:-*9^^^ * : ■,:. -n: •.^.^' %^' ■^- *^ • c.- y*^- >«<■: .a^. K ) 1 .^ .^ r ^" ^- »rf'' ^^ HARVARD UNIVERSITY. LIBRARY OF THE MUSEUM OF COMPARATIVE ZOOLOGY, r^ £-. MITTHEILÜN(t^EN AUS DER ZOOLOGISCHEN STATION ZU NEAPEL ZUGLEICH EIN REPERTORIÜM FÜR MITTELMEERKUNDE. ERSTER BAND. mit le tafeln, 4 holzschnitten und beilage: nachtrag zum Bibliothekskatalog". LEIPZIG, VERLAG VON WILHELM ENGELMANN ^'■'H879. Inhalt des ersten Bandes. Erstes Heft. Seite Vorwort III Beobachtungen über die Lebensweise einiger Seethiere innerhalb der Aquarien der zoologischen Station. Von R. Schmidtlein 1 Neue Untersuchungen über Pycnogoniden. Von Ant. Dohrn 28 Carcinologische Mittheilungen. Von Paul May er. (Mit Taf. I u. 4 Holzschn.) 40 Ueber Discosporangium, ein neues Phaeosporeengenus. Von P. Falkenberg. (Mit Taf. II.) 54 Halosphaera, eine neue Gattung grüner Algen aus dem Mittelmeer. Von Fritz Schmitz. (Mit Taf. III.) 67 Die Segmentalorgane der Capitelliden. Von H. Eisig. (Mit Taf. IV.) . . 93 Vergleichende Uebersicht über das Erscheinen grösserer pelagischer Thiere während der Jahre 1875—1877. Von R. Schmidtlein 119 Beobachtungen über Trächtigkeits- und Eiablage-Perioden verschiedener See- thiere. Ven R. Schmidtlein 124 Bericht über die Zoologische Station während der Jahre 1876 — 1878. Von Ant. Dohrn 137 Zweites Heft. Carcinologische Mittheilungen. Von Paul Mayer. (Mit Taf. V.) . . . . 165 Die im Golf von Neapel erscheinenden Rippenquallen. Von Carl Chun. (Mit Taf. VI.) ■ 180 Die Meeresalgen des Golfes von Neapel. Von P. Falkenberg 217 Die Seitenorgane und becherförmigen Organe der Capitelliden. Von H. Eisig. (Mit Taf. VII.) 278 IV Drittes Heft. Seite Beiträge zur Kenntniss der Gephyreen. I. Von J. W. Spengel. (Mit Taf. VIII— XII.) 357 Die Befruchtung und der Generationswechsel von Cutleria. Von P. Falken- berg. (Mit Taf. XIII.) 420 Ueber die Alciopiden des Mittelmeeres und insbesondere des Golfs von Neapel. Von K. Greeff. (Mit Taf. XIV.) 448 Beilage : Nachtrag zum Bibliothekskatalog. Viertes Heft. Untersuchungen zur vergleichenden Anatomie und Histologie des Nerven- systems derPlathelminthen. I. Von Arnold Lang. (Mit Taf. XV u. XVI.] 459 Beobachtungen über die Lebensweise einiger Seethiere innerhalb der Aquarien der Zoologischen Station. (Fortsetzung.) Von Richard Schmidtlein 489 Carcinologische Mittheilungen. Von Paul Mayer. (Mit Tat". XVII. ). . .515 Die Echinodermen des Mittelmeeres. Von Hubert Ludwig 523 Contribuzioni all'Ittiologia. Von C. Emery. (Con tav. XVIII.) 581 MITTHEILUNGEN AUS DER ZOOLOGISCHEN STATION zu NEAPF.L. Vorwort. Mit der VerölVentlichung des vorliegenden ersten Heftes der »Mittheilungen etc.« beginnt die Zoologische Station einen neuen Abschnitt ihrer Existenz und erlegt mir die Pflicht auf, davon eben so öffentliche Rechtfertigung zu geben, wie ich es bei Be- ginn des ganzen Unternehmens zu thun für nöthig und förderlich erachtele. Die Zoologische Station als publicirendes Institut geht darauf aus, in ihren Original -Veröffentlichungen streng ihren Cha- rakter als Centralpunkt für biologische Erforschung des Mittel- raeeres beizubehalten, und somit Alles von denselben auszu- schliessen, das nicht durch dies, gewiss hinreichend grosse, aber auch hinreichend bestimmte locale Band zusammengehalten wird. Innerhalb dieses Bandes wünscht sie aber so umfassend als mög- lich aufzutreten und nichts unberücksichtigt zu lassen, das auf was für Umwegen auch immer zum Feststellen und zum Begreifen tles organischen Lebens im Mittelmeere dienen kann. Der Inhalt ihrer Publicationen wird daher mannigfaltig genug sein, aber er wird doch nicht in einem losen Nebeneinander bestehen, wie es so oft bei Publicationen von Gesellschaften und Akademieen der Kall ist, sondern immer in zoologischer, botanischer, hydrographi- scher, geologischer Beziehung den Gesichtspunkt festhalten, den ich eben aussprach. Als Mitarbeiter ist jeder Forscher geladen, dessen ThiUigkeit diesem Programm conform ist; und getreu dem internationalen IV Vorwort. Charakter der Zoologischen Station werden auch als Publications- sprachen zugelassen das Deutsche, Italienische, Französische und Englische. Anfönglich, vielleicht immer, wird freilich das Deutsche und die Deutschen überwiegen, schon aus dem einfachen Grunde, weil sie das stärkste Contingent an Forschern stellen, und die Zoologische Station ihren wissenschaftlichen Stab einstweilen aus- schliesslich aus Deutschen besetzt hat. Ebenso wird sicherlich der Golf von Neapel und die ihm angrenzenden Meeresbezirke zunächst die grössere Menge des bearbeiteten Materials bieten, — aber ich hotfe, gerade mit der zunehmenden Sicherheit und Vollständigkeit in der Behandlung der uns nächsten Meeresab- schnitte werden wir uns alle die Eigenschaften erwerben, welche dazu gehören, um mit Vortheil auch entferntere Abschnitte des Mittelmeeres zu untersuchen und Expeditionen auszurüsten, die eher zur Aufschliessung der grossen, noch völlig unbekannten Küstenstriche führen werden, als gelegentliche Reisen Einzelner, denen häufig nur daran liegt, ein oder das andere specielle Pro- blem zu lösen, oder die derartige Reisen unternehmen, weil sie zugleich etwas Abenteuerliches bieten, und darum leider auch oft genug Mittel verschlingen, die in wenig befriedigendem Ver- hältniss zu den erreichten wissenschaftlichen Resultaten stehen. Die Veröffentlichungen der Zoologischen Station werden zunächst in zwei Reihen neben einander laufender Schriften be- stehen. Die eine wird unter dem Titel »Fauna und Flora des Golfes von Neapel und der angrenzenden Meeresbezirke« kleinere Gruppen von Thieren und Pflanzen monographisch behandeln und darauf ausgehen, durch möglichst erschöpfende Behandlung des Gegenstandes nach allen Richtungen der biologischen Disciplinen und durch bildliche Darstellungen der wesentlichsten Thier- und Pflanzenformen der Wissenschaft eine fortlaufende Reihe solcher Arbeiten zu sichern, wie sie aus eigener Initiative einzelner Forscher theils der Kostspieligkeit, theils der mühsamen Aus- arbeitung halber nur selten hervorgehen. Diese Publication wird Vorwort. V in grösserem Format erscheinen und mit Tafeln soweit reichlich ausgestattet sein, als es, ohne zu kostspieligem Luxus zu ilegene- riren, für die Deutlichkeit des Dargestellten erforderlich bleibt. Vor allem soll Nachdruck darauf gelegt werden, Abbildungen der charakteristischen Formen der behandelten Thiere und Pflanzen nach dem Leben zu bringen und dafür zu sorgen, dass den vielen aus zweiter und dritter Hand schöpfenden Hand- und Lehrbüchern, ja auch den populären Schriften Originale geliefert werden, welche das wirklich lebende Thier anschaulich werden lassen. Diese Monographieen, in unregelmässigen Intervallen publicirt, werden bald kleiner bald grösser sein, und darum auch zu \q.v- schiedenen Preisen buchhändlerisch verkauft werden. Die Zoolo- gische Station beabsichtigt aber einen festen Abnehmerkreis zu gewinnen, indem sie gegen jährliche Subscription von 20 Mark (1 Pfund Sterling, 25 Francs Gold) eine entsprechende litera- risch-wissenschaftliche Leistung bieten wird, welche je grösser die Zahl der Subscribenten anwächst, um so werthvoller für den Einzelnen ausfallen muss. Ja dass die Publication immer über den Subscriptionspreis hinaus buchhändlerischen Werth reprä- sentiren wird, ist gewährleistet duich Subventionen, welche dem Institut von mehr als einer Seile bereits zugesagt sind. Die erste dieser Monographieen wird voraussichtlich schon im Anfang des nächsten Jahres erscheinen ; das rasche Erscheinen weiterer ist ebenfalls zu gewärtigen, da unerwartet viele Mitarbeiter aufge- treten sind. Die zweite Publicationsreihe wird durch das vorliegende erste Heft dargestellt. Sie unterscheidet sich von der eben besprochenen wesentlich dadurch, dass sie nicht den Anspruch erhebt, nur abgerundete und abgeschlossene Arbeiten, sondern vielmehr ein Repertorium für Notizen und kleinere Arbeiten zu bieten , wie sie in einer wissenschaftlichen Werkstätte , der- gleichen die Zoologische Station eine ist, fast ununterbrochen ent- stehen. Dieselben würden oft genug verloren gehen oder in Notiz- VI Vorwort. büchern vergraben bleiben, gäbe es nicht einen Stapelplatz, in dem sie, wie lose auch immer eingefügt, doch dem wissen- schaftlichen Markt zugeführt werden könnten. Ferner werden die »Mittheilungen« dem Institut zur Bekanntmachung seiner eignen Zustände dienen, soweit eine solche als erforderlich und zweck- mässig erachtet werden muss. Die » Mittheilungen « werden gleichfalls in unregelmässigen Intervallen erscheinen , um dem Institut eine grössere Freiheit in seinen Beziehungen zur Oeffent- lichkeit zu gewähren. Mit der Hervorbringung dieser beiden periodischen Schrif- ten wird aber die literarische Thätigkeit der Zoologischen Sta- tion nicht abgeschlossen sein. Da ihr neben ihrem Charakter als Mittelmeer-Laboratorium auch noch der andere als inter- nationales Laboratorium für Zoologie zukommt, so hält sie sich für geeignet und für berechtigt, auch noch in anderer Weise organisirend in den Gang der Wissenschaft einzugreifen, als durch ihre eigne, sich immer vervollkommnende Ausstattung. Sie beabsichtigt einen neuen »Zoologischen Jahresbericht« her- vorzurufen, welchem die Aufgabe gestellt werden soll, in um- fassenderer und in rascherer Weise über die jährlichen Publi- cationen zoologischer Natur zu berichten, als es die bisherigen Unternehmungen dieser Art zu tliun im Stande gewesen sind. Es wird sich wesentlich um passende Organisation und um grössere Mittel handeln, um dieser Aufgabe zu genügen, und ich glaube nichts Unbegründetes zu sagen, wenn ich hinzufüge, dass in beiden Richtungen beieits sicherer Boden unter den Füssen gewonnen ist. Ich erlaube mir darum auch bereits an dieser Stelle die Bitte auszusprechen, es möchten Verfasser und Verleger zoologischer Schriften, sowie insbesondere auch Aka- demien und Gesellschaften der nächstens ergehenden Auffor- derung bereitwilligst entgegenkommen und dem doppelt nutz- bringenden Ziel, eine rasche und erschöpfende Berichterstattung mit einer reichen Ausstattung der Bibliothek der Zoologischen Vorwort. VII Station zu verbinden, in hilfreicher und freigebiger Weise ent- sprechen. Was hier im Allgemeinen über Behandlung der Auf- gabe angedeutet werden kann, ist, dass die Zoologische Station dafür Sorge tragen wird , die Zahl der Herren Referenten gegen- über den bisherigen Jahresberichten stark zu vermehren, dass sie für die geleistete Arbeit höheres Honorar bieten und den Einzel- nen von der Beschaffung der Literatur entbinden wird, da die zu referirenden Schriften Seitens des designirten Cential-Redacteurs, Professoi- Victor Carus in Leipzig , in die Hände jedes Referenten gelangen werden. Schhesslich darf ich hier noch erwähnen, dass die Station bei einem demnächst erscheinenden Werke des Herrn Prof. V. Carus eine Art von Pathenstelle vertreten hat. Als es sich nämlich bei Prof. Carus' letzter Anwesenheit in Neapel darum handelte, verschiedene Cephalopoden zu bestimmen, fand sich dieselbe Schwierigkeit, die auch auf allen andern Gebieten der Zoologie hervortritt : die Schwierigkeit ein rasch unterrichtendes Nachschlage-Buch, ein systematisches Compendium zur Hand zu haben. Bei weiteien Gesprächen über Ziel und zukünftige Aus- dehnung der Organisation der Zoologischen Station ward abge- redet, dass Prof. Carus eine Zusammenstellung sämmtlicher bis- her in der Literatur erwähnten Thierarten des Mittelmeeres mit Angabe der Diagnose, der bisher bekannten Verbreitung und der gebräuchlichen Vulgärnamen unternehmen und als einen Pro- dromus der von der Station im Laufe der Jahrzehnte durchzu- führenden Bearbeitung der Mittelmeerfauna publiciren sollte. Die Station versprach dabei materielle Hülfe; und so ist hoffent- lich bald dem bezeichneten Uebelstande abgeholfen. Natürlich bleibt eine solche Zusammenstellung, wenn sie auch von so be- rufenster Seite ausgeführt wird, doch immer lückenhaft; aber es ist doch der Boden geschaffen, auf welchem weitere Ver- besserungen entstehen können ; und in einigen Jahren wird viel- leicht in zweiter Auflage ein fast vollkommenes Bild der bisher vili Vorwort. geleisteten Arbeit in der Artkenntniss der Mittelmeerthiere der jährlich wachsenden Zahl der Mittelmeerforscher in die Hand ge- geben werden können. Zur Aufstapelung solcher Verbesserungen und Vervollständigungen bieten sich zunächst die »Mittheilungen aus der Zoologischen Station zu Neapel« an, und versprechen auch der kleinsten Notiz gebührende Berücksichtigung. Hiermit glaube ich das Vorwort zum ersten Heft der »Mit- theilungen etc.« schliessen zu dürfen. Wer dem bisherigen Entwickelungsgange der Zoologischen Station gefolgt ist, wird die Consequenz in demselben nicht vermissen, und wird nicht kurzweg den Stab brechen, wo er einstweilen die Folgen nicht übersehen kann, welche aus scheinbar nicht zusammenhängenden Bestrebungen erwartet werden. Allem, was schliesslich als That vor der Welt erscheint, geht ein Kampf der Entwürfe und Ent- schlüsse voiaus, die verschiedenartigsten Pläne suchen sich Bahn zur Wirklichkeit zu brechen, und jeder Anfang unterliegt der Gefahl', in den Sand zu verlaufen oder absurd zu erscheinen, um vielleicht hintennach als folgenreich anerkannt zu werden. Möchte dei- Zoologischen Station die Zeit gegönnt werden, ihre Bedeu- tung auch in der neuen Phase ihrer Thätigkeit zu beweisen. Neapel im Juni Ì878. Anton Dohrn. Beobachtungen über die Lebensweise einiger Seethiere innerhalb der Aquarien der Zoologischen Station. Von Richard Schmidtlein. Die Selachier. Von Selacliiern bewohnen ständig das Aquarium : Öcyllium catu- lus und canicula, Öquatina angelus, Torpedo marmorata und oculata und mehrere Kajaarten; seltenere Gäste sind Pristiurus und Mustelus, Centrimi und Trygon; von den übrigen, häufiger im Golfe vorkom- menden Gattungen sind Carcharias, die Notidaniden, Aeanthias und Öpinax, sowie die seltenere Chimaera bisher nur sterbend oder todt in unsere Hände gelangt. Das Leben der Scyllium-Arten bietet mancherlei Bemerkens- werthes zur Beobachtung. Es sind kräftig und schlank gebaute Fische, die ihren Namen Katzenhaie nicht mit Unrecht tragen. Der glatte, bieg- same, auf düsterem Grunde pantherartig gefleckte Leib, die schönen geschmeidigen Bewegungen desselben, das grünlich funkelnde Nacht- auge mit den beweglichen Lidern, das Dämmerleben und die Kaub- thiernatur, welche sich in ihrer Frechheit und Gefrässigkeit ebenso scharf als in der Figur ausprägt, erinnern unwillkürlich und soweit dies eben bei einem Fische möglich ist, an die Katzen und drücken den Thieren einen Charakter auf, der sie scharf von allen Tele- ostiern unterscheidet. — In den Tagesstunden liegen sie meistens in den dunkelsten Winkeln des grossen Bassins mit geschlossenen Augen schlummernd beisammen, regungslos bis auf die rhythmischen Athemzüge. Hin und wieder erhebt sich einer aus der Gruppe, schwimmt einige Male auf und ab und lagert sich dann wieder zu seinen Genossen. Hunger macht sie lebhafter und ein paar Kilo todter Sardinen, in das Becken Mitiheilniigen a. d. Zooiog. Station zu Neapel. Bd. I. 1 2 R. Schmidtlein geworfen, versetzen nach einiger Zeit alle in Bewegung. Unruhig, mit der Schnauze dicht am Boden, spüren sie umher und ihr Ge- bahren zeigt auf das Deutlichste, dass nicht das Auge, sondern ein ausgebildetes Witterungsvermögen 'Geschmack ?| sie beim Suchen der Nahrung leitet. Dicht an der Sardine vorbeistreifend, wird der Hai sie nicht gewahr; doch kaum auf Körperlänge vorübergekommen, wendet er mit einem raschen Schwanzschlage um und findet meist nach kurzem, hastigen Stöbern den Fisch, der nach wenigen Kau- bewegungen verschluckt wird. Grosse Bissen schütteln sie, wüe Katzen es zu thun pflegen, wenn sie eine Maus zwischen den Zähnen halten. Stets aber sind es die am Boden liegenden Fische, die sie verzehren; lebende oder an der Oberfläche treibende haben wir sie niemals verfolgen oder ergreifen sehen , wenngleich es möglich ist, dass sie zur Nachtzeit solches thun, denn mit Anbruch der Dämmerung beginnt ihr eigentliches Leben. So oft wir des Nachts das Aquarium betreten, finden wir fast alle Selachier in Thätigkeit. namentlich die Scyllieu schwimmen rastlos und mit weit geöffneter Pupille umher. Dabei verhalten sie sich jedoch gegen die übrigen Insassen des Behälters, die Riesen- und Wolfsbarsche, Chrysophrys u. s. w. völlig indifferent, und eine Jagd oder ein Angriff auf diese Fische ist nie bemerkt worden. Nur mit Hummern kamen sie zu- weilen in Streit, da sie denselben das Futter zwischen den Scheeren herausrissen, was die Krebse natürlich sehr übel nehmen und sich tapfer wehren, freilich ohne die elastische lederzähe Haut der Haie verwunden zu können. Ein frisch gehäuteter Hummer aber wurde in wenigen Minuten von ihnen zerrissen und verzehrt. — In Betreff der Nahrung sind sie nicht wählerisch. Torpedo- und Squatinafleisch. das von den Teleostiern meist verschmäht wird, fressen sie gern; ProbefUtterung mit Pferdefleisch schlug indessen fehl. Die Paarung der Scyllien gleicht, wie bei Octopus, mehr einem Kampfe als einem Liebesspiel. Das Weibchen wird vom Männchen mit den Zähnen an der Brustflosse ergriffen und nun rollen und balgen sie sich auf dem Sande herum, wie in erbittertem Zweikampf. Nach erfolgter Begattung, welche in den beobachteten Fällen unge- fähr 10 — 15 Secunden dauerte, wurde ein ferneres Zusammenhalten der Geschlechter nicht bemerkt. Die Perioden der Eierablage für Scyllium catulus sind der Früh- ling und die Wintermonate. Im Aquarium legt das Weibchen die Eier am liebsten an Strauchwerk, beispielsweise an grosse Antipathes- stöcke ab. Erhöhte Unruhe und auffällige Leibesfülle lassen die Beobachtungen über die Lebensweise einiger Seethiere etc. 3 trächtigen Thiere zu dieser Zeit sofort erkennen. Das grosse Ei tritt langsam mit den Hornselinüren des einen Endes aus der Cloake hervor. Liegen die Schnüre frei, so schwimmt das Thier in engen Spiralen um den Zweig herum, an welchen es das Ei befestigen will. Ist die Manipulation gelungen und die Schnur einige Mal herumgewickelt, so folgt das Ei von selbst nach und der Hai wieder- holt den Act der Befestigung auch mit den hinteren Schnüren. In Ermangelung von Sträuchern wird das Ei auch an Felszacken be- festigt oder durch Schleifen an Steinen und am Kiesboden abgestreift, was allerdings oft lange Zeit nicht gelingen will. Die Kapseln sind frischgelegt von weissgelber Farbe und dunkeln später, so dass man jüngere und ältere Stadien leicht unterscheidet. Die Entwicklung er- folgt auch im Aquarium in ganz regelmässiger Weise ; besonders schön gedeihen die kleineren Eier von Scyllium canicula, welche häufig von den Fischern gebracht werden und an Gorgoniden befestigt sind. Diese biegsamen Anthozoenskelete scheinen von den Thieren allen anderen vorgezogen zu werden ; am häufigsten tragen Gorgonia verrucosa, Muri- cea, Primnoa und Antipathes solche Eikapseln. deren Hornschnüre sogar häufig von den Coelenteraten als Achse zum Weiterbaueu des Stockes benutzt werden. Der Zweck dieser Befestigung ist wohl zunächst der, das Ei vor Einschlämmung zu bewahren; in der That gehen auch alle Eier am Boden des Aquariums zu Grunde. Ferner mögen die Gefahren von Seiten der Schlammbewohner für das Ei gleichfalls keine geringen sein ; fanden wir doch häufig auch unter den regelrecht befestigten Kapseln solche, die von Thieren angebohrt und zerstört worden waren. Die Durchsichtigkeit der Eischale erlaubt einen fast vollkommenen Einblick in die Entwicklungsfortschritte des Embryo. Stets lagert der- selbe auf dem die Unterhälfte des Eies erfüllenden Nahrungsdotter und verräth durch kräftige Schlängelbewegungen seine Lebensfähigkeit. Ist der Dotter bis auf einen kleinen Rest verbraucht, wobei das Thierchen die Schale fast ganz ausfällt und die Fleckenzeichnung auf der Haut deutlich hervortritt, so erfolgt die Geburt, indem der üai mit der Schnauze die Blätter "der Eischale an einem Pole auseinanderdrängt, was um so leichter gelingt, als dieselben hier nur durch ihre Elasticität sich aneinanderlegen, und die Spalte bereits vorgebildet ist, durch welche das Thier seinen Ausgang bewerkstelligt. Die frisch ausgeschlüpften Thiere sind bis jetzt, wohl aus Mangel an passender Nahrung, nicht am Leben zu erhalten gewesen ; um so besser gedeihen die älteren Stadien wie die erwachsenen Scyllien. Von 4 R. Schmidtlein ersteren kann man Dutzende in einem Bassin vortrefflich beherbergen. Da sie merklich regsamer sind als die Alten, gern au das Futter gehen und schon vor Anbruch der Dämmerung lebhaft werden, so tragen sie viel zur Belebung des Aquariums bei und gev^^ähren durch ihre aalartigen Schlängelbewegungen ein seltsames Bild. — Auch die ausgewachsenen Hunds- und Katzenhaie gehören zu den langlebigsten, zähesten Aquariumfischen, deren Haltung überdies mit keinerlei Gefahr für die Mitbewohner verbunden ist. — Bedeutend schwieriger einzubürgern sind Pristiurus und Mu- stelus. Der erstere ist zwar im Golfe keineswegs ein seltenes Thier; man kann ihn sich fast zu jeder Zeit in beliebiger Menge todt verschaffen. Allein seine grosse Empfindlichkeit, namentlich an der Schnauze, tödtet ihn meist nach wenigen Tagen der Gefangenschaft. Da nämlich seine Augen ebenso schwach sind als die der Scyllien, so stösst er beim Umher- schwimmen beständig die zarte mit Nervenendigungen bedeckte Knor- pelschnauze an die Felsvorsprünge, bis er ermattet und sichtlich krank zu Boden sinkt und ohne Nahrung anzunehmen verendet. Seine Eier, von der Grösse der Hundshaieier, aber durch den Man- gel der Horuschnüre und die diuikelhoniggelbe Farbe leicht kenntlich, werden im Frühling und Sommer häufig gebracht und können bei vor- sichtigem Lagern auf reinen Sand und reichlicher Bespülung durch den Strom entwickelt werden. Nicht viel länger als Pristiurus lebt Mustelus laevis, der glatte Hai des Aristoteles, in unseren Becken , was bei der Schönheit des Thieres bedauerlich ist. Es sind schlanke, fein gebaute Haie, deren Haut wie Seide -chimmert und bei jeder Bewegung des Körpers die ele- gante Ornamentik der Muskulatur hervortreten lässt. Langsam und stetig, mit im Vorderleibe etwas steifer Haltung schwimmen sie umher, frische Exemplare fast den ganzen Tag hindurch, bald an der Oberfläche, mit Schnauze und Rückenflosse Furchen in den Wasserspiegel ziehend, bald am Boden, wo sie zeitweilig nach Art der Scyllien ruhen. Grössere Exemplare, wie wir deren mehrmals schon von Meterlänge und darüber besassen, orientiren sich rasch in dem mit Felsbögeu und Vorsprüngen reich ausgestatteten , grossen Bassin , das ihnen anfänglich manche Hindernisse beim Schwimmen bereitet ; nach wenigen Stunden haben sie denselben auszuweichen gelernt. Ihre Nahrung besteht, wie das aus platten Pflasterzähnen gebildete, dem der Rochen zu vergleichende Gebiss verräth, aus kleineren Fischen, Krebsen und Schalthieren. Die wenigen Exemplare, welche im Aqua- rium Futter nahmen, lasen nur die auf dem Boden liegenden todten Beobachtungen über die Lebensweise einiger Seethiere etc. 5 Cariden auf; in der Regel aber verschmähen die Glatthaie alle Nah- rung-, was ihren Tod beschleunigt. Zunehmende Unsicherheit der Bewe- gungen , öfteres Zubodenfallen und schweres krampfhaftes Athmen, unruhiges Umhertanzen in senkrechter Haltung mit der Schnauze über dem Wasserspiegel sind die Symptome des herannahenden Todes. Wahrscheinlich erfährt das Thier durch das häufige Anprallen der sen- siblen Schnauze gegen die Glasscheiben, die es niemals unterscheiden lernt, eine schwere Schädigung seines Wohlbefindens, und Hautwunden, welche bei dem Fange und im Bassin durch Felskauten verursacht werden, vergrössern das Leiden, dem auch die grossen Exemplare binnen vierzehn Tagen, meist aber schon viel früher zu erliegen pflegen. Die oft rastlose Beweglichkeit der Glatthaie am Tage bildet einen bemerkenswerthen Gegensatz zu der Schlaftrunkenheit der Scyllien ; auch zeigt schon ein vergleichender Blick auf die Augen beider Thiere die Differenz. Das klare, glänzend braune Auge von Mustelus hat einen ganz anderen Ausdruck als der grünschimmernde sonneublöde Augstern des Katzenhaies. Ebenso unterscheidet sich ihr Verhalten gegen äussere Reize. Weder Stösse au die Glasscheibe noch Feuer oder grelle Farben vor derselben stören die Scyllien auf, während ein junger ruhender Mustelus bei jedem leisen Schlage an die Scheibe erschreckt emporfuhr. — Die Fortpflanzungsverhältnisse von Mustelus werden an gefangenen Exemplaren, soweit sie den Paarungsmodus betreffen, schwer zu beobachten sein. Ueber die Geburt ist uns allerdings ein Fall in jüngster Zeit zur Beobachtung gekommen. Am 16. April d. J. wurde ein meterlanges, hochträchtiges Q in das Aquarium gebracht, das munter umherschwamm und, da es völlig unverletzt war, Hoffnung gab, es einige Zeit am Leben zu erhalten. Am 18. warf das Thier (zur Nachtzeit oder in den frühen Morgenstunden?) 20 lebende Junge von 12 cm Länge und völlig ausgetragen, wie die leeren Dottersäcke und die Lebendigkeit und Selbständigkeit der Thierchen bewiesen. Doch starben sechs davon bereits in den ersten Stunden und die übrigen folgten in den nächsten Tagen nach sammt der Mutter, welche am 20. unter den oben geschilderten Symptomen völliger Entkräftung verendete. — Von den Fischern werden um dieselbe Jahreszeit öfters sowohl dem Uterus der getödteten Thiere entnommene Embryone mit vollen Dotter- säcken als auch geburtsreife Junge gebracht, letztere häufig von den Müttern in der Noth der Gefangennahme geboren ; auch Frühgeburten sollen bei dieser Gelegenheit vorkommen. — Ein noch harmloseres Geschöpf als der glatte Hai ist die seit- 6 R. Schmidtlein same Cent r ina Salviani, ein seltener Hai, der bis jetzt erst zweimal auf kurze Frist das Aquarium bewohnte. Das erste Exemplar erhielten wir im Frühling 1875, das zweite um dieselbe Zeit des Jahres 1878; keines lebte über drei Wochen. Es waren kleine Thiere von 1/2 Meter Länge ; der dreikantig prismatische schwärzliche Leib mit den hohen bestachelten Rückenflossen, der platte eckige Kopf, an dem das grüne Tapetum der runden Augen wie bei einer Katze glüht, die herab- hängenden Nasenklappen und das kleine elliptische Maul mit den gewulsteten Lippenrändern verleiht dem Fische ein eigenthümliches fremdartiges Aussehen. Er schwimmt unaufhörlich umher, aber höchst langsam und träge, meist nahe über dem Boden schwebend, apathisch, ohne von seinen Mitgefangenen die geringste Notiz zu nehmen. Nah- rung nahm er, so anhaltend wir ihn auch beobachteten, niemals. Vor seinem Tode zeigte sich ein Zerfall der Flossenränder und Blutex- tra vasate an denselben. Er ist ein Bewohner grösserer Tiefen und daher sind wohl die gänzlich geänderten Existenzbedingungen im Aquarium (namentlich Druckverhältnisse) als Todesursache zu be- trachten. Ein sehr ausdauernder Bewohner des Aquariums ist hingegen Squatina angelus, von welchem über Meter lange Exemplare nicht zu den Seltenheiten gehören. Es ist ein Schlammgrundbewohner, der an Trägheit die Scylhen noch weit übertrifft. Schon sein ganzes Aeusseres verräth die Lebensweise. Der rochenartig verbrei- terte platte Körper zeigt auf der Rückenseite eine schmutzig gelb- braune, schwach veränderliche Schlammfarbe mit dunkleren striemen- artigen Flecken ; die Bauchseite ist weiss ; das breit bogenförmige end- ständige Maul mit den empfindlichen gezackten Lappenbildungen der Naseuklappe bleibt auch bei seichtem Einwühlen in den Grund frei; die Augen, winzig und glanzlos, ähnlich wie bei Lophius und Urano- scopus nach oben gerichtet und dem Maule genähert, starren blöde und kaum beweglich aufwärts. So liegen die Thiere durch Stunden und lauern auf Schollen, junge Scyllieu, Rochen und andere Mitbe- wohner der Schlammgründe, die ahnungslos in ihrer Nähe sich tummeln. Ihr Leben im Aquarium ist bis auf das Einwühlen, das der grobe Kies des Bodens verwehrt, wohl eine unveränderte Fort- setzung ihres eintönigen Freilebens; ihre Apathie ist wahrhaft er- staunlich. So werden sie vielfach ihrer Regungslosigkeit halber von den Besuchern für todt gehalten und es bedarf derber Stösse mit einer Stange oder unsanfte Berührung der Mundbärteln, die wohl der empfindlichste Theil ihres Körpers sind, um sie aus ihrer Schlaf- Beobachtungen über die Lebensweise einiger Seethiere etc. 7 trunkenheit aufzurütteln. Sie schwimmen dann durch seitliche Schläge ihres muskulösen Schwanzes einige Minuten lebhaft umher, wobei sie vielfach mit der Schnauze an die Felsen rennen und an der Ober- fläche des Bassins längs des Randes hintasten, als suchten sie einen Ausweg. Die grossen flügeiförmigen Brustflossen werden hierbei fast gar nicht bewegt. Nach wenigen Minuten sinken sie wieder zu Boden und liegen wie Klötze regungslos auf dem Sande. Squatina nimmt leicht Nahrung an. Wir füttern sie mit jungen Scyllien, todten Uranoscopus und Aehnlichem ; Lebendiges hascht sie während der Nacht; todte Nahrung muss an das Maul gebracht werden, worauf sie sofort zuschnappt. Auch hat uns die Unter- suchung frischgefangener todter Exemplare wiederholt über eine er- staunliche Gefrässigkeit belehrt. — Weitere mittheilenswerthe Thaten des Meerengels lassen sich -kaum berichten; seine Passivität ist so gross , dass er sich selbst die frechen Angriffe der kleinen Blennius auf seine Augen gefallen lässt. Mehrmals hatten wir Thiere, denen von beiden Augen ein dicker schwärzlicher Blutstrom herabrann , während die zudringlichen Fischchen immer von Neuem wieder auf die verwun- deten Stellen losfuhren. — Torpedo. Der Zitterroche, von welchem zwei Arten, Torpedo ocellata narke und marmorata mit einer Varietät der letzteren vor- kommen, gehört zu den gemeinsten Selachiern des Golfes. Er lässt sich vortrefflich im Aquarium einbürgern und zeigt hier in seinen Gewohn- heiten viel Aehnlichkeit mit dem Meereugel. Bei Tage liegt er gewöhn- lich regungslos und bis auf die klappenden Spritzlöcher verwühlt im Sande. Namentlich thun dies grosse Thiere, während die kleineren sich einfach auf den Boden legen, was mit ihrer grösseren Lebhaftigkeit zu- sammenhängt. Das Einwühlen wird in derselben Weise wie bei den Pleuronectiden durch ein paar schnellende Schläge des Flossenrandes resp. des Randes der Körperscheibe bewerkstelligt Der beiderseits emporgewirbelte Sand überstreut beim Niederfallen das Thier mit einer leichten Decke, die seine Gestalt oft vollkommen verbirgt. Die Bewe- gungen von Torpedo während der Tagesstunden sind selten und träge. Hin und wieder bemerkt man an den nicht eingewühlten Fischen ein langsames Gleiten und Kriechen dicht über den Boden hin, wie es auch in gleicher Weise die Schollen zeigen. Mitunter wird der Scheibenrand leicht gehoben und wieder niedergelegt oder der Vorderkörper rasch und zuckend emporgeworfen. Bei hereinbrechender Dämmerung werden sie munter und schwimmen dann lebhaft durch seitliche Pendelschläge ihres muskelkräftigen Schwanzes umher. Wollen sie sich vom Boden § R. Schraidtlein erheben , so beugen sie erst den Vorderleib in die Höhe und schnellen sich dann durch ein paar Schläge mit dem Schwänze empor. Die Brust- flossen werden beim Schwimmen nicht bewegt, wodurch sich dieses völlig von dem der Rajaarten unterscheidet und etwas Tänzelndes erhält. Es ist der einzige Roche, bei dem wir bis jetzt diese Art zu schwimmen bemerkt haben. — Die Sinne von Torpedo scheinen wenigstens was das Auge betrifft so stumpf als die von Squatina. Man bemerkt dasselbe Anrennen gegen die Felsen und die Glasscheibe , wie bei diesem ; doch ist die nackte schleimige Haut viel empfindlicher gegen Berührungen als das derbe, feilenartig rauhe Fell der Meerengel (das sogar als Poliermittel überall verwendet wird und auch im Aquarium zum Reinigen der Scheiben von innen in Gebrauch ist) . üeber die elektrischen Schläge und die Wirkung derselben auf die Mitbewohner des Beckens beobachteten wir Folgendes. Am meisten ausgesetzt sind denselben natürlich die Grundfische, welche die Lebens- weise der Rochen theilen, also in erster Linie Blennius und Gobiusarten, Motella, Calliomymus, Uranoscopus, Trachinus und andere im Schlamm- grund lebende Fische. Junge Scyllien sieht man öfters sich auf einem Torpedo niederlassen , dann aber plötzlich mit einem mächtigen Satze emporschnellen und wie rasend im Bassin umhertoben. Andere Fische sperren Maul und Kiemendeckel weit auf wie von einem Krämpfe erfasst und treiben mit nach aufwärts gekehrtem Bauche am Wasserspiegel, bis die Wirkung des Schlages sich verliert, worauf der Getroffene langsam wieder zu wenden vermag und Schwimm- vrie Athembewegung wieder- kehrt. So benahm sich eine Lichia glauca, welche bei einem Transport aus einem Bassin in ein anderes mit Torpedo in dasselbe Netz gerathen war. Die Hummern scheinen mit der Zeit die Kraft der Rochen kennen zu lernen, denn sie tasten mit Vorsicht nach denselben und ziehen rasch die Beine zurück, sobald sie über einen derselben wegschreiten, werfen auch drohend die Scheeren empor, wenn einer über ihnen hinschwimmt. Es kann wohl kaum bezweifelt werden, dass die elektrische Kraft dem Rochen als wirksame Angriffs- und Vertheidigungswaffe dient. Die oben erwähnten Gobius und Blennius, welche auch im Aquarium ein treffliches Futter für Torpedo geben, werden sicher durch die Entladungen getödtet oder wenigstens betäubt und gelähmt, wodurch dem Räuber die Bewältigung der hurtigen Fischchen nicht wenig erleichtert wird. Andrerseits beobachteten wir mehrmals, wie Octopoden nach einem Tor- pedo langten ; kaum aber hatten sie ihn zwischen den Armen geborgen, fuhren sie zusammen, Hessen den Fisch los und schössen erschreckt Beobachtungen über die Lebensweise einiger Seethiere etc. 9 davon ; und so mögen vielfach auch andere Angreifer , grössere Raub- fische u. dgl. mit Erfolg znrückgev^'iesen werden. Die Hauptnahrung des gefrässigen Thieres besteht wohl aus leben- der Beute, unter der die obengenannten Fische die Mehrzahl bilden. Doch mögen auch im Todeskampf zu Grunde sinkende grössere Fische von ihm verschlungen werden ; wenigstens fand ich einmal im Magen einer mit acht geburtsreifen Jungen gesegneten Torpedomutter einen halbverdauten Mugil chelo von 20 Centimeter Länge ! Der Bissen war aber zu gross gewesen und der Kopf hatte die Magenwand des Rochen perforirt, was den Tod des Thieres herbeiführte. Die Geburt von Torpedo ist im Aquarium kein seltenes Ereigniss. Im Herbste sind trächtige Weibchen ein so überaus häufiges Vorkommen, dass sich reichlich Gelegenheit bietet, sowohl dem Uterus entnommene Embryone in allen Stadien zu untersuchen, als auch lebende neugeborene Thiere zu beobachten. Diese benehmen sich völlig wie ihre Erzeuger, wühlen sich in den Sand oder machen, wenn ihnen noch die Kraft dazu mangelt, die entsprechenden Bewegungen. Elektrische Schläge sind zu dieser Zeit bereits zu fühlen, doch werden die Thierchen bei ihrer sonsti- gen Wehrlosigkeit leicht das Opfer gefrässiger Feinde und besteht im Verbergen das einzige Schutzmittel für sie. Die R a j a -Arten gleichen in ihrer Lebensweise fast vollkommen den Torpedo. Man bemerkt dieselbe Trägheit am Tage, das Bestreben . den Körper durch Ueberdccken mit Sand zu verbergen und die gesteigerte Beweglichkeit beim Vorrücken der Dämmerung. Ein wesentlicher Unter- schied gegen den Vorigen besteht in der Art der Schwimmbewegung, welche von den grossen Brustflossen allein erzeugt wird und einem schweren, rhythmischen Flügelschlage vergleichbar ist. Bei jedem solchen Schlage hebt sich der Körper des Rochen ein wenig, so dass er mit der Schnauzenspitze eine Wellenlinie beschreibt. Der dornige Schwanz wird dabei meist gerade auswärts getragen und scheint wenig Steuerkraft zu besitzen ; wenigstens sind die Wendungen im Schwimmen ziemlich unbe- holfen und ein Hängenbleiben am oberen Felsrande der Bassins ein häu- figer Fall. Auch schwimmen sie niemals mit nach abwärts gekehrtem Körper, um den Grund zu erreichen, sondern lassen sich einfach fallen, indem sie die Ruderbewegung einstellen. Au der Glaswand sieht man sie des Abends öfters senkrecht emporschwimmen und sich auf Augen- blicke daran festsaugen, wobei man Gelegenheit hat, die durch das Maul und die Nasenlöcher gebildete, einer lächelnden Fratze nicht unähnliche Figur so wie das Spiel der Kiemenspalten zu sehen. Am besten eignen sich hierzu frischgefangene Thiere, welche lebhafter zu sein pflegen und in 10 R- Schmidtlein den ersten Tagen oft unruhig umherschwimmen. Später werden sie träge und wühlen sich bis auf die Si)ritzlöcher, Augen und den Stachelschwanz ein oder lagern am oberen Hinterrande der Bassins auf einem Fels am Wasserspiegel, wo sie sich beim Schwimmen festgerannt haben. — Nah- rung haben wir sie während des Tages ebensowenig suchen oder ver- zehren sehen als die Zitterrochen ; sie deshalb mit ihren Verwandten für Nachtgeschöpfe zu halten , ist vielleicht eine voreilige Schlussfolge- rung , da auch die helle Beleuchtung der Bassins für die Bewohner der mittleren Meerestiefen mit ihrem steten Dämmer die Ursache jenes Be- nehmens sein kann. Während der Nacht schwimmen sie munter umher und haschen wohl auch ihre Beute. . Ueber ihre Fortpflanzungsverhältnisse hat das Aquarium bisher kein Beobachtungsmaterial ergeben. Junge Rochen von 3 — 4 Centimeter Länge werden häufig mit den Grund- und Schleppnetzen gefischt. Auch sind trächtige Thiere keine Seltenheit. Doch haben wir noch niemals Begattungsspiele oder Gebäracte bemerken können , was allerdings bei der Apathie und dem vorzugsweise nächtlichen Leben nicht leicht ist. Zudem ist die Lebensdauer der Gefangenen selten so gross , als die der Zitterrochen. Die todten Thiere erkennt man unter ihren gleichfalls regungslos daliegenden lebenden Brüdern an den bogenförmig aufge- krümmten Körperenden. Ganz anders als Raja und Torpedo benahm sich ein grosses Exem- plar von Trygon violaceus, welches wir in den ersten Tagen des October 1876 erhielten und einen Monat im Aquarium lebend beobachten konnten. Es war ein erwachsenes trächtiges Weibchen, das sofort nach seiner Einbürgerung vier reife lebenskräftige Junge gebar. Diese lebten jedoch nur wenige Tage, oifenbar, weil das entsprechende Futter man- gelte und die Thierchen sich beim Umherschwimmen überall verletzten ; desto besser hielt sich das Mutterthier, trotzdem es den Angelhaken, der den Unterkiefer vollständig durchbohrt hatte, fast bis an sein Ende, also mehr als drei Wochen, im Maule trug. Dieser Roche schwamm unablässig umher, gewöhnlich in der Nähe der Glaswände des grossen Bassins, das wir ihm zum Aufenthalte ange- wiesen hatten, so dass seine dunkle papierdrachenförmige Gestalt mit dem langen fadenförmigen Schwänze sofort die Aufmerksamkeit der Besucher erregte. Er schlug beim Schwimmen nach Art der Rajaceen beständig mit den grossen beweglichen Flügeln, die hier noch weit mehr den Eindruck von Flugwerkzeugen machen, als bei Raja, weil ihre rela- tive Länge und Biegsamkeit grösser ist. Es ist im eigentlichsten Sinne des Wortes ein Fliegen im Wasser und dabei sind die Drehungen, das Beobachtungen über die Lebensweise einiger Seethiere etc. 1 1 Heben und Senken, Wenden und Ausweichen leicht und sicher. Er lernte sehr bald die Felsbögen vermeiden und pflegte in höchst eigen- thümlicher Weise gewisse Figuren durch längere Zeit beim Schwimmen zu wiederholen. Hatte er sich beispielsweise die linke Seite des Bassins erwählt und dort etwa begonnen von rechts und aufwärts nach links und abwärts in einer geschlossenen Kreistour vor den Fenstern zu prome- niren, so sah man ihn den ganzen Tag, ja oft durch mehrere Tage diesen Cours einhalten; dann wechselte er, um an einer anderen Stelle des Bassins mit derselben Ausdauer eine ähnliche Curve zu beschreiben. Man wurde dabei unwillkürlich an die ähnlichen stereotypen Cirkeltänze der Raubthiere in den Menagerien erinnert, durch die der eingeengte Bewegungstrieb der Thiere sich Luft zu macheu sucht. Ruhen haben wir diesen Trygon niemals gesehen bis kurz vor seinem Tode . den er durch Nahrungsverweigerung selbst herbeiführte. Zwangsweise Fütte- rung mit Fischen misslang , weil sie die Kräfte des Rochen durch das Eiufangeu und die immer mehr oder weniger gewaltsame Procedur erschöpfte; selbständig aber frass er, soweit wir ihn beobachten konnten, niemals, ti'otzdem wir die verschiedensten Versuche anstellten und Futter jeglicher Art sowohl auf den Boden in seine Nähe legten als auch an Schnüren schwebend ihm vorhielten. Nach seinem Tode fanden wir den Darm völlig leer. Ein zweites Exemplar ist lebend seit- her nicht wieder zu erhalten gewesen. Ein grosser Myliobates starb nach wenigen Stunden. Teleostier. I. Orundflsche. Mit den eben geschilderten Rochen unter den Selachiern theilen Wohnort und Lebensweise eine Anzahl von Teleostiergattungen, von denen wir besonders die Genera Uranoscopus, Trachinus, Lophius und die Pleuronectiden hervorheben wollen, denen sich des Weitern die Scorpaenen, Gobius, Blennius und Motella anschliessen. Die erstgenannten stimmen trotz der Verschiedenheit des Baues und der systematischen Stellung in ihrem Leben so überein, dass wir ihre Vereinigung als Grundfische im biologischen Sinne sehr wohl recht- fertigen können. Alle lauern im Schlamm vergraben auf ihre Beute, zu deren Anlockung und Bemeisterung sie verschiedene merkwürdige Or- gane besitzen. Uranoscopus s c a b e r verräth schon durch seine Körperform die eigenthümliche Lebensweise, die er führt. Der plumpe nach vorn keil- förmig verbreiterte Leib mit den kräftig entwickelten Brustflossen, dem 12 R- Schmidtlein breit bogenförmigen nach oben gekehrten Maul und den kleinen, beweg- lichen, auf die Scheitelregion gerückten Augen lässt den Lauerer sofort erkennen. Und in der That ist das Erste, was frischgefangene Exem- plare im Aquarium thun, dass sie sich mit ein paar kräftigen schaufeln- den Bewegungen der Brustflossen in den Sand versenken, bis nur Maul und Augen noch hervorragen. Nichts regt sich au dem so vergrabenen Fisch und nur ein sehr geübtes Auge vermag ihn zu entdecken und bei genauerem Zusehen in nächster Nähe die leise Bewegung der Kiefer beim Athmen zu bemerken. Hin und wieder drehen sich die Augen ruckweise wie die eines Chamaeleons und spähen vorsichtig und auf- merksam umher. Nun stören wir ihn auf. Er schnellt empor und schwimmt mit seitlichen Pendelschlägen unbeholfen auf und ab ; dabei aber speit er unablässig ein langes wurmförmiges Zünglein aus dem Maule hervor und zieht es wieder ein. Es ist ein am inneren Unter- kieferwinkel breit entspringendes Gebilde von ungefähr 2 — 21/2 cm Länge, einem schleimigen dünnen Wurme sehr ähnlich i) . Bei dem schwimmenden Thiere züngelt es in Folge des Wasserdruckes an der Stirne zwischen den Augen nach hinten und wird mit grosser Rasch- heit bewegt; in einer Secunde ist das Spiel des Hervorstreckens und Einziehens vollendet. Nach kurzer Zeit fällt das Thier wieder zu Boden , wühlt sich sofort ein , speit noch einige Male sein Zünglein hervor — dann liegt es wieder als regungsloser Klotz im Sand. Hier aber nimmt sich das Spiel des Züngleins ganz anders aus. Es gelang uns mehrmals, ein Thier zu belauschen, als es dieses, den Fischern gar wohl bekannte seltsame Manöver ausführte. Völlig verborgen lag der hässliche Lauerer in seinem Sandbette, nur der Scheitel des klumpigen Kopfes lag mit den Augen und der Maulspalte frei , glich aber bei seiner Regungslosigkeit täuschend einem braungrauen Stein, Da schob sich langsam , einem schlammbewohnenden Anneliden in 1) Genauer untersucht, ist dieses Zünglein eine bandförmige Verlängerung der Eachenschleimhaut, welche mit verbreiterter Basis am inneren Unterkieferwinkel entspringt und sich nach dem freien Ende zu stetig verjüngt. Die Seitenränder sind von der Basis an bis zu zwei Drittel der Länge in Form einer lappigen Krause entwickelt, deren Blätter gegen die Spitze an Grösse abnehmen. Das ganze Ge- bilde enthält in allen Theilen ein ungemein reiches Gefässnetz, das bei der Schwel- lung, dem Hervorstrecken und Spielen des Züngelchens betheiligt ist, wie man namentlich bei grösseren Thieren bemerken kann: es ist während seiner Thätig- keit fast cylindrisch und röthlich gefärbt, während das aus dem todten Thiere herauspräparirte schlaff und bandartig abgeflacht erscheint. In seinem breiteren Hintertheile enthält es meist einige braune verästelte Pigmentflecken, die Mitte und auch die hintersten grössten Lappen der Krause sind von dunkelbrauner Farbe. — Zum Hervorspeien wird der austretende Athemstrom benutzt. Beobachtungen über die Lebensweise einiger Seethiere etc. 13 Form und Grösse, Farbe und Bewegung täuschend ähnlicli, das ver- rätherische Zünglein aus dem Maule hervor. Es beugte , wand und schlängelte sich, dehnte sich, zog sich /Aisammen, kroch bald am Boden, bald spielte es senkrecht empor, kurz imitirte so vorzüglich ein harm- loses Würmchen, dass wir an seiner Bedeutung als Köder für unerfah- rene hungerige Fischbrut keinen Augenblick zweifeln konnten und es der Versicherung unserer Fischer nicht weiter bedurft hätte, dass diese Angelmethode des Sternsehers ein unbestreitbares Factum sei. Und in dem zu steter Dämmerung gedämpften Lichte der Seichtgründe, die Uranoscopus bewohnt, ist der Betrug gewiss leichter als im hellen Aqua- rium, wo es ihm allerdings schwer werden mag, auf diese Art sich Nahrung zu verschaffen. Ich sah ihn hier auch häufig aus dem Sande hervorstürzeu und einen Gobius oder Blenuius auf freier Jagd erhaschen. Aber auch die eigene Art verschont seine wüste Gefrässigkeit nicht ; in dem Magen eines Exemplares fanden sich vier junge zolllauge Thierchen derselben Species ! Uranoscopus verbringt den grössten Theil seines Lebens im Schlamm. Er ist ein so schlechter Schwimmer, dass er wie ein Stein zu Boden fällt, sobald er die Schwanz- und Flossenbewegung einstellt. Das ruhige Schweben anderer Fische in allen Schichten des Wassers ist ihm unmöglich ; er bleibt an die Scholle gefesselt, wie die schlechten Flieger unter den Vögeln und treibt hier jene tückische Jagd, mit der seine brutale Physiognomie in vollem Einklang steht. — An ihn schliessen sich in biologischer wie verwandtschaftlicher Beziehung auf das Engste die Arten der Gattung Trachinus. Doch verräth der schlankere gestreckte Körper mit den steilen Flanken und zugeschärftem Rücken ein beweglicheres Geschöpf. Mund und Augen stehen ebenfalls nach aufwärts gerichtet; letztere besitzen aber eine mehr seitliche Stellung, sind höchst beweglich mit völliger Unabhän- gigkeit der beiden Achsen und zeigen einen prachtblauen oder blau- grünen Metallglanz. Da wir bei Fischen so vielfach eine lebhafte Neu- gier für glänzende und auffallend gefärbte Dinge bemerkt haben, wo- durch beispielsweise die schwarzen Augen der Langusten und anderer Krebse so häufig in Gefahr geratheu, so sind wir der Ansicht, dass diese Juwelenhaft leuchtenden beweglichen Trachinusaugen wohl als ein Lock- mittel für Fische dienen könnten. Sie sind wenigstens das Auffallendste an dem AVenigen, was man von dem nach Art der Uranoscopus sich ver- grabenden Thiere sieht. Im Aquarium benimmt sich Trachinus viel ac- tiver als der Vorige. Wirft man Futter in sein Bassin, so schnellt er sich sofort aus seinem Lager auf und schnappt die Fische noch während 14 R- Schmidtlein des Herabfallens weg. Gegen Feinde besitzt er in den aufrichtbaren Stacheln der Rückenflosse eine nicht zu verachtende Waife; sie sind hart und nadelspitz und werden bei jeder Beunruhigung gesträubt. Ausserdem stehen auch am Rande der Kiemendeckel solche Dornen, deren Verletzungen allgemein als giftig gelten, daher die Fischer diese sonst geschätzten Thiere sehr vorsichtig behandeln. Im Schwimmen ist Trachinus nicht viel ausdauernder als sein Ver- wandter. Zwar sind die Bewegungen lebhaft und bei der Biegsamkeit seines Körpers fast schlängelnd zu nennen: doch fällt er eben so plump zu Boden als jener, sobald seine Muskeln ruhen. Manchmal bläht er sich während des Liegens für einige Secunden auf, wobei er Maul und Kiemendeckel weit öffnet und die Flossen wie in einem convulsivischen Krämpfe sträubt. Bei vielen anderen Fischen sehen wir häufig dieselbe Geberde, die man ein Gähnen nennen könnte. Die drei Arten der Gattung (Tr. vipera, radiatus und draco) dauern im Aquarium sehr gut aus und stimmen in ihrem Betragen vollkommen überein. Auffällig sind die lebhaften und glänzenden Farben nament- lich von Tr. radiatus, die man bei Grundfischen sehr selten findet. Das Princip des Angelus und Köderns der Beute durch bewegliche Anhänge, Barteln u. s. w., das wir bereits bei Uranoscopus in eigen- thümlicher Weise entwickelt fanden, ist auf das Vielseitigste bei Lo- phius ausgebildet. Er ist geradezu ein lebendiger Angelapparat, den wir in diesem Fische verkörpert sehen. Leider können wir nicht viel über sein Gefangenleben berichten, was als Beitrag zu den bereits be- kannten Eigenschaften betrachtet werden könnte : denn er ist so eng an seine finsteren Schlammgründe angepasst, dass er die Haft in unseren klaren, hellen mit reinlichem Sande versehenen Gefängnissen stets nur wenige Tage erträgt. Er liegt zumeist in vollkommener Apathie ohne sich einzuwühlen auf dem Boden und stiert mit den grossen, trübver- glasten Augen vor sich hin, wobei die Kiefern des ungeheuren Maules sich bei jedem Athemzuge ein wenig öffnen und schliessen und die lappigen Bärtelreihen am Kinn hin und herschwanken. Zeitweilig richtet er die Kopfangeln auf und lässt ihre Endläppchen spielen oder gähnt und wechselt die Farbe seines düsteren Schlaramkleides ein wenig in's Hellere oder Dunklere. Nahrung nimmt er niemals, weder freiwillig noch gezwungen. Will man ihn füttern, so speit er die Bissen wieder aus. Vor seinem Tode pflegt die Haut am Schwänze ab- zufallen und dieser von der Spitze aus zu faulen. Der Seeteufel erreicht eine mächtige Grösse und das Aquarium be- Beobachtungen über die Lebensweise einiger Seethiere etc. 15 sass wiederholt Exemplare von mehr als Meterlänge ; sie hielten aber noch weniger aus als die kleinen Thiere. — Mit Uebergehung der Pleuronectidcn, welche wir uns zu einer aus- führlicheren Besprechung vorbehalten, wenden wir uns zu den Scor- paenen, von denen die beiden im Golfe gewöhnlichen Arten Sc. scrofa und porcus ausdauernde, zur Beobachtung reichlich Gelegenheit bietende Gefangene sind. Scorpaena ist ein Grundfisch in einer etwas anderen Bedeutung als die Vorhergehenden. Sie ist eine Felsbewohnerin, welche niemals in Sand oder Schlamm sich eingräbt, sondern an schlupfwinkel- reichen Klippen und felsigen Stellen mit Vegetation ihr Wesen treibt. Dementsprechend zeigt auch ihr Benehmen, die Art des Beute- machens, der Vertheidigung und des Schutzes ein charakteristisches Gepräge, das sie mehrfach von jenen Wühlern unterscheidet. Die Figur ist plump und gedrungen, der Kopf hässlich und breit mit glotzi- gen rothleuchtenden Augen und einem reichen Besatz von beweglichen algenbewachsenen Anhängseln, Hautläppchen, Hörnern und ähnlichen Gebilden ausgestattet, welche sich auch auf den grösseren Theil des Kumpfes fortsetzen. Die Brustflossen sind gross und breit, Kiemen- deckel und Rückenflossen mit kräftigen spitzen Stacheln besetzt. Diese Ausstaffirung macht sie zu wahrhaft abschreckenden Gestalten und dürfte den Zweck, sie ihren Feinden und Verfolgern furchtbar zu macheu, nicht verfehlen, zumal wenn sie sich aufblähen und jene Stacheln und Anhänge aufrichten. Andererseits besitzen sie in ihrer Fär- bung (namentlich Scorpaena porcus) ein ausgezeichnetes Schutz- mittel , um sich vor Gegnern wie vor Opfern zu verbergen. Die ge- nannte Art trägt ein Kleid, das aus düsteren Mischfarben von Braun, Grau und Schwarz besteht und mit der Farbe der Felsen um so voll- ständiger harmonirt, als das Thier auch noch die Fähigkeit besitzt, Ton und Zeichnung desselben innerhalb bestimmter Grenzen abzuän- dern. Es ist wunderbar, wie täuschend sie den Felsgrund nachahmen ; regungslos lauern sie in den Winkeln und Spalten oder auf den Felsvor- sprüngen, eng an den Stein geschmiegt, kleineren mit Algen bewach- senen Brocken desselben zum Verwechseln ähnlich. Die beste Illu- stration hierfür giebt die Thatsache, dass unkundige Besucher des Aquariums von Dutzenden ein Bassin bevölkernden Scorpaenen an- fänglich auch nicht einen gewahr werden und wir selbst trotz der guten Erleuchtung der Becken kaum im Stande sind, eine sichere Zäh- lung der Individuen vorzunehmen ! Daher gewährt die Fütterung der allzeit hungrigen Unholde ein interessantes Schauspiel. Kaum ist die 1 6 R. Schmidtleiü Handvoll Fischchen hereingeworfen oder ein Kübel lebender Gobius in ihrem Felseubehäiter freig-elasseu, so werden die Steine lebendig. Wie durch Zauberei löst sich ein Brocken nach dem andern von der Wand, springt vorwärts und schiesst auf den Boden. Binnen ein paar Minuten sind einige zwanzig Scorpaenen auf demselben versammelt, welche gierig auf die Gobien Jagd machen. In eigeuthUmlicheu plumpen Sprün- gen bewegen sie sich fort, lassen sich fallen, lauern und schiessen dann plötzlich, wenn das Opfer in genügende Nähe gekommen, mit gesträub- ten Stachelflossen darauf los. Ihr weites Maul bewältigt unglaublich grosse Bissen und wir sahen sie häufig Fische hinabwürgen, die mehr als die Hälfte ihrer eigenen Grösse hatten. Todtes Futter fangen sie wie Trachiuus noch während des Herabfallens weg, indem sie von ihrem Versteck aus direct darauf losstürzen. Scorpaenascrofa imitirt mit ihrem bunteren, hellen Farbenkleide von Roth, Orange, Gelb und Braun mehr die Algenvegetationen als den nackten Fels. Demgemäss ist ihr liebster Aufenthalt auch im Aquarium der hellere Kiesgrund und namentlich die bewachsenen Steine. Hier schmiegt sie sich an und verhält sich so ruhig als möglich, während die Bewegung des Wassers alle ihre Hautblättchen und Lappenauhänge hin und her schwanken lässt, was zur Aehulichkeit mit einem kurze spär- liche Algenrasen tragenden Steine sehr viel beiträgt. lieber die Fortpflanzung haben wir bis jetzt beobachtet, dass das Weibchen im Frühlinge (Mai) seinen Laich in Form eines schlauch- artigen hyalinen Gallertbandes, das frei im Wasser schwimmt, ablegt. Die Eier zur Entwicklung zu br'ngen, ist bis jetzt nicht gelungen. — Ein Leben, das viel Aehulichkeit hat mit dem der Scorpaenen, führt ein Vertreter der artenreichen Gattung Gobius, die Schwarzgrundel ^Gobius niger) mit ihren Verwandten. Felslöcher und Algengebüsch sind im Meere wie im Aquarium der Lieblingsaufenthalt dieses Thieres. Es verlässt dieselben aber viel häutiger als Scorpaena die ihrigen , und bewegt sich mit plumpen Kreuz- und Quersprüngen am Boden und an den Felswänden hin, wobei ihm, namentlich beim Erklettern aufrechter Felswände , die brustständigen , zu einer Haftscheibe verschmolzenen Bauchflossen sehr zu statten kommen. Selbst in Bassins, deren Seiten- wände nur aus glatten Schieferplatten gebildet sind, saugen sie sich an jeder beliebigen Stelle mit Ausnahme der Glasscheiben fest. Am liebsten sitzen sie unter FelsvorsprUngen und Spalten im Dunkel oder bedeckt von den krautartigen Blattmassen der braunen Khodymenia und stürzen wie die Drachenköpfe im Sprung auf ihre Beute los. Diese besteht in allerlei kleinen Würmern, Krebsen und Fischen; Beobachtungen über die Lebensweise einiger Seethiere etc. 17 grössere Opfer schleppen sie in ihre Verstecke, um sie dort in Ruhe zu verzehren. Die Färbung der Schwarzgrundel zeigt dieselbe Ani)assung durch sympathische Farbenwahl, wie wir sie bei anderen Grundfischen be- schrieben. Ein Dunkelgrau mit schwarzen Sprenkeln ist das vorherr- schende Colorit, das jedoch durch die Willkür (oder Refiexthätigkeit ?j des Fisches verändert werden kann. Bei ruhenden Thieren sieht man oft ein schmutziges Weissgelb mit dunkleren verwaschenen Flecken über den ganzen Körper gebreitet ; in der Erregung, namentlich während der Paarzeit, werden die Thiere tief schwarzgrau und wechseln häutig- unter den Augen des Beobachters den Ton und die Zeichnung ihres Kleides. Das Merkwürdigste im Leben unseres Gobius bleibt aber wohl die wunderbare BrutpHege. Zu einem Nestbau, wie ihn Olivi und Andere beschrieben haben, kam es zwar im Aquarium bisher nicht (wahrschein- lich in Folge mangelnder Materialien) , doch gab uns eben die jüngste Zeit Gelegenheit; die Eiablage und Bewachung der Brut durch das Männchen zu beobachten. Am 13. April dieses Jahres begann ein Gobiuspärchen, das in eine Abtheilung des von Juliden bewohnten Bassins gesetzt worden war, seine Eier an die Schieferwand des Beckens abzulegen. Das Weibchen musste in den frühesten Morgenstunden damit begonnen haben, denn um S Uhr früh fand sich bereits ein handflächengrosser unregelmässig rundlicher Complex von Eiern etwa 10 cm über dem Saudboden am Schiefer befestigt. Die 1 '/2 oam langen spitzovaleu Eichen waren mit dem einen Pole festgeklebt, in dichter Lage aneinander geschlossen und von weissgelber Farbe. Das Weibchen hatte die Eier verlassen und ruhte in einem dunklen Winkel von seiner Arbeit; um so schärfere Wacht aber hielt der Gatte, ein grosses Männchen, bei der jungen Brut; under hatte vollen Grund dazu. Die fresswüthigen Julis umschwärmten unauf- hörlich die lecker aussehenden Eier und suchten durch allerlei freche Angrifìe etwas davon zu erbeuten. Aber das Männchen war ein uner- müdlicher und achtungeinflössender Wächter. Auf jeden Julis, der sich in verdächtige Nähe wagte , schoss er wüthend mit gesträubten Flossen und geöffnetem Maule los , oder fuhr zwischen die in respectvoller Ent- fernung zu Trupps versammelten bunten Eäuber wie ein Blitz hinein, dass diese erschreckt in alle Richtungen auseinanderstoben. So trieb er es unablässig, wobei er stets nach jedem Angriff wieder zu den Eiern zurückkehrte und bald halb aufgerichtet an die Wand gelehnt, bald in rasch wechselnden Stellungen auf dem Sande postirt die Situation zu ilittheilnngen a. d. Zoolog. Station zu Neapel. Bd. I. 2 lg R. Schmidtleìn beherrschen suchte. Aber so muthig er sich auch gegen seine natür- lichen Feinde bewies, so tief verschüchtert zeigteer sich, als wir näherer Untersuchung wegen einen kleinen Theil seiner Eier herausholten. Er flüchtete und wagte sich geraume Zeit nicht wieder hervor. Dies kostete seiner Brut das Leben. Denn die Juliden, deren Dreistigkeit die vor- übergehende Störung bald vergessen hatte, erschienen früher als er, und — in wenigen Secuuden waren sämmtliche Eier verschwunden. Am 6. Mai begann das Pärchen von Neuem und zwar in den Nachmittagsstunden seine Thätigkeit. Merkwürdigerweise wählte das Weibchen genau dieselbe Stelle der Schieferwand zu seinem Werke, und diesmal ergab sieh die Gelegenheit, den Act der Eiablage und das Ver- halten des Männchens während derselben zu belauschen. Es war ein fesselndes, anmuthiges Bild, das sich mir darbot. Das kleinere Weibchen hing, mit Eierlegen beschäftigt, mittelst des Bauch- flossentrichters au der Wand. Schwärzlich gefärbt vor Erregung und convulsivisch mit den Eückenflossen zitternd schwebte es an der senkrechten Fläche mit aufwärts gekehrtem Kopfe umher und heftete die aus der Analpapille hervortretenden Eiercheu nebeneinander hin. Das Männchen aber spielte unablässig und unter eigenthümlichen zärtlichen Geberden um seine Gattin her. Bald umkreiste er sie und strich mit dem Kopfe über ihren Leib, bald biss er sie sanft in die Seite, als wollte er sie aufmuntern, in ihrem Eifer fortzufahren. Dann wieder lagen beide mit den Köpfen vertraulich aneinandergeschmiegt , bis das Weibchen sein Geschäft wieder aufnahm und der Gatte zur Abwechslung wie toll auf ein paar Julis losfuhr, die sich zu neugierig erwiesen hatten. So währte das interessante Treiben durch mehrere Stunden. Mehrfach sah ich deutlichen Farbenwechsel bei beiden eintreten ; namentlich wurde eine schachbrettartige Gruppirung der dunklen Flecken auf hellerem graugelbem Grunde auffallend , die den Thieren ein sehr schönes Aus- sehen gab. Der Zorn über die unaufhörlichen