- selben Namen dieselbe Pflanze bezeichnet wurde. Ob dieser Gebrauch aber bis HOMER (Od. 5, 72) zurückgeht, der creXivov und Veilchen zu- sammen als Pflanzen einer Wiese nennt, ist sehr fraglich. Wir kennen den Sellerie nur als Gemüse, die Alten brauchten ihn aber auch als Schmuck (Kranz) und unterschieden ausser dem wilden Sellerie auch den ^) Das Apium agreste und rusticmn der späteren Zeit ist kein wilder Sellerie, sondern eine gütige Hahneufussart, Ranuncidus sceleratus L., die an tiefsunipfigen Plätzen wächst und deren erste Blätter eine gewisse Ähnlichkeit mit denen des Selleries haben. Mau scheint die Giftigkeit dieser Pflanze gekannt zu haben, denn sie wird auch herba scelerata genannt; ihr Genuss sollte ein krampfhaftes Lachen hervor- rufen, deshalb nannte man sie Apium risus ; wegen ihres nassen Standortes erhielt sie den Namen Froschkraut (butracion, entstellt aus ßaxpdxiov). Man vergl. CGL in, 536,39; .536,47; 553,27; 608,37; 633,2—8. — Bei Dioskorides (2,206) wird ßaTpdxiov, das verschiedene Hahnenfussarten bedeutet, ae\ivov cxYpiov genannt; wahr- scheinlich stammt das obengenannte Apium agreste ebendaher. — 120 — gebauten mit mehreren Abarten, von denen allerdings einige zu unserer Petersilie gehören dürften. Die älteren deutschen, aus apium entstan- denen Namen sind epJdcIi, eppe, effi etc., epf (KOXRAD VON MEGENBERG 5, 3), und ausserdem Merch oder Merk. Nach den Kräuterbüchern zu urteilen ist im 16. Jahrhundert die Kultur des Selleries, der Apium palustre genannt wird , nur eine sehr geringe gewesen ; sie muss gegen früher zurückgegangen sein. Neuer- dings hat sie einen bedeutenden Aufschwung genommen. ' Petresiliimm Capitulare 70, 31; petresüum, Invent. 1,4; Apium Petroselimim L. (retroselinum sativum Hoffmann), Petersilie, Petersill. ZeXivov, TÖ Kai TTeTpocTeXiVGV Diosk. 3, 70; neugr. luaivtavöc; (v. Held- reich), MöKeöovrjcTi, iLiaiöavö, inupujbid TrexpocreXiva (Fraas). Petroselinon Plin. 20,12,47; it. apio ortense, pjetroselino, prezzemolo; fr. persil. COLCMP]LLA, der kein petroselinum kennt, spricht (11, 3, 33) von einem apium mit breiten (apium lati folii) und einem mit krausen Blät- tern (apium crispae frondis). Auch PLIXIUS erzählt uns von apium mit krausen Blättern (10,8,37 u. 46). Da nun vom Sellerie wohl eine ßasse mit feiner zerschlitzten, aber keine mit eigentlich krausen Blättern existiert, und da in Italien die Petersilie heute noch apio genannt wird, so ist es wahrscheinlich, dass unter dem apium der Alten zum Teil unsere Petersilie mitzuverstehen ist. Das Beiwort apiacon, das der krause Kohl bei CATO erhält (vergl. oben S. 109), lässt sich auch nur verstehen, wenn apium die Petersilie bedeutet. Im 16. Jahrhundert wird apium meist als Petersilie gedeutet; die gewöhnliche heisst Apium hortense, die krause Apium crisjyum. Gegen- wärtig ist die Petersilie ein sehr beliebtes Küchen gewächs, das kaum dem kleinsten Garten fehlt. Ihre deutschen Namen Petersilie, Peterlein etc. sind sämmtlich von petroselinum abgeleitet. Olisatnm Capitulare 70, 30 ; Smyrninm Olusatrmn L.. Pferdeeppich, schwarzes Gemüse, MTTTTOcreXivov Theophr. 1,9,4; 2,2,1: 7,6,3; Diosk. 3,71; neugr. laaupocreXivov, aKuXodeXivov (Praas). Olm atrum Colum. 11,3,36; 12,7,1; Plin. 19,8,48; 20,11,46; it. macer one, smirnio ; fr. ache, maceron. DIOSKORIDES erzählt uns, dass der Pferdeeppich (iTTTTOcreXivov) auch wilder Eppich (dTpiocreXivov), Smyrnium (cr|uupviov) und von den Römern olus atrum genannt werde. Diese Namen wurden nun in den Glossaren den gewaltsamsten Verdrehungen unterworfen, namentlich aber olusatrum, das als olixerus, oleratum, olosatrus, olixatrum, olisatrum etC. er- scheint, so dass man nicht daran zweifeln kann, dass unter dem olisatum des Capitulare das olvsatrum gemeint ist. Diese Pflanze, die bei den Hörnern eine geschätzte Arznei- und Gemüsepflanze war, hat im Mittel- — 121 — alter in Deutschland einen ausgebreiteteren Anbau gefunden als später; ihre Wurzel scheint sogar die Selleriewurzel vertreten zu haben. Später ging ihre Kultur zurück. Das geht auch daraus hervor, dass im 16. Jahr- hundert, z. B. von HIERONYMUS BOCK, die Meisterwurz (Imperatona Ostruthium L.) als das smyrnion und liipposelinon der Alten dargestellt Artischocke und Weberkarde. Cardones Capitulare 70,66; Cynara Cardunculus und Scoli/mus L., Artischocke mit ihren verschiedenen Rassen. K6.KT0C, Theophr. 6,4,10; Kuvdpa Athen. 2,70; neugr, dTKuvdpa. Cinara Colum. 11,3, 14 u. 28; 10,235—241; Carduus Plin. 19,8,43; cactos Plin. 21, 16, 57, nach Theophr.; it. cardo, cardone, carcioso domestico, mazzaferrata ; fr. artichaut (der Blütenkopf), cardon (das Blattstielgemüse, das schon THEOPHRAST unter dem Namen KaKxoq beschreibt). LINNE unterschied die Cardone oder spanische Artischocke (Cy- nara Cardunculus) und die eigentliche Artischocke (C. Scolymus) als zwei verschiedene Arten, aber nach den neuerdings gemachten Erfahrungen betrachtet man die Artischocke als eine Kulturrasse der Cardone, Die Artischocke war bei den Griechen als Speise wie als Heilmittel in Ge- brauch, ebenso bei den Römern. Dass ihre Kultur bei den Römern einen hohen Grad der Vollkommenheit erreichte, geht aus der oben citierten Stelle im 10. Buch bei COLUMELLA hervor; hier werden mehrere Abarten unterschieden, die sich durch Grösse, Farbe und Bestachelung unterscheiden, gerade wie es noch jetzt der Fall ist. Die Artischocke ist zu empfindlich gegen die Kälte, als dass sie das Klima von Norddeutschland ohne besondere Schutzmittel aushalten könnte. Man begegnet ihr deshalb verhältnismässig selten.') Ob das Wort cardones an der oben angeführten Stelle wirklich die Artischocke bedeutet, bleibt zweifelhaft; die meisten Deuter des Capi- tulare sind nicht der Meinung, sondern glauben, dass hier die Weber- karde gemeint ist. Sicher ist diese zu verstehen unter cardones Capitulare 43 ; hier ist von dem zum Spinnen und Weben erforderlichen Gerät die Rede, und zwischen Kamm und Seife passt die Karde recht wohl hinein. Dipsacus fullonum Miller, Weberkarde. AinJttKoq Diosk. 3,11; dipsacus Plin. 27,9,47; it. dissaco, cardo dl panni, cardo da lanajoli, cardo da cardare; fr. chardon ä carder. 1) Die Goldclistel (ökö\u|U0(; Theophr. 6,4,7, Diosk. 3,14; scolymus Plin. 20, 23, 99 u. 21, 16, 56) Scolymus macidaUis L. und S. hispcmicus L., die in den Mittel- meerländern heimisch ist, liefert in ihren jungen Trieben ein wohlschmeckendes Ge- müse, im heutigen Griechenland aoirpäTKaÖa genannt; diesseit der Alpen scheint sie wenig kultiviert worden zu sein. — 122 — Die von DiOSKORIDES gegebene Beschreibung ist vortrefflich und beweist, dass er wirklich die "Weberkarde gekannt hat. Er leitet den Xamen der Pflanze (öivpaKoq, durstig) davon ab, dass sich in den Trögen, welche durch Verwachsung der Basen von je zwei gegenüberstehenden Stengelblättern entstehen, Regenwasser sammelt. Die einzeln an den Spitzen der Aste sitzenden Blütenköpfe (KcqpaXri) vergleicht er mit einem Igel (exivoq). Bei den Alten wurde das Tuch nicht mit der Karde, sondern mit dem Fell des Igels gerauht oder kardätscht (LENZ). Die Kultur und Benutzung der Weberkarde stammt also aus einer späteren Zeit, scheint aber zu Karls des Grossen Zeit schon bekannt und allgemeiner gewesen zu sein. In den Glossaren des CGL III ^) wird sie cardo fuüonicius ge- nannt, also eine Distel, welche die fullones, Walker oder Tuchbereiter, benutzen. ALBERTUS MAGNUS beschreibt die Karde unter dem Kamen ci.rffa pastoris (6, 466), der sich auch bei HiERONYMUS BOCK und bei TABERNAEMONTANUS findet, bei dem letzteren aber die wilde Karde (Dipsacus silvestris Miller) bedeutet;-) die Benutzung der Karde zum Tuchkratzen wird von ALBERTUS ausdrücklich angegeben. ■') Hier im Norden findet sich die Weberkarde in Folge früherer Kultur mehrfach verwildert. — Stammt aus Südeuropa. Weisswurzel und Schwarzwurzel. Tragopogon porrlfoUus L. Bocksbart, Haferwurzel, Weisswurzel. TpaYOTTUJYUJV Theoi^hr. 7, 7, 1; Diosk. 2, 172; neugr. xpixoöpa (Fraas). Tragopogon Plin. 21, 15, 52; 27, 13, 117; it. scorzonera hianca, harha di becca, sassefrica; fr. salsifis, cercivis, barbe de bouc. Was PLINIüS über den Bocksbart sagt, stimmt genau mit dem überein, was wir bei DIOSKORIDES und THEOPHRAST finden ; in diesem Falle scheint sich aber auch DIOSKORIDES etwas energisch auf seinen grossen Vorgänger THEOPHRAST gestützt zu haben. Von THEOPHRAST wird die Wurzel des Bocksbarts, „den einige zu den Gemüsen rechnen", lang und süss genannt; DIOSKORIDES sagt, dass der Bocksbart eine essbare Pflanze sei. Ein sehr allgemein benutztes Gemüse scheint er damals nicht gewesen zu sein, sonst würden wir ihn auch bei CO LUMELLA gefunden haben. — Ob das tragopogon. der Alten gerade die oben- genannte rotblühende Art ist, und nicht etwa der gleichfalls rotblühende ^) Amilia cardo tblinicius 586,30; amilia idest cardo fuUonicius 607, 'il ; aniilia idest cardo fuluicus 616,31; der Name amilia scheint sonst nicht vorzukommen. ^) Virga pastoris wird bei Matthaeus Sylvaticus ausser für Dipsacus auch für den Wegetritt (Polygonum aviculare L.) gebraucht, den er centiiiodia, poligonia, snnguinaria etc. nennt; die letztgenannten Namen kommen auch bei den Schriftstellern des 16. Jahrhunderts für den Wegetritt vor. •■') Die Blütenköpfe werden sehr genau beschrieben; nachher heisst est „Tpsa autem spinositas optime pectit lanositatem pannorum laneorum". — 123 — Tragopogoii crorifolius L., oder gar eine der gelbblühendeu Arten, ist schwer zu entscheiden, aber auch gleichgültig, da die Wurzeln der Tragopogonarten sich ziemlich gleichen. Albertus Magnus beschreibt den obengenannten rotblülienden Bocksbart sehr gut, nennt ihn aber oculus porci (Schweinsauge) und rühmt seine essbare Wurzel. *) HIERON YMUS BOCK beschreibt in seinem Kräuterbuch (fol. 101, vers., fol. 102) einen Bocksbart mit gelben Blumen, den er auch Gauchbrot nennt und dessen süsse Wurzel die Kinder essen. „Bocksbart ist in seiner jugent mit seiner süssen wurtzel ein recht Kuchenkraut zum Sallat, gleich wie andere Spargen." MATTIOLI hat sowohl in seinem Commentar wie in seinem Kräuterbuch einen gelb- und einen rotblühenden Bocksbart; den ersteren nennt er Barhula Mrci, den zweiten Tragojyogon imrpureum; auch er verwendet die Wurzel zum Salat und bemerkt in seinem Commentar (S. 410), dass die Wurzel des rotblühenden Bocksbarts zwar grösser, aber weniger wohlschmeckend sei (adstringens et amariuscula). CAMERARIUS nennt in seinem Hortus medicus (S. 27) einen gelben und einen purpurfarbigen Bocksbart (Barha Mrci) und sagt, dass die zarten Wurzeln zu Salat benutzt würden (Radices tenerae expetuntur in acetariis). Im 16. Jahrhundert scheint der Bocks- bart also viel gebaut oder benutzt worden zu sein : nachher ist er wohl mehr und mehr, wenigstens strichweise, in Vergessenheit geraten. Der aus Südeuropa stammende rotblühende Bocksbart (Tragopogon porrifoUus L.) ist hier im Norden in Folge früherer Kultur gelegentlich ver- wildert, aber ähnliches könnte an einzelnen Stellen mit dem gelbblühen- den Tragopogon pratensis L. der Fall sein ; da die Wurzel dieses letzteren als besonders süss und zart gerühmt wird, so könnte es sich wohl der Mühe lohnen, wieder einmal Anbauversuche mit ihm zu machen; vielleicht könnten seine weissen W^urzeln die Konkurrenz mit den schwarzen der Scorzonera erfolgreich aufnehmen. Die Scorzoner- oder Schwarzwurzel (Scorzonera hispianica L.), auch Schlangenmord genannt, hat MATTIOLI in seinem Commentar zum DIOSKORIDES zuerst beschrieben, wie er ausdrücklich anführt (haec nova est j)]auta, nee puto esse quemquam, qui de ea ante nos scripserit); da C. Bauhin in seinem Pinax hinter Scorzonera jedesmal zuerst Matt. setzt, so wird das schon richtig sein. • Der Name Scorzonera soll nach MATTIOLI von dem spanischen scurzo oder escorzo, das eine Schlange bedeutet, herkommen : die Pflanze galt als ein ausgemachtes Mittel gegen den Schlangenbiss, ja ein Tropfen ihres Saftes sollte eine Schlange zum Erstarren bringen ; abe.r leider ist die Deutung falsch, denn in spanischen Wörterbüchern kommen die angegebenen Namen für Schlange nicht vor. Der Name kommt vom italienischen scorzone, das eine schwarze, ')„.... habens radicem delectabilem, propter quod comeditur, et a porcis in pastum eftbditur". — 124 — giftige Schlange bedeutet. Aus dem Heilmittel M'urde allmählicli ein Nahrungsmittel. MaTTIOLI rühmt die Wurzel als zart und von süssem und lieblichem Geschmack (Kräuterbuch, fol. 317 A). Spargel. Asparagus ofßcinilis L. und verwandte Arten. 'Aö-n-dpaYoq Theophr. 1.10,6; 6,1,3; Diosk. 2, 151; neugr. CTTrapaYTi«. Asparagus Cato 6, 161; Colum. 11, 3. 43—46; Plin. 19, 8, 42; it. asparago, sparaggio; fr. asperge. Der asparagus des THEOPHRAST ist nicht der in unseren Gärten gebaute Spargel, Asparagus officinalis L. , sondern der spitzblätterige Spargel, Asparagus acutifoUus L., dessen Blätter hart und stachlich sind; THEOPHRAST sagt von ihm, dass er Dornen habe, aber keine Blätter. Der spitzblättrige Spargel wächst in Griechenland und Italien wild und seine sehr zarten und wohlschmeckenden jungen Triebe werden in beiden Ländern gern gegessen ; in Italien heisst er sparaghella und asparago salvatico; in Griechenland, wo die Kultur unseres Gartenspargels so gut wie unbekannt ist, geht er, wie noch andere wildwachsende A.rten, Asparagus aphyllus L. und A. horridus L., unter dem Namen Oirapä'j-^xa oder aqpapdYxm. Die wilden Spargelarten werden auch Felsen- oder Berg- spargel (dcr7TdpaY0(; ireTpaio^ Diosk., äaTräpajoc, öpeiog Athen.) und Mäuse- dorn (MudKavGa und juudKavBoq) genannt; als Mäusedorn ist gewiss ge- legentlich auch die jetzt so genannte Pflanze (Ruscus aculeatus L.) zu nehmen , denn ihre jungen Triebe , die den Spargelsprossen täuschend ähnlich sehen, aber grün, dünn und ästig sind, werden noch heute viel- fach gegessen. Unter den wilden Spargeln ist aber, wenigstens in Italien, auch die wilde Form des Gartenspargels zu verstehen, die noch jetzt (z. B. in Südtii'ol) von manchen höher gestellt wird als die zahme; diese ist es, welche bei ATHENAEUS (2, 62 e) Sumpfspargel, dcTTrdpaYOc; e'Xeioq, genannt wird, und dieser Name, auch abgekürzt als e'Xeiog oder eXeio«;, verblieb dem Gartenspargel für die folgenden Jahrhunderte (CGL III, 16,18; 185,50; 317,30 etc.) und wird noch bei MATTIOLI als griechi- scher Name des Spargels angeführt. Bei den Römern hiess der wilde Spargel corruda. Bei den römischen Schriftstellern CaTO, COLUMELLA, PLTNIUS und PalLADIUS finden wir sehr genaue Angaben über die Spargelkultur. Damals machte man die Sache genau so wie jetzt. Nach COLUMELLA werden die aus Samen gezogenen Pflanzen nach zwei Jahren, wenn sich ein ordentliches Wurzelgeflecht (spongia = Schwamm) gebildet hat, versetzt und wenigstens ein Jahr lang geschont, damit die Wurzeln ordentlich fortwachsen können; dann werden die jungen Sprossen abgerissen, nicht abgebrochen oder abgeschnitten, denn man glaubte, dass der sitzenge- bliebene Stumpf die übrigen Sprossen im Wachstum hindere. COLU- MELLA baut übrigens zwei Spargelarten, den Gartenspargel (asparagus — 125 — sativus) und denjenigen, welchen die Landleute corruda nennen, also möglicherweise den spitzblättrigen. CATO, dessen Angaben die ältesten sind und dem die Spargelkultur nach PLINIUS noch neu war (19, 8, 42, repentem ac noviciam viro curam (sc. asparagorum) fuisse), lässt die aus Samen gezogenen Pflanzen 9 bis 10 Jahre stehen ; erst dann setzt er sie um. Es ist immerhin bemerkenswert, dass man heute beginnt dieselbe Art der Kultur anzuwenden, die der erste bekannte Spargel- züchter vor mehr als 2000 Jahren angewandt und beschrieben hat. Die Sjjargel, welche die Alten zogen, standen an Grösse den heutigen nicht nach. PLINIUS erzählt an einer Stelle, wo er sich über die monströsen Erzeugnisse des Gemüsebaues und über Geschmacks- verirrungen ereifert, dass in Kavenna drei Spargel auf ein Pfund gingen (19, 4, 19). Nach ihm gab es aber auch eine „Wildkultur" des Spargels, d. h. eine solche, bei der der Erdboden weder gegraben noch gepflügt wurde; es wurden vielmehr die Spargelsamen direkt in das Röhricht gesäet (19, 8,42: de origine eorum (sc. asparagorum) in silvestribus curis abunde dictum et quomodo eos iuberet Cato in harundinetis seri); hier bezieht er sich auf CATO, de re rustica 6. Bei THEOPHRAST und DIOSKORIDES, CATO und COLUMELLA wird das Wort asparagus ausschliesslich von solchen Pflanzen gebraucht, die der heutigen Gattung Asparagus angehören; bei DIOSKORIDES heisst ein Spargelspross KauXiov, was dem lateinischen caulicidus entsprechen würde. Allmählich bekommt das Wort eine erweiterte Bedeutung: es wird überhaupt für junge Triebe oder Sprossen gebraucht. Schon PLINIUS nennt 23, 1, 17 die jungen Sprossen der Zaunrübe asparagi.^) 100 Jahre später etwa bezeichnet GALEN aber alle jungen Triebe, sie mögen essbar sein oder nicht, als asparagi; denselben Sprachgebrauch finden wir in den folgenden Jahrhunderten und noch im 16. Jahrhundert, z. B. bei HIERONYMUS BOCK, der in seinem Kräuterbuch bei Be- sprechung des Spargels fol. 82 sagt: „Sonst ist der nam Asparagus, oder wie die Athener schreiben, ein gemeiner uame aller kreutter, die da erstmals jre junge Dolden oder bletter herfürstossen." Bei BOCK werden auch zarte Wurzeln „Spargen" genannt (vergl. oben S. 123). Heute kennen wir einen solchen Sprachgebrauch in Deutschland nicht mehr. Ausser den eigentlichen Spargeln werden nur sehr wenig junge Pflanzensprossen gegessen, die dann jedesmal nach der Stammpflanze be- nannt werden; die Sprossen des Hopfens, Hopfenkeime genannt, sind in Süddeutschland sehr beliebt, gelangen aber im nördlichen Deutschland nur selten zur Verwendung. Im Mittelalter ist die Spargelkultur in Deutschland sehr gering gewesen, jedenfalls fehlt es uns an Nachrichten; es ist nicht sicher, ob 1) „Asparagos eius (sc. vitis nigrae) Diocles praetulit veris asparagis in cibo urinae ciendae lienique minuendo." — 126 — der von ALBERTUS MAGNUS angeführte sparac/us (6. 225) wirklich unserem Spargel entsi)richt. Kerbel und Myrrhenkerbel. Cerfolium Capitulare 70.70; Invent. II, 21. Anthriscus Cerefoliiim Hoffmanu, Kerbel, Gartenkerbel. CJiaerephyllum Colum. 11,3,14 und 42; caerefoUum ^\m. 19, 8, 54: it. i-erfoglio, cerfoUo, mescolanza ; fr. cerfeuil, Wir besitzen keine ganz sicheren Zeugnisse dafür, dass die Griechen im Altertum den Kerbel gekannt hätten; das chaerephyllum des COLU- MELLA ist aber ein griechisches AVort, das freilich auch auf italienischem Boden gebildet sein kann. In den Hermeneumata des CGL III kommt nur an einer Stelle (359, 69) die Zusammenstellung cirifolium KripicpuXXov vor, wo das griechische Wort kaum etwas anderes ist als eine Trans- scription des lateinischen. Da man Westasien für die Heimat des Kerbels hält, so scheint es, als ob die Griechen diese gewürzhafte Pflanze nicht gemoclit hätten: im heutigen Griechenland kennt und be- nutzt man sie nicht. Der Kerbel, Körbel, Körffel, in alter Zeit kcruele, wird auch heute noch viel gebaut und kommt nicht selten verwildert vor. Myrrhif< odorata Scopoli, Myrrhenkerbel, Süssdolde. Muppi(; Diosk. 4, 1J6. Murris, myriza, murra Pliu. 24,16,97; it. mirnde, ßnocidella; fr. myrrhis, cerfeuil miisque. Diese Pflanze gehört den Gebirgen von den Pyrenäen bis nach Montenegro an und kommt auch auf dem Appennin vor, sie kann also den Römern sehr wohl bekannt gewesen sein. Ob sie aber identisch mit der myrrhis des DiOSKORIDES ist, bleibt zweifelhaft; denn diese hat „eine längliche, zarte, runde, wohlriechende Wurzel, die angenehm zu essen ist". Nun kann man zwar dem Geschmack der Römer manches zutrauen, aber die Wurzel des Myrrhenkerbels entspricht den angeführten Worten nicht, sie müsste denn schon bei den Römern durch Kultur verändert worden sein. Mit C/taerophyllum bulhosum L., der Kerbelrübe, darf man aber myrrhis auch nicht ohne weiteres identificieren, wie es von TABERNAEMONTANUS geschehen ist; denn die Kerbelrübe gehört dem mittleren Europa von Frankreich bis Asien an und kommt in Italien nicht vor, und wenn sie, was ja keineswegs als unmöglich zu betrachten ist, von Gallien nach Rom gebraclit worden wäre, so würde sich darüber gewiss eine Nachricht erhalten haben. Man könnte endlich noch an Bunium Bulbocastanum L., die Erdkastanie, denken, eine westliche Pflanze, die von England bis Südfrankreich und Italien vorkommt, und von der eine ähnliche Form, Bunium fendaceum Sibthorp et Smith, sich auf der Balkanhalbinsel findet; aber auch auf die knollige Wurzel der Erd- kastanie passt die von DiOSKORIDES gegebene Beschreibung nicht. — 127 — Jedenfalls ist der Myrrhenkerbel aus südlicheren Gegenden nach Norddeutschland gekommen und ist hier unter den Namen welscher oder spanischer Kerbel, Körbel oder Körffel und Myrrhenkerbel früher gebaut und ebenso benutzt worden wie der gewöhnHche Kerbel. Man begegnet ihm mehrfach in der Nähe grösserer Gärten und Gehöfte, aber nicht mehr im Garten selbst. In den AiDotheken führte er früher die Namen Cerefoliimi hispanicum, Myrrhis major und Cicutaria odorata. Spinatpflanzen. Gartenmelde, Malve, Mangolt, Amarant, Spinat; Erdbeer Spina t. Adripias Capitulare 70,54; Ätrijjlex Jwrtensis L., Gartenmelde. 'AvbpäcpaEiq Theophr. 7, 1, 2 u. 3 ; 7, 2, 8; dTpdqpaHig, xpu(To\dxavov ^) Diosk. 2, 145; neugr. Xeirovrid, Xeßouöid; auf Kreta xP^c^oXdxavov. Atriplex Colum. 10,377; 11,3,42; Plin. 20,20,83; it. afrlplice, bietolone, spinacione; fr. arroche, honne dame. Früher eine sehr beliebte Gemüsepflanze, die die Stelle unseres Spinats vertrat ; jetzt ist sie sehr in Vergessenheit geraten , wie man sagt mit Unrecht, und findet sich selten gebaut, meist nur noch in halb- verwildertem Zustande. Ibre Heimat wird man in Südeuropa zu suchen haben. Die wilde Art der Gartenmelde bei DIOSKORIDES und PLINIUS könnte entweder die grüne Farbenvarietät der Gartenmelde selbst sein, die ausserdem auch noch gelb und rot vorkommt, oder aber Chenopodhun altmm L., das auch „Melde" genannt wird. Auch den Guten Heinrich oder Schmerbel, Chenopodium Bonus Henricm L., afs man vor Zeiten, und zwar die jungen Triebe und die Blätter; wahrscheinlich hat man ihn dann auch kultiviert, und dann wäre sein Vorkommen an Dorfstrassen und Schuttplätzen eine Folge seiner früheren Kultur; gegessen wird er in Norddeutsc£land von Menschen nicht mehr, Avohl aber im heutigen Griechenland, wo er wilder Spinat, ttYpia a-rravdKia, heisst. Malvas Capitulare 70,51; Invent. II, 18; Malva silvestrls L. und M. iieglecta Wallroth, Käsepappel, Malve. MaXdxn Theophr. 7,8,1; ^aXdxn KrirreuTn Diosk. 2,144; neugr. jaoXöx«. Malache (oder moloche) Colum. 10, 247 ; malva, altevum genvs : malache Plin. 20,21,84; it. malva salvatica, malva comune; fr. mauve. 1) Das Wort xpuöo\dxavov bedeutet üold-Oemüse ; in den Hermeneumata des CGL ni kommt dies Wort unter den Gremüsen jedesmal vor, dagegen fehlt es in den letzten Glossaren. Dort ist es, wahrscheinlich durch ein Versehen, durch xpucroKÖWa (crissocolla t)31,.ö4 und sonst) ersetzt. Bei Athenaeus (3,111a) bedeutet xpuöOKÖWa ein Gericht aus Leinsamen und Honig. — 128 — Die beiden genauiiten Malven, die vielfach verwechselt wurden und werden, waren früher nicht nur Heilmittel, sondern sie dienten auch, wie noch heute in Griechenland, als Nahrungsmittel : die Blätter wurden als Gemüse gekocht, wie gegenwärtig der Spinat. Sie sind durch andere Pflanzen, wie den Spinat, aus den Gärten verdrängt, und so kommt es, dass man sie wohl an Dorfstrassen und Plätzen, in unmittelbarer Nähe von Gebäuden und Gärten, aber nie im Walde und im freien Felde tiudet; beide stammen ursprünglich aus dem südlichen und mittleren Europa. Die ältesten deutschen Namen sind Pappeln, (babela, heilige HIL- DEGARD 1,97, j^opele, Colm. Gloss. 