Neckereien der Juliden versetzte das Männchen in eine steigende Aufregung und seine Angriffe wurden immer häufiger und wüthender. Beinahe schwarz vor Aerger schnellte er sich jedem Ankömmling entgegen und wirklich erreichte er es, dass die Fische sich in Distanz vom Brutplatz wenigstens auf kurze Zeit hielten. Diese Intermezzos benutzte der treue Wächter , um das Weibchen zu liebkosen und anzufeuern, oder selbst ein wenig zu ruhen. Leider gelang es auch diesmal nicht, die Brut zu retten; in wenigen un- bewachten Augenblicken wurde das Werk des sorgsamen Paares ein Raub der Meerjunker, nachdem es dem Männchen gelungen war, durch mehrere Tage wirksamer Vertheidigung die Brut zu schützen. Beobachtungen über die Lebensweise einiger Seethiere etc. 19 Die Eier waren, wie die Untersuchung ergab, sämmtlich befruchtet und entwickelten sich mit grosser Raschheit. Am Mittag des 13. April, an dem die Eier in den Morgenstunden abgesetzt worden waren, fand sich bereits Achttheilung vor. — Als echten Felsbewohner müssen wir auch der Blennien gedenken. Das Genus ist sehr artenreich und es leben im Golfe namentlich die kleineren Species überall an den Felsküsten zu Tausenden. Der statt- lichste Vertreter ist unzweifelhaft Bleu ni US o cell ari s mit aufrichtbarer grosser Rückenflosse, die einen dunklen Augenfleck in ihrer Mitte trägt. Wir möchten dieses fächerartig auszubreitende Flossensegel für einen Schreckapparat halten, durch den das Thierchen seinen Feinden sich furchtbar zu machen sucht. Ein gereizter oder angegriffener Blennius ocellaris entfaltet die Flosse regelmässig, bläht sich dazu auf und öftnet das Maul ; durch alles dieses vergrössert er seine Gestalt fast um das Doppelte und sieht dabei (namentlich auch durch die gefiederten Haut- hörnchen über den Augen) sehr stattlich und wehrhaft aus. In seinen Bewegungen erinnert er an Scorpaena und Trachinus ; der schlanke seitlich compresse schlüpfrige Leib wird beim Schwimmen sehr lebhaft in seitlichen Wellen bewegt. Doch schwimmen die Thiere selten aus- dauernd ; es ist gewöhnlich mehr ein Springen und Hüpfen, sich Empor- schnellen und Niederfallen ähnlich wie bei den Drachenköpfen. Dabei wird der Kopf, dessen Gesichtsausdruck die allen Grundfischen mehr oder minder eigenthUmliche Brutalität besonders schön zur Schau trägt, nach allen Seiten ein wenig bewegt und die grossen Augen spielen un- ablässig und ruckweise, um die Umgebung überallhin zu durchforschen. Viel lebhafter noch sind die kleineren Arten (Bl. pavo, gattorugine, tentacnlaris, varus u. a.). Mit ihren geschmeidigen Körpern huschen sie beständig an den Felsen und zwischen deren Ritzen und Schlupf- winkeln hin und her, hüpfen und jagen sich, tummeln sich zwischen Algen und den Culturen der Röhrenwürmer und verschwinden bei Gefahr wie ein Blitz in irgend einem Versteck. Dazu kommt ihre Neugier und Drei- stigkeit, die sie treibt, an Allem zu naschen und überall, wo zarte Keime in der Stille sich entfalten wollen, ihr Unwesen zu treiben. Ihrer Frevelthaten an Squatina haben wir bereits gedacht ; in gleicher Weise verfahren sie mit der niederen Thierwelt. Den tubicolen Anneliden reissen sie die Köpfe ab, den Krebsen und Fischen trachten sie nach den Augen, Ascidien zausen sie, bis diese absterben, und ähnlich machen sie es mit allem wehrlosen Lebendigem. Für die Ruhe suchen sie be- sonders gern leere klaffende Muscheln auf; im Aquarium wird Pecteu jacobaeus sehr häufig von mehreren Blennien gleichzeitig benutzt. — 20 R- Schmidtlein Die kleineren Arten sind sehr ausdauernde Gefangene; Bl. ocellaris aber hat meist kein sehr lang-es Leben ; er verendet unter ähnlichen Symptomen wie Lophius piscatorius. — (Wird fortgesetzt.) Die Crustaceen. IjBrachyuren. Die psychischen Anlagen dieser formenreichen Gruppe haben schon seit langem die Aufmerksamkeit der Beobachter erregt; das Leben dieser Krebse ist so reich an Beispielen von körper- licher und geistiger Gewandtheit, es lassen sich so überraschende Züge von Schlauheit und zweckmässigem Handeln an ihnen beobachten, dass dem Thierpsychologeu hier ein weites Feld für seine Experimente und Schlüsse offen steht. Wir wollen daher versuchen, das Treiben einiger hervorragender Formen hier zu schildern. — Unser Krebsbecken bildet eines der kleineren, im Centrum des Aquariums gelegenen Bassins ; seine Wände sind mit unbehauenen Fels- stücken ausgekleidet, der Boden ist mit einer ziemlich hohen Schicht mittelfeinen Sandes bedeckt. So bietet der Behälter seinen kletternden und wühlenden Bewohnern das ihren Gewohnheiten entsprechende Terrain. Mehrere grössere Steine und Gorgonidenstämmchen vervoll- ständigen die Einrichtung und werden namentlich von Pisa und Ver- wandten mit Vorliebe bestiegen. Betrachten wir zuerst die Felswände genauer, so fallen uns hell- orangegelbe Spongien von ovaler leichtgewölbter Form in die Augen, welche scheinbar an den Steinen festsitzen. Wir finden jedoch unter jedem Schwämme eine Dromia, welche denselben als Schild auf ihrem Rücken festhält, indem sie die Klauen der ßückenbeinpaare in seine Unterseite einstemmt, wodurch er ziemlich fest an den Rücken der Krabbe angedrückt wird . Der Schwamm (Suberites) ist niemals festgewachsen ; doch besitzt er in den meisten Fällen die Grösse und den Umriss des Cephalothorax, den er bedeckt, und dessen' gewölbter Oberfläche er dicht anliegt. Seine beiden Flächen sind glatt, einer dicken Orangen- schale nicht unähnlich und von korkartiger Beschaffenheit. Der freie Rand ist etwas nach innen und abwärts gekrümmt, dabei häufig etwas verdickt. Seine Grösse steht meist in richtigem Verhältniss zu der seines Trägers , sodass von oben gesehen nur die Stirnpartie und allenfalls die Enden der Beine des Krebses sichtbar sind. Verküm- mert oder fault der Schwamm , so bleibt allerdings der vordere Theil des Kopf brustückes unbedeckt ; er wird aber nichtsdestoweniger fest- gehalten. — Beobachtungen über die Lebensweise einiger Seethiere etc. 21 Nimmt man der Dromia ihre Bürde ab und legt sie ihr iu den Weg, so macht sie sich sofort daran , dieselbe wieder auf ihren Rücken zu bringen, was nach einigen vergeblichen Versuchen auch gelingt. Sie fasst den Schwamm hierbei entweder mit den Scheeren des ersten Bein- paares und hebt ihn empor, bis die Klammer])eine ihn erreichen können, wobei sie sich aufrichtet oder auf den Rücken legt, um den Schwamm iu die richtige Lage zu bringen; oder sie kriecht rücklings an ihn heran, richtet sich empor und sucht ihn direct mit den nadelspitzen Klauen der Rückenfüsse zu fassen. Ergötzlich ist es, zu sehen, wenn zwei Dromien, welche ihre Spon- gien verloren haben, sich um den Besitz einer solchen streiten. Beide bemühen sich, den Schwamm auf ihren Rücken zu practiciren, die eine zerrt hierhin, die andere dorthin, bis der Sieger schliesslich unter be- ständigen Versuchen des Gegners, ihm dennoch den Kampfpreis zu ent- reissen, die Wahlstatt verlässt. Dromia ist ein höchst träges Geschöpf. Tagelang sitzt sie regungs- los an derselben Stelle, unbeachtet, weil doppelt gesichert durch den Schild und ihre Bewegungslosigkeit ; nur wenn sie hungert, kommt sie mit langsam humpelndem Gang herbei und beginnt mit den rosenrothen Scheeren ein Fleischstückchen um das andere von dem Futter abzu- pflücken und den wirbelnden Mundtheilen zuzuführen. Nur Exemplare ohne Schwamm sind lebhafter und kriechen häufig, wohl in der Absicht, eine Decke zu suchen, umher. Statt der Spongien tragen manche Individuen gleichgestaltete Colo- nien einer grauen Synascidie (Distoma Delle Chiaje n. sp.) oder einen dichten Besatz von Balanen, welcher die Schwämme ersetzt. In einem anderen Falle beobachteten wir ein Rhodymenienblatt an Stelle der Spongie. Dass alle diese seltsamen, frei- oder unfreiwilligen Lasten für ihre Besitzer eine Bedeutung haben, liegt auf der Hand und wird des Weite- ren bestätigt durch andere Gattungen, unter denen wir vor Allem Dorippe, Homola, Maja, Lissa und Pisa hervorheben wollen. — Die Gewohnheit von Dorippe lanata, jeden beliebigen todten oder lebenden Körper hoch über den Rücken zu halten und so auf und abzu- rennen, ist bereits von Dr. Dohkn an anderem Orte beschrieben wor- den. In der That verfährt sie in der Wahl ihrer Objecte gänzlich will- kürlich. Phallusien und Pentacten, Fischköpfe, todte Genossen und lebende Dromien, ja sogar Stücke Fensterglas practicirt sie ohne viel Bedenken auf ihren Rücken, hält sie mit den Rückenbeinen frei schwe- bend empor und stelzt dann mit ihren langen Beinen spinnenhaft um- 22 E- Schmidtlein her. Sie bedient sieb dieser Dinge dabei weniger als Decke denn als Schild , den sie ihren Angreifern entgegenhält. Sie führt damit, ohne den Körper zu drehen, alle möglichen Manöver aus; mehrfach sah ich, sie ihre Waffe in den Klauen des Angreifers lassen und ge- schickt die Flucht ergreifen, während jener sich noch damit zu schaffen machte. Dorippe gräbt sich gern bis auf die Gesichtspartie in den Sand. Setzt man einige Dutzend in das Bassin, so hat man am folgenden Tag oft Muhe, eine davon zu finden. Der trapezförmige, platte, graubraune Leib ist selbst bei leichter Bedeckung mit Sand kaum zu unterscheiden, die langen Beine sind vollends unsichtbar und nur die wirbelnden Kiefertaster und die ringsumherspähenden Stielaugen verrathen den vorsichtigen Krebs. Beobachtet man solche vergrabene Individuen anhaltend, so kann man sehen, wie sie zum unbehinderten Spiel ihrer Mundtheile eine flache Grube aushöhlen, wobei sie mit höchst geschick- ten Bewegungen ihrer handartigen porcellanweissen Scheeren ein Stein- chen um das andere fassen und an den Rand der Grube legen. Dass Nahrungstheilchen, welche bei dieser Gelegenheit im Sande sich finden, sofort erkannt und verschluckt werden, versteht sich eigentlich von selbst, und so wird dieses Aushöhlen des Sandes wohl einen doppelten Zweck haben. Aehnlich benimmt sich E th usa mascarone, ein auf dem mitZostera- mulm und Bimssteingrus bedeckten Seichtgrund des Golfes in nächster Nähe der Station sehr gemeines Thier. Wir haben sie von dort häufig mit grossen Phallusien erhalten, die sie sich der Quere nach aufgeladen hatten ! Homola spinifrons ist ein seltener Gast des Aquariums. Sie liebt es, mit einem Schwamm, einem Algenblatt oder sonst einem leichteren Körper bedeckt an den Felswänden zu sitzen und zwar meist in abwärts gekehrter Stellung. Wie Dromia wechselt sie oft tagelang ihren Ort nicht, giebt daher auch zu weiteren Beobachtungen wenig Anlass. Hatten wir in den bisher geschilderten Krebsen Thiere gefunden, weiche zu ihrem Schutze fremde Körper auf sich festhalten, ohne dass diese an dem Krebse hafteten, so begegnen wir in Maja verrucosa, den Pisa- arten und Lissa Geschöpfen, deren Leib stets und zwar häufig bis zur Unkenntlichkeit mit anderen Organismen bewachsen ist. Bei Maja verrucosa ist es eine dichte Decke von verschiedenen Algen (oft über 20 Species angehörig) , die auf dem mit Stacheln, Grübchen und Haaren versehenen Panzer Wurzel gefasst haben. Ueber und über bis an die Klauen der Beine ist die Oberseite des Krebses mit solchen Vegetationen BeobacLtungen über die Lebensweise einiger Seethiere etc. 23 überzogen und dieses Kleid, das durch die Bewegungsträgheit des Thieres in seiner Bildung wesentlich begünstigt wird, unterstützt seinerseits diese Eigenthüralichkeit zum Schutze der Krabbe, indem es ihre Verborgenheit erhöht. Die Maske ist so vortrefiflich, dass ich häufig eine Anzahl in ein Glas zusammengesteckter Maja, die der Fischer brachte, für einen algenbewachsenen Stein hielt, und überrascht war beim Herausnehmen den Klumpen in eine Gesellschaft von Maja sich auflösen zu sehen. — Doch sind Algen nicht die einzigen Bewohner des Thieres ; auch Bryozoen und Hydroiden siedeln sich au und einmal er- hielten wir ein Exemplar, das auf der Mitte des Kopfbruststückes senk- recht emporragend eine ausgewachsene Spirographis trug ! Sehr häufig bemerkt man bei Maja und zwar nicht nur bei der in Eede stehenden kleinen Art, sondern auch bei der grossen M. s quinado ein eigenthümliches Gebühren, welches darauf hindeutet, dass das Thier die schützende Aehnlichkeit mit einem algenbewachsenen Steine noch zu erhöhen sucht : Es beschäftigt sich stundenlang damit, kleine Stein- chen, Muschelschalen, Algenreste und andere kleine Körper aufzulesen, die es dann bedächtig und sorgsam — sich auf den Rücken legt ! Auch bestecken sie oft den ganzen Körper auf eine höchst geschickte Weise mit Algen, Hydroiden u. s. w. Wahrhaft abenteuerliche Gestalten sind die Pisa-Arten. Bekannt- lich besteht das Rostrum bei dieser Gattung aus einem ziemlich langen doppelten Stachel, der beträchtlich über die Augengegend vorspringt. Auf ihm siedeln sich nun regelmässig Alcyonien oder Spongien, Hydroiden und Colonien von Syuascidien an, die oft eine beträchthche Grösse erreichen und die Länge des Krebses um ein Mehrfaches übertreffen. Dazu bewaldet sich auch der Cephalothorax, dessen höckerige, mit Stachelprotuberanzen besetzte Oberfläche eine Menge Ansatzpunkte bietet, mit Schwämmen und ähnlichen Dingen, bis nur die Beine noch den Kruster verratlien. Man kann die wunderlichsten Figuren sehen. Hier trägt einer einen grossen Strauss Sertularien oder Antennularia mit lebenden Polypen wie einen Federbusch auf der Nase ; bei einem anderen ist das Rostrurn mit einem jungen Alcyonium, zweimal länger als er selbst, geziert; ein dritter ver- schwindet fast unter dem üppig wuchernden Besatz der braunen Flustra papyracea, der überall aus dem dichten Spongienkleide hervorwächst und auch an den Beinen zu Büscheln gruppirt sich findet. Am Rostrum wer- den auch Fremdkörper mechanisch befestigt. Und diese Maske dient hier nebenbei auch den Zwecken der Nahrung: häufig sieht man zwei sich begegnende Pisen einander lausen, indem sie bedächtig mit den spitzen schlanken Scheeren einander den Besatz der Schwämme und 24 ß. Schmidtlein Hydroidpolypen herabpflücken, auch wohl an den eigenen Beinen naschen. Letzteres bemerkt man auch an den Arten der Gattung- Inachus, deren mächtig verlängertes zweites Fusspaar fast ausschliesslich den Algenbesatz trägt und seine Function als Gangbein eingebüsst zu haben scheint, da es der Krebs wie eine Balancirstange trägt. Hier schliessen sich die Stenorhynchen an, deren dünne lange, an die Gliedmassen der Phalangiden unter den Spinnen erinnernde Beine immer einen mehr oder weniger dichten Besatz von Diatomeen und kleinen zarten Algen tragen. Sie gleichen in diesem Kleide abgestor- benen Pflanzenresten oft ganz auffallend, wobei ihr Stillesitzen die Täu- schung noch erhöht. In dem Sandboden unseres Beckens sieht man an verschiedenen Stellen fleischrothe, mit dunkelrothen Flecken gesprenkelte Körper her- vorragen. Es sind vergrabene Exemplare von Calappa granulata. Erst bei näherem Zusehen oder wenn die Thiere aufgestört werden , erkennt man den Krebs, der im letzteren Falle seinen plumpen in die Quere entwickelten Leib mit den mächtig verbreiterten Scheeren erhebt und auf dünnen gelben Beinen ziemlich behende umherläuft. Uns inter- essirt namentlich die Function dieses enorm vergrösserten ersten Fuss- paares; es schliesst eng an den Körper an und verdeckt die ganze Brust- und Mundpartie, wobei der scharfe Kamm des Handgliedes genau an die bestachelte Vorderkante des Cephalothorax passt. So bildet der Krebs einen festen widerstandsfähigen Klumpen, an dem Nichts sich regt als die kurzen Stielaugen und die unaufhörlich wippen- den Fühler. — Besagtes Scheerenpaar dient zum Einwühlen und zum Schutze der Calappa. Nachdem sie mit den übrigen krummsäbelförmigen Gangbeinen lose in den Sand eingedrungen ist, genügen wenige kräftige Bewegungen jener Schaufeln, um das Versinken bis an den Scheitel zu bewerkstelligen. In dieser Stellung pflegen sie stunden- und tagelang zu verweilen, überall mit den beweglichen Augen umherspähend und vollkommen gedeckt gegen feindliche Angriffe. Um zu sehen, auf welche Weise Calappa ihre Waffen zur Verthei- digung braucht, setzen wir sie in ein von kleinen Labroiden und Juliden wimmelndes Bassin. Die fressgierige bunte Schaar fällt über jedes wehrlose Geschöpf sofort her und reisst es in Stücke. Unsere Calappa darf zwar dieses Loos nicht besorgen ; aber um das eigene Futter muss sie unaufhörlich kämpfen und hierbei leisten ihr die breiten Handglieder und kräftigen Scheeren vortreffliche Dienste. Es ist anziehend zusehen, welche Mühe sich die Juliden geben , mit den spitzen Mäulern ihr das Beobachtungen über die Lebensweise einiger Seetliiere etc. 25 Futter zwischen denKlaueu oder von oben her zu entreissen; unablässig umschwärmen sie unter fortwährenden dreisten Raubversuchen den be- dächtig fressenden Krebs. Aber bei jedem Angriffe klappen die Augen der Krabbe vorsichtig in ihre Höhlen zurück , desgleichen die Fühler, und der Bissen wird von den dicht schliessendeu Schaufelarmen ge- borgen. Andere Krebse weist sie auch häufig durch derbe Hiebe und Ausschlagen mit denselben zurecht. Manchmal sieht man Exemplare von Calappa auch am Wasserspiegel an einen Felsvorsprung geklammert sitzen, so dass der austretende Kiemenstrom wie eine kleine Fontaine emporspringt. Calappa ist ein dankbarer Aquariumbewohner , der monatelang in der Gefangenschaft ausdauert, sobald man ihm ein seinen Gewohnheiten entsprechendes Bassin und reichliche Circulation giebt ; gegen Verderb- niss des Wassers ist er allerdings empfindlich und erliegt derselben früher als andere Krebse. Sehr ähnlich in ihren Gewohnheiten ist die verwandte kleine Ili a micleus, wohl eine der saubersten Erscheinungen unter den Brachyuren. Sie führt ein ziemlich verborgenes Leben im Sande und zwischen Fels- spalten, ist träge in ihren Bewegungen, vertheidigt sich aber, wenn sie angegriffen wird, muthig mit weit aufgerissenen Scheeren, w^obei sie das Fusspaar drohend erhebt. — Die zweifellos höchststehenden Brachyuren sind die Cyclometopen und Catometopen, und zwar in erster Linie die Genera Eriphia, Xantho, Carcinus, Portunus und Lupa in der ersteren, sowie Gonoplax und die Grapsus in der zweiten Familie. Alles an diesen Thieren verräth geistige und körperliche Gewandtheit, alle Bewegungen sind sicher und vielseitig, rasch und voll Energie, mit den wachsamen , rastlos umherspähenden Stielaugen bemerken sie Alles, was in ihrer Umgebung vorgeht und ihr Verhalten gegen dieselbe, ihr Handeln zeigt so viele unbestreitbare Ueber- legung, List und Schlauheit, dass man ihnen ein geistiges Uebergewicht über die anderen Krebse nicht absprechen kann. Auch das amphibische Leben vieler, das ja bei Tropenbewohnern bis zum wirklichen Landleben weiterentwickelt ist, deutet auf einen wichtigen Fortschritt. An Körperkraft, Energie und Wehrhaftigkeit steht Eriphia spini- frons unbedingt oben an. Es ist geradezu gefährlich, ein erwachsenes Thier unvorsichtig anzufassen, denn sie kneipen fürchterlich. Glasröhren von mittlerer Dicke, wie wir sie gewöhnlich zur Circulation im Laboratorium verwenden, zermalmen sie ohne weiteres und die hölzernen Aquarium- zangen tragen tiefe Spuren ihrer Scheeren. Im Bassin verräth ihr ganzes Wesen wildes Kraftbewusstsein und Todesverachtung. Gegen jeden 26 R- Scbiuidtlein Angriff setzen sie sich sofort in Vertheidigung. Senkrecht emporge- richtet, die Hinterbeine in den Sand gestemmt, mit weit ausgebreiteten Scheerenarmen und aufgerissenen Scheeren erwarten sie den Feind, der dann gewöhnlich vorzieht, in achtungsvoller Entfernung zu bleiben. Auch gegen die Zange des Wärters steilen sie sich in gleicherweise, und man kann das Klappen der zusammenscblagenden Scheeren und das Knirschen des Holzes durch das Wasser deutlich hören. Haben sie sich eingewöhnt, so führen sie ein ziemlich verborgenes Leben unter Steinen und in Felsritzen oder eingewühlt in den Sand, namentlich gern unter einem derauf dem Boden liegenden Tuff blocke. Im Trocknen hältEriphia sehr gut aus, und wir finden öfters Flüchtlinge aus den Bassins im Licht- hofe umherlaufen oder selbst im Raum für das Publicum an den Wänden sich fortschleichen. Sie sind dabei gewöhnlich ganz munter, verthei- digen sich und leben, ins Wasser zurückgebracht, nach kurzem Still- liegen wieder vollkommen auf. Viel lebhafter und wirklich Ijelustigend durch ihre Munterkeit sind Carcinus maenas und die Fortunen. Man könnte sie einer Mäuse- schaar vergleichen, wie sie behende übereinander weghuschen, verschwin- den und wieder hervorkommen, seitlich-, vor- und rückwärts mit gleicher Fertigkeit laufen oder sich um ein Beutestück versammeln und mit merkwürdig handartigen Bewegungen ihrer Scheeren sich ihren Antheil zulangen. Es erinnert fast an die Art, wie menschliche Hände einen Körper zerreissen, wobei die eine Hand denselben mit gestrecktem Arm festhält und die andere gegen den Körper hinzerrend Stücke davon ab- trennt. Und dabei giebt es unaufhörlich Zank und Streit, sowohl unter sich als mit Faguren und anderen Krebsen, welche sich an der Mahl- zeit betheiligen wollen. Dann sind alle ihre Bewegungen hastig und ruckweise, aber sicher. Ihre mächtigen Feinde, voran die Octopoden, kennen sie sehr wohl und beweisen dies durch ihr Benehmen. Ihre ganze dreiste Lebendigkeit ist dann verschwunden und hat einem höchst vorsichtigen, um nicht zu sagen ängstlichen Wesen Platz gemacht. Sie liegen wie todt und beginnen unter äusserst langsamen verstohlenen Bewegungen sich allmälig in den Sand zu versenken! Freilich sind sie häufig genug trotz aller Behutsamkeit nicht gerettet; denn das scharfe Auge ihres furchtbaren Feindes erspäht sie doch und dann giebt es kein Entrinnen. Carcinus ist ein schlechter Schwimmer, so gewandt und hurtig er sich auch auf dem Felsboden bewegt; die Portunusarten dagegen schwimmen sehr rasch und leicht nach der Seite mit Hülfe ihrer plattenartig verbreiterten Endglieder am letzten Beinpaar. Genau Beobachtungen über die Lebensweise einiger Seethiere etc. 27 dieselbe Weise zu schwimmen zeigt auch Lupa bastata, die den For- tunen übrigens auch in der Lebensweise scbr nahe steht. Ob der scharfe lauge Stachel am Seitenrandc des Cephalothorax in irgend einer Weise als Waffe oder Schutzwehr verwendet wird, ist nicht genau zu beobachten gewesen ; doch sind Stachelfortsätze des Panzers gegen An- griffe von Fischen gewiss von Wirksamkeit. Ausser den genannten Cyclometopen leben zeitweise noch mehrere Arten von Xantho und Filummis, Eriphia spinifrons, Faragalene und Platyonychus im Aquarium. Xantho ist ein lichtscheuer Krebs, der sich sehr bald in dunkle Felswinkel verbirgt und wenig von seiner Lebensweise zu erkennen giebt. Die Pilumnus -Arten dagegen wohnen am liebsten in grossen Hörn- und Kieselspongien resp. deren grösseren Hohlräumen und in den Löchern und Höhlungen des porösen Tuffgesteios. Im Aquarium legen sie allmälig ein wenig von ihrem scheuen Wesen ab und sitzen gern vor ihren Löchern, um zu spielen, einander zu jagen und Nahrung zu erbeuten. Ihr Benehmen dabei gleicht völlig dem ihrer Verwandten. Die neue Gattung Faragalene (oeapolitanaKossm.) ist ein grosser, die Maasse einer erwachsenen Eriphia erreichender Krebs von schön fleischrother Farbe, der in den Herbstmonaten mit Galathea, Munida, Fortunus corrugutus und Scyllarus arctus zusammen häufig gebracht wird. Im Aquarium benimmt er sich scheu und wenig lebhaft, gräbt sich gern ein und sucht dunkle Stellen auf. Sein Leben ist von ge- ringer Dauer. Von den Catometopen sind Fachygrapsus marmoratus und Hetero- grapsus Lucasii mit Gonoplax rhomboides die häufigsten. Die Fachy- grapsus sind muntere flinke Thiere, welche wie die Fortunen viel zur Belebung des Bassins beitragen und auch auf dem Lande mit grosser Gewandtheit umherlaufen. Ihr Lieblingsaufenthalt im Freileben sind die Strandklippen dicht am Wasserspiegel, wo sie zu Tausenden mit Benutzung aller Spalten und Ritzen umherhuscheu und blitzschnell ihre Verstecke zu gewinnen wissen, sobald man sie verfolgt, so dass es nicht leicht wird, einen davon zu fangen. Haben sie eine Spalte erreicht, so strecken sie die drohend geöffneten Scheeren hervor und büssen diese lieber ein, als dass sie sich hervorziehen liessen. Ihre dunkle Stein- farbe mit den marmorirten Zeichnungen ist gleichzeitig eine treffliche Schutzfärbung. Heterograpsus und Gonoplax sind seltenere Gäste; ersterer hat mit Carcinus, letzterer mit Lambrus viel Aehn- lichkeit im Betragen. ,y^.^^ fortgesetzt ) Neapel, 15. Mai 1878. Neue Untersuchungen über Pycnogoniden. Von Anton üolirn. Als ich vor einer Reihe von Jahren zum ersten Male die Pycnogo- niden untersuchte 1) und mir aus den Ergebnissen meiner Beobachtungen eine Ansicht über die systematisch-genealogische Stellung derselben zu bilden suchte, war es besonders die Auffassung, dass die Pycnogoniden sieben Extremitätenpaare besassen, welche mich abhielt, sie den Arach- niden zuzuzählen. Ich glaubte bei der Untersuchung von Ach eli a laevis den Nachweis liefern zu können, dass die drei Extremitäten- paare der Larve sich in die Scheerenfühler, die Taster und die acces- sorischen oder eiertragenden Füsse umwandelten, dass somit keines der eigentlichen Beinpaare der Pycnogoniden aus der UniAvandlung der Larvenbeine entstünde. Den Beweis, dass diese Auffassung richtig sei, glaubte ich voll erbracht zu haben, indem ich diejenigen Entwicklungs- stadien von Achelia laevis beschrieb und abbildete, bei welchen das dritte Larvenbein und das erste eigentliche Pycnogonidenbein neben ein- ander bestanden , also nicht eines aus dem andern hervorgegangen sein konnte. Ein Blick auf die Abbildungen der bezüglichen Stadien (I. c. Taf. VI, Fig. 11 — 13) sollte, so glaubte ich, das Zutreffende meiner Auffassung erhärten. Es ist mir indessen nicht gelungen, dieselbe zur allgemeinen zu machen, wie aus einer Arbeit hervorgeht, welche Hr. Professor Semper unter dem Titel »Ueber Pycnogoniden und ihre in Hydroiden schma- rotzenden Larvenformen« (Arbeiten aus dem zool.-zootom. Institut zu Würzburg I pg. 264 ff. Taf. 16 u. 17) veröffentlicht hat. In dieser Arbeit stellt Prof. Semper die Entwicklungsgeschichte eines Phoxichilidium dar, dessen Larve in Hydractinien schmarotzt. 1) Siehe »lieber Bau und Entwicklung der Pycnogoniden«. Jenaische Zeit- schrift für Medicin und Naturwissenschaft. V. p. 138 ff. Taf. V u. VI. Neue Untersiicliungcii über Pycnogoniden. 29 Durch Gegenbaur und Hodge war, wie Prof. Semper in seiner ausführ- lichen Literatur-Uebersicht angiebt, bekannt geworden, dass dies Schma- rotzen stattfindet, aber es war nicht hinreicliend klar geworden, ob Phoxichilidium die Eier direct in den Polypen ablegt, wie Gegenbaur und auf ihn gestützt Claus' Handbuch berichteten, oder ob die junge Larve gleich nach dem Auskriechen in den Polypen einwandert, wie Hodge u. A. beschrieben. Prof. Semper hat diese Frage zu Gunsten der letztern Alternative entschieden. Er beschreibt die aus dem Ei ausschlüpfende Larve, die in allen wesentlichen Eigenschaften mit den Larven der übrigen Pycno- goniden übereinstimmt — mit Ausnahme derjenigen der Gattung Pal- lene, die, wie ich in meinem früheren Aufsatz nachwies, ohne Larven- form als beinah ausgebildetes Thier das Ei verlässt (obschou ich damals das Thier unrichtig als Phoxichilidium bestimmte) — und verfolgt ihre Entwicklung bis nahezu an die geschlechtsreife Form. Auf diese Untersuchungen gestützt spricht sich Prof. Semper folgen- dermassen über die systematische Stellung der Pycnogoniden aus : «Der hier in allen wesentlichen Phasen dargelegte Entwicklungs- gang zwingt uns, die vonDoHRN scheinbar endgiltig beantwortete Frage nach der nächsten Verwandtschaft der Pycnogoniden abermals zu dis- cutireu. Vergleicht man nämlich die einzelnen Larvenstadien von Achelia laevis nach Dohrn's Beschreibung mit den entsprechenden von Phoxichilidium mutilatum so ergiebt sich ein wesentlicher Unter- schied. Bei jener soll nach Dohrn das zweite (dritte) Larvenbein zum Eierträger werden und einem andern Körpergliede augehören , als das erste eigentliche Beinpaar des erwachsenen Thieres ; nach ihm hat das Pycnogonid sieben typische Extremitätenpaare, von denen das letzte den Milben fehlen soll. Nach der Entwicklungsweise, die ich oben ge- schildert habe, entsteht dagegen bei Phoxichilidium das erste definitive Beinpaar aus demselben Körpergliede, welches in der Larve das (zweite) dritte Larvenbein trug; man kann also auch den Eierträger, der ohne- hin sehr spät erscheint, und nicht direct aus dem Larvenbein hervor- geht, also eine Neubildung ist, je nach dem Entstehungsort als Palpus für das erste oder zweite Körperglied, und das erste Beinpaar dann, entsprechend dem Verhalten bei vielen Arachniden, als zweites Kiefer- paar betrachten, welches nach dem Arachuidentypus zu einem echten Bein umgewandelt worden ist. Das ist wesentlich die alte Gerstaecker- sche Auffassung. Die DoHRN'sche Forderung also, man müsste, um eine Verwandtschaft der Milben mit den Pycnogoniden zu beweisen, erst Bechenschaft über das den ersteren abhanden gekommene 7te — nach 30 Anton Dohm ihm für die Pycnogoniden typische — Beinpaar geben, wird in umge- kehrter Weise befriedigt. Die Pyenogouiden haben gar nicht typisch 1 , sondern nur 6 Beinpaare, d. h. Körperglieder, und die Uebereinstimmung mit dem Bau der Arachniden ist somit erwiesen«. Diese letzte »mit moderner Sicherheit«, wie Prof. Semper sagen würde, ausgesprochene Behauptung von der Uebereinstimmung des Baues der Pycnogoniden mit dem der Arachniden wäre zunächst noch durch- aus nicht erwiesen, auch wenn es sich mit den Eierträgern und dem dritten Larvenbein wirklich so verhielte, wie Prof. Semper meint. Wenn auch nach früheren Classificationsprincipien zur Rechtfertigung der Abtrennung der Pycnogoniden von den Arachniden der Nachweis eines siebenten Extremitätenpaares vollkommen ausreichte, so ist es doch umgekehrt nicht ausreichend, zu behaupten, dass. weil die Pycno- goniden nur G Extremitätenpaare haben , sie nothwendigerweise Arach- niden sein müssten. Die Organisation beider Classen ist so gründlich verschieden, dass ohne einen tiefgehenden Versuch, die Homologien auch der übrigen Organe scharf zu begründen, und die dabei sich heraus- stellenden Unterschiede als secundäre und durch Umwandlung homo- loger Organe hervorgegangene nachzuweisen oder wenigstens wahrschein- lich zu machen, dasUrtheil über die Zusammengehörigkeit beider Classen suspendirt bleiben muss. Es ist illusorisch , auf die alte Gliedmassen- theorie zurückgreifen zu wollen , um die Verwandtschaften der Arthro- poden festzustellen, gerade der umgekehrte Weg wäre der richtige; die Homologieen der Gliedmassen werden sich erst nachweisen lassen, wenn auf anderm Wege die Blutsverwandtschaft der einzelnen bisherigen Arthropoden -Ordnungen wird ermittelt sein, — falls eine solche Bluts- verwandtschaft überhaupt besteht. Aber ganz abgesehen von dieser unrichtigen Schlussfolgerung ist Professor Semper leider nicht glücklich gewesen in der Feststellung der Thatsachen. Gleich nach dem Erscheinen seines Aufsatzes hatte ich gelegentliche Nachuntersuchung vorgenommen und mich überzeugt, dass meine ursprünglichen Angaben richtig, die Correctur derselben durch Professor Semper irrig war ; und da ich jetzt die Bearbeitung der Pycnogoniden des Golfs von Neapel unternommen habe, so will ich an dieser Stelle die Richtigkeit meiner früheren Angaben zugleich mit einigen neuen Daten bekräftigen , deren ausführlichere Darstellung der späteren Arbeit vorbehalten bleiben mag. Der Schwerpunkt aller Feststellung über die Zahl der in den Pyc- nogonidenkörper eingehenden Segmente, — von welcher Zahl wiederum die Entscheidung über die Zugehörigkeit der Extremitäten zu den ver- Neue Untersuchungen über Pycnogoniden. 31 schiedenen Segmenten abhängt, dieser Schwerpunkt liegt in der Be- schaffenheit des Nervensystems; von da hat die Untersuchung also aus- zugehen. Der Streitpunkt zwischen Herrn Semper und mir liegt nun ganz besonders in der Auffassung des ersten Bauchganglious. Dasselbe giebt drei Nervenpaaren den Ursprung. Das erste derselben (von Herrn Semper überhaupt nicht erwähnt) geht etwas unterhalb und nach aussen von den Schlundcomraissuren nach vorwärts, versorgt die beiden seitlichen Bezirke des Schnabels , geht eine nochmalige Gangiion- bildung in dem ersten Dritttheil desselben ein , und schickt Nerven an die Muskulatur des Schnabels, an seine Siuneshaare und an die compli- cirten Lippen ab. Die Granglionbildung im Schnabel stellt einen secun- dären Schlundring her, denn die ziemlich grossen, länglichen Ganglien der beiden eben beschriebenen Nerven verbinden sich durch breite Commissur nicht nur unter sich, sondern auch mit dem ähnlich gestal- teten Ganglion des unpaaren oberen Schnabelnerven, welcher von der unteren Peripherie des oberen Schluudganglions ausgeht. Das zweite Nerveupaar versorgt den sogenannten Taster, d. h. diejenige Extre- mität, welche dicht neben dem Schnabel und vor dem Eierträger an dem Körper befestigt ist. Der Nerv dieser Extremität theilt sich in zwei gleich weit verlaufende und gleich starke Aeste schon in dem dritten Gliede, — also genau so, wie die grossen Nerven der eigentlichen Beine. Er umfasst auf seinem Laufe ein sonderbares, bisher unbekannt gebliebenes Excretionsorgan, und innervirt dann die zahlreichen Sin- neshaare, welche, auf den Endgliedern befindlich, der Extremität mit Recht den Namen »Taster« erwerben, — wenn man nämlich diesen Ausdruck nicht als eine morphologische sondern physiologische Cate- gorie fasst. Das dritte Nervenpaar verlässt das untere Schlund- ganglion an seinem hinteren Seitenrande und begiebt sich in den Eier- träger. Dort verhält sich der Nerv genau so wie in dem Taster, theilt sich bei Zeiten in zwei Aeste, umfasst auch hier ein zweites noch grös- seres Excretions- (oder Drüsen?-) Organ und verzweigt sich theils in den Muskeln, theils in den Chitin-Anhängen der Endglieder. Von diesen Nerven können wir an dieser Stelle diejenigen, welche den Schnabel versorgen, ausser Berücksichtigung lassen, obwohl sie in mehr als einer Beziehung die interessanteren, und bisher auch die am wenigsten gekannten geblieben sind. Dagegen bilden die beiden an- deren Paare hier unser Hauptinteresse, denn von ihrer morphologischen Bedeutung hängt es ab, ob Herr Semper Recht hat, indem er den Eier- träger als »nicht typische« Extremität behandelt wissen will, da sie »nicht durch Umwandlung des zweiten Larveubeius«, sondern als »Neu- 32 Anton Dohrn bildiing- auftrete«, oder ob ich Kecht habe, den Eierträger als den übrigen Extremitäten durchaus gleichwerthige anzusehen, und in Folge dessen den Pycnogoniden sieben Paar Extremitäten zuzuschreiben. Ich habe zunächst untersucht, in welcher Weise die Innervation der Larveuextremität besteht, und habe sehr deutlich, freilich mit sehr starker Vergrösserung (Zeiss Immersion CI. u. M.) feststellen können, dass die Larven für die vorderen Extremitäten einen Nerven aus dem oberen Schlundganglion empfangen, für die beiden hinteren Paare aber völlig getrennte Nerven aus zwei nicht völlig getrennten Bauchgauglien- paaren bestehen. Es ist also nicht möglich die beiden Larvenextremi- täten als Aequivalent einer Extremität mit Taster, und darum als Expo- nent eines Segmentes zu betrachten, sondern als zwei homodyname Bil- dungen. Die Larve hat somit drei Extremitätenpaare, und da, wie ich schon früher (1. c. pag. 144 ff.) angab, weitere vier Extremitätenpaare nachwachsen, so könnte gar kein Zweifel über die Gesammtzahl ent- stehen, blieben die Larveuextremitäten in allen Fällen erhalten. Da das aber nicht der Fall ist, — wie zufälligerweise gerade bei der von Herrn Sempek untersuchten Gattung Phoxichilidium — so lässt sich der Beweis nur indirect führen, indem gezeigt wird, dass derselbe Nerv, welcher die letzte Larveuextremität innervirt, auch den späteren Eierträger versieht, und dass beim Verschwinden des Larvenbeines der Nerv nicht verschwindet, sondern seinen vorläufigen Endpunkt an der »hufeisen- förmigen Leiste« findet, welche ich früher als letzten Ueberrest der Larveuextremität und Anfangs- resp. Basaipunkt des Eierträgers be- schrieben habe. Dieser Nachweis ist aber sehr leicht zu führen. Bei der weiteren Entwicklung rücken die Ganglien, w^elche in der Larve das Bauchmark bilden, vollständig zusammen und verschmelzen räumlich zu einem ein- zigen Ganglion. Immerhin erkennt man aufschnitten sehr leicht, dass es drei Kerne, aus der bekannten fibrillären Punktmasse, enthält, von denen die drei Nerven, der für den Schnabel, für den Taster und für den Eierträger ausgehen. Diese Kerne oder Kernmassen bleiben auch vor- handen, wenn eine oder die beiden Extremitäten fehlen, wie z. B. bei den Weibchen von Phoxichilus, welche weder Taster noch Eierträger besitzen, wohl aber zwei leistenförmige Höcker, an welche die rudimen- tären Nervenstümpfe sich begeben, welche die fehlenden Extremitäten zu inuervireu bestimmt waren. Bei Ammothoa hingegen, wo in beiden Geschlechtern Taster und Eierträger vorhanden sind, stehen auch beide Nervenpaare genau in denselben Beziehungen zu dem Ganglion, und gehen aus den Nerven der Larve hervor. Neue Untersuchungen über Pycnogoniden. 33 « Hieraus folgt nun, wie mir scheint, ziemlich bündig, dass der Eierträger denselben Nerven empfängt, der in der Larve die dritte Extremität versorgt, dass also Herr Semper, falls er seine Meinung über den »nicht typischen« Charakter des Eierträgers aufrechtbalten wollte, die Tragweite dieser Innervationsverhältnisse zu entkräften hätte. Dies könnte nur dann gelingen, wenn nachgewiesen würde, dass das Nerven- rudiment, welches an die leistenförmige Insertionsstelle des späteren Eierträgers geht, nicht identisch mit dem später den Eierträger wirk- lich versorgenden Nerven wäre. Ein solcher Nachweis hätte aber auf seinem Wege die Schwierigkeit zu überwinden, dass bei denjenigen Pycnogoniden, welche auch den Taster abwerfen, genau dieselbe Bil- dung eines Nervenrudimentes bestehen bleibt, das vom Ganglion an die Stelle der Hypodermis geht, wo die zweite Larvenextremität resp. der Taster abgeworfen ist. Den Taster aber erklärt Herr Semper als die eigentliche typische Extremität für dasjenige Segment des Pycnogoniden- körpers, welchem das untere Schlundgauglion gehört. Wie will er aus diesem Dilemma anders herauskommen, als durch die Anerkennung, dass'der Eierträger in der That die dritte, typische Extremität sei, die nur in denjenigen Stadien verschwindet, welche der geschlechtsreifen Periode vorhergehen , um dann einige Häutungen vor der Maturität langsam 'wieder aufzuspriessen, wie es auch in der That der Fall ist? Aber Prof. Semper glaubt noch andere Argumente, als die der Entwicklungsgeschichte, anführen zu können. Er sagt: »Typisch für alle Pycnogoniden ist einmal die Ausbildung von Blind- säcken des Magens, welche der Körpergliederung entsprechend sich in die typischen Anhänge der letzteren hineinziehen. Die ersten drei Lar- venbeine treten auf, ehe der Magen eine Spur dieser Gliederung zeigt; erst im 3. Stadium bilden sich kurze Bliudsäcke und zwar 3 Paar: das erste für die Kieferfühler, das zweite für das zweite Larvenbein aus welchem der Palpus wird) und das dritte für das Körperglied, welches zuerst das dritte Larvenbein, im ausgebildeten Zustande das erste Bein- paar trägt«. AVas typisch und nicht typisch ist, das war eben die Frage. Warum sollen die Blindsäcke des Magens mehr typisch sein, als die Blindsäcke der Geschlechtsorgane ? Und doch giebt es deren nur vier, nicht sechs Paar, wie nach Herrn Semper's Raisonnement angenommen werden sollte. Weder die sog. Kieferfühler, noch die Taster, noch die Eier- träger empfangen Blindsäcke der Geschlechtsorgane. Herr Semper will aber rudimentäre Blindsäcke des Magens anerkennen, behauptet, diese kämen nur den Kieferfühlern und den Tastern, nicht den Eierträgern ilittUeilnngf^n a. d. Zoolog. Station zn Neapel. Bd. I. 3 34 Anton Dohrn zu, und citirt für die Wahrheit dieser Behauptung auch meine eigene frühere Darstellung. Ich gestehe offen, dass ich damals kein allzu- grosses Gewicht auf die Feststellung dieser Verhältnisse gelegt habe, sondern mich damit begnügte die Siebenzahl der Extremitätenpaare in der Weise zu demonstriren, wie es leider nicht hingereicht hat, Alle zu überzeugen. Jetzt bei wesentlich verschärfter Untersuchung habe ich auch den berührten Punkt berücksichtigt , und muss Herrn Semper gegenüber mittheilen, dass bei einigen Gattungen der Pycnogo- niden sich keine Blindsackrudimente für die Taster und Eierträger auf- finden lassen, bei andern, wie z. B. bei Phoxichilus ganz bestimmt zwei Paare vorhanden sind, bei anderen wiederum nur e i n Paar, dass diese Verhältnisse also, wie es bei rudimentären Organen zu geschehen pflegt, schwanken. Dass aber bei Phoxichilus zwei Paar rudimentärer Blind- säcke zwischen den für die Kieferfühler und den für das erste der vier grossen Beinpaare vorkommen, könnte nur in einer meiner Auffassung günstigen Weise interpretirt werden; Herrn Semper's Argumente wären also auch in dieser Beziehung hinfällig. Schliesslich werden dann noch von Prof. Semper die Zahl der Ganglienpaare zum Beweise seiner Auffassung in Anspruch genommen, da er es für »typisch« erklärt, »dass jedem eigentlichen Körpergliede immer ein Ganglienpaar entspricht«. Dies bin ich bereit vollständig zuzugeben, nur fragt es sich, wonach beurtheilt sich die Verschmelzung der Ganglien ? Denn dass eine solche sich auch bei den Pycnogoniden zuträgt, giebt Prof. Semper selber zu. Ich habe oben schon angeführt. — und werde es in meiner späteren grösseren Arbeit zur Genüge er- härten, — dass in den Larven die Nerven, welche die beiden hinteren Extremitätenpaare versorgen, von zwei noch nicht völlig verschmolzenen Ganglienpaaren des Bauchmarks ausgehen. Später verschmelzen sie zu jenem von allen bisherigen Autoren als unteres Schlundganglion in Anspruch genommenen Abschnitt des Gesammtnervensystems, das bei einigen Gattungen sogar mehr oder weniger mit dem nächsten Ganglion zu einer Masse verbunden erscheint. Ich erblicke also in diesem unteren Schlundganglion unter allen Umständen zwei verschmolzene Ganglien, die zwei Segmenten und zwei Extremitätenpaaren entsprechen. Bei denjenigen Gattungen, welchen entweder im weiblichen Geschlecht der Eierträger oder in beiden Geschlechtern der Taster fehlt, verliert dies Doppelganglion seine räumliche Selbständigkeit und rückt in nächste Nähe des darauffolgenden Ganglion, mit dem es scheinbar eins wird, wie eben erörtert ward. Jedenfalls würden also nach dieser Berechnung die 6 Ganglien- Neue Untersudhungen über Pycnogoniden. 35 paare herauskommen, die Herr Semper postulirt, wenn ich sieben Extremitätenpaare, — deren erstes vom oberen Sehlundganglion inner- virt wird, — für die Pycnogoniden, im Gegensatz zu den Arachniden, in Anspruch nehme. Aber die Sache liegt noch ganz anders. Thatsächlich existiren nicht nur diese 6 Gauglienpaare des Bauchmarks, sondern sogar Acht ! Freilich verschwinden sie bei einigen ausgewachsenen Formen gänzlich, bei anderen erhalten sie sich nur rudimentär. Wer aber z. B. unreife Stadien von Phoxichilus untersucht, der wird nach dem 6. Ganglion des Bauchmarks , welches dem letzten Beinpaare seine Nerven zusendet, noch zwei Paar deutlich geschiedene, wenn auch kleinere, länglich ovale Ganglienknoteu finden, deren vorderes Paar keinen Nerven ab- sendet, während das hintere die beiden Nerven für das Abdomen abgiebt. Später verschmelzen diese Ganglien, d. h. die Knoten jedes Paares, wie auch die beiden Paare untereinander und rücken auf die obere, d. h. Rückenseite des grossen 6. Ganglions so nahe hinauf, dass sie wie ein medianer Vorsprung desselben aussehen. Aus diesem Factum folgt, dass noch mehr als 6 Segmente im Pycnogonidenkörper ursprünglich vorhanden gewesen sind, dass aber Verkürzung und Concentration stattgefunden haben, die durchaus in Rechnung gezogen werden müssen, wenn es sich darum handelt, mor- phologische Beziehungen zwischen diesen Thieren und anderen Arthro- poden aufzustellen. Dann aber müssen überhaupt nicht nur die Extre- mitäten, sondern die ganze Organisation verglichen werden , und es darf nicht bei oberflächlichem Vergleich bleiben, wie z. B. über die Blindsackbildung des Darms bei Pycnogoniden wie bei Spinnen . son- dern alle einzelnen Organe müssen genau erforscht und auf ihre Ab- leitbarkeit von der einen oder anderen Gruppe geprüft werden. Wie viel dazu aber noch fehlt, das mögen die wenigen Bemerkungen lehren, die ich an die vorstehende Erörterung noch anknüpfen will, und die nur bestimmt sind Irrthümer, die sich bisher in der Literatur gezeigt haben, — darunter auch meine eignen — zu corrigiren. Zunächst möchte ich die höchst interessante Angabe Cavanna's be- stätigen, dass in der That es die Männchen sind, welche die Eiersäcke tragen, nicht die Weibchen. Die Verkennung dieser Thatsache hat es bisher ausserordentlich erschwert, ja fast unmöglich gemacht, über die sexuellen Unterschiede der Pycnogoniden ins Reine zu kommen, und thatsächlich hat bisher Niemand die Hoden gekannt ^] . Semper spriclit 1) Auch Zenker, der sie beschreibt, giebt an, sie müudeten auf der hinteren Körperhälfte, — hat sich also darüber auch getäuscht. 3* 36 Anton Dohrn zwar so, als habe er die Hoden gesehen fpg. 273. » — während sonst bei andern Arten im Hoden immer nur ganz kleine und fast gleich grosse Samenbildungszellen zu erkennen sind — «j, aber schon das Fac- tum, dass er eine Verwechslung von Eizellen und Samenbildungszellen deprecirt, beweist , dass er die letzteren nicht gesehen hat. Freilich, auch der Entdecker jenes interessanten Factums, dass die Männchen die Eiersäcke tragen, Sign. Cavanna, hat von den Hoden nur die Aus- mündungsstelle gefunden, die er ganz richtig auf den Vorragungen des zweiten Basalgliedes der vier eigentlichen Beine befindlich angiebt. Wenn er aber die Hoden in dem vierten grossen Gliede derselben Ex- tremitäten gesehen haben will, so hat er sich offenbar von der Sem- PER'schen Angabe verleiten lassen, sie an der Stelle zu suchen, wo die Ovarien ihre hauptsächlichste Entwicklung nehmen. Thatsächlich liegen die Hoden im Körper der Pycnogoniden, nicht in den Beinen, und bilden dort jederseits einen Schlauch, welcher in jede Extremität seiner Seite einen kleineren Schlauch absendet, der an der oben erwähnten Stelle in einer runden Oeffnung endet. Ganz ebenso verhalten sich auch die Ovarien, nur mit dem Unterschiede, dass die in die Extremi- täten dringenden Nebenschläuche bei den meisten Arten die allein reife Eier entwickelnden Abschnitte sind und häufig bis in das vorletzte Glied der Beine dringen, während die Mündung immer in demselben Gliede bleibt, in welchem bei den Männchen die Hodenöffnung sich findet. Sonach giebt es nur zwei Ovarien bei den Pycnogoniden, nicht acht, wie früher angegeben und geglaubt ward. Als Hulfsorgan der Geschlechtsfunctionen glaube ich noch eigen- thümliche Drüsen ansprechen zu dürfen, die sich nur bei den Männchen, und zwar in demselben Gliede der vier eigentlichen Bein- paare finden, welche bei den Weibchen die stärkste Entwicklung der Eier producirt, in dem vierten. Dieses Organ ist zum Theil erkannt worden von Sign. Cavanna, der seinen Ausfuhrungsgang als Drüse un- bekannter Natur beschrieben und abgebildet hat. Aber, wie gesagt, nur den Ausführungsgang, der bei einigen Gattungen in eigenthümlicher Weise chitinisirt und als vorspringende Röhre an der Oberseite des vierten Gliedes der Beine erscheint. Den eigentlichen Drüsenkörper hat Cavanna aber nicht gesehen, auch begeht er den Fehler, dieses ganze Organ beiden Geschlechtern zuzuschreiben, während es gerade charakteristisch ist, dass es den Weibchen fehlt. Auch variirt diese Drüse sehr in ihrer Erscheinungsweise, denn während sie bei Ammothoa z. B. nur einen, freilich einen grösseren Ausführungsgang besitzt, finden sich in dem gleichnamigen Beingliede von Phoxichilus 15 kleinere Mün- Neue Untersuchungen über Pycnogoniden. 37 düngen. Ich vermuthe, dass die Function dieser Drüsen ist, einen Kitt abzusondern, mit welchen die Männchen die einzeln aus den Ovarial- mündungen der Weibchen quellenden Eier zu Säckchen zusammen- kleben und au den Eierträgern befestigen. Ebenso wie bisher die Geschlechtsdrüsen unerkannt geblieben sind, hat man auch über das Herz fehlerhafte Vorstellungen gehabt. Dasselbe fehlt bei keinem Pycnogoniden, ist aber freilich bei denjenigen Gattun- gen, deren Körper stark concentrirt ist, wie Ammothoa, sehr klein und der Undurchsichtigkeit der Körperwandungen wie der darunter vor sich gehenden Contractionen des Darras halber schwer zu erkennen. Auf Schnitten aber sieht man es fast immer und unterscheidet es an seiner histologischen Structur leicht von den umliegenden Organen. Ueber die Anwesenheit eines Herzens bei allen Pycnogoniden ist auch der letzte Bearbeiter derselben, Herr Dr. Hoek nicht ganz im Reinen ; er spricht es Nymphon und Phoxichilidium zu^ Pycnogonum jedoch ab, lässt aber freilich die Möglichkeit offen, dass spätere Untersuchungen es auch bei dieser Gattung nachweisen. Derselbe Autor bekämpft auch schon Semper's Auffassung des Eierträgers als einer nicht-typischen Extre- mität; aber in seinen Argumenten ist er nicht immer treffend. Positiv irrt er in der Behauptung, dass die Palpen vom oberen Schlundganglion innervirt würden. Dieser Irrthum bedarf aber ganz besonders der Widerlegung, da er sonst wieder zu falschen morphologischen Auffas- sungen Anlass geben würde bezüglich der Verwandtschaft der Pycno- goniden mit Crustaceen und der Homologisirung des Tasters der erstereu mit den zweiten Antennen der letzteren. Vollständig zu bestätigen habe ich aber die Angaben des holländischen Forschers über das Vorhan- densein besonderer Augennerven : dieselben gehen stark von einander getrennt von den Seiten des oberen Schlundganglions aus, spalten sich und innerviren in eigenthümlicher Weise die Augenbecher der zuge- hörigen Seite. Zwischen ihnen begiebt sich jederseits ein Nerv zu der sonderbaren zwischen den beiden Augen jeder Seite befindlichen ring- förmigen Leiste, welche bei den meisten Pycnogoniden eine nach aussen vorspringende sehr dünnhäutige Kapsel trägt, in deren Grunde der Nerv eine gangliöse Anschwellung besitzt. Dies Organ ist bisher unbekannt geblieben. Die Augen selbst sind von oben nach unten spitz oval, haben eine aus veränderten Hypodermiszellen gebildete Retina, deren unteres Ende von braunem Pigment umhüllt ist, während die Cuticula eine Linse bildet. Herr Dr. Hoek hat auch der Hautstructur besondere Theilnahme geschenkt, was ausser Zenker Niemand vor ihm gethan hat. Ihm ist 38 Anton Dohrn aber doch entgangen, dass die von ihm richtig beschriebenen Höhlungen mit Porencanälen zur Aufnahme von Hautdrüsen dienen, welche sich fast über das ganze Thier mitsammt allen Extremitäten dicht ausge- streut finden. Die Structur dieser Drüsen ist sehr eigenthümlich ; ge- wöhnlich sind vier grössere Zellen in einer solchen Höhlung logirt, haben aber nur einen gemeinschaftlichen Ausführungsgang. An sie heran tritt ein Nerv , der dicht vorher einen Zweig abgiebt an einen zweiten häufig von der Hauthöhlung ausgehenden Porencanal, auf dessen Mündung sich immer ein besonderer Borstenapparat vorfindet. Ich sage Borstenapparat, weil bei allen Arten der neapolitanischen Fauna niemals eine einfache Borste sich findet, sondern wenigstens eine flach auf der Cuticula aufliegende Gabel ; häufig aber ist diese Gabel noch weiter gespalten, ja es trifft sich auch, dass statt der Gabel eine Art von Rosette sich findet von 8 — 9 Borsten, die wie die Speichen eines Rades auseinander stehen. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um Schutzeinrichtungen, vielleicht um giftige Absonderungen, die erst durch die von aussen geschehende Berührung des Borstenapparates ausgelöst wird. Bei jungen Thieren, deren Haut dünn ist, springen die Drüsen- zellen nach innen vor, bei älteren dagegen sondert die Hypodermis schichtweise mehr Chitin ab, und umschliesst hierdurch die Drüsen von den Seiten, so dass sie in die erwähnten Höhlungen zu liegen kommen. An verschiedenen Stellen, und je nach Gattung und Art verschieden complicirt sich dieser Hautdrüsenapparat; die Drüsen werden länger und enthalten oft 20 — 50 Zellen, bei einigen werden die Zellen ausser- ordentlich gross und enthalten dann eine stark lichtbrechende Vacuole. Offenbar sind die oben erwähnten Kittdrüsen nur Umwandlungen dieser Hautdrüsen. Auch einige Angaben des zweiten neueren Bearbeiters der Pycno- goniden. Sign. Cavanna, möchte ich hier kurz berichtigen. Es ist dem- selben ebensowenig wie seinen Vorgängern gelungen, das Herz bei allen Pycnogoniden aufzufinden. Was aber ganz besonders irrthümlich er- scheint, sind seine Angaben über die Blutflüssigkeit, die er mit kleinsten elliptischen Blutkörpern ausgestattet sein lässt. Es ist aber sehr merk- würdig, dass die Blutkörperchen der Pycnogoniden ungewöhnlich gross und complicirt sind. Es existiren, wie ich schon früher angab, zwei im Blut suspendirte geformte Bestandtheile : die einen bilden einen blassen, zusammengefalteten Ballon, in dem ein etwas glänzenderer linsenför- miger Kern sich findet neben 3 — 4 grossen Vacuolen ; die andern sind deutliche Amöben, mit lebhaften amöboiden Bewegungen und um- schliessen oder tragen eine grössere Anzahl glänzender Tröpfchen. Neue Untersuchungen über Pycnogoniden. 39 Auch kann ich nicht den Angaben desselben Autors über die Be- scliaffenheit des Daiminhalts der Pycnogoniden zustimmen. Es ist be- kannt, dass die grossen, oft gefärbten Zelllcörper der Darmwandung sich loslösen und von den heftigen peristaltischen Bewegungen der Blindsäcke hin- und hergeschleudert werden. Unbekannt ist freilich, warum das geschieht ; aber nichts berechtigt zu der von Dr. Cavanna aufgestellten Meinung, diese gefärbten Zellkörper seien vegetabilischen Ursprungs und Derivate von Algen, welche von den Thieren als Nah- rung aufgenommen würden. Der italienische Forscher glaubt freilich durch Experimente dargethan zu haben, dass, wenn die Pycnogoniden lange Zeit hungern, die gefärbten Zellkörper verschwänden, was er zu Gunsten seiner Auffassung geltend macht. Aber erstlich muss dies wohl auf Täuschung beruhen, denn dieselben Experimente zeigten mir unweigerlich das Gegentheil; dann aber kann ein Pycnogonid wohl langsam an Darmzellen Abnahme erleiden, wenn ihm jegliche Nahrung entzogen wird. Ueber diese und eine Reihe anderer interessanter anatomischer und histologischer Thatsachen hoffe ich ausführlichere Mittheilungen in der grösseren Arbeit über die Pycnogoniden des Golfs von Neapel zu geben. Ich will hier nur noch zum Schluss einige Worte über syste- matische Criterien aussprechen, um womöglich zu verhüten, dass die schon vorhandene fast unentwirrbare Synonymie und die unzureichen- den Beschreibungen nicht noch weiter vermehrt werden. Was nämlich die Arterkenntniss erschwert, ist nicht sowohl die Variabilität der einzelnen Arten ; diese ist mir bisher nicht als beträcht- lich erschienen. Wohl aber ist es die Verschiedenheit des Baues der Geschlechter, noch mehr aber die Unterschiede der geschlechtsreifen von den noch nicht reifen, aber doch scheinbar ausgewachsenen Formen derselben Art. Das Vorhandensein oder Fehlen der vorderen drei Ex- tremitätenpaare, die grössere oder geringere Bewaffnung der eigent- lichen Beinpaare, die Sculptur und Structur der gesammten Körperwand und noch eine Reihe anderer Verhältnisse machen die Artunterscheiduug mühsam ; und wer nicht lebendes Material an Ort und Stelle untersucht und den Uebergang, resp. Zusammenhang der Larven und Geschlechter nachweisen kann, wird immer sehr vorsichtig in der Aufstellung neuer Arten und Gattungen sein müssen, da eine Reihe der bisher aufgestellten nichts als unreife Formen sind , ja sogar Gattungen und Familien auf solche Entwicklungsstadien gegründet wurden. Oarcinologische Mittheilungen von Paul Mayer. Mit Tafel I und vier Holzschnitten. I, lieber die Drüseu in den Beinen der Phronimiden, Die Drüseu, welche den Gegenstand der nachfolgenden Auseinander- setzung bilden, sind meines Wissens bisher nur von Claus und zwar auch von Diesem nur ganz nebenbei erwähnt worden. Claus ^) sagt bei Besprechung der männlichen Phronima über sie : » Auf den Drüsen- apparat der Scheerenhand mag hier nur kurz verwiesen sein. Derselbe kommt in gleicher Weise auch beim Weibchen vor und ist eine in den Beinen der Hyperiden überhaupt sehr verbreitete Erscheinung« . In der bei- gegebenen Figur sind auch nur einige grosse Drüsenzellen mit Kernen, aber- ohne Ausführungsgang leicht angedeutet. Mir selbst sind sie bei der Untersuchung der lebenden Phronimiden zwar sofort aufgefallen, aber in Bezug auf ihre Entstehung und ihren feineren Bau erst nach längerer Beschäftigung mit ihnen klar geworden. Ueber ihre Bedeutung für das Thier, von dessen Beinen sie einen so grossen Theil einnehmen, habe ich auch jetzt nur Muthmassungen und bin auch durch die Ver- gleichung der mehr oder weniger ähnlichen Bildungen bei den Hyperi- den sowie den typischen Amphipoden überhaupt hierin nicht -weiter ge- kommen. Bei Betrachtung einer lebenden und noch leichter bei der einer sorgfältig conservirten Phronimella 2) oder Phronima sieht man auf 1) Claus, zur Naturgeschichte der Phronima sedentaria Forsk. Zeitschr. für wissensch. Zoologie 1872. XXII, p. 331— 338. Taf. XXVI, XXVII. Citat auf p.335. 2) Phronimella, eine von Claus (Würzburg. naturw. Zeitschr. 1862 III) zuerst aufgestellte Gattung, unterscheidet sich von der viel bekannteren Phronima leicht Carcinologische Mittlieilungen. 41^ den ersten Blick das sechste und siebeute Brustfusspaar sich erheblich von ihren Vorgängern unterscheiden und zwar weniger mit Bezug auf die Form und Grösse der Beine als durch die Verschiedenheit ihres In- haltes. Es finden sich bei ihnen nämlich im Grundgliede zwei gewaltige Drüsenmassen (Fig. 1), welche den vorderen Beinen entweder gänzlich fehlen oder doch in viel geringerem Maasse eigen sind. Diese Drüsen liegen in der Scheidewand, welche das ganze Bein durchzieht und den arteriellen vom venösen Blutstrome scheidet, zugleich aber auch die Bahn für den Hauptnerven bildet. (In Fig. 9 ist sie im Grundgliede von der Fläche, in den folgenden Gliedern von der äusserst schmalen Kante als eine zarte Linie zu sehen.) Wie bekannt, hat diese Membran an manchen Stellen Lücken, so dass nicht alle Blutkörperchen, welche in das Bein eintreten, den Weg bis zur Spitze desselben zu machen brauchen , sondern schon früher in den venösen Raum gelangen können (vergi, die Pfeile in Fig. 2). Einzelne Zellen nun dieser fortwährend von einem lebhaften Blutstrome bespülten Wand bilden sich zu den erwähn- ten Drüsen aus, wie an den verschiedenen Entwicklungsstadien bequem verfolgt werden kann. Während nämlich zu Anfang die Zellen alle ohne Ausnahme denselben embryonalen Zustand aufweisen, wachsen einzelne von ihnen rascher, als ihre Nachbarn, und so treten schon bei den eben erst aus dem Ei ausgeschlüpften, noch ganz kleinen Jungen die Haupt- charaktere dieser Drüsenzellen hervor : der grosse Kern und meist auch der Ausführungsgang. Sie bilden Gruppen von entweder drei oder fünf Zellen. Von der ersten Art findet sich bei Phronima in beiden Ge- schlechtern bei Jung und Alt im Grundgliede des ersten und zweiten, sowie im vierten Gliede des dritten und vierten Beines je ein Complex; desgleichen treten bei den Jungen, welche das Ei noch nicht lange ver- lassen haben, in der Hand des fünften Beines zwei Gruppen auf. Die zweite Form , bei welcher vier peripherische Zellen eine fünfte, central gelegene umringen, zeigt sich im Grundgliede des sechsten und sieben- ten Beines durch je zwei Complexe, in den Epimeren des dritten und vierten Beines durch je einen Complex vertreten. Dieser Zustand ändert sich beim Wachsthum des Thieres nur insofern, als in der Hand die Zellgruppen bis zur Anzahl von etwa zehn zunehmen; in allen übrigen Fällen bleibt die Menge der Gruppen sowohl wie der Zellen in jeder einzelnen dieselbe und geschieht die Vergrösserung der Drüse durch den Mangel einer ausgeprägten Greifhand am 5. Brustfusse. Sie ist im Leben noch viel zarter, durchsichtiger und wasserhaltiger als Phronima und eignet sich daher von allen Amphipoden wohl am Besten zu histologischen und physiologischen Untersuchungen. 42 Paul Mayer lediglich durch das oft enorme Wachsthum der secernirenden Zellen. In den Epimeren des dritten und vierten Beines sind zwei von den vier peripherischen Zellen in allen Lebensaltern des Thieres bedeutend kleiner als die beiden anderen (Fig. 12). Bei Phroniraella liegen die Verhältnisse insofern anders, als erstlich beim "Weibchen die Drüsen im Grundgliede des ersten bis vierten Beines (vergi. Fig. 1) stets sehr klein bleiben, diejenigen in den Epimeren aber gänzlich fehlen, und als ferner beim Männchen, abgesehen von den nur sehr wenig ausgebildeten Drüsen des ersten und zweiten Beinpaares, einzig und allein die der Hand wohl entwickelt sind, so dass die bei Phronima so bedeutenden Drüsen der beiden letzten Beine hier vermisst werden. Es lässt sich also im Allgemeinen sagen, dass bei Phronimella der gesammte Drüsen- apparat bei Weitem nicht die Ausdehnung erreicht, welche ihm bei der anderen Gattung eigen ist. Bei den ganz jungen Thieren treten , wie schon bemerkt, die für die Bildung der Drüse bestimmten Zellen vor den übrigen Zellen der Scheidewand, so weit sich ermitteln Hess, in keinerlei Weise hervor. Sie werden erst dann bemerklich, wenn sie sich bereits umgewandelt haben und verrathen sich dann an Tinctionspräparaten durch die äusserst lebhafte Färbung ihrer Kernsubstanz , welche von einer sehr hellen Zone — dem Hohlräume des Kernes — umgeben ist. Das Proto- plasma ist noch durchaus gleichmässig. In den Gruppen zu fünf Zellen (Fig. 8) ist die mittlere merklich kleiner als die übrigen ; ihr Kern färbt sich stets nur wenig. Aehnlich verhält es sieh auch bei den in der Hand befindlichen Drüsen, welche aus Gruppen zu dreien bestehen, denn auch hier lässt sich immer neben zwei mächtigen Kernen ein viel kleinerer unterscheiden. Ueber diesen jugendlichen Zustand kommen nun die Handdrüsen nicht hinaus, dagegen verändern sich alle übrigen Drüsen, wenn auch nicht alle in gleich hohem Grade, beim Wachsthum des Thieres noch bedeutend. Und zwar verlaufen diese Vorgänge bei Phro- nimella sehr viel langsamer, als bei Phronima. Während z. B. ein 8 mm langes Weibchen von Phronimella sich noch auf dem geschilderten Punkte befindet, haben bei einer nur 5 mm langen Phronima die Drüsen bereits einen andern Charakter angenommen. Dieser besteht darin : vergi. Fig. 11), dass bei den vier Randzellen in der Kernsubstanz so- wohl als im Protoplasma Vacuolen auftreten und dass zugleich der Kern seine runde Gestalt mit einer mehr oder weniger ausgebuchteteu ver- tauscht. Es folgt dann eine grosse Reihe von Zwischenstadien (Fig. 10) und endlich lösen sich die Kerne in ein ausserordentlich reiches Netz- werk von Fäden auf, welche die Zellen nach allen Richtungen hin Carcinologische Mittheilungen. 43 durchsetzen (Fig. 6 und 9) . Inzwischen sind auch die letzteren rapide gewachsen und erreichen zuletzt in den beiden hinteren Beinpaaren die enorme Grösse von etwa einem halben Millimeter , ändern aber dabei ihre Lagerung zu einander und zu der von ihnen umschlossenen Central- zelle nicht. Diese selbst wächst fast gar nicht und behält ihren ein- fachen Kern unverändert bei. Das Netzwerk des Kernes ist an frischen, unverletzten Zellen schwierig wahrzunehmen, weil es sich optisch nur wenig vom Proto- plasma unterscheidet und dann auch, weil eine andere Structureigen- thümlichkeit mehr ins Auge fällt. Es ist dies ein Gewirr äusserst feiner R()hrchen , welche den ganzen Zellenleib erfüllen und die Anfänge der ausführenden Gänge darstellen. Schon in den jüngsten Stadien, wenn die Kerne der Secretionszellen noch rund sind, zeigt sich bei den Grup- pen zu fünf Zellen genau über der Centralzelle (Fig. 8) ein etwa wie ein Kreuz gestaltetes System von Canälen (Fig. 14), welche nach regel- mässiger Gabelung in den Bezirk der vier Aussenzellen eintreten und sich dort, wie bei Behandlung mit Essigsäure deutlich wird, sogleich in ein Bündel feinster Fädchen auflösen. Bei erwachsenen Thieren lassen sie sich, mittlerweile zu deutlichen Röhren geworden, durch die ganze Zelle hindurch verfolgen (Fig. 13 und 7), in deren Protoplasma sie mit sehr zarteii Spitzen enden. Sie stellen augenscheinlich nichts anderes dar, als Aushöhlungen des Plasmas, da sie eigener Wandungen ent- behren und bei Zusatz von Kalilauge sofort spurlos verschwinden, unterscheiden sich also in dieser Beziehung wesentlich von den ana- logen Einrichtungen in den Drüsenzellen der Insecten, bei welchen bekanntlich der gesammte Ausführungsgang sowohl wie das in jede Zelle eintretende Stück desselben von Chitin ausgekleidet ist. Die vielen Röhrchen also treten in Büscheln aus jeder der vier Secretions- zellen heraus , vereinigen sich genau über der Centralzelle in Form eines Kreuzes, das nur selten etwas verschoben ist (vergi. Fig. 13), zu einem Hauptrohr und dieses setzt sich dann, nachdem es meist noch zu einer kleinen Ampulle angeschwollen ist (Fig. 14), in der Scheidewand in distaler Richtung weiter fort. Hierbei ist nun noch der Umstand merk- würdig, dass die Gänge der beiden Zellcomplexe sich nicht etwa ver- einigen, sondern dicht nebeneinander gelegen und bis zu ihrem Ende ge- trennt durch das ganze Bein verlaufen. Auch die Ausführungsgänge der in den Epimeren gelegenen Drüsen vereinigen sich nicht mit den im Grundgliede der betreffenden Beine entspringenden. Sie besitzen eigene Wandungen mit äusserst sparsam vertheilten, längsgerichteten Kernen. Ihre Endigung am Klauengliede (vergi. Fig. 5) blieb mir wegen 44 Paul Mayer der vielen stark lichtbrecheuden Chitiuzapten und -Borsten eine Zeitlang unklar, bis ich dazu überging, das frische Bein in concentrirtes Glycerin einzulegen. Alsdann zeigten sich für kurze Zeit die Oeffuungen beider Gänge an den Seiten zweier Haken, welche die hakenförmig gebogene und durch Muskeln bewegbare Klaue überragen, ganz deutlich. Der Hohlraum der Gänge selbst war stets mit einer hellen Flüssigkeit, zu- weilen auch noch mit festen Körpern ertuUt und entleerte sich bei mechanischem Drucke oder chemischem Reize nach aussen. Bei jungen Thieren konnte ich dagegen die Gänge nicht bis zu den Oeffnungen ver- folgen, sah sie vielmehr nach kürzerem oder längerem Verlaufe zuge- spitzt enden und glaube also, dass in solchen Stadien die Drüsen noch nicht functioniren. Aehnlich verhält es sich mit den in der Hand gelegenen Drüsen, welche alle nach dem Typus der Complexe von drei Zellen gebaut sind. Ueber ihren histologischen Bau giebt Fig. 4 Auskunft, indem sie zeigt, wie auch hier der kleinste Kern in irgend einer Beziehung zum Aus- führungsgange steht und nicht eigentlich einer Secretionszelle angehört. Bei den erwachsenen Thieren Fig. 2) stellt die Drüsenmasse eine Art von Kugelcalotte dar. in welcher die einzelnen Zellen in verschiedenen Horizontalebenen liegen, so dass man meist nur zwei bis drei Complexe gleichzeitig sieht. Ein Hauptausführungsgang mündet an der Spitze der Hand und trifft dort mit einem anderen, von der entgegengesetzten Seite der Drüse kommenden zusammen, doch scheinen auch hier beide ge- trennt zu münden. Die Anzahl und der Verlauf der übrigen Gänge ist durchaus nicht Constant, sondern nimmt mit dem Alter des Thieres zu (vergi. Fig. 3 und Fig. 2 . Bei den für Neapel aussergewöhulich grossen Exemplaren, die mit starken Südwinden vom offenen Meere her in den Golf gerathen, ist auch in dem beweglichen Finger ein drü- siger Apparat vorhanden, über den ich mich aber nicht näher unter- richtet habe. Zu bemerken bleibt noch, dass in der Nähe der Oeffnun- gen nach aussen je ein feines Haar steht, das mau vielleicht als Tast- haar deuten darf. Im Uebrigen unterscheidet sich auch mit Bezug auf die Drüsen der Hand Phronimella von Phronima durch die viel gerin- gere Menge derselben. — Ob die drüsigen Apparate des ersten und zweiten Beinpaares, welche aus zwei in der Längsachse des Beines gele- genen Secretionszellen mit einer dazwischen befindlichen Ceutralzelle bestehen, gleichfalls am Klauenende ausmünden, habe ich ausdrücklich festzustellen versäumt, doch ist wohl kein Zweifel daran Für die so hoch differenzirten Drüsenzellen mit ihren viel ver- zweigten Kernen und dem Röhrensystem innerhalb ihres Parenchyms Carcinologische Mittheiluugcn. 45 hätte man uun auch wohl Veranlassung eine eigenthümliche Innervation zu vermuthen. ludessen hat sich mir nichts Derartiges zeigen wollen. Den direct aus dem betreffenden Brustgauglion abgehenden Nerven sieht man auf der Streckseite des Beiiies in dasselbe eintreten, nach kurzem Verlaufe zur Scheidewand gelangen und sie im Basalgliede nicht mehr verlassen. In welcher Weise er sich aber mit der Drüse in Verbindung setzt, kann ich nicht sagen. Besondere Endapparate habe ich nicht wahrgenommen, allerdings auch erst an couservirten Thieren danach gesucht. lieber die Function der Drüsen habe ich leider nur Vermuthungen auszusprechen. Da anderweitige Excretiousorgane gänzlich zu fehlen scheinen, so liegt es, namentlich bei Berücksichtigung des mächtigen Blutstromes, welcher in den Beinen die Längsscheidewand bespült, am nächsten, die fraglichen Gebilde als solche zu deuten. Dies schliesst natürlich nicht aus, dass das Secret entweder einzelner oder geradezu aller Drüsen dem Thiere auch noch andere, durch die Lebensweise des- selben nöthig gewordene Dienste leistet. Nun besitzt bei Phronimella, wie schon erwähnt, nur das Weibchen den Apparat in dem Maasse wie er bei Phronima beiden Geschlechtern zukommt ; von letzterer Gattung leben aber sämmtliche Individuen in Häusern, von ersterer, so weit ich bisher beobachtet, nur die Weibchen — und so wäre es wohl erlaubt anzunehmen, der Drüsensaft spiele bei der Aushöhlung der Tönnchen die Rolle einer zersetzenden , die Gewebe auflösenden Flüssigkeit. Directe Versuche darüber habe ich bei der geringen Menge des Secretes natürlich nicht anstellen können. Ferner würde man die Drüsen des 5. Beines, welche bei Phronimella auch den Männchen eigen sind, auf Grund dieser Thatsache und weil eben nur dieses Bein eine Greifhand besitzt, geradezu als Giftdrüsen auffassen dürfen. Zu Beginn meiner Unter- suchungen, als ich über die Ausführungsgänge der mächtigen Drüsen in den beiden letzten Beinpaareu noch nicht im Reinen war, vermuthete ich, es wären Leuchtorgane ; indessen haben die eigens daraufhin auge- stellten Experimente mir gezeigt, dass Phronima sowohl wie Phronimella unter keinen Umständen phosphoresciren. Bei den Hyperiden finden sich, wie ich später im Einzelnen nach- zuweisen gedenke, die drüsigen xApparate zum Theile ebenso mächtig, ja unter Umständen noch stärker entwickelt vor. Ein Hauptunterschied aber zwischen ihnen und den Phronimiden besteht mit Bezug auf diese Frage darin, dass die Drüsen bei jenen durchaus nicht so localisirt und nicht so regelmässig angeordnet sind, vielmehr in den meisten Fällen in allen Körperanhängen, also auch denen des Hinterleibes, sogar in den 46 Paul Mayer Antennen auftreten. Auch die Bildung- von Complexen mit allen davon abhängigen Einrichtungen unterbleibt entweder gänzlich oder findet doch nur in beschränktem Maasse statt. Es sind hiernach, soweit ich es über- sehen kann, die Drüsen der Phronimiden Apparate sui generis, welche erst nach der Abzweigung der kleinen Gruppe von der grossen Schaar der Amphipoden sich aus irgend welchen unbedeutenden Anfängen zu ihrer jetzigen Vollkommenheit ausgebildet haben. Dieser Process ist bei Phronima weiter gediehen und geht auch ontogenetisch rascher vor sich, als bei Phronimella, mithin ist die letztere Form als die ältere an- zusehen. II. Die Gelläuse der Phrouimiden. Bekanntlich hat man in früheren Jahren das Haus, welches die Phronima bewohnt, für einDoliolum, eine Salpe, eine Beroe, auch wohl eine Pyrosoma erklärt, und erst Claus ' hat, gestützt auf einige Be.- funde von erst halb ausgearbeiteten Tönnchen, die Ansicht ausge- sprochen, es seien die Gehäuse ohne Ausnahme von innen ausgefres- sene und von aussen mehr oder weniger abgerundete und geglättete Colonien von Pyrosoma. Da ich nun im Laufe des Winters eine grosse Anzahl Phronima und Phronimella erhalten habe, so konnte ich an einem ohne Zweifel viel reichlicheren Material, als es Claus zu Gebote stand, die Frage nochmals untersuchen. Es hat sich mir dabei zunächst für Phronima herausgestellt, dass zwar in der Mehrzahl der Fälle, aber durchaus nicht immer, Pyrosoma als Wohnthier dient und dass, wahr- scheinlich in Ermangelung einer solchen Colonie, andere Tunicaten oder auch Siphonophoren dazu verwendet werden. So erhielt ich z. B. am 27. November 1877 ein ziemlich ausgewachsenes Weibchen in einem Gehäuse, das wegen seiner dünnen, weichen Wandungen und des eigen- thUmlichen Anhanges (vergi. Fig. 15 auf Taf. I) nur auf eine Salpe zu be- ziehen war. Im Inneren war noch ein rothgefärbter Nucleus zu sehen, welcher sich auch in den Anhang hinein erstreckte. Ferner erschien am 8. Februar ein Weibchen in einer Abyla pentagona. Um die Sache auch experimentell zu entscheiden, nahm ich am "25. December Mittags ein mit Brut versehenes Weibchen aus seinem Pyrosomahause und brachte es in einem geräumigen Glase mit einer lebenden Abyla pentagona zusammen. 1) Claus, Zur Naturgeschichte der Phronima sedentaria Forsk. Zeitschr. f. wisseusch. Zoologie 1872. XXII. p. 333: » hat mich zu der üeberzeugung geführt, dass sie sammt und sonders denselben Ursprung haben und ausschliesslich von kleineren und grösseren Pyrosomen abzuleiten sind.« Carcinologische Mittheilungen. 47 Nach kurzer Zeit hatte sieh jenes an diese angeklammert und schon in etwa zehn Minuten das Velum abgefressen. Obwohl nun die Phronima ihren Körper ganz in die neue Wohnung hineinzuschieben vermochte, verging doch noch eine weitere Viertelstunde, bis sie sich darin einge- richtet hatte und auf die gewöhnliche Weise mit ihr umherschwamm. Am 26. Morgens waren die Polypen verschwunden ob gefressen .') und nur noch die Schwimmglocke geblieben : von dieser selbst war ein tüch- tiges Stück des spitzen Endes abgenagt und fand sich auf dem Grunde des Glases vor. Das Tönuchen hatte also nun seine definitive Gestalt mit zwei Oeifnungeu erreicht. Am 27. Morgens 1/2 H Uhr nahm ich dasselbe Thier aus der Abyla heraus und setzte es unter den gleichen Bedingungen wie oben zu einer Salpa fusiformis. Diese wurde sofort ergriffen , eine Zeitlang umhergeschleppt, und schon in weniger denn einer halben Stunde ihrer neuen Bestimmung angepasst. Merkwürdiger- weise war aber die Phronima nicht zur Athemöffnung eingedrungen, sondern hatte sich dicht neben dem Nucleus ein Loch zu machen ge- wusst. Am 28. früh Morgens zeigten sich die Fortsätze der Salpe und auch der Nucleus nicht mehr und waren höchst wahrscheinlich über Nacht verzehrt worden. Einige Stunden später entfernte ich die Salpe und gab ihrem Bewohner sein ursprüngliches, inzwischen in starkem Alkohol conservirtes Tönnchen zurück, in welches er auch nach wenigen Minuten hineinschlüpfte. Fielen sonach die eben besprochenen Versuche zur Zufriedenheit aus, so ergaben andere, vielfach variirte. mit Pterotrachea stets ein negatives Resultat. Im Uebrigen erwiesen sich auch alle grösseren, wegen ihrer Textur irgendwie zweifelhaften Gehäuse bei der Probe mit Jod und Schwefelsäure als den Tunicaten angehörig, so dass mir kein Grund zu der Annahme vorzuliegen scheint, dass auch noch andere Thierclassen das Baumaterial für Phronima liefern. Die Männchen er- hielt ich zwar in weitaus der grössten Zahl ohne Gehäuse, indessen Hess sich im anderen Falle immer entweder direct die Herkunft von Pyrosoma oder wenigstens die Gegenwart von Cellulose constatiren. Für Phroni- mella habe ich mir angemerkt, dass ich nie ein Männchen mit Haus angetroffen habe. Die Wohnung der Weibchen ist äusserst dünnwandig und schrumpft in den gebräuchlichen Couservirungsflüssigkeiten zur Unkenntlichkeit zusammen. Die wenigen Exemplare, welche ich auf chemischem Wege prüfte, waren frei von Cellulose ; die mikroskopische Untersuchung ergab kein greifbares Resultat und so lässt sich einstweilen über die Gehäuse der Phroniraella nur so viel sagen, dass sie nicht Ueberreste von Tunicaten sind. 48 Paul Mayer Erklärung der Abbildungen. Tafel I. Fig. 1 . Phrouimella elongata, erwachsenes Weibchen. Nach einem Hämatoxy- linpräparat. Vergr. T. Fig. 2. Hand des fünften Fasses von Phronima sedentaria £. Die Pfeile ge- ben die Richtung des Blutstromes an. Vergr. 50. Fig. 3. Dasselbe Object von einem noch im Gehäuse lebenden jungen Thiere. Vergr. 90. Fig. 4. Eine Zellgruppe aus den Drüsen der Hand von Phronima (vergi. Fig. 2). Vergr. 150. Fig. 5. Ende des letzten Gliedes des 7. Beines von Phronima. Die AusfUhrungs- gäuge der Drüsen (vergi. Fig. 9) sind hell gelassen, während die Kralle sammt ihren Sehneu dunkel gezeichnet ist. Vergr. 400. Fig. 6. Eine Zellgruppe der Drüse im sechsten Beine von Phrouimella. Nur in zwei peripherische Zellen ist der verzweigte Kern eingezeichnet. Das Rührennetz im Protoplasma ist weggelassen. Nach einem Hämatoxylinpräparat. Verg. 90. Fig. 7. Ursprung des Röhrensystems im Protoplasma einer Drüsenzelle aus dem siebenten Beine von Phronima. Vergr. 280. Fig. 8. Theil des Basalgliedes des sechsten Beines einer jungen Phronima aus dem Gehäuse. Ueber der Centralzelle ist der Anfang des Röhrenkreuzes zu sehen (vergi. Fig. 14;. Verg. 150. Fig. 9. Siebeutes Bein einer mittelgrossen Phronima. In zwei von den acht Drüsenzellen ist der verzweigte Kern eingezeiclmet. Die Ausführungsgänge sind uur im Basalgliede sichtbar, weil in den übrigen Gliedern die Scheidewand, in welcher sie verlaufen, von der Kante erscheint. Nach einem Osmiumpräparate. Vergr. 20. Fig. 10. Sechstes Bein einer halb erwachsenen Phrouimella. Nach einem Hä- matoxylinpräparat. Ver^^r. 90. Fig. 11. Siebentes Bein einer jungen Phronima von 5 mm Länge. Die Va- cuolen des Protoplasmas sind nicht gezeichnet. Nach einem Hämatoxylinpräparat. Vergr. 90. Fig. 12. Epimer und Basalglied des vierten Fusses einer jungen Phronima aus dem Gehäuse (vergi. Fig. 8j. Die Ausführungsgäuge sind weggelassen. Nach einem Hämatoxylinpräparate. Vergr. 90. Fig. 13. Centralzelle nebst dem Röhrenkreuze der zweiten Zellgruppe aus der Drüse des 6. Beines einer erwachsenen Phrouima. Vergr. 90. Fig. 14. Röhrenkreuz von einer der Zellgruppen in Fig. 8. Nach Behandlung mit Essigsäure. Verg. 450. Fig. 15. Haus einer weiblichen Phronima. Naturi. Grösse. Carcinologische Mittheilungen. 49 III. Ueber eiuige Jugendstadieu von Peuaeiis Caraiiiote. In dem Centralcanal der grösseren Exemplare von Pyrosoma ele- gans Les. fand ich im December und Januar ab und zu einen fast völlig durchsichtigen und an einzelnen Stelleu des Körpers lebhaft gefärbten Krebs vor, der sich mir bei näherer Betrachtung als die Jugendform eines Penaeus erwies. Ich nahm hieraus Veranlassung, die in der Sammlung der zoologischen Station befindlichen Exemplare von Cara- mote, der einzigen hierorts bekannten Art von Penaeus, unter sich und mit jenen zu vergleichen und konnte auch eine ziemlich lückenlose Reihe herstellen. Dagegen habe ich ohne jegliche Ausbeute die allerdings hauptsächlich aus einer andern Jahreszeit herrührende Collection von mehreren hundert Stück Pyrosoma durchsucht und bin daher für die jugendlichsten Stadien auf die vier Exemplare beschränkt geblieben, welche ich selbst lebend gefangen habe. Von ihnen misst das kleinste etwa 25, das grösste etwa 40 mm, während die Schaar der freilebenden schon mit Individuen von nur reichlich 30 mm beginnt. Hiernach müsste die Umwandlung des in einem verhältnissmässig weichen Körper lebenden und darum vor Verletzungen mehr geschützten Thieres in einen den Sand durchwühlenden, fest und derb gebauten Krebs nicht bei Allen nach Erreichung derselben Grösse vor sich gehen. Als eine sicherlich durch eben diesen Wechsel des Wohnorts bedingte Verän- derung im Bau des jungen Penaeus ist auch der Wegfall der langen Haare anzusehen , welche einseitig die Geissei der unteren Antennen besetzen und sich schon bei den kleinsten unter den freilebenden nicht mehr vorfinden. Als besonders charakteristisch für Penaeus Caramote führt Heller in seinen »Crustaceen des südlichen Europas« pag. 294 und 295 fol- gende Merkmale auf: 1) die tiefe Längsfurche in dem Kiele des Ro- strums, 2i die Kürze der Endfäden der oberen Antennen, 3; die drei hintereinander gelegenen schiefen Kielchen an den Seitenflächen des sechsten Abdominalsegmentes. In Bezug hierauf ist für die ganz jungen Thiere zu erwähnen, dass die Kielchen noch bei allen in der Pyrosoma und bei den kleinsten der freilebenden Exemplare fehlen. Die Rostral- furche besteht gleichfalls bei jenen noch nicht, ist aber schon bei dem kleinsten freilebenden Individuum vorhanden. Das Rostrum selbst ist anfänglich klein, nur w^euig länger als die Augen und besitzt oben erst 5—6, unten noch keinen Stachel, ist jedoch schon bei dem kleinsten freilebenden Thiere von 30 mm, wenn auch weniger lang als bei den ilittlieilungen a. d. Zoolog. Station zu Neapel. Bd. I. ^ 50 Paul Mayer erwachseneu, so doch völlig ausgebildet. Au den oberen Antennen sind die Endfäden bei den jüngsten Stadien etwa so lang wie der Blatt- anhang der unteren Antenne , nehmen also später an Grösse ab ; das- selbe gilt bei der unteren Anteuue von der Geissei, welche anfänglich reichlich die doppelte Länge des Thieres erreicht i) . Uebrigens ist die Geissei bei den ganz kleinen Pyrosoma-Bewohnern noch haarlos und erlaugt erst wie es scheint kurz vor dem Verlassen der Wohnung den schon oben erwähnten reichen Haarbesatz, um ihn vielleicht bereits bei der nächsten Häutung wieder zu verlieren. Die mittlere Platte der Schwanzflosse entspricht der Entwick- lung nach dem Gabeischwanze der Zoea. Ihre langspitzige Gestalt er- langt sie , wie sich durch alle Zwischenstufen leicht verfolgen lässt, ganz allmälig dadurch, dass in der tiefen Einbuchtung der Gabel eine überzählige unpaare Borste auftritt und nach und nach bei den vielen auf einander folgenden Häutungen über die anderen Borsten das Ueber- ge wicht erlangt. Von diesen behauptet nur die vierte der ursprüng- lichen sieben ihre Stellung und bildet schliesslich den von Heller erwähnten kleinen Stachel an der Basis des grossen , spitzen End- stachels, welcher eben aus der genannten unpaaren Borste hervorge- gangen ist. Die Geschlechtsverschiedenheiten der erwachsenen Penaeus finden sich bei Heller (p. 292) dahin definirt, dass die inneren Aeste des 1. Abdominalfusspaares ähnlich wie bei Sicyonia »am Anfange des Basal- gliedes nach innen inserirt und mit ihren gegenüberliegenden Flächen zu einer einzigen, am Ende abgestutzten, nach vorn gekehrten Platte verwachsen« sind. Auch Brocchi ^j thut dieses Merkmales Erwähnung. Zweifellos ist das ganze Gebilde ein Hülfsorgan für die Begattung und tritt dabei vielleicht in Beziehung zu einem häutigen, lappigen Anhange, welchen die erwachsenen Weibchen zwischen den Basen des 5. Fuss- paares tragen und der, am hinteren Rande angeheftet , frei nach vorn ragt. Ferner ist beim Weibchen der Inneuast des 1 . Abdominalfusses sehr viel kleiner als der äussere und auch kleiner als dieselben Aeste der folgenden Füsse. An den jüngeren Exemplaren ist er kaum sicht- bar, entspringt viel tiefer am Basalgliede als der äussere und ist ebenso 1) Wenn sich die erwachsenen Penaeus in den Sand einwühlen, was sie mit grosser Schnelligkeit zu thun vermögen, so legen sie gewöhnlich die Geissein dicht an den Körper au und lassen nur die Enden hinter sich etwas aus dem Sande hervorragen. 2) Brocchi, les organes génitaux màles des Crustacés Décapodes. Annal. Selene, natur. 1875. 6. Sér. II. Nr. 2. p. 32 ff. Carcinologische Mittheiluugen. 51 wie beim Männclien nach iuueu gewandt, so dass zu dieser Zeit die Unterscheidung der Geschlechter auf Grund der angegel)enen Charak- tere schwer fällt. Bei Exemplaren von (30 mm Länge ist jedoch das Männchen bereits deutlich als solches zu erkennen, weil die Innenäste sich schon dicht aneinander gelegt haben. Ihre Verwachsung zu einem einzigen, unjDaaren Organe tritt aber erst später ein. Erst dann auch erscheint am zweiten Abdominalfusse neben dem inneren Aste dessel- ben ein kleiner Anhang, dessen schon Heller und von Neuem Grob- ben 1) gedacht haben. IT. Die Scheerenschwieleii von Heterograpsus Lucasii. Die Männchen von Heterograpsus Lucasii M. Edw., einer hier sehr gewöhnlichen Krabbe, haben an der inneren Seite der Scheere eine Art von Sack , welcher aus der Bindehaut am Grunde der Finger hervortritt und bei äl- teren Thieren oft eine be- trächtliche Ausdehnung er- reicht Fig. 1 j . In der Lite- ratur, so weit ich sie habe einsehen können^) , finde ich seiner nicht gedacht; na- mentlich thut Heller, wel- cher sonst stets die Ge- schlechtscharaktere auffuhrt und auch bei dieser speciellen Art die übrigen Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen einzeln angiebt, seiner nicht Erwähnung. Ob bei anderen Gattungen und Arten der Grapsoideen sich ähnliche Bildungen zeigen, ist mir nicht bekannt, in- dessen wäre es sonderbar, wenn nicht die nächst verwandten Formen gleiclifalls solche Auszeichnungen besässen. Fig. 1. Heterograpsus Lucasii c5 in natürlicher Grösse. Fig. 2. Rechte Hand desselben in na- türlicher Grösse. Fig. 3. Halbschematischer Durchschnitt durch die Hand. In der Schwiele hat sich die Fleischschicht von der Hautschicht zurückgezogen, so dass ein Hohlraum ent- standen ist. 1, C. Grobbex, Beiträge zur Kenntniss der männlichen Geschlechtsorgane der Decapoden. Arbeiten d. zoolog. Institut. Wien 1S7S. p. 133. 2, Nachträglich finde ich noch, dass Alessandro Rizzi in einem 1839 er- schieneneu Schriftchen : Descrizione di alcuni Crostacei nuovi del golfo di Catania 4» 52 Paul Mayer Die Schwielen kommen ansschliesslich dem Männchen zu und sind nur dann, wenn die beiden Scheeren auffällige Verschiedenheiten in der Grösse zeigen, einander nicht gleich. Bald sind sie prall augeschwollen, bald ist ihre äussere Haut faltig. Letztere zeigt bei mikroskopischer Untersuchung keine Abweichungen von der Cuticula an anderen weichen Stellen des Körpers, hat also vor Allem keinerlei Drüsenöffuungen auf- zuweisen, und ist auch völlig haarlos. Ein Längsschnitt (Fig. 3) zeigt direct unter der derben Cuticula eine verhältnissmässig enorm dicke Fig. 4. Die innerste Chitinmembran der Schwiele mit ihren amylumähnlichen chitinösen Einlagerungen. Lage von zarten Cbitinhäuten , welche nach innen zu wiederum von einer festeren Chitinlamelle begrenzt werden. Diese letztere ist wellig ge- streift (Fig. 4) und trägt zahlreiche Concretionen von lebhaft gelb gefärb- tem Chitin eingelagert, deren Gestalt auffällig an die der Stärkekörner erinnert. Es sind sowohl Schichtungen um einen concentrisch oder ex- centrisch gelegenen Kern als auch Verschmelzungen runder Körner zu biscuitförmigen Gestalten nachzuweisen, so dass man, wenn nicht alle chemischen Reactionen für Chitin sprächen, versucht sein könnte, ein freilich seltsames Vorkommen von Amylum anzunehmen. In Folge (Atti dell'Accademia Gioenia di Scienze naturali in Catania voi. XX) imter dem Namen Cleistotoma Gemmellari einen neuen Krebs beschrieben hat, in dessen Diag- nose er ausdrücklich erwähnt : verruca membranacea Inter digitos chelarum marium. Die beigegebenen Abbildungen sowie die Beschreibung lassen deutlich den Hetero- grapsus Lucasii erkennen. Eine nähere Untersuchung der Schwiele (»verruca o cisti coriacea e molle«) ist aber unterblieben. Carciuologische Mittheilungen. 53 übrigens der so dicken Clntinschicbt, welche diese Schwielen bildet, ist das Tbier gegen Berührung derselben ziemlich unempfindlich. Welchen Gebrauch es überhaupt von ihnen macht, ist mir unklar ge- blieben. Wahrscheinlich werden sie wohl in irgend einer Weise bei der Begattung Verwendung finden , indessen kann ich , da ich eine solche nicht beobachtet habe, nichts Sicheres darüber mittheilen. y. Peimell.a und Couclioderma. Koren und Danielssen ^) erwähnen bei Gelegenheit der Beschrei- bung einer neuen Pennella auf Balaenoptera rostrata Fabr., dass sich sehr häufig sowohl an dem dünnen Brusttheile als auch in der Nähe der Ge- schlechtsöffnungen der Pennella ein oder mehrere Exemplare von Con- choderma virgata Spengler vorfinden. In der Sammlung der Zoologischen Station sind nun sechs Individuen einer angeblich von Xiphias gladius herstammenden Art desselben Copepoden vorhanden, welche im Jahre 1&75 von Fischern gebracht wurden, und au einem derselben zeigen sich gleichfalls nahe dem Hinterende des Thieres ein ausgewachsenes und ein junges Conchoderma virgata angesiedelt. Es liegt also hier der zweite Fall vor, in welchem ein so seltsamer Wohnort für ein Glied aus der Familie der Cirripeden constatirt wird, von der, so viel ich weiss, bis- her nichts derartiges bekannt w^ar. Die hiesige Form der Pennella konnte ich, da allen Exemplaren der Kopf fehlt, nicht mit Sicherheit be- stimmen. Nach Steensteup und Lütken^j müsste sie als vom Schw^ert- fische herrührend die echte P. filosa von Linné sein ; in Bezug auf die Grösse und den Habitus stimmt sie jedoch sehr gut zu der von Koren und Danielssen beschriebenen neuen Art. Die hornigen Fäden am Hinterleibe sind meist mit einer dichten, weissen Masse überzogen, die sich bei mikroskopischer Untersuchung als nicht zum Thiere selbst ge- hörig, sondern als aus grossen Mengen von Campanularia, die ihrerseits wieder über und über mit Gomphonema und anderen Diatomeen bedeckt sind, zusammengesetzt ergal). 1) Koren u. Danielssen, Fauna littoralis Norvegiae. 3. hefte. 1677. p. 157 ff. 2; Steenstrup 11. Lütken, Bidrag til Kimdskab om det aabne Havs Snylte- krebs og Lernaeer etc. 1S61. p. 76. lieber Discosporangium, ein neues Phaeosporeen-Genus. Von P. Falkeuberg. Mit Tafel II. Bei der Hartnäckigkeit, mit welcher die Florideen sowie die Fuca- ceen und Phaeosporeen nebst ihren Verwandten gegen systematische Culturversuche sich sträuben, ist das Bild von dem Entwicklungsgänge dieser Algen bisher nur ein sehr unvollständiges geblieben. Da es bis- her nicht gelungen ist, die aus dem Verband der Mutterpflanze losge- lösten Keimzellen derartiger Algen so lange zu cultiviren, bis dieselben zu fortpflanzungsfähigen Individuen herangewachsen sind und nun ihrerseits zur Erzeugung neuer Individuen schreiten können, so liegen noch Abschnitte in dem Leben der Meeresalgen bis jetzt im Dunkeln, welche einen wesentlichen Theil an dem Gesammtbilde des Entwick- lungsganges dieser Algen ausmachen. Zu den noch ungelösten Problemen gehört für die Florideen die Frage nach einem eventuellen Alterniren von Tetrasporen-bildenden Generationen mit solchen Generationen, welche Sexualorgane erzeugen. Und wenn auch a priori anzunehmen ist, dass ein derartiger Wechsel geschlechtlicher und ungeschlechtlicher Generationen bei den Florideen stattfindet 1) , so ist der experimentelle Nachweis, wie er nur durch die Einzelcultur der Sporen geliefert werden kann, dafür doch noch nicht beigebracht worden. Bei den Phaeosporeen ist es neben dem Verhältniss der unilocu- lären Sporangieu zu den pluriloculären vor allem die Art und Weise wie die einzelnen Species den Zeitraum zwischen zwei Vegetationsperioden !) Vergi. Pringsheim, Ueb. den Generationswechsel der Thallophyten. Jahrb. f. wissensch. Bot. Bd. XL p. 31. Ueber Discosporangium, ein neues Phaeosporeen-Genus. 55 überdauern , deren Aufklärung es noch bedarf, um das Bild von dem Entwicklungsgange dieser Algen zu vervollständigen. Denn wie die Entwicklung der Vegetation auf dem festen Laude keine stetige ist, sondern durch Einflüsse klimatischer Natur in einer für die verschiedenen Florengebiete verschiedenen Weise unterbrochen wird, so ist auch das Leben der submarinen Pflanzenspecies durch Ruheperiodeu gegliedert. Allerdings fällt die Zeit der Ruhe nicht für alle unter dem Meeresspiegel lebenden Pflanzen eines Gebietes , die ja durch ihre Lebensweise dem directeu Einfluss der klimatischen Verhältnisse entzogen sind, in die- selbe Zeit des Jahres, sondern sie tritt für die einen Species früher, für andere später ein. Nicht immer machen sich diese Unterbrechungen in der Entwick- lung der submarinen Pflanzen in auffallender Weise geltend und je nach der Lebensdauer der Individuen verschiedener Species treten sie in verschiedener Weise in die Erscheinung. Bei den einen, die sich den einjährigen Landpflauzen analog verhalten, wird der gesammte Kreislauf der Entwicklung von der Keimung bis zum Absterben des Individuums in einem Jahre vollendet, während andere Pflanzen peren- niren und der Stillstand in ihrer Entwicklung am Schlüsse ihrer Vege- tationsperiode nur darin sich geltend macht, dass in dem weiteren Wachsthum der Stammspitze solcher Algen eine Ruhepause eintritt. An Phaeosporeen besitzt der Golf von Neapel mit Sicherheit nur drei Species, welche in letzterem Sinne als perennirend zu bezeichnen sind; nämlich Cladostephics verticillatus (für welchen PringsheimI) zu- erst diese Erscheinung nachgewiesen hat) , Stypocaulon scoparium und Halopteris filicina^ während die übrigen Phaeosporeenspecies mit weni- gen Ausnahmen 2) nur einen beschränkten Theil des Jahres hindurch vorhanden sind. Für die übrige Zeit verschwinden sie aber aus dem Bestand der Flora gänzlich, wenigstens in der Form, wie sie in den systematischen Werken über Algen allein Gegenstand der Beschreibung zu sein pflegen. Die Richtigkeit dieser Beobachtung vorausgesetzt, 1) PßiNGSHEiM, Ueber den Gang der morphologischen :DiiìfèreDzirung in der Sphacelarienreihe. Abh. d. Berlin. Akad. 1S73. p. 163. 2) Hierher gehören Sphacelaria tribuloides und Sph. cirrhosa, die zwar das ganze Jahr hindurch vorhanden sind, aber doch nicht zu perenniren scheinen, son- dern bei verhältnissmässig kurzer Lebensdauer durch die zu jeder Jahreszeit in Keimung gefundenen Brutknospen sich continuirlich im Bestand der Flora erhal- ten. Ueppig entwickelte Exemplare sind freilich auch bei ihnen an bestimmte Jahreszeiten gebunden; bei Sph. cirrhosa an die Monate Mai bis August, bei Sph. tribuloides an den October bis December. In der übrigen Zeit des Jahres finden sich meist nur kümmerliche Exemplare. 56 P- falkenberg stehen uns zwei Möglichkeiten ofifen, uns eine Vorstellung davon zu machen, wie die Algen, welche zu dem zuletzt erwähnten Formenkreise gehören, die Kluft von einer Vegetationsperiode zur anderen vielleicht zu überbrücken vermögen. Entweder haben die scheinbar vollkommen übereinstimmenden Schwärmsporen einer Species eine verschiedene Be- deutung für die Biologie der Alge und von den äusserlich gleichen Schwärmsporen besitzt nur ein Theil die Fähigkeit sofort zu keimen ; einem anderen Theil derselben ist es aber möglich direct in einen Dauerzustand überzugehen und so die Keimfähigkeit bis zum Beginn der nächsten Vegetationsperiode zu bewahren. Oder aber die Schwärm- sporen scheinen nicht nur untereinander gleich zu sein, sondern sind es wirklich und die Möglichkeit der Ueberführung derselben in einen Dauerzustand hängt vielleicht von einem Process ab, wie er neuerdings durch GoEBEL^) für Ectocarpus und Giraudia in Form der Copulation constatirt worden ist, ohne dass es bisher gelungen wäre die wahre Be- deutung dieses Actes für die Pflanze experimentell zu ermitteln. Da für eine grosse Anzahl von Phaeosporeen nur beobachtet worden war, dass die Keimung der Schwärmsporen eintrat unmittelbar nach- dem dieselben zur Rahe gelangt waren, so war auf der anderen Seite die Möglichkeit noch nicht ausgeschlossen, dass in der That ein zeit- weises Verschwinden entwickelter Phaeosporeenindividuen gar nicht stattfindet ; sondern es wäre denkbar gewesen, dass gewisse Species zu bestimmten Jahreszeiten von dem nur wenig untergetauchten Terrain in der Nähe der Küsten, also von denjenigen Stellen , an denen sie der directen Beobachtung allein zugänglich sind, und die ihren gewöhn- lichen Standort bilden, sich in grössere Tiefen zurückzuziehen ver- möchten. Speciell für Arten wie Scytosiphon lomentarius, Asperococcus compressus^ PhylUtis debilis und Ectocarpus elegcms^ welche in Neapel den ganzen Winter hindurch überall am Strande gemein sind, hätte man in der unverhältnissmässig schnellen Erwärmung der oberfläch- lichen Schichten des Meeres das Agens vermuthen können , unter dessen Einfluss das Zurückweichen der genannten Species vom Strande in grössere Tiefen beim Beginn des Sommers nothwendig ge- worden wäre. Von einer derartigen Möglichkeit ausgehend, richtete ich im vori- gen Sommer bei den Tiefseeforschungen der Zoologischen Station ein besonderes Augenmerk auf das etwaige Vorkommen der oben genannten Phaeosporeen mit scheinbar scharf abgegrenzten Vegetationsperioden in I 1) Bot. Zeitung 1878. p. 177 u. ff. Ueber Discosporaugiuiu, ein neues Phaeosporeen-Genus. 57 grösserer Tiefe unter der Meeresoberfläche. Indessen war das Suchen nach den genannten Pflanzen während des Sommers vollständig erfolg- los und erst mit dem Herbst traten die jungen Pflanzen in reichlicher Menge und an den alten Standorten wieder aufi). Ergaben die vorjährigen Tiefseeforschungen somit in dieser Rich- tung nur ein negatives Resultat, so führten sie doch zur Auffindung einer neuen Phaeosporee, deren Mittheilung einiges Interesse bieten mag. Denn in mehreren Punkten erscheint sie von den bisher be- kannten Typen der Phaeosporeen hinreichend abweichend, um ihren Referenten vor dem Vorwurf einer künstlichen Speciesfabrication zu bewahren. Die einzigen Exemplare dieser Alge wurden im Juli 1877 auf der Ostseite von Cap Misenum in einer Tiefe von etwa 15 Meter gedredscht. Sie bildeten auf TJdoiea B esfoni ainesii einen hell gelbbraunen Rasen vom Habitus eines kleinen Ectocarpus siliculosiis in der Höhe von etwa 3 cm und wurden auch in der Meinung, dass man es mit einem Ecto- carpus zu thun habe, mitgenommen. Die mikroskopische Prüfung ergab indessen, dass die betreffende Alge, welche Discosporanxjium subtile heissen mag, sich in allem von Ectocarpus abweichend verhält mit Ausnahme zweier Punkte : nur in Hinsicht auf die Erzeugung von Schwärmsporen nämlich und den Habitus des Thallus , der aus einer einzigen Zellreihe gebildet wird, stimmt Discosporangium mit Ectocarpus überein. Die einzelneu Individuen der Pflanze bestanden aus ziemlich reich- verzweigten Zellfäden von etwa 3, höchstens 4 cm Länge, die zu einer rasenartigen Gruppe vereinigt waren. Die Befestigung am Substrat fand an den untersuchten Exemplaren durch die basalen Zellen des Thallus- fadens statt, die — an Farbstoff ärmer als die übrigen Zellen — der Oberfläche des Thallus von C/ir/oitea fest angeschmiegt waren. Ausserdem hatten einzelne basale Thalluszellen aus ihrem unteren Ende kurze Fäden ausgetrieben, welche, wie die Berindungsfäden von Ectocarpus sich entwickelnd und von der Mutterzelle durch Scheidewände abge- gliedert, die Befestigung am Substrate verstärkten. Der Vegetationspunkt des Thallus wird durch eine Scheitelzelle 1) Mit dem Verschwinden von Phyllitis, Scytosiphon nnd Asperococcus wäh- rend des Sommers scheint auch die Frage nach etwa in dieser Jahreszeit auftreten- den Sexualzellen dieser Algen, auf die Reinke in seiner Abhandlung über die ge- nannten Genera (Pringsheims Jahrbücher, Bd. XI, p. 272) hinweist, erledigt zu sein. 58 P- Falkenberg repräsentirt, welche durch unter einander parallele Wände nach rück- wärts die cylindrischen Segmentzellen abschneidet, aus denen sich der Thallus aufbaut. In den einzelnen Segmenten gehen weiterhin keine Theilungen mehr vor sich mit Ausnahme derjenigen, welche die Abglie- derung von seitlichen Aesten bezwecken. Die Art und Weise der Entstehung der Seitenäste entspricht dem analogen Vorgang bei anderen Fadenalgen, die aus einer Zellenreihe bestehen wie Cladophora, Callitkamnion oder Ectocarpus. An der ast- erzeugenden Zelle bildet sich eine kleine seitliche Auftreibung, die später sich vergrössernd durch eine Membran von der Mutterzelle abge- gliedert wird und die erste Zelle resp. die Scheitelzelle des Seitenzweiges darstellt. Dabei liegt die Scheidewand, welche die neue Scheitelzelle vom Hauptspross trennt, bisweilen in der Ebene der Membran des Mutterzell- fadens vgl. Fig. 2). Häufiger indessen reicht das Zelllumen der Mutterzelle noch ein wenig in die Auszweigung hinein (vgl. Fig. 6). Ein besonderes Interesse gewinnt aber die Verzweigung von Discosporatigium durch den Ort, an welchem die Astbildiing an der Mutterzelle stattfindet. Während nämlich bei Cladophora., Ectocarpus oder Callithamnion die seitlichen Auszweigungen stets am oberen Ende der Zelle, an ihrem der Basis der Pflanze abgewendeten Theile zu entstehen pflegen, findet die Verzweigung bei Biscosporangium aus der Mitte der einzelnen Zellen statt, wenn die asterzeugende Zelle ihre definitive Länge bereits erreicht hat. Die In- sertion der Seitenachsen auf der Mitte der Stammzellen ist hier also nicht erst die Folge späterer Wachsthumsprocesse in der astbildenden Zelle, wie sie Pedicino für Callithamtiion > beschrieben hat, sondern die ersten Anzeichen der beginnenden Astbildung sind schon am mittleren Theile der Zelle anzutreffen. Die Entstehung und Anordnung der Seitenäste von Discosjjoran- gium folgt keiner wahrnehmbaren Regel. Zellen, welche Seitenäste bilden, wechseln im Thallus ohne bestimmte Ordnung mit solchen ab, welche unverzweigt bleiben. Und ebenso wenig lässt sich etwas be- stimmtes sagen über das Verhältniss der Vertheilung von Sporangien 1) Wo liach Anlage des Seiteuastes der obere Theil der astbildenden Zelle nachträglich noch wächst und dadurch in späteren Entwicklungsstadien die Aeste auf der Mitte der Zelle des Hauptstamnies zu stehen pflegen. Pedicino, Note al- gologiche; Bolletino dei Nat. e Med. per la mutua istruzione. Napoli 1870. Auch bei Dudresnaya ist die spätere Stellung der Astwirtel in der Mitte der lang- gestreckten Stauimzellen eine Folge späterer Streckung der bei der Anlage der Aeste noch flach scheibenförmigen Stammzelle. Wahrscheinlich beruht die ähn- liche Insertion der Aeste bei Draparnaldia (vergi. KüTZ. Tab. phyc. V Taf. 12) auf einem gleichen Vorgang wie bei Dudresnaya. Ueber Discosporaiigium, ein neues Phacosporeen-Genus. 59 und Verzweigungen vegetativer Natur am Thallus. Nur im Allgemeinen zeigt es sich, dass Sporangien häufiger an den basalen Partieen des Thallus sich finden. Alle seitlichen Astanlagen, gleichviel ob sie später zu Sporangien oder zu vegetativen Aesten werden, gleichen sich, so lange dieselben nur erst einzellig sind, äusserlich vollständig, und erst im Laufe der weiteren Entwicklung treten wahrnehmbare Unterschiede zwischen ihnen zu Tage. Diejenigen Seitenäste, die zu vegetativen Zweigen werden sollen, beginnen sehr bald sich in der Richtung senkrecht zum Mutter- spross zu strecken und eine cylindrische Gestalt anzunehmen. Und in- dem die Astzelle in derselben Weise wie die Scheitelzelle des Haupt- sprosses sich theilt, wird eine Entwicklung eingeleitet, die zur Bil- dung eines vegetativen Zellfadens führt, welcher in allen Punkten mit dem Hauptspross übereinstimmt. — Das Erlöschen des Längen wachs- thums der vegetativen Thallustheile macht sich äusserlich häufig gegen die Spitze hin durch allmäliges Dünnerwerden des Fadens bemerklich, bis endlich die nicht mehr theiluDgsfähige Scheitelzelle zu einer lang- gestreckten sich stark verjüngenden und wenig Farbstoö" enthaltenden Dauerzelle wird. Wenn daher bisweilen die Thallusspitzen von Disco- sporangiimi in ihrer äusseren Erscheinung an die mit basalem Wachs- thum begabten haarförmigen Bildungen des Ectocar2nis-T\i&\\vi^ zu er- innern scheinen, so zeigt doch die Entwicklungsgeschichte, dass keiner- lei Analogien zwischen beiden Theilen bestehen. Die Entwicklung von Seitenästen zu Sporangien documentirt sich schon früh darin , dass in der einzelligen Astanlage keine Längs- streckung stattfindet, die zur Bildung eines eylindrischen Körpers führt, sondern die Zelle vielmehr eine sphärische Gestalt annimmt (Fig. 2), Die erste Scheidewand, welche in der jungen Sporaogiumanlage ent- steht, ist so orientirt, dass ihre Ebene durch die Längsachse des Mutter- sprosses geht (Fig. 3). In jeder Tochterzelle der Sporangiumanlage tritt nun eine weitere Scheidewand auf, die auf der zuletzt gebildeten Mem- bran senkrecht steht und deren Ebenen die Achse des Hauptsprosses unter einem rechten Winkel schneiden (Fig. 4) . In den vier so ent- standenen Tochterzellen tritt je eine weitere Theilung ein durch Wände, welche der in Fig. 3 dargestellten Wand in der jungen Sporangiuman- lage fast parallel verlaufen (Fig. 5; . Und so treten nun in der Folge sämmtliche neue Scheidewände im Sporangium nur in den beiden durch die ersten Zelitheilungen angegebenen Richtungen auf und zwar stehen die in ihrer Entwicklung unmittelbar auf einander folgenden Scheide- wände stets senkrecht auf einander. Niemals tritt aber in den Sporan- (jO P. Fiilkenberg gien eine Zelltheilung- iu einer dritten Richtung des Raumes ein und da- her kommt es, dass in dem fertig ausgebildeten Sporangium die sämmt- lichen Zellen oder Sporangiumfächer in einer einzigen Schicht liegen (Fig. 6, 7 i . Die Zahl der Zellen eines Sporangiums beträgt meist 64 oder 1 28 wobei es aber natürlich nicht ausgeschlossen ist, dass eine oder die andere der schon vorhandenen Zellen bei der zuletzt eintretenden Zell- theilung sich nicht mehr theilt und dadurch ausnahmsweise die sonst so regelmässige Zahl der Zellen modificirt wird. Die viereckigen, wabenförmigen Sporangien von Discosporangium sind nur selten ganz eben ; bei der Mehrzahl der untersuchten Exem- plare waren sie mehr oder weniger in der Richtung der cylindrischeu Oberfläche des Zellfadens gekrümmt, an dem sie inserirt sind. Be- sonders pflegt die Lage der ersten Scheidewand in der jungen Sporan- giumanlage auch noch im ausgebildeten Sporangium durch eine beson- ders starke Biegung an dieser Stelle markirt zu sein, die oft sogar sich als scharfe Kante bemerklich machen kann (Fig. 8 a Z») i) . Jede einzelne Zelle des so gebauten vielfächerigen Sporangiums erzeugt eine Schwärmspore von der bekannten Form der Phaeosporeen- Sch Wärmsporen. Zum Zweck der Entleerung des Sporangiums öffnen sich die einzelnen Zellen desselben an der freien Aussenfläche des Sporangiums und es treten nun die Schwärmsporen nach und nach aus den einzelnen Sporangiumf ächern hinaus -) . — Das fernere Schicksal der Schwärmsporen, die etwaige Copulation derselben sowie ihre Kei- mung entzog sich der weiteren Beobachtung iu Folge des schnellen Absterbens der Schwärmer, die schon durch ihre sehr langsame Bewe- gung bekundeten, dass sie sich nicht mehr in normalem Zustande be- fanden und die ganze Pflanze bei der Untersuchung wohl schon im Zu- stande des Absterbens sich befand. Die Zusammenstellung der wesentlichsten Charaktere, welche be- obachtet werden konnten, ergiebt folgende Diagnose für das Phaeo- sporeen-Genus Discosporangium^ resp. für seine einzige bisher bekannte Species D. subtile. Thallus: unregelmässig verzweigter, aus einer ein- fachen Zellenreihe gebildeter Faden, mit Scheitelzelle wachsend. 1 ) Als Ausnahme wurde einmal beobachtet, dass an einer Thalluszelle sich zwei Sporangien entwickelt hatten, während sonst verzweigte Zellen von Disco- sporangium ausnahmslos nur einen einzigen Seitenast entwickelt hatten. 2) Während die Schwärmsporen auch der mehr fächerigen Sporangien ande- rer Phaeosporeen durch ein einziges gemeinsames apicales Loch aus dem Sporan- gium hervortreten. Ueber Discosporangium, ein neues Phaeosporeen-Genus. Gl F r t p f 1 a n z u n g durch Z o o s p o r e ii , welche einzeln in den Fächern vieltacheriger Sporungien entstehen. Sporangien einzeln der Mitte von Thalluszellen auf- sitzend, eine einschichtige, quadratische Platte darstel- lend, deren Fächer sich bei der Reife einzeln an der Ober- seite des Sporangiums öffnen. Wo bei einer systematischen Anordnung der Phaeosporeen dem neuen Genus ein Platz angewiesen werden muss, ist eine schwer zu be- antwortende Frage, zumal einerseits die oben mitgetheilten Facten sich doch nur auf einen kurzen Abschnitt der Lebensgeschichte der Alge beziehen , andererseits die systematische Anordnung der Phaeo- sporeen überhaupt bisher noch sehr im Argen liegt. Und letzteres ist in der That nicht wunderbar, so lange die Grundbedingung für die Mög- lichkeit einer naturgemässen Zusammenstellung der Gattungen fehlt, nämlich die Kenntniss der gesammten Entwicklungsgeschichte der zu den Phaeosporeen gehörigen Algen. So lange diese nicht klargestellt ist, werden alle Versuche einer systematischen Anordnung der Phaeo- sporeen einen sehr problematischen Werth haben, indem sie nur einer augenblicklichen Auffassungsweise Rechnung tragen können. Auf der anderen Seite ist aber das Auffinden eines bisher unbekannten Orga- nismus — wenn er nicht als Träger besonders wichtiger Lebenserschei- nungen von Interesse ist — ziemlich werthlos, so lange derselbe isolirt dastehend nur den Ballast der Species zu vermehren bestimmt ist, ohne dass es möglich wäre, ihn organisch in den Kreis der schon bekannten Formen einzufügen. Für die systematische Anordnung der Phaeosporeen liegt bei dem jetzigen Stand der Algologie eine Hauptschwierigkeit darin, dass wir über die Bedeutung der einfächerigen oder mehrfächerigen Sporangien für die Biologie dieser Algen in völliger Unkenntniss sind. Pringsheim hat (in seiner Abhandlung über den Gang der morphologischen Difife- renzirung u. s. w. p. 170) den Satz ausgesprochen, »dass die Differenz der beiden Sporangienformen der Phaeosporeen, die sich in der fehlen- den oder vorhandenen Fächerung ausspricht, keine absolute ist, sondern nur einen verschiedenen Grad der Ausbildung und Persistenz oder Resorption des transitorischen Mutterzellgewebes der Schwärm- sporen ausdrückt«. Mag dieser Satz auch häufig durch thatsächliche Verhältnisse gestützt werden, so giebt es doch Fälle, in denen es mir wahrscheinlich ist, dass die Differenz zwischen den verschiedenen For- men der Phaeosporeen-Sporangien nicht nur auf dem Fehlen oder dem 62 P. Falkeüberg Vorhandensein eines Zellwauduetzes im Innern des Sporangiums be- ruht, sondern dass die äusseren Unterschiede, die sich ausserdem häufig genug in dem verschiedenen zeitlichen und örtlichen Auftreten der einzel- nen Sporangienformen documentiren, nur der Ausdruck für die verschie- dene uns noch unbekannte Bedeutung ist, welche die in mannigfacher Weise erzeugten Schwärmsporen für die Biologie derPhaeosporeen haben mögen. Wo die Stellung von ein- und mehrfächerigen Sporangien am Thallus so völlig übereinstimmt und die verschiedenen Sporangien- formen unmittelbar nebeneinander und durcheinander auf demselben Thallusast auftreten, wie es bei Ectocarpus so häufig zu beobachten ist, da lässt sich in Bezug auf dieses Genus wenig gegen den von Pringsheim ausgesprochenen Satz sagen. Dagegen giebt es auf der anderen Seite Fälle, wo zwischen uni- und pluriloculären Sporangien so constante Unterschiede in der Zeit und dem Orte ihrer Entwicklung hervortreten, dass man an der Berechtigung der verallgemeinernden Fassung des oben citirten Satzes mindestens zweifeln darf. Zu denjenigen Phaeosporeen, welche für eine verschiedene biolo- gische Bedeutung von uni- und pluriloculären Sporangien sprechen, gehört z. B. ElacMstea. Hier treten \ im Herbst nur uniloculare Spo- rangien auf, während umgekehrt im Winter, bei gleichzeitiger Verän- derung des gesammten Habitus der Alge nur noch pluriloculare Sporan- gien sich finden. Wie bei ElacMstea die äusserlich unterschiedenen Sporangien- formen zu verschiedenen Zeiten auftreten, so finden sich dagegen bei Castagnea die uni- und pluriloculären Sporangien Constant an verschie- denen Stellen, aber stets in bestimmter Weise am Thallus vertheilt. Die Oberfläche des Thallus der Mesogloeaceen wird bekanntlich durch zahlreiche dichtgedrängte radialgestellte Zellfäden gebildet. Dieser peripherische Filz von Zellfäden löst sich bei genauer Betrachtung in einzelne Gruppen auf, bei denen sich die Entstehung einer jeden ein- zelnen Gruppe auf die Verzweigung eines einzigen Zellfadeus zurück- führen lässt, dessen Wachsthum nach Janczewski's 2) Vorgang als trichothallisches bezeichnet werden niuss. Der Vegetatiouspunkt eines jeden derartigen Zellfadens liegt in seiner Mitte und dient einmal zur Verlängerung eines apicalen Haares, welches — gegen seine Spitze hin aus sehr verlängerten Zellen bestehend und dieselben nach und nach 1) Nach Thuret, Recherches sur les zoospores des algues et les aotliéridies des ciyptogames. Ann. des sc. nat. 3 ser. Tome XIV. p. 27. 2) Observations sur l'accroissement du thalle des Phéosporées. Mém. de la Soc. d. sc. nat. de Cherbourg 1S75. Tome XIV. lieber Discosporangium, ein neues Pliaeosporeen-Genus. 63 abstossend — schliesslich nur eine untergeordnete Kolle in der periphe- rischen Fadenschicht der Mesogloeaceeu spielt, und welches gegen seine unterhalb des Vegetationspunktes gebildeten seitlichen Aeste gänzlich zurücktritt. Derselbe Vegetationspunkt liefert nämlich zugleich andere Zellen für die Verlängerung des basalen Abschnittes des Fadens und diese Zellen bilden Seitenäste, welche sich bei Castcujnea verschieden entwickeln. Entweder werden die einzelligen jungen Astanlagen zu einem einfächerigen Sporaugium oder aber die Astanlage wächst, indem die erste Zelle als Öcheitelzelle fungirt, zu einem langen Zellfaden aus. Erst an der Spitze dieser Zellfäden, deren Gesaramtheit den Haupt- bestandtheil der peripherischen Fadenschicht von Gastagnea bildet, ge- langen die multiloculären Sporangien zur Ausbildung, deren eigeuthüm- liche Stellung am Thallus Derbes und Solier i) zu der Aufstellung der Gattung Castagnea bestimmt haben. Nur in den seltensten Fällen und zwar vorzugsweise an ganz jungen Pflanzen wird die Spitze dieser seit- lichen Fäden direct zu einem pluriloculäreu Sporaugium von eigenthüm- lichem Bau, indem sich jede der äussersten 4 — G Zellen eines Fadens in zwei übereinanderliegende Tochterzellen theilt. Jede Zelle eines solchen nunmehr aus 8 — 12 Zellen bestehenden Complexes erzeugt aus ihrem Inhalt eine Schwärmspore. Diese Zoosporen schlüpfen aber nicht wie z. B. bei Ectocarpus durch eine einzige terminale Oefifnung am Ende des Fadens aus, sondern es bilden sich so viel Oeftnungen als ursprünglich Zellen des Fadens zur Bildung des Zoosporangiums heran- gezogen worden sind und aus diesen 4—6 OetTnungen treten je zwei Zoosporen ins Freie. Viel häufiger pflegen aber die Terminalzellen dieser peripherischen Fäden von Castagnea zur Bildung seitlicher Aeste zu schreiten 2) . Diese seitlichen Aeste vermögen sich ihrerseits wiederum zu verzweigen und dann ist es möglich, dass an die Stelle des im ein- fachsten Falle un verzweigten Fadens mit einem un verzweigten termi- naleu vielfächerigen Zoosporaugium ein reichverzweigter Faden tritt, dessen sämmtliche Zweigspitzen zu multiloculären Sporangien werden. Zugleich brauchen diese letzteren nicht nothwendig ein continuir- liches Ganzes zu bilden'^), sondern die die einzelnen Sporangien darstel- lenden terminalen Theile der Aeste können von einander getrennt sein 1) Derbes et Soliek, Mèra, sur quelques points de la physiologie des algues. Supplement aux Comptes rendus des séauces de l'acad. des Sciences ISòG. p. 56. 2) Wie Thuret es für Castagnea virescens in seiner oben citirten Abhandlung, Taf. XXVII, Fig. 4, abbildet. 3) Wie es der schon von Zoosporen entleerte Theil des Sporangiencomplexcs in der oben citirten Abbildung Thuret's von Cast, virescens zeigt. 64 P- Falkenberg durch basale Zellen der Verzweigungen höherer Ordnung, welche nicht zur Schwärmsporenbilduug verwendet worden sind. Ein ganzer der- artig verästelter Faden, der au den Astspitzen multiloculäre Sporangien in Mehrzahl trägt, ist also seiner Entstehung nach in seiner Gesammt- heit einem einzelnen uniloculären Sporangium gleichwerthig i) ; sollten aber auch die in beiden so verschieden gestalteten Arten von Organen erzeugten Schwärmsporen für die Pflanze den gleichen biologi- schen Werth besitzen? Der Zweifel an einer solchen biologischen Gleichwerthigkeit wird unterstützt durch eiue Thatsache, die Goebel '^) neuerdings mitgetheilt hat. Die Phaeosporee Giraudia hat zwei Arten von pluriloculären Spo- rangien, welche abgesehen von ihrer etwas abweichenden Form sich dadurch unterscheiden, dass sich die einen oberhalb, die anderen unter- halb des in der Mitte des fadenförmigen Thallus gelegenen Vegetations- punktes entwickeln. Nur die in der ersteren Art von Sporangien er- zeugten Schwärmsporeu copulirten, während sich das gleiche bei den Producten der basalen Sporangien nicht coustatiren Hess. Scheinen so- mit die aus den verschiedenen pluriloculären Sporangien von Giraudia herrührenden Schwärmsporen bereits sich verschieden zu verhalten, so ist auch anzunehmen, dass die in prägnantester Weise dififerenzirten uniloculären und pluriloculären Sporangien, zwischen denen bei zahl- reichen Phaeosporeen sich keine Uebergangsformeu finden, Schwärm- sporen zu erzeugen vermögen, deren Bedeutung für die Biologie der Pflanze eine verschiedene ist. So lange dieser Punkt nicht klargestellt werden kann, ist man zur Constatirung vermuthlicher Verwandtschaftsverhältnisse einmal auf den Bau und die Entwicklung der vegetativen Theile des Thallus und dann auf die Form und die Stellung der Sporangien am Thallus angewiesen. Was den letzteren Punkt betrifft, so kann man unter allen bis- her beschriebenen Phaeosporeen dem Discosporangium kein Analogon an die Seite stellen, da die Bildung eines vielfächerigen Sporangiums hier nicht zur Entwicklung eines Zellkörpers, sondern zu der einer ein- fachen Zellenschicht führt, deren einzelne Fächer sich sämmtlich nach aussen öffnen. Bau und Entwicklung des Thallus — der erstere aller- dings ein Merkmal von recht zweifelhaftem Werthe — weisen bei Bis- 1) Während der umgekehrte Fall bei Castagnea niemals vorkommt, dass näm- lich der primäre Zellfaden, A^on dessen Betrachtung oben ausgegangen wurde, un- mittelbar ihm aufsitzende pluriloculare Sporangien oder aber an der Spitze der verzweigten Seitenäste büschelig gestellte uniloculare Sporangien trägt. 2) Zur Kenntniss einiger Meeresalgen. Bot. Zeitung 1878 p. 197 — 199. Ueber Discosporangiiim, ein neues Phaeosporeen-Geniis. (35 cosporangium auf einen sehr beschränkten Kreis von Phaeosporeen hin, zu denen es in näherer Beziehung stehen könnte. Das Vorhandensein einer Scheitelzelle trennt Discosporamjium von den Ectocarpeen, die ungetheilt bleibenden Gliederzellen des Thallus von den Sphacelarieen. Von Phaeosporeen, welche einen aus einem einfachen Zellfaden beste- henden Thallus besitzen und mit Spitzenwachsthum begabt sind, bleiben zur Vergleichung' nur übrig Myrionema und Choristocarpus . Von Myrio- nema unterscheidet] sich Discosporangiiim aber erheblich durch den absoluten Mangel der «Paranemata«, wenn man von dem unwesentlicher erscheinenden habituellen Unterschied absieht i) . Die grösste Uebereinstimmung besitzt Discosporangiimi dagegen mit Choristocarpus tenellus^ einer zierlichen Phaeosporee, die — wenn- gleich äusserst selten im Golf von Neapel vorkommend — gleichfalls lebend untersucht werden konnte. Mit dieser Alge 2) stimmt Disco- sporangium im Habitus und in der auffallend hellen Färbung, im Bau und in dem Scheitelwachsthum völlig überein: und auch in der Ver- zweigung erinnert es vielfach an die ähnliche Bildungsweise von Disco- sporangiimi. Denn eine so ausgesprochene dichotome Verzweigungs weise, wie Zanardini sie darstellt , ist nicht häufig vorhanden ; vielmehr sind meistens die Seitenäste dadurch deutlich als seitliche Bildungen charak- terisirt, dass sie weit unterhalb des oberen Endes der asttragenden Zelle inserirt sind und dadurch wiederholen sie in gewissem Grade die Ver- zweigungsweise von Discosporangiimi. Mit Discosporangium stimmt Choristocarpus endlich darin überein, dass beide Algen eine Form von Sporangien besitzen, wie wir sie sonst bei den Phaeosporeen nicht kennen. Die Form der Sporangien ist aller- dings bei beiden eine wesentlich verschiedene, denn Choristocarpus hat gestielte umgekehrt eiförmige und meist in zwei, seltener in drei über- einanderliegende Fächer geth eilte Sporangien. Auf jeden Fall werden aber bei einer systematischen Anordnung der Phaeosporeen beide Gat- tungen vermöge ihrer abweichenden Form der Sporangien vorläufig einen isolirten Platz einnehmen müssen, da sie nach unserer bisherigen Kennt- niss der Phaeosporeen — d. h. äusserlich sich wesentlich von den typi- schen Formen derselben unterscheiden. Besonders kann Choristocarpus. der noch von Zanardini und Kützing zu den Ectocarpeen gestellt I, Das Genus Coleochaete enthält ja aucli Species mit scheibenförmigem Thallus und daneben solche mit polsterförmig zusammengestellten aufgerichteten Fäden. 