79, 454), Käsepappeln ; plattdeutsch Kattenkes (Katzenkäse). Einige haben die Stockrose, Althaea rosea Cavanilles, in den malvas des Capitulare erkennen wollen, aber sehr wahrscheinlich mit Unrecht, denn bei den Schriftstellern des Altertums findet sich nichts, was sich mit Sicherheit auf die Stockrose beziehen liesse. Die Malve (juaXdxn) des THEOPHRAST, die baumförmig wird (dirobevöpoÜTai, 1,3,2; 1,9,2), wird zu den Gemüsen gerechnet (1, 9, 2), ist also entweder Malva sil- vestris L., die bei einiger Pflege eine grosse Höhe erreicht, oder die Lavatera arhorea L. (neugr. bevöpO|uo\öxa), die in Griechenland wild wächst und in Gärten kultiviert wird und nach Y. HELDREICH dieselbe Be- nutzung findet wie Malva silvestns. Nach DiOSKORIDES (2, 144) wurden beide von ihm angeführten Malvenarten, die zahme und die wilde, ge- gessen, hier kann also auch nicht von der Stockrose die Rede sein. Bei ALBERTUS MAGNUS (6, 378) wird unter dem Namen malva die niederliegende Malva neglecta Wallroth beschrieben; von einer baum- förmigen Malve (arbor rnalvae) ist schon früher (1, 161) die Rede. Da diese aber geradezu die Blätter der kleinen Malve hat (habet' directe folia malvae parvae), so wird man nicht an die Stockrose denken dürfen, sondern vielmehr aii Malva dlvestris; über den Gebrauch des Wortes arbor dachte man damals anders als jetzt. Erst im 16. Jahrhundert begegnen wir der Stockrose mit Sicher- heit. HIERON YMUS BOCK nennt sie Herbst- oder Ernrosen, auch Rö- mische Pappeln ; dieselben Namen finden sich bei TaBERNAEMONTANUS und MATTIOLI. BOCK berichtet auch, dass die Stockrose zu Metz Rosa nltramarin genannt wurde. Zahlreiche Farbenvarietäten werden schon aufgeführt, aber es wird auch hervorgehoben, dass die Pflanze nicht von selbst gedeihe, sondern der Pflege bedürfe. Das Bestreben, alle Pflanzen des Gartens bei den Alten wieder- finden zu wollen, hat die Frage nach der Herkunft einer Pflanze erst sehr spät aufkommen lassen, manchmal erst zu einer Zeit, wo man schon vergessen hatte, dass sie überhaupt als Fremdling eingewandert war. Wahrscheinlich ist es mit der Stockrose so ergangen. Da sie erst im 16. Jahrhundert mit Bestimmtheit nachzuweisen ist, so gehört sie viel- — 129 — leicht zu den Pflanzen, die durch Vermittelung der Türken nach Europa gekommen sind. Der Umstand, dass sie jetzt in Griechenland, wo sie ebenso wie Lavatera arborea öevöpo|uoX6xa genannt wird, scheinbar wild vorkommt , spricht nicht notwendig gegen unsere Ansicht : eine Zier- pflanze kann recht wohl in Griechenland verwildern, ohne es bei uns zu thun. Betas Capitulare 70, 48 ; Invent, II, 5 ; Beta vulgaris L., Runkel- rübe, Mangolt, Rote Beet, Rote Rübe. TeurXiov Theophr. 7,2,6; 7,4,4; TeöiXov Diosk. 2,149; ö'euxXiov, creÜTXov ; neugr. xd ö'edKouXa , decTKXa und deuKouXa (Gemüsepflanze, Mangolt) ; rd KOKKivoYouXia, TiaviZidpia (rote Rüben). Beta Colum. 10, 254 u. 326, Plin. 19, 8,40; it. hietola, hietola hianca, hietola rossa; fr. bette, poirSe. Von welcher Pflanze die verschiedenen Rassen der Runkelrübe stammen, ist noch nicht mit absoluter Sicherheit entschieden, aber alle scheinen sich darin einig zu sein, dass die Küsten des Mittelmeeres und eines Teiles des atlantischen Oceans als Heimat der Stammpflanze anzusehen sind. Schon die Alten kannten Runkelrüben mit weissen und mit roten oder dunklen Blättern und Wurzeln (leurXiov XeuKÖv und |ueXav, THEO- PHRAST; ähnlich bei DIOSKORIDES und PLINIUS); sie afsen sowohl die Blätter als die Wurzeln. Beides geschieht auch noch jetzt. Die Pflanze, deren Blätter als Gemüse gegessen werden, pflegt man Mangolt zu nennen; ein althochdeutscher Name ist bieza (GRAFF, Spr. 3, 233). Die verschiedenen Pflanzen, deren Blätter als Gemüse (Spinat) gegessen werden, die Spinatpflanzen, wurden nun schon sehr früh mit- einander verwechselt. So finden wir für beta die deutschen Namen Kraut, Kohl, römischer Kohl und Melde ; ferner werden beta (peta) und blüum- oder blitus als gleichbedeutend behandelt (ALBERTUS MaG-NUS 6, 292), und diesem Umstände ist es wohl zuzuschreiben, dass statt beta auch bleta ^) geschrieben wird (Königsb. Gloss.). Endlich wird beta mit britanica identificiert (Colm. Gloss. Bertannica bete 116 ; Brittannica bete 146) ; dies Wort bedeutet den Wasserampfer (Rumex aquatictis L.), der früher bei uns gegessen zu sein scheint. Blidas Capitulare 70, 55 ; Amarantxis Blitum L., Amarant. BXixov Theophr. 1, 14, 2; 7, 1,2; 7, 2, 8; ßXfirov Diosk. 2,143; neugr. tö ßXirov und rd ßXira. Blitum Plin. 20,22,93 und sonst; it. blito, biedone; fr. poirie. Der iVmarant stammt wahrscheinlich aus dem südlichen Europa 1) Im Colmarer Glossar steht Bleta sture (121) ; das Wort sfwr bei der heiligen Hildegard (1, 197) könnte also vielleicht beta bedeuten ; es wird aber häufiger hlitus durch stur übersetzt (Sum. 21, 37 ; 54, 49 ; Königsb. Gloss.), und es ist wahrscheinlicher, dass bei der heiligen Hildegard Blitum gemeint ist. V. Fischer- BeNZON, altd. Gartenflora. 9 — 130 — und den östlichen Mittelmeerländern. Früher wurde er vielfach gebaut. Sein ältester deutscher Name scheint stur oder sture zu sein (Königsb. u. Colm. Gloss., Sum); im 16. Jahrhundert hiess er Meier, Meyer; aber mit dem Aufhören seiner Kultur sind diese Namen in Vergessenheit geraten. In Deutschland kommt er wohl nur noch als Ruderalpflanze vor. Im 16. Jahrhundert wurden auch rot- und buntblättrige Arten des Amarants unter dem Namen Blitum, Blitum rubrum gebaut (CAME- RARIUS, Hortus medicus S. 29; TABERNAEMONTANUS 2, S. 147). Durch diese Arten wurde die Verwechselung mit Mangolt und Gartenmelde noch befördert. Alle bisher genannten Spiuatpflanzen wurden mehr und mehr bei Seite gedrängt durch den Spinat, Spinacia oleracea L., dessen Heimat der Orient und das Innere Westasiens ist. Die Alten kannten ihn nicht. Zum ersten Male erwähnt finden wir ihn bei ALBERTUS MAGNUS (6, 434), der ihn oder seine Blätter sjnnachia nennt, und der auch seine stacheligen Früchte kennt. Im 16. Jahrhundert hiess er lateinisch SpinacJiia und Spinacia, deutsch Spinat und Binetsch. Der persische Name des Spinats, aspanahh, isfanädj oder isßnädj ist fast unverändert ins Neugriechische übernommen, id (JiravaKia, und bildet gleichfalls die Grundlage für das italienische spinace und das französische epinard (ur- sprünglich espinaces; durch falsche Etymologie unter Anlehnung an epine, Stachel oder Dorn, wurde daraus Spinard). — Auf welchem Wege der Spinat nach Europa gekommen ist, wissen wir zur Zeit nicht genau; es ist nicht unmöglich, dass die Kreuzfahrer ihn mit heimgebracht haben. Man hat auch den Versuch gemacht, die hlidas des Capitulare zu deuten durch Blitum virgatum L., den Erdbeerspinat. Hierbei hat man aber übersehen, dass diese Pflanze erst seit den letzten Jahren des 16. Jahrhunderts, ja in weiteren Kreisen erst seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts bekannt geworden ist. Die erste Nachricht darüber finden wir bei CAROLUS CLUSIUS in sehier „Rario- rum Plantarum Historia«, Antwerpen 1601, S. CXXXV.^) CLUSIUS giebt eine gute Abbildung von der Pflanze, die er Atriplex sylvestris haccifera nennt, also „Beeren tragende wilde Melde". Er bemerkt, dass er diese zierliche (elegans) Pflanze in Si^anien während seiner Reise nicht bemerkt habe, sie sei ihm aber von seinem Freunde Jacob Plateau, der sie aus spanischem Samen gezogen habe, in getrocknetem Zustande nach Frankfurt geschickt, begleitet von einer Zeichnung und einer Be- schreibung. Eine ähnliche Pflanze versichere der Arzt Wilhelm von Mera im Jahre 1593 in Tirol gefunden zu haben; diese sei Ende August mit Früchten überladen gewesen, die durch ihre Schönheit fcirm- ') Das Buch hat zwei verschiedene Paüinieruugen: S. 1— 3K4 uiufasseii die 3 ersten Bücher, S. I— CCCLVIII die letzten. — 131 — lieh zum Essen eingeladen hätten. Ausserdem sagt CLUSIUS, dass er in Leyden (wo er seit 1593 Professor der Botanik war) Exemplare der Pflanze besässe, die im Jahre 1595 aus Samen aufgegangen seien, den er aus der getrockneten spanischen Pflanze herausgeschüttelt habe; die jungen Pflanzen hätten den Winter überdauert und im folgenden Jahre üppig Früchte getragen, wären aber bei Beginn des Herbstes vertrocknet. In seiner Pinax Theatri botanici von 1623 nennt C. BAUHIN die Pflanze Atriplex sylvestris mori fructu, wilde Melde mit Maulbeer- (oder Himbeer-) fruchten, also Maulbeermelde; als einziges Synonym giebt er den oben angeführten Namen von CLUSIUS an. Da C. BAUHIN über eine ausserordentliche Litteraturkenntnis verfügte, so dürfen wir an- nehmen, dass vor CLUSIUS niemand die Pflanze erwähnt hat, wenigstens nicht so beschrieben hat, dass man sie hätte erkennen müssen. Yon Leyden aus hat der Erdbeerspinat dann, wie so viele andere Pflanzen, seine Wanderung in die botanischen Gärten Europas, und von da in die Privatgärten angetreten. Die Alten haben den Erdbeerspinat nicht gekannt, denn eine Melde, die maulbeerartige Früchte trägt, wäre ihrer Aufmerksamkeit sicher nicht entgangen. Da die Kräuterbücher ihn aber auch nicht zu erwähnen scheinen, so kommt man zu dem Schluss, dass er überhaupt keine europäische Pflanze sein kann. Aber woher ist er gekommen? Kreuzkümmel, Kümmel und Schwarzkümmel. CimliiUDi Capitulare 70, 12; Cuminum Cyminum L., Römischer Kümmel, Kreuzkümmel, Pfeiferkümmel. Küuivov Theophr. 7, 3, 2 und 3; ku)uivov tö ii|uepov Diosk. 3,61; neugr. kujuivo. Ciimlnum Colum. 10, 245; cymimim Colum. 7, 13, 2; cuminum Plin. 20,15,57; it. comino, cimino; fr. cumin. Der römische Kümmel oder Pfefi'erkümmel, in alten Zeiten kernen, coinyn etc. genannt, hat im Norden Deutsehlands einen besonderen An- bau kaum jemals erfahren; in Mittel- und Süddeutschland scheint es mehr der Fall gewesen zu sein. In Italien und Griechenland werden die Samen vielfach aus dem Orient bezogen. War früher eine sehr geschätzte Arzneipflanze. Careium Capitulare 70, 14; Carum Carvi L., Kümmel. Kdpo? Diosk. 3, 59. Careum Colum.; Plin. 19,8,49; it. carvi, comino tedesco ; fr. car'vi. Zum Unterschiede vom Kreuzkümmel ist dieser Kümmel auch Feldkümmel, Wiesenkümmel etc. genannt worden. Er wird in Nord- deutschland viel als Brotwürze benutzt, gelegentlich auch seiner Wurzeln wegen gebaut. Die Art seines Vorkommens in der Provinz Schleswig- Holstein macht es wahrscheinlich, dass er dort nicht inländisch, sondern — 132 — eingeführt ist; das Klima bekommt ihm jedoch sehr gut und er droht stellenweise, wie in der Marsch, ein gefährliches Wiesenunkraut zu werden. Git Capitulare 70, 25 ; Nigella sativa L., Schwarzkümmel. MeXdvöiov Diosk. 3, 83 ; neugr. luaupocrnaaiuov, luaupoKOUKKi. Melanthium Colum. 10,245; git Golvim. 6,34,1; Plin. 20,17,71; it. gittone, nigella, nigella nuda, cominella, melanzio domestico; fr. nielle. Der Schwarzkümmel wird in Griechenland noch heute gemischt mit Sesamkörnern auf Brot gestreut. Schon DIOSKORIDES giebt an, dass der Same ins Brot geknetet wurde, und als Brotwürze ist er auch noch später benutzt worden, wie aus dem alten Namen „Brodtwurz" hervorgeht. Später hat man diese Anwendung mehr und mehr vergessen. Im 16. Jahrhundert heisst der Schwarzkümmel schwarzer Koriander; ausser Melanthium und Git wird er auch Nigella genannt. Wie schon TABERNAEMONTANUS klagt, ist der Same des Schwarz- kümmels mit dem der Kornrade (Agrostemma Githago L.) vielfach ver- wechselt worden, wahrscheinlich weil Git oder Gith und Nigella beide mit Raden (d. h. Unkraut) übersetzt wurden (Königsb. und Colm. Glossar). ALBERTUS MAGNUS beschreibt unter nigella (6, 396) unverkennbar die Kornrade Agrostemma Githago L. (vergl. oben S. 85); dagegen ist die ratde der heiligen HILDEGARD (1, 12), die dem Menschen Kopfschmerzen macht, dem Vieh nichts nützt, aber auch nicht viel schadet, und die schliesslich als Fliegengift empfohlen wird, der Taumellolch, Lolium temulentum L. Fenchel, Dill, Anis und Koriander. Fenicolum Capitulare 70, 36 ; Anethum Foeniculum L., Fenchel. MdpaBpov Theophr. 6, 1, 4; Diosk. 3, 74; neugr. ludpaBpov, der Same jLiapaöpocTTTopoq. Foeniculum Colum. 6,5,2, auch marathrum 12, 35; feniculum Plin.; it. fmocchio, ßnocchio dolce, finocchione; fr. fenouil. Der Fenchel wird in Süddeutschland noch viel gebaut ; dort werden seine Samen auch als Gewürz an das Brot gethan. In Norddeutschland sind diese Samen nie sehr beliebt gewesen , wohl aber gehören seine Blätter zu den Kräutern, die an die Aalsuppe gethan werden. Als Heilmittel war der Fenchel früher sehr geschätzt; TABERNAEMONTANUS braucht mehr als zwölf Folioseiten, um seine Heilkräfte und die aus ihm bereiteten Arzneimittel zu schildern. Anetum Capitulare 70, 35 ; Anethum graveolens L., Dill. "Avneov Theophr. 7, 1, 2 u. 3 ; 7, 3, 2; Diosk. 3, 60, d'vneov tö ecrBi- ö)aevov; heisst jetzt noch bei den Griechen dvriGov. Anethum Colum. 10,120; 11,3,42; anetum Plin. 19 und 20 an vielen Stellen ; it. aneta, aneto, neto ; fr. anet. — 133 — Stammt aus Südeuropa und kommt in Griechenland in einer klei- neren Abart wildwachsend vor (Anethum segetum) ; aus den Apotheken ist der Dill verschwunden, wird aber in den Gärten sehr viel gefunden, wo er sich meist selbst sät. Anesiim Capitulare 70, 19; Pimpinella Anisum L., Anis. "AvicTov Diosk. 3, 58 ; neugr. xXuKdvKTov und dvicrov. Anisum Aegyptiacum Colum. 12, 15, 3; 12, 51, 2; animm Plin. 20, 17, 72; it. aniso, granelli d'anice; fr. anis. Eine früher sehr beliebte, aus dem Orient stammende Nutzpflanze, die teils als Arzneimittel, teils als Gewürz in der Küche benutzt wurde. Spuren ihrer Kultur hier im Norden haben sich nicht erhalten. Coriaiidrum Capitulare 70, 69 ; Invent. II, 22 ; colicmdrum Invent. I, 15 ; Coriandrum sativum L., Koriander. Kopiavvov Theophr. 7,1,2; 7,5,4; KÖpiov Diosk. 3,64; neugr. Kouaßapdq, Kopiavöpov, KoXiavbpov. Coriandrum Colum. 6,33,2; 10,244; 11,3,29; Plin. 20,20,82; it. coriandolo, coriandro ; fr. coriandre. Der Koriander hat seinen lateinischen Namen im Deutschen fast unverändert behalten. Früher wurde er in der Apotheke viel gebraucht und scheint auch in Apothekergärten kultiviert worden zu sein, von wo aus er gelegentlich verwildert gewesen ist, ohne sich jedoch zu halten. In Gärten begegnet man ihm nicht. — Die sogenannten Aniskügelchen, die früher in den Apotheken gehalten wurden und jetzt bei den Kon- ditoren zu verschwinden beginnen , enthalten keinen Anis , sondern Koriandersamen. Würzpflanzen aus der Familie der Labiaten. Salbei, Muskatellersalbei, Basilikum, Bohnenkraut, Thymian, Majoran, Lavendel, Eos mar in, Melisse und Ysop. Salviam Capitulare 70,5; Invent. 1,8, 11,9; Salvia offieinalis L., Salbei, „smalln Sofie". 'E\eXi(79aKog, acpaKO^ Theophr. 6,1,4; 6,2,5; Diosk. 3,35; neugr. aXicpaCKrid (v. Heldreich). Elelisphacos, sphacos, salvia Plin. 22,25,71; it. salvia; fr. sauge. Der Name eXe\iO"(paKoq bei THEOPHRAST bezieht sich wahrschein- lich nicht auf unseren Salbei, Salvia offieinalis L., sondern auf andere in Griechenland wachsende Arten, wie Salvia calycina Sibthorp und S. triloba L. Da COLUMELLA keinen Salbei kennt, so scheint er erst spät Kultur- pflanze in Italien geworden zu sein. In Deutschland fand er sich früher fast in jedem Garten und wurde als Gewürz- und Heilpflanze sehr ge- schätzt ; sein gewöhnlicher lateinischer Name war salvia ; bei der heiligen HILDEGARD heisst er auf deutsch selha (1, 63) , bei KONRAD VON MEGENBERCt salvei (5, 76). — 134 — Sclareiam Capitulare 70, 72; Invent. 11,13. Salvia Sclarea L., Muskatellersalbei, Muskatellerkraut, Gartenscharlach ; daneben auch Salvia Horminum L., Scharlachsalbei. "Opmvov Diosk. 3, 135.^) Der Muskatellersalbei wird von den Italienern mit sehr vielen Namen bezeichnet : erha moscadella, erba san Giovanni, gallitrico, scarlea, scarleggia, sclarea etc. ; der Scharlachsalbei heisst bei ihnen gallitrico und ormino. Beide Pflanzen sind früher vielfach als Arzneimittel benutzt worden. Von der ersten führten die Apotheken Herha Sclareae s. Hor- mini sativi s. Gallitrichi, von der zweiten Herha Hormini s. Gallitrichi. Daneben wurden beide als Würze für Bier und Wein verwendet. Ver- wechselt sind beide Pflanzen auch, wie schon die Namen zeigen. Ihre Verbreitung in den Gärten scheint verschieden zu sein, doch ist bisher nicht genügend darauf geachtet worden ; der Muskatellersalbei scheint nicht sehr weit nach Norden vorgedrungen zu sein. Das Wort sclareia oder scharleye (Scharlach) wird ausser den beiden obengenannten Pflanzen noch verschiedenen anderen beigelegt; im Königsberger Glossar und vielleicht auch in den Sumerlaten (bofrago, scarleige 55, 14) wird damit Borrago ofßcinalis L., der Boretsch, bezeichnet, der den Namen Scharleye sonst nicht zu führen pflegt. ALBERTUS MAGNUS, der ihn horago nennt, giebt von ihm eine sehr eingehende und merkwürdige Beschreibung (6, 291). Der Boretsch stammt aus dem Orient und wurde früher viel gebaut; seine Blätter schmecken nach Gurken und werden deshalb noch vielfach gehackt und unter den gewöhnlichen Salat gemischt. Ocimum Basilicuni L., Basilikum, Basilie. "Qkijuov Theophr. 7,3, 3 und 4; Diosk. 2,170; neugr. 6 ßacri\iKÖ(;. Ocimum Colum. 11,3,29, Plin. 19, 6 an vielen Stellen und sonst; it. bassilico; fr. basilie, herbe royale, oranger des savetiers. Der Name Basilicum (ßaaiXiKÖq, königlich) deutet schon an. in welchem Ansehen diese Gewürzpflanze seit alten Zeiten gestanden hat. Sie wird in sehr vielen Spielarten gezogen; ausser der oben genannten Art kommt auch noch das kleinere und besonders wohlriechende Ocimum minimum L. vor. Beide werden schon bei ALBERTUS MAGNUS (6, 293) unter dem Namen basilicon erwähnt. Da die Pflanze aus Indien stammt, so ist ihre Kultur mit Schwierigkeiten verbunden, wie schon TABERNAE- MONTANUS angiebt; sie ist deshalb mehr Topfpflanze als Gartenpflanze gewesen, kommt aber noch hier in der Provinz als Gartenpflanze -) vor, ^) Das öpiaivov des Theopukast (8,1,4; 8,7,3) kann nach dem, was darüber gesafrt wird, eine Salbeiart nicht sein, ebensowenig das horminum des Plinius (18, 10,22; 22,25,76), der offenbar von Theophkast abgeschrieben hat. ^) Das Basilikum, das zu den sogenannten Aalkräutern gehört, ist auf dem Gemüsemarkte Kiels selten und theuer, weil es hier keine Samen reift, der Samen also jedes Frühjahr neu bezogen werden muss. — „Aalkräuter" werden mehrere ge- — 135 — namentlich in der Elbmarscli, wo sie den Namen „Briimsilk" (Ent- stellung aus Basilicum) führt. Satureiam Capitulare 70, 40; Invent. I, 9 ; II, 10; Satureja hortensis L., Bohnenkraut, Saturei, Köll, Pfefferkraut. Satureja Colum. 10,233; 11,3,57; thymhra vel cunila nostras (quam saturejam rustici vocant) Colum. 9, 2, 4 und 6; cunila, satureia Plin. 19, 8, 50; it. coniella, cunüia, santoreggio; fr. sarriette. Das Bohnenkraut kommt in Griechenland, wie es scheint, nicht vor, ist aber in Italien häufig und hat von dort seine Wanderung in unsere Gärten angetreten. Bei der heiligen HILDEGARD heisst es satereia (1, 155), bei ALBERTUS MAGNUS (6,449) satiiregia, bei KONRAD VON MEGENBERG saturegia und veltisp (5, 73); in den Glossaren wird es ausser satureia auch conula, deutsch conele, und timhra genannt. Es ist noch immer ein Gartengewächs, das als Würze an mancherlei Speisen benutzt wird. Möglich ist es, dass die thymhra (Guiußpa) des DIOSKORIDES hier- her gehört, aber es lässt sich nicht mit Sicherheit entscheiden. Nach Ausweis der Glossare ist das Bohnenkraut mit anderen Gewürzkräutern aus der Familie der Labiaten, wie Thymus und Origanum, verwechselt worden, die genannten beiden wieder mit anderen. Thymus vulgaris L., Garten-Thymian. 0UMOV Theophr. 6,2,3; eu^io? Diosk, 3,38. Thymum Colum. 11,3,39, Plin. 21,10,31; it. timo; fr. thym. Stammt aus Südeuropa und ist gegenwärtig eine weit verbreitete und beliebte Gewürzpflanze, die bei uns allerdings nicht die Grösse er- reicht wie in ihrer Heimat. — Der Peldthymian heisst bei den Griechen epTTuXXog, bei den Römern serjyyllum; beide galten als gutes Bienenfutter. Besonders interessant sind THEOPHRASTS Bemerkungen über den Feld- thymian (6, 7, 2 und 5). Origanum Majorana L., Majoran. 'AjLidpaKoq Theophr. 6, 7, 4; (jd|uipuxov, d|udpaK0v Diosk. 3, 41 ; neugr. laaviZioupdva. Sampsucum, arnaracus Colum. 10, 171 und 296; amaracum, sampsuchum Plin. 21,11,35; it. amaraco, maggiorana, samsuco; fr. marjolaine. Der Name Majoran scheint erst relativ spät aufgetreten zu sein (Albertus Magnus 6, 384: maiorana), ist aber, wenigstens in Deutsch- würzreiche Kräuter genannt, die in gehacktem Zustande einen Bestandteil der „Ham- burger Aalsuppe" bilden; dahin gehören ausser Basilikum noch Fenchel, Kerbel, Majoran, Melisse, Petersilie, Pimperneil (oder Biberneil, Poterium Sanginsorha L., im 16. Jahrhundert klein welsch Bibernellen, klein Sperbenkraut und Phnpinella italiea minor genannt), Portulak, Raute, Thymian, Trippmadam (Sedum reflextim L.), Sauerampfer und Schnittlauch. — 136 — land, gegenwärtig der allein gebräuchliche. Der Majoran stammt aus Nordafrika und kommt deshalb in Griechenland und Italien auch nur kultiviert vor. Der Majoran wurde mit Arten von Lavendel^) verwechselt, ursprüng- lich vielleicht mit Lavandula Stoechas L., dem schopfigen Lavendel (cfTO\xö.c, Diosk. 3. 28), der in Griechenland und Italien wild wächst. Das Wort stycados bei ALBERTUS MAGXUS (6, 433), ebenso wie sticados im Königs- berger Glossar, sind dem griechischen Worte (Jtoix«? oder ö'Tixa? nach- gebildet; die von ALBERTUS MAGNUS gegebene Beschreibung passt aber schon recht gut auf Lavandula Spica L., den gewöhnlichen Lavendel unserer Gärten. Dieser scheint den Alten nicht bekannt gewesen zu sein, oder er ist von ihnen unbeachtet geblieben, obgleich er in Südeuropa zu Hause ist. Bei der heiligen HILDEGARD (1, 35) heisst er lavendida. Im 16. Jahr- hundert war er schon sehr bekannt und Avurde in verschiedenen Arten und Spielarten gezogen. Am häufigsten ist wohl die schmalblättrige Art (Lavandula officinalis Chaix), die früher kaum einem einzigen Bauern- garten Norddeutschlands fehlte und auch in städtischen Gärten häufig war. Die ßlütenähren wurden mit den getrockneten Blättern der Oeuti- folie schichtweise in Vasen gebracht und Kochsalz und Gewürz dazwischen gestreut; die so erhaltene Masse, „Potpourri", war ein beliebtes Räucher- mittel, das im Winter auf den heissen Ofen gebracht, die Zimmer mit einem feinen und angenehmen Duft erfüllte. — Der Lavendel wird im heutigen Griechenland unter dem Namen Xeßdvia kultiviert. Kosmariuum Capitulare 70, 13; Rosmarinus ofßcinalis L. Rosmarin. AißavujTig, i^v Puj)uaioi KaXoücri po(;)uapivou|u Diosk. 3, 79; neugr. öevöpoXißavov. Ros marinus Colum. 9, 4, 2 und 6; ros marinum Plin. 24,11,59; it. ramerino, rosmarino ; fr. romarin, lihanotis, anthos.-) Den Weihrauch nannten die Griechen Xißavog und XißavuuTÖi;, den Weihrauchbaum öevöpoXißavoq; eine Doldenpflanze, deren Wurzel wie Weihrauch riecht, heisst bei THEOPHRAST (9,11.10) XißavuuTiolla, einem Diminutivum von cepa, nachgebildet. Da von der unio bei COLUMELLA (12, 10, 1) ausdrücklich gesagt wird, dass sie sich nicht spaltet und keine Brutzwiebeln ansetzt, so ist es falsch, wenn man sie als Winterzwiebel deuten will, wie es von KERNER und MEYER geschehen ist. Nach dem, was bei der Schalotte gesagt ist, muss ascalonias cepas etc. auch eine Rasse der Sommerzwiebel sein ; es ist dabei ziemlich gleicligültig ob man ascalonias oder scalonias mit cepa verbinden will oder nicht. Die Sommerzwiebel wurde früher ebenso wie jetzt in zahlreichen Spielarten kultiviert. Für uniones kommt im späteren Griechisch das Wort KOUKOußai (DU Gange) und KaKOußai (CGLEII, 359, 36) vor, das sich nicht weiter erhalten hat. Allium fistulosum L., Winterzwiebel. Neugr. TTiKpd Kpo|a|Liubia (Fraas); fr, ciboule. Ihre röhrigen Blätter werden im Frühjahr abgeschnitten und er- setzen dann frische Zwiebeln. Gegenwärtig wird sie viel weniger gebaut als die Sommerzwiebel. Sie kann in dem cepa des Capitulare mit ein- begriffen sein, aber sicher ist es nicht. Vielleicht kannte man sie schon im Altertum.') Das Kpömuuov (Jxi- (TTÖv des THEOPHRAST (7, 4, 7) Hesse sich so deuten, mit mehr Eecht viel- leicht noch das THTeiov oder YnGuov (7, 1 u. 7, 4), von dem THEOPHRAST sagt, dass es hohlblättrig sei (l, 10, 8) und dass es mehrfach geschoren werde (7, 4, 10). PLINIUS wiederholt ziemlich genau das von THEO- PHRAST Gesagte und bemerkt, dass diejenige Zwiebel, die bei den Griechen getion heisse, bei den Römern pallacana genannt werde (19, 6, 32). Bei COLUMELLA giebt es nichts, was sich auf die Winterzwiebel be- ziehen Hesse. Der Anbau der Winterzwiebel lässt sich im Mittelalter nicht mit Sicherheit nachweisen, aber auch im 16. Jahrhundert hat es noch ') Alpü. DK Canuoi-i-k bemerkt (KulturpHanzeu S. 86), »lass die Alteu die Wiuterzwiebel nicht kannten, und beruft sich dafür auf das Zeugnis von Lenz.' Dieser führt aber an der angezogenen Stelle (Botanik der Griechen uud Römer S. 295) die Wiriterzwiebel unter denjenigen Alliumarten auf, die iU'ü Alten bekannt waren oder bekannt gewesen sein konnten. — 141 — Schwierigkeiten ; indessen lassen sich die von MATTIOLI im Commentar S. 420 abgebildeten Caepa sectilis und Caepa ßssilis recht wohl als Winter- Zwiebel deuten. Britlas Capitulare 70,59; hrittolas Invent. 