2 Vergi, die ziemlich gute Abbildung von Zaxardini, Iconographia phyco- logica raediterranea-adriatica. Tav. I. Mittheilungen a. d. Zoolog. Station zu Neapel. Bd. I. 5 66 P- Falkenberg, Ueber Discosporangium, ein neues Phaeosporeen-Genus. wurde , ebensowenig wie Discosporangium als naher Verwandter von Ectocarpus aufgefasst werden. Denn dagegen spricht bei so verschie- dener Form der Sporangien auch der principielle Unterschied derThaüus- entwicklung; wie er sich in dem Scheitelzellwachsthum auf der einen Seite, in dem trichothallischen Wachsthumsmodus auf der anderen Seite bekundet. Neapel, den 31. Mai 1878. Erklärung der Abbildungen. Tafel II. Sämmtliche Figuren sind mit der Camera lucida entworfen und zwar Fig. 1 mit Objectivsy Stern aa, Fig. 2—8 mit Objectivsystem F von Zeiss. Fig. 1 . Oberer Theil des Thallus von Discosporangium subtile : bei S Sporan- gien. Fig. 2 — 5. Successive Entwicklungsstadien von Sporangien. Fig. 6. Aelteres Sporangium im opt. Längsschnitt. Fig. 7. Ausgewachsenes und fast entleertes Sporangium von unten seitwärts gesehen. Fig. 8. Ausgewachsenes Sporangium von oben gesehen; die Kante ah be- zeichnet die Kichtung der ersten Theilungswand des Sporangiums. Halosphaera, eine neue Gattung grüner Algen aus dem Mittelmeer. Von Dr. Fr. Schmitz. Mit Tafel III. Die pelagische Flora ist zur Zeit noch sehr arm an Arten. So reiche Ausbeute auch dem Zoologen eine Untersuchung derjenigen Or- ganismen, die an der Oberfläche des hohen Meeres flutheud umher- treiben, zu bieten pflegt, eine so geringe Anzahl von Formen bietet sich hier dem Botaniker dar, und nur einige wenige Arten von Algen sind bisher von diesem Fundorte bekannt geworden. Während meines jetzigen Aufenthaltes an der Zoologischen Station zu Neapel hatte ich wiederholt Gelegenheit genommen , die Ausbeute des Fanges mit dem feinen Netz an der Oberfläche des Meeres, den sogenannten Auftrieb, auf pflanzliche Organismen zu untersuchen. Allein ausser einigen Bacillariaceen aus den Gattungen Chaetoceros u. a. und einigen zweifelhaften grünen Zellen von der Form kleiner isolirter Protococcuszellen habe ich von specifisch pelagischen Algenformen nur eine einzige aufzufinden ver- mocht. Es sind das jene kleinen, hellgrünen , mit unbewaffnetem Auge eben noch sichtbaren Kugeln, die hier schon seit mehreren Jahren regel- mässig im Frühjahr im Auftrieb beobachtet worden sind und unter der Bezeichnung der punti verdi der Mehrzahl der Forscher, die an der hiesigen Station gearbeitet haben, bekannt sein werden. Ich habe diesen »grünen Punkten« meine Aufmerksamkeit etwas eingehender zugewandt, um die Natur und Entwicklungsweise dersel- ben genauer festzustellen. Allein es ist mir nicht geglückt, den voll- ständigen Entwicklungsgang dieser Algenform festzustellen. Meine Culturen gingen nach und nach zu Grunde, und zur Zeit ist die Alge selbst nicht mehr aufzufinden. Gleichwohl sei es erlaubt, auch ohne 5* 08 Fr. Schmitz dass der gesammte Entwicklungsgang der Pflanze bis jetzt ermittelt worden ist, dasjenige, Avas ich über diesen Organismus bisher beobachtet habe, hier zusammenzustellen, theils weil diese Alge in der Literatur überhaupt noch gar keine Erwähnung gefunden hat, theils weil mir die beobachteten Thatsachen doch einige interessante Daten für die allge- meine Zellenlehre darzubieten scheinen. Die Alge, um die es sich in den vorliegenden Zeilen handelt, er- scheint regelmässig im Frühjahr, etwa von Mitte Januar bis Mitte April, in mehr oder minder zahlreichen Individuen im » Auftrieb «, der an der Oberfläche des offenen Meeres mit dem feinen Netz gefischt wird. Sie findet sich somit zu jener Jahreszeit an der Oberfläche des offenen Meeres in mehr oder weniger grosser Menge fluthend. Sie erscheint hier in Gestalt kleiner, heller oder dunkler grün gefärbter Kugeln, die mit unbewaffnetem Auge noch eben deutlich sichtbar sind. In Erinnerung an die Bezeichnung punti verdi, womit diese Kugeln in der Station be- nannt zu werden pflegen, mögen sie hier mit dem Namen Halosphaera viridis bezeichnet werden. Die Grösse dieser Kugeln variirt ziemlich bedeutend. Die grössten Individuen, die ich beobachtete; besassen 0,55—0,62 mm im Durch- messer. Von solchen Individuen fanden sich dann alle Abstufungen der Grösse bis zu Kugeln von etwa dem halben Durchmesser. Noch kleinere jüngere Individuen sind mir nicht zu Gesicht gekommen. Die kleinsten und jüngsten Individuen , die ich beobachtet habe,. zeigten eine einfache, vollständig kugelige Zelle von blassgrüner Färbung. Die ziemlich dicke Membran war vollständig glatt und farb- los. Im Innern ward dieselbe ausgekleidet von einem dünnen plasma- tischen Wandbeleg, der eine einzelne sehr grosse centrale Vacuole mit farblosem Zellsaft umschloss. Diesem plasmatischen Wandbeleg eingebettet finden sich sehr zahl- reiche, sehr kleine, flache Chlorophyllkörner von unregelmässig eckigem Umriss. Diese Chlorophyllkörner, sehr schwach blassgrüu gefärbt, sind in einfacher Schicht angeordnet und ziemlich weit seitlich von einander entfernt, daher denn auch die Färbung der ganzen Zelle eine sehr wenig- intensive ist und kaum hellgrün, eher gelblich genannt werden kann. Zwischen diesen Chlorophyllkörnern finden sich dem Plasma einge- lagert zahlreiche kleinere und grössere glänzende Körnchen (Fett?) und etwas grössere Amylumkörner von rundlicher Gestalt. Ausserdem aber findet sich dem Wandplasma eingebettet ein ein- zelner kugeliger Zellkern mit deutlichem, etwas dunklerem Kern- Halosphaera, eine neue Gattung grüner Algen aus dem Mittelmeer. 69 körperchen. Derselbe ist ringsum von Plasma umhüllt, so zwar, dass der plasmatische Wandbeleg an dieser Stelle nach innen angeschwollen erscheint. Auf der Ausseuseite des Kernes ist nur körnchenfreies farb- loses Plasma vorhanden, alle Körnchen fehlen hier vollständig, und ebenso zeigt die sonst ganz gleichmässige Schicht der Chlorophyllkörner hier auf der Aussenseite des Zellkernes eine kreisförmige Lücke. So- mit maclit sich die Stelle des Zellkernes auch schon bei oberflächlicher Betrachtung sofort als ein runder farbloser Fleck au der gefärbten Kugel bemerkbar. — Uebrigens erscheint dieser kugelige Zellkern öfters nur wenig scharf und deutlich gegen das umgebende Protoplasma abge- grenzt, meist ist das Kernkörperchen innerhalb desselben weit deut- licher und schärfer begrenzt zu erkennen. Diese eben beschriebenen Kugeln stellen somit einfache kugelige Zellen dar mit einer einzelnen sehr grossen centralen Vacuole. Ihr specifisches Gewicht mag etwa gleich sein dem Gewicht der obersten Wasserschichten, da die Kugeln selbst stets nahe au der Oberfläche des Wassers, von den Strömungen desselben getragen, fluthend umher- treiben. Von eigener selbständiger Bewegung derselben ist nichts zu bemerken. Die geschilderten Kugeln stellen die jüngsten Entwickluugsstadien der einzelligen Alge dar, die ich aufzufinden vermochte. Ihre Grösse nimmt nun allmälig zu: die Zahl der Chlorophyllkörner vermehrt sich, die Färbung derselben wird intensiver , und so erscheinen die heran- wachsenden Zellen auch mehr und mehr dunkler grün gefärbt. Dann beginnt an Zellen, die nur wenig an Grösse zugenommen haben, der erste Anfang der Bildung von Fortpflanzungszellen, von Zoosporen. Während die Zelle selbst noch weiter an Grösse zunimmt, theilt sich der Kern derselben in zwei Kerne. Diese rücken auseinander und theilen sich dann ebenfalls wieder, und dieser Vorgang wiederholt sich dann noch sehr oft. Stets nach vollendeter Zweitheilung rücken die Theilkerne innerhalb des Wandplasmas auseinander, so dass stets sämmtliche gleichzeitig vorhandenen Kerne möglichst weit von einander abp-tehen. Alle diese Kerne aber stimmen in ihrer Gestaltung ganz mit dem primären Kern der Zelle überein und sind ebenso wie dieser dem Wandplasma eingelagert. Sie machen sich sämmtlich, auch bei oberflächlicher Beobachtung, sofort als helle runde Lücken in der gleich- massigen Schicht der Chlorophyllkörner bemerkbar (Fig. 1). Während der Kerntheilung selbst aber nimmt diese kreisförmige Lücke in dem grünen Wandbeleg der Zelle allmälig eine längliche Gestalt an und theilt 70 Fr. Schmitz sich dann, während die beiden Theilkerne auseinanderzurücken be- ginnen, der Quere nach in zwei neue kreisförmige Lücken, die den beiden Theilkernen entsprechen. Die Theilung dieser Zellkerne erfolgt dabei ganz nach der Eegel, die durch die Untersuchungen von Strasbueger i) für die Theilung pflanzlicher Zellkerne überhaupt aufgestellt worden ist. Ich habe zwar nicht sämmtliche einzelnen Stadien dieser Kerntheilung hier genauer ver- folgt, doch habe ich die wichtigsten Stadien derselben deutlich beobachtet und vor Allem das Auftreten des spindelförmigen Körpers bei der Kern- theilung an der lebenden Zelle selbst mit Sicherheit constatiren können. Diese Vermehrung der Kerne durch fortgesetzte Zweitheilung geht keineswegs gleichmässig vor sich. Im Gegentheil, man findet gleich- zeitig in derselben Zelle einzelne Kerne in Theilung, andere dagegen fertig ausgebildet. Dem entsprechend ist auch die Anzahl der Kerne, die man in den einzelnen Zellen antrifft, eine sehr wechselnde. Bei gleichmässig fortschreitender Vermehrung der Kerne durch Zweitheilung müssten in einer Zelle entweder 1 oder 2 oder 4 oder 8, 16, 32, 64, 128 etc. Kerne vorhanden sein mit Ausschluss aller übrigen Zahlen. In Wirklichkeit aber beobachtet man Zellen mit sehr mannigfaltig wechselnder Anzahl von Kernen. Diese Zweitheilung der Kerne wiederholt sich so lange, bis schliesslich die endgültige Anzahl der Kerne gebildet ist. Diese rücken dann, eben- so wie nach jeder einzelnen früheren Zweitheilung, innerhalb des Wand- plasmas möglichst weit auseinander, so dass sie ziemlich gleichmässig in den vorhandenen Raum der Kugeloberfläche sich theilen und eine ziemlich regelmässige Anordnung erkennen lassen. Ihre Anzahl schwankt, eine bestimmte Regelmässigkeit der Zahl war wenigstens nicht zu erkennen. Diese Anzahl aber ist ziemlich gross und beti'ägt zwischen 200 und 300, eine Anzahl, die sich natürlich kaum ganz ge- nau feststellen lässt. Bis zur vollständigen Ausbildung sämmtlicher Zellkerne hat die Grösse der kugeligen Zelle noch bedeutend zugenommen. Von diesem Zeitpunkte an schien mir eine weitere Grössenzunahme nicht mehr stattzufinden. Doch schwankt die Grösse, bei welcher die Ausdeh- nung der Zellen eingestellt wird, ziemlich beträchtlich, meinen Be- obachtungen zufolge zwischen 0,445 und 0,622 mm Durchmesser; ja bisweilen tritt dieser Stillstand des Wachsthums sogar schon in Zellen von 0,333 — 0,389 mm Durchmesser ein. 1) Strasburger, Ueber Zellbildiing und Zelltheilung. Jena 1S75 u. 1876. Haloaphaera, eine neue Gattung grüner Algen aus dem Mittelmeer. 7 1 Innerhalb des Wandplasmas aber haben sieh inzwischen die Chloro- phyllkörner beträchtlich vermehrt und dunkler grün gefärbt, so dass die Zelle selbst weit intensiver gefärbt erscheint als früherhin. Von aussen betrachtet erscheint dieselbe jetzt als eine grüne Kugel mit sehr zahl- reichen kleinen runden farblosen Stellen. Nun beginnt das Plasma selbst sich in eine Anzahl einzelner Ab- schnitte zu zerth eilen. Zunächst werden die Chlorophyllkörner, die bis- her gleichmässig in einer einfachen Schicht auf der Innenseite der Membran angeordnet waren, zu einzelnen Gruppen zusammengedrängt. Rings um die einzelnen Zellkerne, mit alleiniger Ausnahme der Aussen- seite derselben, sammeln sich die grünen Körner zu dichten Massen an, während gleichzeitig auch das farblose Plasma von allen Seiten hierher zusammenströmt und sich hier zu dicken Ballen , die flach gerundet in das Innere der Zelle vorspringen, anhäuft. Die einzelnen Chlorophyll- körner werden dabei vielfach übereinandergeschoben und so dicht zu- sammengedrängt , dass die ursprüngliche Trennung derselben ganz unsichtbar wird, ja, wie es scheint, in der That ganz verloren geht, die einzelnen Körner zu einer zusammenhängenden grünen Plasmamasse sich zusammenballen. Zuletzt sind sämmtliche Chlorophyllkörner in diesen Plasmaansammlungen rings um die einzelnen Zellkerne vereinigt, die Zwischenräume zwischen denselben erscheinen ganz und gar farblos. Die Betrachtung der Zelle von aussen in diesem Entwicklungs- stadium zeigt auf der Kugelfläche vertheilt zahlreiche kleine runde helle Punkte, die Zellkerne, umgeben von schmalen, dunkelgrünen Ringen, diese Ringe ihrerseits seitlich durch farblose Zwischenräume von ein- ander getrennt (Fig. 2) . Eine genauere Untersuchung, namentlich bei Anwendung contrahirender Reagentien, zeigt, dass zur Zeit der ursprüngliche plasmatische Wandbeleg noch vollständig vorhanden ist. Allein die Masse des Plasmas hat sich mit Einschluss sämmtlicher Chlorophyllkörner rings um die Zellkerne zu flach halbkugeligen Ballen angesammelt, zwischen diesen Plasmaansammlungen ist überall nur noch eine dünne Schicht farblosen Protoplasmas mit wenigen kleinen eingeschlossenen Körnchen, die der Zellmembran dicht anliegt, erhalten. Dann erst beginnt die wirkliche Theilung des Plasmas in zahl- reiche Tochterzellen. Die Plasmamasse, welche bis jetzt noch als eine dünne Schicht, der Zellmembran dicht anliegend, die einzelnen Plasma- anhäufungen verbunden hatte, strömt nun ebenfalls zu jenen Stellen hin auseinander. Der dünne Plasmawandbeleg wird noch dünner; hie und da treten in demselben Löcher auf, die sich vergrössern (Fig. 4); diese Löcher werden zahlreicher; die Plasmastränge zwischen den- 72 Fr. Schmitz selben werden immer dünner und zerreissen nach und nach, indem überall das Plasma nach den Plasmaansammlungen hin beiderseits aus- einauderströmt. Endlich reissen auch die letzten dünnen Stränge, welche die Plasmaballen seitlich mit einander verbunden haben. Das ganze Zellplasma ist durch simultane Theilung in zahlreiche einzelne Piasmatheile, einzelne Tochterzellen, zerfallen. Dieser ganze Vorgang der Theilung der Mutterzelle in zahlreiche Tochterzellen erfolgt hier bei Halosphaera ziemlich langsam und lässt sich in allen seinen Einzelheiten deutlich und leicht verfolgen. Das allmälige Auseinanderfliessen und Zerreissen des zuletzt nur noch sehr dünnen Plasmaschlauches der Mutterzelle lässt sich bei der Dünne der farblosen Protoplasmaschicht, die der Membran dicht anliegt, direct allerdings nur schwierig erkennen. Allein bei einem Zusätze alkoholischer Jodlösung färben sich die Protoplasmamassen deutlich gelbbraun und lösen sich theilweise von der Membran ab, so dass die einzelnen Eutwicklungsstadien sehr deutlich und klar hervortreten. Die Gesammtmasse des Plasmas der Mutterzelle hat sich somit in sehr zahlreiche Tochterzellen zertheilt, welche in ziemlich regel- mässiger Anordnung durch massig breite Zwischenräume i) seitlich ge- trennt der Innenseite der Mutterzellmembran dicht angelagert sind. Zwischen denselben ist anscheinend nur farblose Zellflüssigkeit vorhan- den. Doch lassen sich darin hie und da kleine Körnchen erkennen, die in lebhafter Molekularbewegung begriffen sind. Von einer deutlich unterscheidbaren Zwischensubstanz, die in anderen Fällen während der Theilung des Plasmas in zahlreiche Tochterzellen abgeschieden wird und bald als Epiplasma (Ascus der Pilze) oder »centrale Blase« (Ulo- thrix2), Chaetomorpha ') , Sphaeroplea ^) , Acetabularia ^) u. a.), bald als transitorisches Fachwerk von Scheidewänden erscheint, ist hier nichts direct zu beobachten. Ein vollständiges Fehlen von farblosen concen- 1) Bei sehr kleinen Mutterzellen von 0,33 — 0,38 mm Durchmesser, wie sie sich zuweilen finden , sind die einzelnen Tochterzellen oft nur durch sehr schmale Zwischenräume seitlich von einander getrennt, ja bisweilen sind diese Tochter- zellen einander so sehr genähert, dass sie sich gegenseitig seitlich abplatten zu fast regelmässig sechseckiger Gestalt. 2) Dodel , Ulothrix zonata. Pringsheim's Jahrb. f. wissensch. Bot. Bd. X. p. 466 ff. 3) Thuret, ßecherches sur les zoo- spores des algues. Annales des sciences naturelles; botanique. 3 sèrie, tome 14. Taf. XVII, Fig. 1. 4) C0HN,Sur le développement et le mode de réproduction de Sphaeroplea annulina. Ann. des sc. nat. 4 sèrie, tome 5. p. 199. 5) de Bary u. Strasburger, Acetabularia mediterranea. Botanische Zeitung 1877. p. 741 flf. Halosphaera, eine neue Gattung grüner Algen aus dem Mittelmeer. 73 trirten Salzlösungen oder von farblosen eoUoidalen Substanzen, die hierin sehr dünufliissig-em Zustande in der Zellfliissigkeit vertheilt wären, lässt sich jedoch natürlich daraus noch nicht herleiten. Die einzelnen Tochterzellen liegen als flach gewölbte, vollständig- nackte Plasmaballen der Innenfläche der Zellmembran dicht an (Fig. 6). Die Aussenseite derselben ist abgeflacht, in der Mitte hell und farblos. Und hier innerhalb dieses farblosen Plasmas liegt ganz nahe der äusse- ren Oberfläche, jetzt stets deutlich sichtbar und scharf begrenzt, der kugelige Zellkern, innerhalb dessen, meist etwas excentrisch, ein etwas dunkleres Kernkörperchen sichtbar ist. Nach der entgegengesetzten Seite ist die Zelle schwach halbkugelig abgerundet. Das gesammte Plasma derselben ist mit Ausnahme jener farblosen Stelle der Aussen- seite intensiv grün gefärbt, ohne dass eine Differenzirung einzelner Cblorophyllkörner zu erkennen wäre. Dabei aber ist diese grüne Fär- bung keineswegs gleichmässig in dem Plasma vertheilt : rings um den Zellkern erscheint vielmehr die Färbung am intensivsten, weiter nach aussen aber wechseln dunkler und heller gefärbte Stellen ab, oft so, dass der Anschein einer schaumigen Structur dadurch hervorgerufen wird. Ausserdem aber finden sich diesem grüugefärbten und körnigen Plasma noch grössere dunkelgrüne Körner von unregelmässig rundlicher Gestaltung eingelagert, die ganz mit den sogenannten » Amylumkerneu« anderer grüner Algen übereinstimmen. Diese nackten kleinen Plasmazellen sind gegen äussere Einwir- kungen ausserordentlich empfindlich. Legt man der kugeligen Mutter- zelle auf dem Objectträger noch so behutsam ein Deckglas auf, so sterben diejenigen Zellen, welche an der durch den unvermeidlichen Stoss getroffenen und abgeplatteten Seite der Mutterzelle gelagert sind, regelmässig nach kurzer Zeit ab. Sie entfärben sich, gerinnen und lösen sich vielfach von der Membran ab, während dagegen die jungen Zellen an den übrigen nicht abgeplatteten Seiten der Mutterzelle noch längere Zeit fortleben. Die Anordnung dieser Zellen an der Innenseite der Mutterzell- membran ist, der ursprünglichen Anordnung der Zellkerne entsprechend, eine ziemlich regelmässige, sie theilen sich fast ganz gleichmässig in den ganzen Raum der Kugelfläche. Ihre Zahl ist, der Anzahl der Zellkerne entsprechend, eine sehr grosse. Bisweilen aber tritt der Fall ein, dass zwei oder mehrere Zellkerne einander näher gerückt waren als die übri- gen, so nahe, dass die gerundeten Plasmamassen, welche sich um die- selben ansammeln, einander seitlich berühren und verschmelzen. Dann kommt es zur Bildung unregelmässiger Zwillingsgestalten aus zwei oder 74 Fr. Schmitz mehr verbundenen Zellen (Fig. 5), Unregelmässigkeiten, wie sie ja auch anderwärts bei der Bildung zahlreicher Tochterzellen aus einer Mutterzelle oft genug beobachtet werden. Diese kleinen nackten halbkugeligen Zellen werden zu den Mutter- zellen der Zoosporen. Sie runden sich, der Membran der Mutterzelle mit der einen flachen Seite stets dicht anliegend, mehr und mehr halb- kugelig ab (Fig. 7) . Dann wird in einem gegebenen Moment die Mem- bran der Mutterzelle gesprengt. Diese Membran ist bisher dem äusseren Anschein nach ganz unver- ändert geblieben. An der unverletzten Zelle habe ich wenigstens eine Differenzirung in mehrere Schichten nicht direct mit Sicherheit er- kennen können. Allein die starke Lichtbrechung am Umfange einer voll- ständig kugeligen Membran macht ja die sichere Entscheidung über das Vorhandensein einer etwaigen Schichtung der Membran auf dem opti- schen Durchschnitt unmöglich. Gleichwohl aber hat eine solche Differen- zirung der Membran in zwei Schichten in derThat bereits stattgefunden. Unterwirft man nämlich eine Zelle, in welcher die Theilung des Plasmas in einzelne Tochterzellen bereits vollendet ist, einem Druck mit dem Deckglas, so platzt die Zelle, und dabei löst sich die Zellmembran in zwei Häute, die sich vollständig ringsum von einander trennen, aus einander. Die äussere Membran zieht sich zusammen und lässt dadurch deutlich erkennen, dass sie zuvor passiv gedehnt war; sie nimmt durch alkoholische Jodlösung eine schwache Färbung an und wird durch concentrirte Schwefelsäure nicht aufgelöst. Die innere Membran dage- gen dehnt sich ziemlich beträchtlich aus ; sie bleibt durch Jod unver- ändert, löst sich in concentrirter Schwefelsäure vollständig auf und verräth somit eine ganz verschiedene innere Structur als die äussere Membran. Mit dieser verschiedenen Differenzirung der beiden Membran- schichten verbindet sich eine ganz verschiedene Rolle derselben beim Aufspringen der Zelle. In einem gegebenen Momente reisst plötzlich die äussere Membranschicht in einem fast vollständig kreisförmigen Risse auf und löst sich zugleich ringsum von der inneren Membran- schicht ab. Diese selbst aber bleibt als Ganzes unverändert erhalten und dehnt sich allseitig gleichmässig aus, während gleichzeitig auch die Zelle selbst, von dieser inneren Membranschicht umhüllt, an Grösse zu- nimmt (Fig. 3) . Die Ausdehnung der Zelle ist dabei eine ziemlich be- deutende, der Durchmesser derselben vergrössert sich merkbar, in einem beobachteten Falle z. B. von 0,544 mm auf 0,622 mm. Unmittel- bar nach dieser Ausdehnung aber erscheint die frühere innere Membran- Halosphaera, eine neue Gattung grüner Algen aus dem Mittelmeer. 75 Schicht als eine vollständig intacte, deutlich und scharf doppelt contou- rirte homogene Membran, deren Innenfläche die halbkugeligen Tochter- zellen noch ebenso regelmässig angelagert sind wie vor dem Aufspringen der Zelle. Die aufgesprungene äussere Membranschicht aber hat sich zugleich bedeutend zusammengezogen und geht nun als abgeworfene todte Hülle allmäliger Auflösung entgegen. Dieser ganze Vorgang des Aufspringens der Zelle erfolgt an einem gewissen Punkte der Entwicklung stets von selbst ohne äussere Ein- wirkung. Es gelingt aber leicht, denselben auch schon früher künstlich herbeizuführen, indem man einen behutsamen Druck mit dem Deckglas auf die Zelle ausübt oder auch die Last des Deckglases schon für sich allein wirken lässt. Hierbei wird ja durch Abplattung der Kugel der Druck des Inhaltes auf die Membran gesteigert, bis die äussere Mem- branschicht endlich dem Drucke nicht länger Widerstand zu leisten ver- mag und zerreisst. Der ganze Vorgang des Aufspringens der Membran und der Aus- dehnung der Zelle erfolgt in einem gegebenen Moment mit grosser Schnelligkeit. Es zeigt sich dadurch, dass vor dem Aufspringen ein ziemlich bedeutender Spannungszustand in der Zelle vorhanden ge- wesen sein musste. Da wirft sich denn die Frage auf, durch welche mechanischen Momente dieses Aufspringen der Zelle herbeigeführt wird. Es sind hier a priori mehrere Fälle denkbar. Es wäre möglich, dass bei dem Aufspringen ausschliesslich der Inhalt der Zelle activ wirksam ist, die beiden verschieden diiferenzirten Schichten der Mem- bran nur passiv dabei mitwirken ; es wäre aber auch möglich, dass die verschiedene Diflferenzirung der beiden Membranschichten allein den Vorgang des Aufspringens herbeiführt, oder endlich drittens, dass In- halt und Membran zugleich bei diesem Vorgange zusammenwirken. Im ersteren Falle Hesse sich annehmen, dass allein das zunehmende Imbibitionsstreben des Zellinhaltes nach der vollständigen Ausbildung der Tochterzellen den stets wachsenden Spannungszustand zwischen Inhalt und Membran, den stets wachsenden Turgor der Zelle, bewirke; die Membran, passiv gedehnt, folge nur dem wachsenden Drucke des Inhaltes. Nimmt man nun an, dass mit der verschiedenen Differen- zirung der beiden Membranschichten , die sich durch die verschie- dene Reaction gegen Jodlösung und Schwefelsäure ausspricht, auch eine verschiedene Dehnbarkeit sich verbindet, so Hesse sich der that- sächliche Vorgang des Aufspringens der Zelle einfach erklären : die 76 Fr. Schmitz weniger dehnbare äussere Membranschicht springt bei einer gewissen Höhe des Druckes des Zellinhaltes auf und löst sich, in ihrer ganzen Ausdehnung sich stark contrahirend, gleichzeitig von der inneren Meni- branschicht ringsum ab; die stärker dehnbare innere Membranschicht aber gibt dem nunmehr (nach Entfernung der äusseren Membran- schicht frei wirksamen Ausdehnungsstreben des Zellinhaltes nach und dehnt sich aus ; während der Zellinhalt durch reichliche Wasser- aufnahme seinerseits an Ausdehnung zunimmt. Allein diese Annahme müsste zur Folge haben, dass auch die stärker dehnbare innere Mem- branschicht nach Aufhebung des inneren Druckes sich wieder zusam- menzieht. In der That aber contrahirt sich diese innere Membran- schicht bei einem Zerplatzen der aufgesprungenen Zelle keineswegs merkbar; ja wir haben schon oben gesehen, dass bei einer Zerquet- schung der noch nicht aufgesprungenen Zelle die zersprengte innere Membranschicht sich ganz beträchtlich ausdehnt. Daraus folgt, dass die innere Membranschicht vor dem Aufspringen der Zelle stark passiv comprimirt ist und somit auch ihrerseits mitwirken muss bei dem Zug, dem die von Innen her passiv gedehnte äussere Membranschicht ausge- setzt ist. Dieser activ wirksame Zug kann also nicht ausschliesslich von dem Zellinhalt allein ausgeübt werden, es ist jedenfalls die innere Membranschicht zum mindesten an demselben betheiligt. Es fragt sich nun aber, ob nicht vielleicht dieser Zug allein und ausschliesslich eine Wirkung der inneren Membranschicht sei. Diese innere Membrauschicht; die, wie wir sahen, in der nicht aufgesprun- genen Zelle passiv comprimirt ist, könnte durch ihr wachsendes Aus- dehnungsstreben allein eine stets stärkere passive Dehnung der äusseren Membranschicht herbeiführen, eine Dehnung, welcher die äussere Mem- branschicht endlich nicht mehr zu folgen vermag und zerreisst. Die innere Membranschicht würde nun nngehindert ihrem eigenen Ausdeh- nungsstreben Folge leisten können und sich ausdehnen. Allein eine Vergrösserung der Fläche dieser inneren Membranschicht unter Erhal- tung der Kugelgestalt, wie sie thatsächlich stattfindet, ist nur dann m;)glich, wenn gleichzeitig Substanz in das Innere derselben aufge- nommen wird, und dies ist im vorliegenden Falle nur so denkbar, dass gleichzeitig mit der Ausdehnung der Membran auch Wasser in das Innere der Zelle eintritt. Die thatsächlichen Vorgänge zwingen also zu der Annahme, dass neben dem Ausdehnungsstreben der inneren Membran- schicht gleichzeitig auch eine wasseranziehende Kraft im Innern der Zelle wirksam ist, eine Kraft, die sich vor dem Aufspringen der Zelle als hydro- statischer Druck auf die äussere Membranschicht äussern muss. Halosphaera, eine neue Gattung grüner Algen aus dem Mittehueer. 77 So sehen wir denn, class der Zug, welchem die äussere Membran- schicht vor dem Aufspringen der Zelle ausgesetzt ist, durch ein Zusam- menwirken der inneren Membranschicht und des Zellinhaltes zu Stande kommt, die beide unter Aufsaugung von Wasser sich bedeutend auszu- dehnen streben. Das schliessliche Ueberwiegen dieses Zuges über die Dehnbarkeit der äusseren Membranschicht bewirkt das Aufspringen der Zelle. Und somit stellt sich heraus, dass zum Zustandekommen dieses Vorganges theils der Zellinhalt, theils die verschieden differenzirtcn Schichten der Zellmembran zusammenwirken. — Diese Erwägungen geben uns ein Mittel an die Hand, die Verschie- denheiten der beiden Membranschichten in diesem Entwicklungsstadium noch genauer zu bestimmen als dies zuvor geschehen war. Die ursprünglich einheitliche und homogene Membran der Halosphaera-Zelle erfährt nämlich im Laufe der Entwicklung (offenbar unter dem Einfluss des eingeschlossenen Zellplasmas) in ihrer äusseren und inneren Hälfte eine ganz verschiedene Ausbildung der inneren Structur. Diese Ver- schiedenheit äussert sich nicht allein darin, dass beide Hälften zuletzt ein ganz verschiedenes Verhalten gegen alkbholische Jodlösung und con- centrirte Schwefelsäure zeigen , sondern auch darin, dass die iunere Hälfte zuletzt eine weit grössere Anziehungskraft für Wasser besitzt als die äussere Hälfte, so dass sie eine weit grössere Menge Wasser in sich aufzunehmen vermag und im wassergetränkten Zustande eine weit grössere Flächenausdehnung besitzt als jene. — Es bleibt noch übrig, den Sitz jener wasseranziehenden Kraft im Innern der Zelle etwas genauer festzustellen. An sich wäre es nämlich denkbar, dass diese energische Anziehung von Wasser allein von den halbkugeligen Zellen ausginge, oder dass allein die Zwischensubstanz zwischen diesen Zellen energisch Wasser aufsaugte, oder endlich dass eine solche Aufsaugung von Wasser gleichzeitig von jenen Zellen und der Zwischensubstanz zwischen denselben ausgeübt würde. Der erstere Fall stellt sich bei genauerer Ueberlegung als sehr wenig wahrschein- lich heraus. Er ist nur denkbar bei der Annahme, dass jene Zwischen- substanz zwischen den einzelnen kleinen Zellen gebildet werde von einer gelösten (oder aufgequollenen) Substanz, welche das aufgenom- mene Wasser mit einer solchen Kraft festhält, dass diese das Imbi- bitionsstreben jener Zellen überwiegt. Nur in diesem Falle würde das Imbibitionsstreben jeuer Zellen eine Aufnahme von Wasser von aussen her herbeiführen können. — Der zweite Fall, dass die stärkere Anzie- hung von Wasser allein von der Zwischensubstanz zwischen den ein- zelnen Zellen ausginge , würde an und für sich kaum eine Unwahr- 78 Fr. Schmitz scheinlichkeit darbieten. (Findet er sich ja doch thatsächlich verwirk- licht in dem Ascus zahh'eicher Discomyceten vor der Entleerung der Sporen.) Allein die Beobachtung vermochte, wie oben schon gesagt ward, von der Existenz einer besonderen Zwischensubstanz zwischen den einzelnen Zellen direct nichts nachzuweisen. Nur vereinzelte kleine Körnchen waren in der ganz farblosen klaren Flüssigkeit zu bemerken, und dieselben deuteten noch dazu durch ihre lebhafte Molekularbewe- gung auf einen sehr dünnflüssigen Zustand dieser Flüssigkeit hin. Aller- dings wird dadurch das Vorhandensein einer gelösten (oder aufgequol- lenen) farblosen Substanz von hoher Imbibitionskraft noch keineswegs ausgeschlossen. Allein die Anwesenheit einer derartigen Substanz von einer so hohen Imbibitionskraft, wie sie hier erforderlich ist, wird da- durch doch immerhin sehr unwahrscheinlich gemacht. — Die grösste Wahrscheinlichkeit dagegen spricht für den dritten der genannten mög- lichen Fälle , den Fall nämlich , dass die kleinen Tochterzellen und die Zwischensubstanz zwischen denselben (mag dieselbe nun eine aufge- quollene colloidale Substanz darstellen oder eine concentrirte Salzlösung) gleichzeitig energisch Wasser aufsaugen und somit in der angegebenen Richtung zusammenwirken. Und zwar beruht diese Wahrscheinlichkeit auf der Analogie der anderen grünen Algen. Einen anderen Beweisgrund für diesen dritten Fall ausser dieser Analogie der übrigen grünen Algen vermag ich allerdings nicht beizubringen und muss somit die ganze Frage hier vorläufig noch unentschieden lassen. Allein da die beiden anderen möglichen Fälle sich, wie gesagt, als sehr unwahrscheinlich herausstellen und für diesen dritten Fall noch dazu die Analogie der übrigen grünen Algen spricht, so glaube ich berechtigt zu sein, vor- läufig diesen dritten möglichen Fall als den thatsächlichen hinzustellen und somit den Sitz jener wasseranziehenden Kraft gleichzeitig in den kleinen halbkugeligen Zellen und der Zwischensubstanz zwischen denselben anzunehmen. — Unmittelbar nach dem Absprengen der äusseren Membranscbicht zeigt die hervorgetretene kugelige Zelle eine deutlich doppelt contourirte Membran und dieser innen anliegend in ganz regelmässiger Anordnung wie zuvor die zahlreichen flach-halbkugeligen Tochterzellen. Nun be- ginnt nach und nach diese Membran in dem umgebenden Wasser auf- zuquellen und sich zuletzt, nach Verlauf längerer Zeit, vollständig zu dünnflüssigem Schleim aufzulösen. Bei Beginn dieses Aufquellens lösen sich auch die einzelnen kleinen Zellen allmälig von der Membran ab und vertheilen sich im Inneren der Halosphaera, eine neue Gattung grüner Algen aus dem Mittelmeer. 79 mehr und mehr aufquellenden Blase, ohne jedoch eine eigene selbstän- dige Ortsbewegung zu besitzen (Fig. 3;. Ihre Gestalt ist dabei eine mehr oder weniger halbkugelige mit deutlicher einseitiger Abflachung. In der Mitte dieser flachen Seite tritt die früher erwähnte farblose rund- liche Plasmamasse mit dem eingeschlossenen Zellkern deutlich gegen das umgebende grüngefärbte Plasma hervor (Fig. 7) . Aus diesen nackten rundlichen Zellen entstehen nun durch Theilung die Zoosporen. Und zwar gehen gewöhnlich aus einer Zelle durch ein- malige Zweitheilung zwei Zoosporen hervor. Die etwa halbkugelige Ge- stalt der nackten kleinen Zelle dehnt sich zu mehr ellipsoidischer Gestal- tung aus, und gleichzeitig streckt sich auch die farblose Plasmamasse auf der abgeflachten Seite der Zelle in gleicher Weise etwas in die Länge, Der nächstfolgende Eutwicklungszustand zeigt dann diese farblose Plasma- masse in zwei Hälften getheilt und auseinander gerückt auf die Mitte der abgeflachten Endflächen eines kurz-cylindrischen Körpers, in welchen die ganze Zelle sich umgewandelt hat. Dann schnürt sich dieser cylin- drische Plasmakörper in der Mitte ringförmig ein (Fig. 8 u. 9), die ring- förmige Einschnürung schreitet allmälig weiter nach Innen vor und schliesst endlich in der Mitte vollständig zusammen. Die Zelle hat sich somit in zwei gleiche Tochterzellen getheilt. Diese Tochterzellen zeigen zunächst eine etwa kegelförmige Gestalt mit abgerundeter Kante der Grundfläche. In der Mitte der Grundfläche hebt sich nach wie vor jene helle Plasmamasse deutlich von dem um- gebenden grünen Plasma ab. Dann verändert sich die Gestalt der Zelle ein wenig. Auf der Mitte der Grundfläche wölbt sich jener farblose Theil des Plasmas zu einem flachen Höcker hervor, an dessen Spitze zwei lange farblose Cilien befestigt sind. Gleichzeitig erheben sich an dem Rand der Grundfläche mehrere (3—4) spitze Höcker. Und nun hat die Zoospore ihre vollständige Ausbildung erlangt und beginnt mit Hülfe ihrer Cilien sich langsam im Wasser fortzubewegen. Die Zoosporen von Halosphaera besitzen somit eine höchst eigen- thümliche Gestalt Fig. 10 u. 11). Sie sind spitz-kegelförmig, so zwar, dass die abgeflachte Grundfläche dieses Kegels das vordere Ende der Zoospore darstellt. Diese Grundfläche ist am Rande deutlich gezähnt und trägt in der Mitte auf der Spitze eines farblosen flachen Höckers zwei lange, gerade vorgestreckte Cilien. Dieser Höcker wird durch eine farblose Plasmamasse gebildet, die sich deutlich von der übrigen, grünen und körnigen Plasmamasse absetzt. In dieser farblosen Plasmamasse der Zoosporen, die unzweifelhaft aus der farblosen Plasmamasse der halbkugeligen Zoosporen-Mutterzelle so Fr. Schmitz hervorgegangen ist, habe ich bisher einen deutlichen, scharf begrenzten Zellkern nicht zu unterscheiden vermocht. Doch möchte ich die Frage noch unentschieden lassen, ob hier der Zellkern nur seine frühere Deut- lichkeit und scharfe Abgrenzung gegen das umgebende Plasma ver- loren hat, oder ob derselbe vollständig seine selbständige Abgren- zung von dem übrigen Plasma eingebüsst, sich vollständig aufgelöst hat. Es ist mir noch nicht gelungen, diese Frage definitiv zu entschei- den. Denn dass die Abgrenzung des Zellkernes gegen das umgebende Plasma eine wenig bestimmte und undeutliche ist, das tritt auch öfters bei den zahlreichen Kernen der grossen kugeligen Mutterzellen ein, während doch hier in den meisten Fällen der Zellkern deutlich zu er- kennen ist. So könnte auch in dem farblosen Vorderende der Zoosporen ein freilich undeutlich begrenzter Zellkern vorhanden sein, der nur schwer zu erkennen ist. In allen Fällen aber, mag nun ein selbständig abgegrenzter Zellkern hier vorhanden sein oder nicht, in allen Fällen ist jene farblose Plasmamasse der Zoosporen hervorgegangen aus der farblosen Plasmamasse der Zoosporenmutterzelle , ihre Substanz ist identisch mit der Substanz des Zellkerns und seiner umgebenden farb- losen Plasmahülle bei den letztgenannten Zellen i) . — Die eben geschilderte Entwicklung der Zoosporeu geht innerhalb der einzelnen kugeligen Blase sehr ungleichmässig vor sich. Es finden 1) Bei Ulothrix zonata verschwindet bei der Bildung zahlreicher Zoosporen, 4ie hier durch wiederholte Zweitheilung einer Mutterzelle angelegt werden, nach den Angaben von Strasburger (Ueber Zellbildung und Zelltheilung. 1875. p. 154. 2. franz. Ausg. p. 172) der Zellkern der Mutterzelle allmälig. In den Tochterzellen der ersten Zweitheilung gelang es Strasburger wiederholt, einen Zellkern deut- lich zu beobachten. Nach den weiteren Theilungen aber ward ein solcher nicht mehr beobachtet, in den Zoosporen selbst niemals. — Die letztere Angabe bestätigt auch DoDEL in seiner Abhandlung über Ulothrix zonata (Pringsheim's Jahrb. für wissensch. Bot. Bd. X. p. 451). Strasburger fügt dabei hinzu [\. c. p. 157, resp. 175): »Doch ist es mir immer wahrscheinlicher geworden, dass das am vorderen Ende der Schwärmspore angesammelte körnige farblose Protoplasma durch Theilung aus dem ursprüng- lichen Zellkern der Sporenmutterzelle hervorgegangen«. Auch sonst sind in den Zoosporen grüner Algen bis jetzt Zellkerne noch nicht- mit Sicherheit aufgefunden worden, mit einziger Ausnahme der Zoosporen von Oedogonium, in denen nach den Angaben von Pringsheim (Jahrb. für wissensch. Bot. Bd. I. p. 28 — 29), die auch Strasburger neuerdings bestätigt hat (Zellbil- dung und Zelltheilung. Zweite Auflage. 1876), der Zellkern der Mutterzelle erhal- ten bleibt. CoHN glaubt deshalb, den einzelnen »Amylumkern«, der bei vielen schwärmenden Algenzellen sich findet, als Vertreter des fehlenden Zellkernes be- trachten zu müssen (Bemerkungen über die Organisation einiger Schwärmzellen. Beiträge zur Biologie der Pflanzen. Bd. II). Halosphaera, eine neue Gattung grüner Algen aus dem Mittelmeer. gj sich hier gleichzeitig die verschiedensten Theilungsstadien der Zoo- sporen-Mutterzellen. Die eben gebildeten Tochterzellen einer Zwei- theilnng stellen dabei an Grösse kanui hinter den Mntterzellen zurück. Aus diesen Gründen ist es mir nicht möglich, mit Sicherheit zu be- haupten, dass die angegebene Entvvicklungsweise, wonach aus einer Mutterzelle durch einfache Zweitheilung einfach zwei Zoosporen hervor- gehen, die normale oder auch nur die häufigere sei. Es schien mir mehr- fach, als ob nach der ersten Zweitheilung die Tochterzellen derselben abermals sich theilten und erst deren Theilungsproducte zu Zoosporen wurden, so dass aus einer Mutterzelle durch zweimalige Zweitheilung vier Zoosporen hervorgingen. Bisweilen auch glaubte ich zu bemerken, dass einzelne jener Mutterzellen der Zoosporen ohne weitere Theilung direct zu Zoosporen sich umwandelten. Doch gelang es mir bisher nicht, hierüber Gewissheit zu erhalten. Unter allen Umständen aber lässt sich mit Bestimmtheit behaupten, dass jedenfalls die Mehrzahl der Zoosporen nicht durch directe Um- wandlung der kleinen kugeligen Zellen entsteht, sondern erst durch Umwandlung der Tochterzellen dieser Zellen, mag nun eine einmalige oder zweimalige Zweitheilung der Ausbildung derselben zu Zoosporen vorausgehen. — Während der Ausbildung der Zoosporen hat sich allmälig die Membran, welche die gesammte Masse der kleinen kugeligen Zellen umgab, im Wasser vollständig zu dünnflüssigem Schleim aufgelöst. Den reifen Zoosporen ist damit der Austritt in das umgebende Wasser er- öffnet. Sie schwimmen nun mit Hülfe der beiden, nach vorn ausge- streckten Cilien nach Art der Zoosporen anderer grüner Algen davon. Ihre Bewegung im Wasser ist im Vergleich zu den Zoosporen mancher anderer grüner Algen eine ziemlich langsame und zugleich ziemlich ungleichmässige, bald mehr bald weniger beschleunigt. Eine deutlich ausgesprochene Abhängigkeit derselben vom Lichte aber habe ich nicht bemerken können. Dieses Umherschwärmen der Zoosporen dauerte in meinen Cul- turen ziemlich lange. Allmälig aber ward die Bewegung derselben eine mehr und mehr langsame und schwache. Die einzelnen Zoosporen senkten sich zu Boden und gelangten schliesslich ganz zur Ruhe. Nach einiger Zeit waren sie dann abgestorben, ohne dass eine ausgeschiedene Membran an denselben zu erkennen gewesen wäre. Was weiterhin aus den ausgeschwärmten Zoosporen wird, darüber Mittlieihiugen a. d. Zoolog. Station z« Neapel. Bd. T. ß 82 Fr. Schmitz vermag ich somit keine Auskunft zu geben. In meinen Culturen gelang es mir nicht, eine weitere Entwicklung derselben zu beobachten. Neben der bisher geschilderten normalen Entwicklungsweise der Zoosporen habe ich aber häufig auch eine abnorme Entwicklung der- selben beobachtet. Häufig fanden sicii innerhalb derselben kugeligen Blase mit normal entwickelten Zoosporen einzelne Theilungsproducte jener kleinen Zellen, bei welchen noch vor vollendeter Zweitheilung die beiden Theilhälften sich abermals zu theilen begonnen hatten. Es entstanden so Gestalten, wie sie Fig. 12 veranschaulicht, aus vier unvollständig getrennten Theil- zellen zusammengesetzt, die noch mit ihren spitzen Enden zusammen- hängen. In der Mitte des abgeflachten dickeren äusseren Endes einer jeden Theilzelle ist die farblose Plasmamasse deutlich sichtbar. — Im vorliegenden Falle, den ich ziemlich häufig beobachtet habe, entstanden somit entschieden die Zoosporen durch Viertheilung der Mutterzelle, und dies legt den Gedanken nahe, dass wohl auch bei der normalen Ent- wicklung die Zoosporen durch zweimalige Zweitheilung einer Mutter- zelle gebildet werden möchten. Bisweilen unterblieb ferner die vollständige Trennung der Tochter- zellen einer solchen einfachen oder doppelten Zweitheilung, wie sie bei der Bildung der Zoosporen erfolgt, gänzlich. Die zwei oder vier Theil- zellen blieben dauernd mit einander in Verbindung, bildeten sich aber im Uebrigen vollständig zu Zoosporen aus und entwickelten je zwei Cilien (Fig. 15). Solche Zellgruppen bewegten sich dann mit Hülfe ihrer Cilienpaare im Wasser umher. Bisweilen habe ich auch im Wasser umherschwärmend Gruppen von mehr als vier solcher Theilzellen, z. B. 5 (Fig. 13), 8—12 (Fig. 14), beobachtet, deren Theilzellen meist kleiner waren als die normalen Theilzellen der Zoosporen-Mutterzellen. Ich glaube vor der Hand alle diese letztgenannten Gebilde einfach für abnorme Bildungszustände erklären zu müssen, wie sie bei der Bil- dung der Zoosporen von Algen oft genug beobachtet werden und auch vielfach bereits in der Literatur Erwähnung gefunden haben. Mit den angegebenen Thatsachen muss ich meine Angaben über den Entwicklungsgang der Halosphaera viridis beschliessen. Es ist mir leider nicht geglückt, vollständigere Daten über die Entwicklung dieser interessanten Alge zu sammeln. Meine Culturen der punti verdi sind sämmtlich nicht weiter gediehen als bis zur Entwicklung der schwär- menden Zoosporen; darnach starben dieselben sämmtlich ab. Halosphaera, eine neue Gattung grüner Algen aus dem Mittelmeer. 83 In der ersten Zeit des Auftretens der Alge im Auftrieb, Mitte Januar, fanden sich ungetheilte kugelige Zellen mit einem oder mehreren Zellkernen verhältnissmässig häufig. Späterhin verschwanden diese mehr und mehr ; die puuti verdi des Auftriebs bestanden nunmehr aus- schliesslich aus kugeligen Zellen mit mehr oder weniger weit fortge- schrittener Theilung des Zellinhaltes. Dann fanden sich vereinzelt auch einzelne Zellen, die eben die äussere Membran abgeworfen hatten, im Auftrieb vor. Seit Ende April ist schliesslich die Alge vollständig ver- schwunden, ebenso wie dies auch in früheren Jahren an der hiesigen Station beobachtet worden ist. Von dem Entwicklungsgange der Halosphaera viridis ist somit durch die vorstehend mitgetheilten Beobachtungen nur ein kleines Bruch- stück festgestellt worden. Die Alge tritt auf in Gestalt einzelner kugelrunder Zellen, die ohne jede selbständige Beweglichkeit au der Oberfläche der offenen See um- hertreiben. Diese einzelnen Zellen, zu einer bestimmten Grösse heran- gewachsen, erzeugen sehr zahlreiche Zoosporen. Die Entwicklung dieser Zoosporen erfolgt in der Weise, dass nach voraufgehender wieder- holter Zweitheilung des Zellkernes das Plasma durch simultane Theilung in sehr zahlreiche Tochterzellen zerfällt und diese ihrerseits wieder durch ein- oder zweimalige Zweitheilung die eigentlichen Zoosporen erzeugen. Diese Zoosporen besitzen kegelförmige Gestalt und führen in der Mitte des abgeflachten dickeren vorderen Endes zwei lange Cilien an einer farblosen Plasmamasse angeheftet. Mit diesen wenigen Angaben sind die bekannten Thatsachen aus dem Entwicklungsgange von Halosphaera viridis erschöpft. Sie stellen offenbar nur ein kleines Bruchstück aus dem gesammten Entwicklungs- gänge dieser Alge dar, ein Bruchstück, das viel zu unvollständig ist, um schon jetzt eine bestimmte Gattungsdiagnose von Halosphaera aufzu- stellen. — Diese UnVollständigkeit der bisherigen Kenntnisse macht es auch zur Zeit noch unmöglich, über die systematische Stellung der Halo- sphaera viridis und ihre Verwandtschaft mit den übrigen Gattungen grüner Algen irgend etwas l)estimmtes auszusagen. Der Anblick der kugeligen Zellen dieser Alge mit mehr oder weniger weit fortgeschrittener Theilung des Inhaltes, so wie die punti verdi während der Monate Februar und März im Auftrieb gewöhnlich ange- troffen werden, erinnert bei schwacher Vergrösserung sehr an die Gattung 6* 84 Fr. Schmitz Volvox. Allein eine genauere Untei-sucbung zeigt schon genügend, dass die Pflanze keineswegs den Volvociueen beigezählt werden kann : es fehlen ihr die charakteristischen Cilienpaare der Volvocineen-Colonien gänzlich. Der gesammte, oben näher geschilderte Gang der Zoosporen- bildung aber lässt zweifellos jeden Gedanken an eine nähere Zusammen- gehörigkeit mit Volvox verwerfen. Eine andere Algenform, die einige Aehnlichkeit mit Halosphaera darbietet, ist die Gattung Eremosphaera ') . E. viridis de By. be- steht ebenfalls aus einzelnen grossen kugeligen Zellen, welche isolirt ohne jede selbständige Beweglichkeit im Wasser umhertreiben. Allein die Zellen dieser Alge besitzen eine etwas abweichende Structur des Zellinhaltes: in der Mitte der Zelle ist durch Plasmastränge ein ein- zelner Zellkern aufgehängt , in diesen Plasmasträngen und im Wand- plasma aber finden sich zahlreiche grosse Chloropbyllkörner. Dann aber unterscheiden sich beide Gattungen besonders dadurch, dass die Zellen von Eremosphaera sich durch einfache Zweitheilung vermehren. — Uebrigens ist ja auch die Kenntniss der Eremosphaera, die ich selbst wiederholt aus den Gewässern der Hochmoore der Vogesen beobachtet habe, noch durchaus unvollständig, ihre eigene systematische Stellung noch durchaus unsicher. Es mag überflüssig erscheinen, den Vergleich der Gattung Halo- sphaera mit anderen Gattungen grüner Algen noch weiter fortzusetzen. So lange der Entwicklungsgang von Halosphaera nicht ausführlicher bekannt ist, lassen sich hier doch nur willkürliche Vermuthungen auf- stellen. Es bleibt nichts anderes übrig, als durch Halosphaera die Zahl der Algengattungen von unsicherer und zweifelhafter Verwandtschaft um eine zu vermehren. Allein ich glaube, die eigenartigen Entwicklungs- vorgänge bei der Zoosporenbildung dieser Alge rechtfertigen gleichwohl die Aufstellung einer solchen nur unvollständig bekannten Gattung. Die oben geschilderte Entwicklung der Zoosporeu von Halosphaera viridis mag nun geeignet erscheinen, die einzelnen Vorgänge, die bei der Zoosporenbildung der grünen Algen stattfinden, weit deutlicher er- kennen zu lassen, als dies bei den meisten anderen Algen der Fall ist. Hier bei Halosphaera viridis erfolgen die einzelnen Schritte dieses Vor- ganges so langsam nacheinander und so deutlich unterschieden, dass es 1) DE Bary, Untersuchungen über die Familie der Con jiigaten. Leipzig. 1858. p. 55—56. Taf. VIII, Fig. 26, 27. Halosphaera, eine uene Gattung grüner Algen aus dem Mittelnieer. S5 hier ein Leichtes ist, die eiuzehieu Phasen der Zoosporenhildung klar auseinander zu halten, während es bei anderen grünen Algen oft un- möglich wird, von den einzelnen Processen sich genüg-end Rechenschaft zu geben. — Wodurch die Bildung der Zoosporen von Halosphaera viridis von allen analogen Vorgängen bei anderen grünen Algen sich wesentlich unterscheidet, das ist dieThatsache, dass hier die Zoosporen nicht direct durch Umwandlung der Tochterzellen der ursprünglichen Mutterzelle entstehen, sondern erst durch weitere Theilung aus diesen Tochterzellen gebildet werden. Ein einigermassen ähnlicher Vorgang findet sich, soweit bekannt, nur bei Acetabularia ') und Botrydium '^) . Bei diesen beiden Gattungen aber gehen die Tochterzellen der ursprünglichen Mutterzelle als Ruhe- sporen eine mehr oder minder lange Ruheperiode ein, um erst späterhin bei der Keimung zahlreiche Zoosporen aus ihrem Inhalte zu entwickeln. Bei Halosphaera dagegen erzeugen jene Tochterzellen sofort die Zoo- sporen und zwar hier durch wiederholte {!) Zweitheilung, bei jenen bei- den Gattungen dagegen durch simultane Theilung. — Die Entwicklung der Zellen, aus denen bei Halosphaera durch Zweitheilung die Zoosporen gebildet werden , erfolgt , wie wir gesehen haben, durch simultane Theilung der Mutterzelle in zahlreiche Tochter- zellen, durch Vielzellbildung, wie dies Steasburger in seinem Werke über Zellbildung und Zelltheilung bezeichnet. Die Einzelheiten dieses Vor- ganges lassen denselben nun als eine interessante,, bisher noch nicht be- obachtete Modification der Vielzellbildung erkennen. Strasbueger hel)t (1. c. p. 226, II. franz. Ausg. p. 253 — 254) ausdrücklich hervor, dass bei den bisher beobachteten Fällen der Vielzellbildung Constant der Zellkern schwindet und au seiner Statt entweder so viel neue Zellkerne, als Zellen entstehen, auftauchen oder diese Zellen ohne Zellkerne sich bilden. Der oben geschilderte Vorgang von Halosphaera bietet uns ein Beispiel da- für dar, dass der Zellkern der Mutterzelle nicht schwindet, vielmehr durch wiederholte Zweitheilung in ebenso viele Zellkerne sich theilt als neue Zellen entstehen sollen, und dass darnach erst die Zertheilung des Plasmas in zahlreiche Tochterzellen simultan erfolgt. 1) DE Bary u. Strasburger, Acetabularia mediterranea. Bot. Zeitung 1S77. p. 713fiF. 2) EosTAFiNSKi u. WORONIN, lieber Botrydium granulatum. Bot. Ztg. ISTT. No. 41 und 42. 86 Fr. Schmitz Diese Moditìcation der Vielzellbildung zeigt somit eine interessante Zwischenform zwischen der Bildung zahh-eicher Tochterzellen durch wiederholte Zweitheilung der Mutterzelle (mitTheilung des Kernes) und der Bildung derselben durch simultane Theilung der Mutterzelle (mit oder ohne gleichzeitiges Auftreten zahlreicher neuer Zellkerne). Sie mag deshalb auch sehr geeignet erscheinen, den letzteren Fall schema- tisirend auf den ersteren Fall der wiederholten einfachen Zweitheilung zurückzuführen ^) . In gleicher Weise verbindet der vorliegende Fall der Zoosporen- bildung auch die verschiedenen Formen der Bildung zahlreicher Zoo- sporen aus einer Mutterzelle, wie sie bei anderen grünen Algen beob- achtet werden. Bei Ulothrix z. B. erfolgt nach den übereinstimmenden Beobach- tungen zahlreicher Autoren und zumal den ausführlichen neuesten Mit- theilungen von DoDEL^) die Bildung zahlreicher Zoosporen in den Zellen der vegetativen Fäden stets durch wiederholte Zweitheilung des Zell- plasmas. Hier bei Halosphaera dagegen findet nur eine wiederholte Zweitheilung des Zellkernes statt, während nachträglich das gesammte Plasma simultan in zahlreiche Tochterzellen sich theilt. Andererseits zerfällt bei zahlreichen anderen grünen Algen, z. B. Hydrodictyon, Cladophora, Chaetomorpha, Bryopsis, Acetabularia, der plasmatische Wandbeleg der Mutterzelle durch simultane Theilung in zahlreiche Tochterzellen, die zu Zoosporen werden. Ganz der gleiche Vorgang der simultanen Theilung des Plasmas erfolgt auch hier bei Halosphaera, nur mit dem Unterschiede, dass hier der Theilung de& Plasmas eine wiederholte Zweitheilung des Zellkernes (der jenen ge- nannten Gattungen, so weit die bisherigen Angaben und meine eigenen Untersuchungen ein Urtheil erlauben, vollständig fehlt) vorhergeht, und dass dann um diese Zellkerne als Anziehungsmittelpunkte die simultane Theilung des Plasmas in zahlreiche Tochterzellen erfolgt. — Von den genannten Gattungen'^) aber stimmen Cladophora, Hydrodictyon ^j und 1) Vergi. Strasburger, I. c. p. 22G (p. 253): «Auch die Vorgänge der Viel- zellbildung — sind, sicher durch Verkürzung, aus einer Reihe ursprünglich auf- einander folgender Zweitheilungen hervorgegangen. Zahlreiche Mittelstufen sprechen noch dafür«. 2) A. DODEL, Ulothrix zonata. Pringsheim's Jahrb. für wissensch. Botanik. Bd. X. p. 433 ff. 3) Bei Chaetomorpha und Bryopsis war es mir bisher noch nicht möglich bei der geringen Grösse der Zoosporen und der raschen Aufeinanderfolge der einzelnen Ent- wicklungsstadien ein analoges Auftreten farbloser Stellen im Plasma zu beobachten. 4) A. Braun, Betrachtungen über die Erscheinung der Verjüngung in der Na- tur. 1S51. p. 280—281. Halosphaera, eiue neue Gattuug grüner Algen aus dem Mittclmeer. 87 Acetabularia \) auch dadurch näher mit Halosphaera Uberein, dass auch bei ihnen in dem plasmatischen Wandbeleg zuerst zahlreiche kleine farb- lose Stellen sichtbar werden, um welche Anziehungsmittelpunkte dann die Chlorophyllkörner zu dichten halbkugeligen Hüllen sich ansammeln, ganz wie dies bei Halosphaera um die Zellkerne stattfindet 2^ . In dem farblosen Plasma zwischen jenen einzelnen grünen Ballen treten dann weiterhin die Trennungsspalten auf, welche das gesammte Plasma in zahlreiche Tochterzellen zerlegen, ebenso wie bei Halosphaera in der farblosen Plasmamasse, welche die einzelnen grünen Plasmaanhäufungen verbindet, die Trennung erfolgt, die erst die Individualisirung der ein- zelnen Tochterzellen zur Folge hat : nur dass bei Halosphaera diese Zer- theilung des Plasmas viel langsamer erfolgt und in ihren Einzelheiten weit deutlicher und klarer zu erkennen ist. — Derjenige Vorgang endlich, der, wie mir scheint, durch die Ent- wicklung der Zoosporeu von Halosphaera am meisten Aufklärung ge- winnt, ist der Vorgang der Aussaat der Zoosporen. Es sei erlaubt, hier noch in Kürze mit dem Vorgange bei Halosphaera die analogen Gestal- tungsvorgänge einiger anderer grüner Algen zu vergleichen. Bei Halosphaera wird , wie oben des Näheren auseinandergesetzt worden ist, nach vollendeter Ausbildung der Tochterzellen der Turgor der ganzen Zelle, die Spannung zwischen hydrostatischem Druck von innen und Elasticität der Membran, die hier ebensowenig wie bei irgend einer anderen lebensthätigen Zelle fehlt, bedeutend gesteigert durch eine beträchtliche Zunahme der Wasser aufsaugenden Kraft, des Imbibitions- strebens, des Zellinhaltes. Gleichzeitig damit macht sich auch in der inneren Membranhälfte, die von der äusseren Membranschicht ganz ver- schieden differenzirt ist, ein bedeutendes Ausdehnungsstreben, eine be- deutende Wasser anziehende Kraft, geltend und verstärkt den Druck, den der Zellinhalt auf die Membran, resp. die äussere Schicht dieser Membran ausübt. Diesem Drucke von innen vermag die stark gedehnte 1) Vergi, die Entstehung der Sporen in den Strahlen des Schirmes bei WORO- NiN, Recherches sur las algues marines Acetabularia et Espera. Annales des Scien- ces naturelles. 4. sèrie. Tome 16. p. 6 de? Separat-Abdrucks ; — die Entstehung der zahlreichen Zoosporen aus dem Inhalt der Euhesporen bei de Bary und Stras- burger, Acetabularia mediterranea. Botanische Zeitung. 1S77. p. 723, 739 — 740. 2, Ich möchte deshalb diese localen Ansammlungen farblosen Plasmas, auch ohne dass dieselben gegen das übrige Plasma als selbständige Plasmakörper scharf abgegrenzt sind, entschieden mit den deutlich individualisirten Zellkernen von Halosphaera und anderen Algen in Parallele stellen, wie auch schon A. Braun (1. c p. 2S5) gethan hat. 88 Fr. Schmitz äussere MemÌ3mnscMclit endlich nicht mehr zu folgen und zerreisst. Sie zieht sich zugleich stark zusammen, während die innere Membran- schicht, nunmehr durch nichts mehr gehemmt, ihrem Ausdehnungsstrebeu Folge leisten kann. Beide Membranschichten lösen sich dabei infolge der beträchtlichen Grössenänderung in ganz entgegengesetztem Sinne vollständig von einander ab^). Die innere Membranschicht bleibt als Membran des ebenfalls stark ausgedehnten Zellinhaltes eine Zeitlang er- halten. Dann aber quillt sie allmälig im Wasser zu dünnflüssigem Schleime auf und entlässt die nunmehr vollständig ausgebildeten Zoo- sporen ins umgebende Wasser. Ganz analog ist der Vorgang der Sporenentleerung bei Chaetophora endiviaefolia 2 , , den ich v^iederholt zu beobachten Gelegenheit hatte. Jede Mutterzelle entwickelte in den beobachteten Fällen der Bildung von Makrozoosporen eine oder meist zwei Zoosporen. Im letzteren Falle theilte sich das Plasma der Mutterzelle horizontal, bald mit, bald ohne Ausscheidung einer sehr dünneu trennenden Scheidewand, die im Wasser stark aufquoll. Bei vollständiger Ausbildung der Sporenzellen nahm auch hier der Turgor der Mutterzelle beträchtlich zu durch ein zunehmendes Imbibitionsstreben des Zellinhaltes (der Zoosporen und der leicht quellbaren Scheidewand), wozu auch hier ein bedeutendes Ausdehnungsstreben der innersten Membranschicht hinzutrat. Längere Zeit hindurch widerstand die äussere Hälfte der Membran passiv ge- dehnt, diesem von innen her wirkenden Drucke, bis sie endlich durch einen ringsumlaufenden Querriss sich spaltete und gleichzeitig von der inneren Membranschicht sich ablöste, um bald im umgebenden Wasser zu verschwinden 3) . (Nur die mittleren Schichten der Querwände zwischen den einzelnen Zellen einer jeden Zellreihe blieben als kreis- runde Scheiben noch lange erhalten.) Gleichzeitig dehnte sich die 1) Dieses Aufspringen der Zelle von Halosphaera viridis zeigt sehr viel Ana- logie mit den Erscheinungen, die bei der Keimung der Sporen zahlreicher Thallo- phyten stattfinden. Es sei hier nur kurz an die Thatsachen bei der Keimung der Sporen von Protomyces macrosporus erinnert (vergi, de Bary, Beiträge zur Mor- phologie der Pilze. I). 2) Andere nahe verwandte Algen entleeren ihre Zoosporen aus den Sporangial- zellen den vorliegenden Angaben zufolge in anderer Weise, als ich dies bei Chae- tophora endiviaefolia beobachtet habe. Vergi, z. B. die Angaben von Cienkowski über Stigeocloniiim in der Bot. Zeitung 1876. 3) Nach den Angaben von Wal^ (Ueber die Entleerung der Zoosporangien. Botanische Zeitung 1870. p. 705) quillt bei der Zoosporenentleerung von Chaeto- phora sp. die ganze Masse der Wand durch Wasseraufnahme auf und dehnt sicli zu einer weiten Blase aus. Nach meinen Beobachtungen muss ich jedoch entschie- den ein verschiedenes Verhalten der beiden Membranhälften wenigstens für Ch. endiviaefolia behaupten. Halosphaei-a, eine ueiie Gattung grüner Algen aus dem Mittelmeer. S9 innere Membranschicht beträchtlich aus unter reichlicher Aufnahme von Wasser, und ebenso ward durch den Zellinhalt reichlich Wasser aufge- nommen, so reichlich, dass die durch Wasseraufnahme gedehnten Zoo- sporen nicht mehr die ganze innere Höhlung ausfüllten, sondern mit Hülfe ihrer Cilien in dem Wasser dieses Hohlraumes sich umherzube- wegen vermochten. Nach einiger Zeit quoll dann die stark gedehnte Membran schleimig auf und verschwand, den Zoosporen den Austritt in das umgebende Wasser ermöglichend. Etwas abweichend ist die Mechanik des ganzen Vorganges der Zoosporenentleeruug in solchen Fällen, in denen die äussere Schicht der Mutterzellmembran nicht vollständig zersprengt wird, sondern nur eine kleine Oeffnung in derselben auftritt. Als Beispiel für diesen Modus sei hier Ulothrix genannt, deren Sporenbildung durch die Ar- beiten von Gramer 1) und Dodel^) am genauesten bekannt geworden ist. Bei Ulothrix nimmt ebenso wie in den zuvor genannten Fällen nach vollständiger Ausbildung der Zoosporen der Druck, dem die äussere Membranhälfte von innen her ausgesetzt ist, beträchtlich zu. Dieser Druck kommt auch hier zu Stande durch das gleichzeitige Zusammen- wirken eines stets zunehmenden Imbibitionsstrebens des Zellinhaltes (Zoosporen und Zwischensubstanz ^j derselben; und eines beträchtlichen Ausdehnungsstrebens der innersten Membranschicht. Dann beginnen die beiden äusseren passiv gedehnten Membranschichten an einer be- stimmten Stelle locai aufzuquellen. Sobald diese Aufquelluug weit ge- nug vorgeschritten ist, wölbt sich an dieser Stelle, an der nunmehr der Gegendruck der gedehnten äusseren Membranhälfte verschwindet, die innerste Membranschicht nach aussen hervor. Innerste Membranschicht und Zellinhalt dehnen sich nun unter Wasseraufnahme beträchtlich aus. Ein Theil des Zellinhalts tritt dabei in Folge des gegenseitigen Druckes in den vorgestülpten Theil der inneren Membranschicht hinaus. Diese selbst aber dehnt sich unter Wasseraufnahme in ihrer ganzen Fläche beträchtlich aus und löst sich infolge dessen gleichzeitig von der sich zusammenziehenden äusseren Membranhälfte ab. Der hervorgetretene Theil des Zellinhalts aber dehnt sich durch Wasseraufnahme, die hier 1) Gramer, Ueber Entstehung und Paarung der Schwärmsporen von Ulothrix. Vierteljahrsschrift der naturf. Gesellschaft zu Zürich. Bd. XV. 2) DoDEL, Ulothrix zonata. Pringsheims Jahrb. f. wissensch. Botanik. Bd.X. 3) Mit diesem Ausdruck fasse ich hier, wie auch schon früherhin, der Kürze wegen alles zusammen, was ausser den nackten Zoosporen noch innerhalb der Mutterzelle zur Zeit vorhanden ist : Die mehr oder weniger entwickelte «quellbare Demarkationssubstanz« Dodel's ^vergl. 1. c. p. 466;, die centrale Vacuole und etwa noch vorhandene Wasser anziehende Substanzen in der Zellflüssiekeit. 90 i>. Schmitz natürlich viel leichter und schneller erfolgen kann als an dem noch im Innern der Mutterzelle eingeschlossenen Theile, stärker aus als der Ausdehnung der wassergesättigten inneren Membran entspricht, und dehnt dadurch diesen ausgestülpten Theil derselben passiv. Infolge der Elasticität dieser Membran übt nunmehr dieser passiv gedehnte Theil derselben einen Zug aus auf den noch eingeschlossenen Theil und zieht diesen allmälig nach aussen hervor, so dass zuletzt der gesammte aufgequollene Zellinhalt, von der inneren Membran als hyaliner Blase umgeben, vor die Oeffnung der Mutterzelle zu liegen kommt. Hier quillt dann bald diese Membran gallertig auf zu dünnflüssigem Schleim und gestattet somit den Zoosporen, sich frei im Wasser zu vertheilen ') . 1 ) Ich habe in der obigen Darstellung der Zoosporenentleerung von Ulothrix ein Moment ganz bei Seite gelassen, das von Gramer und Dodel (cf. Dodel, 1. c. p. 473) als eine wesentliche mitwirkende Kraft hervorgehoben wird, nämlich den Druck der angrenzenden Zellen desselben Zellfadens. Allerdings wirkt dieser Druck wesentlich mit bei der Entleerung einer Zoosporenmutterzelle. Allein dieser Druck ist doch nur wirksam bei Zellen , deren Nachbarzellen noch nicht entleert sind, während er dagegen bei isolirten Zellen als mitwirkende Ursache ganz wegfällt. Ich habe denselben deshalb als eine nur in einzelnen Fällen secundär mitwirkende Ursache in der obigen Darstellung ganz bei Seite gelassen. Ferner habe ich in der obigen Darstellung der Elasticität der inneren Membran eine wesentliche Rolle bei der Entleerung der Zelle zugeschrieben, ebenso wie es auch Gramer früherhin (nach dem Gitat bei Dodel, p. 473 — 474) gethan hat. Dodel hat sich in seiner ausführlichen Arbeit über Ulothrix gegen diese Mitwir- kung der Elasticität der inneren Membran ausgesprochen. Er sagt ausdrücklich (1. c. p. 474): »Meine Beobachtungen drängen mir entgegen der CRAMERSchen An- nahme den Schluss auf, dass die Umhüllungsblase sowohl, als auch die «centrarle Blase« und die Demarkationssubstanz vor und während der Geburt ebenso wie die Zoosporen viel Wasser aufnehmen und bei diesem Quellungsprocess die letzten Functionen des Gebärapparates übernehmen, um gleich darauf zu zerfliessen«. Da- gegen muss ich betonen, dass diese von Dodel hervorgehobenen Momente keines- wegs ausreichen, um ein vollständiges Hervortreten des gesammten Zellinhal- tes mitsammt der membranartigen Umhüllungsblase zu bewerkstelligen. Diese Momente reichen nur hin, um den Zellinhalt zum Theil aus der Mutterzelle hervor- zudrängen, keineswegs aber um »die letzten Functionen des Gebärapparates « zu »übernehmen«. Das zeigen ja auch schon zur Genüge die Beispiele von Zerreissung der inneren Membran vor der vollständigen Entleerung der Mutterzelle, Beispiele, die Dodel selbst mittheilt (1. c. p. 4.57, 461. Taf. XXXIV, Fig. 23 cu. ri). Zu einer vollständigen Entleerung der Mutterzelle bedarf es vielmehr, wie schon Gramer richtig erkannt hatte, durchaus der Mitwirkung der Elasticität der inneren Mem- bran, die während der Entleerung der Mutterzelle ihre Natur als elastische Mem- bran noch unverändert erhalten hat, erst später nach dem Hervortreten, wenn auch alsdann sehr schnell, im Wasser zu Schleim verquillt. Ueberhaupt scheint mir Dodel die beiden Vorgänge der Aiisdehnung der inne- ren Membran unter Wasseraufnahme und der Verschleimung derselben in seiner Darstellung viel zu wenig auseinandergehalten zu haben. Aus verschiedenen Stellen I Halospbaera, eine neue Gattung grüner Algen aus dem Mittelmeer. 91 An diesen Modus der Zoosporenentleerung, der noch bei zahl- reichen anderen grünen Algen stattfindet, reiht sich dann, durch ein- zelne Uebergangsformeu verbunden, derjenige Modus an, bei welchem die innerste Membranschicht keine besondere selbständige Rolle spielt, der Modus der Zoosporeuentleerung, der bei Cladophora, Chaetomorpha, Bryopsis und zahlreichen anderen Algen der gesetzmässige ist. Hier wird die Zunahme des Turgors der Zelle zur Zeit der fertigen Ausbil- dung der Zoosporen ausschliesslich durch das wachsende Imbibitions- streben des Zellinhaltes (auch hier Zoosporen und Zwischensubstanz) ') bewirkt ohne Betheiligung der innersten Membranschicht. Gleichzeitig beginnt hier die Membran an einer oder mehreren Stellen locai aufzu- quellen. Und zwar ist es bei den genannten Gattungen, so weit ich beobachtet habe, überall eine mittlere Membranschicht, welche zuerst aufquillt und dadurch die äusserste Membranschicht papillenartig nach aussen vorwölbt. Dann quillt auch die äusserste Membranschicht an dieser Stelle gallertig auf, und endlich beginnt auch die innerste Schicht sich hier etwas zu lockern. Diese aufgelockerte Stelle wird aber dann sehr bald von innen her durch den Druck des Zellinhaltes, der reichlich Wasser aufsaugt, durchbrochen, noch bevor sie sich voll- ständig zu dünnflüssigem Schleim aufgelöst hat, und nun eilen die Zoosporen, die schon vorher im Innern der Mutterzelle sich umherbe- seiner Abhandlung muss man entnehmen, dass er die Ausdehnung der inneren Membran nur als eine Folge ihrer Verschleimung betrachtet. Mir scheinen jedoch die thatsächlichen Vorgänge bei Ulothrix (und weit deutlicher noch bei Halosphaera) entschieden dafür zu sprechen, dass beide Processe begrifflich scharf auseinander gehalten werden müssen, wenn sie auch oft sehr rasch aufeinanderfolgen. — Vergi, die Angaben von A. Braun über die analogen Vorgänge bei H^^drodictyon, Pe- diastriim u. a. (Verjüngung p. 172, 2S2ff., 353 u. s. w.) 1) Schon Thuret bemerkt in seiuen Kecherches sur les zoospores des algues Annales des scicuces naturelles; botanique. 3série; tome H. 1S51. p.36desSep.- Abdr.), dass in den obengenannten Fällen neben den Zoosporen zweifellos noch eine farblose flüssige Gallertmasse (un liquide mucilagineux incolore) vorhanden sei, welche energisch Wasser aufsaugt und bei der Oeifnung der Sporangien we- sentlich mitwirkt. 2) Walz (lieber die Entleerung der Zoosporaugien. 1. c. p. 704 flf.) schildert die Entleerung der Zoosporen von Cladophora in etwas abweichender Weise. Nach seinen Angaben quillt eine innere Membranschicht innerhalb des noch geschlos- senen Sporangiums gallertig auf zu mehr oder minder dünnflüssigem Schleim und erzeugt so jene Wasser aufsaugende Substanz im Innern der Zelle, deren Imbi- bitionsstreben wesentlich den Druck des Inhalts auf die Sporangiummembran be- mrkt. Ich habe von einem solchen Aufquellen der innersten Membranschicht nie- mals etwas bemerkt und möchte deshalb auch bei Cladophora, wie in den anderen oben genannten Fällen, jene Wasser aufsaugende Zwischensubstanz als ein Product des Zellinhaltes, nicht der Membran ansehen. 92 Fr. Schmitz, Halosphaera, eine neue Gattung grüner Algen etc. wegten, durch die entstandene Oeffnung in das umgebende Wasser da- von. Dass auch hier vor der Durchbrechung jener Oeifnung in der Zelle ein bedeutender Druck des sich ausdehnenden Inhaltes auf die Mem- bran vorhanden war, lässt sich deutlich erkennen, wenn man sieht, wie zunächst nach der Durchbrechung jener Oeffnung die Zoosporen in dichter Masse, deutlich passiv getrieben, aus der entstandenen Oeffnung nach aussen hervorstürzen, während sie späterhin weit langsamer schwimmend und mehr vereinzelt die Oeffnung passiren. Mit den genannten Fällen sind natürlich noch keineswegs alle vor- handenen Typen der Zoosporenentleerung erschöpft. Allein es würde hier viel zu weit führen, noch weiter auf die einzelnen thatsächlicheu Vorgänge bei anderen Algen einzugehen. Die gegebenen Beispiele sollten nur dazu dienen, den Vorgang der Zoosporenbildung von Halo- sphaera mit analogen Vorgängen bei anderen Algen in Vergleich zu setzen und diesen in seinen Einzelheiten leicht übersichtlichen Vorgang zu benutzen, um andere Fälle, bei denen die rasche Aufeinanderfolge der einzelnen Processe eine klare Einsicht in die Einzelheiten erschwert, leichter verständlich zu machen. Neapel, den 31. Mai 1878. Erklärung der Abbildungen. Tafel III. (Figur 1 — 3 lOüfach vergrössert, Figur 4 — 11 300fach. Figur 12 — 15 ca. 150fach.) Fig. 1 . Einzelne Zelle von Halosphaera viridis, deren Zellkern durch wieder- holte Zvveitheilung eine grössere Anzahl von Zellkernen gebildet hat. Fig. 2. Desgl. Der plasmatische Wandbeleg der Zelle hat sich rings um die sehr zahlreichen Z llkernc zu flach halbkugeligen Massen angesammelt. Fig. 3. Desgl. Nach vollständiger Ausbildung der Tochterzellen ist die äussere Membranschicht aufgesprungen, die innere hat sich merklich ausgedehnt. Innerhalb derselben haben sich die Tochterzellen von der Membran abgelöst. Fig. 4. Bildung der Tochterzellen. Der dünne plasmatische Wandbeleg zwi- schen den einzelnen flach halbkugeligen Plasmaansammlungen beginnt sich zu trennen, zahlreiche Lücken haben sich bereits in demselben gebildet. Fig. 5. Abnorme Biklung zweier Tochterzellen, deren Zellkerne zu nahe an- einander gerückt waren. Fig. 6. Tochterzelle unmittelbar nach der Theilung der Mutterzelle, der Mem- bran derselben noch dicht anliegend. Fig. 7 — 9. Theilung der Tochterzellen zur Bildung der Zoosporen. Fig. 10 — 11. Zoosporen; Fig. 10 im optischen Längsschnitt. Fig. 12. Theilung einer Tochterzelle in vier Zoosporen. Fig. 13 — 15. Abnorme Bildungen. Aus einer Tochterzelle wurden durch un- vollständige Theilung zwei (Fig. 15), fünf (Fig. 13; und zwölf (Fig. 14; Zoosporen. gebiMet, die sich nicht vollständig von einander getrennt haben. Die Segmentalorgane der Capitelliclen. Auszug aus einer Monographie der Capitelliden. Vou Dr. Hugo Eisig. Mit Tafel IV. Vor einigen Jahren hatte ich den Plan gefasst die Seginentalorgane der Anneliden einer vergleichend-anatomischen Bearbeitung zu unter- werfen und zu diesem Behufe Vertreter aus den meisten Familien dieser Thierclasse cursorisch auf jenes Organsystem untersucht. Im Laufe einer solchen, zur eigenen Orientirung vorgenommenen, Uebersicht kam ich indessen bald zur Ueberzeugung, dass der Ausführung der von mir ins Auge gefassten Arbeit, die genaue Durchforschung der Segmeutal- organe einer Gruppe vorausgehen müsse und da mir die betreffenden Organe einiger Capitellidenformen für eine derartige grundlegende Vorarbeit am günstigsten erschienen waren, so wählte ich diese Fa- milie. Aber auch in diesem engeren Rahmen sollte mein Plan nicht zur Ausführung kommen : die Beschränkung auf die Segmentalorgane er- wies sich im Laufe der Untersuchung — im Interesse eines tieferen Verständnisses des Baues und der Function eben dieser Organe — als unzulässig; es mussten mehrere andere Organsysteme mit zur Bear- beitung herangezogen werden. Inzwischen hatte auch die vom Leiter der Zoologischen Station längst geplante Herausgabe einer Fauna und Flora des Golfs von Neapel feste Formen gewonnen : die Beiträge zu dieser Fauna sollten uicht beliebig zugeschnittene Mittheilungen, sondern vielmehr abge- schlossene Bearbeitungen einer bestimmten Gruppe, nach Art der Mono- graphien darstellen. Es w^ar für mich in Folge dessen naheliegend, noch einen Schritt weiter zu gehen, und auch die übrigen, mit der Erforschung der Seg- 94 Hugo Eisig mentalorgane in keiner so nahen Beziehung stehenden Organsysteme in den Bereich der Untersuchung zu ziehen und so meine Arbeit für die Aufnahme in die herauszugebende Fauna geeignet zu machen. Trotz einer solchen Verrückung des ursprünglichen Zieles, haben aber die Segmentalorgane fortdauernd den hervorragendsten Theil meines Interesses für sich in Anspruch genommen und sie haben auch die ursprüngliche Absicht: von dieser Monographie Nichts fragmen- tarisch zu publiciren ins Wanken gebracht, indem ich für diese Organe Thatsachen feststellen konnte, welche für die Entscheidung augen- blicklich in der Debatte befindlicher Streitfragen nicht ohne Bedeu- tung sind. Durch die bekannten Arbeiten Semper's und Balfour's wurde eine Homologie zwischen den Segmentalorganen der Anneliden und dem Nierensysteme der Vertebraten statuirt. Diese Homologie hat Anhänger und Gegner gefunden ; Verfasser dieser Zeilen gehört zu den ersteren, indem sich seine Ueberzeugung nicht blos auf das Gewicht dieses einen, sondern auf das Gewicht der Gesammtheit aller zwischen diesen beiden Typen erkennbaren Verwandtschaftsverhältnisse stützt. Aus der Reihe der Gegner einer solchen Homologie, speciell der Segmentalorgane mit dem Nierensysteme, haben wir nun vor Kurzem eine eingehende Begründung der negativen Instanzen aufgestellt er- halten : FüRBRiNGER ') glaubt am Schlüsse einer ausführlichen , auf eigene Beobachtungen gestützten Untersuchung gezeigt zu haben, dass es sich bezüglich des SEMPER-BALFOUR'schen Vergleichs zunächst um nichts weiter als um eine Hypothese handle, die als Beweis für die Ho- mologie der Segmentalorgane der Anneliden und der Urniere der Verte-- braten aufgeführt werde. Von einem Beweise und danach von einer wirklichen Theorie, könne erst die Rede sein, wenn 1. eine Erklärung des dysmetameren Verhaltens der Urodelenurniere gegeben werde, wenn 2) die principielle Differenz zwischen ausführenden Abschnitten der Segmentalorgane und zwischen Urnierengang in genügender Weise aufgelöst werde und wenn 3) der Nachweis geliefert werde, dass die drüsigen Abschnitte sowohl der Segmentalorgane als der Urniere bei erwachsenen Anneliden und Vertel)raten für sich, d. h. ohne Verbin- dung mit ausführenden Abschnitten, als functionirende Organe vorkom- men können. 1) Max FÜRBRINGER, Zur vergleichenden Anatomie und Entwicklungsgesch. der Excretionsorgane der Vertebraten. Leipzig 1878. p. 104. (Morphologisches Jahrbuch. Bd. IV.l Die Segmentalorgane der Capitolliden. 95 Ich glaube nun den Punkt 1 befriedigend und Punkt 3 theilweise aufklären zu können und diesen Zweck hat eben meine heutige Mitthei- lung. Ich werde daher auch nur so viel aus meinem, dem Abschlüsse nahen Manuscripte über die Segmentalorgane mittheilen, als sich spe- eiell auf diese Fragen bezieht. — I. Die Segmental Organe des Notomastus liueatus Cl. In ihrer typischen Ausbildung haben die Segmentalorgane des Notomastus die Form von in zwei Schenkeln auslaufenden Keulen oder von Schleifen, deren beide Schenkel an der Umbiegstelle mit einander verwachsen sind (Fig. 2, 3, 4). Der längere und breitere (centripetale) Schenkel führt zar inneren Mündung, der kürzere und schmälere cen- trifugale) führt zur äusseren Mündung. Ein mit Cilien ausgekleideter Canal, dessen Stromesrichtung von innen nach aussen führt, verbindet diese beiden Mündungen. Während bei den meisten Anneliden die innere Mündung des Seg- mentalorgaus in der Form eines frei in der Leibeshöhle flottirenden Füllhorns oder Trichters auftritt, ist die entsprechende Mündung beim Kotomastus stets aufs engste mit der die Leibeshöhle auskleidenden Peritonealmembran verwachsen. Am häutigsten verdickt sich diese Membran einfach zu einem ovalen, die löifelförmige 0,002 — 0,004 mm breite Mündung begrenzenden, über und über mit Cilien besetzten Wulste [Fig. T[ , der sich allmälig zu einem Canal schliesst und so in den centripetalen Schenkel des von da ab bis zur äusseren Mündung ganz frei in der Leibeshöhle aufgehängten Segmentalorgans übergeht. Die äusseren Mündungen ') sind, im Gegensatze zu den nur schwer 1 ' Claparède fBeobacht. Anat. Entw. etc. Normandie p. 27) hatte ursprünii- lich, im Anschluss an Keferstein (Zcitschr. für wissenschaftl. Zoologie. Bd. XII, p. 125), bei der Capitella rubicunda (= Notomastus rubicundus) zwisclien Rücken und Bauchborsten gelegene Organe , als von zwei hervorragenden Lippen einge- fasste Querspalten, zwischen denen nicht flimmernde Wimpern hervorstarren, auf- gefasst und diese Querspalten sollten die äusseren Mündungen der Segmentalor- gane darstellen. Später, nachdem Claparède am Notomastus Sarsii (Glanures Zoot. parmi les Anuélides de Port-Vendres etc. p. 53) die wahren äusseren Mün- dungen der Segmentalorgane aufgefunden hatte, betrachtete er dieselben Organe als Oeffnungen, die möglicherweise zur Ausfuhr der Genitalproducte dienen, mög- licherweise aber auch Kiemenrudimente darstellen könnten. — Diese Organe besitzen aber, wie ich mich durch eingehende Untersuchung über- zeugt habe, keine Oeffnungen; sie sind vielmehr solide Hügel. Der Eindruck einer Querspalte entsteht nur durch Einstülpung des distalen, mit steifen Haaren besetz- ten Pols. Ich betrachte diese Haare als Sinneshaare und die Org-ane als Sinnesor- 96 Hugo Eisig- nachweisbaren inneren, leicht wahrzunehmen, indem sie auf kegel- förmigen 0,1 — 0,12 mm hohen, schornsteinartig- aufgerichteten Fort- sätzen angebracht sind. Diese Fortsätze (Fig. 5) bestehen aus zwei Bildungen : erstens aus einer äusseren Haut, welche continuirlich in die Cuticula- und Hypodermschicht des übrigen Körpers übergeht, und zweitens aus einem inneren, wimpernden Canale, der einerseits und zwar an der Mündung mit der genannten Haut verschmilzt, andrerseits aber sich continuirlich in den, innerhalb der Leibeshöhle gelegenen, centrifugalen Schenkel des Segmentalorgans fortsetzt. Die Segmentalorgane des Notomastus participiren nicht — wie diejenigen der meisten übrigen Anneliden — je an zwei successiven Körpersegmenten; es ist vielmehr jedes dieser Organe mit allen seinen Theilen ganz auf das betreffende Segment beschränkt, in welchem es seine Lage hat. Innerhalb des Segments liegt das Segmentalorgan in der die ven- trale und dorsale Längsmuskulatur scheidenden Furche und wie die meisten übrigen Organe, so werden auch die Segmentalorgane durch die — insbesondere in den vorderen Abdominalsegmenten — ausseror- dentlich stark entwickelten ventralen Längsmuskelstränge nach dem Kücken zu gedrängt. Im Ruhezustande verläuft die Längsachse des Segmentalorgans der Längsachse des Thieres, oder der, die dorsale und ventrale Längs- muskulatur von einander scheidenden, Linie nahezu parallel und so orientirt, liegt dann die äussere Mündung nach vorn, die Schleife nach hinten, und die innere Mündung etwa in der Segmentmitte. Eine ab- weichende Lage von dem, mit der Längsachse des Thieres parallel ge- gane und zwar als den Seitenorganen der Vertebraten homologe Sinnesorgane. Ich habe diese Seitenorgane nicht nur am Abdomen, wo sie frei stehende Sinneshügel darstellen, sondern auch am Thorax aufgefunden, wo sie in eigenthümlich zu Stande kommende (den Seitenorgancanälen der Vertebraten vergleichbare) Höhlen zurück- gezogen werden können. Die von Claparède vom Thorax der Cajjitella major beschriebenen »Thoraxporen« (Annel. Chétop. Naples. I. p. 277) sind nichts ande- res, als die in diese Seiteuorgauhöhlen führenden, von Hautlippen begrenzten Spalten. Ausser diesen, streng segmental auftretenden Seitenorganen finden sich — ganz dem Verhalten der Fische entsprechend — noch kleinere , diffus angeordnete Sinneshügel am Vorderkörper und im Rüssel, welche natürlich den sogen, becher- förmigen Organen entsprechen. Ich hoife im nächsten Hefte dieser Mittheilungen einen mit Abbildungen ver- sehenen Auszug meiner dieses Organsystem betreffenden Abhandlung geben zu können ; die heutige Notiz wurde durch die zur Demonstration der äusseren Mün- dungen der Segmeutalorgane publicirte Fig. 1 hervorgerufen, indem auf dieser Ab- bildung die abdominalen Seiteuorgane [SAj figurireu. I Die Segmentalorgane der Capitelliden. 97 richteten, Haupttlieil des Segmentalorgans zeigen] dessen zu den resp. Mündungen führenden Endabschnitte, indem der centripetale Schenkel in der Nähe des Septum in einem verschieden grossen Winkel umbiegt und eine Strecke weit in solcher Richtung der Bauch muskulatur entlang läuft um schliesslich in die Trichteröffnung überzugehen, der centri- fugale Schenkel aber, nachdem er die Schleife gebildet hat, in der Mitte des Organs ebenfalls gegen die Medianlinie hin abbiegt , um die Ausfuhröifnung zu erreichen (Fig. 2) . Bei erwachsenen Thieren ist das Vorkommen der Segmentalorgane ausnahmslos auf den hinteren, hakentragenden Körperabschnitt: das Abdomen beschränkt; bei jungen dagegen (3 — 4 mm Thoraxlänge) finden sich in den meisten Fällen auch im vorderen, pfriemenborsten- tragenden Körperabschnitt: dem Thorax, unverkennbare Rudimente von solchen. Die Rudimente dieser Larvensegmentalorgane — wie man sie \.> wohl nennen kann — sind um so weniger degenerirt, und finden sich in einer um so grösseren Zahl von Segmenten, je jünger das betreffende Thier ist. Aus nachstehender Liste ist ersichtlich, dass ein Notomastus lineatus von 2,5 mm Thoraxlänge Segmentalorganrudimente im 7., 8., 9. und 11. Thoraxsegment erkennen Hess, ein anderer dagegen von ^ 3, 5 nur noch im 9., 10. und 11 und dass solche über 3,5 mm endlich der Rudimente 1) ganz entbehrten. Aus dieser Liste ergeben sich auch die Grössenverhältnisse der in einem gegebenen Thiere der Reihe nach aufeinanderfolgenden Segmentalorgane. Es kamen mir keine jüngeren Thiere als die eben aufgeführten zu Gesicht, und so vermag ich auch nicht anzugeben, ob sich etwa bei Larven das Vorkommen von Segmentalorganen noch weiter nach vorn, als bis zum 7. Thoraxsegment erstreckt oder nicht und ob, resp. bis zu welchem Lebensalter ferner sich diese Larvensegmentalorgane in einem functionsfähigen Zustande befinden. Zu Gunsten eines solchen vorübergehenden Zustandes, spricht indessen die Thatsache, dass ich mich bei Capitella capitata — deren Larven resp. juvenes ebenfalls in solchen Segmenten des Vorderleibes Segmentalorgane besitzen, welche in erwachsenen Thieren derselben stets entbehren — von dem Functio- niren der Larvensegmentalorgane überzeugen konnte. Im Abdomen der jugendlichen Thiere pflegen die Segmentalorgane ganz regelmässig vom ersten bis zum letzten aller vorhandenen ausge- bildeten Segmente in je einem Paare aufzutreten; in denjenigen der Er- 1 , Sowohl hinsichtlich der Structurverhältnisse dieser degenerirten, als aneli der ausgebildeten Segmentalorgane, muss ich auf die ausführliche Darstellung in der später erscheinenden Monographie verweisen. Mittheilungen a. d. Zoolog. Station zu Neappl. V>à. I. 7 98 Hugo Eisig £ ,a gÌ2^ 'S _ s ;; Ih 0/ 02 OJ l'^|2 Segmentalo rgaue Grösse der Seg- O' oj o; "= s g SI des mentalorgane in Bemerkungen. Abdomen Millimetern 1 2,5 8 ini 7., 8., 0,05 9. u. 11. im 1.— 3. Segm. 0,2 — 0,2S « Segm. - 3.— 8. - 0,28—0,35 2 3,5 9 im 9.- 0.05 11. Seg- - 1.— 5. - 0,21—0,28 mente - b.— 9. - 0,28—0,35 3 4 40 - 1. - 2.— 5. - 5.— 10. - 10.— 40. - 0,12 0,24—0,3 0,3 —0,4 0,4 —0,42 4 7 5 - 1.- 7. - 0,28-0,42 5 10 20 1 1 - 1.— 4. _ 0,14 Im 4. Segment fehlen die - 5. — 15. _ 0,14—0,28 Segmentalorgane; in meh- reren iwisehen dem 15. und - 15.— 25. - 0,28 — 0,7 25. gelegenen Segmenten - 25. 40. 0,7 dagegen sind bald links, bald rechts je zwei Seg- mentalorgane vorhanden. 6 10 60 - 1. _ 0,23 Im 6. Segment rechts zwei - 2.— 5. _ 0,32—0,42 Segmentalorgane. - 5.-10. - 0,42—0,56 - 10.— 20. - 0,56—0,74 - 20.— 60. - 0,74—0,84 wachsenen dagegen kömmt es nicht selten vor, dass: erstens sich die Segmentalorgane der vordersten Segmente in einem degenerirten Zu- stande befinden, oder ganz fehlen, und zweitens in verschieden weit nach hinten gelegenen Segmenten bald das Segmentalorgan der einen, bald dasjenige der anderen Seite, oder aber beide zusammen fehlen. Eine andere Abweichung vom typischen Verhalten wird umge- kehrt dadurch bedingt, dass sich in einzelnen Segmenten entweder nur auf der einen Seite oder aber auf beiden Seiten mehr als ein Seg- meutalorg an vorfindet (Fig. 3). Weitaus in den meisten Fällen beschränkt sich diese Vermehrung auf die Zahl zwei, in einzelnen Fällen aber habe ich — insbesondere in den hintersten Abschnitten des Abdomen — je vier bis fünf Organe auf jeder Seite des Segments ge- zählt (Fig. 1). Jedes dieser Segmentalorgane hatte seine besondere innere und äussere Mündung und erwies sich überhaupt vollkommen ausgebildet. 1) Man erhält in den meisten Fällen Thiere mit verstümmeltem Abdomen, die obige Ziffer bedeutet daher auch nur die Segmentzahl solcher Bruchstücke. Die Segmentalorgane der Capitelliden. 99 11. Die Segmentalorgane der Capitella capitata Fabr. Während Notomastus nahezu in sämmtlichen Abdominalsegmenteu Segmeutah^rgane besitzt, bleiben diese Orgaue bei Capitella cap. auf den vorderen Abschnitt des Abdomen beschränkt. Untersuchen wir ein ausgewachsenes Thier, so finden sich die ersten Segmentalorgane im 10., die letzten ungefähr im 20. bis 23. Körpersegment. Jedes dieser Segmente enthält aber nicht je ein Paar, sondern je mehrere Paare von Segmentalor- ganen; 2 bis 3 Paare finden sich gewöhnlich in den vorderen, 4 bis 5 Paare in den mittleren und 5 bis 6 Paare in den hintersten Segmenten. Was bei Notomastus eine Ausnahme bildete, ist demnach bei Capitella zur Regel geworden. Die Form der einzelnen Segmentalorgane der Capitella (Fig. 6) ist ebenfalls einer Keule vergleichbar, welche entweder in einen, oder aber in zwei und mehr Schenkel sich spaltet. Wir sahen die Segmentalorgane des Notomastus im Bereiche ihrer inneren Mündungen innig mit dem parie- talen Peritoneum verschmolzen, im Uebrigen aber vollständig frei in der Leibeshöhle aufgehängt; umgekehrt sind die Segmentalorgane der Capi- tella ihrer ganzen Länge nach fest mit dem Peritoneum verwachsen und nur ihre inneren Mündungen erscheinen flottirend. So innig ist der Zusammen- hang zwischen der die Leibeshöhle auskleidenden Peritonealmembran und den Segmentalorganen, dass in optischen oder wirklichen Durchschnitten diese Organe nur als Verdickungen jener Membran erscheinen (Fig. 8, 9; . An den meisten Segmentalorganen je eines Zoniten findet sich auch je eine innere Mündung, aber einzelne derselben pflegen deren mehrere zu besitzen; gewöhnlich zeichnen sich in jedem Segmente ein bis zwei Organe durch den Besitz von je 2, 3 oder 4 solcher Mündungen aus. (Fig. 6). Die Form der letzteren ist sehr eigenthümlich : es sind keine Trichter, sondern vielmehr in zwei Fortsätze sich spaltende Canale ;Fig. 6 und 7). An der Uebergangsstelle in die Fortsätze öfl'net sich der Canal zu einem Halbcaual, der gespalten, continuirlich in die beiden ebenfalls rinnenförmigen Fortsätze übergeht. Man kann das Ganze einer zweizinkigen Gabel vergleichen : Die Fortsätze entsprechen den Zinken und der sich zum Canal schliessende Halbcanal entspricht der Dille des Instruments ; ich nenne auch deshalb diese inneren Mündun- gen Gabeln und zwar »Wimpergabeln «, weil sie über und über mit Cilien bedeckt sind, welche im Bereiche des Segraentalorgans einen Strudel 100 Hugx) Eisig erregen, einen Strom in das Organ hineinleiten und überdies die Zinken der Gabel selbst in einer stets zitternden Bewegung erhalten. Die Wim- pergabeln münden, besonders wenn sie in der Einzahl auftreten, meistens in den oberen, breitesten (drüsigsten) Theil der Segmentalorgane ; zu- weilen aber und vorzüglich dann, wenn deren mehrere an einem Organ vorhanden sind, können sie auch ziemlich tief gegen die centrifugaleu Schenkel herunterrücken. Wie dem aber auch sein mag: ihr Lumen communicirt stets mit demjenigen des, das Segmentalorgan durchsetzen- den, ebenfalls mit Cilien ausgekleideten, Ausfuhrcanals. Die Richtung des Stromes in diesem Canale geht von der Gabel zunächst in den drü- sigen Abschnitt des Segmentalorgans, vom letzteren in den unter allmä- liger Verschmächtigung sich zur Haut begebenden, ausführenden (cen- trifugaleu) Schenkel; spaltet sich das Segmentalorgan in mehrere Schenkel, so spaltet sich auch der Ausfuhrcanal in entsprechender Weise (Fig. 6). Die äusseren Mündungen der Segmentalorgane sind nicht immer so leicht aufzufinden wie beim Notomastus lin., bei welchem Thiere sie, Dank ihres Angebrachtseins auf relativ hohen Fortsätzen, sofort in die Augen fallen. Indessen ich habe diese Müudungen bei den verschie- densten Anneliden, wenn ich nur ausdauernd genug danach suchte, auch dann aufgefunden, wenn ihr Auffinden mit recht erschwerenden Umständen verknüpft war. Capitella cap. aber spottete in dieser Hin- sicht aller Bemühungen. Wie viele Exemplare auch immer — und sie zählen nach Hunderten ! — ich daraufhin in den verschiedensten Weisen und mit den besten uns heute zur Verfügung stehenden optischen Hülfs- mitteln untersuchte, — immer dasselbe Resultat : die ausführenden Schenkel des Segmentalorgans endeten , nachdem sie die Muskulatur durchbrochen, und ihren Durchmesser bedeutend vermindert hatten, zu- gespitzt zwischen Ringmuskulatur und Haut. Die Sache hat sich schliesslich aufgeklärt: Die Segmentalor- gane von Capitella cap. münden nicht nach aussen, son- dern entleeren ihr Excret in die Haut, resp. zwischen Haut und Cuticula und von diesem Orte gelangt das Excret wahrscheinlich periodisch, im Anschlüsse an statthabende Häutungen, nach aussen. Was mir, abgesehen von den negativen Resultaten meines Suchens nach äusseren Mündungen, diese Ueberzeugung ganz besonders aufgedrängt hat, waren die Ergebnisse von Carminfütterungsversuchen. Capitella I cap. kann Monate lang, ohne im geringsten darunter zu leiden, in mit \ gewöhnlichem körnigen Carmin versetztem Seewasser gehalten werden ; i schon nach einem Tage beginnt das Thier nicht unerhebliche Quanti- Die Segmentalor^iiine der Capitellideu. 101 täten des im Wasser suspendirten Farbstoffs zu verschlucken und — zu verdauen. Das Carmin wird, im Mageudarm angelangt, zunächst zu einer, meist hämatoxylinblaueu , Flüssigkeit gelöst, und so von den Magendarmzellen resorbirt. Bald darauf beginnt die Ausscheidung des- / selben, welche in erster Linie durch die Segmentalorgane besorgt wird. An denjenigen Stellen aber, an welchen die Segmentalorgane in die Haut münden, beginnen sich, während die Ausscheidung des Carmins vor sich geht, rothe Flecken zu bilden, welche in dem Maasse als der Ausscheidungsprocess andauert, an Intensität der Färbung und Ausdeh- nung des Verbreitungsbezirks zunehmen. Um eine ganze Reihe möglicher Fehlerquellen auszuschliessen, habe ich das Experiment unter anderem auch dahin variirt, dass ich die Versuchsthiere nur so lange in Carminwasser Hess , bis sie eiuiger- niassen genügende Quantitäten des Farbstoffs in den Darm aufgenom- men, jedoch mit der Ausscheidung noch nicht begonnen hatten; sodann kamen sie (ohne irgend welche Färbung in der Haut aufzuweisen, in strömendes Wasser. Die Resultate waren dieselben : nach einiger Zeit kamen die rothen Flecken an allen jenen Stellen der Haut zum Vor- schein, an denen die Segmentalorgaue zugespitzt enden i) . Nachdem ich aber diese durch den ausgeschiedenen Farbstoff be- wirkte Fleckenbildung in der Haut erst einmal kennen gelernt hatte, gelang es mir auch in einzelnen, nicht mit Farbstoffen gefütterten, eben eingefangenen Thieren die Excretablagerung in der Form eigenthüm- lich sich verhaltender Hautflecke wahrzunehmen und späterhin habe ich sogar diese Excretflecken der Haut häufig mit Erfolg als Anhalts- punkte bei der Aufsuchung der Segmentalorgane benutzt. Die Leibeshöhle der Capitella wird, ähnlich wie diejenige des Polyophtbalmus, der Fallacia u. s. w. durch eine Reihe fast in allen Segmenten sich wiederholender, transversal (von der die dorsale und ventrale Längsmuskulatur scheidenden Linie aus jederseits nach der ventralen Medianliniei gerichteter Muskelplatten, in eine dorsale und ventrale Kammer abgetheilt (Fig. 8). Die Segmentalorgane (und Samentascheni haben ihre Lage in der ventralen Kammer. Auf den 1) Ich kann in vorliegender Mittheiliing über diese Experimente, welclie ich nun schon drei Jahre hindurch, immer mit denselben Resultaten anstelle, und über welche ich eine Reihe fortlaufend geführter Journale besitze, nicht ausführlicher berichten; ich muss in dieser Hinsicht auf die nachfolgende Monographie verweisen; ebensowenig vermag ich an diesem Orte auf alle die physiologisch interessanten Er- wägungen einzugehen, welche das Factum des in die Haut Mündens der Segmental- organe, vorzüglich im Hinblick auf die ebenfalls Excrete in der Haut aufspeichern- den und sich häutenden Gliederthiere etc. aufdrängt. 1 02 Hugo Eisig ersten Blick hin scheint diese Lage vollständig von derjenigen der Notomastus-Segmentalorgane abzuweichen ; bedenkt man aber die ein- seitige Entwickelung der Bauchmuskulatur bei diesem Thiere, so wird jene Abweichung in morphologischer Beziehung hinfällig. Als auffällige Lagerungsverschiedenheit muss ferner hervorge- hoben werden, dass die Längsachsen der Segmentalorgane bei Capitella nicht der Längsachse des Thieres parallel, sondern vielmehr in eineui verschieden geneigten (manchmal rechten) Winkel auf diese Achse ver- laufen (Fig. 6, 8, und 10). Die verschiedenen Segmentalorgane eines gegebenen Segments sind meistens ganz unabhängig von einander ; aber in einzelnen Fällen habe ich die Schenkel zweier successiver Organe durch einen Ast miteinander in Verbindung stehend gefunden. Der Wimperstrom dieses Astes hatte dann die Richtung vom vorderen zum hinteren Organ. In Fig. 10 habe ich die Segmeutalorgane eines Segments abgebildet, in dem das erste und zweite Organ durch einen solchen Verbindungsast communicirt. In weiter hinten gelegenen Seg- menten als das abgebildete, in welchen die Segmentalorgane zahl- reicher sind und enger aneinanderrücken, sind solche Verbindungen zahlreicher und mannigfaltiger, aber auch viel schwerer wahrzunehmen. Geht doch zuweilen die Annäherung der einzelnen Segmentalorgane so weit, dass an deren drüsigen Abschnitten Grenzen überhaupt nur noch schwer festgestellt werden können und dieselben in Folge dessen den Eindruck compacter Drüsen machen, aufweichen die Wimpergabeln un- regelmässig zerstreut stehen ! Nur die centrifugalen. der Mündung nahe gelegenen Abschnitte der einzelnen Organe lassen. Dank ihrer gerin- gen Durchmesser, stets einen getrennten Verlauf erkennen. — Die bisherige Beschreibung bezieht sich ausschliesslich auf aus- gewachsene Individuen ; anders verhalten sich Larven und jugendliche Thiere. Diese letzteren haben nämlich niemals in so weit nach hinten gelegenen Zoniten Segmentalorgane wie die erstercM, besitzen aber um- gekehrt Segmentalorgane in so weit nach vorn gelegenen Segmenten wie in entsprechenden bei Erwachsenen niemals angetroffen werden. Diese Segmentalorgane der Larven und juvenes, welche in dem Maasse als die definitiven der erwachsenen Thiere zur Ausbildung ge- langen, der Rückbildung anheimfallen, nenne ich — wie die entspre- chenden Organe jugendlicher Notomastus — La rvensegmen tal- or gan e i). 1) Diese Larvensegmentalorgane dürfen natürlich nicht mit den primordialen, von Leuckart bei den Hiriidineen entdeckten Schleifencanälen verglichen wer- Die Segmentalorgane der Capitelliden. 1 03 Die Larvensegmentalorgane unterscheiden sich aber bei Cap. cap. in mehreren wesentlichen Punkten von den definitiven. Vor Allem ist ihr Auftreten ein streng segmentales; niemals wird in einem gegebeneu Segment mehr als ein Segmentalorgan angetroffen. Sie participiren ferner stets an zwei Körpersegmenten, d. h. der mit der Wimpergabel ausgerüstete Abschnitt des Segmentalorgans je eines gegebenen Seg- ments ragt, das Septum durchbrechend, in je ein vorhergehendes (Fig. 9) . Sodann ist ihr Lagerungsverhältniss im Segmente derart, dass ihre Längsachse, nicht wie diejenige der definitiven Segmentalorgane nahezu rechtwinklig auf die Längsachse des Thieres verläuft, sondern vielmehr solcher Art , dass diese Längsachse derjenigen des Thieres nahezu parallel gerichtet ist. Endlich erlangen die Larvensegmental- organe eine beträchtlich grössere Unabhängigkeit gegenüber ihrem Mutterboden : dem Peritoneum ; denn, obwohl auch sie dieser Membran fest angewachsen bleiben, erscheinen sie doch in viel höherem Grade von derselben abgeschnürt. Bezüglich der inneren Mündungen stimmen die Larvensegmental- organe vollständig mit den definitiven überein; auch sie haben die Form der Wimpergabeln. Auffallend ist, dass die Grösse dieser Wim- pergabeln eine ganz constante, von der Grösse der Segmentalorgane unabhängige ist. Ihre Länge beträgt, sei nun das bezügliche Larven- segmentalorgan 0,1, 0,2 oder 0,3 mm lang, stets 0,003 bis 0,004 mm und ganz dieselbe Länge haben auch die Gabeln der definitiven Seg- mentalorgane, wie sehr auch die Grösse der letzteren von einander ab- weichen mag. Daher kömmt es, dass die Wimpergabeln junger Larven relativ riesig erscheinen indem ihre absolute Länge die Hälfte der Organlänge beträgt) , dagegen die Gabeln der grösseren Larvensegmen- talorgane oder der definitiven Segmentalorgane im Verhältnisse zum Organganzen einen sehr winzigen Eindruck machen. Auch die Form der Larvensegmentalorgane ist derjenigen der de- finitiven nicht unähnlich ; auch sie stellen Keulen dar, deren vorderer dickerer Abschnitt vorwiegend als Drüse und deren hinterer sich allmälig verjüngender Abschnitt vorwiegend als Ausführungsgang 'ceutrifugaler Schenkel] fungirt. Niemals kommt es aber zu einer Spaltung dieses letzteren Abschnittes, die Keulen bleiben stets ein- schenklig. den ; letztere könnten der noch ungegliederten Capitellalarve eben so gut zukom- men ; ich hoffe durch das Studium der Entwicklungsgeschichte der Capitella cap. Aufklärung hierüber zu erlangen. 104 Hugo Eisig Als eigenthUmlich ist noch die Beschaffenheit des proximalen Theils des vorderen Abschnitts der Larveusegmentalorgane hervor- zuheben. Dieser Theil (der Kopf der Keule) ist nämlich blasenförmig aufgetrieben und innen rings mit lebhaft strudelnden Cilien besetzt. In diese Bläschen ^) mündet nun einerseits der das Organ durchsetzende Ausfuhrungsgang und andrerseits der Canal der Wimpergabel. Der Wimperstrom ist auch hier centrifugai (von der Gabel zur Haut) ge- richtet. Ich habe mich auch bei den Larvensegmentalorganen vergebens bemüht, eine Mündung nach aussen aufzufinden und glaube daher, dass sie wie die definitiven Organe das Excret in die Haut über- führen. Dass die Larvensegmentalorgane bei Capitella cap. alle — mit Ausnahme vielleicht desjenigen des 5. Segments? • — zeitweise in Func- tion treten, konnte ich besonders überzeugend an einer Reihe von Lar- ven feststellen, welche sich aus den Eiern eines in Carminwasser lebenden Weibchens entwickelt hatten. Diese Larven frassen den Farb- stoff ebenso begierig wie die Erwachsenen und schieden denselben ''ganz ebenso mit Hülfe der Segmentalorgane aus wie jene. Stets fanden sich an solchen in Carminwasser lebenden Thieren nur die ausgebildeten Segmentalorgane — einerlei ob Larvensegmen- talorgane oder definitive — gefärbt, wogegen sowohl die in der Rück- bildung begriffenen Larvensegmentalorgane, als auch die erst in der Anlage begriffenen definitiven jedweder Färbung entbehrten. Um nun ein Bild der Reihen- und Zeitfolge zu geben in der die zwei Kategorien von Segmentalorganen im heranwachsenden Thiere auftreten, sich rückbilden resp. nebeneinander existiren, theile ich nachfolgenden Auszug 2) aus meinen Tabellen (p. 106 und 107] mit: Aus einer Vergleichung der in dieser Liste aufgeführten Stadien ergiebt sich nun : 1. Larvensegmentalorgane können — abgesehen vom 8., mit den Samentaschen ausgerüsteten — im 5. bis 11. Körpersegment auftreten 1) In diesen Bläschen haben wir vielleicht den MALPiGHi'schen Körperchen homologe Bildungen vor uns. 2) In diese Liste habe ich nur diejenigen Nummern aufgenommen, für welche jeweils das Verhalten der Segmentalorgane aller Segmente am vollständigsten er- kannt worden war. Auch bei solcher Auswahl indessen bietet dieselbe der Lücken noch genug; besonders empfindlich da, wo die Vielzahl der Segmentalorgane durch »mehrere« bezeichnet werden musste. Wer aber erfährt, dass häufig schon das blosse Aufsuchen dieser Organe eine schwere Aufgabe bildet, wird begreifen, dass es mit dem Feststellen ihrer Zahl noch viel übler bestellt ist. Die Segmentalorgane der Capitelliden. 105 und zwar bei 1 bis 2 mm messenden Larven im 5. bis 9., bei 2 bis 3,5 mm messenden im 5. bis 11. 2. Die definitiven Segnientalorgane entwickeln sich vom 10. Kör- persegment ab ; bei 2 bis 4 mm langen Larven zunächst in denjenigen Segmenten, welche auch noch Larvensegmentalorgane besitzen, sodass also diese Segmente (das 10. und ll.\, wenigstens eine Zeit lang, Lar- vensegmentalorgane und definitive nebeneinander enthalten können. 3. Von einer Grösse von 4 mm ab beginnt die Entwicklung der definitiven Segmentalorgaue auch in solchen Segmenten, die niemals Larvensegmentalorgane besassen, nämlich im 12. bis n. Segment. 4. In dem heranwachsenden Thiere treten in immer zahlreicheren Zeniten Segmentalorgane auf, so dass bei 5 mm Körperlänge Segmentalorgane bis zum 13.. - 10 - - - 20 - - - 30 - - - 40 - - gefunden werden. 5. Die Zahl dieser sich successive ausbildenden Segmeutalorgane in einem gegebenen Segment ist allgemein um so grösser, je weiter hinten dieses Segment gelegen ist i] . 2 bis 3 Paare finden sich gewöhn- lich in den vorderen, 4 bis 5 Paare in den mittleren, und 5 bis 6 Paare in den hintersten resp. Segmeuten. G. In dem Maasse als sich die definitiven Segmentalorgane aus- bilden, bilden sich die Larvensegmentalorgane des 5. bis 9. Segments zurück, so dass in ausgewachsenen Thieren keine Larvensegmental- organe mehr in diesen Segmenten angetrofi'en werden. Dieser Rück- bildungsprocess 2) beginnt schon sehr früh, indem man selbst bei 1 bis 2 mm laugen Larven das Larvensegmentalorgan des 5. Segments ent- weder nie mehr, oder doch nur in ganz degenerirtem Zustande antrifft. Bei 5 bis 1 mm langen Larven wird die Rückbildung der Larvenseg- mentalorgane des 6. und 7. Segments eingeleitet, und bei 20 bis 30 mm 15. ) 16. ; IS. und 23. Segmente 1) Hierbei dürfen natürlich nur diejenigen Fälle ins Auge gefasst werden, in welchen die Segmentalorgane des bezüglichen Segments ihre vollkommene Ausbil- dung erlangt haben ; denn auch innerhalb der Segmente ist die Entwicklung der Segmentalorgane eine successive (vergi. Nr. 14 der obigen Liste). 2) Dieser Rückbildungsprocess stimmt mit dem gewöhnlich als »fettige Degene- ration« bezeichneten überein. Zuerst wird der centrifugale Schenkel, zuletzt der drüsige Abschnitt ergriffen. In den letzten Stadien der Rückbildung findet man daher auch von den ursprünglichen Segmentalorganen gegebener Segmente, nur ihre im nächst vorderen Segmente gelegenen Drüsenköpfe. 106 Hugo Eisig Die Segmentalorgane der C'apitelliden. 107 2,5 2,5 3 3,5 3,5 15 3 20 Ó 20 Q 20 Q 25 6 30 3 40 6 LSO degen. LSO LSO LSO LSO LSO LS.0 LSO degen. LSO degen. LSO degen. LSO degen. LSO LSO LSO LSO LSO LSO LSO LSO LSO LSO degen. LSO degen. LSO degen. ST')- Anlage S T- Anlage ST ST ST ST ST ST ST ST SjT ST ST ST ST ST ST ST ST ST ST ST ST LSO LSO LSO LSO L.SO LSG LSO LSO LSO LSO LSO LSO LSO LSO LSO LSO LSO LSO LSO degen- LSO degeU' 1) d = Geschlecht noch nicht erkennbar; ST = Saamentasche ; (5 = Männ- chen, charakterisirt durch die Copulationsorgane ; Q = Weibchen, charakterisirt durch die Ovarien; LSO ^ Larvensegmentalorgane ; SO = definitive Segmental- organe, hierbei ist jedoch zu bemerken, dass unter den so bezeichneten Organen 10. 11. 12. 13. 14. Bemerkungen. segmULL— gOi)inEntw. begriffen wahrend die LSO dieser in Carmin- wasser aufgewach- senen Larve alle Farbstoff aus- schieden und da- her roth waren, Hessen die in der Entwicklung be-< griffenen SO des LSO SSO LSO 10. Segments keine Spur von Färbung LSO 2S0 Von den 2 Organen des 10. Segm. das vordere hart am Septum liegend und daher wahr- scheinlich LSO. LSO LSO Sameutaschen be- reits mit Sperma angefüllt. mehrere 2; SO mehrere SO SO des 10. u.U. Segm. schwächer gefärbt als die vor- mehrere S mehrere S mehrere S mehrere S mehrere S mehrere S mehrere S mehrere SO mehrere SO l S in Entw. begriffen 2S0 4S0 6 SO 6 SO 14. u. IS.Segm. je6 SO mehrere S mehrere S mehrere S mehrere S 14.— IT.Segm. je mehrereSO 3S0 3S0 4S0 5S0 14. u. 15.Segm. je 5 SO mehrere S mehrere S mehrere S mehrere S 14.— 16. Segm. je mehrere S mehrere S mehrere S mehrere S mehrere SO mehrere SO mehrere S mehrere SO mehrere S mehrere S 14.— 16. Segm. je mehrereSO mehrere S mehrere S mehrere SO mehrere S 14. — 16. Segm. je mehrereSO 4S0 mehrere S mehrere S mehrere S 14. u. 15. Segm. je mehrereSO LSO 4S0 3 SO ? ? 2 SO 4S0 ? •? 3S0 4S0 6S0 6S0 14.— 16. Segm. mehrere S je 6 S mehrere S mehrere S mehi-ere SO 14.— 18. Segm. je mehrere S S bis zum 23. Körpersegment. des 10. und 11. Segments jeweils das erste (vorderste) ein Larvenscgmentalorgan sein kann. 2) Ich brauche den Ausdruck »mehrere SO« für diejenigen Fälle, in denen die ^ahl nicht genau festgestellt wurde, oder werden konnte. 108 Hugo Eisig langen Thieren vollzieht sich erst die Degeneration derjenigen des 9. Segments. Ob die Larvensegmentalorgane des 10. und 11. Segments neben welchen, währenddem sie fungiren, definitive ausgebildet werden, zeit- lebens bestehen bleiben oder nicht, ist zweifelhaft. Dafür spricht, dass man selbst in erwachsenen Thieren häufig je das erste Segmentalorgan der bezüglichen Segmente vom Habitus der Larvensegmentalorgane und mit ihren Gabeln ins nächst vordere ragen, oder doch dem Sej)tum dicht anliegend findet , dagegen spricht , dass man zuweilen auch in diesen Segmenten je das erste Segmentalorgan von den Septen abgerückt und keinen solchen, au die Larvensegmentalorgane erinnernden Habitus darbietend findet. 7. Alle die geschilderten Veränderungen spielen sich — selbst wenn man reichlich die möglichen Ungenauigkeiten der Messungen etc. berücksichtigt — zeitlich in sehr unregelmässiger Folge für je gleich grosse Thiere ab; es sind z. B. häufig'noch in älteren Thieren in solchen Segmenten Larvensegmentalorgane erhalten, in denen sie bei jungen Thieren schon verschwunden sind, oder es können umgekehrt bei jüngeren Thieren in solchen Segmenten schon definitive Segmental- organe vorhanden sein , in welchen bei älteren noch ausschliesslich Larvensegmentalorgane vorkommen . HL Die in den vorhergehenden Abschnitten mitgetheilten Thatsachen zeigen uns, dass die Segmentalorgane ^), wenn auch bei der grossen ll Wenn es bisher schon um den Namen «Segmentalorgane« misslich stand, in Anbetracht, dass die so genannten Organe nicht als die allein in den Zoniten me- tamer auftretenden bekannt waren, also ein zu weiter Begriff damit ausgedrückt wurde, so wird derselbe Name jetzt überdies zugleich als Begriff zu enge, indem er diejenigen Fälle, in denen die Segmentalorgane sich dysmetamer verhalten, aus- schliesst. Trotz dieses »lucus a non lucendo« habe ich aber noch den alten Namen beibehalten, indem von allen bisher an seiner Stelle angewandten, mir keiner recht passend schien. Vor allem wird so wohl nothwendig sein, dass Namen für Organe, wie die in Rede stehenden, möglichst morphologische Begriffe ausdrücken; denn, gesetzt den Fall, dass sich z. B. die Tracheen der Insecten eines Tages als den Segmentalorganen zweifellos homologe Bildungen erwiesen: würde dann z. B. der Name »Nephrodien« am Platze sein? Es liegt hier übrigens eine Schwierigkeit vor, die nicht vereinzelt dasteht. Oder haben wir etwa, beispielsweise, einen morphologischen Ausdruck für jene Anhangsgebilde des Vertebratendarms , welche bald als hydrostatische, bald als respiratorische Organe fungiren? und doch handelt es sich in diesem Falle um Glie- Die Segmentalorgane der Capitelliden. 109 Mehr/ahl , so doch nicht bei allen Anneliden , metaniere Organe dar- stellen, dass sie bei .Notomastus lin. in einzelnen Fällen, und bei der ausgewachsenen Capitella capit. in der Regel, in einer Vielzahl in je einem Segment auftreten; dass ferner diese Vielzahl (beiCap. cap.) nicht eine regelmässig von Segment zu Segment sich wiederholende, sondern eine vom vorderen nach dem hinteren Körpertheil zu sich ver- mehrende Zahl darstellt, dass also diese Organe auch in einem weitereu Sinne des Worts sich nicht wie segmentale verhalten. Wenn aber somit die Segmentalorgane innerhalb des Anneliden- kreises bald metamer, bald dysmetamer auftreten, so kann auch der- selbe im Kreise der Vertebraten zur Erscheinung gelangende Gegen- satz nicht gegen eine Homologisii-ung dieser Organe in den beiden Thiergruppen geltend gemacht werden und der erste von Fürbringer erhobene Einwand besteht in Folge dessen nicht mehr zu Kraft. Es folgt weiter, dass die äusseren Mündungen der Segmental- organe fehlen können, und dass demnach der Begriff »Segmentalorgan« nicht die nach aussen führenden (vom Ectoderm stammenden) Abschnitte nothwendig einzuschliessen braucht. Mit dem Nachweise aber von solchen, der ausführenden Abschnitte entbehrenden, und zugleich functionirenden Segmentalorganen bei erwachsenen Anneliden, ist auch der unter 3) von Fürbringer gestellten Bedingung, wenigstens was die Ringel Würmer betrifft. Genüge geleistet. Zum völligen Beweise für dieHomologie der Anneliden-Segmental- organe und der Urniere der Vertebraten fehlte demnach — wenn wir fortfahren uns auf den von Fürbringer eingenommenen Standpunkt zu stellen — abgesehen von der unter 3) für die Vertebraten aufgestellten Forderung, nur noch die Aufklärung der zweiten geltend gemachten Schwierigkeit: nämlich die Auflösung der principiellen Differenz zwischen ausführenden Abschnitten der Segmentalorgane und zwischen Ur- nierengang. Es ist bekannt, dass Balfour ^j , der von Anfang an die cardinale Bedeutung dieses Gegensatzes zu würdigen wusste, den Versuch gemacht der eines und desselben Typus. Solche Namen zu finden, von so zutreffendem Aus- druck, dass sie sich wie z. B. die Begriffe »Ontogenie« und » Phylogenie « mit einem Schlage die Aufnahme in die Sprachen der verschiedenen Culturvölker erzwingen, macht sich, in dem Maasse als die früheren Typen überbrückt werden, als ein immer dringenderes, aber auch zugleich als ein immer schwieriger zu lösendes Problem der vergleichenden Anatomie geltend. 1; Vergi, insbesondere Balfour, On the Origin and History of the Urinogeni- tal Organs of Vertebrats Journal of Anatomy and Physiol. Vol. X). 1 1 Hugo Eisig hat, den Urnierengang- (segmental duet) als ein Eutwieklungsproduct des vordersten Segmentalorgans begreiflich zu machen. Semper^^ hat in seiner letzten Publication die Ansicht aufgestellt, dass die primordialen Schleifencanäle der Blutigellarven das Material darstellten, aus dem sich der Urnierengang (primärer Urnierengang) entwickelt habe. FüRBRiNGER 2) endlich weist — im Anschlüsse an Gegenbaur — auf das ungegliederte Excretionssystem nicht annulater Würmer hin, als den, mit dem Vornierensystem (Vornierengang) der Vertebraten die bezeichnendsten Uebereiustimmungspunkte darbietenden, Apparaten. Wie nahe es nun auch läge, diese Erklärungsversuche im An- schluss an meine obigen Auseinandersetzungen zu discutiren — ich muss das auf die ausführlichere Darstellung verschieben, indem sich eine solche üiscussion weit über den Rahmen hinaus ausdehnen müsste, der dieser Mittheilung ihrem ganzen Charakter nach gezogen ist; da- gegen möchte ich im nachfolgenden Abschnitte kurz noch einige Punkte hervorheben, welche geeignet sind zu zeigen, eine wie grosse Ueber- einstimmuug auch in specielleren Verhältnissen, als den bisher betonten, zwischen den Segmentalorganen gewisser Anneliden und den Urnieren- canälchen gewisser Vertebraten herrscht. IV. Die Ansicht , dass nicht nur bei den Vertebraten , sondern auch bei den Anneliden , das parietale Peritoneum den Mutterboden für die Bildung der Segmentalorgane (Urnierencanälchen) darstelle , erfährt durch das Verhalten der Capitella eine entscheidende Bestätigung. Wie aber auch im Differenzirungsmodus dieser Organe innerhalb der beiden Gruppen ähnlich divergirende Wege eingeschlagen werden, zeigt die folgende Thatsache : Fürbringeh 3) sagt: »Diese primären Urnierenstränge bleiben im Zusammenhange mit dem Peritoneum und höhlen sich zu mit der Bauchhöhle communicirenden Canälen aus (Selachier, Accipenser) oder sie schnüren sich von ihm ab und gehen getrennt von ihm eine weitere Entwicklung zu Urnierenbläschen und Urnierencanälchen ein (Petro- rayzon, Alburnus, Amphibien, Amnioten) *)«. Also ein Gegensatz, wie Ij Semper, Die Verwandtschaftsbeziehungen der gegliederten Thiere. III. Strobilatiou und Segmentation. p. 387. 2) FÜRBRINGER, 1. C. p. 96. 3) FÜRBRINGER, 1. C. p. 97. 4j » Die Aufzählung der Thierabtheilungen ist unvollständig, was sich aus der Die Segmentalorgane der Capitelliden. Hl er ähnlich zwischen Notomastus und Capitella besteht ; denn wir haben gesehen, dass bei Notomastus die Segmentalor^aue in der Leibeshöhle flottiren und mit dem Peritoneum nur nodi durcli die inneren Mündungen eine feste Verbindung unterhalten, wogegen sie bei Capitella cap. ihrer ganzen Länge nach zeitlebens mit dem Peritoneum in Zusammenhang bleiben. — Balfour 1) hat gezeigt, dass bei 8elachiern die Segmentalorgane successiver Segmente durch Sprossenbildung mit einander in Verbindung treten können; auch Sempera) hat mitunter bei Selachiern seitliche Sprossen der Segmentalgänge beobachtet und Fürbringer 3) constatirt, dass die lateralen Endstücke der secundären Urnierencanälchen nicht direct mit dem Vornierengange, sondern mit den lateralen Abschnitten der primären Canälchen in offene Communication treten , dass in ganz übereinstimmender Weise ferner die lateralen Endstücke der tertiären Canälchen in die lateralen Abschnitte der secundären Canale einmünden, so dass schliesslich die lateralen Abschnitte der primären Canälchen Sammelröhreu für die primären, secundären und tertiären Urnieren- anlagen bilden. Auch für dieses Verhalten der Vertebraten-Segmentalorgane exi- stiren nun correspondirende Zustände bei den Anneliden , indem . wie ich im Vorhergehenden gezeigt habe , bei Capitella cap. nicht selten zwischen je zwei successiven Segmentalorganen eines gegebenen Seg- ments Communicationen durch Sprossen vorkommen können. — Viele der bisher darauf untersuchten Vertebraten zeigten eine Nei- gung der vordersten Segmentalorgane zum Aborti vwerden. Bezüglich der Selachier äussert sich Semper 4) folgendermassen : »Sie bind (nämlich die Segmentaltrichter) ausnahmslos in bedeutend geringerer Zahl vorhanden, als die der Leibeshöhle entsprechenden Wirbel: denn obgleich sie ursprünglich mit diesen in fast gleicher An- zahl angelegt werden, so gehen doch immer mindestens einige, und zwar zunächst immer die vordersten zu Grunde oder in andere Theile über«. Ein ähnliches zu Grunde gehen der vordersten Segmentalorgane Mangelhaftigkeit der bisherigen Beobachtungen erklärt«. (Anmerk. PÜR- bringer's.) 1) Vergi. Balfour, A Monograph on the Development of Elasmobranch Fishes. p. 256—263. 2, Semper, Das Urogenitalsystem der Phigiostomen und seine Bedeutung etc. Arbeiten aus dem Zool. Zoot. Institut Würzburg. Bd. II, p. 213. 3) Fürbringer, 1. c. p. 22. 4) Semper, Urogenitalsystem der Plagiostomen etc. p. 20u. Vergi, auch ibid. p. 213. 112 Hugo Eisig (Uraierencanälchen) haben ferner Spengel ') für Coecilia lumbric. nud FüRBRiNGER 2) für gewissc Urodelen festgestellt. Auch in dieser Beziehung herrscht nun aber Uebereinstimmung zwischen Vertebraten und Anneliden, indem ich sowohl für Notomastus, als auch für Capitella ein Abortivwerden der vordersten Segmental- organe (Larvensegmentalorgane) constatiren konnte. — Spengel '^j , der überhaupt die ersten Mittheilungen über das aber- rante Verhalten der Amphibiennieren machte, fand in den Coecilien- Larven eine streng segmentale Anlage der Niere, d.h. in jedem Segment einen Trichter und ein Malpighisches Körperchen ; in Erwachsenen da- gegen traf er nur noch in den vordersten Segmenten (und auch in diesen nicht immer) je einen Trichter und je ein Malpighisches Körperchen, wogegen die übrigen Segmente je eine Vielzahl, oft bis 20 Trichter aufwiesen. Die Uebereinstimmung dieses Verhaltens mit demjenigen der Capi- tella ist eine schlagende : die Coecilia-Larven haben in je einem Segment einSegmentalorgau, so auch die Capitella-Larven ; bei einzelnen reifen Coecilien findet man im vorderen Körperab- schnitt je ein Segmentalorgan in je einem Segment und eine Vielzahl derselben je in den Segmenten des hinteren Körpertheils, so auch bei Capitella-Individuen gewissen Alters ; bei den meisten reifen Coecilien findet man eine Vielzahl von Seg- mentalorganen in allen Niereu -Segmenten, so auch bei den ausge- wachsenen Capitellen. — Mannigfach ist auch die Uebereinstimmung zwischen dem Verhalten der Capitella und demjenigen der Urodelen, insbesondere was die Zeit- folge des Auftretens und den ? Modus der numerischen Zunahme betrifft. FüRBRiNGER hat die Entwickelung der Niere genau an Sala- mandra maculata verfolgt; man vergleiche die von demselben über die Entwickelung der primären^) Urnierencanälchen aufgestellten 1) Spengel, Das Urogenitalsystem der Amphibien. Arbeiten aus dem Zool. Zoot. Institut Wiirzburg. Bd. III, p. 9. 2) Fürbringer, 1. c. p. 21. 3) Spengel, 1. c. p. 11. 