11,26; Allium Schoeno- prcmim L., Schnittlauch; Brisslauch. Porrum sectivum, alterum genus Plin. 19, 6, 33. Fehlt in Griechenland, heisst in Italien allio di serpe, cipollina, erba cipollina, porro settile; fr. cihoulette, civette. Ist in Italien noch heutigen Tages sehr beliebt. Obgleich die Pflanze in Deutschland an verschiedenen Stellen vorkommt und daselbst als inländisch betrachtet wird, ist ihre Kultur doch erst von Italien aus zu uns gekommen. Sie heisst bei den Vätern der Pflanzenkunde porrum sectivum, sectile oder tonsile, was unserem Schnittlauch genau entspricht. In den Glossaren des CGL III wird hrittola ^) erklärt durch cepa (dpa oder ciba) minuta (587,49; 608,40) und cibtda oder cibulla; beides bedeutet eine kleine Zwiebel; sniteloch und snitelouch kommen schon im 11. Jahrhundert als Übersetzung von pretula nnd brittula Yor. DsiS pries- lauch bei der heiligen HILDEGARD (1, 82) wird wohl als Schnittlauch zu deuten sein, ' der später, z.B. bei TABERNAEMONTANUS, Brifzlauch heisst. Der Schnittlauch gehört im nördlichen Deutschland zu den be- liebtesten Laucharten und wird auch in Bauerngärten in Reihen und in Büscheln kultiviert. Porros Capitulare 70,60; ■porrum Invent. I, 11 und II, 23. Allium Porrum L. Porree, Lauch. TTpdcTov Theophr. 7,1; 7,2; 7, 4 mehrfach; Diosk. 2,178; neugr. Tot Trpdaa. Porrum Colum. 6, 4, 2; 11, 3, 30; Plin. 19, 6, 33; it. porro, porretta; fr. poirau, porreau. Die Alten unterschieden zwei Arten: Tipdö'ov KeqpaXujTÖv und TTpdaov KapTÖv, oder porrum capitatum und porrum sectivum. Die erste entspricht unserm gewöhnlichen Porree, der wegen seiner Zwiebel (KeqpaXii, caput) ebenso wie jetzt geba,ut wurde. Über die zweite Art wissen wir nicht sehr viel; sie wurde mehrmals geschoren. Ahnliches geschieht bei uns auch: man schneidet dem Porree die Blätter dann und wann ab in dem Glauben, dadurch grössere Zwiebeln zu erzielen. So ist aber das Ab- schneiden bei den Römern und Griechen nicht zu verstehen, sondern sie scheinen die abgeschnittenen Blätter als Gemüse gegessen zu haben. Unter den Gemüsen des CGL III wird auch d)U7TeX67Tpaö"ov -) auf- geführt, das lateinisch aretillum genannt wird. In den Glossaren daselbst ') Ausser hrittola kommt aucli der Name percula für Schnittlauch vor: Sumer- laten: percula snitloich (58,21); Königsb. Gloss. : percola sniteloc; Colm. Gloss: per- cula sneloch (559). -) ä|aTT€XÖTTpa0ov aretillum 266,14; ebenso 186,17 und 317,48; ampeloparsion . porrum agreste 549,35; 535,27. — 142 — wird dieselbe Pflanze porrum agreste, also wilder Porree, genannt. Es ist dies das Äll'mm Ampeloprasum L., d|UTre\67Tpa(7ov Diosk. 2, 179. Ob diese Pflanze in Deutschland Heimatsrecht hat, ist zweifelhaft; in Italien kommt sie in Weinbergen etc. häufig vor, wird dort po7'randello genannt und wie Knoblauch benutzt (BERTOLONI). Schon LINNE hielt den Porree für eine Varietät seines Allium Ampelopirason (Spec. plant, ed. 2. Holmiae 1762, S. 423); J. GAY hat in einer Arbeit über Alliumarten, die vorzugsweise aus Algier stammten (Ann. d. sciences natur., botanique, 3. ser., t. 8, Paris 1847, S. 195 — 223), sich dieser Ansicht mit Bestimmtheit angeschlossen (a. a. O. S. 218). Unser Porree treibt gar nicht selten Brutzwiebeln, wie man bei sorg- fältiger Beobachtung finden wird, namentlich wenn die Porreepflanzen längere Zeit in der Erde stehen bleiben; das Fehlen der Brutzwiebeln lässt sich also gegen diese Auffassung nicht als Grund anführen. Alia Capitulare 70,64; Invent. 1,12 und 11.27; Allium sativum \j.. Knoblauch. iKÖpoöov Theophr. 7,4,11 und 12; Diosk. 2.181; neugr. (JKÖpöov. Allium Colum. 6,4, 2; 10, 112 und 113; 11,3, 20 und 21; Plin: 19, 6, 34; it. aglio, aglio sativo; fr, ail. TheOPHRAST unterscheidet mehrere Rassen des Knoblauchs, frühen und späten, kleinen und grossen; eine besonders grosse Rasse, der kyprische Knoblauch, wurde nicht gekocht, sondern zum Knoblauchbrei (lauTTUJTÖq) benutzt und schäumte beim Reiben stark auf. COLUMELLA stellt jedesmal allium zusammen mit einem anderen Lauch, dem ulpicum oder allium punicum, den die Griechen dcppocTKÖpobov, d. h. Schaumlauch, nennen. Die Zwiebel des ulpicum besteht ebenso wie die des Knob- lauchs aus einzelnen Teilzwiebeln (Knoblauchzehen, spicae, 6,4,2; 11, 3, 21); das ulpicum macht sich weithin durch den Geruch bemerkbar (10, 112 und 113) und wird ebenso behandelt wie der Knoblauch (11,3,21). Hiernach ist das uljncum entweder als eine Rasse des Knoblauchs, oder als eine ihm sehr nahestehende Art zu betrachten. Wir unterscheiden heute (nach Engler und Prantl^ Pflanzenfamilien) beim Knoblauch zwei verschiedene Rassen, den eigentlichen Knoblauch (Allium sativum L., a. vulgare Don) und die Perlzwiebel, rocambole (A. sativum L., h. Opkiosco- rodo/i Don), die auch noch andere Namen trägt; häufig heisst sie Schlangen- laucli (ophioscorodon ; dieses Wort kommt schon bei DIOSKORIDES als Name des wilden Knoblauchs vor). Es liegt also nichts Gewagtes in der Annahme, dass die Alten neben dem eigentlichen Knoblauch auch noch die Perlzwiebel gekannt haben. Ob die beiden genannten Rassen des Knoblauchs ^) zu allen Zeiten ^) Das Wort Knol>lauch ist entstellt aus clobelouch, chlobcloch, das einen Lauch mit spaltbarer Zwiebt4 bedeutet: 8um.: allium clobelouch 1,25; 60,11; chlobeloch — 143 — unterschieden worden sind, ist sehr ungewiss. In den Hermeneumata des CGL III finden wir das ulpicum unter den Gemüsen angegeben; ^) ob es sich in den daselbst mitgeteilten Glossaren findet, ist zweifelhaft ; -) dagegen wird hier der Knoblauch sehr häufig erwähnt unter den Namen allium, alius, alius ortulanus, alleus, scordon und scordion. Bei der heiligen HILDEGARD, bei ALBERTUS MAGNUS und KOXRAD VON MEGENBERG scheint nur der Knoblauch allein genannt zu werden; später, eigentlich wohl erst nach dem 16. Jahrhundert, wird die Perlzwiebel wieder berücksichtigt. Der Nachtschatten. Solanum nigrum L. (die Abänderungen oder nahestehenden Formen, wie -S. Jiumile Bernhard, N. villosum Lam. etc. mit eingeschlossen), Nacht- schatten, schwarzer Nachtschatten. Xipuxvog ebujöi|uo(; Theophr. 7, 7, 2; 7, 1.5, 4; ö-Tpuxvo(g KtiTraTo? Diosk. 4,71; neugr. laaupöxoprov, dYpia vrofidra (wilde Tomaten); auf Kreta (TTuqpvoq. Solanum Plin. 27,13,108; it. morella, solano, solano nero, solano ortense, -solatro, solatro ortulano, strigio, uva lupina; fr. morelle. DIOSKORIDES beschreibt seinen Gartenstrychnos (crrpuxvoq KiiTraioq) so genau, dass alle Ausleger darin den Nachtschatten erkannt haben; nur wunderte man sich darüber, dass DIOSKORIDES ihn als Garten- pflanze und als essbar bezeichnete. Das letztere hielt man, da der Nachtschatten als giftig angesehen wird, für einen Irrtum, und das Wort KiiTraiog, das sonst nur von einer Pflanze gebraucht wird, die zu den im Garten kultivierten Gewächsen gehört, glaubte man hier als Bezeichnung eines Gartenunkrauts nehmen zu dürfen. Nun berichtet aber V. HELD- REICH (Die Nutzpflanzen Griechenlands, Athen 1862, S. 79), dass nicht nur das Kraut des Nachtschattens in Griechenland als Gemüse gegessen wird, sondern dass sogar die roten oder schwarzen Beeren roh als Nasch- werk verzehrt werden. Dieser Gebrauch muss sehr alt sein, denn da der Nachtschatten nicht sehr angenehm riecht, so würde die Mehrzahl heute geneigt sein, ihn für giftig zu halten, und ein solches Vorurteil lässt sich nur sehr schwer überwinden. Der essbare Strychnos des TllEOPHRAST, der auch roh gegessen wird, ist gleichfalls als Nachtschatten zu deuten, denn seine Frucht wird weinbeerenartig oder weintraubenartig (paxuübri?) genannt; hätte THEOPHRAST das Solanum Melongena L. gekannt, das wir heute essbaren Nachtschatten (Eierpflanze) nennen, und das sowohl in Griechenland wie 39, H3; clobeloich 53,49; clufloc 65, 5 ; allium, scordium, wilde clobeloch 53, 37; Colin. Gloss.: allium clüf loch 27, scordion clüfloch 666; marahatrura knüf löches bladere 465 ; tiriaca rusticorum knuflocli 735; Königsb. Gloss.: allium knoflok, ebenso bei Mone 22. 1) Afroscordon ulficu 185,56; acppoaKopaov ulpium 430,44. -) Asroscorde idest bulbicum 535,9; aroscondon bubicum 549,19. — 144 — in Italien jetzt viel gebaut wird, so hätte seine Besclireibung wesentlich anders gelautet. Der Nachtschatten ist also ursprünglich eine Gartenpflanze gewesen ; im Laufe der Zeiten hat man seine Verwendbarkeit als Speisepflanze vergessen, hat ihn als Unkraut, darauf als Giftpflanze betrachtet und schliesslich aus dem Garten hinausgeworfen, so dass er jetzt Ruderal- pflanze und Unkraut geworden ist. Als Heilpflanze ist er aber noch längere Zeit in Ansehen geblieben. An spätlateinischen Namen ist der Nachtschatten reich. Das griechische strychnos wurde als strignus oder strignum übernommen, kam aber nachher in Vergessenheit. Uva lujnna, Wolfstraube, ist ein häufiger lateinischer Name, ebenso rnaura, maurella und morella, mit dem wir jetzt eine dunkle Kirschenrasse bezeichnen, Schatten-Morellen ; ferner finden sich solata, solatrum. niillemorhia und erha ficaria. Bei der heiligen HILDE- GARD heisst die Pflanze solatrum und nachtschade (1, 121) bei ALBERTUS Magnus (6, 442) solatrum und uva lupi; hier werden zwei Arten unter- schieden, eine mit citrongelben Beeren (uva citrina), und eine mit schwarzen (uva nigra). Deutsche Namen sind nicht so zahlreich, was damit zu- sammenhängen mag, dass man der Pflanze im Laufe der Zeit allen Wert absprach. Ausser nahtscate, nachtscate, dem jetzigen Nachtschatten, findet sich hintespere, dem lateinischen uva canina entsprechend, und vielfach das ganz vergessene drimvurz. *) Als Heimat des Nachtschattens werden wir das südöstliche Europa und den Orient zu betrachten haben. 5. Obstbäume. Apfel, Birne und Quitte. Pomarios diver si gener is Capitulare 70, 74; Invent. II, 29; pomarios Invent. I, 22 ; Pirus Malus L., Apfelbaum. MrjXea der Apfelbaum, |iifj\ov der Apfel bei den Griechen; neugr. )x\\Kr\6. und rd |ufiXa (Äpfel). ') CGLiii: istrigno uua lupina 632,29; 539,69; istriguus uua lupina 547,18; 565,56; das vorgeschriebene i ist als der griechische Artikel f) zu deuten (Dr. A. Funck); solata strignus 576,54; solata uua lupina 577,21; strugno uua canina 586,8); mille- morbia . i . maurella 560,67; maurella erba ficaria 592,52; maurella niilmorica erba ficaria 592,78. — Sum.: strignum nahtscate 63,70; solatrum nachtscate 50,61; sola- trum huntespere 23, 63 ; maura drufsworz 62, 65 ; maura drulswurz 22, 70 ; morella druswrz 63, 4; millemorbia drufswurz 63, 10 etc. — Es wäre mösflich, dass maura auch zur Rezeichnung der Tollkirsche {Atropa Belladonna L.) gedient hätte. — 145 — Malus und inalmn ^) bei den Römern ; it. melo und mela , in der Lombardei pomar und ■pomo; fr. pommier und pomme. THEOPHRAST giebt an (3, 3, 2), dass Birn- und Apfelbaum in der Ebene bessere Früchte und besseres Holz liefern, als auf den Bergen; auf den Bergen wären sie klein, knotig und dornig; auch hat er die Erfahrung gemacht (2, 2, 5) , dass aus den Kernen der edlen Birnen, Äpfel und Quitten Bäume erwachsen, die Früchte von sehr geringer Güte tragen. Heute gedeihen Birnen und Äpfel in Griechenland nicht besonders, im Gebirge findet man aber den wilden Apfelbaum und nach FRAAS (S. 73) auch einen verwilderten, der die Sommeräpfel, Honig- äpfel (fie\i|uiiXa DIOSKORIDES 1, 161; melimela PLINIUS 15,14,15) trägt. In Italien, wenigstens im nördlichen Teil, hat der Apfelbaum besseres Gedeihen gehabt und hat es zum Teil noch jetzt; auch hier giebt es wilde Apfelbäume {meluggino, melo salvatico). Die Römer kulti- vierten eine grosse Zahl von Rassen. COLUMELLA (5, 10, 19) zählt sieben auf, aber noch mehr finden wir bei PLINIUS (15, 14, 14 u. 15). Apfelwein zu bereiten wussten die Römer auch (PLINIUS 14, 16, 19), und ebenso verstanden sie das Pfropfen (inserere, insitio), auch geben sie verschiedene Unterlagen an, namentlich härtere für zarte Edelreiser ; bei der Angabe der Unterlagen sind sie aber nicht immer zuverlässig, denn bisweilen sollen als solche Stämme von Bäumen dienen, die den Obstarten verwandtschaftlich sehr fern stehen. Beispielsweise giebt PLINIUS (15, 14, 15) an, dass eine Apfelrasse ihre blutrote Farbe da- durch erhalten habe, dass sie auf schwarzen Maulbeerbaum gepfropft worden sei. Zur Zeit Karls des Grossen sind verschiedene Apfelrassen kultiviert worden, von denen uns sogar die Namen überliefert sind, aber leider sind wir nicht in der Lage, sie mit den heute gezogenen Rassen zu identificieren (vergl, Anhang I, 3). Im Althochdeutschen heisst der Apfelbaum apholtra, affaltra, bei der heiligen H ILDEG ARD (3, 1) affaldra; der Apfel heisst im Althoch- deutschen apßl. Pirarios diversi generis Capitulare 70, 75 ; Invent. II, 28 ; pirarios Invent. I, 21 ; Pirus communis L., Birnbaum. "ÜTXvri Homer und Theophr. ; d'mo^ der Birnbaum, atriov die Birne bei den Griechen; dxpd(j der wilde Birnbaum einschliesslich Pirus salici- folia M. B., der in Griechenland sehr häufig ist und als Unterlage für edlere Birn- und Apfelrassen benutzt wird; neugr. dTTibna, dxXabrjd und xd dmöia, dxXdöia. ') Das lateinische Wort malum bedeutet ursprünglich eine fleischige Frucht überhaupt, die im Innern Kerne hat, insbesondere den Apfel ; pomum, das Stammwort des französischen pomme, bedeutet wie das griechische ö-rrdipa Obst; im späteren Latein ist es allmählich auf die Apfelfrucht allein übertragen worden, so dass pomarius Apfel- baum und nicht das allgemeine „Obstbaum" bedeutet. V. FiSCHER-BeNZON, altd. Gartenflora. 10 — 146 — Piriis und pirwn der Römer; it. jiero und jiera, der wilde Birn- baum peruggino; fr. poirier und jyoire. Der Birnbaum gedeiht in Griechenland nicht besonders gut, wenig- stens nicht in der Ebene. Die Römer kultivierten viele Rassen und schon CATO (7, 4) führt deren eine ganze Menge an. Nach DIOSKORIDES (5, 32) wurde aus Birnen ein Wein (dTTiTn? oivo?) gemacht, ähnlich wie aus Quitten, aus Johannisbrot (Kepdtiov, siliqua und siliqua graeca der Römer, Ceratonia Siliqua L.), aus Mispeln und Speierlingen. Pirhaum, birboum (bei der heiligen HiLDEGrARD 3, 2) und bira sind die althochdeutschen Namen für den Birnbaum und seine Frucht, beide dem Lateinischen entsprechend. KONRAD VON MEGENBERa (4A, 39) spricht von pirpaum und pirn (Birnen). Im 16. Jahrhundert heissen die Früchte, z. B. bei TABERNAEMONTANUS, Byren und Byrn, der Baum Byrtibaum, dem unser jetziges Birnbaum entspricht. Birnen und Apfel werden bei uns in viel mehr Rassen kultiviert, als jemals im Altertum. Das Bestreben der Züchter ist gegenwärtig darauf gerichtet, Rassen hervorzubringen, die den verschiedenen Klimaten angepasst sind, also auch solche, die imstande sind selbst ein rauhes Klima zu ertragen. Als ein Beispiel hierfür möge auf den Ackeröapfel hingewiesen werden, der in Schweden gezüchtet wurde, alle Eigenschaften eines guten Apfels in sich vereinigt und doch in rauhen Lagen und unter ungünstigen Verhältnissen gedeiht (Dr. Neuberts Deutsches Garten- magazin, 111. Monatshefte für die Gesammt- Interessen des Gartenbaus, herausgeg. von Kolb, Lebl und Weiss, 1893, S. 65 — 67). Cotoiliarios Capitulare 70,81; Invent. 1,28, 11,36; Cydonia vul- garis Persoon (Pirus Cydonia L.), Quitte. XrpouGiov Theophr. 2, 2, 5, eine besonders edle Rasse, die Birn- quitte, deren Früchte (TipouGia |ufjXa hiessen ; im übrigen hiess der Quitten- baum bei den Griechen rj Kuömvia, die Quitte selbst KubiLviov lafjXov ; neugr. i'i Kuöuivnd und xd Kuöubvia. Malum cotoneum Cato, Varro, Plinius; rnalum cydonium Columella; it. der Baum cotogno, melo cotogno, die Frucht cotogna, rnela cotogna, pera cotogna; fr. der Baum cognassier, die Frucht coin. Die Kultur der Quitte reicht bis in sehr frühe Zeit zurück. Ihre Farbe trug ihr den Namen „goldener Apfel" ein; ebenso wird ihr Duft vielfach gerühmt. Ganz besonders wurde sie aber als Genussniittel ge- schätzt : man ass sie gekocht, bereitete daraus Wein (DiOSK. 5, 28) und Quittenhonig (DlüSK. 5, 29 ; juiiXo^eXi, Kuöujvö|ue\i) ; zur Bereitung des letzteren übergoss man entkernte Quitten mit sehr viel Honig und Hess die Masse ein Jahr lang stehen: dann glich sie dem Meth (oivö|LieXi). Die Alten kultivierten verschiedene Rassen, unter denen die Birnquitte ((TTpouBiov lufiXov, maluvi struthemu , wörtlich : Sperlingsapfel) eine der gesuchtesten war. — 147 — In der späteren Zeit, vom 9. Jahrhundert unserer Zeitrechnung an oder auch schon frülier, heisst der Quittenbaum cotcmus, coctanus, cidonius etc. Sonderbarerweise heisst um diese Zeit seine Frucht „Krähenfuss", Kopuu- vÖTTOuq, coronopits ^), vielleicht wegen der auf der Frucht sitzenbleibenden Kelchzipfel ; dieser Name ist aber ganz in Vergessenheit geraten. AL- BERTUS Magnus (6, 89 u. 90) nennt den Quittenbaum coctanus oder citonius und unterscheidet zwei Rassen, von denen die eine birnförmige, die andere mehr kugelige Früchte trägt, Rassen, die noch heute bei uns kultiviert werden. Ganz ähnlich ist es bei KONRAD VON MEGENBERCt (4A, 13); dieser nennt den Baum cytonius oder cottanus, deutsch küten- pauni, die Früchte pirn küten und gemain küten. Der althochdeutsche Name der Quitte ist kutina, die heilige HIL- DEGARD spricht aber schon vom quittenhamn (3,4; quotanus) ; später heisst die Frucht Quitte, Quede, Kutte. Nach den griechischen Schriftstellern stammt die Quitte von der Insel Kreta aus dem Gebiete der Kydonen ; wir werden ihre Heimat wohl in den Orient verlegen dürfen. Während im südlichen Tirol der Quittenbaum die Grösse unserer Apfelbäume erreicht, bleibt er bei uns meist nur strauchartig ; seine Früchte Avurden früher auch hier im Norden sehr geschätzt, kommen aber neuerdings etwas seltener auf den Markt. Speierling und Mispel. Sorbarios Capitulare 70, 77 ; Sorbus domestica'L., Speierling, Spierling. Oa Theophr. 3, 12, 6 — 9; auch oia und oua geschrieben; die Frucht oüov, Diosk. 1, 173; neugr. (Joupßiid, die Früchte (Toüpßa. Sorbits bei den Römern, die Frucht sorbum; it. sorbo und sorba: fr. cortnier und conne,-) sorbier und sorbe. Der Speierling hat es in Deutschland kaum jemals zu grossem Ansehen gebracht, nach Norddeutschland ist. er überhaupt nur wenig oder gar nicht gekommen. Trotz seiner geringen Verwendung hat er doch eine Menge von Namen. Im späteren Latein wird er aesculus ^) und esculus genannt, doch nennt ALBERTUS MAGNUS (6, 224) ihn schon wieder sorbus. Deutsche Namen sind sperebauin, spirbaum, woraus später 1) CGLm: cronopos . idest milicidonia 638,15; coronopus maledonia 631,52, beide aus Handschriften des 9. Jahrb.; cronopus mala cedonia 544,24; coronopodia . i . malacidonia 558, 34 und sonst vielfach. -) Diese Worte sind wahrscheinlich gebildet nach curmus, das bei Marcellus Enipiricus (de niedic. 16,33) denselben Baum bezeichnet (nach P. Geyer, Spuren gallischen Lateins bei Marcellus Enipiricus, im Archiv f. lat. Lexicographie, Jahrgang 8, S. 471). •■') Sperebovm- Aesculus, ahd. Gl. 5,36; esculus spirbovm, Sum. 45, 67; ebenso bei der heiligen Hildegard 3, 8. — Albertus Magnus bemerkt (6, 133), dass der Mispelbaum fälschlich esculus genannt wurde. — Das Wort aesculus bezeichnet bei Plinius (16,6,8) eine Eiche mit essbaren Früchten; das entsprechende griechische Wort cpriYÖi; (Theophr. 3, 8, 2) bedeutet nach v. Heldheich Quercus Aegüops L., 10* — 148 — Sperberbaum, Sperwerbauni geworden ist. Von den Schriftstellern des 16. Jahrliunderts wird unser Vogelbeerbaum (Sorbus aucuparia L.) als Avilder Speierling bezeichnet. Mespilarios Capitulare 70, 78; mispilarios Invent. I, 23; II, 30; Mespiliis germanica L., Mispel. MeaTTiXov daeffmXou erepov dboc, ev liaXia Yevvuj)uevov) Diosk. 1,170; neugr. )ueö"Tri\r|d, die Früchte jueö-rrouXa und laoua^ouXa. Mespilus setania Plin. 15,20,22; 23,7,73; die Erucht ynespilum; it. nespolo und nespola; fr. rieflier und nefle. Die Mispel muss früher in grösserem Ansehen gestanden haben als jetzt, wo sie, wenigstens in Norddeutschland, ihrer Früchte wegen kaum noch Beachtung findet, sondern meist als Zierstrauch gezogen wird. Sie ist sehr hart und trägt auch in rauhen Lagen Früchte; zu einer Zeit, wo das Obst seltener war, mag sie deshalb mit Recht ge- schätzt worden sein. ALBERTUS MAGNUS (6, 133) nennt den Baum mespilus. Der älteste deutsche Name ist nespelhaum ^) (z. B. heilige Hildegard 3, 13); auch bei den Schriftstellern des 16. Jahrhunderts finden wir denselben Namen wieder. Heute heisst er Mispelbaum. — Im eigentlichen Griechenland kommt die Mispel nur kultiviert und über- dies selten vor. In Italien und Südtirol wächst sie scheinbar wild; in diesem Zustande ist sie strauchig und stark dornig, Kirsche und Pflaume. Ceresarios diversi gemrls Capitulare 70,89; cerlsarios luyQwi. II, 37; Prunus avium L., Süsskirsche; P. Cerasus L., Sauerkirsche, Baum- weichsel; P. acida Dumortier, Strauchweichsel. KepacToq Theophr, 3, 13, 1 — 3; 4, 15, 1; 9, 1, 2; Kepdaiov die Kirsche, Diosk. 1,157; neugr, Kepacrria und xd Kepdaia, Süsskirsche; ßu(Tö"iv)id und Td ßucrcTiva, Sauerkirsche. Cerasus der Römer, zuerst bei VARRO 1, 39, 2 ; it. ciregio, ciregiolo, Süsskirsche; amarasco, visciolo, Sauerkirsche; fr, cerisier, cerise und guignier, guigne. Die Untersuchung über die Kirsche und ihre Verbreitung wird einigermassen dadurch erschwert, dass man über die Zahl der Arten und ihr natürliches AVohngebiet nicht vollkommen sicher orientiert ist. deren Früchte lieute ßeXavibm, dem alten ßctXavoi; entsprechend, heissen. Da Quercus Aegilops in Italien nicht vorkommt, so muss unter aesculus eine andere Eiche ver- standen sein, und zwar eine Form von Quercus Robur L. (E. H. L. Krause, Die indogermanischen Namen der Birke und Buche etc., Globus Bd. 62, 1892, No. 11, S. 162> '; Merkwürdigerweise scheint eine Verwechselung zwischen Mispel und Hasel- nuss vorgekommen zu sein: nespilun-Pontica gr., lat. avellaua ahd. Gl. 5, 39; nespelun-Abellanae ahd. Gl. 6, 17; apellena mispilboim Sum. 53, 38; auch sonst mehrfach. — 149 — Im Folgenden ist angenommen, dass Prunus acida eine selbständige Art und von P. Cerasus, der Sauerkirsche, verschieden sei; ^) sie gilt als die einzige der drei oben genannten Arten, welche Ausläufer treibt, und ist eben daran leicht zu erkennen. Für unseren Zweck kommt von dieser Art nur die Varietät Marasca Host in Betracht, die zur Be- reitung des „Maraschino" dient und in Dalmatien und den Nachbar- gebieten wild vorkommt. Nach der Erzählung des PLINIUS (15,25,30) soll Lucullus die Kirsche nach Rom gebracht haben; diese Nachricht ist aber unsicher, und es lässt sich aus ihr höchstens die Zeit der Einführung entnehmen, etwas vor der Mitte des ersten Jahrhunderts v. Chr. Dazu stimmt, dass die Kirsche zuerst bei VARRO erwähnt wird; die neue Obstsorte fand dann sehr günstige Aufnahme und wurde zugleich sehr rasch weiter verbreitet, so dass schon PLINIUS berichten konnte, sie gedeihe in Britannien, in Belgien und am Rhein. Der Oberrhein (Elsass und Baden) ist auch wenigstens ein Centrum für die Verbreitung der Kirschen in Deutschland gewesen und gehört gegenwärtig noch zu unseren reichsten Kirschenländern. Weiter nach Osten muss man edlere Kirschenrasseu früher ge- kannt haben als in Rom. THEOPHRAST beschreibt den Baum, den er Kepaaog (kerasos) nennt, nicht so, dass wir daraus mit absoluter Sicher- heit die Kirsche erkennen könnten, aber da Diphilos von Siphnos (bei Athen. 2, 51b), der vor 281 v. Chr. gelebt hat, also ein Zeitgenosse von THEOPHRAST war, schon mehrere Kirschen (KepdcTia) unterschied, so wird man das Kepacroq bei THEOPHRAST wohl als Kirschbaum deuten müssen. Aus der Beschreibung folgt dann aber, da der Baum schlank und hoch genannt wird, dass die Süsskirsche gemeint ist. Dann würde also wohl die Süsskirsche nach Rom gebracht worden sein. Nach dem Namen müsste man es annehmen, denn die Namen der Süsskirsche sind in allen lebenden europäischen Sprachen direkt oder indirekt aus Kepacrog oder cerasus abgeleitet, und weiter hin nach Osten heisst die Süsskirsche armenisch keraseni, kurdisch keras, gheläs (harte und weiche Form desselben Wortes) tatarisch (in der Krim) kiräs, (im Kaukasus) küjas (F. TH. KOPPEN, Geographische Verbreitung der Holzgewächse des europäischen Russlands etc., Bd. 1, St. Peters- burg 1888, S. 281, 282). Wenn man aber diese Reihe von Namen ansieht, so kommt man unwillkürlich auf den Gedanken, ob denn Kepaö"0(; wirklich ein griechisches, und nicht vielmehr ein einer asiatischen Sprache, dem Eranischen oder Kurdischen, entlehntes Wort sei, wie KOPPEN andeutet (a. a. O. S. 282). Besondere Gründe sprechen nicht dagegen, im Gegenteil erscheint KÖPPENS Annahme viel natürlicher als diejenige ') Nach K. Koch, Dendrologie, Bd. 1, Erlangen 1869, S. 110 ff, S. 112 ff und E. KoEHNE, Deutsche Dendrolooie, Stuttgart 1893, S. 308. — 150 — von HEHX, der, gestützt auf das Zeugniss des Grammatikers SERVIUS,^) behauptet, die Alten liätten den Kirschbaum und den Kornelkirschbaum miteinander verwechselt, und der dann Kepaaoc, als die kleinasiatische Form des „eigentlich griechischen" Kpdveia (kraneia), lateinisch cormis, auffassen will, so dass Kepaao(; (von xepaq, das Hörn, abgeleitet) dasselbe bedeuten soll wie das lateinische cornus (von cornu, das Hörn); beide Namen sollen dann die hornartige Beschaffenheit des Holzes der beiden Bäume zum Ausdruck bringen. Nun hat der Kirschbaum zwar schönes Werk- holz, aber hornartig wird es niemand nennen wollen, und ausserdem lässt sich aus denjenigen Stellen, wo Kpctveia oder cornus erwähnt werden, eine Verwechselung zwischen diesem und dem Kirsclibaum nicht konstatieren. Vielmehr beschreibt THEOPHRAST seine männliche und weibliche Kpdvem (3, 12, 1 und 2) hinreichend genau, damit wir in der ersten unsere Kornel- kirsche, Cornus mas L., in der zweiten unseren Hartriegel, Cornus san- guinea L., erkennen können; die Namen männlich und weiblich sind diesen beiden Pflanzen durch lange Zeiten verblieben. Auch dasjenige^ was DIOSKORIDES (Kpavia, 1, 172), COLUMELLA {cornus, 12, 10, 2 und 3) und PLINIUS {cornus 15, 22, 31 und sonst vielfach) über die Kornel- kirsche sagen, lässt nicht darauf schliessen, dass sie diese mit der eigent- lichen Kirsche verwechselt hätten. Aber nicht der Name allein spricht dafür, dass die Römer die Süsskirsche kultivierten, auch die von PLINIUS (15, 25, 30) gegebene Beschreibung von Kirschenrassen lässt Süsskirschen erkennen, die noch heute kultiviert werden: „von den Kirschen sind die Apronianischen am rötesten, am dunkelsten sind die Lutatischen, die Caecilianischen aber auch rund. (?) Die Junianischen liaben einen guten Geschmack, aber fast nur unter ihrem Baum, denn sie sind so zart, dass sie den Trans- port nicht vertragen können. Der Vorrang gebührt den härtlichen (Knorpelkirschen, duracina), die Campanien die Plinianischen nennt, in Belgien (?) aber den Lusitanischen (portugiesischen), ebenso an den Ufern des Rheins; diese haben eine dritte Farbe aus schwarz (dunkel, nigro) und rot und grün, so dass sie aussehen, als ob sie immer im Reifen wären (similis maturescentibus semper). Vor weniger als 5 Jahren kamen diejenigen auf, die man Lorbeerkirschen (laurea) nennt, von nicht unangenehmer Bitterkeit, wie sie dem Lorbeer eigentümlich ist. Es giebt auch Macedonische von einem kleinen Baum, der selten über drei Ellen hinausgeht, und Zwergkirschen mit einem noch kleineren Strauch." Das wäre schon eine nicht geringe Mannichfaltigkeit I Die Knorpelkirschen und die bunten lassen sich ohne Bedenken als Süsskirsclien ansjirechen, aber unter den übrigen giebt es auch solche, die man als Sauerkirschen deuten könnte, z. B. die Apronianischen, die Caecilianischen und die Lorbeerkirschen. Giebt es denn sonst kein Zeugnis dafür, dass die ') Man vergleiche die folgende Aiimerkuijg. — 151 — Römer die Sauerkirsche gekannt haben? Allerdings, und zwar bei YERGIL, Georg. 2, 17; hier erzählt der Dichter, dass einige Bäume sich durch Samen fortpflanzen; „anderen sprosst aus der Wurzel ein dichter AVald, wie den Kirschen und Ulmen". ^) Die in Italien vorkommende Ulme, Ulmus campestris L., treibt in der That Wurzelausläufer. Wir müssen daher annehmen, dass VERGIL richtig beobachtet hat; dann aber ist die Kirsche, von der er spricht, eine Sauerkirsche, nämlich die in der Überschrift genannte Strauchweichsel. Da die Römer in der Kunst des Pfropfens und Okulierens wohl bewandert waren, so konnten sie Strauchweichsel als Unterlage für andere Kirschen benutzen; aber ebensowohl konnten sie Rassen dieser Kirsche gezüchtet haben. Wenn Karl der Grosse verlangte, dass „Kirschen verschiedener Art" in seinen Gärten gebaut werden sollten, so war diesem Befehle ohne Schwierigkeit nachzukommen, und wir können mit Bestimmtheit sagen, dass daraufhin Süsskirschen gepflanzt worden seien; ob auch Sauer- kirschen, lässt sich nicht mit voller Sicherheit entscheiden. Wir wollen nun versuchen die allmähliche Verbreitung der Kirsche zu verfolgen. Im CGL III wird sie nur sehr selten erwähnt, und zwar in den Hermeneumata einmal in dem Abschnitt über den Nachtisch (KcpaKiov cerasium 316,31; in den übrigen Abschnitten de secunda mensa steckt sie vielleicht in dem allgemeinen Begriff poma, Obst) und zweimal in demjenigen über die Bäume (Kepaaiov cerasium 26, 20 ; ceresium Kepd- cTiov 358, 80) ; in den Glossaren kommt sie zweimal vor (cerosin . i . cerasia 556, 29 ; 620, 54). Häufiger findet sie sich in den lateinisch- deutschen Glossaren, woraus man wohl auf einen allmählich zunehmenden Anbau scliliessen darf. Ihre älteren Namen sind kersa, kirssa, krise. und kirse, cherse. ') Die heilige HILDEGARD spricht nur von cerasus (3, 6), so dass es nicht ganz sicher ist, was sie meint, vermutlich die Süsskirsche. ALBER- TUS MAGNUS spricht auch nur von cerasus im 6. Buch, wo er von den Bäumen handelt, und zwar erwähnt er nur den Namen (6, 88), weil sie allen bekannt ist ; auch im 7. Buch ist nur von cerasus die Rede. Auch 1) „PuUulat ab i'adiee aliis densissima silva, ut cerasis ulmisque." An diese Stelle Vergils schliesst sich die Bemerkung des Servius: „Hoc (sc. cerasum) autem etiam ante Luculluni erat in Italia, sed durum, et coruum appellabatur" (nach Hehn, S. 326). Es ist mindestens fraglich, ob der in der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung lebende Grammatiker sich eingehend mit den von den Römern gebauten Obstarten beschäftigt, oder sie überhaupt nur gekannt hat. "Wahrscheinlich hielt er die Kirsche für eine veredelte Rasse der Kornelkirsche. Ähnlich wie Servius drückt sich auch Isidor aus (Orig. 17,7,16); seine Etymologien sind als gewaltsam hinreichend bekannt und gewürdigt. 2) Kirsbaum-cerasus ahd. Gl. 5,34; kirssa-cerasium ahd. Gl. 6.1.5; cerasus kersboum Vit. S. 370; cerasum kersa Vit. S. 371; cerasus criseboum Prag. Gl. S. 470; — Sum.: cerasus chersebovm 39,24; cerasus kersb. 45,64; cerusa kirse 55,64. — 152 — dieser cerasus muss wohl als Süsskirsche gedeutet werden, denn an einer anderen Stelle (3, 80), wo er von sauren Früchten spriclit , erwähnt er auch saure Kirschen, die amarena genannt werden (im Strassburger Codex steht amarella); diese können nach seiner Meinung nicht süss werden, weil die reifende (verdauende) Wärme das natürlich Feuchte in ihnen nicht überwinden kann (,,Quod enim illa non dulcescunt, nulla causa est, nisi quia calor digestivus in eis vincere humidum naturale non potest"). Da ist denn wohl nicht daran zu zweifeln, dass hier eine saftige Sauer- kirsche gemeint ist. KONRAD VON MEGENBERG erwähnt die Kirsche überhaupt nicht. Im 16. Jahrhundert werden sehr viele Karschen gebaut, Monstrositäten und wirkliche Rassen; unter diesen werden Cerasia acida, saure Kirschen oder Amarellen genannt. Wir fanden also bei ALBERTUS MAGNUS die Sauerkirsche zum ersten Male deutlich genannt und zwar unter dem Namen amarena oder amarella. Unter ähnlichem Namen kommt sie schon in einer Handschrift des 12. Jahrhunderts vor: amarellus loichselb. (onm) Sum. 46,8, denn Weichsel ist die älteste deutsche und noch bestehende Benennung der Sauer- kirsche.') Amarellus, amarella und amarena können sehr wohl zusammen- hängen mit amarasco oder marasco, Namen, welche die Strauchweichsel bei Venedig, Triest und in Dalmatien noch führt. Wichsei aber ist ein verhältnismässig neues Wort; stellen wir uns die Namen der eigentlichen Sauerkirsche, Prunus Cerasus L., zusammen (vornehmlich nach KOPPEN, a. a. 0. S. 283, 284), so erhalten wir von Westen nach Osten fortschreitend folgende Reihe: französisch guigne (aus guisne iüvwisne), italienisch visciola, deutsch wichsei, Weichsel, litauisch wyszna, polnisch wisnia, russisch wischnja, neugriechisch ßuö'ö'iva oder ßiö'eva (gespr. wisina), albanesisch vyssine, türkisch wischene, wonach im Tatarischen der Krim wischnä, fschne, imeretinisch und raingrelisch khwischna. Da nun die Sauerkirsche oder Baumweichsel ihr natürliches Wohngebiet in Kleinasien und am Kaukasus hat, so scheint sie bei der Wanderung aus ihrer asiatischen Heimat nach Europa ebenso wie die Süsskirsche ihren asiatischen Namen mitgenommen zu haben, der dann im Munde der verschiedenen Völker- schaften verschiedene Umgestaltungen erfahren musste. Über Italien scheint die Sauerkirsche ihren Weg aber nicht genommen zu haben. Prunarios diversi generis Capitulare 70, 76; prunarios Invent. II, 33; Prunus domestica L., Pflaume, Zwetsche;-) P. insititia L., Kriechenpflaume, Haferschlehe. ') Die duitenden Schösslinge von Prunus Maludeh L., die zu Pfeifenrohren etc. benutzt werden, werden auch „Weichsel" «benannt, und dem entsprechend der ganze Strauch und seine Früchte Weichselkirsche. Biese Benennung ist aber erst spät entstanden. ^) Der Name Zwetsche ist entstanden aus Quetsche, dieses aus Quecke ; queckeu heisst wachsen, lebhaft und rasch wachsen, und wird namentlich von solchen Pflanzen gebraucht, die sich durch kriechenden Wurzelstock oder durch Wurzelausläufer ve;r- — 153 — KoKKu^n^^ci Theoplir. 1,10,10; 1,13,3; Diosk. 1,174; Tipoii^vii Theophr. 9,1,2; die Frucht heisst Kapiröig xüuv kokku^iiXüuv, aber auch, namentlich in späterer Zeit, KOKKU|u^^Xov ; neugr. der Zwetschenbaum öa,uacrKr|viia, seine Früchte öa^dcTKiiva ; die runden Pflaumen Kopo^l^\1ld und TTOupveXiid , die Früchte KopoiuiiXa. Prunus der Baum, prunmn die Pflaume bei den Römern ; it. pruno, susino, susino domestico, die Zwetsche susina; fr. ^;ri^egala genannt; fr. seigle. Hirse, Fanicum luiliaceuni L. und Kolbenhirse, P. italicum L. 1. Hirse; Kexxpog Theophr. 8, 1, 1 u. 4 ; Diosk. 2, 119; neugr. Kexpi- Milium Cato 6, 1; Varro 1, 57,2; Colum. 2, 7, 1 ; 2, 9, 17; Plin. 18,10,24; it. miglio, je nach der Farbe der Körner mit dem Zusatz hianco, giallo, nero, rosso; fr. millet, mil. 2. Kolbenhirse; eXu^ioq Theophr. 8, 1,1 u. 4; Diosk. 2,120; fehlt im heutigen Griechenland. Panicum Cato 6,1; Colum. 2,7,1; 2,9,17; Plin. 18,10,25; it. panigo ; fr. jpanic. Es giebt noch ein griechisches Wort für Hirse, |ueXivri, das schon bei HERODOT (3, 117) und XENOPHON vorkommt; DlOSKORIDES (2,120) und Galen (de aliment. facult. 1, 15) identificieren es mit der Kolben- hirse. Da bei XENOPHON (Anab. 1, 2, 22) jaeXivn neben kcyxPO«; vor- kommt, so kann es auch hier die Kolbenhirse bedeuten. Hafer, Avena sativa L. Bpujiaoq Diosk. 2,116; 4,138; ßpö^ocg Galen, de alim. fac. 1,14; neugr. ßpiJU|uii. Avena Colum. 2,11,1 u. 9 ; it. ävena; iv..avoine. DIOSKORIDES behandelt den Hafer durchaus als Arzneimittel. Nach COLUMELLA wird der Hafer gesät, um grün oder als Heu ver- füttert zu werden. Da COLUMELLA einen Teil stehen lässt, um Saat zu gewinnen, so hat man hier wohl an den Saathafer und nicht an den Windhafer zu denken. GALEN hat den Hafer in Kleinasien in grossen Mengen gebaut gesehen; dort wurde er als Futter für das Zugvieh benutzt, diente aber auch zur Bereitung von Nahrung. Dass der Hafer allmählich an Verbreitung zunahm, folgt aus seiner Erwähnung im Edic- tum Diocletiani 1,17. In Griechenland wird der Hafer sehr wenig ge- baut, weil die Pferde mit Gerste gefüttert werden; in Italien dagegen wird er als Pferdefutter gesät. An sehr vielen Stellen, wo Hafer bei den Alten erwähnt wird, haben wir zu denken an den — 166 — W i 11 d h a f e r , Avena fatua L. Möglicherweise gehört hierher ßpö)ao^ bei Theophr. 8, 9, 2; THEO- PHRAST zählt an dieser Stelle Pflanzen auf, die dem Weizen oder der Gerste ähnlich sind: Zieid, öXupa, xicpr), ßpöjuog, aiYiXuunj, und sagt, dass von diesen L^xö. am kräftigsten sei, aber den Boden am meisten aussauge wegen der vielen tiefgehenden Wurzeln und wegen der vielen Halme; ebenso sagt er von ßpojuo«; und (8, 9, 3) von aiYiXuuy;, dass sie den Boden wegen ihrer vielen Wurzeln und Halme aussaugen. Aber Avährend er die Samen von 2eid als leichtverdaulich und angenehm zu essen rühmt, sagt er ähnliches von ßpö)ao(S und aixiXujijj nicht, sondern bemerkt, dass diese beiden als wild und nicht als Kulturijflanzen zu betrachten seien („oücTTTep d'Ypi' diTa Kai dvr||uepa"). Da wird mau denn kaum an den Saathafer denken können. — Der Windhafer wird im heutigen Griechen- land dYpioxevvrma oder dYpiößpo|uog genannt (FRAAS). CATO empfiehlt (37, 5) den Hafer, avena, auszurupfen, wird also wohl den Wiiidhafer meinen. Sicher wird man diesen zu nehmen haben bei VERGIL, wenn er Ecl. 5,37 von avenae steriles (unfruchtbarem Hafer) und Georg. 1, 226 von vanae avenae (leerem oder taubem Hafer) spricht; auch an anderen Stellen mag der Windhafer gemeint sein. In Italien heisst er avena salvaüca; fr. avoine sauvage, falle avoine. Endlich möge noch ein Getreideunkraut erwähnt werden, das als ]\Iedicinali3flanze bei den Alten in Ansehen stand und vielfach für giftig gehalten wurde, der Taumellolch, Lolium temidentum L. "Aipa Theophr. 2,4,1; 8,8,3; TflEOPHRAST glaubt, dass Weizen und auch Gerste in Taumelloch ausarten; Diosk. 2, 122; später (Geopon. 2, 43) wird er txlävxov genannt; neugr. i^pa. Lolium der Römer; die Römer fürchteten den Lolch sehr {infelix lolium, Verg. Ecl. 5, 37, Georg. 1, 154) und durch ein besonderes Sieb wurde sein Same vom Getreide gesondert (Colum. 8, 5, 16); VARRO aber (3, 9, 20) und COLUMELLA (8, 4, 1) empfehlen den Lolch als Hühner- futter; it. loglio und loglio inehhriante; fr. ivraie. Von den hier vorgenommenen Deutungen könnte diejenige, welche eXu)Li05 mit der Kolbenhirse identificiert, vielleicht etwas gewagt er- scheinen. Die Alten haben aber bestimmt zwei Hirsearten unterschieden, von denen die eine, kcyxpo?, ga-nz allgemein als die gewöhnliche Hirse betrachtet wird; die Kolbenhirse gehört in China zu den ältesten Kultur- pflanzen (ALPH. DE CaNDOLLE, S. 478) und wird in Nordchina, am Amur, in Persien, am Kaukasus und an manchen Stellen Europas im Grossen gebaut, in Asien offenbar seit alten Zeiten; es liegt also nichts Gewagtes in der Annahme, dass die Alten schon die Kolbenhirse gekannt und auch gelegentlich gebaut haben, umsoweniger als Schouw (Die — 167 — Erde, die Pflanzen und der Mensch etc. Leipzig 1851, S. 43) sie auf einem Wandgemälde in Pompeji erkannt hat. Eine Deutung der Namen, welche die Alten für die Getreidearten gebraucht haben, wird durch zwei Umstände wesentlich erschwert; ein- mal dadurch, dass die uns überlieferten Beschreibungen ausserordentlich kurz und nach unseren Begriffen ziemlich inhaltsleer sind, und zweitens dadurch, dass in Griechenland und Italien für dieselben Getreidearten stets verschiedene Namen benutzt werden, Namen zwischen denen sich, mit Ausnahme vielleicht von jueXivri und milium, ein sprachlicher Zu- sammenhang überhaupt nicht nachweisen lässt. Da ist es denn von ganz besonderem Werte, dass in den Hermeneumata des CGL III in den Ab- schnitten über Landwirtschaft (de agricultura), über Feldfrüchte (de leguminibus) etc. die Getreidearten mit ihren griechischen und lateini- schen Namen einander gegenübergestellt werden, denn die Abfassung dieser Hermeneumata reicht bis ins dritte Jahrhundert unserer Zeit- rechnung zurück. Die oben vorgenommenen Deutungen stimmen durch- aus zu denen, welche uns die Hermeneumata bieten, und zu den heute noch gebräuchlichen Vulgärnamen. ^) Die oben gegebene Zusammenstellung lehrt, dass die allgemeinen Bezeichnungen anoq und frumentum in Griechenland und Italien an der am häufigsten gebauten Getreideart, dem Weizen, haften geblieben sind, ebenso wie Korn in vielen Gegenden Deutschlands ausschliesslich den Roggen bedeutet. Eine Änderung in der Bedeutung hat auch das Wort Z;6id, Spelt, erfahren. HEßUDOT hält den Spelt für ein minderwertiges Getreide, aber bei HOMER und HESIOD führt das Gefilde oder der Erdboden das Epitheton Z;6ibujpo(;, Zieid spendend. Es ist schon früh- zeitig versucht worden, dies Wort als „lebenspendend" zu deuten, aber ^) Hermeneumata Leidensia, de agricultura: 'n-upo(; frumentum 26,51; aixoc triticum 26,52; KpixiT ordeum 26,53; Kevxpo^ milium 27,1, Hermeneumata Monacensia, de leguminibus: pyros frumentum 193,36; sitos triticum 193,47; criti ordeum 193,48; ceuchros milium 193,56; olura far 193,57; erazizamon lolium 193, 59. Hermeneumata Einsidlensia, de leguminibus, eine spätere Bearbeitung der Monacensia : -nvpöc, frumentum 266, 52 ; airoc; triticum 266, 53 ; Kpiöt^ ordeum 266, 54 ; e\u|Lioq- milium 266,55; K^YXPO? panicum 266,56; xa öXupa far 266,57; Zeid far, mola, ador 266,58; y\ aipa, toIxZ&vxov lolium 266,70; ö aiYi^uJHi auena 266, 71; hier sind die, griechischen Namen für milium und panicum miteinander verwechselt. Hermeneumata Stephani, de agricultura: frumentum irupö; 356, 19; triticum oiTOc; 356,20; ordeum KpiOrj 356,21; frumentum gTto<; 356,78; ordeum Kpi0dpiov 357,1; spelta öXupa 357,2; milium Keyxpo? 357,10; auena ßpö|ao(; 357,13. Hermeneumata Vaticana, de floribus (dieser Abschnitt ist verschmolzen mit demjenigen de agricultura): Maviovepa lolium 429, 52 ; ßoravrixXov lierbaauena 429,54; TTUpoiv frumentum 429,56; öeWoc; triticum 429,58; Kpi9r| hordeum 429,60; KivKpiv^ea milium 430, 4 ; eXeiuoc; panicium 430, 6 ; ßpiZa secale 430, 7 ; in diesem Abschnitt sind die Namen zum Teil stark entstellt; besonders interessant ist die Erwähnung des Rogofsns. — 168 — damit thut man der Sprache Gewalt an. Wenn Z^eid, wie von Sprach- forschern angegeben wird, mit dem sanskritischen yaca zusammenhängt, das Getreide, Gerste bedeutet, und wenn Gerste das älteste Getreide ist. so muss man annehmen, dass Zieid die Bedeutung Gerste, Getreide noch liatte, als es in die Verbindung Z;eiöujpO(; eintrat; später, als voll- kommenere Gerstenrassen als die ursprüngliche hinzukamen, und als der Weizen bekannt wurde, verlor Zleid seine Bedeutung und wurde dann auf ein minderwertiges Getreide übertragen. Was uns die Römer über den Getreidebau in Deutschland über- liefert haben, ist nicht sehr viel. CAESAR (Bell. Gall. 4, 1) sagt, dass die Germanen „nicht viel von Getreide, sondern grösstenteils von Milch und Fleisch leben"; ^) welches Getreide gebaut wurde, führt er nicht an. Bei PLINIUS, (18,17,44) finden wir aber den Hafer angegeben: „Eine Hauptentartung des Getreides ist der Hafer, und die Gerste artet in ihn aus, so dass er selbst als Getreide dient, da ja die Völker Germaniens ihn säen und von keinem anderen Brei leben (als von Haferbrei)".-) Da PLIXIUS den Hafer (Windhafer) im wesentlichen nur als lästiges Ackerunkraut kannte, so musste es auf ihn Eindruck machen, wenn er in Germanien ganze Haferfelder sah und erfuhr, dass Hafersamen eine Hauptnahrung der Bewohner ausmachten. Von TACITÜS erfahren wir, dass auch Gerste vorkam und ausserdem noch ein Getreide, das ebenso wie die Gerste zur Bierbereitung diente,-^) also wahrscheinlich Weizen, der schon früh in Gallien gebaut wurde und von da mit den Römern nach Deutschland kam oder kommen musste. In Gallien wurde aber ausser Weizen (süigo, Plin. 18, 8, 20) auch Spelt (arinca) und Kolben- hirse (panicum Plin. 18,10,25) gebaut, die von da aus gleichfalls in Deutschland eindrangen. Die Einwanderung der Getreidearten brauchte aber nicht allein von Westen her zu erfolgen, denn auch im Osten wurden, wie aus der oben gegebenen Übersicht folgt, Weizen, Spelt und Hirse gebaut. Der Hafer hat seinen Weg nach Mittel- und Xordeuropa genommen, ohne vorher Italien oder Griechenland zu berühren, vielleicht auch die Gerste; für den Roggen wird man eine ähnliche Wanderung gleichfalls annehmen müssen, aber da das Wort süigo, das ursprünglich eine Weizenrasse bezeichnete, allmählich für Roggen gebraucht wurde, und wir nicht genau wissen, wann dies Wort seine Bedeutung änderte, so lässt sich der Roggen auf seiner Wanderung nur schwer verfolgen. ') „Neque rnultum frumento, sed maximam parteni lacte atque pecore vivunt." 2) „Primum omnium frumenti vitium aveua est, et hordeum in eam degenerat sie ut ipsa frumenti sit instar, riuippe cum Germaniae populi serant eam neque alia pulte vivant." ') „Potui humor ex hordeo aut frumento, iu quandam similitudinem vini corruptus;" Germ. 23. — 169 — Im Breviarium und im Capitulare Karls des Grossen finden wir eine ganze Menge von Getreidearten angegeben. Um die Übersicht zu erleichtern und die Darstellung etwas abzukürzen, mögen die bei der heiligen HTLDEGAED (heil. Hild.), bei ALBERTUS MAGNUS (Alb. M.) und KONRAD VON MEGENBERG (Konr. v. M.) genannten Getreidearten gleich hinzugefügt werden, ebenso die althochdeutschen und mittelhoch- deutschen Namen ; die Seitenzahlen beim „Breviarium" beziehen sich auf Pertz, Monumenta etc., Bd. 3. Aimona Breviarium S. 177, entspricht unserem Getreide oder Korn, wird auch für Abgaben gebraucht, die in Korn geleistet wurden; ist unbestimmt, aber wahrscheinlich Weizen. Frumentum Breviarium S. 178; da triticum nicht vorkommt, so wird man frumentum als Weizen deuten dürfen. Triticum vulgare Vill. ; triticum heil. Hild. 1,1; Alb. M. 7.127 u. 128; frumentum Alb. M. 6,348-350; icize ahd. Gl. 7.30; weice Sum. 44,45. Albertus Magnus braucht triticum und frumentum als ganz gleichbedeutend. KONRAD VON MEGENBERG (5, 40) üher^etzi frumentum mit körn, von dem er dreierlei unterscheidet: rokkenkorn, waizenkorn und tinkl. Spelta Breviarium S. 178. Triticum Spelta L., im weiteren Sinne: spelta heil. Hild. 1, 5; Alb. M. 6. 351 ; spelza ahd. Gl. 7,30; dinchil Vit. S. 379 ; dincJiel Sum. 34, 37 ; — far Alb. M. 7, 1 27 u. 128 ; spelza ahd. Gl. 24, 18; amer Sum. 34, 38; — adoreum Alb. M. 7, 58 u. 127 u. 128. Sigilis Breviarium S. 178, 180; verschrieben für siliginis; Seeale cereale L.; siligo heil. Hild. 1, 2; Alb. M. 6, 127 u. 128 und sonst.; rocco Vit. S. 379; roggo ahd. Gl. 23,34; rokke Sum. 44,46; rogke Sum. 34, 36 ; (sigale vel sigalo vel magudaris, rogke). Wann siligo zuerst als Bezeiclniung des Roggens genommen ist, lässt sich nicht ganz genau feststellen; schwankend war der Gebrauch noch ziemlich spät, denn in den von HOFFMANN herausgegebenen alt- hochdeutschen Glossen (7,31) wird dinkil noch mit siligo glossiert und (15, 16) dinchelinhrot mit siligineüs (sc. panis). Man nimmt jedoch all- gemein an, dass der Gebrauch zu Karls des Grossen Zeit oder jedenfalls zu Anfang des 9. Jahrhunderts konstant war. ALBERTUS MAGNUS sjDricht wiederholt davon, dass siligo sich in fmmentum oder triticum ver- wandle (2,26; 4,92; 5,55) oder umgekehrt. Er wird bei PLINIUS oder Galen hierüber gelesen haben und hat dann vertrauensvoll das Gelesene wiederholt. Zu seiner Zeit aber war siligo ausschliesslich für Roggen in Gebrauch; wenn man jedoch an solche Verwandlungen glaubt, und der Glaube daran ist auch jetzt noch keineswegs ganz verschwunden, so ist es am Ende gleichgültig, ob Weizen in Roggen oder in eine gerin- gere Weizenrasse ausartet. Ordeum Breviarium S. 178, Hordeum vidgare L; hordeum heil. Hild. 1,4; ordeum Alb. M. 6,399 u. 400 und sonst; — 170 — ordeum und gerst Konr. v! M. o, 54; gersta alid. Gl. 7,31; gerste Sum. 34.42; 44,47. Ayeiia Breviarium S. 178; Avena sativa L; avena heil. Hild. 1,3; Alb. M. 6, 420; 7, 127 u. 128; habero Vit. S. 368; haber Sum. 44,48, Bei der heiligen HILDEGARD und bei ALBERTUS MAGNUS wird der Hafer noch als Brotkoru genannt; die heilige HILDEGARD kennt auch Haferbier (3, 27). Milium Capitulare 44 u. 62 ; Fanicnm nüliaceum L ; hirs heil. Hild. 1,9; Konr. v. M. 5, 41; müium Alb. M. 6,357; Konr. V. M. 5,41; hirse Vit. S. 376; /lerse ahd. Gl. 22, 1; hirsß vel grivze Sum. 34,39. Panicium Capitulare 44; panigum Capitulare 62 ; Fanicum italicuvi L; venich heil. Hild. 1, 10; Konr. v. M. 15, 41; panicum Alb. M. 6. 