4) Haben wir den primären Urnierencanälchen der Salamandra sowohl die Larvensegmentalorgane als auch die definitiven Segmentalorgane der Capitella zu vergleichen oder nur die letzteren ? Vielleicht entsprechen den Larvensegmental- organen der Capitella allein jene vordersten, zwischen Vorniere und Anfang der Urniere gelegenen abortiven Urnierenstränge? (Vergi. Fürbringer, 1. c. p. 21.) Was die viel später als die primären auftretenden, secundären und tertiären etc. dorsalen Urnierenanlagen betrifft, welche auf den hinteren Theil der Niere be- Die Segmentalorgane der Capitelliden. \ [ 3 Listen 1) mit der raeinigen (siehe oben p. 106) und setze zu diesem Belmfe den Zeitangaben der ersteren dieThier-Längenmaasse der letzteren gleich. Für eine eingehendere Vergleichung müsste freilich das Segmentalorgan der Capitella in der Entwiekelung seiner einzelnen Abschnitte im ge- gebenen Segment eben so genau verfolgt werden können, wie dasjenige der Salamandra, immerhin genügt aber auch der von mir gewählte all- gemeinere Ausdruck »Segmentalorgane in Entwiekelung begriffen«, um die correspondirenden Stadien erkennen zu lassen. Auch was die Zahlenverhältnisse betrifft, verweise ich zum Vergleiche auf Für- bringer 2) . Er fand im Bereiche des 6 . Myokomma 1 bis 2 (primäre) ürnieren- canälchen, im Bereiche des 7. bis 10. 2 bis 3, im Bereiche des 11. 3 bis 4, im Bereiche des 12. 3 bis 5, im Bereiche des 13. 4 bis 5 und im Bereiche des 13. bis IG. endlich 5 bis 6 Urnierencanälchen. Eine entsprechende allmälige Zunahme der Segmentalorgane von den vorderen nach den hinteren Segmenten zu, ergiebt sich aber ganz ebenso aus unserer Liste (vergi, oben p. 106) und an dem Für- BRiNGER'schen Satze ^) : » Es sind also bei Salamandra maculosa die einzelnen primären Urnierenanlagen nicht in gleich massiger Weiseaufdie einzelnen Myokommata vertheilt, sondern zei g ennaehh inten zueineZunahmeihrer Anzahl« brauchte man nur statt der Worte «Salamandra maculosa«, »Capitella cap.« und statt »primären Urnierenanlagen« » Segmentalorgaue « zu setzen, damit er das Verhalten unserer Würmer eben so gut wie dasjenige der Sala- mandra ausdrücken könnte. — Die Anuren-Niere stellt, darüber kann man wohl kaum im Zweifel sein, nur einen weiter fortgeschrittenen Zustand der in der Urodelenniere bereits angebahnten Modification des ursprünglichen Verhaltens dar. Besonders auffallend ist die ausserordentliche Anzahl von Trichtern ^] schränkt, sich in ähnlicher Weise wie die primären anlegen (vergi. Fürbringer, 1. c. p. 20), und in die lateralen Abschnitte der primären Canälcheu einmünden, so will ich hier nur so viel bemerken, dass auch für diese Modificatiün des ursprüng- lichen Zustandes in Capitella ein vergleichbares Verhalten sich vorfindet: ich meine jene schon berührten Fälle, in denen bei ausgewachsenen Thieren die Segmentalor- gane einzelner der hintersten Segmente so nahe aufeinander rücken, und so zahl- reiche secundäre Sprossbildungen entwickeln, dass ihre Zahl im betreflfenden Seg- ment kaum noch festzustellen ist. 1) Fürbringer, 1. c. p. 18. 2) Fürbringer, 1. c. p. 20. 3) Fürbringer, 1. c. p. 20. 4) Vergi. Spengel, 1. c p. b3 und Meyer, Beitrag zur Anatomie des Urogen.- Systems der Selachier etc. Sitzungsber. d. Naturforsch. Ges. Leipzig 1S75. Mittheilungen a. d. Zoolog. Station zu Neapel. Bd. I. 8 114 Hugo Eisig (inneren Mündungen) und nur in Bezug auf sie möchte ich eine Bemer- kung machen. Ich habe bereits das Factum hervorgehoben, dass sich bei Capitella cap. einzelne der definitiven Segmentalorgane eines gegebenen Seg- ments nicht mit je einem, sondern mit je mehreren Wimpergabeln (bis 4) ausgerüstet finden i) . Daraus geht also hervor , dass die Zahl der inneren Mündungen nicht mit derjenigen der Segmentalorgane (ürnieren- canälchen) zu correspondiren braucht, dass vielmehr diejenige der ersteren viel grösser sein kann, als diejenige der letzteren. Eine ausgevrachsene Capitella hat in ihren etwa 10 bis 13 mit Seg- mentalorganen ausgerüsteten Segmenten gewiss nicht weniger als 80 bis 100 innere Mündungen, wogegen Notomastus in 10 bis 13 entspre- chenden Segmenten in der Regel auch 10 bis 13 innere Mündungen besitzt. Dies ist aber ein eben so grosser Gegensatz wie derjenige zwischen der Niere eines Anuren mit 200 Trichtern und derjenigen eines Sela- chiers mit nur einem Dutzend solcher. — Noch ein paar Worte in Betreff der Samentaschen. Vom Genitalapparat der Capitella cap. waren bisher nur die zur Copulation dienenden, von v. Beneden 2) entdeckten Greifhaken der (^ und die von Claparède 3) entdeckten Poren der Q bekannt. Ich habe gefunden, dass diese Poren bei beiden Geschlechtern vorkommen und bei beiden die Mündungen urnenförmiger, innen bewimperter Schläuche darstellen. Breit nach der Leibeshöhle zu geöffnet, liegen diese Schläuche auf der Grenze des 7. und 8. Segments, im Bereiche des diese Segmente scheidenden Septums, gehören aber — wenn man sie den Segmeutal- orgauen für homolog erachten will — dem 8. Segment an, indem wohl 1) Wenn bei Capitella cap. mehrere innere Mündungen an einem und demsel- ben Segmentalors;an auftreten, so rücken einzelne derselben tiefer gegen die aus- führenden (centrifugalen) Schenkel herunter (vergi, oben p.lüO ). Diesem Verhal- ten entspricht vielleicht die von Spengel (1. c. p. 89) für die Anuren hervorge- hobene Abweichung : dass nämlich bei letzteren die 'JVichter nicht wie bei Se- '.achiern in das MALPiGHi'sche Körperchen, oder wie bei den Coecilien und Urodelen in den Hals dieses Körperchens einmünden , sondern vielmehr in den vierten Abschnitt der Harncanälchen. 2) VAN Beneden, Bull. Acad. de Belg. 1857. III. Nr. 9 et 10. 3) Claparède, Annelides Chétopodes du Golfe de Naples. p. 274. Die Seginentalorgane der Capitelliden. 1 1 5 das 7. und 9. Segment, zu keiner Zeit aber das 8. mit Segmental- organen ausgerüstet ist. Von diesen Urnen sieht man in 1 bis 1,5 mm langen Larven noch keine Spur; erst in solchen von 2 mm Länge, welche bereits Segmental - Organe bis zum 10. Segmente besitzen, lassen sich die Anlagen der- selben und zwar gleich in der definitiven Form erkennen. In 2,5 bis 3 mm langen Larven findet man sie schon wimpernd und mit Sperma gefüllt. Wie im Larvenzustaud, so bleibt auch während ihres weiteren Wachsthums die Form der Urnen für rf und 2 (welche sich erst von 8 bis 10 mm Länge an durch Erscheinen der Geuitalhaken resp. der Ovarien unterscheiden lassen) dieselbe; auch findet man sie in den , meisten Fällen bei beiden Geschlechtern mit Sperma angefüllt , wes- halb ich sie Samentaschen nenne. Diese Samentascheu können vor- gestülpt und durch eigene Muskelsträuge wieder zurückgezogen werden. Ich glaube nun, dass ihre Function im (J' die eines Penis (plus receptaculum seminis; und im Q. die einer Vulva q)1us receptaculum seminis) ist. Wir haben hier wohl die Anfänge einer Bildungsreihe vor uns. welche bei den Oligochaeten zu so viel complicirteren Einrichtun- gen geführt hat. Aber die Durchführung eines Vergleichs mit letzteren, sowie die genaue Schilderung des Apparates selbst; werde ich erst in meiner ausführlichen Abhandlung geben können. Die limicülen Oligochaeten haben bekanntlich in den Genitalseg- menten keine Segmentalorgane, man pflegt aber, der Auffassung von Williams und Claparède gemäss, die bei diesen Thieren in den Genital- segmenten die Ausfuhr der Geschlechtsproducte besorgenden Leitungs- apparate als umgewandelte Segmentalorgaue zu betrachten. Diese zunächst für die limicolen Oligochaeten stabilirte Homologie zwischen Leitungsapparaten der Geschlechtsproducte und Segmental- organen hatte aber mit einer Schwierigkeit zu kämpfen : bei den terri- colen Oligochaeten persistiren nämlich in den Geuitalsegmenten nor- male Segmentalorgane neben den Leitungsapparaten für die Ge- schlechtsproducte. Um nun diese Schwierigkeit zu heben , stellte Lankester die Ansicht auf: »dass jedes Segment bei den Anneliden i) typisch mit 1) Icli habe mir, trotz aller Bemühungen, die LANKESTER'sche, im Journal of Micr. Science. 186.T erschienene Abhandlung nicht verschaffen können und citire daher den obigen Satz nach Claparède (Histiol. Unters, über den Regenwurm. Zeitschr. f. wissenschaftliche Zoologie. Bd. XIX, p. 619). Nun finde ich aber, dass Leuckart, im Jahresberichte v. ISüO u. 67 (Archiv f. Naturgesch. 'ò\i Jahrg. p. 177) 116 Hugo Eisig zwei Paaren von Segmentalorganen ausgerüstet sei. wovon stets nur eines bei den Limicolen und in der Regel auch nur eines bei den Terri- colen vorkomme mit Ausnahme jedoch der Geschlechtssegmente, wo das zweite Paar als Leitungsapparat auftrete«. Diese Ansicht Lankester's wurde von Clapakède ') bekämpft, in- dem er ihr die Thatsache gegenüberstellte, dass bisher kein Fall eines doppelten Paares unzweifelhafter Segmentalorgane in einem und dem- selben Segment bei Anneliden bekannt geworden sei. Mit dem bekannt gewordenen Verhalten der Capitella aber wird nun dieser Einwurf Claparède's beseitigt, und wenn wir den Satz Lankester's dahin einschränken, dass wir für »jedes Segment« »ge- wisse Segmente«, für »bei den Anneliden«, »gewisse Anneliden« und für »2 Paare«, »mehrere Paare« setzen, so besteht er fortan zu Recht. Ich habe in der Einleitung zu diesen Mittheilungen — der ausführ- lichen Darstellung vorgreifend — mit ein paar Worten der Entstehungs- geschichte meiner Arbeit gedacht ; es möge mir zum Schlüsse gestattet sein, auch jetzt schon die sich mir darbietende Gelegenheit zu benutzen um dem Leiter der Zoologischen Station, Dr. Dohrn, meinen herz- lichen Dank für seine Theilnahme an diesen Studien auszusprechen. Ich bin durch ihn auf dieses Thema hingewiesen worden und unter dem Einflüsse der häufigen Gespräche, in denen er mir schon seit meh- reren Jahren seine — inzwischen in der Schrift »Der Ursprung der Wirbelthiere und das Princip des Functionswechsels « der Oefientlich- keit übergebenen — Ideen über die Verwandtschaft derVertebraten und Gliederwürmer auseinandersetzte, ist die Arbeit entstanden. Unter solchen Umständen lässt sich das Mein und Dein ge- wonnener Erkenntnisse kaum mehr unterscheiden; ich aber bin mir bewusst, dass Dr. Dohrn zu dem Zustandekommen dieser Arbeit wesentlich beigetragen hat. — Lankester seinen Satz nicht auf die Anneliden, sondern nur auf die Oligochaeten ausdehnen lässt. Welche Version ist die richtige? 1) Claparède, Histiol. Unters, über den Regenwurm. Zoitschr. f. wissensch. Zoologie. Bd. XIX, p. 619. Die Segmentalorgane der Capitelliden. 117 Erklärung der Abbildungen. Tafel IV. Figur 1 — 5 bezieht sich auf Notomastus liu., Figur 6 — lü auf Capitella cap. Erklärung der für alle Figuren gültigen Buchstaben: A 31, Aeussere Mündung des Segmentalorgans, A Pv, ventrale Parapodien des Abdomen (Bauch-Hakenwülste) , B, Bauchstrang, C, Cnticula CfS, Contrifugaler Schenkel des Segmentalorgans, CpS, Centripetaler Schenkel des Segmentalorgans, D, Darmcanal, H, Hypodermis, HD G, Hautdrüsengürtel, HD Z, Drüsenzellen der Hypodermis, HFZ, Fadenzellen der Hypodermis, I3f, Innere Mündung des Segmentalorgans, K, Kiemen (Hakentaschen;, L3Id, dorsale Längsmuskulatur, LMv, ventrale Längsmuskulatur, ND, Nebendarm, P, das die Wandungen der Leibeshöhle auskleidende, sowie alle Or- gane umhüllende Peritoneum, PH, Pcrivisceralhöhle, R3£, Ringmuskulatur, S. Körpersegment, SA, Seitenorgane des Abdomen, S C, Ausfuhrcanal des Segmentalorgans, Sm, Septum, SO, Segmentalorgan, T3T, Transversale Muskeln. Fig. 1 . Seitenansicht dreier Segmente vom hintersten Abschnitte des Abdomen eines Notomastus lin. Cam. Zeiss aa/II = 26/1. Diese Figur demonstrirt das Vorkommen mehrerer Segmentalorgane in einem und demselben Körpersegmente , kraft des Vorhandenseins einer Mehrzahl ent- sprechender äusserer Mündungen. Man erkennt am ersten und zweiten der darge- stellten Segmente je 4, und am dritten 5 solcher Mündungen. Fig. 2. Segmentalorgan in situ. Nach einem frischen Thier, dessen Pcrivisce- ralhöhle durch einen Schnitt längs der dorsalen Medianlinie freigelegt worden war. Vergrösserung 100/1. Fig. 3. Drittes bis sechstes Abdominalsegment eines jugendlichen Notomastus (4,5 mm Thoraxlänge). Die betreflfende Segmentreihe wurde durch einen längs der ventralen Medianlinie geführten Schnitt geöffnet. Man sieht im vierten Segment rechter, und im fünften Segment linker Seite je zwei von einander ganz unabhängige Segmentalorgane. — Nach einem frischen Thiere mit der Cam. Zeiss A/I = 45/1 gezeichnet. Darm, Nervensj'stem, Perito- neum etc. wurden in der Zeichnung nicht berücksichtigt. 1 IS Hugo Eisig, Die Segmentalorgane der Capitelliden. Fig. 1. Querschnitt durch das Abdomen. Im genannten Schnitte sind durch den günstigen Zufall, dass sich die beiden Segmentalorgane im absterbenden Thiere rechtwinklig zur Längsachse des letzteren aufgerichtet hatten, diese beiden Or- gane fast ihrer ganzen Länge nach erhalten. Cam. Zeiss aa/II = 26/1. Fig. 5 stellt denjenigen Theil eines Querschnitts durch das Abdomen dar, wel- cher die äusserste Partie des centrifugalen Schenkels eines Segraentalorgans, nebst seiner Mündung nach aussen enthält. Der Schnitt wurde nicht ganz senkrecht zur Längsachse geführt, so dass mehrere Zellenreihen des Hypoderm getroffen sind ; auch ist der schornsteinartige Fortsatz intact geblieben, in der Zeichnung jedoch im optischen Durchschnitt dargestellt worden. Cam. Zeiss D/III = 300/1. Fig. 6. Die Segmentalorgane des 14. Segments linker Seite von einem ca. 2 cm langen Capitella cap. (5. Die Körperwandungen des längs der dorsalen Median- linie gespaltenen Thieres wurden derart flach ausgebreitet, dass deren viscerale Seite nach oben zu liegen kam. Mau erkennt zwischen dem Septum des vorher- gehenden und demjenigen des entsprechenden Segments 6 von einander ganz unab- hängige Segmentalorgane. Vier derselben stellen zweischenkelige, zwei dagegen einschenkelige Keulen dar. Das erste Organ hat drei, das dritte, fünfte und sechste haben je eine innere Mündung iWimpergabel) ; im zweiten und vierten Organe waren diese Mündungen verdeckt. Nachdem frischen Thiere bei löofacher Vergrösseruuij, gezeichnet. Fig. 7. Innere Mündung eines Segmentalorgans (Wimpergabel) frisch bei 500- facher Vergrösserung gezeichnet. Fig. 8. Querschnitt durch das zehnte Segment eines ca. .'} cm langen S. Cam. Zeiss A/II = 60/1. Fig. 9. Fünftes bis zwölftes Segment einer 2 mm langen Larve. Im G., 7. und 9. Segment die jugendlichen, in der Einzahl vorhandenen, mit ihren inneren Mün- dungen in das nächst vorhergehende Segment reichenden Segmentalorgane ; im 10. Segment zwei, im 11. Segment drei in der Entwicklung begriffene definitive Seg- mentalorgane ; auf der Grenze des 7. und 8. Segments (aber dem 8. zugehörendi die Saamentasche. Die Zeichnung wurde nach dem frisclien, auf dem Rücken liegenden Thiere als optischer Längsschnitt unter 100 facher Vergrösserung angefertigt. Nur die linke Seite der betreffenden Segmente wurde dargestellt. In dem so gewonnenen Längs- schnitte kamen die, der Längsachse des Thieres nahezu parallel laufenden, Larven- segmentalorgane ihrer ganzen Länge nach zur Ansicht, wogegen die rechtwinklig zur Längsachse gerichteten Anlagen der definitiven Segmentalorgane als Quer- schnitte wahrgenommen wurden. Fig. 10. Die linke Seite des 11. Segments eines ca. 1 cm langen Q. Der Focus wurde auf die Segmentalorgane des auf dem Rücken liegenden, frisciien Thieres eingestellt; die Zeichnung stellt daher einen optischen Längs- schnitt dar. Vergrösserung 50 fach. Das erste Segmentalorgan, welches in Folge seiner der ventralen Medianlinie näher gerückten Lage ganz übersehen wurde, steht mit dem zweiten durch einen Ast in Verbindung; das dritte Organ jedoch, sowie auch das vierte ist selbständig. Vergleichende Uebersicht über das Erscheinen grösserer pelagischer Thiere während der Jahre 1875-77. Von R. Schmidtlein. Die nachstehende Tabelle über das Erscheinen der pelagischen Thierwelt enthält eine vergleichende Zusammenstellung der im Laufe dreier Jahre gesammelten Beobachtungen über die grösseren Formen und ihr Auftreten im Golfe. Zur Verständigung diene die Bemerkung, dass das Material zum allergrössten Theile aus einigen Strömungen stammt, die in der der Station zunächst liegenden Region zwischen dem Posilip und Castell deU' uovo ziehen , und von unseren Fischern täglich befahren wurden, um Auftrieb mit dem MÜLLER'schen Netz und pela- gische Thiere zu fischen, — Insofern hat also die Tabelle ein rein locales Auftreten zum Gegenstande, das keinerlei Schlüsse auf die Thier- bewegung in den übrigen Theilen des Golfes erlaubt. Wir hatten im Gegentheil sehr oft Gelegenheit, zu beobachten, dass andere, nament- lich dem offenen Meere nähere Ströme , auch eine andere pelagische Fauna enthielten; doch schien uns das Festhalten an einer bestimmten Localität günstigere Bedingungen für das Erkennen der Gesetzmässig- keiten im Erscheinen der Formen zu bieten. Dass diese Gesetzmässigkeiten, einzelne merkwürdige Ausnahmen (Cassiopeia, Tima) abgerechnet , bisher nicht deutlicher erkennbar ge- worden sind , hat zunächst wohl die anfänglich noch lückenhafte Beob- achtung und die Kürze der Zeit verschuldet ; da sich indessen schon jetzt, wie ein flüchtiger Blick auf die Tabelle lehrt, constatiren lässt, dass die weitaus grösste Mehrzahl von Formen und Individuen dem ersten und letzten Jahresdrittel angehört, so darf man hoffen, dass fortgesetzte Beobachtung nach einer Reihe von Jahren auch im Einzelnen werde er- kennen lassen, in wie weit die physikalischen resp. meteorologischen 120 K. Schmidtlein Factoren im Verein mit deu biologischen das Erscheinen und Verschwin- den der pelagischen Glasthierwelt beeinflussen. Im Besonderen bemerken wir zunächst für die Siphonophoren, dass namentlich für die kleinen Formen, wie Abyla und Athorybia der Zufall eine grosse Kolle spielt. Gesellt sich zur Kleinheit auch noch Seltenheit, wie bei der letzterwähnten, so ist der Werth der Notizen geradezu illu- sorisch und wird nur eine sehr lange Reihe von Jahren die Beobach- tungsfehler verkleinern können. — Diese nehmen im umgekehrten Ver- hältnisse der Häufigkeit ab, so dass die gewöhnlichsten Formen am leichtesten ein Gesetz erkennen lassen. Dies gilt auch für die übrigen Gruppen , von denen die Acalephen und Ctenophoren durch ihre Grösse das sicherste Material zur Beurtheihmg bieten. — Die Heteropoden und Pteropoden schwanken in der Individuenzahl weit mehr als in der Zeit des Auftretens , was mit der wechselnden Tageszeit der Fischerei und dem bekannten periodischen Auf- und Absteigen dieser Formen zusam- menhängen mag. Im Uebrigen dürfte die Tabelle verständlich sein. Die Notizen über Auftrieb und Larvenformen sind wegen allzu kurzer Beobachtungs- zeit zur Publication noch nicht reif und werden später nachzufolgen haben. Yergleichentle Uebersicht über das Erscheinen pelagischer Thiere iu den Jahren 1875-77 (grössere Formen) . Die Zahlen bedeuten: 1 = sehr selten; 2 = selten; 3 = ziemlieh selten; 4 = ziemlich häufig; 5 = häufig ; 6 = sehr häuflij. Name 03 £3 1-5 bc p 1-5 1^ a. 1 o ja o Zi Bemerkungen. a. Siphonophora. Athorybia rosacea Esch. 1875 -76 - 77 1 1 3 1 2 3 Immer vereinzelt und in wenigen Exemplaren. Physophora hydro- statica Forsk. -75 -76 -77 2 1 Physophora Philippi Köll. - 75 - 76 - 77 1 1 Physalia hydrosta- tica ? - 75 -76 - 77 1 Ein einziges, grosses Exemplar. Forskalia contorta M. Edw. - 75 -76 -77 ? ? 6 1 1 3 3 5 4 2 2 1 3 3 1 1 1 1 1 4 1 5 5 5 6 4 6 5 4 5 2 Erscheint meist in grossen Schwärmen, welche, zumal im Frühling unti Herbst, alle Stadien der Entwick- lung enihalten. Vergleichende Uebcrsieht über das Erscheinen pelagischer Thiere etc. 121 Agalmopsis Sarsii Köll. Agalmopsis punc- tata KüU. Apolemia uvaria Les. Rhizophysa filifor- mis Forsk. Hippopodius nea- politanus Köll. Praya diphyes Blainv. Abyla pentagona Esch. Velella spirans Esch. Porpita mediter- ranea Esch. b. Acalephae und Hydroidae. Pelagia? noctiluca Per. Less. Aurelia aurita L. ßhizostoma pulmo L. Cassiopeia borbo-' nica. Delle Chiaje. 187.5 - 7ü - 77 - 75 -76 - 70 - 77 - 75 - 76 -77 - 75 - 76 76 - 75 -76 - 77 3 5 5 6 6 1 16 ' 1 1 1 Bemerkungen. Bemerkonswerth für das Ge- nus Agalmopsis ist das fast vollständige Fehlen in den Hocùsommennonuten. Erscheinungsform in grossen Schwärmen vor- wiegend. Erscheint nach länger an- dauernden Sirocco- und Li- becciostürmen sehwarmweise und in Begleitung vonLe- paden-besetzten Holz- und Bimssteinstucken. Vereinzelt und stets in Gesellschaft der Velellen. — Die Grösse der einzelnen Thiere ist auffallend ver- schieden. Die häufigste Qualle im Golf, die in ungeheuren Schwär- men während der Frühlings- und Wintermonate das Meer erfüllt. Stets nur einzelne, grosse Exemplare. Schwärme meist von klei- neren und mittelgrossen Exemplaren gebildet (im Sommer). Winter u. Früh- ling mit einzelnen riesen- grossen Thieren von 1—1 'ja Fuss Scheibendurchmesser. Bemerkenswerth das con- stante Auftreten um die Mitte August, zunächst mit weni- gen kleineren Exemplaren, worauf Zahl und Grösse ste- tig zunehmen. Das Indivi- duum im Januar 1877 war ein Nachzügler des grossen September - Sehwarmes im Vorjahre. 122 R. Schmidtlein Name i Jahr- gang Januar ..1 'a 3 O 1-' !-■ > o O Ol ^ a Bemerkungen. Carmarina bastata E. H. Charybdaea marsu- pialis Per. Less. 1875 - 76 - 77 -75 - 76 - 77 4 2 .3 4 -2 5 3 5 2 6 2 1 1 1 1 1 1 1 1 3 1 6 1 4 6 6 1 5 5 5 Die meisten Charytdaeen wurden von Nisita gebracht. In gro.sser Menge fanden sie sich an der Küste von Arienzo im Golf von Gaeta, wo sie das Schleppnetz aus einer Tiefe von C — 7 Meter herauf- hrachte. Tima flavilabiis - 75 - 76 - 77 1 1 1 3 4 1 5 6 5 6 6 5 2 5 1 Wird häufig, wie die vorige, mit Grundnetzen gefischt, was auf die Lebensweise dieser Formen in tieferen Schichten schliessen lässt. Sie ist, wie Cassiopeia, auf die zweite Jahreshälfte be- schränkt. Aegineta flaves- cens Ggbr. - 75 - 76 - 77 1 1 1 1 2 3 3 2 2 Lizzia Köllikeri Ggbr. - 75 - 76 - 77 1 1 3 1 2 1 1 1 1 1 1 2 4 Oceania conica - 75 -76 - 77 1 1 1 3 3 1 2 3 Cosmetira punc- tata E. H. - 75 -76 - 77 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Mit dem Grundnetz , wie Tima, gefischt. — S. Wag- ner's Icones zootomicae. c. Ctenophorae. Beroe ovatvis - 75 - 76 - 77 1 3 4 5 4 5 6 4 6 6 6 6 5 3 6 2 3 2 4 1 1 1 4 2 2 Beroe Forskalii -75 -76 - 77 2 3 1 4 2 1 2 6 5 6 4 1 2 Eschscholtzia cor- data Köll. - 75 - 76 - 77 1 2 2 4 2 1 1 1 1 2 1 1 Cydippe hormi- phora Ggbr. - 75 - 76 -77 2 2 2 5 2 5 2 2 1 2 4 1 2 Cestum veneris Les. - 75 - 76 - 77 4 6 4 6 6 4 5 6 4 6 6 3 4 6 2 3 1 4 1 6 4 3 6 5 6 6 5 Eurhamphaea ve- xilligera Ggbr. - 75 -76 - 77 1 Ein einziges Exemplar in 3 Jahren! Chiajea neapoli- tana Lesa. -75 -76 -77 6 5 4 1 4 5 5 6 1 5 6 6 6 4 6 6 6 1 6 6 5 6 2 6 4 2 - Vergleichende Uebersicht über das Erscheinen pelagischer Thiere etc. 123 Name d. Tunicata. Salpa (Arten summarisch) Pyrosoma elegans u. giganteum Les. e. Pteropoda. Hyalaea tridentata Lam. Hyalaea compla- nata Ggb. Cymbulia Peroni! Cuv. Tiedemannia nea- politana van Ben. f. Heteropoda. Pterotrachea coro- nata Forsk. Pterotrachea mu- tica u. Fridericii Carinaria mediter- ranea Lam. g. Opisthobranchia. Phyllirrhoe buce- phalum Per. h. Hyperidae. Phronima seden- taria Forsk. 1875 - 7tì - 77 -75 - 76 - 77 - 75 - 70 - 77 - 75 - 76 - 77 - 75 -76 -77 1 1 -75 I 1 - 76 i 1 3 75 76 77 3 - 76 1 75 76 77 1 1 la 3 3 1 2 2 6 5 6 4 3 2 Bemerkungen. Begreift vorläufig nur die grösseren Arten (s. africana, ma.xima, pinnata, nuicronata u. s. w.) 124 E. Sclimidtlein (£> ?-i CD -I— ( .^ a •Ti O -1—1 ?-i cn Es/D aOrS: - p. -; 5 ;h P ce e w tó 2^ Ö o « ?3 w K ««"^ a.H a 05 O •-; te !^ a - ^ Ih Ö S ~-'-tJ . O) =* o .2 « m ■" iS §',b I cä -*> a ti « — • ^ _ _ 5* e e oi -^ o o ,s aO &, fl O O -IJ tn ro ai t>it>i a; <3 ■<< H Ph 02 JÄ H a S Sao lo o -a a 9 o< Beobachtungen über Triichtigkeits- und Eiablageperioden etc. 125 5 CD U ^-S| a ". ^ ;=; C) .a xj •= •? .^5 TS .3 o M '^a w w a a a OJ _. C3 o sa "o a oQ ■^ Ü "^ ^ ^ •g "^ -g C3 "S W W Ph O CO o II i «- a :;= C'^-^' S > =i " 3 > o o - o ^- ö . !» ü rnOOC» (^ a^ a " ce :« 11. ffli ' r' . o ^ '^ e -Ä aCO CO •" a «P^-S ^j ^ ^ ^ g»r3 o X! ^a^^a-^c^aS «ggo^'-'-^aSa ^ c« SicÄ I -a '^ - ^ CQ O 2 a ?ä >>•- ».i^ " qj ^-^ a a _o _ a o " ■S " a ^ qj a> ü|^ a ö — - 5S aj (^ fcH P • CO a? ffS s) !5Ci^ 3 £ o o -• ^^ >^^' ^ aw rf e o ^ a « cB M a ^ a ° — :rS.S bJüP-( ^ -i^^ s ® *5 a'g g ' e »^ a ' § S 2 ü ' a S^ a o o S "^ -a i-'S a^ '-' s^ o •— j_^ a !t2 è^rl ai2 « 3 r;^ S ; TS O a-isi © o ■2 '3 a ."S o tu Dh o Ä a ü W O) 53 hJ TS a a je«*: .2 a fe^ ii £ a §S.2 15 1^ a Q ;.4 ^ ^ a a Ä S CD O O.C Q ;2;. a a Ol 2 CS -J3 CS 'S O 5- " CQ CQ cJ O J OQ 03 tcroidca eretillum morium 05 P- o a 'S Sifl ^ =« 02 c o a 'S -a c« ^ 'bÌDft'S c« .2 oS a cS .3 '3 O CS ?9 « a, > » « CS 'ili §2 o 126 R. Schmidtlein O hl &:S .2 5« 5^ ■< ^ £ M S .S .5 -^ 3 » g.s > s rtPQ'C — « p c S c- P «e -.S Ol ^ = 5P7a c ja ci a 4; -5 -5 2 (-] CO ' ^ 5 <ü i. O 2C ^ « Ol c b£b£9 •S-5 2 « CD (D ^-'^ O _ » C.2 « • S c 3 j o § ö „~ S a 'S o-j- :e a ;; «•SS W Ì3 S .^ =! « 2 g |S o « Ö 2 '^ ►q goc bx).2 2 ii S-,.2 g a 'S -^ !3 a^ V t^ O S «3 .^ ^ -._^ a siM:- oj a-^p oj fl ^ a S ä' ^ !- a O ö 2 § « a 2 3.5 a ^^-2^^ S"'" p ^ © — ; O "S 5 o jr; 2 o SS Wi3 j -2 ■£ !» tq ■^ t: -u =J} ® 'S 'S 2 --2 .2 s a -3 a^ .^ l-H ^=S a > 0^ a DJ a 3 a> CO ^ ,<» o OJ _a X W ^ O l-M i m tu -. ^ ^ .•= iß S ?« .2 a 2 ^ :> S iJ ■« "^ ä « I (y w Qj ^^ a a ~ M N oj a> gj .j- ;- rt a s: °f S "5 • ^ 53 ry3nJ^S>^aa-w ^ß « ^ -Ü 3 £ ^ '-o ^ o a "2 J3 ^ a c« a g ä fe S -U CC ra a l> Ä i CS ;: S ei 11 -a -r- ?'S h-i ce a < -a-- ® a « a^ o -a s-5 « a a «s Q 3- o o a ^ O ^ fe o s-i a a ^ a <3l 2 o o ►-> « Ca Ä beo *o S3 o'.-ä 00 a S-i o e sä a o a "cp S Cl, s€ ?= es ^ «= ü a-r o «. S* " c3 w « ^ >j 03 a e '.a M n a -1^ '5'^ s^a 03 " a cs o -= oc -- 'p <^ ü Beobachtungen über Trächtigkeits- und Eiablageperioden etc. 127 tcJ3 — ->^ -.-3 jj ■" 9 o o 2a £ ■-' sa, «2 1-3 Q, Ci Q .= ^ CJ ^j 5 M ö C r3 2 C — tn > ^ §= Uli .S ^ 2 ö .= "^ pS 'S o 9 -- •— CCI ^ *-, 05 O "^ — ' >^> « Ü o tóS M CIhPh P^ bß C fc- t. SO)« .::^ c O) — •- , (» O Ol P üC S s-s ^. •r; > 03 3 Sri. ~ ü . e "" o 5 'S s S S OhJ tq W W o öp Ä-= -f.- S) -ö OJ. :=;< M o ^ ^ d^ 'O Ö 7;::; O) © flH w "C Ü "^ '■^- c NI 00 ^ Ol t^ Hg > o c a 2 a w a '"2 ;= ^ 3 < = £ a a, ^ ^ ce -a ö 'S CS § SOD rt CS UèZj.S = > a 3 ^. a . o o a o X « C X Q O ^ O aS « >j CS ^ 3 O a a a o a ? d « ÜO (X, H H H o _ Q d m C X iz; 128 R. Schmidtlein -Si 2 i'^ ^ Ò ^ ò 2 - T OS 3 bD h 3 ^-ö 3 05 «IS M »^ J >3 o<; Oh ^ ^ toÄ 43 'S 3 .:; cä 'S .^ OD a .SP 03 _fac B JS 1 1 1 1 1 1 "^ 1 w ' II ^.2 a 03 '2 ' ' 1 1 1 1 1 OJ zc . 03 & ^ 1 1 1 1 1 Q ' 1 QQ C a • ' 1 1 1 1 1 O Q Q Ö 'a a *j o — S] :a N s 1 o ZI .a h CO a si 'S .2 'C =0 03 iti s 'S _a -a .2 'S 3 < a . — . ^ a O CD 03 a OS CS .2 n 4 o 03 02 — :j S ^=* 03 a -a ^ _'a H . ■.ci a & o 'S 02 ü 'S 03 6 a il ■-^ a a e 3 11 ■'S a a p II 03 a 03 s o 03 "S a 03 S) 03 tn ti 03 ^ ü .- 03 'S M £ 53 a 9 s il ;i m <1H ^ r»- :« t.. -^ 03" a '^ 03 . 03 . Ph 3 ^ ^ s a ^ o a 'g a S ^ v^ C4-! a a .s 3 e« 03 2 «*4 'S^ »H 'S TS -§£« " 2 S ^ 'Ö a 'p o *S 'S a 'S ^ ^ 9 2 ^ a a 03 > 5 'S 'S 'S 03 03 Lh a 'co 03 la CQ 03 CO ^ »^ öS m 52 aS (» 03 t- TS -a c« 03 rS^'S^ ^ P ü 03.2-2^2 -S-^ 03 _a 3 tn fl S .5 ü 'S a te O 1^ 'S ö ■iS a a o 'S gw5 ifa S 1 -a o 03 _a 1 1 a li 1 'S C3 U 03 2 '5 03 C 1 3 ' 1.1 O 03 03 J .5 'S 1 2 'S ^ _. -• o > o c5 33 'S 03 i^ -W ::« ^ '^ 03 CS 03 03 11 03 03 «3 « O 0 :-< 35 J-^ a 03 bi 03 tS3 >0 2 03 O 1 Ó Q 3 't-l 03 2 "1 0) a 1 1 'S o a 3l ^-5 a 03 ü 03 Q N9 il :ee a 4= o 03 Q a 2 t- S J2 03 03 SJ (-1 t-i 03 1 ::s 1 1 o > o Ì25 ® 'S •s^ o fH O a es 03 a •-5 a 03 Q S3 5c^ 03 3 -2 1 3 1 s s cä 1 O «3 1^ X ä ,^ '5 'ro (D 1 'S ^ <» -Ö 3 03 « s o o a .ä^ ce « Ö cS :« OJ 03 .-H a^-g a 3 -»'■5.2 r^ 03 3CQ O S ce •A a s ig ;3 a 03 tn •1 O ja 03 a 03 03 o o a c3 "es Ig" " « » OQ ag s a H^ 1-1 O 03 a a o o O eS t> «« >>2 bS tc SS !0 CS ^ t» 03 i^""" a •r" 03 ^ p ü a3.2'sH 2 5-^ 'ala a 03 3 03 a 2 03 »03 CS 'ö u: 0.^ 03 m 3 j- t* .2.§| 0-1 j» CO "pH eq — I rri '^ P-^ a ^ -^ ^ --^ =? « -s a S 2 o3 H^ g ^ a s E " =?^ ö?ia-Ä otd-T^.ir eScä-M Sh ■o "S ü o ,-- — o ü 5 . ? ? a s a g g a TJ "S p a « j; ^ W ha r^ . m — CS a» — "^ •■:; a^-'-'T^ o ,^s)a^a "cs 5a~-'-3'^ ^ ^ I äg 3^fe§^S ^ .pa||i l.a- 1^ ^^iSi^i-« •= f W 4 S o ^-^V. 2^ öa c,aj«°?^ !-ac:«« -• "^3 g-g ^ : A^ ^ a^ H''-3P£,= - " ja ^ " 3d,i- =« c« ag 2 r; a'T^a-S a_2 a»^ g jg : ^ -r 2 ^ § -^ >l^ ^ i §.2l§J5ä igi§==g g^§^ I. .2^.3 rc§ 5-= o a- 3 S es ^ 5 g o.a , S 2 ^ßo o! S a-S3 ;^'^=r5r„:ecs :c5:322::> ' ;:;_?3aoT- , 1 ?-^a .§ 3 J 3 2 -r a 3 p bc^ ^ ar. -s _5 -S ^c 3 i* a :S 3:3 cS 00 b£r.3 i2 ;=igsì;aì; 55ci-'^i' '?5-r 2^^ S*^ 'e^ aj 3 2 Q' '53 -^ O -" • sc y f^ S-i o o W X bC a bß sS o W 2 5 >> M «D _ -C O -^ i- W SJ W tSJ <3 W CS 'S -^W-^ o ö « oj g 'S a s =« >■ ^ bei: CS a c3 S a r- Ja O ^ OS a^ -£ OJ ® ö ah; ® S WS Qj es ■- ^ OJ cS S a. .5 j-i 3 a ;^ TS e o o O tSJ ^ I « a a.2 ^:i^ >< s-i =2 3 ® - S-ö a3=; a W _a a es «2 a "cS bea es r- . O, cS £; a a2 0.2 ^ £ a :^~r2 .-^ s -S..2 S a ä > H .2 — -a i_j a . a il cu 2 ^ß -a es 2 i a >H bO a 93 cs_2 a 'S 'rea (um a W iai 1^ "2 a ^ ._ ^ a '_^ *^ ts --. a e: 5i 7 « i- CS ^ -- 2 ^ g 2 3 S^'^i5 ä ö S r T : b»'Q CO "^ o '^ • '^ ^ 5^ « - ^a a . a ■„ :^2aS a ]— ; ^ c :a c» .^ _ 2S w a CO 'S, £ " s .— o öJD'p a ■ cs 2 'c; ft ;: CS, a •"' > 8-, a CS eS O CS •S bC esS: o © a "ä .s . Ì7 I I -a CS a g 2 CO !-< *02 *^ cs_2 es g CS cS ü 2 o 2 S3 g x: ^ o o o.S g Dh hH S hS o 2 2! -a r; CO '"'' ■^ ^ a « o a E o -3 'S CO ':3 CS cS o « a CS .2 .r— 5 CO o a a oj £ 00 T- CS ö 5 2 cs.a © "n: es ^ Beobachtungen über Trächtigkeits- und Eiablageperioden etc. 131 5m^ o£ ri '^ > S ^-2 =ä a) 5 o jl " ■c3 ? " C ,fc ^ « .S «- !- C '-' .S S- rr. 1-^ 05 o 3S f^ 55 a . . . s . c» r; "H ■^ a^ f^ "^ « é " *"* 3 ^ tc oj •- S 2 b£ bc ^ _ -" ^ — 132 R. Schmidtlein •OS oro 0) 2 "-a >, 3 ? "3 «^ o tu'" d acDca g ä C o S'S ti gp^ 1- bfi 2i '^ e "^ 0) .^ so JaPH a ^^ ^ .5;3 a 3 si '3 e 't^ „'^■^ ica tao M ^2 3 [S-S-S ^ «1 ■^3 e x - g » 3 ., i§ ti «=2 Wj;-. -- O o tì ^ c3 S5 .2 II fi Ö ^ — «2^ <^% B c3 t: t 1^11 5 a< 1« a a ■•^ Q "3 .2 'S .=P t-i faß _a .2 *C13 «-.2 a 6 a o 1 I 'S a Ü e» ^1 a 1 Iti a ■a o ce CO Q S -a > Ut Q ■S "a Ü 02 1 a Ih ,a '-'ce ^ _© c 1 1 a a co 6JD ^r tH 02 "ti « 02 3 a a a-2 a-« ■73 a •A 11 05 a o -a « .2J _S s-a i2 :a 6S. a il 1.^ o '1 e a n» a a e« 02 O a o > e« "o O a a ^^ (» 02 -a^ o •a !c ^-a - h£ CD e ;-< :3 a _02 a 11 a ■a a a •jr 0) 5 N ^3 oc a _a © a o .2 .2 ,2 1« -a o m a a «a a •■2 'S 3 'a ^ -a O ^ Ö e« a^ ""'5 a OJ :« O ii =^ > à .2 'iH a bC o3 '1" =« tn •— 02 -^ 'S 02 a o o S co "d ri T- S O i- ir S -^ .2 =* « S 2 a SiS a ® — ti; ^ co _a o te .2 > =^ ^ !« g S 'Ci < £ ^.2 S _^ 2 cj_a "a b£ ö 'S <3 a m =2 'S 05 aj e a cS cS 5 2f §D^^-Sä O ^ <^ biß e«! "D '-* ■■=U)3 -S ^ = 2 Ö S ^ ^,f,^ 'S 3S aj .fh OH a © a 'S 11 « • 3 3 t-, e« a (^ 1 Em '3 a N "a a: 2 'S Ut d 1-5 «a a a c3 e« 3 'a e« a a a Lf3 :3 a 1 11 a a ce '-5 '2 1^ 3 ^ S 11 ^ a '3 s3 a 0- la B -sa a o S §1 S o §.2 o a M 02 S 1 O pq te a CQ o -u .2 e« 5 se o 02 .2 > cS 5 'S 02 a 2 §.2 «3 o .s* "a e« 'i a . "a <1 oä .2 -2 •i—i tn >^ < tn a ? a -^ 'S te _ 02 'C 'ZL 'C o a 32 m Beobachtungeu über Trächtigkeits- und Eiablageperiodeu etc. 133 S .2 g 3 E ■g >: qj:.S ■- e 'S'S-^ E S g P. '^ c ■- "^ S j -5 'S .te ^ ■- 3 rt o; o J3 »j "S '^ •g « £ S4*^ S 2 «> » 2 •^ 0) -P c tu S E -S 'S 3 ^-^ .5 -^ .S^ .= ^ = .S CJo3 « I cua— COJl'r- — - 'S fe Ä o) ,5 M^ « >.^.>^ .■ • ^ .- ,• ±; « ir • c QQ ^ 5 ' Q° ^ ^Q '^' ifi Litiasi s^^il i:^ Sil .:is II ||.^ ^|i?ll| ilfil llä äl^ -^él gl ìli 'S^lP" lS|i§ «IS ä'i „ H-h la r|i s^l'l^l .|||g| jl| s|-g I 11=^ ili ^iä iriiiiiiisii Ig"- ii.i ^" 11^5 111 i:.l asili glaS-^^P g||ill1ri| 11I|S gp 1S| |äi|i| Stiglili «Il HI iii.y jifTi^ Si 'à< :7i o O K o .- SI |s IS a ei rK ^ c = 'w C^ O CJ • - ce '^ US c« - ,^ O! 2 .a .S CO ö O = cd Wfe i-s ü tn r;- ^ ^ c'irli £ i^"^ ÌU R. Schmidtlein a ^ O M O An^ s _^ ^ 0) -e w a e 'ci •a < :3 o a < ^ Ö D QJ hf -u sa TS ss a eq o " ?; p .- ■-. -« i^ „ a o § -^^ J '^ " -= ^ bfS:rS ce 03 . - C « fl O aj o w — , — I .= -O t^ rK hE Ö » o 5 ^ ai 5 s « ^ .S "^ s ^ -S '« a^ bcajfe,(u.a & e 3 o-"?-^^ ^ ii © «^ o ri S Q Q P3 o^ e « --^ '^ -a a bJD O 03 111 in -c oj a 'S a _ ^ Pie a a a -a a « a> 03 o © ^ — - a r- co ^ ^ s -' S S a ^ Ö a-^l^ ^ e ^"^ 5 e s3n r- ^ 'S o a « ^ ^ 5>D.2 «a a a >> S 03 O I>^ 03 'S E^ •Sf-i.ä^ Ö =^.5 — •a3'-'"'^aT!av- § ©a 1^ = ^ " "^ -'a a a a a S a a a a Ü -; bxì— ' a a =* '^ 03 'C^ a .i; p .3 03 S N a js ^ _ a-2 a 'Ö '- 3 03 S -^ Cd br • ^ I 03 5 2 a 9 (D i3 cu -à'"Ó3 S .§ 2 a .S ^ S « £ ^ 2 > Wla S +^ a r^ "^ 03 03 c'v 03 «"'S c3 a ": 'S s a 'S ® r/3 -^ a a ä^— 2 > 'ot S "ce .a Cu *s a "!! .21« e 5 o » ^ _« .2 >.ä mS -^ -" t^S 2 a'a <=> „S oj a^: al— 1 =£■ 2 a 03 03 — - 3 > !.. Ü a ::i r, 03 co 03 p^ "SIS 'S a è o ar5 t-5'--hco3t-a-— "*^ s a:«-g=s.x3=:§fe'a g «a^-tìSiCa-S-SaS °® a.S § «.se « =«j «a o - =«o.2^'öo9 — ' g-c >^S'ö «"T a -_^go3'^.2^fefai§ a s o g - r; -I ;> a £ -a .2P 03 S ^ ° « a.--2 bß 03 -S >, N ^ O -g ^ ip g - y ^^ a bcü-s a p ■ S3 S^J 1-5 t^ 1 a a.S 03 a ag ^ "a a a ab 03 jr! a a .2 s 03 rv],a 'Ö ^5« 2 SS o "^ fl ^ a^ a 03 . ^3 S a 2: te a'^ £ « 2 P o j .212-11 a 5 a i a a no "o'm 2 ■* a o ^ b£ Beobachtungen über Trächtigkeits- und Eiablageperioden etc. 1 35 g « ij3 iE g !3 S-g hca ?lf=^ .2g.| so" 00^ c >■ M<1 bß-n >» ^ to t>9 3 0) Tt X> O o m o S-l ^ 0-1 •S 3 .,.2 a .2 aS ^^ :S«SS . IQ. 'S a o,. cjOä a o . (— 1 o Q o "i .::^ CS ^ r-, in a- ?;-"Ä =y =» ö 1 y oj :.isii| I Pili: I r ^ti ii=-i ^ « llllls^ I lltsll I I df III !|S| .3 II Br:ji.ii.. I li&ii« " |s ti III 1311 ä 51 i'°i 5^1:1^? .11 gli g g ^1 11 §11 r^iT^ £ fs g.H^ ^-2 3)^^;S 1^.2 •iSU-.a «-issi è ^ S3 è J ä2:?^| 2 §•! 53^5 p i i-S 3 — CS Si ;S 14 'S a cß W^ W <1 1) cä .f^ ,^ « ' 2 a .a c «> « r j^ -^ fit 2 _=P "o S.^S'S'^ a intern ^iC' ^ g<_2 £" 2 ti.a3=:2 « 33oOoo "'-"g-^'33 5 33. &?-.£'> <|<1 caö O OOa 136 R- Schmidtlein, Beobachtungen üb. Trächtigkeits- u. Eiablageperioden etc. W S 5>0 w o S ,2 'S -5 I2 J^ I o . o >» ^ B — • bß (vi &c-r « .3^ OJ •1 Q 'S a 00 — ,1 1 IH OJ '^ cä a> g "«Ig «2 tS 1^ ^ := &j 03 •.— ' '^ .00 3^^ 2 9 a » a> s5a CO > ^ 'S .2f -3 ni Ä ca CJ _j a 'S oc a 5 J3 w 0) Ol ö ESI -2S o i^'-s o N « OQ •S o ^H o a ^ « i, S P CO *- 2 S =* =2 g i^ Kb 0) o - ^ y .S-^r" ® S Ö *^ pq ü fJH rs s -r, O CO tj O Oj —; aj CO 03 -. CO c3 •'^ ^ as^ H =^ a r-l OJ 22a feC' .2 fi. *^ a ^2 ^ .2 a ^4-1 a CO sä .9 ■3« a^ 'S £ a 2 -> bß ai-jnS rt a ■— ' 93 a od -.2 a 'i 'n a 2 o o So« 00 o ÖD . )a 03 ^ o CD ^ ^^ 3 .0 o o _ ^ a 2 9 § so ^ ■2 2 fi •« a o o £ W -g ^ I .■S o a o OQ a to 03 •— ' ^ . „ o o a '^ '-i a ^ o Ä 9 -« -' a --^ .^ 03 1— ' I 111^ i WH N ^ 3 o c* 2 « a Sc o*3 a £ o c-i j 2 , o 9 &ß.= . > >» >. OJCK a: OJ H See aj a ■" O o ss O "bß^C .ir >> bri ;- Bericht über die Zoologische Station während der Jahre 1876—1878. Von Anton Dolirn. In dem Vorwort zu dem »Ersten Jahresbericht der Zoologischen Station«, welcher im März 1876 geschrieben ward, versprach ich regel- mässige weitere Berichte folgen zu lassen. Ich habe das Versprechen nicht gehalten, und fühle das Bedürfniss, hierfür eine Erklärung voran zu schicken. Als ich den Ersten Jahresbericht schrieb, war die Station umgeben von Schwierigkeiten aller Art. Ihre Einrichtungen genügten nicht für die Aufgaben, die sie sich gestellt sah: ihre Mittel waren völlig er- schöpft; ihr Renommee keineswegs so feststehend, dass jede Befürch- tung überflüssig gewesen wäre. Das Alles trieb mich, die grössten Anstrengungen nach verschiedenster Richtung zu machen, um den Schwierigkeiten begegnen zu können. Meine Anstrengungen blieben nicht erfolglos, aber sie erzielten nicht so rasch das gewünschte Resul- tat, um mir zu erlauben, im Frühjahr 1877 einen zweiten Jahresbericht herauszugeben, in welchem die Erfolge verzeichnet gewesen wären, ohne welche ich nicht glaubte, von Neuem der Oefifentlichkeit gegen- übertreteu zu sollen. Um so erfreulicher ist es mir nun, dass ich in diesem Jahre im Stande bin, meinen Bericht über die Fortschritte der Zoologischen Station mit der Mittheilung wichtiger Errungenschaften zu eröffnen. Der Zeit nach die erste war die Bewilligung der Mittel für den Bau eines Dampfbootes, wie ich es als Desiderat noch im Ersten Jahresbericht weitläufig auseinandergesetzt hatte. Die Berliner Akademie der Wissen- schaften hat einstimmig meinen Antrag genehmigt und 18000 Mark zur Herstellung des Schiffes bewilligt. Zugleich trug sie bei Sr. Excel- 1 38 Antoü Dohru lenz dem preussischen Unterriclitsminister auf eine Ergänzung dieser Summe bis zu 24000 Mark an, und nach geschehener Genehmigung des Beschlusses der Akademie erfolgte auch Seitens des Herrn Ministers die Bewilligung von 6000 Mark aus dem Fonds desUnterrichtsministerii. Der Dampfer ward unter den Auspicien der Herreu Siemens in London auf der Werft von John J. Thornycroft erbaut, und kam am 26. Mai 1877 glücklich in Neapel an. Ueber seine weiteren Schicksale, seine Con- struction, Ausrüstung und bisherige Benutzung gedenke ich ausführlich in einem der nächsten Hefte dieser »Mittheilungen« zu handeln. Fast gleichzeitig mit diesem grossen und wichtigen Erfolge gelang es mir auch, einen andern zu erringen, der schwerlich von geringerer Bedeutung ist. Die eigenthümlichen Verhältnisse, unter deren Druck ich mich bei dem Beginn meines Unternehmens befand, hatten ihren Ausdruck vornehmlich in einer für mich sehr ungünstigen Bedingung des Contractes gefunden, welcher mit der Stadt Neapel abgeschlossen ward. Derselbe setzte fest, dass das Eigenthumsrecht an der Zoologi- schen Station dem Municip gebühre, das Nutzniessungsrecht aber auf dreissig Jahre mir zukäme. Es würde nicht opportun sein, all die Ein- flüsse hier zu schildern, welche zu so ungünstigem Resultat zusammen- wirkten, — erfreulich dagegen ist es, dass ich mittheilen kann, wie durch Revision des Vertrages die Dauer meines Nutzniessungsrechtes von dreissig auf neunzig Jahre durch fast einstimmigen Beschluss des neapo- litanischen Municips unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Duca di San Donato verlängert worden ist. Der Zool. Station ist weiterhin durch die Gnade Sr. Majestät des Deutschen Kaisers für das Jahr 1877 ein Geschenk von 8000 Mark zuge- wiesen worden, und eine noch beträchtlichere Subvention steht für das laufende Jahr in Aussicht. Weiter habe ich hervorzuheben, dass mit dem Jahre 1877 die Italie- nische Regierung die Zahl der Arbeitstische verdoppelt hat, welche sie contractmässig in der Zoologischen Station gemiethet hält, dass sie somit also über vier Tische verfügt. Die Preussische Regierung hat vom October 1877 einen dritten Tisch gemiethet, die von Bayern, Württem- berg und Baden gemietheten Tische sind von den betreffenden Staaten budgetmässig übernommen worden, der von Mecklenburg , welches die Erneuerung des Vertrages leider ablehnte, bisher gehaltene Tisch, ist von Hessen-Darmstadt und Hamburg in Gemeinschaft übernommen worden ; der Vertrag zwischen der Station und dem königl . Sächsischen Hausministerium ist verlängert worden ; die Schweizer Naturforscher- versammlung hat zunächst auf 1 Jahr einen Tisch gemiethet, die Hollän- Bericht über die Zoologische Station währexid der Jahre 1S76 — 78. 1 39 (lische Regierung den Contraet auf weitere 5 Jahi-e ausgedehnt, die Uni- versitäten Cambridge und Strassburg, sowie die British Association stehen noch fortgesetzt im Besitz ihrer Tische und die Berliner Aliadeniie der Wissenschaften verfügt als Entgelt für das Geschenk des Dampfers auf zehn Jahre über einen Tisch , ebenso wie das Municip von Neapel als Entgelt für die Verlängerung des Nutzniessungsrechtes auf neunzig Jahre. Der Vertrag mit der Russischen Regierung erwartet seine Erneu- erung erst im folgenden Jahre. Durch zweckmässige Umgestaltung in der Einrichtung einiger Zimmer ist die Zahl der verfügbaren Arbeitsplätze in der Zoologischen Station bis auf sechsundzwanzig gesteigert worden, so dass noch weitere Contraete abgeschlossen werden können ohne im Geringsten der Lei- stuugskraft des Institutes zu viel zuzumuthen. Ehe ich mich nun zu den Veränderungen wende, welche in den vergangenen zwei Jahren im Personalbestande der Zoologischen Station eingetreten sind, halte ich es für passend, nochmals die Beschreibung des Gebäudes zu wiederholen, wie sie in dem ersten Jahresbericht ent- halten aber doch nicht zur ausreichenden Verbreitung gelangt ist. Beschreibung des Gebäudes und der Einrichtung der Zoologischen Station. Das Gebäude der Zoologischen Station erhebt sich im Mittelpunkte der Villa Reale, des ötfentlichen Parkes der Stadt Neapel. Diese Lage ward uothAvendig durch den ursprünglichen Plan, die Betriebskosten des Unternehmens zum grössten Theil, wenn nicht vollständig, aus den Eintrittsgeldern zu bestreiten, welche das Publicum bei dem Besuche des Aquariums zu zahlen hat. Als im weiteren Verlaufe des Baues es bald klar ward, dass ein solcher Erfolg nicht zu erwarten war, vielmehr die Hauptstütze des Unternehmens in den Subventionen liegen müsste, welche durch die Verträge mit verschiedenen europäischen Regierungen bezüglich der Benutzung der Arbeitstische abgeschlossen worden sind, konnte eine Aenderung der Lage ebenso wenig wie der Disposition der einzelnen Theile des Gebäudes mehr vorgenommen werden. Dem ur- sprünglichen Plane ist es also zuzuschreiben, dass kein Privatgrundstück erworben ward, — das, so im Mittelpunkte der Stadt und doch zugleich am Meere belegen, damals nicht zu finden war, — und dass die lang- wierigen und das Unternehmen nach vielen Seiten einengenden Ver- handlungen mit dem Municip unternommen werden mussten, die zu 140 Anton Dohrn dem erst im Jahre 1875 perfeet gewordenen Vertragsschluss geführt haben. Durch die Einrichtung des Aquariums suchte ich zugleich die Mög- lichkeit zu schaflen, Studien über das Leben der Seethiere anzustellen, welche bisher nur in sehr beschränktem Maasse ausführbar gewesen waren. So räumte ich also fast die ganze untere Etage des Gebäudes, dessen Pläne und Durchschnitte hier zum ersten Male veröffentlicht werden, dem Aquarium ein, und verband dasselbe in solcher Weise mit den Laboratorien, dass letztere zwar in jeder Weise durch die Existenz des Aquariums unterstützt werden, aber von dem öffentlichen Charakter desselben keinen Nachtheil erleiden sollten. Die mannigfaltigen Ansprüche, welche durch die ganze Organi- sation an das Gebäude gestellt wurden, fanden ihre Befriedigung durch - die in Nachfolgendem beschriebene Einrichtung. Das Fundament, welches auf eine anderthalb Meter unter dem Niveau des Meeresspiegels sich findende Sandbank gebaut ward, besteht aus zwei Abschnitten, dem Cisternen- und Leitungsraum, und dem Ma- schinen- und Pumpenraum. Der erstere ist der weitaus grössere, und ninmit einen Raum von 704 Quadratmetern (7000 Quadratfuss) ein. Er enthält drei grosse Cisternen, welche eine Wassermasse von ca. 300 Cubikmetern aufnehmen können. Ausserdem befinden sich zwei grosse Vorrathsbassins darin, eine Küche und allerhand kleinere Räum- lichkeiten zur Aufbewahrung von Utensilien, Aquariumglasscheiben, Fischereiapparaten etc. Unter dem Boden ist ein complicirtes System von Röhrenleitungen und Canälen, welches gestattet, die einzelnen Bas- sins oder Cisternen mit einander in oder ausser Communication zu setzen, sowie die Abzugscanäle des Gebäudes regelmässig auszuspülen.' Es ist durch diese Einrichtungen ermöglicht, alle Re])araturen der Cisternen, Bassins oder der Röhrenleitung vorzunehmen, ohne im Ge- ringsten die Wassercirculation zu unterbrechen. Die Temperatur und vor Allem die Reinheit und Klarheit des Seewassers ist gleichfalls in der besten Weise durch diese Einrichtungen gewährleistet, die, — ich freue mich, es aussprechen zu können, — bisher den einstimmigen Beifall aller Sachverständigen gefunden haben. Durch einen Schlüssel, d. h. durch einen Hahn, der drei Röhren- systeme in Verbindung bringt, steht die ganze Wassermasse der Cister- nen in Verbindung mit einer kleinen Cisterne, die im Maschinenraum belegen ist, der an der Westseite des Gebäudes und ausserhalb desselben einen Raum von 1000 Quadratfuss einnimmt und zwischen dem Niveau des Meeres und dem Niveau der Villa Reale, also gleichfalls unter der Bericht über die Zoologische Station während der Jahre 187ü — 78. 141 Erde sich befindet. In diesem Räume sind 2 Röhrenkessel jeder za G Pi'erdekräften, 2 Dampfmaschinen jede zu 4 Pferdekräften, eine Dampf- hiftpumpe aus Hartgummi. 2 4zöllige, 3 2zöllige und 1 1 zöllige VVasser- pumpen gleichfalls aus Hartgummi. Die 4zölligen Pumpen sorgen für die Circulation im grossen Aquarium, 2 2zöllige für die Füllung der Aquarien in der oberen Etage, die dritte 2zöllige für die Aufnahme frischen Meerwassers, wenn solche uöthig wird, die 1 zöllige für die Hebung des Meer- und Süsswassers in die Cisternen unter dem Dache, von denen nachher gesprochen werden wird. Sie ist zugleich transpor- tabel und lässt sich auch von Menschenkräften treiben. Ausser diesen Maschinen und Pumpen enthält der Maschinenraum noch einen Dampfdestillirapparat, ferner entsprechende Kohlen- und Coaksräumlichkeiten . Durch zwei Treppen steht das gesammte Souterrain mit der darüber belegenen Aquariumsetage in Verbindung. Der Eingang in die letztere und damit der Haupteingang in das ganze Gebäude ist auf der Ostfront. Der Besucher betritt zunächst eine kleine Vorhalle, die durch zwei Tourniquets von dem Innenraum des Aquariumsaales getrennt ist. Zur linken Hand ist die Casse, bestehend aus zwei kleinen Zimmern, deren eines jedoch als Laboratorium gelegentlich Verwendung findet. Zur rechten die Haupttreppe, welche in die obere Etage führt, sowie ein kleiner Privateingang in das Aquarium für diejenigen, welche mit Karten versehen sind oder sonst das Recht haben, das Aquarium ohne Entrich- tung von Eintrittsgeld zu besuchen. Ein dunkler Vorhang trennt das eben beschriebene Vestibül von dem zwei Stufen tiefer liegenden Aqua- riumsaal, der auf allen drei Seiten von grösseren Bassins umgeben ist, und im Centrum, innerhalb eines rechteckigen Lichthofs noch zwei Reihen kleinerer Bassins enthält. Der Raum, in welchem das Publicum sich bewegt, beträgt 260 Qua- dratmeter. Er ist sehr einfach, ohne irgend welche Decoration, dunkelgrün, von 19 runden rothen Fenstern, die hoch angebracht, und behufs der Ventilation zu öffnen sind, erleuchtet. Alles übrige Licht fällt durch die Bassins hindurch, so dass also die Thiere in denselben bei weitem besser beleuchtet sind, als der Zuschauerraum. Die Bassins selber sind von sehr verschiedener Grösse. Das grösste auf der Westseite enthält 112 Cubikmeter Wasser, sein Wasserspiegel ist zugleich der höchste und hat nach beiden Seiten hin Abfluss. Die Bassiu- reiheu auf der Süd- und Nordseite nehmen das überströmende Wasser aus dem grossen Bassin auf, und tragen es durch die eignen Zuströme vermehrt von Bassin zu Bassin bis an das Ende jeder Reihe, wo denn 142 Anton Dohrn die gesammte über das Niveau des letzten und zugleich niedrigsten Bas- sins steigende Wassermasse sich in ein Abzugsrohr sammelt, und in das Souterrain geleitet wieder in die Cisternen zurückkehrt. Die kleinen Bassins des centralen Lichthofes empfangen ihr Wasser aus einer Abzweigung der gesammten ßöhrenleitung ; das überströ- mende Wasser, das von einem Bassin wiederum in das benachbarte sich ergiesst, wird am Ende jeder Keihe gleichfalls durch ein Abzugsrohr direct in die Cisternen geleitet. Die Röhrenleitung ist wie in den meisten englischen Aquarien aus Hartgummi, einem zwar sehr theuren, aber zugleich auch sehr vorzüg- lichem und dauerhaftem Material gefertigt. Das Hauptrohr steigt von dem Maschinenraum auf. nachdem es durch ein _[_ Stück mit beiden 4zöIUgen Pumpen in Verbindung gesetzt worden ist, durchbricht das Gewölbe neben dem Hauptbassin und steigt bis zu \.2 Meter über das Niveau dieses Bassins, theilt sich dann in zwei Haupt- und einen Neben- arm, — letzterer für die centralen Bassins — , und giebt aus den beiden Hauptarmen 6 Ströme für das grosse Bassin ab. Die Ströme können je nach Bedürfniss von 1 Zoll bis 3 Linien im Durchmesser wechseln. Dann biegen die beiden Hauptarme um und laufen über den Bassins der Nord- und Südseite hin, in jedes Bassin einen oder zwei Ströme ab- gebend, die unter hinreichend starkem Drucke stehen, um bis auf den Grund der Bassins zu gehen und die mechanisch gebundene Luft in feinster Zertheilung durch das ganze Bassin zu verbreiten. Das Wasser, das von Bassin zu Bassin fliesst, überschreitet mehreremals fussbreite Mauern, strömt also darüber in so dünner Schicht, dass es noch reich- licher mit Luft gesättigt in das Nebenbassin überfliesst. Da ausserdem der Algen- und Diatomeenwuchs in den Bassins sehr stark ist, — so stark, dass wir oft dagegen einschreiten müssen, — so findet sich das Wasser trotz der unverhältnissmässig grossen Zahl von Thieren, die in den Bassins lebt, fortdauernd in so gutem respirablen Zustande , dass im Winter die Circulation auf 12 im Sommer auf 6 Stunden ausgesetzt, dem entsprechend also Kohlen und Arbeit gespart werden kann, und die Thiere trotzdem, entgegen den darüber verbreiteten Annahmen, vorzüglich leben, sich fortpflanzen und die Brut einzelner auch sehr gut sich entwickelt. Durch verschiedene Thüren steht der Aquariumsaal mit den Bassin- räumen in Verbindung, so dass die Communication für die Bedienung der Bassins in dem ganzen unteren Theil des Gebäudes äusserst leicht und sehr wenig störend für das Publicum ist. Ein kleines Eckzimmer auf der Nordostseite ist dann das erste Bericht über die Zoologische Station wUhread der Juhre ISTü — 7S. 14:3 Zeichen der eigeutliclien Bestimmung des ganzen Institutes, denn es bildet ein kleines Laboratorium mit drei Arbeitstischen und den entspre- chenden Studienbassius. Doch werde ich die Einrichtung solchen Labo- ratoriums weiter unten mittheilen. Rechts im Haupteingange des Gebäudes liegt die grosse Treppe, welche in die obere Etage führt, und auf der breiten Loggia der Ostseite mündet. Die obere Etage ist von drei Seiten, Osten, Süden und Westen, von Loggien umgeben, welche sowohl aus klimatischen, wie decorativen und constructiven Gründen errichtet sind. Nur die Loggia auf der West- seite ist durch Fenster geschlossen, während der Raum auf der Nord- seite in das grosse Laboratorium hineingezogen ist, da die Nordseite durch die Sonne nicht getroffen wird, und diese Seite als die Hinterfront des Gebäudes angesehen wird. Die Mauern, welche die Loggien gegen die hinter ihnen liegenden Zimmer abgrenzen, stehen, wie ein Blick auf die Pläne lehrt, unmittelbar auf den Mauern, welche die Aquarium- bassins in der unteren Etage gegen den Zuschauerraum begrenzen, so- mit also auch auf Fundamentbau. Diese Disposition giebt dem Gebäude seine Festigkeit und erlaubt es, mit so schwerem Gewicht, wie es die Bassins, die Bibliothek und die Hochreservoire unter dem Dache sind, die Gewölbe zu belasten. Die Vertheilung der Räumlichkeiten in der oberen Etage ist sehr übersichtlich. Die drei mittleren Fenster von Nord- und Südseite sind in je einen grossen Saal zusammengefasst, dessen Breite an der Nordseite um die Breite der Loggia den der Südseite übertrifft. Beide haben die gleiche Höhe bis unter das flache Dach, — also gegen 25 Fuss. Der Saal an der Nordseite ist zu dem Hauptlaboratorium eingerichtet, der der Süd- seite enthält die Bibliothek. Neben beiden Sälen befinden sich kleinere Zimmer, die an der Nordseite, der mangelnden Loggia halber geräa- miger oder zahlreicher als an der Südseite sind. Ihre Disposition macht ein Blick auf den Plan klar. Das grosse Laboratorium ist ein sehr complicirt eingerichteter Saal. Da er auf zwei Gewölben ruht, — dem Gewölbe über dem Zuschauer- raum und dem über der Nordseite der Bassins — so konnte er mit starkem Gewicht belastet werden. So trägt er denn auch, ausser grossen Schränken an seineu drei Wänden, auf dem inneren Gewölbe die Studienaquarien, welche in zwei Etagen mit je 10 Abtheilungen Raum genug bilden, um zwanzig Forschern solche Bequemlichkeit zur Aufbewahrung und Züchtung lebenden Untersuchungsmaterials zu bieten wie sie bisher nirgends geboten worden ist. Durch eine lange Leitung von Hartgummiröhren stehen diese Aquarien mit den beiden 2zölligen 1 44 Allton Dohru Pumpen im Maschinenräume in Verbindung und jeden Morgen und jeden Abend wird die gesammte Wassermasse erneut, während am Tage und in der Nacht das Wasser der oberen Etage dieser Bassins durch feine Röhren in die der unteren Etage einfliesst und dabei noch eine beliebige Zahl ganz kleiner transportabler Bassins oder Glasgefässe durchströmt, welche zur Isolation von Eiern, Larven oder bestimmter Thiere den einzelnen Naturforschern zur Verfügung stehen und sehr praktisch erfunden worden sind. Diese Studienaquarien empfangen ihr Licht von beiden Seiten : sowohl von der Nordfront des Gebäudes, als auch von dem Lichthofe, gegen den zwei Fenster und eine Thüre sich richten. An den drei grossen Fenstern stehen 6 Arbeits- tische, doch ist zwischen ihnen und den Tischen noch so viel Raum, um eine bequeme Passage und in Zukunft auch eine Reihe schmaler Bas- sins anzubringen, welche direct durch- und auffallendes Licht haben, also zur Zucht durchsichtiger und kleinster Thiere sich besonders eignen werden. Ueber den 6 Tischen ist eine auf eisernen Säulen ruhende Plattform angebracht, welche durch zwei eiserne Treppen mit dem unteren Räume des Laboratoriums in Verbindung steht und ihrerseits weitere G Tische trägt, denen ihr Licht aus der oberen Hälfte der 20 Fuss hohen Fenster zukommt, und für die gleichfalls eine Reihe Bassins an den Fenstern eingerichtet werden soll. Diese Plattform führt beider- seits durch einige Stufen auf eine Gallerie, die auf den grossen an den Wänden stehenden Schränken sich aufbaut und die systematische Sammlung trägt. Die Gallerie des grossen Laboratoriums ist auf gleicher Höhe mit der obersten Etage der beiden kurzen Fronten des Gebäudes. Denn da die Höhe von 25 Fuss nur für die beiden Säle vorbehalten war, so konnten die übrigen Räumlichkeiten der oberen Etage in der Höhe von 15 Fuss in zwei über einander liegende Etagen geschieden und so der verfügbare Raum auf das Zweckmässigste ausgenutzt werden. Es wurden so für die oberste Etage noch ] 2 Zimmer und Kammern ge- wonnen, die theils zu Laboratorien mit Arbeitstischen und Aquarien ein- gerichtet, theils als Wohnungen für Wärter oder als Vorrathsräume be- nutzt worden sind. Ueberall ist Bedacht genommen, die Communi- cationen aller Theile des Gebäudes so bequem als möglich herzurichten, zugleich aber auch dafür Sorge getragen, die Arbeitsräume unberührt von dem eigentlichen Dienst des täglichen Betriebes zu halten. Durch die Herstellung einer Communication in dem Lichthofe auf der Höhe der ersten Etage ist das System der Communication abgeschlossen, und das vorbezeichuete Problem vollständig gelöst , da auch durch den Bericht über die Zoologische Station während der Jahre lS7(i — TS. 145 Durebbruch einer Thiire in der Innenwand des Bibliotheksaales an der Südseite, ein directer Verkehr zwischen diesem Saale und dem grossen Laboratorium besteht. Wie die Beschreibung des Gebäudes wiederhole ich auch an dieser Stelle den Abdruck des Vertragsinstrumentes, wie er zwischen der Sta- tion und den verschiedenen Coutrahenten abgeschlossen ist. Vertrag. Zwischen der Kegierung und dem Dr. Anton Dohrn zu Neapel ist nachfolgender Vertrag geschlossen worden. §1. Der Dr. A. D. stellt der Regierung in den Laboratorien der von ihm gegründeten Zoologischen Station zu Neapel einen Arbeitstisch für die Zeit vom 187 .. bis zum 188 . . unter den nach- folgenden näheren Bestimmungen und gegen die in § II angegebene Miethentschädigung zur Verfügung. a. Die Arbeitstische müssen nach achttägig vorangegangener Anmel- dung eines von der Regierung zur Benutzung desselben nach Neapel gesandten Gelehrten vollständig ausgerüstet diesem Gelehrten zur Disposition gestellt werden. Zur Ausrüstung gehören : 1. Die hauptsächlichsten Reagentien. 2. Die zur anatomischen wie mikroskopischen Technik gehörigen Instrumente und Glaswaaren. 3. Zeichen- und Tuschutensilien. Eine Reihe seltener noth wendig werdender Instrumente und Einrichtungen werden in der Station vorräthig sein, aber nicht jedem Arbeitstisch einzeln zugetheilt, sondern in zwei oder drei Exemplaren für alle Arbeitstische gemeinsam gehalten werden. Optische Instrumente liefert die Station nicht, da voraus- gesetzt wird, dass diejenigen, welche in der Station zu ar- beiten gesonnen sind, sich im Besitze eigener Instrumente be- finden, an deren Gebrauch sie gewöhnt sind. b. Jedem Arbeitstisch wird eine Anzahl von Arbeits- und Versuchs- aquarien mit strömendem Seewasser zugetheilt, welche von dem jeweiligen Inhaber des Tisches zu Beobachtungen und Züchtungen benutzt werden können. Mittheilungen a. d. Zoolog. Station zn Neapel. Bd. 1. 10 146 Anton Dohrn e. Das zu den Studien erforderliche Material an Seethieren wird von der Verwaltung der Station beschafft und während der Unter- suchung nach Möglichkeit fortdauernd ersetzt, sowie auch dafür Sorge getragen werden wird, dass den Inhabern der Tische zur Fortsetzung angefangener Untersuchungen wohl conservirte Exem- plare in die Heimath mitgegeben werden können, nach Massgabe der Seltenheit und der gleichberechtigten Ansprüche Anderer. d. Das grosse Aquarium der Station steht den Inhabern der Arbeits- tische gratis zur Besichtigung, resp. zum Studium der Lebens- gewohnheiten der Thiere offen. e. Die Bibliothek, deren Catalog demnächst an alle Universitäten und Akademien übersandt werden soll, ist jedem Inhaber der Arbeits- tische in einem dicht an die Laboratorien anstosseuden Räume zugänglich : auch steht es demselben frei , in einem eigens dazu eingerichteten Lesezimmer Excerpte oder Manuscripte anzufer- tigen. /. Die Laboratorien werden im Sommer um 7 Uhr, im Winter um 8 Uhr Morgens geöffnet. In besonderen Fällen können Verab- redungen der Untersuchenden mit der Stationsverwaltung eine andere Einrichtung ermöglichen, doch besteht keinerlei Verpflich- tung für das Personal, vor diesen Stunden die Laboratorien gerei- nigt zu halten. Vom 20. Juni bis zum 20. August sind die Laboratorien ge- schlossen. g. Es steht den Inhabern der Arbeitstische frei, die Boote der Station bei dem Fischen zu begleiten und sich persönlich daran zu bethei- ligen, sowie die Handhabung der dabei zur Anwendung kommenden Instrumente sich lehren zu lassen. h. Beschädigungen von Utensilien und Instrumenten trägt, wenn ihr von ein und demselben Gelehrten verursachter Gesammtbetrag nicht zwanzig Francs überschreiten, die Station. Die Ueberschreitungs- summe fällt dem Beschädiger zur Deckung zur Last. §11. Die Regierung verpflichtet sich dem Dr. A. D. für die Zeit vom 187 .. bis 187 .. für den Arbeitstisch fünfzehn- hundert Mark pro Jahr und zwar jährlich pränumerando zu zahlen. \ Bericht über die Zoologische Station während der Jahre 1876 — 78. 