357; Konr. V. M. 5,41; verlieh Sum. 63,30; p'w^■A Sum. 49,56; fenich Sum. 34.40; 23,32.') Albertus Magnus fasst die Hirsearten zusammen unter dem Xamen gerguers, KONRAD VON MEGENBERG unter gegrues. Seit Karls des Grossen Zeit haben sich in Deutschland die Rassen des Getreides sehr vermehrt, die Arten aber nicht. Der aus Amerika stammende Mais ist nach Norddeutschland nicht vorgedrungen und ist in Süddeutschland keineswegs häufig. Ein wichtiges Getreide ist für Nord- deutschland aber der Buchweizen {Polygonum Fagopyrum L.) geworden, der seit dem 15. Jahrhundert in Urkunden vorkommt (E. H. L. Krause, Pflanzengeographische Übersicht der Flora von Mecklenburg, Güstrow 1884, S. 124). Eine in früherer Zeit gebaute, jetzt aber unbeachtete Getreideart ist aber noch zu erwähnen, die ßluthirse {Panicum sangui- nole L.), die jetzt, namentlich im östlichen Deutschland, als Acker- und Gartenunkraut vorkommt; sie ist früher von den Wenden gebaut worden und hat sich mit ihnen verbreitet (E. H. L. Krause, a. a. 0. S. 120). Endlich sei noch auf eine inländische Getreideart aufmerksam gemacht, die anfängt in Vergessenheit zu geraten, das Manna- oder Schwadengras {Glyceria fluitans E,. Br.). Dieses Gras ist nie gebaut worden; es wächst aber an Wassergräben und Teichrändern und wurde zur Zeit der Reife gesammelt. ') Das Wurt „Fenclielliirse" ist willkürlich und falsch gebildet. Anhang I. 1) Aus den „Hermeneuniata" des Corpus Glossariorum Latino- rum, Bd. 3, Leipzig 1892. A. De floribus, über Blumen; B. De oleribus, über Gemüse. 2) Zwei Inventare Kaiserlicher Gärten aus dem Jahre 812. 3) Kapitel 70 des ,,Gapitulare de villis". 4) Entwurf zu einem Klostergarten aus dem 9. Jahrhundert. 5) Der ,,Hortulus" des Walafridus Strabus ; Inhaltsübersicht. 6) Glossae Theotiscae. 1. Aus den „Hermeneumata" des Corpus Glossarioriim Latinorum, Bd. 3, Leipzig 1892. Der Text der Hermeneumata ist zum Teil reich au Eutstellungen uud Veränderuugen, so dass eine Deutung der überlieferten Namen nicht immer ohne weiteres möglich ist; diese Namen mussten deshalb in den nachfolgenden Abschnitten, die von Blumen und Gemüsen handeln, vorher auf eine Form gebracht werden, die sich als die ursprüngliche und rich- tige betrachten lässt. Da DiOSKORIDES und PLINIUS, vielleicht auch COLUMELLA dem Schreiber der Hermeneumata direkt oder indirekt be- kannt gewesen zu sein scheinen, so war die Herstellung der richtigen Schreibung meist nicht schwierig; nur bei Ausdrücken allgemeineren In- halts, wie Spross etc., war es nicht immer leicht, das ursprüngliche Wort zu finden, und ebenso war es schwierig, unter den möglichen sprachlichen Formen diejenige zu ermitteln, die der Abfassungszeit der Hermeneu- mata entsprach. Hier hat die stets bereite Hülfe meines Kollegen Dr. A. FUNCK wiederholt eingreifen müssen. Um dem Leser einen Einblick in die vorgenommenen Änderungen zu verschaffen, sind im Nachfolgenden der überlieferte und der verbesserte Text einander gegen- über gestellt, der erstere links, der letztere rechts. Die Abschnitte „de oleribus" sind aus den ältesten drei Hermeneumata entnommen und selbst wieder nach ihrem Alter geordnet, so dass das älteste voransteht. Das Edictum Diocletiani (ed. TH. MOMMSEN, Berlin 1893, 4«; mit Erläuterungen von H. BLÜMNER) aus dem Jahre 301 n. Chr., ein Maximaltarif für Getreide- und Lebensmittelpreise etc., Arbeitslöhne etc., liefert uns sehr wichtige Aufschlüsse über das Leben der damaligen Zeit. Die den einzelnen Gegenständen hinzugefügten Preise sind namentlich deshalb von "Wichtigkeit, weil sie uns ein Urteil erlauben über die Wert- schätzung, die man damals einzelnen Pflanzen, Gemüsen etc., zuteil werden Hess. Im Folgenden ist gelegentlich auf das Edict verwiesen. Bei den folgenden Pflanzenverzeichnissen ist bei solchen Pflanzen, die schon im Vorhergehenden behandelt sind, durch eine neben den — 174 — Namen gesetzte Zahl auf die betreffende Seite des Textes verwiesen ; Namen, die ihre Deutung noch nicht im Vorhergehenden gefunden haben, sind durch eine bezifferte Anmerkung berücksichtigt. A. De floribus, über Blumen. Hermeneumata Monacensia, CGLIII, S. 192, 23 — 35. Die Hermeneumata Einsidlensia, die eine Überarbeitung der Mona- censia darstellen, enthalten auch einen Abschnitt „de floribus", S. 266, 21 — 46. In diesem kommt jedoch nichts vor, was zur Erklärung der in den Monacensia angegebenen Blumennamen dienen könnte, vielmehr scheint der Überarbeiter sich in einiger Verlegenheit befunden zu haben ; eKttTÖvqpuXXov ist in einen anderen Abschnitt versetzt, Kpivov und Xuxvi(; sind gar nicht berücksichtigt. In den Hermeneumata Montepessulaua finden sich im Verzeichnis der Bäume 6 Blumennamen (S. 301, 14 — 19), zu denen „av9og flos" gleichsam die Überschrift bildet. Diese 6 Blumen- namen, die im folgenden ihre Erklärung und Rechtschreibung mit finden, sind der Reihe nach : poöov rosa, Kpivov lilium, KXeuKoiov uiolum album, lov TO o-vdoc, uiolum, vapKiacroq narcissus, ajLiapavTOig inmarciscibilis (d. h. unverwelklich). Endlich enthalten die Hermeneumata Vaticana S. 429, 14 ff. einen Abschnitt „de floribus" ; dieser ist jedoch mit dem- jenigen „de leguminibus" verschmolzen und enthält ausser Rose, Lilie und Leucoium nur griechische Namen ohne lateinische Übersetzung. 23 Pereanthon de floribus rrepi dvBuuv de floribus anthi flores d'vGn flores 25 anthos flos dv6o(; flos centifolium centifolium eKaiövqpuXXov centifolium *) rosa rosa pööov rosa 34 erinon lilium Kpivov lilium 33 iuchinis rosa greca Xuxviq rosa graeca^) 30 Ion uiola purpurea i'ov viola purpurea 40 amaranton amarantum djudpavio? amarantus '^) *) Piese Lesart findet sich in den Hermeueumata Einsidlensia 265, 58 in dem Abschnitt „de oleribus"; bei Theophkast heisst das Wort ^KaTovrdcpuWoi; ; welche Pflanze hier gemeint sein kann, ist zweifelhaft ; es könnte die gefüllte Gartenrose sein, aber auch die gefüllte Blume des Granatapfels; vergl. oben S. 35. -) Ausser iuchinis kommt auch die Lesart Iuchinis vor; man darf also Xuxvi(; lesen; wahrscheinlich ist die Gegenüberstellung von lychnis und rosa graeca entnommen aus Pi.iNiLs 21,4, 10, §18; vergl. S. 43. ■■•) Die Deutung dieses Namens ist unsicher. Plinius erwähnt 21, 8, 23 u. 39 eine Pflanze mnarantus, die aus südlicheren Gegenden stammt und sich durch Farbenpracht und Unverwelklichkeit auszeichnet. Dieser amarantus ist schon im 16. Jahrhundert als der Hahnenkamm, Celosia cristata L., gedeutet worden, dessen schöngefärbter Blütenstand seine Farbe beim Trocknen behält; die von Plinius angegebene Fabel, fiass die getrocknete Blüte imAV'inter, nachdem sie mit Wasser befeuchtet worden ist. — 175 — 32 narcissus narcissus vapRiccroq narcissus 37 micon papauer |ui1kuuv papaver 64 melilotum melilütum lueXiXuuTOv melilotum ^) 35 leucoion iiiola XeuKÖiov viola 40. B. De oleribus, über Gemüse. a) Hermeiieumata Leidensia, CGL III, S. 16, 13 — 47. 13 nepiXaxavuuv Deoleribus TTepi Xaxdvuuv De oleribus Xaxava olera Xdxava olera 15 KttuXia colicula KauXia colicula -) liiaXaxe malbe luaXdxai malvae 127 creuxXa beta creurXa betae 129 eXiov asparagum eXeioc; asparagus 124 Kivapai cardi Kivdpai cardi od. cardui 121 20 Xuußia fasioli Xoßia fasioli 98 aiTUjpivov lappa dTrapivti lappa "') KoXoKivBai Cucurbitae KoXoKuvGai Cucurbitae 89 ö"iKiöia cucumeres criKubia cucumeres 92 TTeiTOJV pepo TTeTTuuv pepo *) wieder auflebt, wird auch getreulich reproduciert; das Ganze reduciert sich vielleicht darauf, dass die getrockneten Stengel im Wasser erweicht werden mussten, damit sie sich in Kränze einfügen Hessen. Indessen erwähnt Dioskorides (4,47) ein helichrysum, das nach ihm auch amarantus genannt wird; dieses hält man für G«rt^/iaZmw Stoec/jrts L., eine Strohblume oder Ewigkeitsblume, die in Südeuropa und Nordafrika wildwächst, aber auch als Gartenzierpflanze dient; wahrscheinlicher ist es, dass diese gemeint ist, da sie nach Dioskorides zum Bekränzen der Götterbilder diente und noch heute in Griechenland d|adpaveov heisst. Die „immortales amaranti" bei Columella (10, 175) gehören wohl auch hierher. ^) Wahrscheinlich der gelbblühende und wohlriechende Melilotus des Diosko- rides (3,41, |ue\i\ujToc, KpoKiZuiv Kai eöihbti«;), unser Melilotus officinalis Desrousseaux, der heute in Italien meliloto und melüoto odoroso genannt wird, und dessen blühende Zweigspitzen in den Apotheken als Summitates s. Flores Melüoti geführt wurden. 2) Hier wird KauMa, ebenso wie in den Herm. Monacensia (185, 34), wo KouXia. KpdiLißai und coliculi als gleichbedeutend genommen werden, den Kohl bedeuten sollen : vergl. S. 108, ') Die hier genannte Pflanze ist unser Labkraut oder Klebkraut, Galium ^parine L., das ein lästiges Getreideunkraut werden kann; als solches wird es oft erwähnt, z. B. Verg. Georg. 1, 153. Es erscheint uns etwas eigentümlich, das LaVi- kraut unter die Gemüse aufgenommen zu sehen; aber Pliniüs sagt (21,17,64) von ihm: „Circa Opuutem est herba etiam homini dulcis", was vielleicht auf seine Ess- barkeit zu beziehen ist. Man kann sich übrigens leicht überzeugen, dass die jungen Sjjrossen unserem Spinat sehr ähnlich schmecken. *) Ob hier die Melone oder die Wassermelone gemeint ist, lässt sich wohl nicht entscheiden. In den Herm. Montepessulana (317, 49 u. 50) werden j;epo und melopepo nebeneinander erwähnt. Da im Edict. Diocl. (6,30—32) ein pepo ebensoviel wie ein geringerer und halbsoviel wie ein besserer melopepo kostet, so scheint pepo dort die Wassermelone zu sein, und wahrscheinlich überall, wo pepo neben melopepo vorkommt. 176 — 25 SpibaKeq lactucae aOepig intiba paqpavoi radices pacpavibeq armoratia ßouviaöe(S napi 30 TOV-fiXai rape (TtaqpuXivoi pastiuace ILiapaGpov apetillum npada porri Kpoiiiia cepe 35 (JKOpöa aleum avapacpaH atriplex 0pujHi)Lia escariole euZiuuiaa eruca TTe-favov ruta 40 eöuo(J)aov menta aeXivov apium liivGe nepete iTTTTOcreXivov olysatrum avivOov anethiim 45 yXexuuv poleium 9pu|ußa satureia Kviöe(; urticae GpiöaKe? lactucae 104 (Tepi? intybus od. intubus 105 pd(pavoi radices 114 pucpavxbec, armoratia 114 ßouvidöeq napi 112 TOYTuXai rapae 113 (TTaqpuXTvoi pastinacae 116 )Lidpa9pov aretillum ') TTpdaa porri 141 Kpö|U|Liua cepae 140 O'Kopobov allium 142 dvöpdcpaEiq atriplex 127 TpiLEijua escariola 105 eüZ;uu|uov eruca 107 TTiiYavov ruta 69 nöuoafio<; menta 70 creXivov apium 119 jaivGri nepeta 73 Anm. 1 iTTTTOö'eXivov olus atrum 120 dvnBov anethum 132 yXiixuuv poleium 72 9u|aßpa satureia 135 Kvibec urticae 88. b) Hermeneumata Monacensia, CGrL III, S. 185, 32 — 67. 32 perilachanon de oleribus lachana liolera caulia crambia coliculi 35 molochia malbe crambus grassica scutla beta colochinte cucurbite sycidia cucumeres 40 lobia faciola rafunu radices gongulas rapas bumades napos stafilini pastinace 45 simbron sisinbrun TTepi Xaxdvoiv de oleribus Xdxava olera KttuXia Kpdjaßai coliculi 111 juoXöxai malvae 127 Kpdjußri brassica 108 aeörXa betae 129 KoXoKuvGai Cucurbitae 89 (TiKubia cucumeres 92 Xößia fasioli 98 pdcpavoi radices 114 YOYTuXai rapae 113 ßouvidbeq napi 112 (JTaqpuXTvoi pastinacae 116 (ji(TÜ|ußpiov sisimbrium -) ') An dieser Stelle sind zwei Worte ausgefallen. Es muss heissen: |Lidpa0pov teniculum 132, und äia-rreXÖTrpaaov aretillum 141. ■) Im Edict. Diocl. 6, 24 wird sisimhriorum fascis, also ein Bündel oder Bund von Sisymbrium erwähnt, das 20 Stück enthält ; Bj,ümnkr deutet sisimbria als Brunnen- — 177 — 46 camodafni laurocina XctMotiödqpvi-) laiirocina ^) talassocrambis magacia ea\acrcroKpd|ußr| magacia -) lohia suriace Xößia suriacae 98 ormenon cyma öp)aevo<; cyma ^) 50 elion sparagun eXeioq asparagus 124 prason porrum Trpdcrov porrum 141 prasocarton porruseptibin Trpdaov Kapröv porrum sectivum 141 prasacefalon porro capitatum npaaoKecpaXov porrum capitatum 141 cromia cepe Kpö|U|uua cepae 140 55 scordon aleu (JKÖpoöov allium 142 afroscordon ulficu dcppocTKÖpoöov ulpicum 142 cnides urtice Kvibeq urticae 88 IDetroselinon oleastrum TrerpocfeXivov olusatrum*) kresse. Vielfach bedeutet aber sisimhrium eine Art der Minze, die auch als Gewürz an Speisen gethan wurde. Da aber im Edict. Diocl. 6, 48 ein Bund gemischter Würz- kräuter von 8 Stück (condimentorum praemisquorum fascis n. octo) ausserdem genannt wird, und da hier in den Herrn. Monac. weiter unten Minze (186, 2) und Würzkräuter (condimenta, 186,4) aufgeführt werden, so ist es möglich, dass sisimbrium hier als Brunuenkresse zu deuten ist. Die Römer kannten nach Dioskorides 2, 155 die Brunnenkresse und assen sie ; die Stengel konnten also sehr wohl gesammelt und zum Kauf angeboten werden. Der Umstand, dass ein Bund von sisimbrium 20 Stück, ein solches von Würzkräutern 8 Stück enthält, spricht auch für die Deutung als Brunnenkresse. *) An dieser Stelle wiid xaiuaibdqpvr) eine Art der Gattung Ruscus zu bedeuten haben, deren junge Sprossen als Spargel gegessen wurden und noch werden. Am gebräuchlichsten waren die Sprossen von Ruscus aculeatus L., dem Mäusedorn, wilde Myrte (|uup/denkok ; was loeydenkok und' das loendelkoel der Strass- burger Ausgabe bedeuten sollen, ist unklar, um so mehr, als hier falsche Lesarten oder Schreibarten vorzuliegen scheinen; die Er- wähnung des Rotkohls, rubeae caules, ist immerhin zu beachten. KmncJisnabel (144; 155), vergl. Crcmchsuabel. Kitmel 17: Cyminum [2,20]: Cuminum Cyminum L., Kreuzkümmel. Kurhesa 87; Cucurbita [2, 55] : Cucurbita lagenaria L., Flaschenkürbis. Lac 180; Milch von Kühen, Ziegen und Schafen. Lactucae (90); [2,60]; Lactuca sativa L., Salat: vergl. Latkh. Lactucae agrestes 91; 198: [2,61]; da der Genuss dieses Krautes den Menschen unsinnig machen soll, so kann hier der in den Rhein- gegenden vorkommende Giftlattich, Lactuca virosa L., recht wohl gemeint sein. Lactucae silvestres (92); [2,63]; Lactuca Scariola L. ; vergl. tü<7<;?e Latich. Lanaria (68), Synonym von Blandonia und icnlkna, die man ver- gleichen wolle. Lapacium Pitra : wahrscheinlich Rumex obtusifolius L., dessen Wurzel ebenso wie die einiger anderer Rumexarten als Radix Lapathi acuti officinell war. Lappa (98); [2,109]; Arctium Lappa L., Klette; vergl. Cktta. Lauch 90; Lactucae [2,60]; Lactuca sativa L., Salat, Kopfsalat; hier wird von Latich domesticae geredet und empfohlen, dem Salat Dill, Essig und Knoblauch hinzuzufügen. Latich, loilde 92: Silvestres lactucae [2,63]; Lactuca Scariola L., wilder Lattich. — 206 — Lauch (81): Po mim [2, 48] : Allium Porrum L., Porree. Dieselben Namen wiederholen sich in 82, nur bildet Lauch hier die Überschrift: Lauch 82: Porrum [2, 50]: omnis laucJi qui cavus est [a]ut hol, ut surige et i'nd^slaucli et planza et similes : hier sind Laucharten gemeint, die sich durch röhrige oder hohle Blätter auszeichnen ; eine solche ist schon als Ahlauch namhaft gemacht, Cai^. 80, eine andere folgt in Cap. 83 unter dem Namen Unlauch oder Cepe; man kann also an dieser Stelle seiner Phantasie etwas freien Lauf lassen. Zunächst ist jedoch zu bemerken, dass über surige gar nichts bekannt ist. Pries- lauch, das auch in Cap. 104 vorkommt, bedeutet den Schnittlauch, Allium Schoeuoprasum L., der noch heute an vielen Orten Brisslauch oder Brieslauch heisst. Planza ist unbestimmt, kann sowohl Zwiebel wie Schnittlauch bedeuten : cepae, phlanze vel snitelovch Vit. S. 370 ; cepa, lovch; cepe, phlanza Prag. Gl. S. 470: cepe, pldanze vel snitlovch Sum. 4, 6. Lavendula 35; [2,83]: /areric/eZa Pitra; Lavandula Spica L.. Lavendel. Lens 8: (13); [2,8]; lenis Pitra; Ervum Lens L., Linse. Levisticum (139; 66): [2,36]: Levisticum officinale Koch, Lieb- stöckel: vergh Lubestuckel; im Text von 100 steht libisticum. LJlirn 62: [2.106]: könnte die weisse Lilie sein, die im Cap. 23 als 1 i 1 i u m vorkommt ; das Wort lilini scheint sonst nicht vorzukommen ; dagegen findet sich Heia: liela -Yitisalhsi ahd. Gl. 22,39; vitis alba, liela Sum. 64,12: vitis alba ist aber die Zaunrübe, Bryonia. Lilium 23: [2,77]: Lilium candidum L., weisse Lilie. Linsanio 150: [2,15]: Leinsamen, kommt noch einmal in Cai). 194 als Semen L i n i vor ; Samen von Linum usitatissimum L. Liquiricium 19 und sonst häufig; [2,22]; die Wurzel von Glycyr- rhiza glabra L., Süssholzwurzel, Radix Liquiritiae ; kommt vielfach unter dem deutschen Namen Honigivurz vor ; bei Pitra steht Liqua- r i c i a. Lubestuckel 139; Levisticum [2, 36] : Levisticum officinale Koch, Lieb- stöckel ; Pitra hat L u b i s t i c u m. Lungvurtz (126), Lunchiorz Pitra, dasselbe Avie Lunckwurcz 29 ; [2, 80] ; Pulmonaria officinalis L., Lungenkraut. Malva (97); [2, 107|; Malva silvestris L. : vergl. Bahela. Mandragora 56; [2,102]: Mandragora vernalis Bert, und verwandte Arten, Alraun, Alraunwurzel; vergl. Verhandlungen d. Berliner an- thropol. Gesellschaft für 1891, S. 726—746. Marrubium (33; 63); [2,82]; Marrubium vulgare L. ; vergl. Andron. Matra Pitra; dasselbe wie Metra, das man vergleichen wolle. Mel 178; Honig. Melda 104; Attriplex [2, 115|: Atriplex hortensis L., Gartenmelde. Meneica Pitra; vergl. Menua. — 207 — Meuiia 102; [2.11;}]: walirscheinlicli versclirieben für vienua, das man vergleichen wolle. Mentha magna et minor. (7(i ii. 77); [2. 42 u. -13]: vergl. Myntza major und minor. Menua 102, (130); [2.113]: möglicherweise ist Menua oder Menva iden- tisch mit der Menwel- oder Mengelwurtz .bei HIERONYMUS BOCK, TABERNAEMONTANLTS etc.; dann wäre es Eumex obtiisifolius L., stiimpfblättriger Ampfer. Meranda 184; eine Wein- oder Bierkaltschale. Merlinsen 220. (15); unsere Wasserlinsen oder Entenflott, Lemna sjJ. Merrecli, Merric/i, MerrecUch 119: Raphanum [2. 59]; Cochlearia Armo- racia L., Meerrettich. Metra 116: Febrifuga [2.125]; Chrysanthemum Parthenium Fers., Mater, Bertram. Meygelana oder Meygilcma 159; [2,157]; ist nicht zu ermitteln gewesen ; derselbe Name kommt 6,71 unter den Vögeln (fliegenden Thieren) vor. Milium 193; [2,13]; Panicum miliaceum L.. Hirse. Millefolium 113,(66, 111, 126): [2.122]: Achillea Millefolium L.. Schafgarbe ; vergl. Gariva. Mimeivrz Grimm und Pitra; vielleicht dasselbe wie Menua. Mirrha oder Myrrha 176; [3,7]; Myrrhe, Harz von ßalsamodendrou Kataf Kunth. Mistel (3,2); birbaumes mistel; Viscum album L.. Mistel; vis cum piri [3,20], Morh'ut 148; Pastinaca 200; [2.66]; Pastinaca sativa L.. Pastinak. Mose 3, 57 ; Flechten und Moos auf Baumstämmen. Musetha 165; nicht zu ermitteln. Mnsore 117; P i 1 o s el 1 a [2, 126] ; Hieracium Filosella L., Habichtskraut ; die Apotheken führten Herba et Flores Pilosellae s. Auriculae muris. Mijntza major 76; Mentha; quae magna [2.42]; wahrscheinlich eine kultivierte Form, Krauseminze. Myntza minor 77; Mentha minor [2.43]; wahrscheinlich Mentha arvensis L.. Ackerminze. Myrrha, Myrrhe, vergl, Mirrha. Nachtschade 121; Natzcado Pitra; Solatrum [2,129]; Solanum nigrum L„ Nachtschatten. Nasturtium (72); [2,38]; Lepidium sativum L.. Gartenkresse; vergl. Crasso. Nebetta 143, (142); Calamentum [2, 149]; Nepeta Cataria L., Katzen- minze, oder eine Art von Calamintha. Nelchin 27, (21), (3, 53); Gariofiles [2, 24] ; Gewürznelken, die getrock- neten Blumenknospen von Caryophyllus aromaticus L. Nessewrz Pitra ; vergl. Nyeseiourtz. — 208 — Nimmolum (15): [2.19]: soll einer Medicin zugesetzt werden, wenn es an weissem Pfeffer fehlt: unbekannt. Nimphia oder Nimphya 215; die nymphaea der Alten ist unsere weisse Seerose, Nymphaea alba L. ; das Wort nymphaea änderte aber später seine Bedeutung und diente zur Bezeichnung von im Wasser liegenden Pflanzen : nimfea erlja longa flos ejus purpureus est CGL III 593,7: ähnlich 614,55 und 626,65; die rote Blume lässt sich als diejenige von Polygonum amphibium L. deuten. — Die weisse See- rose hiess im Mittelalter nenuphar. Nux muscata 21,(13.212); [3.2]: Nuzmuscata Pitra: Muskatnuss. Samen von Myristica moschata L. Nyeseioiirtz 152; Gelisia [2,153]: den deutschen Namen würde mau ohne Bedenken als weisse Nieswurz oder Germer, Veratrum album L., nehmen können : einige Bedenken verursacht aber der lateinische Gelisia: ?2)lm. Glossar), oder auch die Färberröte (S. 82); die Bezeichnung risza ist sonst nicht bekannt. V. FiSCHFR-BeXZOX, altd. Gartenflora. 14 — 210 — Ritgras Pitra ; eine Carexart. Riedgras. Roemesgrasz (85); [2,52]; nicht zu ermitteln; vergl. Wit^zgrasz. RoemUclie Mentha (78); [2,44]; und Romische Myntza (78). Romisch- myntza (175), Romesseminza Pitra. dasselbe wie Rossenri/ntza, das man vergleichen wolle. Rosa 22; [2,76]: Gartenrose überhaupt, Rosa gallica L. etc. Rossemyntza 78 : Mentha silvestris L.. wilde Minze : Wildeminsa Pitra : sie kommt in vielfachen Abänderungen vor. von denen einige als Herba Meuthae equinae und Herba Menthae romanae officinell waren; den Xamen Mentha equina allein führte früher auch die Ackerminze, Mentha arvensis L., den Namen Mentha romana auch die Frauenminze, Tanacetum Balsamita L. Ruha 88; Rapa [2,57]; Brassica Rajm L.. weisse Rübe. Rubea (164); [2, 163]; vielleicht Galium Aparine L., das Lab- oder Klebkraut; vergi. Risza. Rustica (14b); [2,152]: Aristolochia Clematitis L., Osterluzei; vergl. Byioemvurtz. Ruta 64, (15, 111, 195); [2, '.^9]; Ruta graveolens L.. Raute, Weinraute. 8al 182; [1,3]; Kochsalz. Salbeia Pitra, dasselbe wie Salvia (63) und sonst mehrfach; [2,28]; Salvia officinalis L., Salbei; vergl. Selba. Sarco Pitra, unbekannt. Sanicula 45; [2,90]; Sanicula europaea L., Sanikel. Sanikela Pitra ; der deutsche Name von Sanicula europaea L. Satereia 155, [2,156]; Saturea Pitra: Satureja hortensis L., Saturei, Bohnenki^aut. Saxifrica (136), (13,68): [2,143]; Saxifraga granulata L., Steinbrech; vergl. SteinbrecJia. Scamphonia (214); [2,172]; dasselbe wie Scampi na 214; wahrscheinlich die Wurzel der weissen Nieswurz, Ve- ratrum album L., die von HIERONYMUS BOCK Scampanierwurzel genannt wird, im Kräuterbuch von MATTIOLI Scampanienwurzel, bei TABERNAEMONTANUS (nach C. BAUHIN) Schampanienwurzel, und die noch heute Schampanierwurz heisst; elleborum, seampojiie Sum. 66,14; elleborum nigrum, suart scamjwnie Sum. 66,15. Scavina Pitra; unbestimmt; ob zum Vorhergehenden? Scharleya 161; Cicula [2,159]; Salvia Sclarea L., Muskatellerkraut, Scharlachsalbei. Scherling S3 ; [2, 85] ; Oonium maculatum L., gefleckter Schierling ; Küuveiov der Griechen, cicuta der Römer; die Blätter gingen früher als Herba Cicutae. Selba 63; [2,28]; Salvia officinalis L., Salbei. — 211 — Semen lini 194; [2,15]; der Same vom Flachs, Linum usitatissimimi L. ; vergl. Linsamo. Semperviva 203; [2,86]; Sempervivum tectorum L. ; \eYg\. Hiiszumrtz. Senß' lierba 93; Sinapis [2,64]; Sinapis alba L., weisser Senf, dessen Blätter früher gegessen wurden; vielleicht auch Sinapis arvensis L., Ackersenf. Serpillum (32); [2,81 bis]; Thymus Serpyllum L., vergl. Quenula. ."Semcurtz (63) ; ganz unsicher ; bei TABERNAEMONTANUS heisst Scrophu- laria nodosa L., Sewwurtz; es giebt aber noch mehr Pflanzen, die auch so heissen ; die Wurzel der weissen Nieswurz heisst heute noch Sauwurz. Siditenourtz 129 und 130, hiess in der Strassburger Ausgabe cittervuvtz und wurde als eine Art von Rumex gedeutet ; Rumex heisst auch bei TABERNAEMONTANUS Zitterwurtz. Die neue Lesart sichtenmrtz und die Lesart sitdenorz bei Grimm und Pitra macht diese Deutung unwahrscheinlich. Vielleicht haben wir es hier mit einem vergessenen AVort zu thun. In den Glossaren des CGLIII finden wir eleborus niger siterus 589,73. fast ebenso 611,33 und 623,35; siterus ist aber kein lateinisches Wort; ferner: dtirtvrz -^Wohomm nigrum ahd. Gl. 6,27; sütiriourz elleborum, Graff Spr. 6,168, worauf Grimm schweigend verweist; elleborum nigrum, suterwrz Sum. 22, 26. Nimmt man einen Zusammenhang zwischen den angeführten Worten an, der keineswegs ausgeschlossen ist, so würde Sichterivurtz Nieswurz be- deuten, und wir hätten dann Sichtenciirtz nigra 129; [2.136]; Helleborus niger L., schwarze Nies- wurz. SiclLterwurtz alba 130; [2,137]; Veratrum album L., weisse Nieswurz. Siligo 2; [2,2]; Seeale cereale L., Eoggen. Sinape 94, (15); [2,65]; Senfkörner, die Samen von Sinapis nigra L.. Semen Sinapis der Aj)otheken. Sinapis (93); [2,64]; Sinapis alba L, ; vergl. Senff herba. S i n z a Pitra ; unbekannt. Sisimbria Pitra ; vergl. Bachmyntza. Sitderwrz Grimm und Pitra; vergl. Sicitterwurtz. Smergela Grimm und Pitra; nach Grimm heisst Ranunculus Ficaria L. noch heute in einigen Gegenden „Smergel". Snidelocli Pitra; Allium Schoenoprasum L., Schnittlauch; vergl. Pries- lauch. Solatrum (121); [2,129]; Solanum nigrum L., vergl. Nachtschade. Solsequium (60); [2,105]; Cichorium Intj-bus L. ; vergl. Sunneioirhel. Spelta 5; [2,5]; Triticum Spelta L., Spelt oder Spelz. Spelza Pitra; der deutsche Name der vorhergehenden Pflanze Spelta. Spica 25, 202, (13); [2, 79]; wahrscheinlich der untere Teil des Stengels von Nardostachys Jatamansi DC, der als Spica Nardi s. Nardus 14* — 212 — indica früher ein berühmtes Heilmittel war. jetzt aber kaum noch vorkommt; er gleicht etwas einem borstigen Schweif ; spica. nardispic Sum. 58. 52; spica nardi, kattenstert Sum. 66, 18; diese Deutung wird bestätigt durch Spica nardus bei Pitra. Sj>ringwuvtz 133, (37), (3,5); Citocatia [2, 141 1; Euphorbia Lathyris L.. kreuzblättrige Woltsmilch. Stagiourtz 106; Abrotanum [2. 117|; Artemisia Abrotanum L., Eber- raute, Stabwurtz. Steinbrecha 136, (68). (162); Saxifrica [2,143]; Saxifraga granulata L., körniger Steinbrech; die Zwiebelchen, früher Samen genannt, waren ein gepriesenes Mittel gegen den Blasenstein. — Die Lesart Steinbrecha der neuen Ausgabe, die einem Schreib- oder Lesefehler ihre Entstehung verdankt, ist zu verwerfen, um so mehr, als im Cap. 162 Steynbrecha und Stelnbrecka gelesen wird, im Cap. 68 Stein- brechen, wo die Strassburger Ausgabe Saxifrica hat. Steinfarn 3,12; Stekcarn Pitra; Polypodium [3.13]; Polypodium vul- gare L., Engelsüss ; i^olipodium, steinuare Sum. 58, 56 ; ähnlich 23, 3Ü. Stichiourtz 43; Brionia [2.87]; Bryonia alba L. und B. dioica Jacq.. Zaunrübe. Stignus (52); [2,97]; Atropa Belladonna L.. Tollkirsche; vergl. Dolo. Storax (114); Harz vom Storaxbuum, Styrax officinalis L. Storcksnabel 162, (126); [2, 160]; wegen seiner Anwendung gegen Blasen- stein oder Harnbeschwerden wahrscheinlich Geranium Robertianum L., E-uprechtskraut, das auch bei HlERONYMUS BOCK, ebenso wie im Text von 114 Storckenschnabel heisst. Stramonia (161), Datura Stramonium L., Stechapfel. Stur 197, (126); [2,54]; Amarantus Blitum L. ; blitus, siur Sum. 21. 37; blicus. stur; (beta, beizcol) Sum. 54, 49. Stutfjras 86, 196; [2,53]; ist nicht zu ermitteln gewesen. Sulfur oder Sulp hur 188; Schwefel. Sunnetüirbel 60; [2,105]; Cichorium ]ntybus L., Cichorie. Suregrasz (85); [2,52]; unbestimmt; vergl. Wiszgras. Swertnla 118; Gladiola [2,127]; eine Lüsart, deren Blätter und Wurzeln als Heilmittel benutzt Averden ; welche Art aber, lässt sich nicht ganz sicher feststellen. Sysemera 37 ; 3, 59. Die zweite der angeführten Stellen (3. 59) ist der Schluss des über die Luft handelnden Kapitels [1, 7] der Strassburger Ausgabe und beginnt mit den Worten „de eo quod dicitur sysemera'-'. Dann heisst es ferner: „Im Frühling und Herbst ist die Luft seyger ('1. h. langsam tröpfelnd, zähflüssig, matt) wie der Wein und sondert eine gewisse „albugo" ab ((luandani albuginem dimittit); das ist die „sysemera". Es handelt sich also um die Bedeutung des AVortes „nlhugo". Nun spricht die heilige HILDEGARD am Schlüsse des Kapitels, das über den biboz (1, 107) handelt, von der „albugo ovi". — 213 — dem Eiweiss. Wir werden also richtig gehen, wenn wir unter der „albugo" der Luft eine Substanz verstehen, die mit dem Eiweiss eine gewisse Ähnlichkeit hat, also eine schleimige, weissliche Masse. Der- artige Massen, die der Volksmund in Norddeutschland auch wohl Sternschnuppen nennt, werden von den aufgequollenen Eileitern des Frosches gebildet. Raubvögel, welche ein Froschweibchen gefressen haben, brechen nachher die Eileiter unverdaut wieder aus, die dann durch Wasseraufnahme sehr stark aufquellen. S2/mes 157; [2,170]; nicht zu ermitteln; ob Simse? Tanacetum (111,15); [2,70]; Tenacetum Pitra; Tanacetum vul- gare L. ; vergl. Reynfan. Thus 175; [3,8]; Weihrauch, stammt von Boswellia serrata Roxb. Thymus 222; [2.181]; Thymus vulgaris L., Thymian. Tormentilla (15); Tormentilla erecta L. ; vergl. Birckivurtz und Dor- nella. Triticum 1; [2, 1|; Triticum vulgare L., Weizen. tJersbotde Grimm und Pitra; wird von Grimm identificiert mit heresboto, das nach Graff Spr. 3,81 identisch ist mit zizania; kann also ein Getreideunkraut sein. Ugera 137; [2,144]; ganz unbekannt. Unlauch 83; Cepe [2,49]; eine Art Zwiebel, vielleicht Allium Cepa L.. die Sommerzwiebel. Ist unlauch gleich unio? Urtica 100,(66); [2,111]; Urtica dioica L., Nessel, Brennnessel; wird gekocht als Speise empfohlen; es ist auch die Rede von einer ar- dens Urtica und am Schlüsse des Kapitels von einer urens Urtica, ebenso wie in Cap. 115 und 139, also von einer brennenden Nessel, was genau dem eyter neszel (180) entspricht und wahrschein- lich unsere Urtica urens L. bedeutet. Vehedistel 206, (99)'; [2,110]; Carduus Marianus L., Mariendistel; heisst noch bei HIERONYMUS BOCK u. a. Vehedistel. Venich 10 ; [2, 14] ; Panicum italicum L., Kolbenhirse. Venechil Pitra ; Fenchel ; vergl. F e n i c u 1 um. Vepres (164); Dornsträucher überhaupt, insbesondere Brombeerbüsche; vepres, hrame Sum. 19,45; vej)res bramen Sum. 59,10; an der an- geführten Stelle wird h e r b a v e p r i u m erwähnt. Verbena (154); [2.155]; Verbena officinalis L., Eisenkraut; vergl. Ysena. Vichbona [2, 9] und Vigbona 189 ; eine Art Lupine ; lupinum, ficbone Sum. 22, 53 ; lupini amari, vicbon Sum. 57,41. Viola 103; [2,113]; Viola odorata L., Veilchen. Viscum piri (212); Viscum album L., Mistel. U^altbere 171; [2,179]; waltbei'e, quae etiam heydelbere vocantur, scilicet quae nigrae sunt, also unsere Heidelbeere, Vaccinium Myrtillus L. — 214 — Wegerich 101 ; Plantago [2, 112]; Plantago major L.. Wegerich; ausser diesem, der vorzugsweise gebraucht wurde, hat man auch Plantago lanceolata L. benutzt. Weggrasz (85) ; [2. 52] ; vergl. Wiszgras. Wermuda 109; Absinthium [2,119]; Artemisia Absintliium L.. Wermut. Weydenkole (84), wird mit kochkole zusammengestellt; was es bedeutet, weiss man nicht. Wei/t 208; [2,165]; Isatis tinctoria L.. Waid. WicMm 192; [1,12]; Vicia sativa L., Wicke. Wichicurtz 173; ganz unbekannt. Wilde latich 92; Silvestres lactucae [2,63]; Lactuca Scariola L.. wilder Salat ; wahrscheinlich die Stammform des Gartensalats ; die Apotheken füln'ten seine Blätter als Herba Lactucae silvestris s. Sca- riolae. Wildendnsa Pitra; entspricht dem lateinischen Mentastrum ; Mentha sil- vestris L. ; vergl. Rosse)iit/ntz(i. Winda 57; [2,103]; wahrscheinlich Convolvulus arvensis L. oder C. se- pium L., Ackerwinde oder Zaunwinde. Wisela 191; [2, 11|; f/ise/wn Grimm und Pitra ; scheint eine Hülsenfrucht zu sein; möglicherweise eine Entstellung aus Fasiolus. Phaseolus, wie Grimm annimmt. Wiszgras 85; [2,52]; der gleichlautende Text der Strassburger Ausgabe hatte als Überschrift Weggrasz et Suregrafz et Roemesgrasz; diese drei Namen scheinen hier in Wiszgras zusammengefasst zu sein ; ge- meint sind Kräuter, die sich von Gesunden und Kranken essen lassen ebenso wie melda und latichen: sichere Deutungen sind hier nicht möglich ; Weggrasz wird für Polygonum aviculare L. , den Vogel- knöterich, gebraucht, der sonst wegetrede, spuregras, sanguinaria etc. Sum. 23, 45 u. 57) genannt wird ; aber dies Kraut dient nur als Heilmittel und ist wohl niemals gegessen worden. Wolfesgelegena 156; wird meist als Arnica montana L.. Wolverlei, ge- deutet ; Grimm schweigt aber ; die Deutung ist mindestens unsicher, da die Pflanze als giftig geschildert wird ; wahrscheinlich ist Aconitum Lycoctonum L. gemeint, das im 16. Jahrhundert Wolfswurtz hiess uud zum Töten von Wölfen und Hunden benutzt wurde. Wulffesndlch 51; Cardus niger [2.98]; nicht zu ermitteln; Wid fes- milch würden wir geneigt sein als Euphorbia zu nehmen, aber dazu passt Cardus niger durchaus nicht: in der Kapitelübersicht steht woolf.nvurtz, indes wird dadurch die Sache nicht klarer. Wnllena 123; Blandonia [2,131]; Verbascum Thapsus L., Königs- kerze, Wollkraut ; im Text von 1 1 1 steht vullena. Wuntwurtz 44; Frasica [2,89]; möglicherweise Euphrasia officinalis L., Augentrost; sg/7te«7a-Frasia ahd. Gl. 24,4; Euphrasia-.'.eZ^ÄeiY« Sum. 62,5. Ybischa 141; [2,147]; Althaea officinalis L., Eibisch. — 215 — Ysena 154; Verl)eiia [2, 155]; Verbena officinalis L., Eisenkraut. Zinziber (15) und sonst mehrfach; [2,19]; Amomum Zingiber L., Ingwer; vergl. Ingeher; in 3,33 steht z eng eher. Zituar 19 und sonst vielfach; [2, 18]; die Wurzel von Curcuma Ze- doaria Rose. Zittwerwurzel ; in 117 steht zltwar, Zizania (12); [2, 64|; Lolium temulentum L. ; vergl. Ratäe. Zurker 179; Zucker; es kommt auch zucharum (15) und zuccarum (140) vor. Zugeinich 217, unbekannt. Drittes Bach. Von den Bäumen (de arboribus). In der folgenden Aufzählung sind die Kapitel 56 — 60 ausgelasse2i; 57. de mose, das von Moos und Flechten handelt, und 59, de ^yse^nera, sind im vorhergehenden Buch mit genannt; 56. de fumo, handelt von Holzrauch, 58, de unguento Hilarii. von einer Salbe; 60 enthält ein Recept gegen Skropheln (contra orfimas). Abies 23; [3.32]; Abies pectinata DC. Edeltanne. Acer Pitra. kann statt für Gundereha auch der lateinische Name für den Massbolder oder Eeldahorn sein; )nazaltra- Acer ahd. Gl. 6,2; mazzolter- Acer ahd. Gl. 38. 33. Affaldra 1; (2 u. 57) Malus [3,19]; Pirus Malus L., Apfelbaum. Agenhaum 51; in der Kapitelübersicht steht Hagenhanm; vielleicht die Hagebuche, Carpinus ßetulus L. Ahorn 30; Platanus [3,40]; Acer Pseudoplatanus L., Ahorn; bei Grimm und Pitra steht ahornenbovm. Alnus (29); [3,39]; Alnus glutinosa Gaertn. ; vergl. Arla. Amydalus 10; [3,28]; Amygdalus communis L., Mandelbaum. Arla 29; Alnus [3,39], Alnus glutinosa Gaertn., Eller. Erle. Asch 27; Fraxinus [3,37]; Fraxinus excelsior L., Esche. Aspa 28; Tremulus [3,38]; Populus tremula L., Espe, Zitterpai^pel. Baumwolle (24); [3,34]; das unverständliche 6o?/w^ der Strassburger Aus- gabe ist in der neuen durch Baumwolle ersetzt. Birhaum 2; Pirus [3.20]; Pirus communis L., Birnbaum. Bircha 32: Vibex [3,42]; Betula alba L., Birke. Bontziderhaum 18; [3, 18]; in qua magna Bonezider crescit; MEYEß III, S. 526. hält Bonezider für eine Verstümmelung von Poma Citri, — 216 — gewiss mit Recht: dann ist der Baum Citrus medica L.. Citrouen- baum. Buxus 22. (15) [3.31]; Buxus semiiervirens L.. Buchsbaum. Carpiuus Pitra ; Carpinus Betulus L. ; vergl. Hagenhutha. Castanea (12): [3. 13]; Castanea vesca Gaertner; vergl. Kestenbaum. Cedrus 19; [3. 10]; da Zweige und Früchte frisch benutzt werden sollen, wohl kaum etwas anderes als Juuiperus communis L.. Wachholder. Cerasus 6; [3.24]; Prunus Cerasus L. und P. avium L.. Kirschbaum. Cornus (40); [3.85]; Cornus mas L. ; vergl. Erlizhaum. Corylus (11); [3.29]; Corylus Avellana L. ; vergl. Hamlhanm. Cutinbavm Grimm und Pitra; vergl. Quiüenhauin. Cypressus 20; [3,11]; Cupressus sempervirens L., Cypresse. Datilhaum 17; Phoenix dactylifera L., Dattelpalme. Elren; 1, 118 wird cinis elren, Asche der Eller erwähnt; vergl. Arla. Erlizhaum 40; Cornus [3,85]; Cornus mas L., Kornelkirsche; heisst in Württemberg noch heute Erlitze ; arlezhovm-CornvL's> ahd. Gl. 6. 5. Esculus (8); [3,26]; Sorbus domestica L. ; vergl. Spirbaum. Fagus 26; [3,36]; Fagus silvatica L., Buche. Felhaum 39; unsicher; es wird angegeben, dass es schädlich sei, die Frucht dieses Baumes zu essen, sonst könnte man an irgend eine • Pappel denken, deren Knospen noch heute volkstümlich Feibaum- knospen genannt w^erden; Felber ist ein alter Name für Weide; vergl. Melbauin. Fickbaum 14; [3,15]; Ficus carica L., Feigenbaum; als Frucht des Feigenbaums (fructus ficus) wird 1, 95 vlgim genannt. Ficus (1,95), Pitra; der lateinische Name von Fickbaum. Folbaum 38; in der zu Anfang des Buches gegebenen Übersicht über die Kapitel steht Sulbaum; beide Namen harren noch der Deutung. Fornliaff 33 ; war nicht zu ermitteln. Fraxinus (27); [3,37]; Fraxinus excelsior L. ; vergl. Ascli. Fusarius Pitra; der lateinische Name des Spindelbaumes; vergl. Spinel- baum. fjfarten slehen (7); [3,25]; eine Hasse von Prunus insititia L. ; vergl. Prunibaum. Gelbaum 45 ; Gelbholz geht noch als Name der Berberize, Berberis vul- garis L. ; vergl. Mdtzbaum. Gichtbaum 55; unsicher; ob Ribes nigrum L., Gichtbeere? Hagenbucha 35; [3, 44|; Carpinus Betulus L., Hagebuche. Hanelpeffe (52); die Frucht der Heckenrose, Rosa canina L. Harbaum 48; [3,51]; in der Kapitelübersicht steht Haubaum; bei NEMNICH finden sich Harholz und Haubeere als Synonym von der Trauben- kirsche. Prunus Padus L. ; vielleicht ist dieser Baum gemeint. Hartbrogelbaum 46; vielleicht der Hartriegel, Cornus sanguinea L. J/aselbaum 11; Corylus [3,29]; Corylus Avellana L.. Haselstrauch. — 217 — Holderhaum 44 ; [3. 48] ; Sambucus nigra L., Holunder ; nach MEYER, III. S. 527. wird die Blüte des Holunders in [3. 48] ciclim genannt; in der neuen Ausgabe steht zechen; 1, 172 wird holder erwähnt. Hijffa 52; Rosa canina L., Heckenrose; die Frucht wird hanelpeffe ge- nannt; der ältere lateinische Name der Heckenrose ist tribulus; tri- bulus. Ideffoldra Sum. 18. 35; tribulus. Idephcdter Sum. 39.49; hlefeltra- Tribulus ahd. Grl. 6, 6. Ifa 47 ; [3, 50] ; Ulmus cami^estris L., Ulme. Rüster. Bei HiERONYMüS BOCK heisst die Ulme „Rüstholz. Vlmerbaum, Yffenholtz". bei TabER- NAEMONTANUS „Rustbaum , Lindtbast , Vlmenbaum . Effenbaum". Dem deutschen "Worte Iffe oder Effe entsi)richt das lateinische (?) ipies: ipies . ulmus CGrL III. 546, 70. Julex Pitra; unbekannt; von Pitra als ßetula alba L.. Birke, gedeutet; ob verlesen für Vibex? Juniperus Pitra; Juniperus communis L. ; vergl. Wacholderbaum. hestenbaurn 12; Castanea [3, 13]; Castanea vesca Gaertner. Kastanie. Kriechen (7) ; eine Rasse der Gartenpflaume, Prunus insititia L. ; vergl. Prunibaum. Laurus 15; [3. 16]; Laurus nobilis L.. Lorbeerbaum; die Beeren heissen Lorber (1.174); als deutscher Name steht bei Grimm und Pitra Lorbere. Lentis cus Pitra; wahrscheinlich der Mastixbaum. Pistacia Lentiscus L.. der das Mastix genannte Harz lieferte ; bei den Griechen hiess er (Jxivog. bei den Römern Lentiscus. Merkwürdigerweise übersetzen die Pflanzenglossare, wenigstens bis zum 12. Jahrhundert, lentiscus mit melbauni : melebovm-Yrmus gr. lat. lentiscus ahd. Gl. 5, 36 ; ferner lentiscus, melbovm Sum. 39. 40 ; lentiscus uielb. Sum. 45. 82. Wenn Prinus nicht verschrieben ist für (Jxivog, so steht es hier in einer ungewöhnlichen Bedeutung, denn das griechische ■n:pTvo(; bedeutet eine Eichenart (Quercus coccifera L. und verwandte) , und das spät- lateinische prinus steht vielfach statt prunus, Pflaumenbaum (prinus. phrumbooni Sum. 39. 23 ; prinus. prumbovm Sum. 45. 66). Lorbere Grimm und Pitra; Laurus nobilis L.. Lorbeer. Malus (1); [3. 19]; Pirus Malus L. ; vergl. Affaldra. Mascel 41 ; da in der Kapitelübersicht Mazeldra steht, so darf man Mascel wohl als verschrieben betrachten ; dann haben wir es zu thun mit Acer campestre L.. Feldahorn oder Massholder; »tazaltra-Acev ahd. Gl. 6.2; acer, mazolter Sum. 45. 54. Melbamn 39 ; die Kapitelübersicht hat Melbawu, während das 39. Kajjitel von Felbaura handelt; wahrscheinlich ist Felbawn verschrieben, denn von einer Frucht (fructus) der Pappel wird man im 12. Jahrhundert kaum gesprochen haben . In den Sumerlaten. 39. 40 und 45. 82, findet sich die Glosse „lentiscus. melbovm''^; hier wird man doch wohl an den Lentiscus der Römer, den Mastixbaum (Pistacia Lentiscus L.), — 218 — denken müssen, denn Lentiscus war ein bekannter Name. Bei den Schriftstellern des 16. Jahrhunderts finden wir einen kleinen und einen grossen Melbaum oder Mälbaum. Der kleine ist Viburnum Lantana L.. der grosse Sorbus Aucuparia L.. unser Vogelbeerbaum. Meltzbaum 45 ; [3, 49] ; auch Gelbaum genannt, das man vergleichen wolle. Mirica (50); [3,52]; Sarothaninus scoparius Koch; vergl. Fnjme. Mirtelhaum 42; [3,46]; Myrica Gale L.. Gagel, wird zum ßierbrauen benutzt, und kann deshalb die Myrte nicht sein. Die Glossare über- setzen mirtus mit porse oder ähnlich (mirtus , borse Sura. 57, 54 ; mirtus porsze Colm. Gloss. 482) ; Pors oder Porst ist der nieder- deutsche Name des Gagels. Die Sitte. Bier mit Gagel zu brauen, war über West- und Nordwestdeutschland. Mecklenburg, Dänemark und Norwegen verbreitet. Die Blätter der Pflanze wurden in den Apotheken als Folia Myrti brabanticae geführt; im 16. Jahrhundert hiess der Gagel auch „deutsche Myrte" . Teutona myrtus (Nathan Chytraeus. Botanoscopium. v. 67 ; herausgegeben von E. H. L. Krause. Archiv d. Yer. d. Freunde d. Ntg. in Mecklenburg. 33. Jahr, Neu- brandenburg 1880, S. 318 ff.) Morus Pitra, der lateinische Name von Mulbamn 9 ; Mnlberboum [3. 27] ; Morus nigra L.. schwarzer Maulbeer- baum. Murica Pitra. wahrscheinlich dasselbe wie Mirica oder Pvyxu;, das man vergleichen wolle. \^espelbaum 13; [3.14]; Mespilus germanica L.. Mispel. Nuszbaum 3; Xuszbovm Pitra; Nux [3.21]. (1,100); Juglans regia L., Walnuss. Oleybaum 16; [3,17]; Olea europaea L., Ölbaum. Ornus Pitra; zieht man die Pflanzenglossare zu Rate, so findet man ornus niemals durch Esche übersetzt; dagegen findet man Hinweise auf den Ahorn, z.B. Uiibovm'Ovnw^ ahd. Gl. 6, 3; ebenso Sum. 12,22; ornus, limbovm Sum. 12,32; 39,44; 45,59; ornus. aornboim Sum. 58,13. Es könnte also ornus recht Avohl ein latinisiertes Ahorn sein. Lan- bovm oder linbovm ist vielleicht identisch mit Leinbaum bei HIE- RONYMUS BOCK, der fol. 400 bei Besprechung des Ahorns sagt, dass „das wild geschlecht Leinbaum" genannt werde; dann würde man es wohl als Acer Pseudoplatanus L. deuten müssen ; der Spitzahorn, Acer platanoides L., führt auch die Namen Lenne und Lönne, die nach Grimms Wörterbuch gleichen Ursprung mit lin oder ////( in Unbovni haben . Paliurus Pitra; vielleicht Rhamnus Paliurus L., der schon seit alten Zeiten als heilkräftig berühmt war und im Orient und in Südeuropa zu Hause ist; möglicherweise auch nur Bezeichnung eines Dornstrauchs überhaupt ; palvirus , hagen vel ageleia vel hagenbinta vel wechalter Sum. 1 2, 52 u. 53 {ageleia gehört nicht hierher ; loachalter ist juni- — 219 — perus, varhhahler): paliurus, fehvar Sum. 39, 55; palivrus, haj/a/t. Sum. 45,45. Palma (31 ; nach dem Text nichts anderes als der in Cap. 17 genannte Datilhaum, Phoenix dactylifera L., Dattelpalme. Persichbaum 5,(1,13); Persicus [3,23]; Amygdalus persica L., Pfirsich. Picea 62; Picea excelsa Link, Rottanne oder Pichte; im Text von Cap. 15 werden Tannzapfen, plnapele, erwähnt. Pin US Pitra; Pinus silvestris L., Kiefer, Föhre. Pirus (2); [3,20]; Pirus communis L. ; vergl. Birbaum. Platanus (30); [3,40]; Acer Pseudoplatanus L. ; vergl. Ahoni. Prinus Pitra; dasselbe wie Prunus; \eYgl. Pnimbajun, und Lentiscus am Ende. Prunibaum 7; Prunus [3,25]; Prunus domestica L. und P. insititia L.. Zwetsclie und Pflaume ; erwähnt werden : roszprumen^ garten delien und kriechen; im 16. Jahrhundert hiessen besonders grosse, dunkelblaue oder schwarze Pflaumen „Rofzpflaumen" (BOCK, MATT., TAB.); die beiden anderen Namen werden als Rassen der Grartenpflaume zu deuten sein. Pryme 50; Mirica [3,52]; Sarothamnus scoparius Koch. Besen- oder Pfriemenginster. Im Text kommt einmal Pri/men vor, während Kapitel- überschrift und das Anfangswort des Kapitels Pruma lauten ; hier liegt jedenfalls ein Schreib- oder Lesefehler vor; mirice. phrimmen Sum. 39,59. Mirica oder Myrica bedeutet sonst auch Heide; jedoch scheint diese Bedeutung nach der Anwendung, die von der Pflanze gemacht werden soll, hier ausgeschlossen zu sein. Quere US 25,(1,40); [3,35]; Quercus Robur L., Eiche. Quittenbaum 4; Quotanus [3,22]; Cydonia vulgaris Pers., Quitte. R i s c u s Pitra ; wahrscheinlich der lateinische Name des Holunders, Sambucus nigra L.; Ao/c&- Sambucus vel riscus ahd. Gl. 6.5; riscus, Jioler Sum. 39,53; riscus holenter Sum. 15,23. Roszprwnen (7), eine Pflaumenrasse ; vergl. Prunibaum. Salewida 37; Salix Caprea L.. Sahlweide. Salix (30); vielleicht Salix Cai^rea L., Sahlweide. Sanguinarius Pitra; der spätlateinische Name des Hartriegels, Cornus sanguinea L. ; AariJru^iY - Sanguinarius ahd. Gl. 6,1; sanguinarius, hartrugelin holz Sum. 15,75; sanguinarius, haritugil Sum. 45. 57. Savina (21); [3,30]; Juniperus Sabina L.. vergl. Sybenbaum. Schulbaum 49 ; ist unkrut und taugt nicht als Arzneimittel ; Frucht und Samen gelten für giftig ; bei NEMNICH ist Schulweide ein Synonym von Ligustrum vulgare L., Liguster; vielleicht ist dieser Strauch gemeint. Slehen (53), die Frucht von Spinae 53; [3,54]; Prunus sjDinosa L., Schlehe, Schwarzdorn. — 22U — Spinelhmun oder Spipielbaum 34 ; [3. 43] ; Evouymus europaeus L.. Spindel- oder Si^illbaum ; der ältere lateinische Name war Fusarius; fu- sarius. spindelhovm Sum. 39, 23 ; fusarius, spinlbovm Sum. 45, 41. Sptrbau7H 8; Esculus [3, 26|; Sorbus domestica L., Speierling. Studa Pitra; ausser Staude kann dies Wort nach Graff Spr. 6. 