147 Reglement. § 1 . Der Arbeitstisch kann nach geschehener persönlicher Anmel- dung binnen 24 Stunden benutzt werden. § 2. Jedem Naturforscher, der für einen Arbeitstisch designirt ist, wird ein Verzeichuiss der AusrUstungsgegenstände übergeben. Kea- gentien oder Instrumente, die sich nicht in dem Verzeichniss vorfinden, bittet mau schriftlich durch den Laboratoriumdiener von dem Dirigenten des Laboratoriums zu verlangen. Alkohol wird bis zum Quantum von 5 Kilogramm auf Kosten der Station geliefert. Mehrbedarf hat der be- treffende Naturforscher selbst zu bezahlen. § ;^. Es kann nicht gestattet werden, dass die einzelnen Forscher in den Laboratorien selber Sammlungen anlegen. Die Station aber erbietet sich Sammlungen von Seethieren zu veranstalten und zu massigem Preise an Diejenigen abzugeben, welche sie zu haben wünschen. Für die Verpackung solcher Sammlungen hat Jeder selbst zu sorgen, doch wird Rath und Anweisung dazu bereitwillig ertheilt. § 4 . Sämmtliche von den Fischern gebrachte Thiere werden dem Dirigenten des Laboratoriums übergeben und gelangen durch ihn zur Vertheilung. Kein Fischer der Station darf dazu angehalten werden, das Arbeitsmaterial direct an die betreffenden Herren Naturforscher ab- zuliefern. § 5. Diejenigen Naturforscher, welche beim Fischen zugegen sein oder selbst fischen wollen, sind gebeten sich über Zeitpunkt und Um- stände mit dem Dirigenten des Laboratoriums zu verständigen. § 6. Jedem Naturforscher werden eine Anzahl von Bassins zuge- wiesen, und mit seinem Namen bezeichnet. Dazu erhält er eine Anzahl von Glasröhren , Gummischläuchen , Glasgefässen zur Regulirung des Stromes und Isolirung einzelner Thiere. Mehrbedürfnisse bittet man dem Dirigenten des Laboratoriums anzumelden. In den Bassins muss die grösste Reinlichkeit herrscheu, insbeson- dere ist das Einlegen einer zu grossen Zahl von Thieren zu vermeiden. Mau bittet etwaigen hierauf bezüglichen Vorstellungen von Seiten des Personals der Station willig Gehör zu schenken. § 7. Der Diener des Laboratoriums ist verpflichtet von Viertelstunde zu Viertelstunde bei jedem der in der Station arbeitenden Naturforscher behufs etwaiger Dienstleistungen zu erscheinen. Seine Functionen er- strecken sich ausschliesslich auf das Laboratorium ; es ist ihm streng untersagt Privatdieuste, sei es inuer- oder ausserhalb der Station, zu 10* 148 Anton Dohrn verrichten. Mau bittet in den Ansprüchen an denselben hierauf stets Rücksicht zu nehmen. § 8. Es wird mit Rücksicht auf die schwer aufrecht zu erhaltende Disciplin dringend ersucht^, keinen in der Station Bediensteten vor der Abreise irgendwie durch ein Geschenk zu belohnen. § 9. Zur Ertheilung etwaiger Auskunft, sowie zur Entgegennahme von Reclamationen ist der Dirigent des Laboratoriums in der Regel zwischen 1 und 2 Uhr Mittags zu sprechen ; in dringenden Fällen ist er aber auch zu jeder anderen Zeit hierzu bereit. § 10. Die in der Station arbeitenden Naturforscher haben für sich freien Zutritt zum Aquarium, müssen aber die Genehmigung des Diri- genten nachsuchen, wenn sie Thiere aus dem Aquarium holen oder die Bassins zu Untersuchungszwecken in irgend einer Weise benutzen wollen. Anm. Die Motive zur Aufstellung dieses Reglements sind des Weiteren aus- einandergesetzt in dem »Offenen Sendschreiben etc.« Zeitschrift für wissenschaftl. Zoologie. XXV. p 477 ff. Terzeichniss der Ausrüstungsgegenstände des Tisches. A. Reagentieu. 1 Flasche mit 700/o Alkohol. - - - 900/0 - - - - absolutem Alkohol. - destili. Wasser. - Müller'scherFliissigkeit. - - - .50/0 doppelchroms. Kali. - - - Chlorcalcium. - - - Kali acetic. - - - Alaun. - Goldchlorid IO/q. - - - salpetersaurem Silberoxyd 1%. - - - Chromsäure. - - - 1% Ueberosmiumsäure. - - - reiner Salzsäure. - conc. Essigsäure. - - - Picrinsäure. - - - conc. Oxalsäure. - - - Acid, pyrol. - - - conc. Salpetersäure. - - - conc. Schwefelsäure. - - - Natron caustic. - Kali - - - Ammoniak caustic. 1 Flasche mit Olivenöl. - - - reines Fett. - - - Terpentinöl. - - - Nelkenöl. - - - Creosot. - - - Chloroform. - - - Aether. - - - Glycerin. - - - Jodtinctur. - - - Berlinerblau lösl. - - - Canadabalsam. - - - Gummi arab. - - - Beale's Carminlösung. - - - 0,30/0 Carminlösung. - - - Hämatoxylin wässerig. - - - Hämatoxylin alkohol. - - - Fuchsinlösung. - - - Picrocarmin. - - - Eosin. - - - Deckglaskitt. 1 Stück Wachs. Paraffin. C. Zeichenrequisiten. 1 Zeichenbrett. Bericilt über die Zoologische Station während der Jahre 187G — 78. 149 Stück Reissnägel. 4 - Zeichenstifte. 2 Bogen Zeichenpapier. 1 Reisszeug. 1 Tusch- und Farbenkasten. 1 Maassstab metr. 1 Bleistiftspitzer. 3 Goldfedern. 2 Wischer. 2 Stück Radirgummi. D. Glasgegenstände. 1 Dtzd. einfache Objectträger. 1 Stück Rinnenobjectträger. 1 - grosser Objectträger mit Hohl- schliff. 2 Stück kleinere Objectträger mitovalem Schliff. 1 - Trogobjectträger. 50 - Deckgläser. 6 - Ulirschalen. 1 Lampe. 1 Maasscylinder. 1 Pipette. 6 Glasröhren. 6 Glasstäbe. (j Stück Stöpselgläser. 1 Spritzflasche. 1 Gestell mit Reagensgläsern. 6 Stück Bechergläser. 6 - Glasteller. 6 - Glasdosen. 1 Mikroskopglocke. 1 Instrumentenglocke. 6 Stück Glasplatten. G - feuchte Kammern. E. Verschiedenes 2 Porcellanschalen. 3 Tuschschalen. 1 Dtzd. Filtrirpapiere. 1 Schachtel Etiquetten. % 1 Präparirtrog. 1 Kanne. 1 Waschbecken. 2 Handtücher. 1 Schieferplatte. 3 Stück Kautschuck-Röhren. 2 - transportable Bassins zur Hal- tung kleinerer Thiere. Ausser den eben aiifgezählteu Reagentien, welche gleich Von Anfang au jedem der hier eintreffenden Forscher zur Verfügung gestellt werden, hält die Verwaltung des Laboratoriums noch eine Reihe bei zootomischen Untersuchungen seltener zur Anwendung kommender Chemikalien vor- räthig; ist überhaupt bestrebt, jedes bei derartigen Untersuchungen ge- bräuchliche Hülfsmittel zu beschaffen. Die früher aufgeführten Metall- instrumente (Messer, Scheeren etc.) werden nicht mehr geliefert, da die Erfahrung gezeigt hat , dass solche Instrumente schon nach einmaliger Benützung in so schlechten Zustand gerathen , dass Nachfolger kaum einen Nutzen davon haben und daher besser thun, ihr eigenes Präparir- besteck mitzubringen. Dagegen wurde das Inventar an Glasgeräthen bedeutend vermehrt; auch wurden mehrere solcher Insrumente ange- schafft, welche von dem Einzelnen nur schwer selbst mitgebracht wer- den könnten, unter anderen 3 Mikrotome, 2 Luftpumpen und 24 Durchlüftungsapparate. Ausführlichere Mittheilungen über die Einrichtungen des Labora- toriums werden in einem folgenden Hefte gemacht werden. Ich wende mich nun zu der Darlegung der Veränderungen, welche 150 Anton Dohrn im Persoualstaude des Institutes vor sieb gegangen sind, seit der Erste Jahresbericht veröffentlicht ward. Von den damals erwähnten Beamten befinden sich Herr Dr. Eisig und Herr Schmidtlein Beide noch in denselben Functionen, welche sie zu jener Zeit versahen, — nur haben Beide, in Folge der gesteigerten Thätigkeit des Institutes, noch wesentlich grössere Arbeitslast zu bewäl- tigen gehabt, als früher. Um sie zu entlasten und um überhaupt eine sicherere Verwaltung zu begründen, ist seit dem April d. J. ein neuer Verwaltungsmodus inaugurirt worden, der die genannten Herren zwar im Wesentlichen an ihren Posten belässt, es ihnen aber möglich macht, neben ihren Verwaltungspflichten rein wissenschaftlichen Arbeiten einen grösseren und zusammenhängenderen Spielraum zu gewähren. Davon wird weiter unten die Rede sein. Herr Eossi dagegen, welcher früher als Bibliothekar und Conser- vator fungirte, verliess iui Frühjahr i87() die Station, um seinen militä- rischen Pflichten in Budapest zu genügen. An seine Stelle trat Mr. Arthur Waters aus Manchester, konnte aber leider eiue dauernde Uebernahme der betreffenden Functionen nicht mit seinen sonstigen Aufgaben vermitteln, kehrte nach Verlauf einiger Monate nach England zurück, übergab aber vorher noch sein Departement an Herrn August Müller aus München, welcher noch heute der einen Hälfte desselben vorsteht, während im Beginn des Jahres 1877 die Verwaltung der Biblio- thek von Herrn Dr. J. Spengel aus Hamburg übernommen ward. Ende October des Jahres 1875 war die Zoologische Station zum ersten Male durch Herrn Prof. Reinke aus Göttingen für botanische Aufgaben benutzt und so förderlich befimden worden, dass der Besuch anderer Botaniker vorauszusehen war. Dieserhalb und zugleich um die faunistisch-floristischen Arbeiten der Station zu fördern erschien es vor- theilhaft, einen jungen Botaniker für die Dauer zu engagiren. In Folge freundlicher Vermittlung des Herrn Prof. Reinke übernahm Herr Dr. Falkenberg, Privatdocent aus Göttingen, diese Stellung auf anderthalb Jahre und hat in dieser Zeit die Algensammlung des Golfes, die Prof. Reinke begonnen hatte, wesentlich ausgedehnt, und den Botanikern, welche im vergangenen und gegenwärtigen Jahre in der Station arbei- teten, die erforderliche Assistenz geleistet. In diesem Frühjahre schliesslich hat Herr Dr. Paul Mayer aus Lüdenscheid die sechste Assistenzstelle übernommen, mit welcher die Anlage und Führung der Zoologischen Sammlung der Station verbunden ist, die um so unent- behrlicher wird, je weiter das Institut sich entwickelt. Mit der Vergrösserung des wissenschaftlichen Stabes der Zoologi- Bericht über die Zoologische Station während der Jahre 187G — 78. 151 sehen Station hat auch die Vermehrung des technischen Personals gleichen Schritt gehalten. In dem Obertechniker v. Petekssen hat das Institut eine nach vielen Seiten fähige Kraft gewonnen , dessen Kennt- nisse der Maschinentechnik, Chemie und Photographie in ihrem Werth für die Zoologische Station noch erhöht werden durch eine frühere lange Praxis als Seemann und technischer Beirath einer Dampfschiff- fahrtsgesellschaft. Auch sind seine physische Kraft und Ausdauer sowie seine seit Jahren erworbene Localkenntniss von Neapel Eigenschaften, welche ihn zur Leitung der gesammten technisch-praktischen Details der Zoologischen Station ganz besonders befähigen. Unter ihm stehen direct ein Maschinist, zwei Heizer und ein Ma- schiuenjunge. Dieses Personal ist gegen früher zwar an Zahl gewachsen, aber doch für dasselbe Gehalt engagirt, wie die früheren Maschinisten, welche, sämmtlich Engländer, mehr Gehalt verlangten als die einhei- mischen Arbeitskräfte. Die Vergrösserung der Zahl ward bedungen durch die Ankunft des kleinen Dampfschiffes, von dem später die Rede sein wird. Auch das Personal des Laboratoriums ist verdoppelt worden und die Ausbildung der jungen Leute so hoch gesteigert, dass sie sehr we- sentliche Dienste für die Gesammtarbeit des Institutes leisten. Den jüngsten derselben liegt die Reinhaltung der Laboratorien ob, das Putzen aller Instrumente, Gläser etc., — Functionen, deren Ab- nahme beträchtliche Bedeutung für die ungestörte Arbeit der Gelehrten haben. Die Vorgeschritteneren sind aber bereits im Stande aus den Bruttoergebnissen der Fischerei, sei es die Tag für Tag betriebene Oberflächen- oder Grundnetzfischerei, diejenigen Thiere auszusuchen, welche für die Zwecke der einzelnen Arbeitenden oder aber des Gesammtinstitutes von Werth sind. Einem dieser jungen Leute, Sal- vatore (oder wie die Abkürzung lautet : Torillo) , ist nicht nur die wichtige Function des Handels mit den Fischern für das täglich ge- brachte lebendige Material übertragen worden, sondern er hat auch die Conservirung der in dem sog. Auftrieb, d. h. den Ergebnissen der Ober- flächenfischerei enthaltenen kleineren Geschöpfe zu besorgen, und unter Anleitung des Herrn Müller und nach selbständiger Einsicht hat er ziemliche Gewandtheit in dieser Thätigkeit erlangt. Auch seine Collegen Dionigi, Francesco, Beppino und Luigi haben eine stetig zunehmende Kenutniss der Seethiere erlangt und bei Fischereiexpeditionen begleiten immer ihrer Zwei das Dampfschiff oder die andern Boote, um bei der Einheimsung der gesammelten Schätze wesentliche Assistenz zu leisten. Den früheren Marinaren Aniello und Michele ist als Dritter der Bruder des Letzteren Giuseppe beigegeben worden; ausserdem ver- 152 Anton Dohrn sehen nach wie vor Giovanni und Domenico Tag für Tag das Institut mit dem Ergebniss der eignen Fischerei oder der Sammlung Dessen, was die P'ischer der Mergellina oder Santa Lucias von ihrem Fischfange für die Zwecke der Zoologischen Station Brauchbares nach Hause bringen. An Stelle des früheren Hauswarts Carlo ist mein bisheriger Diener Michele getreten , ferner ward die Anstellung eines eignen Wächters nöthig, der bei Nacht in dem Institut Sicherheitsdienst zu leisten hat. Mit Einschluss des Personals der Casse und des Maurers ergiebt also diese Aufzählung im Ganzen einen Beamtenstand von 25 Personen, — eine Zahl, die allein schon beurtheilen lässt^ wie ausge- dehnt und gegen früher angewachsen die Thätigkeit der Zoologischen Station sei. Die innere Verwaltung ist seit dem laufenden Jahre darauf basirt worden, eine grössere Decentralisatiou und bessere Vertheilung der Arbeitslast herbeizuführen, und zugleich eine nach Möglichkeit budget- mässige zu werden. Es sind als Hauptabtheilungen der Verwaltung con- stituirt worden : 1. das Laboratorium; 2. das Aquarium; 3. die Biblio- thek; 4. die Fischerei; 5. die Conservirung für auswärtige Museen und Laboratorien; 6. die Localsammluug ; 7. das botanische Laboratorium und die Algensammlung; 8. die Maschinen und Pumpen; 9. die Haus- haltung ; 10. die auswärtigen und localen Beziehungen ; 1 1 . die Cassen- verwaltung. Von diesen Abtheilungen verwaltet Herr Dr. Eisig das Laboratorium und die Haushaltung ; Herr Schmidtlein das Aquarium und von der Fischerei die Journalführung sowie die Fischereiinstrumente: Herr Dr. Spengel die Bibliothek; Herr Müller die Conservirung für auswärtige Anstalten; Herr Dr. Mayer die Sammlung und die Ma- schinen und Pumpen; Herr Dr. Falkenberg das botanische Depar- tement ; ich selbst sorge nach wie vor für die auswärtigen und localen Beziehungen des Institutes, führe zugleich die Centralcasse, und habe die Verwaltung der kleinen Stationsflotte. Die Cassenverwaltung selbst ist so geordnet, dass 1 6 verschiedene Conti bestehen, deren Führung den erwähnten Herren je nach den Be- ziehungen zu ihren Verwaltungssphären obliegt. Die Contorubriken sind: Gehälter, Laboratorium, Aquarium, Bibliothek, Fischereiutensilien, Stationsflotte, Thierankauf. Exportsammlung , Localsammluug, Ma- schinen und Pumpen, Unterhalt des Gebäudes, Spedition und Post, Zinsen, Steuern und Repräsentationsconto, Conto für Neuanschaffungen. Für jedes Conto besteht ein eignes Chequebuch, auf Grund dessen die Casse Zahlung leistet ; ferner besondere Buchführung, so dass jedes einzelne leicht übersehbar ist; die Belege werden für jedes Conto separat be- Bericht über die Zoologische Station während der Jahre 1876—78. 153 wahrt, und nach Ablauf bestimmter Fristen an das Archiv der Station abgeUefert. Die Hauptcassenführung ist nach dem sog. amerikanischen System eingerichtet, d. h. auf grossen Bogen sind die sämmtlichen Conti neben einander rubri cirt und Tag für Tag wird eingeschrieben, ob und welche Gelder die einzelnen Conti empfingen ; die Gesammtsumme des Tages steht im Credit des Cassenconto, so dass durch Addition sehr leicht der ganze Cassenbestand, sowie die Gesammtausgaben und die Ausgaben jedes einzelnen Conto pro Monat zu übersehen, und darum auch wo nöthig zu moderiren ist. Es ist begreiflicherweise sehr schwer, ein so neues, in stetem Wachsthum begriffenes Institut, das noch dazu von Anfang an mit Finanzschwierigkeiten zu kämpfen gehabt hat, budgetmässig, d. h. nach einem vorgängigen Anschlage zu verwalten. Ordnung nnd Sparsamkeit ist leichter aufrecht zu halten, wo auskömmliche Mittel vorhanden sind, als da. wo so oder so doch ein Deficit unvermeidlich ist, für welches auf aussergewöhnliche Deckung gerechnet wird. Es ist darum seit Jahren mein Bestreben gewesen, stetige Einnahmen zu schaffen. Dass dies bis heute noch nicht besser gelungen ist, darf ich dreist den widrigen Zeitläuften zuschreiben, welche von Krieg zu Krieg, Handelscrisis zu Haudelscrisis schreitend, allen rein geistigen Bestrebungen die un- günstigste Lage bereiten. Es wäre ja unter allen Umständen schwer gewesen, in kurzer Zeit ein so ganz ungewohntes Ding, wie die Zoolo- gische Station ist, einzubürgern und ihm die thätige Theilnahme der Menschen und vor allen Dingen auch der Staaten zu sichern. Aber doch würde bei günstigerer Weltlage der bisherige Erfolg des Institutes ausge- reicht haben, um ihm ausgiebige Mittel zur Disposition zu stellen, und es würde nicht solcher Anstrengungen bedurft haben, das zu schaffen, was bis jetzt gewonnen ist. Auf der anderen Seite lässt sich nur schwer die natürliche Expan- sion einer Organisation, wie die Zoologische Station, freiwillig hemmen. Bisher bewegte sich die Entwicklung des Institutes noch fortgesetzt in den Grenzen, die durch die ursprüngliche Conception ihm gesetzt waren. Freilich war diese Conception auch nur schrittweise zu verwirklichen, und so angelegt, dass der nächstfolgende Schritt mit einer gewissen Nothwendigkeit aus dem vorhergehenden folgte. Langsam und allmälig aber entwickelt das Geschaffene sich selbst weiter, und dass es das thut, ist recht eigentlich der Beweis seiner Lebensfähigkeit. Jedes neue Organ desselben geht folgerecht auf möglichste Individualisirung aus und strebt, sich auf Kosten der Uebrigen zu entwickeln. War der Kern des Ganzen ursprünglich die Einrichtung eines Laboratoriums, in wel- 154 Anton Dohrn chem fremde Forscher ihre Studien mit grösserer Leichtigkeit ausführen konnten, so entwickelte sich bakl in Folge der hie und da ergehenden Aufforderungen, gut conservirtes Material von Seethieren zu liefern, eine täglich au Bedeutung zunehmende Conservirungsanstalt, in der nicht nur nach den überlieferten Methoden die Thiere behandelt wurden, son- dern bald selbständig und mit grossem Erfolge experimentirt ward, so dass gegenwärtig ein sehr lebhafter Export von conservirten Seethieren durch ganz Europa Seitens der Zoologischen Station betrieben wird. Unter den wichtigsten Aufgaben der Station als Laboratorium befand sich die ausreichende Versorgung der Arbeitenden mit frischem Arbeits- material. Es ward also erforderlich ein Fischereipersonal auszubilden, Boote und Fischereigeräthschafteu anzuschaffen und schliesslich auch den Besitz eines kleinen Dampfschiffs anzustreben. Durch die Muni- ficenz der Berliner Akademie der Wissenschaften ward es möglich sogar dieses Vorzugs theilhaftig zu werden, — und die Folge ist, dass eine selbständige Bearbeitung der Fauna des Golfes von Neapel und der an- grenzenden Meeresgebiete unternommen ist, welche nun wiederum ihrer- seits dazu drängt, nicht nur Fischerei zu treiben, sondern auch Beob- achtungen hydrographischer und geologischer Natur über Strömungen und Grundbeschafifenheit zu machen, mit der Untersuchung der Fauna zugleich die der Flora zu verbinden, und dadurch die Zoologische Station zu einer Biologischen zu verwandeln, in welcher die Algologie eine feste Stätte und gleichberechtigte Geltung beanspruchen darf. Eine nothwen- dige Ergänzung der Station als Laboratorium bildete von Anfang an die Bibliothek ; aus dem Streben, sie so vollständig als möglich herzurichten entsprang das Unternehmen, einen Zoologischen Jahresbericht zu orga- nisiren, welcher der Zoologie zu einer rascheren und erschöpfenderen Uebersicht der jährlich erscheinenden Literatur verhelfen soll, als es die bisherigen Unternehmungen der Art in Folge der gewaltig anschwel- lenden wissenschaftlichen Production zu leisten im Stande sind. Solchergestalt wächst die Anstalt immer weiter, und es ist schwer, ihrer Entwicklung eine Grenze zu stecken. Noch misslicher freilich wäre, an dieser Stelle durch Verheissungen resp. Ankündigungen diese Entwicklung zu präjudiciren. Ich muss mich vielmehr darauf beschrän- ken, in möglichst conciser Darstellung der bisherigen Leistungen und damit der Vergangenheit zu gedenken indem ich zunächst eine Ueber- sicht der Namen Derjenigen veröffentliche, welche in den Laboratorien der Station gearbeitet und zum Theil von ihren Arbeiten bereits ge- druckte Kunde gegeben haben. Diese Uebersicht wiederholt diejenige, welche bereits im Ersten Jahresbericht der Station enthalten war. Bericht über die Zoologisclie Station während der Jahre 1876 — 78. 15,'> d H NI ® a _o "Je 00 :5 'S CJ 2.Ò n CSI a •i:^ B'S "5) 'S tS3 'S ^ .2 S ^0 c3 a !^- a It & js ö 2 "^ cö 0) O) >■ "^ © ^ k. fH 1—4 rS ö 1-1 • M rö Ä S?!z; w S3 O -^ 5 « EH . ^ ^ .a . > Em =m' ^ «2 ^ Jn s g t~ a o Ca o SM c»h3 °^ ri ° §^ Q 2 '3 >.» 'S 2 1:^.2 cä .a 3 'S cß "^ 3t3 fc. be 3^ 2 '~' ^1 . té •^_a Sx ■gx Saa 'C X -= >-: 'Em a =3 - o- Ph c? Ph CH >■ S" ^"*' S] tsj 3 "3 5 J5 II II 5^ .a >> a 3 a ài li .a-a É.2 =2.-. ^^ a Ja a 3 a gl 'SS-' ^3 a'^ c 'S o a "5 ii-l 53 II «'S ? .S ^ li §1 .2^ > s> . a 'S 'S 1 3 1 2 al a. ,a 3 'S a o -^ so e p, a 'S « a 2 3 ö » a M |g a ^g a^a £^ a S 0. a > "^^ 2 a 0. er- a. 's S a a p a 'S -a c3 ?'5 w.9'^.2 .„ a c3 Ph 'S" t~ i^ t^ i^ i>- t^ 1 ~ 1 — 1^ t^ i— ? 1 'JD OD SD ao 30 00 Xi GO go OD GO W ß = _^ -3 +i'a •g 's d s .rt •_;:; •^ S S 5 -^ - 3 ►^ ^ ^ 1 3 1-5 ►^ ^^ =2 -^ < s -^ o ai rj ^-. -I< d ci ;C 1'^- ^ "^ c^i (M rs ^ cc -^ t* "* -T »* -à< ■* -* "* "* TS (^ ir- l — i^ 1^ t-- t^ l~ t^ 1^ l— 'S e Sf 1 JO JO GO CO 00 00 QTj OD 00 00 00 3 -S g ^ r— i ^— l ^— 1 ^H r— t ^H T— ^^ ^H *— t ^ ^ 3 - s ^■1 3 i Kl -.3 :3 Ph B^ "3 a 1-5 < ^ &M § S<1D o :s -S 3 a ^ T • i-< SI ^ ^ g 03 m S 2-1 w p 03 a "3 cS ja J3 O 02-9 a a p 3 &H GC >> ^ ö c3 '3 » j :3 S .2 * C 'S S-t ss'o: ,0 SJ a S-; "^ 'Ei o X X rs 'Si o X 'S ì in der S gt sind rscheinei sa i a a'?' ù ce Ä 'S _: co a i2 'S« o o SI i- ri K < « "ci e <: a < 33 cä < •S .S -2 W CO o J:: .^ S ^ t^ ù ^ .X -rs 'Ü i "3 ì^ 78 übe ugen Ort d a CD Il 1 ^ ■?, a .2 o ^ 9 .a to ^ a a ^1 "u > "o bJ) •a •; a- £. — ^a ►S 3-« s a ^s g-S 1 ^W :S« ►^ S '^ s "- ^ ca >-• .o bD rt" ffi e a >? a M S a-g o a M ?s:i §g vh a é è %h O d .2 ó ,^ .2 a u i» ^ ce itionen, welche bis angestellten Unte itel der Schrift «•«''S .'S.ä;^ S S) ;3 cu . 5aS ^ g a li à g a ^ ^ E . .2"" ^ -§43 11 N |2 •£> h 2 a ■Sa il a3 o ,a Ih P< a-ö'g §)bo-2 a a j« a.2 ^ p< S - C3 ^ cc- ,g- 1 ®.2 " ^'^ '' .i ^ ® g-s «a-3 ^g £.2 ^-2 1 S^ -t^ he 'S a .i-t t. CD a « >- o .2 ffl ^ •5 --^ 2 III < e/: a K a c5 ■^';3 £'a 'S g « ' >« 3 » i. a. >< j= .„ -w '-■ -^ --.Sr /=.a >, M 1^ is rr i- ^ I 3 o eco 3r3 ^ CD p, a -a) fflN 0) (C :Cä }H CDC5 O -3 a« aap. a o aa oW Ph W N P P P P Q tn p N N Q ^; H > •^ >* -* ■* T ~ UT •* in IO ic Iß !; t^ l^ 1- 1^ t~- 1 - l^ t— 1- i^ t- 1- u b£ e» ce ce QO GO Od QO cr a; oc C/3 * 1. S ^ ^ S a E „ ;= -a o t^ (9 1 a So § o 5 o o o O 1 >•- O ci •5 ä «2 "3 ■< a H im' "v' i— t- .__• lO — • lO e:' ce ci -r ^ ce "^ CS ~ ■■"' "" IT^ es •* -r -1" •* -f -* •* ■q- TT ■^ '* iff -a i^ I— t^ t' 1— (^ l- t- r- i~ I- Sag» X. e» co Tj OD OD QO QO OO OC) GT OD " ■"" •rt -^ •~ ■" •" ■^ "" •^ ^ — Zeitdi nmeld Datu ^ < CO o O « o > o ;z; 6 e < tÌ IC OO d c>5 d ,^ -• d -*■ S- •^ c^ (M ITO — •^ is '- ■^ "" ir Uni- deren eweils wurde 'Ö s ri e rS b_D 1 1= "^ 02 S se ^ « 1 a a •5^ OJ CO Kt- 2 m d K 35 g 'S s 1 2 ai k !» "o S 5 si; W " H -= w Ä pqPn O P3 ci WM m £ (5: V. ^.1^ P3 b£ O 1 = e g CS a a; r- rf- pQ §: '" > a e" *[ i^ ce tä „_ L» ^ M ;. o -a Sta « ea O a; •-^ e a a o =3 « 'S s e; o 05 o ^ Il il E ►- ^ S p O e o o p s 1 Q Ä CU Si •— Ph T^ ro •* lO o l- QO — — .^ •M «J* — c5 JS es e"i Bericht über die Zoologische Station während der Jahre 187(3—78. 157 rs£ 60 O • S'a o ■■- X I, 3 O S — '§ . ■ £ o 'S c S'è 3t~ ä5 s ó _>.-s i ^ c3 .i .^ .„ ,^ ■J, g la .;=; s •-t d i> ^ Ti ^ '^ T5> •a a u X ^^ F « >i 3^ P. 'fi 3 a C a •S e ■a c Ih ■a 3 ^ 5«, co S Ca c^ ti ö'a Ss g Ca' a > . lì 60 a a le e 2 e 2-2 tä — 5 a. X K 1 .2 ho S ■si' TS ci "o fL, 3 'S 'S a M > 3 0. a) a 3 .3 •Il M a M =4-1 te « 3 2 3 g< bJ)3 3 CD m 3^3 s 2 II ^ 3*^ '■J t. »13 d P. Pi '3 'J ;5 '^■=! a 3« lO in lO lO ift 10 IC iO ■-0 iC co CO t- r- r' r^ r* 1^ t^ r^ r~ t— t^ t^ 1— r^ i~ 1- t- jt r X jo 00 ji GC JÜ iX) oc 00 co 00 00 OD O) Xi 00 — — — -N t-t ^^ ~~* "^ '~< — ' ^-H ^ ^^ "^ T-H — H ^-H •; S"5":e C e« c s a e« a« > ;3 »4 :re ;-i 'S Z^^^< § '-:'-5 <5 <13-' 00 00 OD OD " ^ ^ ^ ^— 1 ^~* ^-H -^ — H ^— ( ^— ( — H T— 1 1— i T^ *-H y—i :. u i. S M SI Sì NJ N SJ SI NI :;2 — • i^ill -.Ti -.Zi ::« i^ ^ i^ :ä ::« :jS S. a « > > Q - ~ M -^ •-1 _ rt' lO co -f l^ -H ro c^ _; _4 "^ -^ SS ss S^J «s '"' — ss ^ bi ) &o 3 : i s s g - =^ 2 >i ó Ä — 5S - [0 s s g !» "S S Ü a S 00:c CD CD Zi a « a Ü ce > X n de sin chei . • « Ss 1^ 1^ V e 1t !3 'S a 13» 1 !-■£ ja - 'S S 1878 über die i ungen erfolgt Ort des Ers ^ N Ca a NX C oc. . • 'S ^-S 3 '£, ^ ;s1 '3 ■3 S . « u a . S.2S e « X) 2 S ffiS 'S < Cm À a ■3 := ^ ►-S CS3 tó i-s H tó 12; fu ^_ _^ < H (Q licationen, welche bis Ju' angestellten Untersu Titel der Schrift SP • fci Sa Ca« o 3 ^ 0) 'S ^ S «o S J« . ^S ^ £ P 'S a cà e« -a to •^ .2 "S.'S li (li 2 ^ ,; 3 S £ 5 « =ä ^1^ .2 gO a-Tj 3 .-2 «"^ i- ^ -jl -1^ a - 3ä .3 J 'a |3 ora c3 S Ìli m 'fé ''-'§• H «lo-- •g 60 oCO a S -? » I. 'S .2 g^ gjO 0=,. Il i all'I .S a "3 a 0,3-1 a i a >■ IE 1 . 11 ^ s.« ^.S .2 ^ r. . ^ 60 £ ü . 2 S 3i ä . :§'«'' g -^ 3 a g +j .2 c . 'd K c •0 ß c p s ~ >. Sä S'è -^ »-a 3 cä .- rt • a ■- M !-, a c3 3 -^'S >, ^, 3 .a I 3 N (B 3 -J O .^3 y. >. ^TStS £=Ä 1» *-> ^ 2 bJD bC &ß TS a a o 2 2 il s -Ö :S 05 05 o a a "5 Oh a a ■g "S -213 e _a IS a 2 % ^ S 05 ee cS.- cS t— ;SS « 3 0:25 Ü ^ ^ J ütiiP H H iJ -C len der Naturfors in der Station gi haben g 1 S. Q e a . CO OJ . Ol ^ ■ a m 05 e a OD 09 3 Ph a3 ''^ f^ fo N ^Z> ^ 'S «1^ .•QP .• -■ Fm b bi -^ &4 Q SP Ò P P P Sfi^P (x, m n. ■-* «n CO i- or) Ä •^ (M ro ■<* »ft -0 Tf '5' T 'S* •<3" ^ lO lÄ iC »0 irt ift Bericht über die Zoologische Station während der Jahre 1876 — 7S. I59 % ■zx u = . S) cog 'S < ^o gS è =3 .2* e S S 0. 'S 1 2 s .- < 0-3 ■3 5 p. C r3 > 5 5.2 C3 he c ;3 < .S - M VC U C 'S ^ 1 c CS 5 c c s 1 c "3 S c 3 "3 l| 11 IE C 'c £5 C 3 i^3 ja a bn s bxi bc OJ 3 Ö 3 s>M bj; c '^ 3 0. 3 A B 0.5 11 a c '<, -^ Q « " Sl KJ a -.r t~ t^ r^ i~ r^ t^ t^ t^ t^ t~ t— t^ r^ 1- l~ 1- t^ l~ r— t^ i~ 1- t- 1- r~ i^ i^ r- 1- 1- 1~ 1^ 1- 1^ 1- t— Qoooao *> OD C» 00 GO ar> CO CT) j- OD QO Cß ÜO CXj 00 -T) vT) oc JO ^- »^ ^— ' ^— < ^-H ^^ ^^ ^-1 »— i — r— r— ^- 1— ^- . — ^-H — "— ^al > <ß 5 5 C ■5 'S ""= 5-^ — 'S a c 0 ly) ao 00 GO GO OD CO 'Xi C/Ti >» CO «5 00 OO r GO ~r GCi >:- ^- t-H — ^-^ ^H ^— ( *-H ^- »^ ^r-« T-" ^ ^— ' ^^ ^- — ^H T^ ^- j, .t: > s^ b^ tS3 SI N ~ .-:; •^ . rt « Cl C 2 CU 3J - CS SPS c« c3 JÌ < '^'-^ X rs — .n ^ lo lO TH „ 1- -+ c: OD rt 35 c: " •r^ iC ro ^- ^* i^ l>\ ■^ '-' «S T^ IM — .rt SM '- 3£ "2 &£ m 05 - - =* = C V •5 «!< n bt. oc .1 -^ "i .1 'S CS ^ ^ '5? 3 CO - S= c 'S- Stnis Preua Beri. .2 CO s IS^ 6 03 J3 ii So 2.^ OJ rH3 1 05 ^ bJD - 3 — !SI 73 l- 5^ 03 -3 03 ÌV ö ö s ;: cü 0; b^" ■S s g 1 S r; ^ sS «3 « OSO a -2 £: 03 03 § .0 ffS 5ta o O -; a C3 CO r; 2 ■1^- '^ %- %-. ? t; P ? Q ci-P ^^ S = _c C 03 ►-5 ^ s c«;_ C .2 03 03 <" S ^ 'S 'S :^^«^^ ^-^ .ceco G. F. Ballar Granata-Gri Francis Balf ^ - E ^ ^ ^ C ^i^C 1— i 02^3::)^ SccS J5 ■^ SS rc •* ut -^ 1- — 1^ i^ l— t^ 1^ 1^ i^ 1- 160 Anton Dohrn • a zi > a co5 •3 o a -0 •- a 5 p ce .« 3 • "2 ^ w «3 ti ,a :3 *-< ^ CD sS •-^ 1 s -tì -» g o ^' a" 5 5 o a^ o H s ù rs -J} o » 3 a :9 te 0) P 3 3 .—1 00 00 j: jo 00 ^O) OD 'OO 00 X ^ 5 B ■^ ■^ '^. ~ — 1 — < — ^ ■rt T-H ^H irt •— i 1-H T-H -n ■" '^ "d '^ p 1s| "ci Q Ó Q & J» a; Ü aj w Ö 05 O -X O '-s •si "?s 'S a a'S "S =S "3 ■< 3 ^ •-^ ># -r lO -* -f GO t-' d oc •^ lO od' od ss .-o ss ^5_ " ■^ iT^J ri r-l IO — 1 ss S~l T-l — >— 00 00 00 00 co OO 00 1— l^ l- t- OD 00 00 Ir- 1- t^ ■=' ^ i- i— 1^ i- i^ r- co 00 X 00 2 .g ^ J OD » 00 00 00 /^ jc ce 00 00 00 00 00 QO 00 00 00 00 OO 00 00 X Zeitdai Anraeldu h^ ->< 4Ì -ti ^ . . . . t; S3 tS3 aa^ a fl o fl-Q.3.3 1S5 S3 S; S! :3ä :S :3 :c3 S .,1 :'s 'S a ss4 lO -^ 'OO" O "rt' i- -C ri _■ _^ "^ ss ^ ■^ ss •^' -r o ■^' t-^ 00 oo' •^ — ' f5 SM !M ' " ■rt ss •^ — — ■rt T-^ CS rs —H ss 'a £ ^ 13 hf) _IJ -OB'S Staat oder U versität, dei Tisi;li jowe a 'S 03 02 ti :3X! ^ -J 2 o ì^ CQ i^H co ':» OJ e l-H .2 .2 Ö "S ''^ i fl fl .2 'S 1— 1 _C3 O) ;; :« osfqccM TS co S S 2 o o 'S «n a P '.2 a s ^ s a ;j a aa cS re fl ^ Im i — 1 "3 5" e« m 1?- i fl Ü .o 2 fl a-^ _J3 i^ O GO "S ^ aj V- a o © fl =S ^ H S a h-3 «2 hJ !zi J2; ffl S © rt :« ^ ^ Ä s o O :ä cS S .Q .Tì ^ J3 a 53 s U ^ ce se <2 a a _o -2 1 ss a '1 :S oj ^; S 1 ti ;h e co fl (jj 1« b£ SI a (n "3 «3 5tì s ^ § .2 3 » 43 -= e« fl o g-5 fl o > 'S ^1 : Ü 3l| g fl-a-K s > a Ph ^'^^ «^ i5 C^OP^ J ..«•^w •^ ^ P o jj p o o • o • • • o o • o S Q qSdUäqqqöqqqq ^ ;h S-i Si PL,QQQ il ti !-l PhPhQ ao 05 O -H SM rs -^ in co t- 00 C5 o -^ -M ro ■<# o CD r~ co t~ t- 00 00 y: a: x 00 00 OO 00 00 ■51 C5 Ol 55 05 C5 05 C5 03 Bericlit über die Zoologische Station wiilireiul der Jahre 1876—78. 161 Ich schliesse hieran das : Verzeicliniss der bis Juli 1878 nach auswärts versandten Naturalien. 1871. Decorai). Prof. Wilhelm 3Iüller. Jena. Sendung Februar. _ _ _ _ 1872. Juni. _ _ _ - 1873. Februar. - „ _ _ 1874. 1875. 24. Dr. Kossmcmii. Messina. 25. - Professor Greff. Marburg. 4. März. Prof. Oscar Schnidt. Strassburg. 5. - Prof. von Siebold. München. 5. - Dr. Kossmann. Messina. 10. - 26. - 2. April. Prof. Claus. Göttingen. Dr. Kossmann. Messina. Senckenher ff' aches Museum Frankfurt a. M. Professor Greeff. Marburg. Dr. von Koch. Jena. Professor fo« Siehold. München. Dr. Mayer. Offenbach. Professor Waldeyer. Strassburg. Professor Weshcood. Oxford. Professor Greeff- Marburg. Dr. (^raff. München. Dr. Steiner. Halle. Dr. Graff. München. Professor Greeff'. Marburg. Professor Claus. Wien. Dr. von Koch. Jena. Professor Selenku. Erlangen. Dr. von Iheriny. Göttingen. Dr. Lmirent. Strassburg. Professor van Anknm. Groningen. Dr. Hoorst. Utrecht. Mr. Murshall. Cambridge. Professor Greeff'. Marburg. Dr. Fürhriiiffer. Heidelberg. - 28. - Dr. Vetter. Dresden. 28. - Dr. Rosenberg. Dorpat. Mittheilungen a. d. Zoolog. Station zu Neapel. Bd. I. 8. - 4. Mai. 14. - 12. Jiüi. 3. Oct. 10. Nov. 4. - 10. - 7. Dee. S Jan. 15. Febr. 20. März 9. April 26. - 2. Mai. 5. - 10. - 14. - 31. - 2. Juni. 20. _ Amphioxus, Ascidien, Balanoglossus. Ascidien. Ascidien. Salpen, Pyrosouia, As- cidien. Ehizocephalen (lebendig). Echinodermen. Alle Classen. Bala- noglossus. Amphioxus. Fass See- wasser. Ehizocephalen (lebendig). Alle Classen. Ehizocephalen (lebendig). Alle Classen. Echinodermen. Seevvasser. Amphioxus. Alle Classen. Alle Classen. Alle Classen. Alle Classen. Comatula. Seewasser. Comatula. Alciope. Alle Classen. Comatula. Ophiuren. Alle Classen. Mollusken. Fische. Alle Classen. Alle Classen. Alle Classen. Amphioxus. Alciope , Sternaspis, Holothurien. Alle Classen. Fische. 11 162 AuLon Dührn 1875. 2. Juli. - n.Aug. - 14. - - 2ü. Oct. 3. Nov. - 23. Dee. 1876. lü. Jan. - 12. - - 15. Febr. 1. März. - 12. - - 20. - - 25. - - 29. - i. April. 25. - 25. - - 28. - Mai. - 20. - - 20. - - 28. - - 29. - - 29. - 9. Juni - 25. - - 29. Juli. - 30. - - 31. - - 11. 5. - 28. - - 20. Dee. - 31. - 1877. 11. Jan. - 20. - - 22. - 22. - - 23. - - 21. Febr. - 21. - - 21. - :.. Mä:z. Sept. Oct Senckenber ff'sches Museum. Franc. Balfour. Cambridge. Dr. Fürhr im/er. Heidelberg. Dr. V. Ilierimj. Güttingen. Isational-Museum in Agram. Prof. E. Ray Lanhester. Oxford. Fnmc. Balfour. Cambridge. Prof. RoUeston. Oxford. Tiie Leeds Phil. & Lit. Soc. Dr. Rückers. Prof. Lovén. Stockholm. Prof. F. E. Schuhe. Prag. Dr. von Koch. Darmstadt. Stephenson. London. Prof. Greejf. Marburg. K. Nat. -Cabinet. Stuttgart. Prof. Toduro. Rom. Prof. Merkel, üostock. Dr. De Man. Leyden. Prof. Eimer. Tübingen. The Owens CoiiCc^e. Manchester. Prof. Greeff. Marburg. Prof. Lovén. Stockholm. Prof. Semper. Würzburg. G. F. Rullar. Cambridge. F. n. Rridge. Cambridge. Prof. Heller. Innsbruck. Dr. von Koch. Darmstadt. Prof. Greeff. Marijurg. Prof. Grenacher. Rostock. Prof. Lütken. Kopenhagen. Prof. Greeff. Marburg. Prof. Henle. Göttingeu. Naturalh. Fric. Prag. Dr. Goette. Strassburg. Prof. Hasse. Breslau. K. Nat.-Cab. Stuttgart. Prof. Huxley. London. F. G. Rullar. Cambridge. Franc. Ralfour. Cambridge. Dr. Hubrecht. Leyden. Dr. Graff. München. Prof. Hnffinann. Leyden. Prof. Huxley. London. Prof. Ganin. Warschau. Prof. Hasse. Breslau. Sendung: Alle Ciasssn. Alle Classeu. Amphioxus. Mollusken. Alle Classen. Mollusken. Alle Classen. Fische, Mollusken, Würmer. Amphioxus. Serrauus. Diadema. Spongieu. Alle Classen. Squilla, Comatula, Auftriebthiere. Comatula-Larven. Alle Classen. Salpen. Fische. Alle Classen. Alle Classen. Echinodermen. Comatula-Larven. Comatula-Larven. Balanogiossus. Alle Classen. Mollusken, Würmer, Coelenteraten. Alle Classen. Corallen. Comatula-Larven. Alie Ciassen. Exocoetus, Xiphias. Comatula-Larven. Fischaugen. Terebratula. Fische. Chimaera, Pristiiirus. Fische. Ciiimaera, Heptan- chus. Isopoden. Aplysia, BoncUia. Fische. Thysanozoon. Alle Classen. Holothuricu. Alle Classen. Selachier. Bericht über die Zoologische Station während der Jahre IbTO — 7S. 163 1877. 10. März. _ •20. _ - 20. - - 20. - - 6. April 25. - Ò. Mai. 28. - 9. Juni. 9. - 30. - 30. - 1878. 4. Juli. 4. - 14. _ 14. - 1. Aug. 3. - 3. - 3. - 10. Sept 22. - 30. Oct. 30. _ 5. Nov. 5. - 28. - 28. - 19. Dee. 31. - 31. - 31. - 31. - 31. - 10. Jan. 12. - 28. _ 28. - Prot. i'. Grimm. Petersburg. Sendung : Prof. lienecke. Strassburg. L. Bluschka. Dresden. C. Petri. Leipzig. Prof. Desor. Neufclintel. Prof. Greeff. Marburg. Prof. C. Vogt. Genf. Prof. Carus. Leipzig. Prof. Henle. Göttingen. Senc.khg. Museum. Frankfurt a/M. Prof. C. Vo(jt. Genf. Dr. Ludiviy. Göttingen. Dir. Trimen. Capstadt. Franc. Balfour. Cambridge. Dr. van Rees. Utrecht. VyoL Elllers. Göttingen. Prof. Desor. Neufchatel. Dr. Lanzi. Rom. Franc. Balfour. Cambridge. Dr. Grobben. Wien. Prof. Studer. Bern. Prof. Eimer. Tübingen. Prof. Greeff. Marburg. Prof. Goette. Strassburg. Prof. Heller. Innsbruck. Anat. Inst. Halle. L. Bluschka. Dresden. Prof Hoffmann. Leyden. K. Nat.-Cab. Stuttgart. Prof. Äusserer. Graz. Prof. Greeff. Marburg. Museo zoologico. Palermo. W. Percy Sladen. Halifax. Zool. Museum. Berlin. Anatom. Museum. Berlin. K.Centr.-Thierarzneischule. München. - Prof. KoUmunn. München. Dr. Gnaffe. Triest. Dr. Hertwig. Jena. Mollusken, Crusta- ceen, Echinod. Echinodermen. Mollusken, Würmer, Echinod., Coelent. Bauchiiosscn von Se- lachieru. Salpen, Echinod., Coelenteraten. Selachier , Cephalo- poden. Ascidien, Balanogl., Thalassema. Cephalop., Coelent. Fischaugen. Alle Classen. Mollusken. Larven von Comat. u. Pentacta. Crustaceen u. Echino- dermen. Alle Classen. Fische, Mollusken, Echinod., Coelent. Cephalopoden. Alle Classen. Salpen. Ascidien. Crustaceen. Salpen, Coelent. Selachier. Alle Classen. Embryonen vonToip . & Scyllium. Crustaceen. Alle Classen. Mollusken, Coelent. Alle Classen. Alle Classen. Alle Classen. Echinod., Coelent. Fische. Echinodermen. Alle Classen. Alle Classen. Alle Classen. Heteropodeu u.Ptero- poden. Hydromodusen. Hydromedusen. 11* 164 Anton Dolirn, Bericht über die Zoologische Station etc. 1S78. 2S. Jan. 4. Febr. 4. - Prof. F. JE. Schulze. Graz. C. Armhruster . London. Prof. Eillers. Göttinnen. 4. - A. Wuters. Woodbrook. 11. - Dr. Emery. Palermo. 9. März. Prof. Sem^ier. Würzburg. 9. - Prof. Todaro. Eom. 30. - Dr. Karthaus. Marburg. 30. - Dr. Ludwig. Göttingen. S.April. C. Staci/- Watson. London. lt>. - Prof. Claus. Wien. 30. - K. Felsche. Leipzig. 30. - Dr. von Ihering. Erlangen. 30. - Prof. Eimer. Tübingen. 30. - Prof. Lcuckart. Leipzig. 7. Mai. Dr. Lang. Bern. 11. - Dr. Everts. Haag. 14. - Prof. Or äff. Aschaffenburg. 15. - Prof. Hoffmann. Leyden. IS. - Dr. de Man. Leyden. 19. - Zoolog. Cabinet. St. Petersburg. 2-5. - Prof. V.Koch. Darmstadt. 2-3. - Prof. Steindachner. Wien. 29. Juni Prof. de Rougemont. Neufchatel. 29. - Zoolog. Institut. Halle a/S. 27. Juli Zooloo-. Museum. Berlin. Sendung: Hornschwämme. Cephalopoden. Coelent. , Echino- dermen. Bryozoen. Fischaugen. Laniellibranchier. Alle Classen. Alle Classen. Echinodermen. Fische. Mollusken , Coelen- teraten. Brachyuren. Mollusken. Fische, Echinod., Coelenteraten. Alle Classen. Mollusken, Coelent., Würmer. Alle Classen. Alle Classen. Augen von Cephalo- poden. Augen von Hetero- poden. Hydroidpolypen. Moilusk., Coelente- raten. Fische. Fische. Alle Classen. Alle Classen. lieber die Vergrösseriing der Bibliothek der Zool. Station wird das nächste Heft der » Mittheilungeu etc.« Bericht erstatten. Druck von Breitkopf ur.d Hürtel in Leipzig. I Carcinologische Mittheilimgen. von Paul Mayer. Mit Tafel V. Tl. lieber eleu Ilermapliroditismus bei einigeu Isopotlen. Vor Kurzem hat J. F. Bullae in einer kleinen Abhandlung' i) über die »Geschlechtsorgane der parasitischen Isopoden« den Nachweis zu liefern gesucht, dass die zur Gruppe der Cymothoiden gehörigen, an Fischen schmarotzenden Gattungen Cymothoa , Nerocila und Anilocra sammt und sonders Hermaphroditen sind. Bullae unterscheidet drei verschiedene Altersstufen. Auf der ersten haben die genannten Krebse äusserlich das Ansehen von Männchen und besitzen als solche an der gewöhnlichen Stelle zwei Penes. Die inneren Genitalien bestehen aber nicht nur aus den für die Isopoden charakteristischen drei Hodenpaaren, sondern auch aus einem paarigen Ovarium ; die Oviducte sind ge- schlossen, die Samenleiter hingegen münden durch die Penes nach aussen. Bei der nächsten Häutung fallen aber die letzteren fort, sodass nun weder die Hoden noch die Eierstöcke ihreProducte entleeren können. Im dritten Stadium endlich öti'net sich der Oviduct und lässt die Eier in die mittlerweile gebildete Bruttasche gelangen , während der männliche Apparat unverändert bleibt. Eine wechselseitige Befruchtung ist durch die Lage der weiblichen Geschlechtsöfifnuug inmitten der unbeweglichen Brutblätter und durch die Unbeweglichkeit der Samenfaden ausge- schlossen, mithin liegt ein Fall von echtem Hermaphroditismus vor. Bullae beschreibt nun noch die einzelnen Stadien genauer und spricht sich dann über die Art und Weise aus , in welcher er sich diese für die 1) J. F. BuLLAR, The generative organs of the parasitic Isopoda. Journal of Anatomy and Physiology XL 1S7Ü. p. 118— 12S tab. IV. Mittheilnngen a. d. Zoolog. Station zu Neapel. Bd. I. 12 lo6 Paul Mayer höheren Crustaeeen so ungewohnte Erscheinung entstanden denkt. Die Abhandlung ist von einer Tafel Abbildungen , auf welcher die wesent- lichsten Theile dargestellt sind, begleitet. Es ist erklärlich, dass die Behauptung Bullar's, da sie gegen un- sere bisherige Anschauung verstösst, Widerspruch hervorgerufen hat. Und zwar musste dieser um so eher sich geltend machen , als nicht nur der Nachweis von den Entwicklungsstadien des Spermas fehlte , son- dern auch die Abbildungen , auf welche man ein grosses Gewicht zu legen hier mehr als sonst wohl berechtigt war , keineswegs für über- zeugende gelten konnten. So trat denn auch Moseley^) bei Gelegenheit einer Arbeit über Peripatus, von dem Hütton 2) gleichfalls den Herma- phroditisraus erwiesen zu haben glaubte, dagegen auf. Nach seiner Angabe war es E. Ray Lankester, der ihn zuerst auf Bullar's Ab- handlung aufmerksam machte und » suggested to me that possibly an error in Observation has here occurred similar to that fallen into by Cap- tain Hutton in the case of Peripatus, viz. that spermatophores or por- tious of them have been mistaken for testes« (1. c. p. 89). Moseley wirft sodann Büllar vor, dass er es unterlassen habe, durch Abbildung und Beschreibung die Existenz von Samenbildungszellen , welche allein beweiskräftig sein könnten, darzuthun. Auch möchte recht wohl in einem der jüngeren Stadien bereits eine vielleicht schwierig zu findende Oeffnung des Oviducts nach aussen hin vorhanden sein. Gegen diese Ausführungen wendet sich sodann Bullar 3) mit einer genaueren Be- schreibung der Hoden und ihres Ausführungsganges und giebt an , dass die ersteren zuweilen » are filled with a cellular blastema , from whicb, doubtless , the spermatozoa are developed« (1. c. p. 254), sowie dass er in einem Falle aus den Penes habe Samenfäden herauskommen sehen ^j. Moseley seinerseits will sich mit diesem Bescheide nicht zufrieden geben, sondern verlangt ^j nach wie vor den strengen Beweis für die Hodennatur 1) H. N. Moseley, Eemarks on observations by Captain Hutton etc. on Peri- patus novae-zealandiae , with notes on the structure of the species. Annais and Magazine of Natural History 1877. XIX. p. 85—91. 2) F. W. Hutton, On Peripatus novae-zealandiae. Ebenda 1876. XVIH. p. 361 — 369. tab. XVII. 3) J. Bullae, Hermaphroditism among the parasitic Isopoda. Reply to Mr. Moseley's Eemarks etc. Ann. Mag. Nat. Hist. 1877. XIX. p. 254 — 256. 4) Nach der Bemerkung Bullar's »The oviduct . . . . is a wide tube opening externally at the side of the body, in the segment in front of that which bears the penis« (1. c. p. 255) würde die weibliche Geschlechtsöft'nuug im sechsten Brustseg- mente liegen, was bekanntlich nicht richtig ist. 5) H. N. Moseley, Hermaphroditism in the parasitic Isopoda. Further re- marks on Mr. Bullar's papers etc. Ann. Mag. Nat. Hist. p. 310, 311. Carcinologische Mittheilungen. 167 der von Bullae als Testikel bezeichneten Organe. Bei dieser Lage der Saclie schien es mir angezeigt, eine Nachuntersuchung vorzunehmen, um diese Streitfrage ihrem Austrage näher zu bringen. Ich habe das unter nahezu den gleichen Bedingungen wie Bollar thun können und bin zu dem Resultate gelangt, dass die Angaben meines Vor- gängers im Grossen und Ganzen richtig sind, dass also bei dieser einen Gruppe von parasitischen Isopodeu der Her- maphroditismus wirklich existirt. Sichergestellt ist dieses Verhalten allerdings nur für die hiesigen Vertreter der Gattungen Cy- mothoa, Anilocra und Nerocila ; da aber bei allen dreien im Wesentlichen dieselben Erscheinungen an den Tag treten, so wird man wohl auch bei den übrigen bisher aufgestellten Gattungen nicht viel Anderes erwarten dürfen. Bei den freilebenden Isopodeu bestehen, wie allgemein bekannt ist, die inneren Geschlechtswerkzeuge des Männchens jederseits aus drei Hoden . welche einer hinter dem anderen gelegen sind und durch ein gemeinsames vas defereus am siebenten Brustsegmente nach aussen münden. Ferner sind entweder zwei dicht nebeneinander nahe der Mittellinie des Bauches entspringende Penes vorhanden oder es findet sich (bei den Oniscideu; ein unpaarer Penis vor. Das Weibchen hingegen besitzt jederseits nur ein langgestrecktes Ovarium , dessen Entleerung vermittels eines kurzen Oviductes am Seitenrande des fünften Brust- segmentes vor sich geht. Wenn mau nun mit diesem Schema vor Augen die Präparation einer ausgewachsenen Cymothoa vornimmt, so wird man auf den ersten Blick auch nichts finden, was irgendwie auffällig er- scheinen könnte. Die Ovarien — man hat es nämlich bei den grossen Exemplaren stets nur mit anscheinenden Weibchen zu thun — verlaufen in der Längsrichtung des Körpers und sind vorn und hinten durch Fäden an der Rückenwand befestigt; der Oviduct tritt rechtwinklig zur Rich- tung des Ovariums etwas hinter der Mitte desselben hervor und mündet regelrecht an der Basis des fünften Beinpaares nach aussen. So ist es auch begreiflich, dass vor Bullar Niemand auf den Hermaphroditismus stiess, obwohl sicherlich oft genug die Anatomie der Fischläuse gemacht worden ist. Denn bei Nerocila und Anilocra ist zwar ein Uebersehen der Hoden im Körper des Weibchens schon nicht so leicht, wie bei Cy- mothoa, indessen auch hier tritt mit der zunehmenden Grösse des Thieres dessen männlicher Apparat mehr und mehr in den Hintergrund (vergi. Fig. 2 und 7:. Dagegen hätte bei jungen Exemplaren, welche durch ihre zwei Penes genügsam charakterisirt sind und der älteren Anschauung zufolge als die (stets kleineren) Männchen bezeichnet werden müssen, 12* 168 Paul Mayer bei einer genauen Präparation das weibliclie Element leicht gefunden werden können; nur wird man hier wahrscheinlich nie aufmerksam genug vorgegangen sein. Es bedarf aber nur eines Blickes auf Fig. 8, welche die Geschlechtswerkzeuge einer erst 1 3 mm langen Cymothoa oestroides darstellt , um sofort von dem Hermaphroditismus überzeugt zu werden. Nicht als ob etwa beide Geschlechter gleichzeitig functions- fähig wären — hiervon soll weiter unten noch die Rede sein — aber es sind doch in ein und demselben Thiere sowohl Hoden wie Eierstock vorhanden. Das vas deferens lässt sich ohne Mühe bis in den Penis hinein verfolgen und zeigt durch seinen Inhalt ebenso deutlich seine Bestim- mung an wie sich das Ovarium als solches durch die in ihm vorhandenen Eier erkennen lässt. Es wird indessen nöthig sein, näher auf Bau und Verrichtung beider Organe in ihrer gegenseitigen Abhängigkeit einzu- gehen , um die Wandelungen , welche das Individuum im Laufe seiner Entwicklung mit Bezug auf die geschlechtliche Sphäre durchmacht, kennen zu lernen. Die jüngsten Thiere, bei denen ich schon die Anlagen des Genital- apparates nachzuweisen vermochte, sind Larven'), welche sich noch in der Bruttasche der Mutter befinden. Bullae hat dieses Stadium nicht untersucht. Es ist dadurch l)emerkenswerth , dass äussere Genitalien noch völlig mangeln und auch die Innern erst wenig entwickelt sind. Wie Fig. 9 zeigt, ist das Gewebe noch ganz und gar embryonal und be- steht aus gleichartigen Zellen, welche noch keinen Unterschied zwischen Wandung und Inhalt der Geschlechtsdrüse zu machen erlauben. Der vordere Theil zeigt sich in vier Zipfel ^ausgezogen , von denen die drei äusseren als die Anlagen der Hodenblasen anzusehen sind, während der vierte, innere, zum Eierstock wird. Die zwei Ausführungsgänge, Ovi- duct und vas deferens, entspringen noch dicht neben einander und sind auch noch nahezu gleich weit. Sie lassen sich nur auf eine kurze Strecke verfolgen und hören dann, wie es scheint, auf 2). Geschlechtsöffnungen sind, wie bemerkt, noch nicht vorhanden. Von diesem Stadium bis zu dem folgenden , welches von Bullae ebenfalls nicht erwähnt wird , ist offenbar schon ein l)eträchtlicher Schritt, wenigstens in der Grösse. 1; Larven dürfen sie genannt werden, weil sie bekanntlich statt 7 erst 6 Brust- fusspaare haben. 2) Offenbar sind sie eben erst gebildet worden. In einem noch früheren Sta- dium , das ich aber nicht näher untersucht habe , war auch der hintere Theil der Geschlechtsdrüse noch nicht deutlich abgegrenzt, sondern verlor sich in einen Haufen Zellen, welche nach ihrem optischen und chemischen Verhalten sich wesent- lich von den bereits als solche kenntlichen Geschlechtszellen unterschieden und mir den Eindruck von Mesodermzellen machten. Carciuologische Mittheilungen. 1(59 Die Thiere haben nämlich mittlerweile die Bruttasehe der Mutter ver- lassen und sich schon an junge Fische augekrallt, mit denen zusammen sie an der Oberfläche des Meeres schwimmend angetroffen werden. Das kleinste Exemplar , das ich von ihnen untersucht habe, sass am Munde von Box boops L. und war schon durch eine starke Verschmälerung der ersten Abdominalsegmente als junge Cymothoa keuntUch. Es hatte be- reits alle sieben Beinpaare und auch zwei Penes. Die inneren Genitalien stellten sich ungefähr so da, wie sie eine junge Anilocra in Fig. 4 zeigt; es waren also die drei Hodenblasen im Verhältnisse zum Ovarium noch enorm gross , die in ihnen befindlichen Zellen hingegen kleiner als die kleinsten schon als solche hervortretenden Eier. Sperma war noch nicht gebildet. Erst auf einer weiteren Entwicklungsstufe, welche bei Cymo- thoa Individuen von S bis etwa 14 mm Länge begreift, ist der männliche Apparat wirklich in voller Thätigkeit, insofern nämlich grosse Mengen Samenfäden sowohl die Hoden als auch die vasa deferentia erfüllen und beim Conserviren der Thiere in starkem Alkohol aus den Penes hervor- quellen. ßuLLAK bezeichnet dieses Stadium als das erste und beschreibt es im Allgemeinen richtig. Ich kann daher auch lediglich bestätigen, dass sich die Eier an der äusseren Seite des Ovariums entwickeln '; , so wie dass die in Bündel zusammengepackten Samenfäden sich stets mit den Köpfen voran nach aussen schieben und das vas deferens in seiner hinteren Erweiterung prall anfüllen. Indessen hat Bullae die histo- logischen Verhältnisse nicht genügend erörtert, sodass ich hier noch näher darauf eingehen muss. Der Inhalt des Ovariums besteht aus Eiern in den verschiedensten Grössen und bietet somit nichts Besonderes dar, w^enn man nicht etwa hervorheben will, dass diese von einem sehr schön entwickelten Follikelepithel- umgeben sind, welches selbst wieder der Ovarialwandung angehört. Es verdient aber bemerkt zu werden, dass die Zone der jüngsten Eier vom Aussenrande des Ovariums durch einen hellen Streifen getrennt wird , der sich namentlich an älteren Stadien als die mittlere Abtheilung des vas deferens zu erkennen giebt und als solche meist mit Samenfäden angefüllt ist. An der medianen Seite des Eierstockes reiht sich hingegen direct unter dem Epithel ein grosses Ei 1) Dies gilt auch nach Saks 'Histoire naturelle des Crustacés d'eau douce de Norvège p. Ilo) von Asellus aquaticus und lässt sich ebenso bei Idothea, Oniscus. Cirolana nachweisen , dürfte also für die Isopoden ein gemeinsamer Charakterzug sein, während für die Amphipoden ein anderer Modus vorzuherrschen scheint. 2; Ein solches findet sich auch bei den übrigen parasitischen Gattungen, sowie bei Cirolana, Oniscus und Idothea, scheint also bei allen Isopoden vorzukommen. Bei der Reife der Eier buchtet sich das Ovarium vielfach aus und liegt mit seiner Wandung den Eiern stets dicht au (vergi. Fig. 7). 170 Paul Mayer an das andere. In den Hoden blasen sind die verschiedenen Entwicklungsstufen des Spermas deutlich zu erkennen und nichts berechtigt somit zu der Annahme, man habe es nur mit Be- hältern für die Spermatophoren oder, wie man auch glauben könnte, mit Keimlagern für die Eier zu thun. In dem vorderen Theile jeder Blase sind kleine , vom Epithel nicht unterscheidbare Zellen zu sehen, denen sich weiter nach hinten eine Anzahl grösserer, blasenförmiger anschliessen. Dann folgt junges, im Inneren dieser Blasen liegendes Sperma mit noch sehr kurzen Schwänzen, und endlich sind schon Bündel reiferen Samens vorhanden , wie sie auch im Endtheil des vas deferens vorkommen. — Die Wandungen der Hoden , des vas deferens und des Ovariums sind mit deutlich quergestreiften Muskeln versehen, die sich an vielen Stellen überaus dicht verzweigen und mit einander verschmelzen Fig. 5) . Auf dem hinteren Theil des vas deferens beündet sich nur eine allerdings sehr stark entwickelte Schicht von Längsmuskeln, welche an dem weiter nach vorn gelegeneu ovarialen Abschnitte desselben Ganges vielfach eine schräge Richtung annehmen und auf das Ovarium ausstrahlen. Auch die Hoden besitzen nach aussen von ihrer membrana propria eine Längsmuskulatur , deren einzelne Fasern nach hinten zu auf das vas deferens übertreten , nach vorn aber zusammenlaufen und die Befestig- ung des ganzen Apparates nahe der Mittellinie des Eückens bewirken. Wo sich übrigens diese Fäden anheften, habe ich nicht genau ermittelt; wie mir scheint , treten sie dicht nebeneinander an die Wand des Peri- cardiums und verlieren sich dort. So viel ist sicher, dass sie nach jeder der ausgiebigen Contractionen des Eierstockes das ganze Organ wieder in seine Anfangslage zurückführen. Der Oviduct seinerseits enthält nur an seinem Ursprünge vom Eierstocke aus einige Muskulatur und stellt in seinem weiteren Verlaufe nichts Anderes als einen faltigen Schlauch dar. Die vasa deferentia verlaufen nahe der Mittellinie nach hinten, machen dann im siebenten Segmente eine plötzliche Biegung zur Seite (Fig. 3, 7 und 1 1 ) und gelangen so in einem grossen Bogen zur Bauch- wand, um in die Penes einzutreten. Das sind genau dieselben Verhält- nisse bis in alle Einzelheiten hinein , wie sie bei den freilebenden Iso- poden vorkommen ; selbst die Chromatophoren auf dem zu einem Samen- behälter erweiterten Theile des vas deferens fehlen nicht (wie auch Bullae gefunden hat) . Kurz, man hat unzweifelhaft das Recht, die auf diesem Stadium befindlichen Thiere als functions fähige Männ- chen zu bezeichnen, deren inneren Geschlechtswerkzeugen die aller- dings schon weit gediehene Anlage der weiblichen Genitalien angefügt ist. Carcinologische Mittheilungen. \'ì\ Lieber die Form des Spermas wäre noch Folgendes beizubringen. Die Abbildung und Beschreibung, welche Bullar von ihm giebt , sind beide mangelhaft. Der einzelne Samenfaden zeichnet sich dadurch aus, dass er an seinem Kopfe einen Anhang trägt, welcher sehr viel zarter ist als der Faden selbst , im Wasser leicht aufquillt und dann die von Bullae »leaf-like« genannte Form annimmt, im Grunde aber nichts Anderes darstellt, als eine Verlängerung des Kopfes, die für gewöhnlich zur Seite geneigt ist (vergi. Fig. 1 3 Z>, c) . Zenker i) war der Ansicht, dieses Gebilde sei von Haus aus eine selbständige , zweite Form der Samen- fäden und verschmelze erst bei der Reife mit dem eigentlichen Sperma- tozoon; indessen hat schon Sars"-) diesen Irrthum berichtigt. BeiNero- cila habe ich den Anfang mitten auf der Oberseite des Kopfes, bei Anilocra seitlich auf der Unterseite angebracht gefunden , weiss aber nicht zu sagen , ob nicht diese Differenz nur eine zeitliche ist und auf einen ver- schiedenen ßeifezustand hindeutet. Vielleicht verschwindet er zuletzt gänzlich. — Bewegung konnte ich gleich wie Bullae bei dem Sperma nie entdecken. In dem beschriebenen Stadium verharren die Thiere längere Zeit und macheu verschiedene Häutungen durch , sodass der Unterschied in den angegebenen Dimensionen [S — 14 mm Länge; nicht auffällig sein kann. Von da ab tritt jedoch eine neue Entwicklungsphase auf, über welche bei Bullae Folgendes zu lesen ist. »Zwischen dem ersten und zweiten Stadium findet eine Häutung statt, und wird der Penis als Theil der Haut abgeworfen ; im zweiten Stadium giebt es keinen Penis mehr. Weder das vas deferens noch der Oviduct haben eine äussere Oeffuuug«. Indem ich die Frage über die Communication des Ovariums mit der Aussenwelt einstweilen unerörtert lasse, bemerke ich, dass die Penes keineswegs einfach abgeworfen werden, sondern noch lange Zeit hindurch äusserlich sichtbar sind. Bei Cymothoa habe ich Exemplare von 18, und bei Anilocra sogar von 25 mm Länge gefunden, bei denen immer noch die äusseren Genitalien bestanden, obwohl sie wahrscheinlich nicht mehr durchgängig waren. (Erst in dem von Bullae als das dritte bezeichneten Stadium konnte ich nicht einmal mehr Spuren von Penes entdecken) . Im Allgemeinen lässt sich aber von dieser Entwicklungs- periode so viel sagen , dass in ihr das weibliche Element das männliche überflügelt und es gegen Ende, wenn das Ovarium mit reifen Eiern er- füllt ist, gänzlich in den Hintergrund drängt. Bei einer Xerocila, welche 1; Archiv f. Naturgeschichte 1S54. p. 104. 2) Histoire naturelle des Crustacés d'eau douce de Norvège. p 114. 1 72 Paul Mayer im Begriife steht , sich ihrer Eier zu entledigen , ist das Ovarium der- massen umfangreich geworden , dass sich bei der Ansicht vom Bauche aus nicht einmal mehr das vas deferens entdecken lässt (vergi. Fig. 7). Im Uebrigen sind keine weiteren Veränderungen wahrzunehmen, als die, welche das bedeutende Wachsthum des Thieres überhaupt mit sich bringt. Für genaue histologische Untersuchung ist das Ovarium wegen der enormen Schwellung, welche es in diesem Zeiträume erleidet, wenig geeignet. Mit der nächsten Häutung treten die für die Beurtheilung des weib- lichen Geschlechtes entscheidendsten Charaktere hervor. Die Brutblätter, welche sich schon bei den älteren Exemplaren des vorigen Stadiums unter der Haut angelegt zeigten , sind nun frei geworden und nehmen auch bald die Eier zwischen sich auf. Je mehr die letzteren bei der Entwicklung der Embryonen wachsen, desto mehr drängen sie die Brut- blätter bauchwärts vor und die Körperwand in der entgegengesetzten Richtung zurück , sodass zuletzt die Eingeweide des Thieres , also der um diese Zeit stets leere Darm und das eingefallene Ovarium auf einen kaum merklichen Raum beschränkt sind (vergi. Fig. 1 und auch Bullar p. 121) . Hierbei wird Cymothoa, da sie mit ihren weichen Wandungen sich der Form des Fischmaules anschmiegen kann , noch mehr deform als sonst schon. Die in den früheren Stadien ziemlich starke Bauch- decke ist nach der Häutung so zart und durchsichtig geworden , dass man nach Abschneidung der Brutblätter und Entfernung der Embryonen das Innere des Mutterthieres durch sie hindurch völlig zu überschauen vermag. Natürlich sind die Ovarien stark zusammengeschrumpft, die Oviduete in Falten gelegt ; die vasa deferentia treten im Beginne ihres Laufes deutlich hervor und sind stets mit Sperma erfüllt. Verfolgt man sie nun weiter, um ihre Mündung zu erfahren, so kann man sie genau wie früher angegeben bis zur Bauchmittellinie des siebenten Segmentes präpariren, sieht sie aber dort blind enden und sich in die der Epidermis zunächst anliegenden Bindegewebsschichten verlieren (vergi. Fig. 3). Somit functionirt der männliche Apparat nicht mehr, während der weibliche in Thätigkeit ist und sich schon zu einer neuen Eiablage anschickt. Dem entsprechend finden sich im Ova- rium wieder grössere und kleinere Eier vor (Fig. 10) . Das Follikelepithel, dessen Dasein Bullar für eine Täuschung ausgegeben'), ist so deutlich 1 ) ». . . . each Ovum appears to be surrounded by a ring of cells , but by careful focussing it can be easilj' seen, that these are the lining cells of the wall of the ovary«. L. c. p. 120. Carciüologische Mittheilungen. 173 j wie zuvor (vergi, deu Schnitt Fig. 14). Auch die oben bereits näher be- 1 schriebeue Muskulatur besteht unverändert fort und äussert ihre Thätig- keit in den lebhaftesten Contractionen der Ovarien , die auch nach dem Tode des Thieres geraume Zeit hindurch (bis 74 Stunden lang) anhalten. Die Hoden dagegen sind noch stärker geschrumpft, als sie es schon waren, und sehen in der That, wie Bullae angiebt, »withered and dry« aus, enthalten aber doch noch etwas Sperma. Auch der Canal, welcher an der Aussenseite der Ovarien den Samen weiter befördert , mit anderen Worten der ovariale Theil des vas deferens ist nicht immer leer, sondern zeigt mitunter eine beträchtliche Füllung mitSpermatozoiden, welche un- bekümmert um den Oviduct an dessen Ursprung vorbei sich in den frei- liegenden Theil des vas deferens hineinziehen, also weder in den Oviduct noch in das eigentliche Ovarium gelangen. — Im Vorstehenden dürfte meiner Ansicht nach der Beweis dafür ge- liefert sein , dass der Hermaphroditismus bei der untersuchten Gruppe von Isopoden im morphologischen Sinne wirklich besteht und Bullae insofern mit seiner Behauptung also Recht hat. Es handelt sich nun noch um zweierlei, nämlich zunächst darum festzustellen, in welcher Art die Befruchtung stattfindet , und ferner darum zu untersuchen, auf was für einem Wege dieser Hermaphroditismus, welchen doch die soge- nannten normalen Isopoden nicht theilen, zu Stande gekommen sein mag. Was den ersten Punkt anbetrifft, so argumentirt Bullae folgeu- dermassen. Der Oviduct ist erst dann von aussen zugänglich, wenn die Bruttasche auftritt , und zwar liegt die Oefifnung innerhalb des von den Brutblättern gebildeten Raumes. Da nun sowohl die letzteren als auch die Samenfäden unbeweglich sind, so ist schwer einzusehen, auf welche Art eine Kreuzung bewerkstelligt werden könne. Zudem wohnt häufig nicht mehr als ein Individuum auf einem Fische , also müssen diese Einsiedler, zum Wenigsten die betreifenden Exemplare von Cymothoa oestroides . welche bekanntlich nicht schwimmen können , entweder partheuogenetisch sein oder aber sich selbst befruchten. Im letzteren Falle kann der Act nur innerlich vor sich gehen, denn das vas deferens ist bereits geschlossen, wenn der Oviduct sich öffnet. — Wie man sieht, hat sich Bullae eine bestimmte Ansicht nicht bilden können , sondern schwankt zwischen zwei Möglichkeiten und schliesst nur die dritte, näm- lich die gegenseitige Befruchtung , unbedingt aus. Indessen lässt sich zeigen, dass gerade der letztgenannte Weg von den Thieren eingeschlagen wird und zwar in der Art , dass allemal die jüngeren Individuen als Männchen, die älteren als Weibchen fungiren. Es ist allerdings richtig , dass sich der Oviduct erst dann nach aussen öffnet. 