651 auch noch sentis und rubus. also Dornstrauch überhaupt bedeuten ; vielleicht ist es als der deutsche Name für Spinae zu nehmen. Syhenbaum 21, Xiht'ubamn (15); Sa vi na [3,30]; Juniperus Sabina L., Sadebaum. Taxus (31); [3.41]; Taxus baccata L.. vergl. Ybenbaum. Tilia 24; [3,34]; Tilia europaea L.. Linde. Tremulus (28); [3,38]; Populus tremula L. ; vergl. Aspa. Tribulus 63, (52); Rosa canina L. ; vergh Hyffa. Vibex (32); [3,42]; Betula alba L. ; vergl. Bircka. Vimina Pitra; eine Weidenart; wida, vimen ahd. Gl. 6,5. Vitis 54; [3, 55]; Vitis vinifera L., Weinstock. Im Text der Strass- burger Ausgabe wird Vinum Franconicum und Hunonicum erwähnt; der erste ist Frankenwein, der zweite Rhein- oder Mosel- wein; der Pagus Hunonicus, von dem der Name Hunsrück kommt, lag zwischen Rhein, Mosel und Nahe (nach Meyer, III, S. 534, 535). Wacholder bäum 43; [3.48]; Juniperus communis L., Wachholder. Wida 36 ; irgend eine Weidenart ; Frucht und Saft der Pflanze werden bitter genannt; die Erwähnung der Frucht macht die Deutung un- sicher; vergl. jedoch Vimina; als Frucht könnten auch Insekten- gallen genommen sein. Ybenbaum 31; Taxus [3,41]; Taxus baccata L.. Eibe, Taxus. Nachtrag zu Seite 95. Über citrulus. Das Wort rifruhts'^) ist ein Diminutivum von citreum oder citriwu, die Citrone, und bedeutet deshalb wörtlich eine kleine Citrone -) ; es fehlt in allen älteren Glossaren und kommt zuerst bei ALBERTUS MAGtNUS. also im 13. Jahrhundert, vor. AVelche Pflanze ALBERTUS MAGNUS mit citrulus meint, ist nicht leicht zu entscheiden, denn die Angaben, die er darüber macht, sind meist eingestreut in die Bemerkungen, die er über die Gurke, cucumer, mitteilt (6, 314). Hier sagt er, dass die Gurke in ihrem gegliederten Stengel (crura multis nodis conjuncta) nicht nur mit dem Kürbis, sondern auch mit der Melone und dem citrulus überein- stimme ; dass die Samen der Gurke kleiner seien als diejenigen des Kürbis, von Gestalt (in figura) wie die Kerne von Äpfeln und Birnen, aber grösser, und dass sie so seien wie diejenigen von citrulus'-^) und Melone ; dass der Samen der Gurke besser sei als der Samen von citrulus. Der folgende Paragraph (6,315) beginnt dann: „Der citrulus aber ist ein grüner pepo (Melone) von ebener ßinde ; aber der pepo ist gewöhn- ^) Citrulus ist nicht ins Deutsche überyegaug-eu, in Italien heisst die Grurke aber U'jch heutigen Tages citriolo, citriuolo, cetriolo , cetriuolo , während dort das Wort coconiero ganz ausser Gebrauch gekommen ist. '') Citrium bedeutet die Citronatcitrone, die Frucht von Citrus medica L., und nicht unsere gewöhnliche Citrone, die richtiger Limone genannt werden müsste (vergl. Hehn, S. 357 ft'.). Die Citronatcitrone erreicht eine sehr ansehnliche Grösse, denn sie kann 15 cm lang werden und noch länger. Bei Apicius (De re coquinaria, ed. Schuck, 2. Aufl., Heidelberg 1874) wird eine einzige Citrone, citrium, in einem ver- schlossenen Topfe aufbewahrt (1,21); die Gerichte, die er daraus herstellt (3,75; 4, 175), würden unserem Gaumen nicht munden (uns würde schon das liquamen, Eisch- fett, anwidern, das diesen und so vielen anderen Gerichten zugesetzt wird), aber daraus dürfen wir doch nicht schliessen, dass an den genannten Stellen keine Citrone, son- dern eine Gurke gemeint sei. Überdies wird in den Glossaren des CGL lu citrium als Citronatcitrone gedeutet (citrium poma cedri 588, 31). Die Citronatcitrone war teuer: im E die tum Diocletiani, 6,75, kostet eine sehr grosse, citrium maximum , 24 Denare, eine kleinere, sequens, 16 Denare, während 2 grössere Melonen (melope- pones maiores; 6,30) 4 Denare kosten. Eine Citrone kostete also 8 und 12 Mal so viel als eine Melone: das war allein schon ein Grund sie zu essen. Würde bei uns jemand indische Vogelnester in den Mund nehmen, wenn sie billig wären? ") Diese Bemerkung verbietet es, den citrulus als Wassermelone zu deuten. — 222 — lieh gelb und von unebener Oberfläche, gleichsam als wäre er aus scheibenförmigen Halbkreisen zusammengesetzt." Dann folgt eine An- gabe der medicinischen Wirkungen des citrulm: der Genuss \ on citrulus, Melone etc. erzeugt chronische Fieber; der citrulm aber hat das Gute, dass solche, die von plötzlicher Entkräftung (Ohnmacht) befallen werden, (habentes sjncopim). wieder zu sich kommen, wenn sie ihn riechen ; er stillt den Durst, und seine Blätter helfen gegen den Biss toller Hunde. Mit diesen Angaben ist nicht viel zu machen, nur geht daraus mit Sicherheit hervor, dass der citrulm . zu den Cucurbitaceen gehört ; ob er aber eine Gurken- oder eine Melonenrasse ist, bleibt zweifelhaft. Man würde am ehesten geneigt sein sich für eine Melonenrasse zu entscheiden, aber bei der Schwierigkeit, welche die Zucht der Melone damals bieten musste, will uns das auch nicht übermässig wahrscheinlich vorkommen. AVir wollen deshalb zunächst untersuchen, was man im 16. Jahrhundert unter citrulus verstand. MATTIOLI (Comm. S. 395, 398) gebraucht citrulm als lateinische f'bersetzung von cedvuolo, das in Toscana zur Bezeichnung einer kurz- früchtigen Gurkenrasse gebraucht wurde ; lange Gurken hiessen daselbst ci'xlruolo lo)igo, im übrigen Italien cocomero serpentino. Im Kräuterbuch (fol. 156 B) sagt er unter der Überschrift „Gurcken Cucmneres" : „Der Cucumern seind zwey Geschlecht: Das Erste ist allhie im Behmerland, sehr wohl bekannt, etliche nennens Citrulum, darumb, dasz es der Ge- stallt nach den kleinen Citronen gleich sihet, sind die gemeine kleine Gurken. Die Nürnberger heissens Kümmerlinge." ^) ,,Das ander nennet man Anguinam, sind lange, krumme, holkeelichte Gurcken, an der Rinde weifser und rauher. Beyde Geschlecht vergleichen sich am Geschmack und Samen. In Blettern haben sie ein vnterscheidt, dann der langen Gurcken Bletter sind scharpff und rauhe, wie in den Melaunen." CaESALPINUS (De plantis libri 16, Florentiae 1583 ; nach C. BAU- HIN, Pinax, S. 310) sagt, dass die gewöhnliche Gurke, cucumis, allgemein (vulgo) citreolus genannt werde; die lange Gurke cucumis longus, nennt er citreolus alter forma anguis, also etwa Schlangengurke. Otto BRUNFELS bespricht in einem Anhange zu seinen Herbarum vivae eicones, Strassburg 1532 (de vera herbarum cognitione appendix) die Pflanzennamen im zweiten Buche des DiOSKüRIDES. Hier bemerkt er (S. 17), dass cucamis nur in Italien bekannt (notus) sei, in Deutsch- land gar nicht. Etwas weiterhin fügt er hinzu, dass die Citronengurke, ^) Dieses AVort hat mit „verkümmern-' nichts zu thun ; es hängt vielmehr zu- sammen mit cucumer und bedeutet W("ii-tlich „kleine Gurke" (Kllge, Etymol. Wörterb. unter Gurke); Kümmerling wird auch von Weinmann für Gurke gebraucht (Phytan- thozaicouographia, Bd. '2, Regenslmrg 1739, S. 282); im südlichen und südwestlichen iJiutschland (0))erbayern, Schwaben, südlichen Teil vom Grossherzogtum Hessen) wird vielfach Xukumer, Kummer, Gummer statt Gurke gesagt. — 223 — die einige citriolus, andere ritrullus nennen, die allgemein citrlon heisse und in Salate)i und Suppen gebraucht werde, bei DIOSKORIDES nicht erwähnt werde.') BRUNFELS scheint also unter cucumis eine langfrüch- tige Gurke zu verstehen. Aus dem Gesagten geht hervor, dass im 16. Jahrhundert ehie kurz- früchtige Gurkenrasse die gewöhnlichere und am meisten verbreitete war. Dasselbe ergiebt sich aus den Abbildungen der Kräuterbücher; denn eine kurzfrüchtige Gurke wird jedesmal zuerst abgebildet, daneben eine langfrüchtige, bei welcher der allgemeine Name für Gurke mit einem Zusatz, anyuimis etc.. versehen ist. Es fragt sich daher, welche Gestalt die Gurke bei ALBERTUS MAGNUS hat. Bei Besprechung des Citronenbaumes (6. 51). Citrus medica L.. den er rechus nennt, sagt er: „dieser bringt gelbe, längliche, grosse Früchte hervor, die fast die Gestalt-) einer Gurke annehmen" (quae facit poma crocea oblonga magna, quae fere figuram cucumeris praetendunt). Merkwürdigerweise vergleicht er die Citronatcitrone mit der Gurke, während sonst das Umgekehrte zu geschehen pflegt; ihm scheint also der Zusammenhang zwischen ciirulus und der Citrone entgangen zu sein. Wir hätten daher Grund seinen citrulns als eine Melonenrasse zu nehmen, denn die Gurke, die er beschreibt, muss nach dem Gesagten kurzfrüchtig gewesen sein. Es wäre freilich auch denkbar, dass die Gurke, die ALBERTUS MAGNUS in Italien gesehen hatte, ihm so verschieden von der in Deutschland gebauten vorgekommen wäre, dass er eine besondere und von der Gurke verschiedene Frucht daraus machen zu müssen glaubte. Wir wollen die Sache aber lieber unentschieden lassen. KONRAD VON MEGENBERG sagt von seinem citrullns (5, 22). dass er nahezu wie die Melone gestaltet sei. Er modificiert also das, was ALBERTUS MAGNUS berichtet, in dieser Beziehung ziemlich bedeutend, und da er sonst nichts von der Gurke sagt, diese aber im 14. Jahr- hundert gewiss ebenso häufig war wie die Melone, so tragen wir kein Bedenken, seinen citrullns oder evdajyfel als Gurke zu deuten. Das Wort Erdapfel findet sich mehrfach als deutscher Name von cucumis ; als solcher von citrullns erscheint er zum ersten Male bei KONRAD. ') „De Citrino Cucumere, quem alii Citriolum, alii Citrullum, uulgo Citrion, quo in acetariis et Monestris utuntur, non fit mentio apud Dioscor." — Monestris muss verdruckt sein für minestris; minestra bedeutet Supj^e. "-) Albektus Magnus nennt die Gestalt der Citronatcitrone und der Gurke cylindrisch oder säulenförmig (3, 32) : „id autem, quod vocatur pomum cedrinum et cucumer et quaedam alia, columnalia sunt: quae figura crescit ex circulo, regulariter super lineam perpeudicularem in centro stantem moto." An einer anderen Stelle (3,22) sagt er: „Columna autem generatur ex circulo sursum super lineam rectam moto.'' Es hat etwas Überraschendes, wenn man sieht, dass schon im 13. Jahrhundert ein Cylinder durch Bewegung eines Kreises längs einer in seinem Mittelpunkte errichteten Senkrechten erzeugt wird; diese Auffassung des Cylinders findet heute nur mühsam Eingang in unsere Schulen. 224 Das AVort citrulhis kommt auch in einem lateinischen Gedichte Saxonia vor, das einem Tidericus Langen zugeschrieben wird, aber nach K. E. H. KRAUSE (Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 29, S. 239) vielmehr Heinrich Rosla zuzuschreiben ist; dadurch wird die Abfassung dieses Gedichtes in das Ende des 13., oder in den An- fang des 1-i. Jahrhunderts zurückgeschoben. Der betreffende Vers lautet: „Sunt ibi nonnullis fabae, melonesque citrulli." ') Hier muss man ritniUi als Apposition zu me/ones ziehen und etwa über- setzen : „Dort (in Niedersachsen) sind an manchen Orten ßufbohnen und Gurken,-' denn dass man zu der genannten Zeit im heutigen Westfalen eine Me- lonenrasse im Freien sollte gebaut haben, ist aus verschiedenen Gründen nicht glaublich. Wäre etwas Derartiges geschehen, so wäre es sicherlich etwas Seltenes gewesen; dagegen spricht aber einmal die Zusammen- stellung mit der Bufbohne, und zweitens bedeutet das für die Häufigkeit des Vorkommens gebrauchte Wort nonnuUi keineswegs selten, sondern entspricht vielmehr unserem „manche-'. Ausserdem ist die Melone keine Frucht für einen ßauernmagen, und bei der Arbeit, die dem Bauern aus der Bestellung von Feld und Garten erwuchs, blieb ihm schwerlich die Zeit, der empfindlichen Melone die ihr notwendige Pflege zu teil werden zu lassen. Bedenken könnte das AVort melones erregen, das in der That Melone bedeutet. Es ist aber sehr wohl möglich, dass Heinrich Rosla die Schrift „de Vegetabilibus" von ALBERTUS MAGNUS gekannt hat; dann wäre die Zusammenstellung von melones und citrulli nicht so merkwürdig, namentlich nicht, wenn man sich den Zwang des Versmasses wirkend denkt. Während also der Name citrulus bei ALBERTUS MAGXUS sich nicht sicher deuten lässt, scheint er in den folgenden Jahrhunderten für die Gurke gebraucht worden zu sein, ebenso wie im 16. Jahrhundert, wo er zugleich bei einigen Schriftstellern die Wassermelone bezeichnet (in der Form citrullus). Aber neben diesen beiden Bedeutungen läuft etwa vom 15. Jahrhundert an noch eine andere: man nahm citrulus als Dimi- nutivum von ncer, das auch citer geschrieben wurde (vergl. DIEFEX- BACHS Glossarium) ; deshalb findet man in lateinisch-deutschen Pflanzen- glossaren aus späterer Zeit cUmdus durch kicher übersetzt, sogar durch Wicken. Der Sprung von der Kichererbse zur Wicke ist am Ende nicht so gross, wenn man erst den von der Gurke zur Kicher gemacht hat. ^) H. Mkihd.mus junior, Rerum Germanicai-um Tom. III. , Bd. 1, S. 808. 1. Register') der deutschen Pflanzennamen. Bemerkung: Namen aus der Zeit vor dem 16. Jahrhundert sind mit kleinem Anfangsbuchstaben gedruckt. — Grleichklingende Buchstaben, wie c und k, f und v, i und y etc. wolle man an der Stelle suchen, die ihnen im Alphabete zukommt; das althochdeutsche uu oder vu ist wie w behandelt. — Übersetzungen lateinischer und griechischer Pflanzennamen sind nur in seltenen Fällen aufgenommen worden. Abendrot 107. Abricose 155. Absinth 75. ackeleia h. H. 196, 197. Ackermennig 77. Ackerminze 69. 71, 72 a, 207, 210. Ackersenf 115, 211. Acker\vinde 214. Ackerwurz 49. Ackeröapfel 146. affaldra, affaltra 145, 215, 217. agenbaum h. H. 215. agleia h. H. 196. ahorn h. H. 215, 219. Ahorn 215, 218. ahornenbovm h. H. 215. Akelei 196. alant h. H. 196, 201. Alant, wahrer 63, 196. AUermannsharnisch 47. Aloe 197. Alpenveilchen 56 a. Alraun, Alraunwurzel 206. alslauchh.H. 138,197.206. Althee 63. Aronsstab 203. Amarant 127, 129, 184. Artischocke 121, 184, 201 Amarellen 152. spanische 121. amer 169. arwiz 99 a 2. Ammi 65, 66, 184. asch h. H. 215, 216. grosses 66. aschalonia h. H. 138. Ampfer, stumpf blättriger Aschlauch 138. 61, 207. aschloch , aschlovch 138, amphora h. H. 197. 139. Andorn 77, 188, 190, 197. asclovch 138. andron h. H. 77, 197, 206. aspa h. H. 215, 220. Anemone 87. astrencia h. H. 197. Angurie 95. Astrenz 197. Anis 117, 182, 133, 184. schwartz 197. antron 189. atich h. H. 197, 203. Apfel 144. Attich 188, 197, 203. Apfelbaum 144, 182, 184, auerute 75. 186, 215. Augentrost 214. wilder 145. Aurine 62. Apfelrose 35. apfil 145. babela h. H. 128, 197, 206 apholtra 145. bachenia h. H. 77, 198. Aprikose 154, 155. bachminza h. H. 197. Aristolochia 57. Bachminze 69, 70, 184, 197. arla h. H. 215, 216. bachmyntza h. H. 71, 197, Aron 203. 211. ') In diesem und in den beiden folgenden Registern bedeutet a^, a^ etc. An- merkung 1, Anmerkung 2 etc.; ein einfaches a verweist auf die Schlusszeilen der letzten Anmerkung der vorhergehenden Seite, oder auf die einzige Anmerkung der angeführten Seite. — Die Adjective sind im allgemeinen hinter die zugehörigen Substantive gestellt. V. Fischer -BeNZON, alta. Gartenflora. 15 226 — Baldrian 201. Ballota 77, 78. Balsam 71. krauser 71. Balsambaum 197, 199. Balsternak 117. Bärenwurz 198. Basilie 134, 180 a-, 197. Basilikum 133, 134. 135 a. bathema h. H. 77, 198. bathenia h. H. 77, 198, 208. Baumweichsel 148. baumwoUe h. H. 215. Beet, rote 129, 185. Beiluss 75, 76, 197, 198. Beinwell 200. Benedictenkraut 190, 198. beonia h. H. 198, 201, 208. Berberize 216. beresboto 213. berewinka h. H. 198. Bertram 62, 190, 198, 207, 208. Bertramswurzel 198. berwurtz h. H. 198. Besenginster 219. betenia 189. Betonie 77, 198. Betonika 5, 76, 77, 182, 188, 190. bibenella, bibinella li. H. 198. bibenna 95. Biberneil 115, 135 a, 189, 198. klein welsch 135 a. Biberwurtz 57, 199. biboz 76, 197, 198. bieza 129. bifuz 76. bilsa h. H. 198. bilse, bilisa 198. Bilsenkraut 198. Binetsch 130. binsuga h. H. 197, 198. bira 146. birbaum 146, 215, 219. bircka a. H. 215, 220. birckwurtz h. H. 198, 213. Birke 215, 217. Birnbaum 145, 182, 184, 186, 215. wilder 72a, 145. Birne 144. Birnquitte 146. Bittermandelbaum 158. biwerwurtz h. H. 57, 198. Blattkohl 111. Blumenbinse 46 a-. Blumenkohl 110, 111, 112. Blumen-Köhl Tab. 112. Blumenköl Matt. 111. Bluthirse 170. Blutkraut 198. blutwurtz h. H. 198. boberella h. H. 198. Bocksbart 122, 123. Bockshornklee 81, 98. Bohne 2, 5, 95, 96, 100, 185. egyptische 100. griechische 100. grosse 98, 100, 149 a*, 184, 202. Bohnenkraut 5, 133, 136, 182, 184, 185, 210. Bolle 139. Bone, türkische Krtb. 99. bonezider h. H. 45. Bouifaciuskraut 189. boutziderbaum h. H. 215. Boretsch 134. Borgel 108. brachwurz h. H. 199, 201. bramber h. H. 199. breitleteche 60. brema h. H. 199. Brennnessel 88, 202, 213. grosse 88. kleine 88. Brisslauch 141, 206. Briszlauch 141. Brodtwurz 132. Brombeerbusch 199, 213. Brombeere 156. Brumsilk 135. Brunnenkresse 102 , 103, 176 a^ 199. Buche 216. Buchsbaum 23, 47, 49, 216, Buchweizen 170. Bufbohne 96 a-, 100, 201. 224. burncrasse h. H. 103, 199, Burre (dän.) 60a3. burtel h. H. 199, 209. Burtzel 108. Buschbohne 99. byföth 76. Byren, Byrn 146. Byrnbaum 146. bywerwurtz 57, 198, 199, 210. Cardone 121. catzenzagel h. H. 199. Centifolie 34, 36. cherse 151. chichera 99 a'-. chlette 60. chlobeloch 142 a. cholsamo 189. chraneuuito 189. ehren, chrene 114. Christianswurz 200. Christrose 63. Cichorie 104, 106, 182, 184, 212. Citrone 221, 223. Citronatcitrone 221a 2, 223. Citronenbaum 216, 223. Citronengurke 223. Citronenkraut 137. Citronenmelisse 137. Citrullen 95. citterwurtz h. H. 200, 211. cle h. H. 200. cletta h. H. 60, 200, 205. clette 60. clive 60. clobelouch 142 a. comyn 131. conele 16, 135. cranchsnabel h. H. 200, 205, 209. crasso, ci'esso h. H. 102, 200, 207. crecemorensäth 117. Cubeben 200. cuenula 189. cumin 189. cutinbavm h. H. 216. Cypresse 74, 75, 216. Cypresz Krtb. 75. danwurtz. h. H. 201. datilbaum h. H. 216, 219. Dattelpalme 216, 219. dauwurtz h. H. 201. deuemarcha h. H. 201. 227 — denicleta 189. Dill 2, 104, 132, 184, 185, 201. dille h. H. 197, 201. dinchel, dinchil 169. Dinkel 169. dinkil 169. Diptam 67, 68, 184, 201. kretischer 67. Diptamdosten 67. distel h. H. 199, 201. Distel 199. Dittam Bock 68. dnctret 189. dolo h. H. 201, 212. dornella h. H. 201, 213. Dornstrauch 218, 218, 220. dorth h. H. 201. dost li. H. 201, 208. Dosten 178 a 2, 189, 201, 208. dosto 189. Drachenwurz 51, 184. Dragon 51. drakenwort 52. Drakonkraut Tab. 52. druswurz 144. dudelkolbe li. H. 201. dumi li. H. 201. Dünenrose 37. ebech, ebich h. H. 201. Eberraute 2, 5, 69, 74, 182, 183, 188, 212. Eberreis 74. Edelkastanie 184, 186. Edeltanne 215. Effenbaum 217. effi 120. Eibe 220. Eibisch 63, 182, 184, 214. Eiche 147 a', 217, 219. Eierpflanze 143. Einkorn 163. Eisenhart 78. eisenkraut K. 78. Eisenkraut 78, 213, 215. Eiternessel 89, 202. Eller 215, 216. elren h. H. 216. Emmer 163. Endivie 104, 105, 114, 184. Engelsüss 209, 212. Entenflott 207. entiana h. H. 201. Enzian 203. epf K. 120. Epheu 201. ephich 120. eppe 120. Eppich 119. Erbse 95, 99 a 2, 208. graue 95. preussische 95. erdapfel K. 95. erdapfel 95. erdaphil 93. Erdbeere 189, 201. Erdbeerspinat 127, 130, 156. erdbrama 189. erdebuh 189. Erdgalle 62. Erdkastanie 126. Erle 188, 215. Erlitze 216. erlizbaum h. h. 216. Ernrose 128. erpere h. H. 201. ertappel 93. erthappl 93. ertpeffer h. H. 201. Erwe 96 a 2. Erweissen 97. Escariol 105. Esche 215, 218. Esdragon 51. Espe 215. Essigrose 34 ff', eueritte 75. euerute 75. Ewigkeitsblume 175 a. eyter neszel h. H. 88, 202, 213. Färberröte 82, 209. farn h. H. 202. Faseln 99. Fäselen 97, 99. Feige 156, 157. Feigenbaum 23, 157, 184, 186, 216. Feigwurz 62, 202. felbaum h. H. 216, 217. Felber 216. Feldahorn 215, 217. Felderbse 95. Feldkümmel 131. Feldmohn 65. Feldthymian 135, 209. Fenchell04,117, 132, 135 a, 184, 185, 188, 202, 213. Fenchelhirse 170 a. fenich 170. Fetthenne 79. Feuerlilie 33, 34. Fichte 219. fickbaum h. H. 216. Fichtenbaum Krtb. 162. figa 189. Fimmel 88. Fingerkraut 202, 209. Flachs 85, 211. Flaschenkürbis 23, 89 ff., 183, 188, 200, 205. Flaschen Kürbs 92. Flechten 204, 207. Flöhkraut 72. Flohsamen 209. Föhre 219. f Ölbaum h. H. 216. fornhaff h. H. 216. Frauenminze 69, 70, 73, 182, 183, 185, 188, 197, 210. frideles auga h. H. 202. funfiblatt h. H. 202, 209. Gagel 48. 218. gaizvenichel K. 66. galgan h. H. 210. Galgant 202. Galgantwurzel 190. Gamander 189, 202. gamandrea h. H. 196, 202. gareuua 189. Gartenbohnen 98, 104. Gartenerbse 97. Gartenkerbel 126. Gartenkresse 102, 200, 207, Gartenmelde 127, 130, 184, 197, 206. Gartenminze 71. Gartenmohn 65. Gartenpflaume 217, 219. Garten-Rapuntzel, zam 118. Gartenraute 69. Gartenrose 174a', 210. Gartensalat 214. Gartenscariol 105. Gartenscharlach 134. 15* 228 gartenslehen h.H. 153, 216, 219. Gartenspargel 124. Gartenthymian 135. Gartenveilchen 188. gartminza 189. garwa 190, 202, 207. Gauchbrot 123. gelbaum h. H. 216, 218. Gelbholz 216. Gelbe Wurzel 116. Gemüse, schwarzes 119,120, 177a*, 184. gensekrut h. H. 203. gerla h. H. 203. Gerlein 118, 203. Germer 208. Gertwurz 75. gersta, gerste 170. gerst K. 170. Gerste 96, 162, 163, 164, 165, 168, 204. Gesichterbohne 100. Gewürznelken 202, 207. Gewürznelkenbaum 190. Geyerlein 118. gichtbaum h. H. 216. Gichtbeere 216. Gierlein 118, 203. Giftlattich 205. Gilgen 34, 35. blaw 45. weiss 34. gingebern h. H. 203. Girgele 118. girol 203. githcrut h. H. 204. Gladiolus 38, 46. Goldblume 13, 42. Golddistel 121a. Goldlack 39, 41, 112. Goldlilie 34. Görlein 119, 203. Gottesvergessen 78. Granatapfel 13, Blüte 35, 174a'. Gren 115. grensing h. H. 203. Gretje, fine 82. Griechisch Heu 81, 183, 185, 202. Grindlattich 59, 61. Grindwurzel 61. grintwurtz h. H. 61, 200, 203. Gritzelmörlein 118. Grosse Bohne 98, 179 a'*, 184, 202. Gummer 222 a. Gundeh-ebe 189, 190, 203. gundereba 189, 215. gunderebe h. H. 196, 203. Gundermann 189, 203. Gurke 5, 89, 92, 183, 221 ff. Guter Heinrich 127. Haardolde, koptische 66. haber, habero 170. Habichtskraut 207. Hafer96, 162, 165, 168, 204. Haferschlehe 152, 1.53. Haferwurzel 122. hagdorn K. 36. Hagebuche 215, 216. hagenbaum h. H. 215. hagenbucha h. H. 216. Hahneiikamm 174a ^. hanelpeffe h. H, 216, 217. haneph 88. Hanf 87, 199, 203. türkischer 59. hanff h. H. 199, 203. hanif 88, 203. hanofsamo 189. harbaum h. H. 216. Harholz 216. hartbrogelbaum h. H. 216. hartenauwe h, H. 203. Hartheu 203. Hartriegel 150, 216, 217. hartz h. H. 203. Hartzbaum Krtb. 162. hasel 161. haselbaum h. H. 161, 216. haselbere, haselbir 161. Haselnuss 148 a^, 158,160, 161. Haselstrauch 216. Haselnussstrauch 182, 184, 186. haselwurtz h. H. 57, 203. Haselwurz 56, 184, 197, 203. Hasenohren 68 a. hatich h. H. 197, 201, 203. haubaum h. H. 216. Haubeere 216. Hauslauch 79, 184, 204. Hauswurz 79. Heckenrose 35 ft'., 216, 217. Hederich 115. Heide 219. Heidelbeere 204, 209, 213. heidenrettich 115. heidenrub 115. Heiligenpflanze 74, 75. Heiternessel 89, 202. helegeberen 55. hemp 88. henp 88. Herbstrose 128. herse 170. Heu, griechisches 82, 183, 185. heydelbere h. H. 204, 213. heylheubt h. H. 204. hiefeltra 35. hieffaldra 35. hilgeberen 55. Himbeere 156. Himmelschlüssel 205. Himmelschwertel 45. hintlofte 106. hintloifte 106. hintlope 106. hirceswurtz h. H. 204. hirs, hirse 170, 204. Hirschbrunst 204. Hirschbrunstkugel- schwamm 204. Hirschwurz 204. Hirschzunge 204. Hirse 162, 165, 166, 204, 207. hirtzswam h. H. 204. hirtzungen h. H. 204. hobwurz K. 57. holder h. H. 217. holderbaum h. H. 217. Holunder 217, 219. holworz 57. Honigapfel 145. honigwurz h. H. 204, 206. Hopfen 204. Hopfenkeime 125. hoppho h. H. 204. Hornungsblume 38. weisse 41 a. hranca 55. huf 60. — 229 bufflatich h. H. 204. 1 hufflatta h. H. 61, 204. I Huflattich 60, 204. Hühnerdarm 204. Hundskürbis 56. huneckwurtz h. H. 204. hunsdarm h. H. 204. huntespere 144. huosuuurz 189. husmosz, -niuosz h. H. 204. huszwurtz h. H. 79, 204, 211. Hyacinthe 38, 39. hyffa h. H. 35, 217, 220. hymelsloszel h. H. 205. ibesche 64. ibischa 182, 183. Jenbär (däii.) 81. iffa h. H. 217. Igelkolben 46 a-. iiserenbart 78. Immergrün 177 a', 198 ingeber h.H. 203, 205, 215 Ingwer 190, 205, 215. Johanneskraut 79. Johannisbrot 146. Iris 43, 188, 212. isenare 78. isenbart 78. isenhart 78. isere 78. isinchlete 78. isp K. 137. Iwakraut 189. Kaffeeerbse 101. Kalmus 49. Kamille, römische 62. Kampfer 199, 202. Kappes 111. Kappeskraut 111. kappus h. H. 111, 205. Kapuzinererbse 97, 184. Karde 121. wilde 122. Karotte 116. kartdo h. H. 199. Käsepappel 127, 128, 197. Kastanie 158, 217. echte 159. Kastanienbaum 159. Kattenkes 128. Katzenkraut 70. Katzenminze 70, 72, 182 184, 188, 199, 207. Katzenzagel 199. kemen 131. Kemp (hoUänd.) 88. kempenkrut 88. Kerbel 126, 135 a, 182, 184, 185, 188, 200, 205 I spanischer 127. 1 welscher 127. I Kerbelrübe 126. I kersa 151. I keruele 126. 1 kervola 189. kestenbaumh.H.159,216 j 217. I kestenpaum K. 159. ' khren 115. kicher, kichera h. H. 101, 205. Kicher 96a^99a^ 101, 224. Kichererbse 96, 101, 184, 205, 224. kicherkraut K. 101. Kiefer 72 a, 161, 219. kirbele, kirvela h. H. 200, 205. Kirschbaum 149 ff., 182, 184, 216. Kirsche 148 ff. Aprouianische PUu. 150. Cäcilianische Plin. 150 Junianische Plin. 150. Lusitanische Plin. 150 Lutatische Plin. 150 Plinianische Plin. 150 kirse, kirssa 151. Klapper, Klappertopf 209. Klatschrose 64, 87. Klebkraut 60 a \ 82, 175a», 210. kledere 82. Klee 200. Klette 59, 184, 200, 205. Klingelmöhren 119. Klingelrüblein 119. Knoblauch 142, 143 184, 185, 197. Knorpelkirsche 150. kochkole h. H. 111 214. Kohl 108 ff., 129,182,184, 186, 199. Aricischer PUn. HO. brauner 111. Bruttischer Phn. HO. Cumaner Plin. HO. grüner 111. krauser 111, 120. Lacuturrischer Plin. Hl- Pompejanischer Plin. HO. römischer 111, 112, 129. Sabellischer Plin. HO. Tritianischer Plin. 109, HO, 111. Kohl 111. Köhlkraut Hl. Kohlrabi HO, 182, 184. über der Erde HO. unter der Erde 112. Kohlrübe 112. Kolbenhirse 162, 165, 166, 168, 213. koleh.H. 111, 199,205. Köll 135. Koloquinte 54, 184. Königskerze 214. Kopfkohl 108: 205. Kopfsalat 104, 205. Körbel 126, 127. Körffel 126, 127. Koriander 132, 133, 184, 185. schwarzer 132. Kornelkirsche 150, 151a S 216. kornpluom, röteu K. 85. Kornrade 85, 132. Kostwurz 190. kranchsnabel 205. Kranewitt 189. Krapp 184. krässelkraut K. 80. Krauseminze 69, 70, 185 184, 185, 188, 207. Krauskohl 111. Kraut 111, 129. Kren, Kreen 114, kress K. 102. Kresse 102, 184. orientalische 102. Kreuzkümmel 66, 131,184, 185, 200, 205. 109, 111, 182, 115. — 230 krieclibaum 153. | kriechen 153, 217, 219. Kriechenpflaume 152, 153, 200. krise 151. Krupbohne 99. kumel h. H. 200. Kümmel 131, 184. römischer 131. Kummer 222 a. Kümmerling 222. Kumpstkohl 111. kurbesa h. H. 91, 200, 205. Kürbis 23, 89 fr., 221. gemeiner 91, 92. kurbiz 93. kürbiz K. 91. Kürbs 92. indianischer 92. küten, gemain 147. kutina 147. Kutte 147. Labkraut 10, 60 a', 175 a», 210. lactukenkraut K. 105. Lambertsnuss 160. Laserkraut 65, 184. latich h. H. 105, 205, 214. wilde h. H. 205. lauch h. H. 206, 208, 209. Lauch 137, 141, 208, 209. Lavendel 133, 136, 206. lavendela h. H. 206. Leberklette 77, 190. Lein 85. Leinbaum 218. Leinsamen 206. Lenne, Lönne 218. Lerchensporn , hohlwurzli- ger 57. leteche, grofz 60. letteche 60. Leucoium 174. levestock 67. Levkoje 39, 40. Liebäugel 201. Liebstöckel 2, 65, 67, 182, 184, 185, 188, 206. Liguster 219. Lügen 45. Lilie 2, 33, 174, 182, 183, 185, 188. Lilie, weisse 33, 206. lilig K. 34. lilim h. H. 206. linbovm, limbovm 218. Linde 220. Lindtbast 217. linsamo h. H. 206, 211. Linse 96 a^ 101, 206. Lolch 166. lorber, lorbere h. H. 217. Lorbeer 13, 23, 47, 48, 186, 217. Lorbeerbaum 184, 217. Lorbeerkirsche Plin. 150. lubesteche 67. lubestuckel h. H. 67. 