174 Paul Mayer wenn die Brutblätter schon vorhanden und zur Aufnahme der Eier bereit sind. In allen früheren Stadien lässt sich in der Gegend des fünften Fuss- paares nirgend eine Spalte, die nach innen führte, nachweisen. Ebenso unzweifelhaft ist es, dass die Oeffnung nicht direct nach aussen, sondern innerhalb des Brutrauraes gelegen ist. Man darf sich aber die Brut- klappen durchaus nicht steif denken, sondern muss berücksichtigen, dass an der Stelle , an welcher die jungen Larven iu's Freie gelangen, auch das Männchen entweder selbst hineinschlüpfen oder auf andere Weise seine Spermatophore einbringen kann. Nun sind aber die jungen Anilocra und Nerocila perfecte Schwimmer, während sich für Cymothoa geltend machen lässt, dass sich meist zwei Exemplare, ein ausgewach- senes mit Eiern oder Embryonen und ein junges, im Munde desselben Fisches dicht nebeneinander vorfinden. Somit steht mir fest, dass eine Kreuzung vor sich gehen kann. Dass sie aber wirklich geschieht, lässt sich , auch ohne dass man sie selbst beobachtet , durch einen einzigen Umstand, welchen Bullae übersehen hat, darthun. An alten Exemplaren aller drei Gattungen sind nämlich vergi. Fig. lU) die reifereu Eier nicht unmittelbar an der medianen Seite des Ovariums gelegen, sondern lassen einen unregelmässigen, mehr oder weniger grossen Raum frei, welcher mit einer körnigen , detritusähnlichen Masse und mit oft be- trächtlichen Mengen Sperma angefüllt ist. Auf Schnitten lässt sich er- mitteln, dass es sich hier nicht etwa um ein besonderes Organ, eine Art receptaculum seminis, handelt, sondern dass geradezu ein Theil der Eierstockshöhle an Stelle der Eier Sperma enthält (Fig. 15). Da sich nun, wie ich mich durch vielfache Sectionen überzeugt zu haben glaube, in allen jüngeren Stadien ohne Brutblätter diese Menge Detritus und Sperma nicht vorfindet , so darf man wohl sicher sein , dass durch den offenen Oviduct ein oder mehrere Spermatophoren von aussen eingeführt und durch die heftigen Bewegungen des Eierstocks , von denen schon oben die Rede war, in die Nähe der reifen Eier gebracht werden. Die Befruchtung ist demnach eine innerliche^) und setzt die Gegenwart eines andern, als Männchen fungir enden 1) Bei Oniscus habe ich ein Weibchen 'mit Sperma im Ovarium, aber an der Stelle, von welcher der Oviduct entspringt, gefunden. Aehnlich verhält es sich mit Idothea, wo das Sperma aber mehr nach hinten zu gelegen ist, falls überhaupt hierin Constanz herrscht. Die Befruchtung ist also, ohne jeden Zweifel auch hier eine innerliche. Nun glaubt zwar Saks (1. c. p. 116), bei Asellus geschehe sie ausserhalb des Körpers, nach dem Austritte der Eier aus dem Oviducte, aber noch bevor sie in die Bruttasche gelangen. Indessen kann er hierfür keinerlei Beweis liefern und verweist wegen einer Analogie auf die Amphipoden. Carcinologischo Mittheilungen. 175 Thieres voraus'). Es fragt sich nur, bis zu welchem Alter sind die jüngeren Exemplare noch im Stande, die Begattung auszuüben. Wenn es blos auf das Vorhandensein der Penes ankäme, gewiss lange Zeit I hindurch, denn bei Anilocra habe ich, wie schon oben erwähnt, Exem- ' piare bis zu 25 mm Länge, welche also den grossen Thicrcn nur wenig nachgeben, noch mit Penes versehen aufgefunden. In diesen Fällen habe ich aber nicht mehr mit Sicherheit ermitteln können, ob überhaupt j noch eine äussere Oeffnung vorhanden war. Indessen selbst wenn das der Fall sein sollte , so würde doch , glaube ich , die Begattung einfach wegen der Grösse des Thieres und dann auch wegen der mangelnden Hülfsorgane unmöglich sein. Mit Bezug auf die letzteren kann ich als bekannt voraussetzen , dass sich bei den Isopoden ganz gewöhnlich an der Innenseite des zweiten Abdominalfusses, welcher gleich den übrigen als Kieme dient, ein besonderes, nur den Männchen zukommendes stab- förmiges Organ vorfindet'^). Dieses ist z. B. bei Cirolana, also der- jenigen Gattung, welche von allen freilebenden Isopoden Anilocra wohl am nächsten steht, sehr stark entwickelt. Dagegen erhält es sich, wie die folgende Tabelle zeigt, bei Cymothoa nicht eben so lange Zeit wie es die Penes thun und bildet sich bei Anilocra ebenfalls sehr rasch zu- rück, während es allerdings bei Nerocila langsamer abzunehmen f^eheint. Wenn aber dieses Gebilde bei der Copulation eine wesentliche Rolle spielt , wie dies von allen Autoren angenommen wird , ohne dass mau freilich von dem Vorgange der Begattung eine deutliche Vorstellung hätte, so wird man mit seiner Rückbildung auch die männliche Periode für beendet erklären dürfen. 1) Gegen diese Auffassung lässt sich auch nicht eine Beobachtung verwenden, die ich ein einziges Mal gemacht habe. Ich fand nämlich (vergi. Fig. II) die er- wähnte Masse Sperma nicht nur an der medianen Seite des Ovariums angehäuft, sondern konnte sie direct bis in das vas deferens verfolgen. Dagegen war der ovariale Thtil des letzteren völlig leer und auch in den Hoden zeigte sich nur ganz wenig Sperma. Keineswegs konnte also die fragliche Menge Samen von demselben Thiere herrühren, in dessen Eierstock sie sich befand, sondern war von aussen ein- geführt und hatte sich nun ausnahmsweise einen Weg bis in das vas deferens ge- bahnt. 2) An dem ersten Abdominalfusspaare ist für gewöhnlich keine solche Hülis- vorrichtung, wie sie bei den männlichen Ouisciden vorkommt, angebracht. Nur in einem Ausnahmefalle, bei dem 6,5 mm langen Exemplare der Fig. 17, habe ich auch an der ersten Kieme dasselbe accessorische Organ gefunden wie an der zweiten Kieme, indessen nur auf der einen Seite. 176 Paul Mayer Tabelle über das Vorkommeu des mänuliclieu Hülfsorgans. Länge d. Aufentlialt Penes Stalj an der ■Bemerkungen. Thieres 2. Kieme Anilocra mediterranea. 2,5mm UD Fischbrut fehlen fehlt fFig. 16; erst sechs Brustfussi^aare. 5 - - - vorhanden schon sieben Brust- fusspaare. 6,5 - Oberfläche des Meeres vorhanden -(Fig. 17] Befiederung der Kiemen rückgebildet. 14 - ~ ~ -(Fig. 18) Kiemen ungleich ent- wickelt. 27 - an Fischen nicht mehr vorhanden -1 Fig. 19; noch ohne Bruttasche. 32 - Ne rocila bivittata. Rudiment (Fig. 20) mit Bruttasche. 14 mm y fehlen (?; vorhanden Schlank, ohne Bruttasche. 24 - Cym an Fischen othoa oestroides. nicht mehr vorhanden Breit, mit Bruttasche. 5 mm in der Bruttasche fehlen fehlen (Fig. 23) tl - frei im Wasser umherschwimmend vorhanden - (Fig. 22) Befiederung der Kiemen verschwunden. 7 - - - Sperma in der männlichen Geschlechtsöffnung. 8 - im Munde von Maena und Box vorliauden 9 - - - -(Fig. 21] schon windschief ge- worden. 13 - - noch vor- handen nicht mehr vorhanden 16 - - - - noch ohne Bruttasche. In Betreff der zweiten oben aufgeworfeneu Frage, wie wolil der Hermapliroditismus der uns hier bescbäftigenden Isopoden entstanden sein mag , ist Bullae der Ansiebt , da ss alle Isopoden »von einem ge- meinsamen zweigescblecbtlichen Stamme entsprungen sind und dass die Vorfabren der gegenwärtigen parasitischen Arten zweigescblecbtlich waren, als sie parasitisch zu werden begannen«. Denn es gleichen die Gescblechtswerkzeuge von Anilocra u. s. w. völlig der Summe der männlichen und weiblichen Organe, wie sie bei den freilebenden Iso- poden bestehen , und sind nicht etwa nach einem andern Typus gebaut. Auch hierin hat Bullae Recht. Mau darf aber hinzufügen , dass man auch bei den übrigen Isopoden noch Rudimeute der hermaphroditischen Anlagen zu finden erwarten kann. Darauf hin habe ich denn auch so- wohl die nächsten Verwandten der in Rede stehenden Parasiten, nämlich die Gattungen Cirolana und Couilera, als auch Idothea und Oniscus auf Carcinologische Mittheilungen. 177 diesen Punkt geprüft und bei den ersten beiden die deutlichsten An- zeichen der gesuchten Verhältnisse gesehen, während allerdings die beiden letzten mir den gewünschten Aufschluss noch nicht gegeben haben, zumal mir die jüngsten Stadien nirgend zu Gebote standen. Bei Cirolana und Conilera sind zwar völlig ausgebildete Männchen vorhan- den , an deren Genitalien ich durchaus nichts Weibliches finden kann, also namentlich jede Andeutung der Oviducte vermisse, dafür aber setzen sich bei den Weibchen die Ovarien nach hinten in einen Faden fort, welcher wie ein vas deferens zum siebenten Segmente hinzubiegen scheint, und zeigen ausserdem vorne einen zur Befestigung dienenden Faden (Fig. 12), den man auf Grund seiner Dreitheilung und seiner Structur wohl berechtigt ist, als Rudiment der Hodeublasen anzusehen. Und zwar gilt dies von den erwachsenen Weibchen, wird also höchst wahrscheinlich bei den Embryonen noch viel bestimmter ausgesprochen sein. Wie weit sich diese Ueberreste eines Hermaphroditismus bei höheren Krebsen noch erstrecken mögen, wird Gegenstand einer beson- deren Untersuchung werden. Jedenfalls darf man hier von ihrem Vor- handensein ausgehen und kann das Wiedererscheinen der vielleicht lange Zeiträume hindurch latent gebliebenen Einrichtung zu dem Para- sitismus in Beziehung setzen. Im Einzelnen wird es freilich schwier, sich vorzustellen, in welcher Art diese beiden Erscheinungen, der Para- sitismus und die Protandrie (wie ich mit einem den Botanikern ge- läufigen Namen den hier vorliegenden blos morphologischen "üermaphro- ditismus bezeichnen möchte) einander bedingt haben und mit einander zu ihrem jetzigen Stande gelangt sind. Wären nämlich Anilocra und Verwandte echte Zwitter , so bestände diese Schwierigkeit nicht , weil die Vortheile der Selbstbefruchtung für parasitisch lebende Thiere in's I Auge springen. Wenn dagegen, wie es doch hier der Fall ist, nach wie ! vor zwei Individuen zur Erzeugung von Nachkommenschaft zusammen- i wirken müssen , so ist die Erhaltung der Art genau denselben Chancen - ausgesetzt, welche für die freilebenden Thiere gelten. Es lässt sich also nicht ohne Weiteres, wie dies von seinem Standpunkte aus Bullae mit Recht thun kann, folgern, dass der Hermaphroditismus nicht die Ursache, sondern die Wirkung der parasitischen Lebensweise sei. Man könnte I hier einwenden, da ein und dasselbe Thier in der Jugend als Männchen, im Alter als Weibchen fungire, so wären zur Erzielung derselben Anzahl Brüten weniger elterliche Individuen nothwendig , als bei strengen j Gonochoristen. Indessen ist diese Annahme nicht richtig. Denn wäh- rend bei Jenen die Erwachsenen als Weibchen auf Begattung durch die jüngeren Männchen zu warten haben, sind bei diesen in demselben 1 78 Paul Mayer Lebensalter noch fortpflanzimgsfähige Männclien vorhanden, die wieder andere Weibchen befruchten können. Hier wird also eine kleinere An- zahl Männchen ausreichen, als dort — und so ist der Vortheil illusorisch. Eben so wenig darf man behaupten wollen, die Weibchen der freileben- den Thiere leisten in der Jugend keinerlei geschlechtliche Arbeit, wäh- rend diese Hermaphroditen , ehe sie Junge hervorbringen , schon als Männchen thätig gewesen seien. Dem steht entgegen, dass eben bei den höheren Crustaceen im Allgemeinen die sexuelle Keife ausserordentlich früh eintritt (wie denn auch bei den nächst verwandten freilebenden Gat- tungen unter den Isopoden schon ganz kleine Weibchen Eier in der Bruttasche tragen), mithin die Generationen rascher aufeinander folgen können, als es bei Anilocra u. s. w. geschieht. Einen unzweifelhaften Nutzen für die Erhaltung der Art kann ich also nicht auffinden und bin darum auch ausser Stande , eine Erklärung dafür , warum sich die ge- schlechtlichen Verhältnisse in diesem Falle von Parasitismus so und nicht anders gestaltet haben, zu liefern. Interessant aber wird es jeden- falls sein, zu erfahren, ob wirklich von der zweiten Gruppe schmarotzen- der Isopoden, den Bopyriden, bei denjenigen Gattungen, welche gleich- falls Ectoparasiten sind, also Bopyrus, Jone, Gyge u. a. m., einfaches Zusammenleben beider Geschlechter stattfindet oder nicht auch andere Vorkehrungen zur Fortpflanzung getrolfen sind. Neapel, Zoologische Station, 15. August 1878. Erklärung der Abbildungen. Tafel V. Fig. 1 . Ausgewachsenes Exemplar von Auilocra mediterranea Leacli in natür- licher Grösse. Sagittalschnitt zur Veransehaulichung der Bruthöhle. Die ventrale Kürperwaud ist nach dem Kücken zu gedrängt. Fig. 2. Ein anderes Exemplar nacli Entfernung der ventralen Körperwand. Man sieht die Ovarien mit den Oviducten und die geschrumpften Hoden mit ihren vnsa deferentia. Fig. 3. Innere Geschlechtswerkzeuge einer schon mit Brutblätteru versehenen (etwa 20 mm langen) 'Anilocra medit. Vergr. 5. oc , Ovarium voll junger Eier, od, Oviduct, t, Hodenblasen, vd, vas deferens. Das letztere endet blind. Fig. 4. Dieselben Organe von einer jungen (erst 10 mm langen) Anilocra medit., deren Penes noch offen sind. Vergr. 30. Die Hodenblasen t sind voll Samenfäden. Bedeutung der Buchstaben wie in Fig. 3. Fig. 5. Vorderer und hinterer Theil des linken Ovariums einer (etwa 20 mm langen) Anilocra medit. mit Brutblättern. Vergr. 30. Auf der am weitesten nach hinten gelegenen Hodenblase ist die Muskulatur angegeben, auf den beiden anderen weggelassen, um die Entwicklungstadien des Spermas zu zeigen. Im hinteren Theile des Eierstockes ist das Epithel der Wandung nicht gezeichnet. Carcinulogiscbe Mittheilungen. I79 Fig. 6. Innere Genitalien einer erwachsenen (24 mm langen, Xerocila bivittata Kisso. Vergr. S. /, Theil des Darmes; die übrigen Buchstaben Avie in Fig. '.i. Fig. 7. Rechte Hälfte derselben Organe eines mit Brutblättern versehenen (31 mm langen; E.xemplares von Nerocila spec, vom Rücken gesehen. Vergr. 6. Das Ovarium voll reifer Eier verdeckt in situ die klein gewordenen Hoden und das vas deferens, lässt aber den ovarialen Theil desselben in Gestalt einer hellen Linie hervortreten. Fig. 8. Innere Genitalien einer jungen (erst 13 mm langen) Cymothoa oestroi- des Risso. Vergr. 13. Die vasa deferentia lassen sich bis in die offenen Penes ver- folgen und sind mit Sperma gefüllt, welches auch in dem hinteren Theile der Hoden sowie längs des ganzen Eierstockes sichtbar ist. Fig. 9. Anlage der Genitalien der rechten Seite bei einer noch in der Brut- tasche befindlichen Larve von Cymothoa oestroides. Vergr. 280. Bedeutung der Buchstaben wie in Fig. 3. Fig. 10. Rechte Hälfte der inneren Genitalien einer Cymothoa oestroides mit Brutblättern. Vergr. 12. sp, das befruchtende Sperma. In den auf das äusserste geschrumpften Hodenblasen ist kein Sperma mehr enthalten. Fig. 11. Dieselben Organe eines 30 mm langen Exemplares von Anilocra medit. sp, wie in Fig. 10. Das bei der Begattung eingefülirte Sperma ist bis in das vas deferens gedrungen, dagegen ist von eigenem Sperma nur in der einen Hodenblase noch ein wenig vorliaudeu. Fig. 12. Vorderer Theil des Ovariums eines erwachsenen Exemplares von Cirolana hirtipes M. Edw. Vergr. SO. Die drei Blindschläuche haben dasselbe Epithel wie der Eierstock. Fig. 13. Samenfäden aus dem vas deferens einer (12 mm langen) jungen Nero- cila bivittata. a. Vergr. SO. b — d. Vergr. 300. In J befindet siih der Anhang des Kopfes noch in einer später nicht mehr vorhandenen Blase. Fig. 14. Theil eines Längsschnittes durch ein Ovarium von Anilocra medit. zur Veranschaulichung des FoUikelepithels. Vergr. 120. In den jungen Eiern rings um den Kern zahlreiche Vacuolen. Ausserhalb des Epithels die Muskulatur der Wandung. Fig. 15. Querschnitt durch Ovarium und Oviduct einer Anilocra medit. mit Brutblättern. Vergr. 30. vd', der ovariale Theil des vas deferens mit Sperma im Innern, sp, fremdes Sperma mit Detritus, welcher sich mit Carmin lebhaft färbt. Die Muskulatur ist nicht angegeben. Fig. 16 — 20. Zweiter Abdomialfuss von Anilocra medit., und zwar: Fig. 1(3 von einem 2, .5 mm langen Exemplar. Vergr. 80. - 17 - - (3,5 - - - - 18. - 18 - - 14 - - - - 10. - 19 - - 27 - - - - 3. - 20 - - 32 - - - - 3. In Fig. 10 sind die Schwimmborsten noch deutlich ausgebildet. Auch sind hier die an der Innenseite des Grundgliedes befindlichen Häkchen, durchweiche die Verbindung beider Füsse desselben Paares behufs gleichmässiger Bewegung erfolgt, angegeben, während sie in den übrigen Figuren weggelassen sind. Die in Fig. IS hervortretende Ungleichheit der beiden Füsse desselben Paares ist auch an den anderen Paaren ausgeprägt. Fig. 21 — 23. Dasselbe Organ bei Cymothoa oestroides, und zwar: Fig. 21 von einem 9 mm langen Exemplare. Vergr. 30. - 22 - - 6 - - - - 30. - 23 - - 5 - - - - 30. Die im Golf von Neapel erscheinenden Rippenquallen. Von Dr. Carl Chim, Privatdocent an der Universität Leipzig. Mit Tafel VI. Wenige ThiergTuppen dürften den Beobachter für die wechselnden Mühen der Untersuchung so reichlich entschädigen, wie die Rippen- quallen. Die vollendete Durchsichtigkeit, eine bei ansehnlicher Grösse sonst nicht wieder in der Natur gebotene Zartheit der GeAvebe , das sanft ab- gedämpfte Colorii , das originelle Princip der Ortsbeweguug vermittelst Schwimmplättchen , in denen das Licht in allen Regenbogenfarben ge- brochen wird , die elegante Art des Schwimmens verbunden mit dem rastlosen Spiel der in lange Curven sich ausziehenden oder im Moment eingestreckten Fangfäden, das Vermögen bei Nacht ein brillantes Licht auszustrahlen — sie alle vereinigen sich, um auch dem ästhetischen Sinn genussreiche Befriedigung zu gewähren und ihn diese Meisterstücke an Zartheit stets von Neuem bewundern zu lassen. So haben sie denn auch seit jeher auf die Forscher eine besondere Anziehungskraft ausgeübt und wenn nicht ein Jeder derselben in beredten Worten Ausdruck gegeben hätte , so Avürden wir sie schon aus den Namen erschliessen können, denn in der Beroe, Idyia, Cydippe, Medea, Pandora, Alcinoe, Bolina, Ocyroe, Callianira, Leucothea u. A. leben die duftigen Gestalten der classischeu Mythen verkörpert weiter , indess die Göttin der Schönheit, um keinen ihrer Reize zu verhüllen, sich den zartesten und durchsich- tigsten Gürtel aus der Schaar der Rippenquallen darreichen lässt. Die im Golf von Neapel erscheinenden RippenqiKiilen. ] 81 I. Yorkommeii und Ersclieiiiimgszeit. Der Golf von Neapel , überhaupt das Mittelmeer , birgt eine Fülle von charakteristischeu Vertretern dieser scharf umgrenzten Cölenteraten- classe. Nach den bis jetzt vorliegenden Berichten scheint mir keine Küstenstrecke, sowohl was Artenzahl als massenhaftes Auftreten anbe- langt, so reich mit Rippenquallen bedacht zu sein , wie die italienische Südwestküste. Zu keiner Jahreszeit fehlen sie, wenn auch ihr Erscheinen Yon bis jetzt noch nicht der Ursache nach zu eruirenden Unregelmässig- keiten begleitet ist. Ich gebe zunächst mit Benutzung der von Herrn Schmidtlein sorg- fältig geführten Listen eine Uebersicht über Häufigkeit und Erscheinuugs- zeit der meisten Arten im Golfe von 1875 — 1877. Die Bezeichnungen sind dieselben, wie die bereits früher von Herrn Schmidtlein benutzten (1 bedeutet also = sehr selten, 6 = gemein und in grossen Schwärmen) . Eine leere Columne bedeutet, dass in den betreffenden Jahren noch keine Controle über die genannte Art geführt wurde, ein Strich dagegen, dass in dem genannten Monat eine Art ganz ausblieb. Wie aus dieser Liste, die zwar keinen genauen aber doch einen un- gefähren Eindruck über Erscheinungszeit und Häufigkeit abgiebt, zu er- sehen ist, so sind die Frühjahrsmonate Februar, März, April und Mai in Bezug auf Arten- und Individuenzahl am günstigsten gestellt. Gegen den Sommer zu nimmt im Allgemeinen letztere ab und manche Arten (Cestus Veneris , Callianira bialata, Hormiphora piumosa) bleiben Con- stant aus, bis mit Beginn des Herbstes wieder regeres Leben sich zeigt, zunächst durch Erscheinen von Beroe- und Cestusschwärmen eingeleitet. Den Winter hindurch ist in Folge oft lang anhaltender Sciroccostürme das Auftreten der einzelnen Arten manchen Schwankungen unterworfen. Doch erstrecken sich solche Schwankungen bisweilen auch auf längere Perioden. So blieb z. B. im Sommer 1875 die Eucharis multicornis ganz aus, iudess sie im Sommer 1876 und 1877 fast allein unter allen pelagi- schen Formen und in grossen Schwärmen Constant sich zeigte. Bedenkt man, dass bisher diese Aufzeichnungen sich auf einen ver- schwindend kleinen Theil des Golfes beschränkten , dass überhaupt die Richtung der Strömungen, die Launen von Wind und Wetter einen vor- wiegend bestimmenden Einfluss auf das Erscheinen der pelagischeu Thierwelt ausüben, so möchte es vermessen klingen aus diesen wenigen Daten Schlüsse über die Ursachen des periodischen Auftretens zu ziehen. Die Beo])achtungen müssen noch Jahrzehnte hindurch fortgesetzt werden, die physikalischen Verhähnisse des Golfes, die Richtung der constanten I ilittbcilungen a. d. Zoolog. Staiion z.u Neapel. BJ. I. 13 182 Carl Chun liormiphora piumosa Lampetia Pancerina Charistephane fugiena Haeckelia rubra Callianira bialata Eurhamphaca vexilligera Bolina hydatina Eucharis raulticornis Cestus Veneris Beroe ovata Beroe Forskalii 1 - 1 1 II 1 - è^ 1 lO *^ 1 II 1 ct' g 1 4^ ■ 1 II NJ Fe- bruar 75|76|77 bS »t* ~ 1 II 1 1 O» CT — 1 NS rJ ^ ,ti (y> W "• 1 NS IO Ma 75(76 1 Oi »^ O' 1 >-* 1 SS CT CT CT. 1 1 — tvS 1 1 H-' ^1 ""' 1 1 1 1 II 1 CT. B 1 1 .O CT i - 1 1 to C^ CT- 1 1 1 "• 1 1 1 ~1 - CO 1 1 II 1 —1 to to 1 >b' Il 1 -^ c 1 i 1 CT 1 1 1 >— 1 II -I 1 *. 1 1 II 1 Augi 75|7G 1 1 ^ CT II 1 1 1 1 CT - 1 1 - 1 1 1 r! ^ 1 111^ II 1 Sep- tember 75|7t)|77 1 1 1 CT II 1 C: H-- *- CT ^ 1 ■! Ol 1 1 1 1 1 - 1 1 ^ u. October 75|76|77 Crx ^ CT Cf II 1 CT 1 >t^ CT. 1 1 KI 1 1 1 1 1 W NS II *- -1 < CT a-'-' *>• ^ CT CT 1 lO 1 t^ 1 O' *- 1 _. J^ — 1 1 ^1 re ' .-1 ^■ t>S 4^ CT 1 1 1 ^ -:::t Bö _CT c-? 1 M CT t>S 1 ^ NS 1 hS Zf \ 1 1 — - 1 1 Die im Golf von Neapel erscheinenden Rippenquallen. 1 83 'Ströme und Uiiterströme sind erst auszumitteln und vor Allem müssen die täglichen Aufzeichnungen sich auf ein weiteres Gebiet erstrecken. Trotzdem glaube ich auf einen Factor aufmerksam machen zu dürfen, der in manchen Fällen das constante von Wind und Strömungen unab- hängige Auftreten pelagischer Formen begreiflich erscheinen lässt. Wie erklärt es sich , dass nach den heissen Sommermonaten ohne vorange- gangene Stürme plötzlich grosse Schwärme von Medusen und Cteno- phoren erscheinen , welche zuvor eine Zeit lang gänzlich fehlten ? So treten mit überraschender Regelmässigkeit im August Cassiopea Borbo- nica Delle Chiaje und Tim a flavilabris , Ende September und Anfang October plötzlich Schwärme von Cestus und Beroe auf. Man könnte vermuthen, dass etwa die im Sommer Constant wehende Tramontana alle pelagischen Thiere aus dem Golfe in die freie See treibe und dass erst mit ihrem Nachlassen günstigere Gelegenheit zum Wieder- auftreten gegeben wäre. Allein es wäre dann zu erklären , wieso z. B. die Eucharis multicornis im Sommer 1876 und 1877 nicht hinausgeweht wurde, während doch die übrigen Arten fehlten. Auch die Zeit der Geschlechtsreife kann nicht allein die Ursache sein. Ich fand die Rippenquallen das ganze Jahr hindurch geschlechts- reif und konnte auch zu jeder Zeit die Larven im Auftriebe beobachten. Allerdings macht sich gegen Frühjahr und Sommer eine Steigerung der Fruchtbarkeit bemerklich, indess letztere im Herbst und Anfang Winter vermindert erscheint. Und doch ist es gerade der Herbst, in dem so plötzlich die grossen Schwärme erscheinen. Da noch andere Erklärungsversuche mir nicht ausreichend zu sein schienen, so kam ich auf die Vermuthung , dass während der heissen Jahreszeit die Rippenquallen in die Tiefe steigen möchten, um vielleicht im sogenannten Fango ihre Nahrung zu suchen. Es glückte mir in der That mehrmals mit Schwebnetzen aus bedeutender Tiefe im Sommer 1877 Beroe ovata und Larven von Cestus zu erlangen, welche weder an der Oberfläche zu bemerken waren , noch , wie ich mich überzeugte , in der Nacht und gegen Morgen aufstiegen. Bei der Mühseligkeit und Um- ständlichkeit , mit denen diese Versuche verknüpft waren, konnte ich trotz vielfacher Wiederholung und Modification nur zu der allerdings begründeten Vermuthung gelangen , dass nach einer Frühjahrsperiode reger Fruchtbarkeit die Larven bei Beginn der heissen Monate in die Tiefe wandern, offenbar sich von den mannigfachen im Fango lebenden kleinen Crustaceen nähren und zu ausgebildeten Thieren heranwachsen, bei Beginn des Herbstes in Masse aufsteigen. Bestätigen sich auch bei anderen pelagischen Familien derartige 13* 1 84 Carl Chun Beobachtungen, so würden unsere bisher nur auf kärglichen Thatsachen. beruhende Vorstellungen über das Erscheinen der pelagischeu Thierwelt eine greifbarere Fassung annehmen können. Nicht wenig war ich überrascht , als wir auf einer der ersten Ex- cursionen mit dem Dampfer die reizende smaragdgrün schillernde Oceania cruciata (Cosmetira punctata Haeckel) und späterhin die bisher als Selten- heit geltende Charybdaea marsupialis mit jedem Tretschzuge aus dem Golf von Gaeta heraufliolten. Auch die im September und October massenhaft erscheinende Tima flavilabris lebt den Sommer hindurch auf dem Meeresboden, wo sie in grosser Zahl in die Netze der Fischer ge- räth. Ebenso erkläre ich mir das regelmässige Erscheinen der Cassio- peensch wärme daraus, dass die jungen Thiere mit ihrer centralen weiten Mundöffnung auf den Tiefseealgen ihrer Nahrung nachgehen , um dann im August aufzusteigen und durch Anpassung an andere Lebensverhält- nisse und andere Nahrung eine allmälige Verwachsung der Mundränder und Ausbildung des polystomen Saugapparates einzugehen ^) . IL lieber die bei der Classification einziilialteuden Priiicipien. Wenn ich nun nach diesen kurzen Bemerkungen über Erscheinungs- weise zu einer Charakterisirung der von mir von October 1876 bis Sep- tember 1877 und im Frühjahre 1878 in dem Golfe beobachteten Rippen- quallen übergehe, so wird es vor Allem erforderlich sein über die bei der Classification einzuhaltenden Principien Rechenschaft zu geben. Bei keiner Thierclasse ist vielleicht eine grössere Verwirrung in der Nomen- clatur eingerissen und in keiner ist der Mangel guter bildlicher Darstel-; hing fühlbarer geworden, als bei den Rippenquallen. Der Grund zu der.> Menge von widersprechenden Angaben, welche die Sichtung des in älteren Reisewerken beschriebenen Materiales zu einer nichts weniger als beneidenswerthen Aufgabe gestalten, liegt auf der Hand. Die Rippenquallen gehören zu den zartesten und vergänglichsten pelagischen Formen. 1) Ich brauche wohl kaum darauf hinzuweisen, welch' interessante Aufschlüsse, die systematische Vervollkommnung des Tretschens auf zartere Formen in Bezug. auf Lebensverhältnisse und Gewohnheiten, aus denen ja erst die Organisation ver- ständlich wird, zu bieten vermag. Um eine Fülle von Anschauungen werden wir reicher werden, sobald es gelingt an Stelle der zufällig haschenden Tretsche mit einem Taucherapparate hinabzusteigen, zu sehen und zu arbeiten. ( il Die im Golf von Neapel erscheineuden Kippenquallen. 185 Ist es darum schon geboten mit äusserster Vorsiebt die meisten Arten einzufangeu, so genügt ein Blick auf ältere Abbildungen , um zu zeigen, wie häufig verstümmelte Exemplare, selbst einzelne abgerissene Theile den Artbeschreibungen zu Grunde gelegt wurden. Doch auch völlig unversehrte Exemplare tragen eine solche Varia- bilität in ihrer Architektonik , in dem relativen Längenverhältniss ein- zelner Körpertheile zur Schau, dass eine Kenntniss der jugendlichen und ausgewachsenen Formen unerlässlich ist , um den Beobachter nicht da geuerische Verschiedenheiten erblicken zu lassen , wo nur verschiedene Entwicklungsstadieu vorliegen. Es ist eben durchaus erforderlich, dass man eine gewisse Vertrautheit mit den habituellen Eigenthümlichkeiten erlange und durch möglichst reiche Anschauung aus den mannigfachen Varianten die constanten Merkmale abstrahire. Da ich von den meisten im Mittelmeere erscheiuenden Arten die Entwicklung vom Ei an ver- folgen konnte , so ward ich vielfach dazu geführt bereits beschriebene Arten und Gattungen zum Entwicklungscyclus einer Form zu beziehen. Obwohl sich dadurch die Artenzahl nicht unerheblich verringerte, so glaube ich doch durch das Studium von 1 4 Arten , welche meist sehr charakteristische Vertreter der bisher beschriebenen Ctenophorenfamilien repräsentiren, einen grösseren Formenkreis vor Augen gehabt zu haben, als irgend einer der früheren Beobachter. Zwei der aus dem Mittelmeere beschriebenen Gattungen, die Eu- rhamphaea vexilligera Gegbr. und Lesueuria vitrea M. Edw. habe ich nicht beobachtet; die übrigen Mittelmeerformen reduciren sich auf 9 Arten, denen ich fünf neue Arten hinzuzufügen habe. Im Grossen und Ganzen sind nach ihrem Habitus vier Ordnungen unter den Ctenophoren zu unterscheiden : Die Cydippen , die gelappten Rippenquallen, die Cestiden und Beroiden. In diese 4 Ordnungen lassen sich auch sämmtliche bis jetzt beschriebene Formen leicht einreihen . wenn man von solchen Beschreibungen absieht, die, wie die Callianiren Péron's, nach so verstümmelten Exemplaren entworfen sind, dass über- haupt ein Wiedererkennen unmöglich sein wird. Insofern die gelappten Rippenquallen, wie dies zuerst Mc Crady ^) erkannte, ein cydippenförmiges Jugendstadium besitzen, so ergeben sich nähere verwandtschaftliche Beziehungen zwischen beiden Ordnun- gen. Dasselbe gilt auch für die Cestiden. Es ist mir geglückt in lücken- loser Reihe die Entwicklung von Cestus Veneris zu studiren und zu con- 1) Proceecl of the Elliot Society. Charleston. Vol. I. 1857. p. 254— 271. Tab. 14. 186 CarlChun. statiren, dass die aus dem Ei ausgeschlüpften Larven sich zunächst zu 0,5 cm grossen Cydippen ausbilden. So aberrant sich auch im späteren Alter die Vertreter der Lobaten und Cestiden erhalten , so wiederholen sie doch in ihrer Jugend die Grundform der echten Cydippe. Im System hat dies Moment dadurch seinen Ausdruck zu finden , dass die beiden Ordnungen der gelappten Rippenquallen und Cestiden als aus gemeinsamem Stamme entsprosst mit den Cydippen den in so vieler Beziehung eigenartig gestalteten Beroen gegenüberzustellen sind. Leuckart ') hat zuerst, wenn auch nicht auf den damals noch un- bekannten entwickluugsgeschichtlichen Thatsachen fussend, diesem Ge- danken dadurch Ausdruck gegeben, dass er die Ctenophoren in die bei- den Uuterabtheilungeu der Eurystomata (die Beroen) und die Steuosto- mata (alle übrigen Ordnungen) schied. Im Princip ist diese Gegenüber- stellung gewiss gerechtfertigt und es würde sich nur fragen, ob das ver- werthete Merkmal, die Enge und Weite derMundöifnung und des Magens, für alle Fälle zutreffend ist. Ich glaube, dass dies Charakteristicum nicht weiterhin sich als stichhaltig erweisen dürfte. So würde man bei der Betrachtung einer Haeckelia und gleichgrosseu Beroe in Verlegenheit kommen, welchen von beiden man eine engere oder weitere Mundöfifuung oder einen geräumi- geren Magen zusprechen solle. Die Haeckelia bläht letzteren wie eine Beroe auf oder krempelt wie diese ihren Mundrand um. Fast würde man sogar geneigt sein der von mir entdeckten Lampetia Panceriua , einer echten Cydippe , eine breitere Mundöffnung und einen geräumigeren Magen zuzusprechen, als einer ebenso grossen Beroe. Die Lampetia vermag ihren Mundrand handbreit auszudehnen und auf dieser Sohle wie eine Wasserschnecke an der Oberfläche des Wassers oder an den Wänden des Gefässes hinzukriechen -j . Doch auch sämmtliche übrigen Cydippen vermögen zeitweilig ihre Mundfläche auf einer Unterlage oder an dem Wasserspiegel , wenn auch nicht in so eclatauter Weise wie die Lampetia, auszubreiten. Eine ziemlich lange Mundöffnung besitzen weiterhin die gelappten Ctenophoren, die sogar bei den Cestiden sich in eine bis zur Vereinigung der durch die Körpermitte streichenden Ge- fässe mit den beiden Schenkeln der Magengefässe sich erstreckende Rinne fortsetzt. Wir würden es hier also mit einer unter Umständen 1) In VAN DER HoEVEN : Handbucb der Zoologie. Deutsche Uebersetzung. Nachtrag 1S50. 2) Chun: Das Nervensystem und die Muskuhitur der Rippenquallen. Habi- litationsschrift. 187S. p. 12. Die im Golf von Neapel erscheinenden Kippenquallen. 1S7 mehrere Fuss langen Mundöffnung zu thun haben, deren mittlerer etwa einen Zoll breiter Abschnitt allerdings allein direct in den Magen führt. Der Magen des erwachsenen Cestum gestaltet sich wiederum dadurch für Aufnahme der Nahrung geräumiger, dass er sich in der Richtung der Tentakelebene faltet, wie ich dies bei keiner anderen Ctenophore beob- achtete. Diese wenigen Beispiele mögen hinreichen, um zu zeigen, dass die Verwerthung eines relativen Merkmals, wie Enge und Weite von Mund- spalte und Magen, wohl im Grossen und Ganzen zutreflend sein mag, im Einzelnen jedoch oft nicht durchführbar erscheint. Wenn wir uns nun nach einem Merkmal umschauen, das einerseits leicht und charakteristisch hervortritt, andererseits auch in die typischen Organisationsverhältnisse beider Gruppen bedingend eingreift, so scheint mir ein solches in dem Fehlen und Vorhandensein des Tentakelapparates gegeben zu sein. Keine Beroide besitzt weder in der Jugend noch im Alter Fangfäden , keiner der drei übrigen Gruppen fehlen dieselben. Die Angaben älterer Beobachter von dem Fehlen der Fangfäden nament- lich bei gelappten Rippenquallen beruhen entweder auf unzureichender Beobachtung oder auf einem Verwechseln mit anderen Organen. Auf der anderen Seite fällt es nicht schwer die abweichenden Organisations- verhältnisse der Beroeu : die auffallende Verbreiterung der Mundspalte, den Besatz derselben mit grossen säbelförmigen Cilien, die kräftigere Entwicklung der Muskulatur und in Zusammenhang damit die Veräste- lung der Gefässe, als Anpassung an den allmäligen Ausfall des in erster Linie die Herbeischaffung der Nahrung besorgenden Tentakelapparates aufzufassen. Da die Beroe selbst im Embryonalleben keine Anlage von Fangfäden zu erkennen giebt , so glaube ich mit einer Eintheilung der Rippenquallen in Tentaculata und Nuda einen leicht in die Augen sprin- genden, positiven und für die habituelle Conformation der betreffenden Gruppen nicht unwesentlichen Factor verwendet zu haben. Unter den Tentaculaten , welche die Ordnungen der gelappten Rippenquallen, die Cestiden und die Stammformen beider, die Cydippen, in sich begreifen, lassen sich wiederum zvfei Modi der Tentakelausbil- dung beobachten. Die Cydippen besitzen zwei lange meist mit secundären Seitenfäden besetzte und in eine Tasche zurückziehbare Tentakeln. Die Cestiden und Lobaten können zwar in vereinzelten Fällen ebenfalls solche grössere Tentakeln aufweisen (Eucharis multicornis) , allein auf alle Fälle, mögen stärkere Senkfäden vorhanden sein oder nicht, entspringt von dem Ten- takelboden aus ein Büschel einfacher Senkfäden. Letztere treten oft in 18S Carichini unzählbarer Menge auf und legen sich in eine, durch eine Hautduplicatur gebildete Rinne. Diese Einne streicht bei den gelappten Rippenquallen von dem UrspruDg der Tentakeln aus längs der Mundränder bis zum Ansatz der Lappen, bei den Cestiden ebenfalls längs der Mundränder oft mehrere Fuss weit bis zu der Vereinigungsstelle der Magengefäss- schenkel mit den durch die Körpermitte verlaufenden Gefässen. Aus ihr pendeln nun die unzähligen freien Enden der Fangfäden oft in regel- mässigen Intervallen herunter. Es schien mir eine lange Zeit hindurch unerklärlich , durch welche Kraft die Fangfäden auf so weite Strecken hin innerhalb der Rinne festge- halten würden. Fol^j giebt zwar an, dass diese Nebententakel zu Drei- viertel der Circumferenz mit der Oberhaut des Rinnenbodens verwachsen seien und dass von ihrem freibleibenden Abschnitte die Reihe der Neben- fädeu entspringen, allein ich finde weder einen Hauptfaden, der Seitenäste abgiebt, noch lässt sich von einer Verwachsung etwas wahrnehmen. Viel- mehr entschwinden bei der Contraction oft sämmtliche Fäden aus der Rinne und können sogar soweit retrahirt werden , dass sie zum grossen Theil nicht mehr in derselben liegen, sondern aus der sackförmigen Tasche hervorgestreckt werden. Eine befriedigende Erklärung ergab sich erst, als ich in der Rinne einen zierlichen Aufhängeapparat für die feinen Fäden auffand. In ihrer ganzen Länge ist sie nämlich mit grossen gemshornförmig gebogenen Cilien besetzt. Letztere sitzen mit breitem Ende auf und lassen über ihr umgebogenes zugespitztes und noch einiger Bewegung fähiges Ende die Fäden herunterpendeln. Bei allen gelappten Rippenquallen , bei dem Cestus und Vexillum ist dieser Klammerapparat vorhanden. Die eben geschilderte Conformation des Tentakelapparates mit der Rinne und den gemshornförmigen Cilien fehlt durchaus den Jugend- formen beider Ordnungen. Erst nach Anlage der Lappen resp. nach dem bandförmigen Ausziehen des Körpers tritt ein Schwund des cydip- penförmigen Tentakelapparates ein und ziemlich spät legen sich die neuen Fangfäden an. Ich erachte diese Bildung für weit charakteristi- scher, als das Vorkommen eines sackförmigen Hohlraumes , in den die Fangfäden zurückgezogen werden können. Agassiz wurde bekanntlich durch denselben veranlasst die Cydippen als Saccatae den Lobaten und Cestiden gegenüberzustellen. Allein einer- seits scheint mir diese blindsackförmige längs der Tentakelbasis sich er- streckende Ectodermeinstülpung durchaus nicht allen Cydippen zuzu- 1) Fol, Beitr. z. Anat. u. Eutw. d. Rippenquallen. 1S69. p. 10. Die im Golf vou Neapel orscheiuenden Rippeiiquiilleu. 1§9 kommen ( wenigstens besitzt die merkwürdige vou Mertens ^) in der Behringsstrasse entdeckte Beroe glandiformis [Dryodora glaudif. Ag.] keinen solchen Tentakelsack:, andererseits ist der Tentakelsack sehr typisch auch bei den Cestiden ausgebildet. Den gelappten Kippenquallen fehlt er jedoch. Nur bei Eucharis multicornis Eschsch. nahm ich eine Bildung wahr, die man wohl als Homologon eines Tentakelsackes auf- fassen könnte. Nachdem sie nämlich bereits zu ziemlicher Grösse her- angewachsen ist und die Gestalt einer Bolina erlangt hat, so beginnt oberhalb des Teutakelapparates eine blindsackförmige Einstülpung des Ectoderms schräg gegen den Magen zu sich anzulegen. Proportional mit dem Wachsthum des Thieres dringt sie längs des Magens beiderseits gegen den Sinnespol zu vor und erstreckt sich schliesslich bei den aus- gewachsenen Exemplaren noch bis über den Trichter hinaus. Ueber die Function dieser beiden etwa 1 cm oberhalb des Tentakelapparates sich öffnenden und 1 V2 cm breiten flimmernden Blindsäcke habe ich nur die Yermuthung, dass sie die Ortsbewegung mit dem Sinnespol voran , die ich gelegentlich bei der Eucharis wahrnahm, durch Austreiben des Was- sers unterstützen. Obwohl diese Function durch das Vorhandensein vou Muskeln in den Wandungen erklärlich sein würde , so konnte ich doch durch Injection der langen Säcke mit Tusche den vermutheten Effect nicht regelmässig beobachten. Wichtige für die Systematik verwerthbare Charaktere giebt ferner die Conformation des Gefässsystems, des architektonischen Baugerüstes im Ctenophorenkörper, ab. In allen Fällen weist es auf die zu Grunde liegende zweistrahlige Gliederung hin , selbst wenn eine solche äusser- lich nicht hervortritt (Pleurobrachien) . Auch in Fällen, wo anscheinend eine vierstrahlige Gliederung des Gefässsystems sich kund giebt, wie in den vier aus dem Trichter entspringenden Hauptstämmen bei den Lo- baten und Cestiden, lässt sich der Nachweis führen, dass der vierstrah- hge Bau nur scheinbar zu Stande kommt. Nicht nur dass bei den cy- dippenförmigen Jugendformen der genannten Ordnungen zwei sich späterhin dichotomisch gabelnde Hauptstämme aus dem Trichter ent- springen, sondern in allen Fällen ist auch bei den ausgebildeten Indi- viduen der Trichter lateral comprimirt (bei Cestiden. Lobaten und Beroeu senkrecht zu der Breitseite des Körpers' . Die Betrachtung der Gefäss- vertheilung vom Sinnespole aus überzeugt , dass die beiden ursprüng- lichen Hauptstämme zwar nur im Rudiment augedeutet sind, ohne jedoch 1) Hertens, Ueber beroeartige Akalephen. Mein, de lAcad. d. sc. de St. Pétersb. VI Sér. T. II. 1S33. p. 530. Tab. XL 190 Carichini. einer vierstratiligen Gefässvertheilung Platz gemacht zu haben. Im All- gemeinen will ich nur noch hervorheben , dass trotz aller Communica- tionen und Ramificationen der Gefässe doch bei keiner einzigen Cteno- phore ein den Mund umkreisendes Ringgefäss , wie es vielfach bei ge- lappten Ctenophoren (Gec4Enbaur, Will), bei den Cestiden (Fol) und von sämmtlichen Beobachtern bei der ausgebildeten Beroe (Will, Agas- siz, MiLNE Edwards, Delle Chiaje, Gegenbaur, Eimer) beschrieben und abgebildet wird, vorkommt. Injectionen, die ich meist mit chine- sischer Tusche von den verschiedensten Körperstellen aus machte oder dadurch herbeiführte, dass ich unversehrte Thiere in durch Tusche ge- färbtes Seewasser für einige Zeit setzte , gelangen leicht bis in die fein- sten Ramificationen und zeigten , dass die übereinstimmenden Angaben über ein Ringgefäss auf Irrthum beruhen. Obwohl es nicht in meiner Absicht liegt , in diesen Mittheilungen auf embryologische Thatsachen einzugehen , so möchte ich doch noch- mals hervorheben, dass Trichter und der gesammte davon entspringende Gefässapparat aus den sogenannten Dottersäcken Ko^valevsky's ^) und A. Agassiz's^) gebildet werden i Letztere repräsentiren durchaus nicht vergängliche, der Resorption anheimfallende Bildungen, wie es Agassiz und Kowalevsky (auch noch in seiner zweiten russisch geschriebenen Abhandlung über Cölenteratenentwicklung) darstellen. Man hat sich zwar gewöhnt allgemein bei den Cölenteraten den peripherischen Ge- fässapparat auf Ausstülpungen des Darmes zurückzuführen, allein nach meinen Erfahrungen dürfte nicht nur die Entwicklung der Rippenquallen ' sondern auch diejenige mancher Scheibeuquallen mit der Kowalevsky- schen Verallgemeinerung in Widerspruch stehen. Die Beobachtung , dass der Gefässapparat bei den Rippenquallen aus den bei den ersten Furchuugsvorgängeu abgetheilteu grossen Ento- dermzellen seinen Ursprung nimmt, der Magen dagegen secundär durch eine Einstülpung vom Ectoderm aus entsteht, hat bei einer Beurtheiluug über die Werthigkeit des cölenterischeu Apparates ebenso ihre Berück- sichtigung zu finden, wie mich die in der letzten Zeit so überraschend sich mehrenden Beobachtungen über eine Entstehung der Leibeshöhle durch Abschnürung vom Urdarm aus bei sämmtlichen Echinodermen, bei den Chätognathen , Enteropueusten, Brachiopoden und wahrschein- lich bei allen Gephyreen dazu drängen , die alte LEUCKART'sche Auf- 1) A. Kowalevsky, Entwicklung der Kippenquallen. Mém. Acad. St. Pé- tersb. VlIcSér. Tome X. 1866. 2) A. Agassiz, Embryol. of Ctenoph. Mém. Americ. Acad. Vol. X. 1874. p. 368. I Die im Golf von Neapel erscheinenden Rippenquallen. 191 fassuug des Cölenteratenorganismus in ganzem Umfange aufrecht zu er- halten. Auch Haeckel wird sich nicht verhehlen können , dass seine Auffassung über die Entstehung der Leibeshöhle nach dem jetzigen Stande der Wissenschaft einer veränderten Fassung bedarf , dass wir von dem Niederen zum Höheren aufsteigend eine Erklärung für die Bil- dung der Leibeshöhle bei den höheren Wirbellosen und Wirbelthieren suchen müssen, statt letztere, im Widerspruch mit den Priucipien einer vergleichenden Embryologie, zum Ausgangspunkt für die Deutung nie- derer Organismen, speciell der Cölenteraten, zu wählen. Nach den bisherigen Mittheiluugeu würde sich für eine systemati- sche Uebersicht der vier Ctenophorenorduuugen folgendes Schema er- geben : Tenta culata. Mit Faugtìiden. Zwei lange einfache oder mit Seitenfäden be- setzte Tentakel. Sämmtliche Gefässe endigen blind. 1. Cydippidae. Büschel von zahlreichen Fangfäden, welche jeder- seits in eine längs der Mundränder streichende mit einem aus Cilien gebildeten Aufhäugeapparat ver- sehene Rinne zu liegen kommen. Haupttontakel kön- nen vorhanden sein oder fehlen. Die Gefässe com- mimiciren miteinander. Die Jugendforuien sind Cy- dippen. Nuda. Ohne Fangfäden. Die Gefässe treiben allseitig Ramificationen. Zwei Mundlappen. 2. Lobatae. Körper bandförmig. 3. Cestidae. 4. Beroidae. III. Systematische Uebersicht. Indem ich nun zu einer Aufzähluug der im Golfe erscheinenden Rippenquallen übergehe, knüpfe ich darau kurz solche Beobachtungen, welche neue Thatsachen oder historisch kritische Bemerkungen betreffen. w I. Cydippidae. An Stelle der von L. Agassiz^ eingeführten Bezeichnung Saccatae habe ich wieder die alte Benennung Cydippidae in dem Umfange , wie diese Gruppe von Lesson und Gegenbaur umgrenzt wurde, angewendet. 1) L. Agassiz, Contrib. to the mit. hist. of the Unit. St. Vol. III. p. 1^4u. 193. 192 Carl Chun Die Aufstellung der Gattuug- Cydippe durch Eschscholtz ') beruht auf einem Missverständniss. Dieselbe Gattung wurde von Fleming vorher Pleurobrachia benannt, nicht Pleurobranchaea , wie Eschscholtz irr- thümlicherweise glaubte. Da Pleurobranchaea synonym mit derMECKEL- schen und CuviER'schen Molluskengattung ist , so gab ihr Eschscholtz den Namen Cydippe. Wir haben jedoch die FLEMiNo'sche Bezeichnung als die ältere beizubehalten. Da sich inzwischen die Benennung Cy- dippe vielfach eingebürgert hat, so glaube ich keinen Fehlgriff zu thun, wenn ich die ganze Gruppe unter der Bezeichnung der Cydippen zusam- menfasse. Agassiz trennte seine Saccatae wieder in die zwei Unter- ordnungen der Mertensidae und Cydippidae, je nachdem der Querschnitt des Körpers oval oder rund ist. Obwohl sich offenl^are Uebergänge zwischen beiden Gruppen in den Jugendformen der Lobaten und Cesti- den auffinden lassen , so ist doch für die Praxis diese Unterscheidung anwendbar, zumal sie mit anderen bemerkenswerthen Structurverhält- nissen Hand in Hand geht. Bei den Mertensiden ist nämlich mit der meist sehr auffälligen Abplattung des Körpers eine ungleiche Längen- ausdehnung der beiden Rippen eines Quadranten verknüpft. Zugleich entspringen die 8 Rippen nicht wie bei den Pleurobrachiden (so nenne ich diese Unterordnung au Stelle der AoAssiz'scheu Bezeichnung Cy- dippidae, welch' letztere ich für die ganze Ordnung gebrauche) in glei- cher Höhe, sondern die Paare von kürzeren Rippen beginnen meist weiter vom Sinnespole entfernt, als die langen Rippen. Bemerkenswerth ist fernerhin der bereits von Mertens und Agassiz betonte Umstand, dass der Längsdurchmesser des im Querschnitt ovalen Körpers (die durch beide Tentakeln gelegte Ebene) bei den Lobaten und Cestideu gerade die Schmalseite repräsentirt, indess in der Richtung des durch die Polplatten und Breitseite des Magens gelegten , bei den Mer- tensien stark verkürzten Durchmessers , das Cestum sich lang bandför- mig auszieht. So auffallend sich die abgeplatteten Mertensien hierdurch von den beiden genannten gleichfalls abgeplatteten Gruppen unterschei- den, so dürfen wir doch diesem Charakteristicum keine allzu tiefgreifende Bedeutung beilegen, denn zu meiner Ueberraschung fand ich , dass die cydippenförmigen Larven von Cestum und den Lobaten , die wir wegen ihrer allerdings nicht sehr auffälligen Compression zu den Mertensien zählen müssten, sich in denselben Gegensatz zu dem ausgebildeten Thier stellen. Auch bei ihnen ist der Körper senkrecht zu der durch die Ten- i 1) Eschscholtz, Syst. d. Akalephcn. 1S29. p. 24. — Fleming, Philosopby of Zoolog. II. p. 612. Die im Golf von Neapel eischeinenden Rippenquallen. 193 takeln gelegten Ebene comprimirt, bis im Verlaufe der postembryoualen Metamorphose die Schmalseite der Larve zu der Breitseite des entwickel- ten Thieres auswächst. Da während dieser Entwicklung zunächst die Ungleichheit der beiden Durchmesser aufgehoben wird und die Larve im Querschnitt rund erscheint , so ist damit zugleich auch die verbin- dende Brücke zwischen Pleurobrachiaden und Mertensien geschlagen. Im Golfe beobachtete ich folgende Cydippeuarteu : A. Pleurobrachiadae. 1. Hormiphora piumosa Ag. Hoi-miphora piumosa Ag. Contr. Nat. Hist. U. S. IIL p. 196. Cydippe hormiphora Gegbr. Arch. f. Nat. 1856. p. 200. Cydippe piumosa M. Sars. Middelhavets Litt. Fauna, p. 71. Ich behalte für diese elegante Cydippe die AciASSiz'sche Nomen- clatur bei, da sie ganz passend die ihr von den ersten Beobachtern zu- ertheilten Prädicate combinirt. Leicht kenntlich ist sie ausser den von Gegenbaur bereits abgebildeten eolidienförmigen meist gelb pigmen- tirten Anhänge an den Fangfäden, durch den im Gegensatz zu den übri- gen Cydippen dem Magen fast anliegenden Tentakelboden (so nenne ich den gesammteu durch die zwei Schenkel des Tentakelgefässes und die mediane Fangfädenbasis gebildeten Apparat) . Die Larven sind oval, vollkommen durchsichtig und lassen ihre Zugehörigkeit zu Hormiphora nicht verkennen. Panceri 1] bezog die Medusa Beroe densa Forskàl auf Hormiphora und führt dieselbe als Cydippe densa unter den von ihm beobachteten Ctenophoren auf. Allein die Beschreibung Forskal's 2) ist zu unvollstän- dig, als dass sie auf irgend eine der Mittelmeerformen mit Sicherheit bezogen werden könnte. Auf keinen Fall passen die Angaben Forskal's: costis rufescentibus ; e centro tentacula duo , rubra — exibant auf Hor- miphora, sondern eher auf Callianira bialata Delle Chiaje mit ihren rosa pigmentirten Fangfädeu und den rosa Pigmentflecken längs der Rippen. 2. Pleurobrachia rhodopis Chun. Ich beobachtete diese neue Art in wenigen Vertretern im Frühjahr 1877 und 1878. Das grösste Exemplar maass Y4 cm. Sie ist elliptisch und besitzt 8 gleichgrosse nicht weit vom Sinuespol entspringende und 1; Panceri, La Luce egli Org. lum. dei Beroidei. Atti della R. Acad. di Napoli. 1872. 2) P. ForskAl, Descr. anim. quae in itin. Orient, obs. 1775. p. 111. 194 Carichila über wenig mehr als die Hälfte des Körpers sich erstreckende Rippen. Der stark entwickelte Tentakelg-rund ist der Peripherie genähert und steht schräg, so dass seine verlängerte Achse mit dem Magen einen spitzen Winkel bildet, dessen Scheitel an der Mundöflfnung gelegen wäre. Die Fangfädenbasis, sowie der Fangfaden mit seinen Seitenästen sind lebhaft rosa pigmentirt, indessen der übrige Körper frei von Pigmentflecken ist. Der Fangfaden tritt in gleicher Höhe mit der Trichterbasis aus der wenig entwickelten Scheide. 3. Euplokamis Stationis Chun. Diese vollkommen durchsichtige unpigmentirte Art erschien in einem einzigen Exemplar im Februar J878. Ich konnte sie lebend nicht beob- achten, doch wurde sie mir wohlconservirt zur Untersuchung überlassen. Sie ist in der Hauptachse 2,5 cm laug und 1,3 cm breit, repräsentirt also eine von jenen Cydippenformen , die in ihrem Habitus sich den Beroen nähern. Der ziemlich schmale Magen erreicht eine Länge von 1,5 cm. Die acht gleichgrossen Rippen ziehen über den gesammten Körper, be- ginnen nahe am Sinneskörper und endigen am Mundrande. Auffallend klein ist der in der Mitte einer jeden Körperhälfte gelegene Tentakel- boden. Die mit Seitenästen besetzten Fangfäden treten in gleicher Höhe mit dem Trichter nach Aussen. Ein besonderes Interesse nehmen die Seitenfäden der Tentakel in Anspruch. Am conservirten Exemplare sind sie zumeist zu einem aus eng aneinanderliegenden Spiralwindungen ge- bildeten Cylinder aufgerollt. Diese spiralige Aufrollung wird durch ein elastisches Band bewirkt, das ebenso breit und lang als der Faden selbst an seinen schmalen peripherischen Flächen eine zierliche Doppelreihe von quadratischen leistenförmigen Riefen erkennen lässt. Es zieht durch die Mitte der Seitenfäden und ist an der bei der Aufrollung nach Aussen liegenden Hälfte mit einer dicken Schicht schön quergestreifter Muskel- fasern bedeckt. Das Vorkommen von quergestreifter Muskulatur an den vorwiegend für den Einfang der Nahrung bestimmten Seitenfäden ist einerseits eine hübsche Illustration für die Thatsache , dass sie da auf- tritt , wo an die Energie der Contraction höhere Anforderungen gestellt werden, andererseits sind diese quergestreiften Fasern die einzigen bis jetzt bei Rippenquallen beobachteten. Noch in meiner vor einem zweiten Aufenthalt in Neapel im Frühjahr 1S7S verfassten Habilitationsschrift i) glaubte ich es als charakteristisch für die Rippenquallen bezeichnen zu 1) Chun 1. c. p. 42. Die im Golf von Neapel erscheinenden Rippenqnalien. 195 können, dass sie im Gegensatz zu den Medusen und Siphonophoren eine durchweg glatte Muskulatur besitzen. 4. Lampetia Pance r ina Chun. Die Lampetia wurde von mir i) früher Pancerina singularis benannt. Da jedoch kurz vorher durch Angelo Andres - eine in der Leipziger Sammlung befindliche Octactinie als Panceria spongiosa beschrieben wurde, so bin ich genöthigt den frühereu Gattungsnamen fallen zu lassen. Um demungeachtet das Andenken des früh verstorbenen liebenswür- digen italienischen Forschers zu ehren, nenne ich sie Lampetia Pance- rina. Da ich sie bereits früher kurz bescb.rieb und auf die unter den Ctenophoren einzig dastehende Art der Gefässvertheilung hinwies , so- wie ihre originelle Gewohnheit, bisweilen nach Art von Schnecken an der Oberfläche des Wassers oder an den Gefässwandungen hinzukriechen, so gebe ich in Fig. 4 eine Skizze ihres Habitus. Sie erschien im Februar 1877 und 1878 jedesmal in einem grossen Schwärme. Beide Male gingen ihrem Erscheinen heftige Sciroccostürme voraus , welche sie vielleicht aus dem Oceau in das Mittelmeer ver- schlugen. Ich konnte ihre Entwicklung im Ei verfolgen, jedoch gelang es mir nicht die freilebenden Larven aufzufinden. Dass eine so auffallende und grosse Form wie Lampetia Pancerina der Aufmerksamkeit neuerer Forscher entgangen ist, kann ich mir nur dadurch erklären, dass sie in ihrem Habitus den Beroen ausserordentlich ähnelt. Sollte sie es nicht gewesen sein, die Delle Chiaje zu der An- gabe veranlasste, dass die jugendlichen Exemplare von Beroe ovata zwei Fangfäden besitzen ? (Animali invertebr. tom. IV. p. 109 u. 110.) Die Abbildung einer Beroe ovatus mit Fangfäden Tab. 163, Fig. 21 ist leider zu unbestimmt und oberflächlich, als dass sich hierauf ein sicheres Urtheil gründen Hesse , obwohl ich nicht wüsste , auf welche andere Rippenqualle man sie beziehen könnte. B. Mertensidae. Zu den Mertensien haben wir zunächst zwei in mehrfacher Hinsicht eigenartig gebildete kleine Cydippen zu rechnen. 1) Chun I. c. p. 12. 2) Angeld Andres, Ou Panceria spongiosa. Quart. Journ. f. micr. sc. 1877. 196 Carl Cium 5. Ha ecke Ha rubra Carus. Owenia rubra Kölliker. Zeìtschr. f. wiss. Zool. B d. IV. Haeckelia rubra Carus. Carus und Gerstäcker, Handbuch d. Zoologie. Durch die ungleiche Grosse der Rippen eines Quadranten und die schwache Compression documentirt sich diese zierliche zart smaragd- grün schillernde und mit orangerothen Pigmentfieckeu am Tentakel- apparate versehene Cydippe als zu den Mertensien gehörig. Der Schilderung Kölliker s und Gegenbaur's habe ich zunächst ein von ihnen nicht erwähntes Moment hinzuzufügen, durch welches sie sich sehr auffällig vor allen Ctenophoren auszeichnet. Es fehlen ihr nämlich vollständig die Magengefässe , wenn man nicht etwa eine ganz leise Ausbuchtung an den beiden vom Trichter lateral abgehenden Ge- fässstämmeu als Rudiment derselben in Anspruch nehmen will. Durch die zu ganz erstaunlicher Länge aus einer langen Scheide vorstreckbaren, der Seitenäste ermangelnden Fangfäden ist sie ebenfalls leicht kenntlich. Die Jugendformen gleichen mehr, als es sonst bei Ctenophoren be- obachtet wird, dem geschlechtsreifen Thiere. Bei sämmtlichen von mir beobachteten Exemplaren entwickelten nur die vier unter den grossen Rippen verlaufenden Gefässe die Ge- schlechtsproducte. Im Winter 1877/78 erschienen jedoch in ziemlicher Zahl Individuen, bei denen alle acht Rippengefässe geschlechtsreif waren. Letztere erreichen eine Länge von 1 cm, also fast das Doppelte der von mir lebend beobachteten Haeckelia. Nach dem conservirten Material vermag ich nicht zu entscheiden, ob wir es hier mit einer zweiten Art von Haeckelia zu thun haben (gleichzeitig trat auch die von mir beobachtete kleine Form mit vier geschlechtsreifen Gefässen häufig auf) oder ob ein Fall von Dimorphismus vorliegt, wie ich ihn in viel prägnanterer Weise bei den gelappten Ctenophoren constatiren konnte. 6. Charistephane fugiens Chun. Im Jahre 1864 beschrieb Claus ^) in seinen »Studien über Cteno- phoren und Medusen« eine Ctenophorenlarve aus Messina, der die 8 Rippen fehlten, wohingegen den hinteren Leibesabschnitt zwei Kränze von Schwimmplättcheu umstellten, welche die Bewegung der Larve ver- mittelten. Bedenkt man, dass gerade das Vorhandensein von 8 Rippen eines der constantesten Merkmale für die Ctenophoren abgiebt, dass alle An- ]) Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. XII. p. 3S6. Die im Golf von Nenpel erscheinenden Rippenquallen. 197 gaben über eine grössere oder geringere Zahl vun Rippen auf ungenauen Beobachtungen beruhen, so wäre eine Cteuoi)hore mit zwei Sehwinim- plättchenkräuzen allerdings eine einzig dastehende interessante Erscliei- nung. Es war mir daher sehr w^erthvoll , dass ich diese vermeintliche Ctenophoreularve im Frühjahr 1877 in vier Exemplaren beobachten konnte. Die bis zu 6 mm heranw^achsenden in der Magenebene stark comprimirten Thiere (die beiden Querdurchmesser verhalten sich wie 1 : 21/2) eilen mit ihren in der That vorhandenen beiden Schwimm- plättchenkränzen zeitweilig mit grosser Schnelligkeit durch das Wasser. Gelingt es nun durch geeignete Manipulation sie vom Sinnespol zu be- trachten, so lösen sich die räthselhaften Schwimmplättchenkränze in je 8 enorm verbreiterte und mit ihren Enden sich berührende Schwimm- plätteben auf. In der That haben wir es auch hier mit 8 Rippen zu thun, die aus nur je zwei mächtigen Schwimmplättchen bestehen. Die den oberen Kranz bildenden Schwimmplättchen berühren sich bei keinem der beobachteten Exemplare vollständig, sondern sind leicht als dis- crete Plättchen erkennbar. Bei den jüngeren Exemplaren sind auch die unteren acht Plättchen vollkommen von einander getrennt. Claus stellt die Möglichkeit hin, «dass aus beiden Wimperkränzen durch Resorption die Anhänge zu den acht Meridianen von Schwimmplättchen hervor- gehen«; nach meinem Befund verhält es sich umgekehrt, da die Schwimmplättchen durch Verbreiterung die angeblichen Kränze bilden. Die nähere Vertheilung der Gefässe konnte Claus an dem einzig beobachteten Individuum nicht vollständig erkennen. Sie ist in der That nicht leicht zu eruiren, fügt sich jedoch vollkommen in das Schema der Gefässvertheilung bei den Cydippiden ein , indem die beiden aus dem Trichter entspringenden Stämme durch dichotomische Theilung acht unter den Rippen herziehende , gegen den Sinnespol etwas verdickt en- digende Gefässe und je einen kurzen Ast zum Tentakelboden abgeben. Magengefässe sind vorhanden. Ist schon durch diese Eigenthümlichkeiten die in Rede stehende Cydippide von den übrigen Vertretern der Ordnung leicht zu unterschei- den, so muss ich sie durch die Beobachtung dass sie Geschlechtsproducte entwickelt , nicht als Larve, sondern als Vertreter einer neuen Gattung betrachten. Die Bildung ihrer Geschlechtsproducte geschieht wiederum auf eine unter den Ctenophoren einzig dastehende Weise. Wie bei Haeckelia rubra werden nur in den zu beiden Seiten des Tentakelappa- rates verlaufenden 4 Gefässen Geschlechtsproducte gebildet. Während jedoch bei Haeckelia die Gefässe in ihrer ganzen Länge analog den übrigen Ctenophoren Samen und Ei liefern , so beschränkt sich deren Mittlieilungen a. d. Zoolog. Station zu Neapel. Bd. I. 1 * 198 Carl Cium Production lediglich auf die dem Munde zugekehrten Gefässenden. Letztere schwellen mächtig an und treten als 4 Beutelchen, gewisser- masseu als vier Zwitterdrüsen leicht kenntlich hervor. Leider gelang es mir nicht die untersuchten Exemplare . von denen nur eines völlig unversehrt war, längere Zeit am Leben zu erhalten und zur Eiablage zu bringen. Ebensowenig konnte ich die verästelten Fangfäden ausgestreckt gewahren. 7. Callianira bialata Delle Chiaje. Descr. e notom. d. anim. invert. Napoli 1841. p. HO. Taf. 66, Fig. 15. Eschsclioltzia cordata Kölliker. Zeitschr. f. w. Zool. Bd. IV. p. 316. Gegenbaiiria cordata Agasàiz. Coutrib. p. 293 und 198. Es war ein Missverständniss , wenn Kölliker seine Eschscholtzia cordata zum Genus Eschscholtzia Lesson bezog , denn letzteres wurde für im Querschnitt runde , nicht für ovale Formen aufgestellt. Zudem hat bereits Delle Chiaje vor Kölliker dasselbe Thier als Callianira bialata beschrieben und abgebildet. Da überhaupt das Genus Callianira Péron für entweder höchst un- genügend charakterisirte oder, wie die Abbildungen lehren, bis zur Un- kenntlichkeit verstümmelte Exemplare aufgestellt wurde und es nicht gelingen wird auf irgend eine Ctenophore mit Sicherheit diese Gattung zu beziehen, so wird man , um die Verwirrung nicht noch grösser zu machen, am besten die Nomenclatur Delle Chiaje's beibehalten. Ueber- dies haben wir es , soweit die bizarren Abbildungen der angeblichen Callianiren erschliessen lassen, mit Formen zu thun, die entweder selbst zu den Mertensien gehören oder ihnen wenigstens sehr nahe stehen. Die Callianira bialata mit ihren flügeiförmigen Fortsätzen am Sinnespol mag von jetzt an als Typus der Gattung Callianira gelten , zumal nach der kurzen Cha