206. lubistechel 67. Lupine 213. lunckwurtz, lungwurtzh. H. 206. Lungenkraut 206. madalger 189. mägenkraut K. 65. magesamo 65. mago 65, 189. Mährrettich 115. Majoran 133, 135, 136. Mais 170. Malve 127, 128, 182, 184. man 65. Mandel 158. bittre 158. süsse 158. Mandelbaum 158, 184, 186, 215. Mangolt 112, 127, 129, 130, 182, 184, 185. Mannagras 170. manua 115. Maredig 115. Maressig 115. Margenröslein 43. Märgenröslein 43. Markkohl HO. Mariendistel 201, 213. Marillen 155. marobel K. 78. Marrak 115. Marretig 115. Märzveilchen 40. mascel h. H. 217. Masch, Maschel 88. Massholder 215, 217. Mastixbaum 217. Mater 62, 190, 198, 207. matra h. H. 206. matre 62. Maulbeerbaum 145, 156, 182, 184, 186. egyptischer 156. schwarzer 145, 156, 218. weisser 156. Maulbeere 156. schwarze 156. weisse 156. Mäusedorn 124, 177 a '. mäuszwivel K. 81. mazeldra h. H. 217. Meerrettich 114, 115, 116, 207, 209. Meerzwiebel 81, 184. Meier, Meyer 130. Meisterwurz 121, 197. melbaum h. H. 216, 217. Melbaum, Mälbaum 218. grosser 218. kleiner 218. melda h. H. 197, 206, 214. Melde 127, 129. Melilotus 175 a*. Melisse 78, 133, lB5a, 137, 198. Melone 89, 93 ff., 175 a^ 183, 188, 208, 221 ff. meltzbaum h. H. 216, 218. Mengelwurtz 207. menua, menewa h. H. 61, 206, 207. menua, menva 115. Menwelwurtz 207. meriratich 114. merlinsen h. H. 207. merratich 114. Merrätich, Merrhetich 115. merrech h. ,H. 114, 207, 209. merredich h. H. 114, 207. merredik, merretich 114. merrich h. H. 114, 207. Mertzcnveiel 40. meiere 62. metra h. H. 62, 198, 202, 206, 207. meygilana h. H. 207. mimewrz h. H. 207. — 231 — Minthe, welsche 73. Minze 69, 185, 188. wilde 69, 72, 182, 184, 210. mirredich 114. mirtelbaum h. H. 48, 218. Mispel 146, 147, 148, 218. Mispelbaum 147a ^ 148, 182, 184, 186. mistel h. H. 207. Mistel 207, 213. Mohn 5, 13, 64, 86, 184, 185, 188, 190, 208. Möhre 116 ff. 184. Mohrrübe 10, 116, 186. MöUelein 155. MoUeten 155. Monatsrose 37. Mönchsrhabarbar 178 a ^. Moorwötteln 117. Moos 204, 207. morach 117. more 117. Morelle 144, 145 a^ Morgenrot 107. morkrut h. H. 207, 208. mose h. H. 207. mulbaum , mulberbaum h. H. 218. Müntz, unser Frawen 73. Muskatellerkraut 134, 200, 210. Muskatellersalbei 133, 134, 182, 184, 188. Muskatnuss 208. Muskatrose 37. musore h. H. 207, 208. Mutterkraut 62, 184, 190. myntza h, H. 71, 207. romische h. H. 72, 210. Myrrhe 190, 207. Myrrhenkerbel 126, 127. Myrte 47, 48. uachtscate, nahtscate 144. nachtschade h. H. 144, 207, 211. Nachtschatten 143, 144, 201, 207. schwarzer 143. Nachtviole 41. naderwort 52. Nägel veiel, gelb 41. Nappen 113. lange 113. runde 113. Narcisse 37. gelbe 37. weisse 37. Narcissenröslein 38. nebetta h. H. 199, 207. nelchin h. H. 202, 207. nespelbaum 148, 218. nespelun, nespilun 148 a^, 161. Nessel 87, 88, 213. nessewrz h. H. 207. nezzel, kriechisch K. 88. Nieswurz 62. grüne 62. schwarze 63, 200, 211. weisse 208, 210, 211. nimmolum 208. Nuss 159, 160. lambertsche 160. Nussbaum 160, 182, 184, 186. nuszbaum h. H. 160, 218. nuz 160. nuzboum 160. nyesewurtz h. H. 203, 207, 208. Oberkohlrabi 110. Odermennig 5, 76, 182, 188, 190, 196. oleybaum h. H. 218. Ölbaum 218. wilder 72 a. Ölmagen 65. öpffel. Indianisch 92. Orant 84. Osterlilie 37. Osterluzei 57, 199, 210. Päonie 198. Papenplatte 73. Pappel 216, 217. Pappeln 128. römische 128. Pasternak 117. Pastinak 116, 117,207,208. Pastinakwurzel 117, 118, 184, 186. patönig K. 77. paum, wunderleich K. 59. pedeme 95. pe£ferkrut h. H. 104, 208. peffertruch h. H. 208. peipoz K. 76. penih 170. pepele, grote 64. Perlzwiebel 142. persic 154. persichbaum h. H. 1.54, 219. Pestilenzwurz 60, 204. Pestwurz 59, 60, 184. Peterlein 120. Petersilie 119, 120, 135 a, 182, 184, 185, 208. Petersill 120. Pfebe 95. pfedem K. 95. pfedema, phedemo 95. Pfeffer 190. schwarzer 208. weisser 208. pfeflferkraut K. 69. • Pfefferkraut 102, 103, 135, 208. Pfefterkümmel 131. Pfefferminze 69, 70. pfeffertruch h. H. 208. Pferdebohne 100. Pferdeeppich 120. pfersic 154. Pfersing 154. Pfingstlilie 37. Pfirsich 154, 219. Pfirsichbaum 154, 182, 184, 186, 188. Pfirsch 154. Pfirschaprikose 155. Pflaume 152, 153, 219. damascener 153. gelbe 153. grüne 153. Pflaumenbaum 153, 154, 182, 184, 186, 217. pfloumbovm 153 a 2. Pfriemenginster 219. pheff'ercrut h. H. 208. phlumbovm lö3a^ Pillenkraut 58. Pillennessel 88. Pilze 202. Pimpernell 115,135 a, 189, 198. Pimpernellrose 37. Pinie 161, 184, 186. pipoz 189. pirbaum, pirpaum 146. pirn 146. pirnküten K. 146. planza h. H. 206, 208. plionia h. H. 208. Polei 69, 72, 184, 185, 188, 189. Poleiminze 69, 208. poleya h. H. 208. popele 128. Porree 104, 141, 182, 184, 185, 206, 209. Pors, Porst 49, 218. Portulak 107, 108, 135 a, 199, 209. prieslauch L. H. 141, 206, 209, 211. Provinzrose 37. prurae 153 a^. prunibaum h. H. 153 a*, 216, 217, 219. pryme h. H. 218, 219. psafib h. H. 209. Purzella 108. Quecke 152 a-. Quede 147. Quendel 209. quenula h. H. 209, 211. Quetsche 152 a-. Quitte 13, 144, 146, 219. Quittenbaum 147, 182, 184, 186, 216, 219. Radies 114. Radieschen 113. rahdich h. H. 209. Rainfarn 69, 74, 182, 184, 188, 209. Raps 112. rasela, razela h. H. 209. Rassel 209. ratde h. H, 132, 209, 215. rätich 115. Rättich 114. Rauke 107, 184. Raute 2, 67, 69, 104, 136 a, 182, 183, 185, 188, 210. Reiherschnabel 200. reinefano 189. reinevane 74. retich h. H. 113, 209. Rettich 2, 113, 114, 184, 185, 188, 209. reynevane 74. reyneuar 74. reynfan h. H. 209, 213. Rhabarber 177 a*. Ricinus 58. Riedgras 210. rifelbere h. H. 209. Ringelblume 104, 106, 107, 209. ringele 107 a^. ringella h. H. 209. Ringelrose 107. rungula h. H. 107, 209. ritgras h. H. 210. risza, riza h. H. 209, 210. rocco, roggo 169. Rode 82. roemesgrasz h. H. 209, 214. roemische mentha 210. Roggen 96, 162, 164, 169, 211. rogke, rokke 169. Rohrkolben 201. Rokka 101. romischmyntza h. H. 210. ros K. 36. Rose 2, 13, 34 ff., 174, 183, 185, 188. gefüllte 34 ff. gelbe 37. rote 35 ff. weisse 36, 37. rosendorn K. 36. Rosenkohl HO. rosenpaum K. 36. rosinkol 112. Rosmarin 133, 136, 184, 185. rossemyntza h. H. 72, 209, 214. rosses minza 188. Rosskastanie 159. roszhuf 60. Roszpflaume Krtb. 153, 219. roszprumen h. H. 153, 219. Rote Beet 129, 185. Rote Rübe 129. Röte 82. Rotkohl 112, 205. Rottanne 219. ruba h. H. 113, 209, 210. Rübe 112, 113. gelbe 116. lange 113. rote 129. runde 113. weisse 112, 209, 210. Rübsen 112. Ruchgras 81a 2. Runkelrübe 129. Ruprechtskraut 212. Rustbaum 217. Rüster, Rüstholz 217. Saat-Platterbse 96. Saatwucherblume 42. Sadebaum 80, 182, 184, 220. Safflor 82, 84. Safran 84. Sahlweide 219. Salat 104, 114, 184, 18."), 205. wilder 64, 214. Salatblätter 157. salbeia h. H. 210. Salbei 2, 73, 133, 182, 183, 185, 188, 210. salewida h. H. 219. salvei K. 133. Sanikel 210. sanikela h. H. 210. satereia h. H. 135. Saturei 135, 210. Saubohne 96 a 2, 100. Sauerampfer 61, 135 a, 178 aS 197. Sauerkirsche 148, 150 ff. Sauerklee 190. Sauwurz 211. savenbom, savinbom 81. Savoyenkohl 110. Scampanierwurzel 210. Scariol 105. zahme 1()5. Schafgarbe 190, 202, 207. Schalotte 138, 139, 197. Schampanierwurz 210. Scharlachsalbei 134, 210. scharleya h. H. 200, 210. scharleye 134. Schattenmorelle 144. 233 — Schellkraut (il. Schellwurz lil. scherling h. H. 200, 210. Schierling, gefleckter 210. Schilfrohr 197. Schlangengurke 222. Schlangenlauch 142. Schlangenmord 123. Schlangenwurz 51. Schlehen 153, 219. Schlüsselblume 205. Schlutte 198. Schmerbel 127. Schmer Wurzel 5(1. Schneeglöckchen 4J a. Schneetropfen 41a. Schnittlauch 135a, 141, 182, 184, 206, 209, 211. Schöllkraut 61, 200, 203. schulbaum h. H. 2111. Schulweide 219. Schwaden gras J 70. Schwalbenwurz 61, IIHI. Schwämme 202. Schwarzdorn 2 JH. Schwarzes Gemüse I.s4. Schwarzkümmel l.'JI, 132, 184, 186. Schwarzwurzel 122, 123. Schwertel 43 ff". blaw 45. geel 46. Schwertlilie 43 ff., .sii, 184, 185, IS.S. Scorzonerwurzel J2.'l. Seebinse 205. Seerose 203, 208. weisse 208. Seifenkraut 84. Seifenwurzel 84. egyptische 84. levantische 84. spanische 84. selba h. H. 133, 21 0. Sellerie 114, 119 ff., 182, 184, 185, 188, 197, Senf 107, 184. schwarzer 108. weisser 108, 115, 180 a', 211. sentt' h. H. 108, 211. senif, haimisch K. 1()8. Sesamon 96 a^ Sesel 66. seuenbom 81. seuwurtz h. H. 211. Sewwurtz 211. sibenbaum h. H. 220. sichterwurtz h. H. 200, 211. Siebengezeit 82 a. Siegwurz 46. sigminz K. 78. Silermontan 66. Simse 213. sitderwrz h. H. 211. slangwurz 53. slatenkraut K. 45. sieben h. H. 219. Smergel 2 1 J . smergela h. H. 211. snideloch h. H. 211. sniteloch 141. snitelouch 141. Sommerthürlein 41'a. Sommerzwiebel 1 39 , 140, 184, 213. Sonnenwirbel 106. Sophie, bredn 73. smalln 73, 133. Spargel 98, 124. wilder 124. Spargen 123, 125. Speierling 146, 147, 184, 186, 220. wilder 148. Spelt 96, 162, 163, J(i7, 168, 211. Spelz 211. spelza 169, 211. Sperbenkraut, klein 135 a. Sperberbaum 148. sperebaum 147. Sperwerbaum 148. Spierling 147. Spillbaum 220. Spinat 127, 128, 130, 175a2. englischer J78a^ Spinatpflanzen 1 27 ff. Spindelbaum 216, 220. spinelbaum h. H. 216, 220. spirbaum h. H. 216, 220. spirbaum 147. Spitzahorn 218. Springkraut 58, 184. springwurtz h. H. 200, 212. Springwurz 58. Stabwurz 74, 196, 212. stagwurz h. H. 75, 196, 212. Stangenbohnen 184. Stechapfel 212. Stechnelke 43. Steckrübe 112, 113, 114. Steigfaseln 99. Steinbrech 190, 21(1. körniger 212. steinbrecha h. H. 210,212. steinfarn, steiwarn h. H. 209, 212. Steinpfeffer 201. steinpreha 189. Stengelkohl 110. Sterckkraut 84. stichwurtz h. H. 56, 199, 212. Stickwurz 56. St. Johanns Pfersing 155. Stockrose 128. Stoppfeirübe Tab. 113. Storaxbaum 212. storckenschnabel 212. storcksnabel h. H. 212. Strauchweichsel 148, 151. Streichkraut 84. Strohblume 175 a. studa h. H. 220. stuina 189. stur, sture 129 a, 130, 212. stutgrasz h. H. 2 1 2. sulbaum h. H. 216. sunnewirbel h. H. 106,211, 212. sunneuuirpila 189. suregrasz h. H. 212, 214. surige h. H. 206. Süssdolde 126. Süssholz 206. Süsskirsche 148 ff. swertelkraut K. 45. swertlinch K. 45. swertula h. H. 44, 203, 212. sybenbaum h. H. 81, 219, 220. Sykomore 156. symes h. H. 213. Taumellolch 132, 162, 166, 201, 209. Tausendgüldenkraut 62, 189, 199. — 234 — Taxus 220. Teufelszwirn 56. Thymian 133, ISäa, 213. tillessamo, tillisamo 189. Tollkirsche 144 a, 201, 212. tosta l.^it. Totenblume 107. Traubenhyacinthe 38. Traubenkirsche '2[(}. Trippmadam lo'ia. Tulpe 112. turnella 189. uersbotde h. H. 213. uiselun h. H. 214. Ulme J51, 217. Ulmenbaum , Ulmerbaum 217. unlauch h. H. 200, 20(i, 213. uniän (dän.) 140. uniun (ndd.) J40. vehedistel h. H. 20 1, 213. Veiel 40. geel od. gelb 41. welsch 41. Veielwurtz 45. Veilchen 39, 40, 213. Veilchenwurzel 8(1, 205. veitdorn K. 36. veltisp K. 135. veltmage 65. venich 170, 213. venichil h. H. 213. Vergissmeinnicht 202. Vexiernelke 42, 4.'!. vichbona, vigbona h. H. 2 1 3. vigim h. H. 2Jli. vintcrut 75. viol K. 40. Viol 40. Viol matternal 42. Viole 39. Vogelbeerbaum 148, 21i^. Vogelknöterich bSi». "Wachholder .so, .s|, |.s'.), 216, 220. wacholderbaum h. H. 217, 220. Waid 82, 83, 214. waitkraut K. 83. "Walch 162. Waldmeister Sl a -. Waldrainze 72. Walnuss 158, 159, 218. Walnussbaum 160. waltbere h. H. 213. Wasserampfer 129. Wasserliesch 46 a 2. Wasserlilie 46. Wasserlinse 207. Wassermelone 94, 175 a', 221. Wasserschwertel 46. Wasserschwertlilie 45. Wasserveilchen 46 a 2, 205. Wau 82, 83. uuazaruuurz 189. Weberkarde 12J, l.s4, 199. uuegerich 189. Wegerich h. H. 214. Wegerich 189, 208, 214. wegetrede 189, 214. Wegetritt 122 a 2. weggrasz h. H. 214. Wegwarte loii. weice 169. Weichsel 152 a '. Weide 216, 22o. Weihrauch 190, 213. Weinraute 69, 210. Weinrose .")5. Weinstock 157, 220. Weisskraut jo.s, 111. Weissminze 73. Weiss Wurzel 122. weit 83. weithagen K. ÜG. weit würz N.'!. Weizen üd. 1(12, lli3, 167, 16N, l(i9, 213. weizpapel K. 64. wendelkoel h. H. 2o5. uuerimuota bsii. wermuda h. H. 75, 196, 214. wermuot K. 75. Wermut 75, l,S,s, Ulli, 2J1. weydenkole h. H. III, 2i >5, 214. weyt h. H. 83, 2N. wichim h. H. 214. wichsei 152. wichselboum 152. wichwurtz h. H. 21 i. Wicke 21 i, 221. wida h. H. 22o. Wiesenklee 20O. Wiesenkümmel 13 J. wilde latich h. H. 214. wildeminsa h. H. 210, 214. winda h. H. 214. Windhafer 162, 166, 16S. Winterveiel 42. Winterviole 42. Winterzwiebel l.'iS, 140. Wirsing 110. wisela h. H. 214. wirzgrasz h. H. 210, 212 214. witcol 112. wize 169. vuizminza 189. vuizuuurz 188. wizwurz 68. wolfesgelegena h. H. 214. Wolfsmilch, kreuzblättrige 58, 212. Wolfswurtz 214. Wollkraut 214. Wolverlei 214. woremworth 75. wrincrut 75. Wruke 112. Wucherblume, grosse 42. wulffesmilch h. H. 199,214. wullena h. H. 19S, 205, 214. Wunderbaum 5«. Wundkraut 80. wuntwurtz h. H. 202, 214. Wurmfarn 202. Wurmkraut 74. Wurzel, gelbe 11(1. Würziiflanzen 133 ff. ybenbaum h. H. 200. ybischa h. H. 64, 2 1 4. Yffenholtz 217. ysena h. H. 78, 213, 215. Ysop 133, 137, 205. ywesche M. Zäpfenchenkraut |.s!(. Zaunrübe 54, 55, 125, |!I9, 206, 212. Zaunwinde 214. Zeckenkörner 59. Zeitlose 3S, 204. Zimmt 200. — 235 — Zimmtbaura 190. Zimmtrose 37. ZipoUe 139. Zirmet 66. Ziser 101. Zisererbse UM. Zitterpappel 2\'). Zitterwurtz 211. Zittwerwurzel 190, 21."). zituar, zitwar h. H. 21"). Zuccomarin 92. Zuckerrose 39 ff. Zuckerwurzel J 10, J IS, 203. zugeluicb h. H. 215. Zwergholunder 188, 203. Zwerglorbeer 177 a^. Zwetsche 152, 219. Zwetschenbaum 153. Zwiebel 137, 139, 182, 184, 185, 200, 201, 206, 213. 2. Register der lateinischen Pflanzennamen. Bemerkung: Die Namen des Capitulare sind fett, die heute gebräuchlichen wissen- schaftlichen Pflanzennamen mit grossem Anfangsbuchstaben gedruckt ; Synonymen, die nur in sehr geringer Anzahl vorkommen, sind nicht besonders kenntlich gemacht. — Die Namen der Pharmakopoe sind durch einen Stern * ausgezeichnet ; bei herba, radix etc. gilt dieses Zeichen für alle damit verbundenen Namen. abies h. H, 215. Abies pectinata DO. 215. abrotanum 2, 74, 137a, 182, 183, 188, 196, 212. abrotonum Colum. 74. absinthium 75, 181, 188, 189, 196, 214. acer 196, 203, 215. Acer campestre L. 217. platanoides L. 218. Pseudoplatanus L. 215, 218, 219. acero 189. acetaria 180. Achillea millefolium L. 190, 202, 207. acoleia h. H. 196. Aconitum Lycoctonum L. 214. acoron Plin. 46, 49. acorus Gloss. 46. acorus Matt. 50. Acorus Calamus L. 49. acrimonia 5, 76, 182. adoreum 163, KIM. adripia 3. adripias J27, 183. Aegilops ovata L. 162. aegoceras Plin. 82. aesculus 147. Aesculus Hippocastanum L. 159. affrissa Grloss. 52. agre Gloss. 88. agriocardamon Bock 1U3. agrius Gloss. 88. agrimonia 77, 188, 189, 196. Agrimonia Eupatoria L. 76, 190, 196. Agrostemma coronaria L. 43. Githago L. .S5, 132. aitiotidus 189. Ajuga Chamaepitys Schreb. 189. Iva Schreb. 189. aizoum Plin. 79. alcea K. 64. alentidium h. H. 196, 202. alleluia 189. alia 142, 181, i^'2, 183. alius 143, 185. ortulanus 143. alkekengi 198. alleus 143. allium 138, 142, 143, 176, 177, 180, 197. punicum 142. Allium Ampeloprasum L. 142. ascalonicum L. 138. Cepa L. 139, 2J3. fistulosum L. 140. Porrum L. J4I, 206. Allium sativum L. 142, 197. a) vulgare Don 142. b) Ophioscorodon Don 142. Schoenoprasum 141, 206, 211. Victoriaiis L. 47. alnus 188, 215. Alnus glutinosa Gärtn. 2J5. aloe h. H. 197. Aloe vulgaris L. 197. Alpinia Galanga Sw. 190, 202. Alsine media L. 204. altea .64, 182, 183. althaea Plin. 63. Althaea officinalis L. 63, 214. rosea Cav. 128. amandalarios 158, 183. amandola 159. amaracum Plin. 135. amaracus Colum. 135. amarantus 174. amarantus Diosk. 175 a. immortalis Colum. 175 a. Amarantus Blitum L. 120, 212. amarellus 152. amarena Alb. M. 152, ambrosia Walafr. 74, 188. amendelarius 186. — 237 — ameiim 66, 183. amigdalus 159. amilia 122 a'. Ammi copticum L. 66. majus L. 66. ammium alexandrinum Tab. 66. Amomum Zingiber L. 205, 215. amygdala 158. amygdalae amarae 158. dulces 158. amygdalus 159, 215. Amygdalus eommunis L. 158, 215. persica L. 154, 219. Anacyclus officinarum Hayne 198. Anagallis arvensis L. 79. anemone coronaria Plin. 87. Anemone coronaria L. 87. anethum 2, 132, 176, 179, 181. Anethum Foeniculum L. 132, 202. graveolens L. 132, 197, 201. segetum v. Heldr. 133. anetum 132, 183, 185, 189, 197, 201. anesnm 133, 183. anguina Matt. 222. anguria Matt. 95. anisum 133. Aegyptiacum Colum. 133. annona 169. *anthos 136 a 2. Anthriscus Cerefolium Hoffm. 126, 200, 205. apbrodisia Diosk. 46. aphros Plin. 86 a^ apiacon Cato 109, 120. apiago h. H. 197, 198. apiastrum Colum. 137. apium 119, 120, 176, 178, 181, 182, 183, 185, 188, 189, 197. agrest 119 a. crispum 120. hortense 120. palustre 120. risus 119 a. rusticum 119 a. Apium graveolens L. 119, 197. Petroselinum L. 120. appium 180. apsinthium Plin. 75. Aquilegia vulgaris L. 196. aquileja h. H. 197. arbor armeniaca Colum. 155. malvae Alb. M. 128. mirabilis Alb. M. 59. nucarius Gloss. 160. persica Plin. 154. arcion Plin. 59. Arctium Lappa L. 59, 200, 205. aretillum 141, 176, 179, 181. argemone Plin. 87. arinca Plin. 163, 168. aristolochia Plin. 57. Aristolocbia Clematitis L. 57, 198, 199, 210. longa L. 57, 197. aristologia 57, 197. longa h. H. 57, 197. armon Plin. 116. * armoracia 114, 115, 116. armoratia 114, 115, 176. armoratio 115. armoriaca 115. Arnica montana L. 214. artemisia 62, 76, 189, 197. artemisia tagantis 74. Artemisia Abrotanum L. 69, 74, 196, 212. Absinthium L. 75, 196, 214. arborescens L. 75. Dracunculus L. 51. vulgaris L. 76, 197. Arum Dracunculus L. 51, 52. italicum L. 52, 198. maculatum L. 52, 203. arundo h. H. 197. Arundo Phragmites L. 197. asara baccara 57. asaron Plin. 56. asarum 57, 197. Asarum europaeum L. 56, 157, 203. ascalonicas 138, 139, 140, 183. ascbalonia h. H. 138, 197. asclepias Gloss. 52. asclonium 138. ascolinum 138. ascolonias 185. asia Plin. 165. asolinum 138. asparagi 125. asparagus 124, 125, 175, 177, 180. sativus Colum. 125. Asparagus acutifolius L. 124. aphyllus L. 124. horridus L. 124. officinalis L. 124, 125. astonium 138. Astrantia major L. 197. Athamanta cretensis L. 117 a. atiron 80. atriplex 3, 127, 176, 178, 180. sylvestris baccifera Clus. 130. sylvestris mori fructu C. Bauh. 131. Atriplex hortensis L. 127, 197, 206. Atropa Belladonna L. 144a, 201, 212. attriplex h. H. 197, 206. avelauarios 160, 182. avellana 161. avellanarios 160, 183. avelleuarius 186. avena 65. sterilis 166. vana 166. areua 165, 167 a, 170. Avena fatua L. 166. sativa L. 165, 170. auesperina 161. auvesperma 161. auricula asinina Gloss. 52. leporis Gloss. 68. bacas giniperi 81. *baccae juniperi 81. baccar Plin. 56. baccara Gloss. 56. baccaris Vergil. 56 a. bagas geniperi 81. 238 — balaustiura Plin. 35 a^ Ballota nigra L. 78. bailote Plin. TS. balsamita 71, 73, 197. Balsamodendron Kataf. Kunth 190, 207. gileadense Kunth 197, 199. balsamon h. H. 197. balsamum 71. paiustre 71. barba hirci Camer. 123. barba Jovis 79. barbula hirci Matt. 123. bardana 59, 60. bardo 60. bardona 60. barentia Gloss. 82. basilia, basilica h. H. 197. basilicon Alb. M. 134. basilicum 180 a®. basilicus Alb. M. 53. basilisca 189, 198. basiliscus Alb. M. 53 a^ batus 156. bechion Plin. 60, bedegar (arab.) 35. benedicta 189, 198. Berberis vulgaris L. 216. beta 129, 175, 176, 179. Beta vulgaris L. 129. betas 129, 182, 183, 185. betonica 77, 188. Betonica officinalis L. 77, 190, 198, 208. Betula alba L. 215, 217, 220. bisantia h. H. 193, 214. iua 189. juglans 159. Juglans regia L. 159, 2\^. iulex h. H. 217. juncus li. H. 205. juncus floridus Krtb. 46a 2. juniperus h. H. 217. Juniperus communis L. 81, 189, 216, 217, 220. Sabin a L. 80, 219, 220. jusquiamus J98. lacterida 3. lacteridas 58, 183. lactuca 104, 105, 176, 178, 180, 185, 205. agrestis li. H. 205. silvestris h. H. 205, 214. lactucas 104, 183. Lactuca Scariola L. 64, 205, 214. Scariola L., var. sativa. 104, 205. virosa L. 205. lampsana 180. lanaria h. H. 205. lapacium 59, 205. lapathon Plin. 61. lapathum 61. lappa 60, 175, 200, 205. inversa 77. incisa 77. Lappa miuor DC. 59. officinalis All. 59. tomentosa Lam. 59. lappatium Alb. M. 61. * lappula hepatica 77. lapsana Gloss. 114. Laserpitium siler L. (!5. latliyris Plin. 3, 5.s. Lathyrus sativus L. '.Ki. Lavandula officinalis Cliaix 136. Spica L. J3(i, 2(H;. Stoecbas L. 13(1. . Lavatera arborea L. J2.S, 129. lauendula li. H. 136, 206. lauindula 188. laurocina 177. lauros 47, 183. . laurus 47, 186, 217. Lauras nobilis L. 47, 217. laurustinus 48. Ledum palustre L. 49. Lemna sp. 207. lens 102, 206. lenticula 101, 102. lentiscus h. H. 217. lepidium 104. lepidium latifolium Krtb. 104. Lepidium latifolium L. 1 ( )3, 208. sativum L. 102, 200, 207. leucoium 40, 41. aureum Krtb. 41. bulbosum Tab. 41a. candidum Colum. 40. luteum Krtb. 41. Leucoium vernum L. 41 a. leuisticum 66, 183. levisticuni b. H. 67, 206. Levisticum officinale Koch 66, 206. libesticum 66, 181. libisticum 2, 206. libysticum Walafr. 67, 188. ligusticum 67. Ligusticum, Levisticum L. 66. Ligustrum vulgare L. 219. lilinm 2, 33, 174, 181, 182, 183, 185, 188, 206. album Plin. 33. candidum Verg. 33. celinum Gloss. 44. purpureum Gloss. 44. Lilium bulbiferum L. 33. candidum L. 33, 206. * lingua cerviria 2rt4. liuiim 85. Linum usitatissimum L. 85, 206, 211. liquiricium h. H. 204, 206. livesticum 67, 182. livisticum Alb. M. 67. Lobelia Dort manna L. 46a^ lobia 9S. lolium 166, 167 a. infelix 166. 243 Lolium temulentum L. 132, 166, 201, 209, 215. lubestico 185. hibisticum h. H. 20(5. lutum 83. croceum Verg. 83. lychnis Plin. 43. lyohnis coronaria Krtb. 43. magacia 177. magoues 185. maioraiia 135. malabatron 179 a 2. malaclie 127. malinus 186. malva 106 a^ 127, 128, 175, 176, I.SO, 197, 206. Malva neglecta Wallr. 127, 128. silvestrisL. 127,128,197, 206. inalvas 127, 182, 183. malvavisca Alb. M. 64. malum 145. armeniacum Cohim. 155. cotoneum 146. cydonium Colum. 146. persicum 154. praecox 155. strutheum 146. malus 145, 186, 215, 217. mandragora h. H. 206. Mandragora vernalis Bert. 206. maratbrum Colum. 132. marrubium 77, 188, JS9, 197, 206. album 78. nigrum 78. Marrubium vulgare L. 77, 190, 197, 206. mater lierbarum 76. * matricaria 62. Matricaria Parthcnium L. 62. matroua Gloss. 62. Matthiola incana R. Br. 40. maura 144. maurella 144. melantliium 132. melilotum 175. Melilotus caeruleus Lam. 82 a. Melilotus officinalis Desr. 175 a». melimela Pliu. 145. Melissa officinalis L. 78, 137, 197, 198. ' melissophyllum 137. melittaena Plin. 137. melo 93 ff., 178. melones citrulli 224. melopepo 93, 175a, JN|, 221a 2. menna h. H. 207. menta 70, 176, 178, ISO, 185. corymbifera 73. graeca 73. nigra 71, 189. saracenica 73. inentam 70, 181, I.s2,_l.s3. mentha 188, 210. * equina 72, 210. magna h. H. 207. minor h. H. 207. * romana 72, 210. Mentlia aquatica L. (iO, 70, 197. arvensis L. 69,72 a, 210. crispa L. 69. piperita L. 69, 190. Pulegium L. 69, 72, 190. 208. rotundifolia L. 69. silvestris L. 69, 72, 21(1, 214. mentastrum 72, 181, 1S2, 183, 188. mespilarios 148, 183. mespilum 148. mespilus Alb. M. 148. setania Plin. 148. Mespilus germanica L. 148, 218. meu Alb. M. 198. Meum atliamanticum Jacq. 198. milium 165, 167, 170, 204. 207. millefolium Gloss. 35, 74. millefolium 189, 202, 207. millemorbia Gloss. 144. mirica h. H. 218, 219. mirra 189. mirrha, myrrha h. H. 207. mirtus Alb. M. 48. mispilarios 148, 182. mispolarius 186. mismalyas 63, LS2, 183. moloche 127. moloche agria Plin. 63. mora bati 156. celsi 156. domestica 156. morarios 156, 1"i(; Diosk. 71. oxixdq 136. OTOixdc, Diosk. 136. 0xo|uaxöxopxov 68. 0xpoü0iov 146. 0xpou6iov 84. oxpovQöc, 86 a''. 0xpüxvo<; 143. ^biijbi|uo<; Theophr. 143. Kriiraioc; Diosk. 143. oxüqpvo(; 143. ouKa 157. 0UKa|aiv^a Diosk. 156. 0UKa)aivrid 166. auKdjuivoq Theophr. 156, iv AiYÜTTXuj Theophr. 156. ouKf) 157. ovKr\d 157. ouKÖiuopo? Diosk. 156. 0qpdKO<; Theophr. 133. 0(papdj^ia 124. oxlvoc, 217. xaxivi 96 a^. xapxöv Sim. Seth 51. xeuxXiov Theophr. 129. XeuKÖv 129. ^^Xav 129. xeöxXov 129, 179. xZiZiinßöXa 42. xriX^qpiov Diosk. 79. xf|Xiq 82, 179. xfjXu 82. xicpn 163, 164, 166. xpaYOTrdjYOiv 122. xpaxöv 51. xpiavxdcpuXXa 34. xoO yXukoö 34. xpixoOpa 122. xpdjEi^o^ 105, 176, 178, 180. x0ouKviba 88. — 254 — öäKivöoi; Diosk. 38. üdKivBoq poet. 44, 46. üoOKÜaiLio? 198. üaoujTroi; Diosk. 137. qpoKf) 101. qpaKÖq 96 a«, 101, (pda^avov 46. q)aöio\oq Diosk. 9 qpaffouXia 98. Z|aupvdi'Ka 98. (piyföc, Theophr. 147 a'*. qpiXdvGpuüTTO^ Diosk. 60a' qpovöxopxov 76. cpouvTOUKrid 160. cpouvTOUKia 160. qpuWa 179. xa|naibdqpvri 177. XOjLidvbpua ctYpia 78. XajaoXeuKri 60. Xe\iböviov |u^Tci Diosk. 61. luiKpöv Diosk. 62. XpuadvGei^ov Diosk. 42. XpuöoKÖWa Gloss. 127 a. XpuaoXdxavov 127, 178, 180. ujKiiaov Theophr. 134, 178, 180. Im Verlage von Lipsius & Tischer in Kiel und Leipzig sind von Dr. Paul Knuth erschienen : Geschichte der Botanik 'ss'^s". g;.%^otr3 tS in iSchleswig-HoIstein. Mk. 1.60. II. Teil (die Zeit nach Linne) 157 S. Gr. 8« Mk. 4. 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